5. Oktober.
VeUage zur Fuldaer Zeitung
Ilc. 230
Zugendbewegung und Volkserneuerung
Von Dr. Georg Schmidt-Rohr.
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gleichen Erfolg haben.
leitung wie für die Gruppenführer im FAD., ob gefchlof- fen oder offen. Daraus ergibt sich, daß die Führerausbildung der Bünde und Gesinnungs gruppen behördlich gefördert und den landesarbeitsamtlichen Führerschulungskursen gleichgestellt werden muß.
3. Es kommt nicht darauf an, technische Spezialisten oder Verwaltungsbeamte für den FAD. heranzubilden, sondern Führer der arbeitsddien st Willi gen Jugend. Weltanschauliche Lebenskunde, Durchbildung für die Gruppenpsychologie und Gruppenpädagogik, praktische Vorbereitung für die verschiedenen Zweige der Freizeitgestaltung sind ebenso wichtige und im Grunde von einer geschlossenen Gesinnungswelt aus zu behandelnde Ausbildungsgebiete für die Führer im FAD., wie etwa die einschlägige Gesetzeskunde und die Materialverwaltung. — In den behördlichen Führerausbildungslagern ausgebildete Führer dürfen nur dann in den Arbeitslagern Verwendung finden, wenn sie der geistigen Welt des betr. Arbeitsdienstes bezw. der der bündischen Stammgruppen entsprechen.
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Es hat leider den Anschein, als ob die Regierung und ihre Hintermänner vom „Herrenklub" gerade das Gegenteil von dem wollen, was die bündische kathol. Jugend anstrebt. Trotzdem hat es keinen Zweck, gegen diesenigen, die klug genug waren, sich die Macht zu sichern, zu protestieren und die Dinge lausen zu lassen. Wir müssen handeln, klug und voll Liebe zu unserem Volk, dann wird uns keine Regierung ausschalten können, so gerne sie es auch täte, weil sie nur noch eine „Staats- i fugend" gelten lassen möchte, die so tanzt, wie die zu- fälligen Machthaber es für zweckmäßig halten.
Jugend heraus!
Jugend heraus! Sturmesgebraus Reinigt die Erde, daß neu sie werde.
Brüder im Land, gebt uns die Hand! Wir sind bedroht, flammenumloht.
Brüder, packt an, Stürmet voran! Bändigt die Zeit, hämmert ihr Kleid!
Aufwärts den Blick, schaut dem Geschick Frei ins Gesicht, fürchtet es nicht.
Christus voran! Folgt Mann für Mann. Sät neue Kraft; wirket und schafft.
Altes versinkt, kraftvoll erklingt Stürmischer Schritt. Wir ziehen mit! Wir schaffen neu! Wir schaffen frei! Ruft uns die Zeit: Wir sind bereit!
Josef Blank in der „Werkjugend".
helfen und etwas verdienen kann, das ist doch kein Leben, besonders wenn man verheiratet ist und Kinder hat. Wir Arbeitslosen wollen nicht als Menschen zweiter Klasse betrachtet werden, denn wir können nichts dazu, daß wir arbeitslos sind. Die allermeisten von uns würden gern auch für geringen Lohn arbeiten, wenn man bloß keine Unterstützung anzunehmen brauchte. Wegen der schwarzen Schafe, die auch unter uns sind, darf man nicht Steine aus uns alle werfen, denn wir haben genug zu tragen. Was soll denn aus uns werden? Wir wollen uns nicht streiten darum, wem es besser geht auf dem Dorfe, denn das Streiten hat gar keinen Wert. Gibt es aber noch Menschen, die glauben, daß es uns Arbeitslosen gut
Das Heimalwerk für Arbeitsdienst.
Das Ende Mai dieses Jahres gegründete „Katholische Heimatwerk für Freiwilligen Arbeitsdienst" hielt in A l t e n b e r g, Rheinland, seine erste, außerordentlich gut besuchte Reichstagung ab. Reben den Zentralorganisationen der Katholischen Jugend Deutschlands und den berufsständischen katholischen Ver- bänden gehört der Deutsche Caritasverband dem Katholischen Reichsheimatwerk an.
Reben bekannten Führern der katholischen Jugendverbände, darunter Generalpräses Albrod und Generalsekretär Dr. Nattermann, nahmen an der Tagung zahlreiche Lagerleiter und Vertreter der regionalen Heimat- werke, Siedlungs- und Arbeitsdienstpraktiker und Vertreter von Arbeitsbehörden teil. Reben einer gegenseitigen Unterrichtung war das Ziel der Tagung die Einigung der am Arbeitsdienst mitorbeitenden katholischen Verbände und Persönlichkeiten auf einheitliche grundsätzliche und praktische Richtlinien sowie die Förderung der volkspädagogischen Durchdringung des freiwilligen Ar-
Arbeitslose und Bauern.
Zu der Artikelreihe: „Arbeitslose auf dem Lande" geht uns eine weitere Zuschrift von einem Arbeitslosen zu.
Es ist wirklich gut, daß diese Frage einmal öffentlich besprochen wird. So weit ich die Ausführungen ver- standen habe, soll damit ja weder den Bauern noch den Arbeitslosen eins ausgewischt werden, was vielleicht mancher Leser meinte. Sondern es handelt sich darum, daß sich die Menschen auf dem Lande — und das sind heutzutage fast nur Arbeits- lose und Bauern — einmal auf das Rechte be- {innen und danach handeln. Ich meine, die Sache wäre es fchon wert, daß man über sie einmal gründlich nachdenkt. Denn wo soll die Einigkeit im deutschen Volke Herkommen, wenn wir Menschen auf dem Dorfe uneins miteinander sind?
lieber die Zuschrift des „Jungbauern" im vorletzten „Blatt der Jugend" habe ich mich gefreut. Das war ehrlich und recht gesagt, und wenn alle so dächten, wäre die Schwierigkeit bald erledigt. Es gibt anständige Menschen unter den Bauern wie auch unter den Arbeitslosen, und sicher ist das die Mehrzahl. Diese aber soll- ten mit gutem Beispiele vorangehen, und wo guter Wille vorhanden ist, wird sich überall ein Weg zur Linderung der Rot finden. Uns Arbeitslosen haben am meisten die Jugendlichen geschadet, die sich nicht zu benehmen wußten, und die Schuld fällt auf die Eltern zurück, weil sie die Jungen nicht richtig erzogen haben. Es kann niemand bestreiten, daß sich jugendliche Arbeitslose wirklich in der unpassenden Art benommen haben, wie es der Jungbauer schildert. Das war ober so ähnlich auch schon im ersten Artikel gesagt. Heute macht das schon niemand mehr, weil kein Geld mehr da ist. Es ist auch richtig, daß sich gar mancher früher von jeder Arbeit gedrückt hat. Heute würde er das sicher nicht mehr tun. Ob die Sache mit dem Feinbackwerk stimmt, die der t „Jungbauer" erzählt, das möchte ich dahingestellt sein I lassen. Vielleicht war es einmal so. Bei den heutigen Unterstützungssätzen ist es wohl doch unmöglich.
Das mit dem Stehlen trifft in manchen Gemeinden auch zu, leider, muß ich sagen, denn es ist eine Ge- meinheit. Feldfrüchte kann sich jeder verdienen, wem es darum zu tun ist, Gelegenheit läßt sich bei gutem Willen bestimmt von jedem Arbeitslosen finden.
Es gibt auch noch Bauern genug, die sich nicht in unsere Lage versetzen können. Es ist schwer, drei Jahre arbeitslos zu sein. Wenn man auch hier und da einmal
In seiner Wesens- und Lebenskunde der Volks- tümer, die Dr. Georg Schmidt-Rohr, ein bekannter Führer des Vorkriegswanderoogels, soeben unter dem Titel „Die Sprache als Bildner in der Völker" in Eugen Diedenchs-Verlag vorgelegt, wird u. a. gezeigt, welche Erfahrungen der Jugendbewegung bei den Bemühungen um geistig-sittliche Erneuerung unseres Volkstums genutzt werden können. Wir geben daraus einige Absätze wieder. Sie werden gerade heute wieder besonders interessieren, da man in den Bunden der Jugend den nicht ganz unberechtigten Verdacht hegt, die heutige als reaktionär bekannte Regierung wolle die Bünde zerschlagen oder sie wenigstens in ihrem Eigenleben so stark be- schneiden, daß sie verkümmern müssen. Der Arg- wohn mag richtig sein oder nicht, man muß tue Tatsache registrieren, daß 13 Jahre nach dem Zusammenbruch von 1918 schon wieder die Kreise das Ruder in der Hand haben, denen die Ehrfurcht vor den geistigen Werten echten Volkstums fehlt, und die glauben, Dolkserneuerung mit den Machtmitteln des Staates „machen" zu können. Die Menschen, die anderen Wertidealen Anerkennung erkämpsen wollen, müssen sie vorleben. Solch Vorleben eines neuen herben Heldentums muh aber in einer anders gewordenen seichten Welt nutzlos versickern, wenn ihm nicht Räume besonders günstigen Widerhalls geschaffen werden. Darum müssen sich zunächst Bünde von Gleichgesinnten zusammensinden, die aneinander Halt und Sicherheit haben, Brüderschaften gleicher Sehn- sucht, gleichen Verstehens. Gemeinden, die in sich verkleinertes Abbild des Volkes sein wollen.
Solche Gemeinschaftszellen gleichen Wertes, die be« mußt auf die Idee eingestellt sind, daß ihr Gemeinschaftsleben dem Volksganzen zu dienen hat, vermögen aber durchaus „Sprache" zu verändern, Sitte zu schaffen, Gewohnheiten umzubiegen, wie leicht an Beispielen zu erweisen ist. Die Werterziehung wir- kende Kraft eines deutschen Jugendbundes der Vorkriegs- zeit reicht heute über die ganze (Erbe. „Hiking", das ist, nach Wandervogelart leben, ist ein höchst wichtiger Bestandteil selbst englischen Volksleben geworden.
In bewußter Arbeit kann Volksethos überhaupt nur über Gruppenethos bestimmt werden.
Aber wo ethischer Wille, Opserbereitschaft, sozialer Wille, der tragfähig ist für härtere Ver- pflichtungen, überhaupt erst geschaffen werden muß, da geschieht es nur im Erleben, und zwar im G e - meinschaftsleben, und nur eine in sich abgeschlossene, sich gegen die Umwelt bewußt wehrende Ge- meinschaftszelle gleichen Gemeinschastsdenkens kann hier wirkliche Neuwertung schaffen. Das sehen wir in voller Deutlichkeit an vielen geschichtlichen Beispielen: am Ur- christentum, an den Mönchsorden, an den Ritterheeren, an den Pietisten, den Puritanern, den Bünden der Jugendbewegung.
Wo damit angefangen werden soll, den Forderungen eines nationalen Puritanertums, einer spartanischen Ge- nügfamteit, einer freiwilligen Armut Geltung zu verschaffen, da vermögen unsere heutigen Parteien nichts, denn sie dürfen immer nur sagen, was die vielen gern hören. Aber die Jugendbewegung der klassischen Zeit wußte härtere Forderungen an die Haltung des Einzelnen zu stellen, als sie selbst; manche Re
Grütze aus dem Emslaud.
In den großen Arbeitsdienst-Lagern der kath. Verbände im Ernsland weilen auch eine Anzahl Leser des „Blatt der Jugend" aus dem Fuldaer Land. Ein Kolpingsbruder, Herr Erwin Weil aus Fulda, berichtet uns von feinen Eindrücken im Lager Langen, Kreis Singen.
Wohl alle, die diese Zeilen lesen, haben schon etwas vom Freiwilligen Arbeitsdienst gehört. Denn über ihn ist gerade in letzter Zest viel geschrieben und noch viel mehr gesprochen worden. Um nun auch seinerseits am Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes mitzuarbeiten, hat auch der kathol. Gesellenverein allerorten Freiw. Arbeitsdienste eingerichtet. Jeder, der einmal arbeitslos war oder ist, begrüßt den F. 21. D. als eine schöne und willkommene Einrichtung. Freiwillig kommen wir zusammen, um unsere sonst brach liegende Krast in gemeinnütziger Arbeit dem Vaterland zur Verfügung zu stellen.
Drei Mann hoch fuhren wir am 19. Juli von Fulda los, Willi Reutz, Rudolf ßarbig und ich. In Hanau trafen wir noch einen Teilnehmer aus dem Elchsfelde. Auf der Endstation Lingen angekommen, wurden wu vom Unternehmer des F. 21. D. und dem Sreisbau« meister in Empfang genommen. Rach einer kurzen Autofahrt konnten wir im dortigen Gefellenhauje den Leiter der gesamten Arbeitsdienste, Joseph Henne- mann, mit feinem Freunde Joseph Bagus begrüßen. Rach einem fabelhaften Abendessen besichtigten wir die Stadt. Eine Unterhaltung konnten wir jedoch nicht zustande bringen. Keiner verstand des anderen Dialekt. Drei Tage waren wir im kath. Gesellenhause Lingen einquartiert. Den 12 Km. langen Weg zur Arbeitsstätte in Langen legten wir im Auto zurück. Doch bald sollten diese schönen Autofahrten ein Ende haben. Am 4. Tage siedelten wir in unser Arbeitslager nach Langen über. Aber nur neue Arbeit wartete un'er. Galt es doch, ein neues Siedlerhaus für 24 arbeitswillige Kolpingssöhne einzurichten. Jeder bekam einen Stroh» sack, den er sich selbst füllen mußte, dazu zwei Decken,
Kreuzzug für Gluubens-ErhuHuug und GluubenS'Verbreilung.
Von geschätzter Seite wird dem „Blatt der Jugend geschrieben:
Es war ein erfreuliches Bild, das sich am Samstag in den Morgenstunden den Bewohnern der Bonifatms- stadt bot. Ein langer Zug junger Mädchen, großenteils in schmucker, einheitlicher Kleidung, bewegte sich stillschweigend durch die Straßen hin zum Grabe des Glaubensvaters. Von dort drang ihr Beten zum Himmel hinauf für die Anliegen des Gottesreiches auf Erden. Sehr viele traten zum Tische des Herrn. Und dann zogen die Mädchen hinüber zum Bischosshvf, dort dem Jubelbischof ihre Huldigung darzubringen.
Wer waren diese jugendlichen Beterinnen, die so offen und eindringlich ihr Bekenntnis für die katholische Sache ablegten? „Kreuzritter" nennen sie sich; ihr Bund trägt den Namen „Einigung Chriiü Reich . „Kreuzzug zur Glaubensverbreitung und Glaubenserhaltung". Sein Ziel ist es, den Geist katholischen Glau- e bensstolzes und nimmermüder Stoßkraft in die Jugend, hündische wie nichtbündische, hineinzutragen. Praktisch • wirkt sich dieser Geist aus in den vier tragenden Grundideen: Glaubensvertiefung, Glau
benserhaltung in der innerdeutschen und auslandsdeutschen Diaspora, Glaubensvereinigung: Arbeit für die Rückkehr der getrennten Ostkirchen, <SlaubensDeübreitung: Missionsarbeit.
Die „Einigung Christi Reich" ist ein begrüßenswerter Anfang jur Vereinheitlichung im katholischen Vereinswesen. Wie oft wurde diese Forderung auf dem Katholikentag m Essen erhoben! Hier sehen mir einen praktisch gelungenen Anfang. Bisher betrieben der B o n i f a t i u s v e r e i n für die Diafpora, derMifflonskreuzzugstudierenderJugend Und der Reichsverband für d i e katholischen Ausländsdeutschen jeder für sich seine Werbearbeit unter der studierenden Jugend Jeder der genannten Verbände hatte seine Zeitschrift, sammelte seine Beiträge. Seit April dieses Jahres haben sich die drei zusammengeschlossen, die nun ihre Werbearbeit einheit- lich betreibt, die eine einzige Zeitschrift „Christi Reich" < herausbringt.
beitsdienstes.
Der Tagungsleiter, Dr. Re i n e r m a n n-Koln, berichtete einleitend, daß im Bereich des Katholischen Reichsheimatwerkes bis Ende Juli 1932 bereits über I 900 eigene Arbeitsdienst maßnahmen mit rund 26 000 Arbeitsfreiwilligen durchgeführt worden sind. Der Schwerpunkt der Arbeit des Katholischen I Reichswerkes liege i m W e st e n d e s R e i ch e s. — Die wirtschaftliche Seite des FAD behandelte Geschäftsführer Meng e-Staumühle auf Grund eigener Erfahrungen, lieber Lehren aus dem freiwilligen Arbeitsdienst berichtete die Kreisjugendpflegerin Frau Felder-Wuppertal.
Die pädagogische Gestaltung des FAD wurde von Karitasdirektor' Baumeister-Freiburg geschildert; über hen Zusammenhang mit Wehrerziehung, Volkshilfe und Siedlung sprach Schriftleiter David Gathen-Düsseldorf. Die von Gathen und allen anderen Rednern und Ausspracherednern betonte Deutung des Arbeits- dienstes als Vorstufe zur Siedlung wurde von dem Führer der „Werksiedlung" in München-Glad- bach, Ingenieur Carl Degen, noch in einem besonderen Referat über „Arbeitslager und Siedlung" unterbaut. — Ferner wurden die Fragen der Führerschulung, der Freizeitgestaltung in den Arbeitslagern, und der Disziplinierung und Formgebung der Arbeitsdienste eingehend diskutiert.
Die wichtigsten Ergebnisse der Reichstagung wurden in einer Entschließung zusammengefaht, in der es u. a. heißt:
1. Der Arbeitsdienst ist eine freie Dolksbewe- g u n g der deutschen Jugend. Die Bünde der Jugend sind die gegebenen Träger des Dienstes. Das ist das allseitige Ergebnis der Erfahrung und entspricht dem Wesenscharakter des FAD., der die Jugend durch Arbeit und Dienst zur Gemeinschaft führen soll. Darum verwahren wir uns mit aller Krast gegen die Kommunalisierung oder die Verstaatlichung des FAD.
x. 2. Der bündischen, gesinnungseinheitlichen Träger- schast des Dienstes muh die Führerschaft entsprechen. Das gilt für die pädagogische, aber auch für die
I t'chnische Leitung der Arbeitsdienste, ebenso für die Ober-
so daß wir abends glücklich im Bette lagen und sangen: „O du lieber Strohsack, wie lieb ich dich." Das von uns eingerichtete Haus nennen wir stolz „Kolpingsheim. Vier Schlafräume, ein Tagesraum und eine Küche stehen uns zur Verfügung. Nachdem am 26. Juli der Haupttrupp gekommen war, wurde gemeinschaftlich die Tagesordnung auf gestellt. Sie lautet folgendermaßen:
5.45 Uhr Aufstehen, Gymnastik, Bettenmachen, Wa- srMi und Frühstück.
Äßon 7—12 Uhr arbeiten.
12—1 Uhr Mittagspause.
1—3.45 Uhr arbeiten.
4 Uhr Nachmittagskaffee, danach Freizeit.
Ein besonders wichtiger Punkt «ar für uns die Ausgestaltung der Freizeit. Einmal haben wir einen Heimabend mit Liedern und Erzählungen Der Dienstag ist dem Sport gewidmet. Mittwoch findet findet ein Kolpingsabend statt. Für je einen Abend in der Woche haben sich der Pfarrer und Lehrer de- Ortes in liebenswürdiger Weife zur Verfügung gestellt, um uns Vorträge über wichtige Themen zu halten. Jeden Samstag ist bann als Schlußpunkt der Arbeit»- woche ein humoristischer Abend. Um 9.45 Uhr gehen wir zu Bett, so daß um 10 Uhr im Lager Ruhe herrscht.
Besonderen Wert wird auf ein gutes Einvernehmen mit der Einwohnerschaft gelegt. Daß uns dies nicht schwer fällt, beweist das rege Interesse, das uns fettens der Einwohnerschaft entgegengebracht wird; Wenn wir Sonntags geschlossen zur Kirche marschieren, sind ahe Dorfbewohner vor den Häusern ober an ben Fenstern und herzliche Grüße gehen hin unb her.
Wir grüßen alle Fuldaer auf diesem Wege. Täglich lesen wir die „Fuldaer Zeitung", so daß wir über die wichtigsten Ereignisse in der Heimat orientiert sind. Wir grüßen insbesondere alle Handwerker von Fulda, alle lieben aktiven sowie inaktiven Kolpingsföhne, den Vorstand, unfern Präses, Herrn Religionslehrer Becker, den Vizepräses, Herrn Schupp, den Senior Gaßmann und Diözesanfenior Ksiensik, den Leiter der D. 3^ K., Dr. Sauer, die Italieniahrer sowie alle, die der Sache der kathol. Jugend nahestehen. Darüber hinaus noch einen Kolpingsgruß zum heiligen Köln, wo in der Minoritenkirche die Gebeine dessen ruhen, dem wir den Kath. Gesellenverein verdanken.
Tage froher Erholung und geistiger Einkehr.
Der „Kreuzzug" ist kein Bund im Sinne der hündischen Jugend. Er ist I d e e n g e m e i n s ch a f t, zu der jeder gehört, der sich zu ihren Zielen bekennt, für ihre Verwirklichung arbeitet. Dabei kann er sich beftehen« den Gruppen anschliehen ober auch fern bleiben. Wo Gruppen bestehen, sinb es Werkgerneinschasten, bie an der praktischen Mitarbeit an der Aufrichtung des Gottesreiches Anteil nehmen wollen. Durch diese lose Vereinigung ist es auch den Mitgliedern der Bünde, wie schadet ihrer Zugehörigkeit zum Bunde Mitglied des Kreuzzuges zu fein. Und u. E. müßte jeder aufgeschlossene katholische Junge, jedes ernsthaft katholische Mädchen hinein in diesen Kreuzzug. Denn es sind die urkatholischen Ideen, an deren Verwirklichung man hier arbeitet. Katholik sein heißt ja Apostel sein!
Möge der Kreuzzug, der für unsere weibliche Jugend diese so überaus fruchtbare Tagung hielt, bei seiner dem-
qehf’ Es gibt so manchen unter uns, der machtlos -usehen muß, wie fern bißchen Eigentum vor die Hunde geht, weil er mit dem besten Willen nichts verdienen kann Wenn es da Verbitterung gibt, muß man sich nicht wundern. Und wenn wir auch schließlich bas Notwendigste zum Leben haben, auch ohne Geld können wir heute nicht mehr auskommen, besonders wir Verheirateten. Wo aber sollen wir das hernehmen?
Gewiß, es kommt auf die Zeit und die Verhältnisse an, wer nun anfangen muß. Lassen aber Zeit unb Verhältnisse wirklich noch einen Zweifel barüber, wer nun an ber Reihe ist? Also fangen wir an, nicht Bauern ober Arbeitslose, sonbern Bauern unb Arbeitslose.
ligionsbekenntnisse unserer Tage mit Rachbruck zu stellen wagen. Selbstverständlich muh auch versucht werden, die anderen Lebensalter dem neuen Ideal zu gewinnen, aber der zweckmäßigste Weg ist zunächst der des geringsten Widerstandes. Die Jugend ist von vorn- herein die L e b e n s ft u f e ftärteren Gefühls- unb Willenslebens, wenigstens in bem Sinne, daß ber intellektuelle Kreis hier verhältnismäßig schwa- cher ist. Wo es barauf ankommt, Willen an Willen zu entzünden, da rufe di» Jugend!
An der Jugendbewegung sehen wir, welche Lebeu- tung die Abgeschlossenheit der Gemein- ch a f t s 3 e 11 e gegenüber äußeren Einflüssen hat. Wirk- lich schöpferisch und Kräfte formend war sie nur da, wo Bünde waren mit Gruppen. Wo ein lebendiges Gemeinschaftsleben auf Du und Du eine gemeinsame Haltung schmiedete. Die nicht „bündischen" Auslosungsge- bilde der klassichen Jugendbewegung, bas literatenhafte , Freibeutschtum" unb bie anberen Gruppen, bte eigentlich nur Zeitschriftenlesekreise barstellen, erwiesen sich als unfruchtbar unb unschöpferisch, ja als Erziehungsmächte zu zersetzendem Intellektualismus.
Die äußere Kennzeichnung und Abgeschlossenheit war bei der Jugendbewe- gung durch Kleidung und Abzeichen gegeben. — Und das ist recht wichtig, daß sichtbare Formen eine Gemeinschaft Zusammenhalten, bas farbige Banb, bas braune, einheitliche Hemb, ber Sowjet- ftern, das Hakenkreuz. — Noch wichtiger aber war bte Kennzeichnung, bie bestimmte Lebensformen fast in das Gesicht schrieben, Gemeinschaftsleben in festen, sich über- liefernden Sitten, mit Lied unb Spiel unb gebunbenem Wort, mit bestimmten Bräuchen bei Wanderungen unb Tagungen, bei Feiern unb Festen, bei Feuer, Thing, nach dem Frühwecken. Diese Formen allein für sich haben eine fo starke, belebende Kraft, daß die Verbände der Jugend pflege, als sie die von der Jugend beroe- g u n g erarbeiteten Formen übernahmen, damit alle eine neue Blüte ihres Verbands lebens erfuhren. An der Jugendbewegung erweist sich auch, daß die Gemeinschaftsverpflichtung schaffende Kraft eines Verbandes um fo größer ift, je lebhafter, je fordernder das Gemeinschafts- leben ist.
Die Ausrichtung dieser nach allen Richtungen lenkbaren Kraft auf wesentliche Werte, auf Werte, die dem Volksleben dienen, ist abhängig von den vorlebenden Führerpersönlichkeiten. Aber der Rohstoff Ge- meinschaftswille, Gemeinschaftsethos, den diese Fuhren- den formen, ist schon bei jedem Gemeinschaftsleben gegeben, je umfassender und je treffender seine Formen sich auf bie seelische Lage ber Gebünbigten einpaffen.
Dies war bie großartigste Leistung bes Vorkriegswandervogels, daß feine Führer einenherben, fit t- lichen Ernst, ein tiefes Veran twortungs- bemufjtfein gegenüber bem 33 o l f in bie burch ein Leben in partenben Formen für Gemeinschaftsethos aufgeschlossene Jugenb zu legen wußten. Sie lehrten die Jugend, über Lustigkeit zu echter Fröhlichkeit zu kommen, zu der Fröhlichkeit, die immer nur in einem reinen Herzen wohnen kann.
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Durch^e^e^heitlich^ng^st^ie^Stoßkraft des nächst für die männliche Jugend geplanten Konferenz Verbandes stark erhöht worden. Der Jugend wird nun ber ganze katholische Mensch vor Augen gestellt. Der Mensch, ber den selbst erlebten unb gelebten Glauben nicht für sich allein haben will, sondern im Wissen um die natürlichen und übernatürlichen Werte dieses Glaubens das eigene Glück anderen erhalten und mittetlen möchte. Hier tritt der Glaube in feiner umfassendsten Forderung an die Jugend heran: Arbeit am eigenen Ich, Liebe zu den gefährdeten Brüdern in andersglau- biger und anderssprachlicher Umgebung, Hilfsbereitschaft für die bedrängte Ostkirche, deren Schicksal dem Heil. Vater fo sehr am Herzen liegt, Aufgeschlossenheit für die Aufgaben und Nöte der Heidenmission, nicht zuletzt die Sorge um all die leibliche und geistige Not um uns in der engeren und weiteren Heimat.
Wie viel diese Gedanken unserer Jugend auch an erzieherischen Werten zu geben haben, davon konnte sich jeder überzeugen, der den Vorträgen im Institut ber Englischen Fräulein beiwohnte. Der Leiter ber Tagung. P. Nazarius Dietz, O. F. M., hatte der Ju- genb nicht zu viel versprochen, wenn er zu Beginn Tage einer ungetrübten seelischen Freude, innerer Bereicherung unb katholischer Blickösfnung verhieß. Die anlprechen- den Vorträge mit Lichtbild und Film und Lchallpiatte hatten sehr schnell die jungen Herzen in ihrem Banne! Die folgenden Aussprachen vertieften und verarbeiteten das im Bild und Ton Gebotene. So waren bte Tage