Jtt. 232
Fuldaer Zettung (Amtliches Kreisblatt)
Freitag, den 7. Oktober 1932
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fährlichen Kundschaftsritt ausgesandt worden war. dachte sich dabei gar nichts. Das konnte schließlich endlich selbst ihm als Adjutant einmal passieren, wünschte Willi nichts Schlechtes und nichts Gutes. Sache ließ ihn kalt. Freddy Hasenauer war einer
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en, und Lessing.
Durch diese Anordnungen der Reichsregie- run g werden die Gemeinden, auch Fulda, in eine Zwangslage versetzt, die auf alles andere hinausgeht als auf die von der fetzigen Reichsreaie- ning in Aussicht gestellte Lastensenkung.
nen waren bereits vorhanden, das nötige Personal, soweit es nicht sofort hatte einrücken müssen, war auch da, kurzum, man brauchte sich nur auf die Erzeugung von Kriegsmaterial umzustellen. Mit der ihm angeborenen Energie warf Hasenauer senior sich aus diese Sache.
Natürlich konnte er es nicht verhindern, daß Freddy einrücken mußte. Die Gefahr, daß sein Sohn an der Front weilte, muhte er eben eine Zeitlang tragen. Daß diese Zeit nicht allzulang dauerte, dafür wollte er sorgen.
Während er daran mit Feuereifer arbeitete, saß sein Sprosse in Rußland. Als Adjutant waren ihm so ziemlich alle Vorgänge bekannt, die sich im Regiment ab- spielten; natürlich auch, daß Woltmann auf einen ge-
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denen, Dte mehr an sich selbst als an andere dachte,.. Weber Woltmann begann er erst zu denken, als der Abend kam und die Patrouille noch nicht zurückgekehrt war. Die Kameraden machten sich Gedanken um Willi, und Hasenauer zeigte sich ebenso besorgt wie die anderen. Ganz im Hintergrund seines Gehirns regte sich freilich schon der Gedanke, daß, wenn Woltmann nicht zurückkäme, der Weg zu Herma wieder sei wäre. Ja, natürlich, er würde ihr Zeit lassen müssen, aber immerhin--
Am nächsten Morgen war Woltmann noch immer nicht zurück. Es wurde beschlossen, noch eine Patrouille auszusenden. Einerseits mußte der Auftrag, den Woltmann nicht mehr hatte ausführen können, erledigt werden, und andererseits wollte man sehen, ob über das Schicksal der ersten Patrouille etwas zu erfahren war. Ein unerklärlicher Impuls veranlaßte Hasenauer, sich
Umsätze -st 1932 n Ties, cht noch eitschrist ihig im Vor.
freiwillig für den Patrouillenritt zu melden. Als er mit zwei Mann wegritt, wußte er selbst nicht recht, warum er es getan hatte, und fluchte innerlich über seine Dummheit. Zum Trost diente ihm nur der Gedanke, daß dieser Ritt beim Regiment einen sehr guten Eindruck machen dürfte.
Sie kamen bis auf die andere Seite des Hügels und ritten mit Herzklopfen denselben herunter. Aber schon bei der ersten Lichtung stießen sie auf einen unerwarteten Anblick. In der Mitte derselben graste ruhig ein Pferd, das durch Sattel und Zaumzeug als österreichisches Husarenpferd zu erkennen war. Es ließ sich willig einfangen, und da zeigte es sich, daß es auf der rechten Seite einen Streifschuß hatte. Die Wunde war nicht gefährlich, und das Blut darauf war schon gestockt. Hasenauer ließ dem Pferd den Sattelgurt lockern und die Kandare aus dem Maul nehmen. Dann ritten er und feine zwei Mann große Kreise auf der Lichtung und stießen nach einiger Zeit auf den abgefallenen Reiter. Es war einer von den sechs Mann, die mit Woltmann ausgezogen waren. Er lag am Boden, halb ohnmächtig vor Schmerz, und wimmerte leise. Seine rechte Kniescheibe war durch den Schuß zerschmettert, und er hatte sich mit seinem Verbandpäckchen einen Notverband herumgelegt. Hasenauer reichte ihm seine Feldflasche mit gutem, altem Kognak, und nach einigen Zügen war der Mann so weit, daß er kurz die Geschichte des gestrigen Uebersalls erzählen konnte.
Ob Leutnant Woltmann tot oder verwundet war, wußte er nicht. Aber er hatte ihn mit dem Pferd fallen sehen. Jedenfalls war er zumindest in Gefangenschaft geraten. Er selbst war umgedreht und nach rückwärts galoppiert. Dabei hatte er den Schuß erhalten. Eine Zeitlang konnte er sich noch im Sattel sesthalten. und so war er aus den Augen der Feinde entschwunden. Auf der Lichtung war er endlich vom Pferd gefallen.
Der Mann erzählte mit Unterbrechungen, und das Reden machte ihm sichtlich Mühe. Hasenauer hatte genug gehört. Er befahl einem seiner Husaren abzusteigen, lieh den Verwundeten, der dabei kläglich ächzte, auf dessen Pferd festbinden, wozu sie das Riemenzeug des verletzten Tieres gebrauchten.
Dann trat die Patrouille den Heimweg an. Die zwei Mann stützten ihren Kameraden, der bald rechts, bald
Verforgungsmengen wenden die Hilfsbedürftigen von der Kommission unterrichtet. Wünsche und Beschrvevden werden von dem Kartell der christlichen und freien Gewerkschaften sowie von den Mitgliedern der Kommission, für die christlichen Gewerkschaften: Peter Stahl, Friedrich Romeis, Wilhelm Brehl, Konrad Storch; für die freien Gewerkschaften: Gustav Auch, Karl A. Gottbehüt, Nikolaus Schrimpf, Otto Möller, entgegengenommen.
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Schul-Personennachrichten.
Endgültig angestellt wurden die Lehrer Johan.- nes S a s s e in Friesenhausen (Kr. Fulda), Simon in Eiterfeld (Kr. Hünfeld), Karl Müller in Sannerz (Kr. Schlüchtern), Reinhold Klein in Gotthardts (Kr. Hünfeld). Einstweilig wurden angestellt Lehrer Fritz Ernst in Rasdorf, bisher in Hosenfeld, Lehrer Anton Krapp in Weyhers und Lehrerin Johanna Becker in Kassel (Kr. Geldhausen). In den Ruhestand versetzt wurde Lehrer Franz Herterich in Neuses (Kr. Gelnhausen). Entlassen wurde die technische Lehrerin Julie Mies in Hanau. Versetzt wurde Lehrer Werner von Marborn (Kr. Schlüchtern) nach Großkrotzenburg (Landkreis Hanau).
Goldene Hochzeit.
Am Samstag, den 8- Oktober, feiern die Eheleute Nikolaus Mauritius Brehl und Lioba, geb. Elm, hier, Feldstraße 12 wohnhaft, das Fest ihrer Goldenen Hochzeit.
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M Oberpräsidenten unserer Provinz bestellt Horden. Herr von Hülsen ist ein Sohn des preu- Wchen Ostens. Er wurde 1875 zu Bischofswerda in West Preußen geboren. Zunächst
Vorbereitung der Winterhilfe.
Heute morgen fand unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters eine Besprechung der bestehenden Erwerbslosenkommission der christlichen und freien Gewerkschaften über die Winterversorgung der Hilfsbedürftiigen statt. Die Wünsche der Kommission, betreffend unentgeltliche Kartoffelversorgung und Versorgung mit W inte r b r a n d (Holz und Kohle), wurden von dem Herrn Oberbürgermeister entgegengenommen und weitestgehende Hilfe in Aussicht gestellt, lieber die
immer starke Sehnsucht, ins Rheinland zurückzu- kchren und vor allem das ihm sehr wenig sympathische Kassel zu verlassen. Nach der Zwischenlösung mit Herrn Dr. S ch u n k ist jetzt, unbeschadet der noch ausstehenden und notwendigen Stellungnahme des Provinzialausschusses, von der
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Wichtig für Kleinrentner.
Am Samstag, dem 8. Oktober, von vormittags 9 bis 11 Uhr wird auf Zimmer 13 de« Stadtschlol- ses 6ie Unterstützung für Oktober VX32 an die hilfsbedürftigen Kleinrentner der Stadt Fulda ge. .zahlt. Grüne Ausweisnummerkarten sind vorzulegen.
Iagdreiten der Garnison.
Am Freitag, dem 7. Oktober, wird die zweite Jagd der hiesigen Garnison geritten. Das Stelldichein ist an der Straße Sickels-Niederrode, 300 Meter südwestlich des Südausgangs von Sickels. Zuschauer sammeln sich 11,30 Uhr auf der Niederroder Höhe. Von dort ans erfolgt Führung durch einen Unteroffizier.
Es wird kalt.
Noch stehen die Bäume int Blätterschmuck, und nur langsam beginnt sich das Grüne in die leuchtenden Farben des Herbstes zu wandeln. Und doch merkt man des Abends schon, daß es nicht mehr west bis zum Winter ist. Man fröstelt, wenn man seinen Ueberzieher vergessen hat. Nacht für Nacht geht das Thermometer saft bis zum Nullpunkt herunter, und am Morgen hüllt ein grauer,
links vom Sattel hing, und dessen eigener Gaul der Patrouille wie ein Hund folgte.
Hasenauer ritt nur bis über den Hügel mit, dann befahl er seinen Leuten, mit dem Verwundeten zum Regiment zurückzukehren. Er selbst drehte um und setzte den Patrouillenritt allein fort.
Er wollte Zeit zum Denken haben. Die Geschichte hatte eine ernste Wendung genommen. War Woltmann tot ober gefangen?
Oben auf dem Hügel stieg Hasenauer ab, band fein Pferd an einen Baum, setzte sich nieder, zündete eine Zigarette an und dachte über den Fall nach.
Sicherlich kamen für ihn die Millionen Hochställens sehr stark in Frage. Das schloß aber nicht aus, daß er Herma auch um ihrer selbst willen begehrte. Er liebte sie in seiner Art, die sich stark dem Körperlichen zuneigte. Er sehnte sich nach dem ebenmäßig gebauten Körper Her- mas, nach ihren linienfein modellierten Gelenken, dem trotzigen Mund und den stolzen Augen.
Nachdem er längere Zeit nachgedacht hatte, warf er die Zigarette weg. Sein Entschluß war gefaßt. Er wollte Herma gewinnen. Um jeden Preis! Was kümmerte es ihn, ob Woltmann noch lebte, wenn er überhaupt noch lebte. Die Bahn für ihn war nun frei.
Er stieg aufs Pferd, und in der gehobenen Stimmung, in der er war, beschloß er, noch ein Stück weiter zu reiten, um zu sehen, ob er nicht auch für das Regiment eine Nachricht nach Hause bringen könnte. Er ritt vorsichtig einen riesigen Bogen, aber die Gegend war verlassen. Vom Feind war nichts zu sehen. Endlich kam er zu einem Bauerngehöft. Aber auch das war leer. Beim Wegreiten führte sein Weg an einem Heuschuppen vorüber. Plötzlich kamen zwei russische Soldaten aus dem Tor des Schuppens. Sein Pferd machte einen Sprung, und Hasenauer, zu Tode erschrocken, wußte nicht, was er zuerst erfassen sollte — den Sattel oder die automatische Pistole. Gleich darauf aber sah er, daß die beiden ganz ungefährlich waren. Sie kamen nämlich mit hocherhobenen Händen und demütigen Gebärden auf ihn zu und zeigten keine andere Absicht, als sich gefangen nehmen zu lassen. Sichtlich hatten sie sich beim Abmarsch ihres Regiments versteckt und waren nun, als sie ihn sahen, her- vorgekommen, froh, daß der Krieg für sie vorüber war.
(Fortsetzung folgt.)
Die Schonzetten der Fische.
Am 1. November beginnt in den Regierungsbezirken Kassel und Wiesbaden die Winterschon- zest für Fische. Während der Wiuterschou- zeit, die bis einschließlich 26. Dezember dauert, ist jegliche Ausübung des Fischfangs in den Gewässern, die der Winterschonzeit unterliegen, verboten. Die Winterschonzeit gilt für alle Gewässer, tn denen die Bachs o r eile als Hauptnutzfisch vorkommt. In den nicht oer Winterschonzeit unterliegenden Gewässern ist der Fischfang, mit Ausnahme des Fischfangs mit der Angel und der sog. stillen Fischerei, in der Zeit vom 20. April bis 31. Mai im Regierungsbezirk Kassel verboten. (Frühjahrsschonzeit.)
Im Regierungsbezirk Kassel ist in den oer Frühjahrsschonzeit unterliegenden Gewässern der Fang von Lachsen und Forellen in der Zeit vom 1. November bis einschließlich 26. Dezember verboten. Für den Regierungsbezirk Kassel ist außerdem für alle Gewässer eine Schonzeit für Krebse vom 1. November bis einschließlich 31. Mai eingesetzt, während der Fang von A eschen in der Winterschonzeit unterliegenden Gewässern vom 15. März bis 9. Mai einschließlich verboten ist. Schließlich ist im ganzen preußischen Staatsgebiet an den Sonntagen von vormittags 9 bis nachmittags 6 Uhr der Fischfang verboten, jedoch ist das Angeln gestattet mit Ausnahme der der Winterschonzeit unterliegenden Gewässer an den in diese Zeit fallenden Sonntagen, während tn der Frühjahrsschonzeit an den betreffenden Sonntagen nur die Handangel mit Ausnahme der Schlepp- und Spinnangel zum Fischfang benutzt werden darf. Die Geräte der stillen Fischereien dürfen während der sonntäglichen Schonzeit zum Fang im Wasser verbleiben. Alle genannten Schonbestimmungen gelten nicht für geschlossene Gewässer.
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Vom Arbeitsamt Fulda.
Mehr männliche, weniger weibliche Arbeitsuchende.
Nach dem statistischen Monatsbericht für September 1932 waren am 1. September 4592 männliche Arbeitsuchende vorhanden. Der Zugang betrug im Laufe des Monats 804 und der A b- g a n g 505 Arbeitsuchende, so daß sich die Zahl der männlichen Arbeitsuchenden bis zum Monatsende auf 4891 vermehrt hatte. Umgekehrte Tendenz zeigt die Entwicklung für die weiblichen Arbeitsuchenden. Staat 654 weiblichen Arbeitsuchenden am Monatsbeginn waren bei einem Zugang von 141 und einem Abgang von 186 noch 609 weibliche Arbeitsuchende vorhanden.
Die Zahl der Hauptnnterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung betrug am 30. September 573 männliche (am 15. 9.: 570) und 103 weibliche (131), insgesamt 676 (701). Die Zahl der Hauptunterftützungsempfänger in der Krisenun- terstützung betrug am Monatsende 1270 männliche (1283) und 91 weibliche (98). Die Zahl der unterstützten Kurzarbeiter betrug 225.
widmete er sich dem Studium der evangelischen Theologie, lieber kirchengefchicht- liche und philosophische Studien kam er dann zur Rechtswissenschaft und bestand 1898 den Gerichts-Referendar und 1903 den Gerichts-Assessor. Der damalige Leiter des preußischen Hochschulwesens, Ministerialdirektor Friedrich Althoff, berief ihn 1904 als Hilfsarbeiter an das preußische Kultusministerium. Nach vielgestaltiger Tätigkeit innerhalb des Kultusministeriums wurde er daselbst 1912 zum Geheimen Regierungsrat und Vortragenden Rat und 1916 zum Geheimen Ober- legierungsrat mit dem Rang der Räte 2. Klasse ernannt. Im Ministerium bearbeitete er in der Hauptsache die finanziellen Angelegenheiten der Universitäten Breslau, Halle, Göttingen, Marburg, Bonn, Münster und Frankfurt a. M., insbesondere waren ihm die gesamten Institute der Kliniken dieser Universität anvertraut. Am 8. September 1920 wurde er auf seinen Wunsch zum Kurator der Universität in Marburg ernannt, welches Amt er am 1. Dezember 1920 antrat.
Politisch trat Geheimer Rat von Hülsen i m Kommunallandtag in Kassel hervor, zu dessen Mitglied er von der Deutschen Volkspartei gewählt worden war. Bekanntlich bilden die Abgeordneten der Deutschen Volks- Partei mit den Deutschnationalen im Kommunallandtag die sog. „Hessische Arbeitsge- m e l n s ch a f t", deren Führer er ist.
Copyright 1932, by D
Langsam begann er die Sachlage zu übersehen, und 5? schien ihm stets günstiger und günstiger. Um seinen ganz vorn Militärdienst loszubekommen, mußte ?fär ihn einen Posten schaffen, auf dem er „unentbehr- IR“ war. Das traf sich ausgezeichnet. Seme Bank auch eine Reihe Jndustrieoerbindungen. Etwa ein vor dem Kriegsausbruch hatte Hasenauer sich an
Finanzierung einer neuerrichteten Fabrik beteiligt.
^ Geschichte schien im Anfang recht aussichtslos. 3r= Wnd jemand hatte eine neue Art Schnellwaage erfun» tah b*c patentiert worden war, und hatte eine große dafür gebaut Das Unternehmen wäre gesund
* ™enn nicht eine Reihe von Fehlern begangen f eii> n ro“re. Dor allem hatte man übersehen, daß so
®u<be sich aus kleinen Anfängen heraus entwickeln Alles mar zu großzügig angepackt worden. Die EWiftsmelt nahm die neue Schnellwaage nicht so rasch |S ®*c sie erzeugt wurde, der Betrieb kam in Schwie- und Hasenauer, der wußte, daß bei richtiger ; lu. Un9 ein Gewinn zu erzielen war, verweigerte plötz- »vr vCitere Zuschüsse. Dadurch stellte er den Erfinder
te Zwangslage, entweder Konkurs anzusagen, ober |feu.eincn Spottpreis zu verkaufen. Dieser wählte das - stalenauer zahlte den Spottpreis und war eben
ganzen Betrieb auf eine gesunde Grundlage als d-r Krieg ausbrach und jede Arbeit um Mt fc* Mochte. Erst schien es, als ob Hasenauer sich Ajjj et Schnellwaagenfabrik in den -Finger geschnitten ■fcL’ Q6er NUN, nachdem er bei seinen militärischen Erfahrungen gesammelt hatte, sah er Laib, Glücksfall bie ganze Sache war. Er besaß ^■g/Jjes Fabrikgelänbe, woraus bereits brei schöne Ma- unb ein Bürohaus ftanben unb wo noch Mindestens vier weitere Hallen Platz war, Maschi-
3ui6a, den 6 Oktober 1932.
Die Bürgersteuer für 1933.
jlfie Gemeinden, die Reichshilfe für die Wohlfahrts ^eibslofen erhalten wollen, müssen ab 1. Januar
1933 den fünffachen Landessah erheben!
: Bürgersteuer ist für das Jahr 1933 durch
«^ch-werordnung neu geregelt worden. Die Steuer, ^ bisher in 6 Monatsraten erhoben wurde, ist ninmrhr auf eine Jahressteuer umgestellt und ge- •gngt ab 1. J-enuar 1933 in 12 Monatsraten zur Mhebung. Für die Ehefrau wurde bisher ^ur riirgerfteuer ein Zuschlag von 50 Prozent erho- M, dieser Zuschlag fällt nunmehr fort, so daß
Steuer für Verheiratete und Ledige in gleicher jt'z.fje zur Erhebung gelangt. Der einfache Satz 6,‘r pürnerfteuer beträgt wie bisher 6 Mark, also „jf den Monat gerechnet, nicht wie in den ersten p'onaten 1932 1 Mark bzw. 1,50 Mark für den Verheirateten, (andern für alle Steuerpflichtigen ()i5 zu einem Einkommen von 4500 Mark 50 Psg.
In der Verordnung des Reichsministers für Finanzen vom 28. Sept. 1932 ist nunmehr bestimmt worden, daß alle Gemeinden, die die iste ich s Hilfe für Wohlfahrtserwerb s- [Ofe in Anspruch nehmen wollen, mindestens 500 Prozent der Bürger st euer 1933 beschließen müssen. Der verheiratete und ledige Steuerpflichtige wird also am 1. Januar 1933 bei 500 Prozent Bürgersteuer nach den neuen Bestimmungen m o n a t l i ch 2,50 Mark zu zahlen haben.
Als wesentlich ist noch zu berücksichtigen, daß euch die Einkommensgrenze, die die Bürgersteuerpflicht auslöst, eine Veränderung erfahren hat. Die Steuerfreiqrenze lag bisher einheitlich bei 500 Mak Jahreseinkommen. Sie wird in Zukunft örtlich vrschieden fein, und zwar deswegen, weft als künftige Freigrenze die Richtsätze der öffentlichen Fürsorge Geltung Haben sollen. Das bedeutet für Berlin bei den gegenwärtigen Richtsätzen, daß die Freigrenze für das Ehepaar bei 612 Mark liegt, für das Ehepaar mit zwei Kindern bei 924 Mark, also eine wesentliche Veränderung gegenüber dem bisherigen Rechtszustand erfährt.
Aus Hanau berichtet unser D Mitarbeiter:
Am zweiten Tage ber Verhandlung bes Schwurgerichts Hanau gegen bie beiden ber gemeinsam ausgeführten Brandstiftung angeklagten Personen aus Obern- hausen, den 27jährigen Maurer H. G. und den 20jähri- gen Geschäftsburschen D. B., ist in der Vernehmung ber geladenen zahlreichen Zeugen fortgefahren worden. Beide Angeklagte sollen in der Nacht zum 27. Juni d. I. bas Anwesen der in Schachen wohnenden 67jährigen Witwe K. B., der Tante des mitangeklagten O. B., vorsätzlich in Brand gefetzt haben. Bemerkenswert in der fortgesetzten Beweisaufnahme waren die Aussagen des Gersfelder Polizeioberwachtmeisters, des in Schachen stationierten Oberlandjägers und des Gersfelder Ober- lanbjägermeifters, die die ersten Vernehmungen der jetzt Angeklagten, die alsbald als der Brandstiftung verdächtig bezeichnet worden waren, Dorgenommen haben. Ober- lanbjägermeifter Schmidt-Gersfeld entrollte insbesondere auch in recht klarer Weise ein Charakterbild der Angeklagten, schilderte die Schwierigkeiten der Vernehmung und betonte auch, daß 0. B. an seine Lügen sozusagen selbst glaubt, allen bestimmten Fragen geschickt auszu- weichen, und alles zu verdrehen versucht. Den Beschluß der Beweisaufnahme bildete die Vernehmung des Untersuchungsrichters, Landgerichtsrat Thomas-Hanau. In der Nachmittagssitzung (Mittwoch) begannnen
die Plädoyers.
Zuerst sprach a IsVerieter der Anklagebehörde Staatsanwaltschafsrat Mühlhausen, der feinen Ausführungen vorausfchickte, daß gerade im nördlichen Teile des Landgerichtsbezirks Hanau, in den Steifen Fulda, Hünfeld und Gersfeld, viele Brandstiftungen zu verzeichnen feien, im Laufe des Jahres bei der Staatsanwaltschaft etwa 300 Meldungen (?) über auf Brandstiftung zurückzu- führende Feuersbrünste einlau fen. Was nun die heute zur Aburteilung stehenden Fälle anbelange, fo fei zu bemerken, daß in der Nacht vom 26. zum 27. Juni d. I. der frühzeitig fein Tagewerk beginnende W. B., ein Nachbar der Abgebrannten, das Feuer zuerst bemerkt und die Witwe B. geweckt habe, die dann nur notdürftig mit Hemd und Strümpfen bekleidet ins Freie gelangt fei und das nackte Leben gerettet habe. Den Brand zu löschen, sei infolge des Wassermangels unmöglich gewesen. Eine fahrlässige Brandstiftung der Besitzerin des Anwesens scheide aus; kein anderer Verdacht als gegen die beiden Angeklagten sei bis zur Stunde aufgetaucht. Der Angeklagte 0. B. habe sich bemüht, von seiner Tante das Anwesen zu erhalten. Wer die Akten kenne, werde zugeben müssen, daß die Be
Der neue Oberpräfibent
Bis zum Jahre 1918/19 stand an der Spitze Mieter Heimatprovinz wohl immer ein Ange- hötiger des höchsten preußischen Adels. Erstmals in der Person des unvergessenen Dr. Schwandet wurde das anders. Er war ein Sohu des Volkes, der sich durch seine hohen Eeistesgaben derartig auszeichnete, daß ihm schon im kaiserlichen Deutschland die hohe, allerdings auch schwierige Stellung des Oberhauptes im Reichsland K'saß-Lothringen übertragen wurde, von der er noch dem militärischen Zusammenbruch nach Kassel berufen wurde. Er schied auf seinen Wunsch aus Allersrücksichten und wohnt fetzt in Frankfurt a.M.
Der Sozialdemokrat Haas, der durch die Laufbahn als Parteibeamter über einen leitenden Posten in der Stadt Köln als Oberpräsident nach Kassel gekommen war, ist im Sommer von dm Reichskommissar seines Amtes entsetzt worden. Er hat kein inneres Verhältnis zu der Provinz gewinnen können und hatte wohl auch selbst
>L Die und beeil. Mit ahmens dend.e M oort us dem Anfrage hast fut > es ihr n. Die e-IndU- nbuftrie
Meldet wurde, der Kurator der Universität Marburg, Geheimer Oberregierungsrat Dr. jur., Dr. h. c. med. und Dr. h. c. Phil. von Hülfen
fitzerm das nicht tun konnte. B. habe aber seiner Braut, dem einen guten Eindruck hervorrufenden Frl. L. St. schon versichert, ihm sei das Anwesen gerichtlich überschrieben worden. Das Geld habe er sich erspart. Somit zeige sich, daß der eine der Angeklagten das Haus, der andere die Bauarbeit haben wollte. Beide hätten das Feuer gemeinsam angelegt. G. habe ausgefagt, er sei zu der Tat von 0. B. angereizt worden, der betont habe, wenn er (G.) es nicht ausführe, werde er (B.) es selbst ausführen. D:e Frage, weshalb sich die Angeklagten gegen« fettig beschuldigten, fei dahin zu beantworten, daß sie sich selbst von dem Verdacht reinigen wollten, der gegen sie bestanden habe, wobei sie selbst bineingefallen seien. Die Schuldfrage sei klar. Eine etwaige Freisprechung oder milde Bestrafung könnte nur Anreiz zu weiteren Brandstiftungen geben. Der Antrag laute gegen die beiden Angeklagten auf
je 4 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust und Zulässigkeit der Polizeiaussichf.
Sodann plädierten die beiden Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Rap p-Hanau sprach für den Angeklagten G., für den er nach mehr als einstündigen Ausführungen Freisprechung beantragte. Rechtsanwalt Dr. Eisenber g-Hanau hatte den Angeklagten O. B. zu verteidigen. Er ging mit dem Mitangeklagten G., der seinen Klienten stark zu belasten versucht habe, stark ins Gericht und kam zum Schluß seiner längeren temperamentvollen Ausführungen zu dem Ergebnis, daß dem Angeklagten 0. V. keine Schuld beizumeffen, sondern sreizusprechen sei.
Das spät abends verkündigte
Urteil
lautete dahin, daß die beiden Angeklagten schuldig befunden worden seien, und zwar H. G. der Brandstiftung, O. B der Anstiftung. Beide Angeklagten wurden verurteilt zu je 3 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust, die Untersuchungshaft wird angerechnet. Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Dr. Nebelsiek, gab eine eingehende Begründung. Er führte u. a. auch aus, daß B. gewußt habe, daß seine Tante gut versichert gewesen sei, und zwar die Gebäude mit 5000 Mk., die bewegliche Habe mit 4000 Mk., und daß die Gebäude wieder aufgebaut werden müßten, und daß er auch mit dem Gedanken gespielt habe, die Tante umzubringen. Eine Kleinigkeit habe gefehlt und die Tante wäre mitoer» brannt. Nur weil die Angeklagten noch verhältnismäßig jung seien, habe das Gericht nicht auf eine höhere Strafe erkannt.
Die Brandstiftung in Schachen.
Oos Hanauer Schwurgericht verhängt schwere Zuchthausstrafen gegen die beiden jugendlichen Angeklagten. — Wollte der Anstifter seine Tante umbringen? — kommen im Fuldaer Land Brandstiftungen häufiger als in anderen Gegenden vor?