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Ar. 228

Vellage zur Fuldaer Zeitung

2. Oktober.

20. Sonntag nach Pfingsten.

Lingangslied (Dan. 3. 31,29 u. 35).

Alles, was du uns getan, o Herr, .hast du ge­tan nach gerechtem Gericht; denn wir haben ge­sündigt vor dir und haben deinen Geboten nicht gehorcht. Aber nun verherrliche deinen Namen und handele mit uns nach der Fülle deiner Barmherzig­keit. (Ps. 118,1.) Selig, die makellos bleiben auf ihren Wegen, die wandeln im Gesetze des Herrn. Ehre sei.

* Epistel. (Eph. 5, 1521.)

Brüder! Seht au, daß ihr vorsichtig wandelt, nicht wie Unweise, sondern wie Weise. Benähet die Zeit, denn die Tage sind böse. Dgrum seid nicht unverständig, sondern lernt den Willen Got­tes verstehen. Berauschet euch nicht mit Wein, das märe Ausschweifung; werdet vielmehr voll des Hei- ligen Geistes. Stimmt miteinander Psalmen an und Lobgesänge und geiftlid-e Lieder; singt und spielt dem Herrn in euren Herzen. Dankt immer für alles Gott dem Vater im Namen unteres Herrn Jesus Christus. Seid einander untertan in der Furcht Christi.

Evangelium. (Joh. 4, 4653.)

Jesus heilt den Sohn des Hauptmanns von Sa. pharnaum.

Glaube.

Betrachtungen zum Sonntagsevangelium.

Wir sprechen mit Recht vorn kindlichen Glau­ben. Ja, so ein kleines Knid hat einen unver­rückbaren Glauben. Hat ihm die Mutter einen Spaziergang, ein Bilderbuch oder auch nur einen Zuckerknollen versprochen, es zweifelt nie an der Einlösung des Versprechens. Furchtbar ist für das Kind die Erfahrung, mit einem Versprechen von einem Erwachsenen hintergangen zu werden. Ein kleiner Junge hatte auf solche Weise Treu und Glau­ben an seinen Lehrer verloren. Der Lehrer hatte bei einer Plauderei den Kindern versprochen, einen Ausflug nach einem bestimmten Ziele zu machen. Die Sache hatte sich in die Länge gezogen und war schließlich dem Lehrer entfallen. Aber dem Jungen war die Sache nicht entfallen. Er sprach zu anderen nicht darüber, aber man merkte ihm eine Niedergeschlagenheit an, wenn die Schule ge­nannt wurde. Da fragte ihn der Vater, ob e.s ihm in der Schule nicht mehr gefalle. Bekümmert antwortete der Kleine:Unser Lehrer lügt ja!" Dann erzählte er dem Vater vom damaligen Ver­sprechen und der unterbliebenen Einlösung. Nur mit Mühe konnte der Vater dem Kleinen klar machen, daß der Lehrer den Ausflug vergessen hatte. Und als der Vater bald darauf den Lehrer traf, erzählte er ihm die Geschichte. Nun wurde der versprochene Ausflug alsbald nachgeholt und siehe: das Vertrauen des Jungen zum Lehrer, das so stark geschwächt war, erwachte wieder, weil ihm der Glaube wieder zurückgegeben war.

Glaube erzeugt Vertrauen. Ohne Glaube wird die Welt zur gegenseitigen Qual, zum Kampf Aller gegen Alle. Ohne Glaube laßt sich schlechthin nicht leben.. Eine Ehe ohne gegenseitigen Glauben der Gatten aneinander ist ein Nichts. Treue halte ich nur dem, an den ich glaube. Die Familie ist ohne Glaube nicht mög­lich. Wo Eltern und Kinder nicht mehr aneinan­der glauben, wo sie nicht mehr einander vertrauen kösinen, da ist gar nichts mehr vorhanden, was den Namen Familie verdient. Ein Dorf eine Gemeinde, -ist innerlich ausgehöhlt, wenn die Bürger Treu und Glauben aneinander verloren haben. Eine Chri­stengemeinde, deren Glieder nicht einander zuge­tan sind, verdient nicht mehr ihren Namen. Auch ein Volk, ein Vaterland ist nicht Mehr vorhanden, wenn seine Glieder nicht mehr an ein gemeinsames Verbundensein glauben, wenn sie keine gemein­samen Aufgaben mehr sehen, weil ihnen der Glaube an den Mitmenschen auch im anders­denkenden Gegenüber entschwunden ist. Auf­stieg, neue Welt ist nur dort, wo fester Glaube lebt. Der Glaube ist unerläßlich zu jedem men­schenwürdigen Leben.

Fragen wir uns einmal ehrlich: was ist von der Stärke des kindlichen Glaubens in uns übrg geblieben? Auch wir sind vernagt von dem Miß­trauen, das den Glauben zerfrißt. Ist es nichtn. daß mir. vor lauter Ueberzeuaung von der Bosheit deö Nebenmenschen ganz vergessen haben das Gute in ihm zu suchen? Wohl macht die Erbsünde den menschlichen Willen zum Bösen geneigt; aber auch der durch die Erbsünde behaftete Mensch trägt die Spuren des nach Gott-s Edenb'ld geschaffenen Menschen noch an sich. Sie Erlösung und d ie Erlösten sind j g dazu d g , daß sie die We l t u m wa n d e l n. Unglaube kann keinen Glauben wecken und Mißtrauen kein Vertrauen zeugen. Ich weiß es. weil ich selbst immer wieder darum kämpfen muß, wie schwer es ist. gegen Nör­gelet und das Mißtrauen anzugehen. Aber das kann und darf uns nicht aufhalten und zermürben. Wir müssen wieder den Weg zum Glauben finden: der Vater glaube wieder an gute Kräfte in seinem Kind, der Lehrer glaube an seinen Schäler her Seelsorger an sein Piarrkind und der Mensch wieder an seinen Gott, der ihm stündlich das Leben gibt. Vor lauter Grübelei sind wir zu stolz ge- wo-rden. Und durch den Stolz haben wir kostbares Leben vergeudet

Der Hauptmann glaubte an Gott als den Spender aller Lebenskräfte. Tun wir es ihm gleich, so wird unsere Seele gesund, so sicher wie damals der Sohn des Hauptmanns an seinem Leide gesund wurde.

3« eteignieeeidter Zett i[t die Zeitung uncnlbehtlldi!

Präsident Otte auf dem Essener Katholikentag.

In unserer Zeit mit. ihrer materiellen und fee* lischen Not, mit ihrer inneren Aufgewühltheit und geistigen Verwirrung rggen die Katholikentage als orientierende und kraftspendende Veranstaltungen hinein. Sie sind zugleich der Ausdruck des um­spannenden und volksverbindenden Gedankengutes, das dem Wesen des Katholizismus entspricht. Der jchige Katholikentag, dessen Generasthema lautet Christus in der Großstadt", stellt besonders in der heutigen Zeit gleichsam von seihst die ge­dankliche Verbindung her zwischen dem Thema und dem Ort der Tagung. Gibt doch die Stadt Essen, inmitten eines Reviers gelegen, das in mancherlei Hinsicht als eine einzige große Industriestadt be­zeichnet werden kann, einen Rahmen für unsere Tagung ob, wie kaum eine andere Stadl. Thema und Ort der Tagung bringen uns Katholiken, zu­mal wenn wir an verantwortlicher Stelle im öffent­lichen Leben stehen, verstärkt zu der Einsicht, daß Christus in der Großstadt nicht nur im stillen Käm­merlein, nicht nur im Tabernakel in unseren schö­nen und weihevollen Kirchen, nicht nur bei Pro­zessionen,

nicht nur im Herzen und in der Familie leben­dig sein darf, sondern in unserem gesamten So- zial- und Wirtschaftsleben, in der gesamten Oes- fenklichkeit durch uns Menschen wirken und herrschen muß.

Aus dieser Erkenntnis ergeben sich angesichts der Verhältnisse, in denen mir stehen, eine Reihe von Schlußfolgerungen und Aufgaben. Ich glaube deshalb auch, der mir gestellten Aufgaben als Prä­sident des Katholikentages in meiner Eröffnungs­rede am besten gerecht zu werden, wenn ich unter Kennzeichnung der Lage zugleich versuche, Schluß­folgerungen zu ziehen und Aufgaen aufzuzeigen.

26 Jahre sind es her, seit hier in Essen der letzte Katholikentag stattfand. Der damalige Katholiken­tag eine Durchsicht des gedruckten Berichtes be­stätigt das war eine außergewöhnlich macht­volle und an wegweisenden Ideen fruchtbare Ta­gung. Viele der Männer, die auf der Tagung stark in die Erscheinung traten, und denen das ka­tholische Volk viel verdankt, weilen nicht mehr un­ter den Lebenden. Nur einige Namen darf ich nennen: zunächst Se. Eminenz Herrn Kardinal Dr. Fischer, dem die Herzen auf der Veranstaltung in Essen 1906 begeistert entgegenschlugen, ferner den verdienstvollen Führer Herrn Landgerichtsrat Dr. Groeber, dem Präsidenten des damaligen Katho­likentages, und endlich ich nenne feinen Namen neben dem damaligen Vorsitzenden der Essener Lo- talfommiffion, den verstorbenen Herrn Landge- richtsdireklor Dr. Laarmann den um die so­ziale Frage verdienten Fabrikanetn Herrn Matthias Wiese, dessen Tätigkeit die warme soziale Note des damaligen Katholikentages mit zu danken ist. Essen entsandte bereits sehr früh einen Ange­hörigen der arbeitenden Volksschichten in den Reichstag, und auf der Generalversammlung 1906 war der verdienstvolle Arbeiterführer Giesberts mit im Präsidium vertreten. In dem Arbeitgeber Matthias Wiese sand der Gedanke der Eingliede­rung der arbeitenden Volksfchichten einen warm­herzigen Verteidiger. Nun stnd 26 Jahre feit der denkwürdigen und großen Veranstaltung von 1906 ins Land gegangen. Wenn mir zurückblicken bis 1906, denn scheint es uns, als ob zwischen damals und heute Zeiträume lägen, die viele Menschenalter Umsvannen, und doch ist es nur ein Zeitraum von rund 2^ Jahrzehnten. Aber dieser Zeitraum schließt Erkenntnisse und Geschehnisse in sich, die so tiefgreifend wie umwälzend, so erschütternd und gewaltig find, wie nur wenige so kurze Zeitspan­nen der Wetlaefchichte überhaupt.

Am Anfänge dieser Zeitspanne steht ein Volk und Reich in äußerer Größe und Stärke, eine Wirt­schaft mit finanziellen Reserven und vorwärtstrei- benben Kräften. Wir wissen, daß diesem glanz­vollen äußeren Bilde, daß der von oben zusam» mengehaltenen Form die gemeinschastsdildenoe Kraft fehlte, und daß in der Zeit die gesellschaft­lichen und faiialen Spannungen außerordentlich groß waren. Wahrend der Katholizismus irratio­nal und wirklichkeitsnahe zugleich der sozialen Frage wegweisendes Interesse und dem Ringen der arbeitenden Schichten Verständnis entgegenbrachte, mar es in weiten gusschlaaaebenden Krellen un­seres Volkes anders. Der Katholikentag 1906 in Essen ist ein lebendiger Beweis für die Aufgeschlos­senheit gegenüber den Zeiterfordernisfen und für die sozialen Kräfte, die im katholischen Volksteil allzeit lebendig waren.

Der Weltkrieg ist ein weiterer Abschnitt in die­sem Zeitraum. Er erforderte unendliche Opfer ma­terieller und seelischer Art von unterem Volke, und sein Ausgang für unser vier Jahre vom Welt­markt abaeriegeftes. ausgehungertes und gegen eine mehrfache Uebermacht kämpfendes Volk ist bekannt. Trotz manchem Schatten, der über die­ser Zeit liegt, offenbarte sich in ihr die Treue aller Volksschichten zum Vaterlande.. Ich darf hier so­gar das bekannte Wort zitieren:Des Vaterlandes ärmster Sohn war auch fein getreuester!"

Die letzte Hälfte der Zeitperiode feit der Essener Katholikentagung 1906 führte uns durch Revolu­tion, Zufammenbruch. Besatzung, Ruhrkampf In­flation, Deflation hinüber in die Gegenwart. Diese zeigt uns ein Antlitz der Sorge und der Not, des Hasses und der Leidenschaft. Ein Blick in die Rie- fenunternebmungen und Werke des hiesigen Ge­bietes, deren Schornsteine meist kalt und ohne Rauch­fahnen gen Himmel ragen, zeigt uns die ganze Schwere der gegenwärtigen Krise. Dort, wo sonst die Hammer dröhnten, der Bergmann berufsver­bunden in die Grube fuhr, sind jetzt öde Betriebs­

stätten. Die furchtbare Krise der Gegenwart, die zugleich eine Weltkrise ist, geht an keinem Stand und keiner Schicht vorüber. Sie greift mit wür­gendem Griff in die Familien, bedroht die Ju­gend, lähmt ihren Mut und vernichtet ihre Zu­kunftshoffnungen. Vor allem lastet auf den am meisten Bedrängten, den Schwächsten und Hilfsbe­dürftigsten die ganze Wucht und Schwere der Sor­gen und Nöte.

Es ist notwendig, mit allen Kräften, die uns zur Verfügung stehen, dem lähmenden Pessi­mismus, dem utopischen und zerstörenden Ra­dikalismus, der Verzweiflungsslimmung und vor allem dem Wangel an sozialer Gemein- schSftsgesinnung enlgegenzuwirken.

und darüber hinaus an dem werdenden Neuen, so­wohl hinsichtlich der Form als auch der Gesinnung, tatkräftig mitzuwirken. Verhängnisvoll wäre es. der weithin anzutreffenden Hoffnungslosigkeit durch eine Befestigung der Meinung, daß sich der die Weltwirtschaftskrise vermehrende Zustand des Mißtrauens unter den Völkern, und daß die Kri­sennöte im eigenen Lande sich auf ordnungsmäßi­gem Wege nicht beseitigen lassen und deshalb ent­weder schicksalhaft hingenommen oder nur durch brutale Gewastaktionen behoben werden könnten, weitere Nahrung zu geben. Es kommt vielmehr darauf an, den Willen der Staaten und Regie­rungen in die Richtung durchgreifenden Handelns und erfolgreicher Reformen zu drängen.' In der Welt fehlt es nicht an Nahrungsmitteln, an Roh­stoffen für die Bekleidung und Wohnung und an Gegenständen, die der Menschheit ein menschenwür­diges Dasein ermöglichen. Der Weltenschövser gab den Menschen die Güter, damit sie sie mehren und im Dienste der Menschheit und im Sinne seiner Schöpfung verwenden. Wenn aber die Menschen unzulängliche Wirtschaftsformen schaffen und diese Formen oder Wirtschaftssysteme vom Geiste der Gewalt, des Egoismus und der Uneinigkeit be­herrscht sind, dann liegt die Schuld für die sich dar- aus ergebenden Notstände letzten Endes bei den Menschen selbst. Darum muß es heilige Aufgabe aller Gutgesinnten sein, aller berjeniger, bie Dienst tun wollen am großen Schöpfungswerke, die da­für tätig fein wollen, daß mehr Glück und Sonne werde den Armen und Bedrängten, den Ländern und der Welt, mit Energie und Hingabe an einer Aenderung der Zustände arbeiten.

Dir wissen, baß eine erfolgversprechende Lö­sung der brennenden Gegnwartsprobleme und Behebung der Notfl-i-de n»r möglich ist auf dem Boden der Grundsätze und der ewigen Dahrheiken des Christentums.

Nicht mit Schlagworten ober gar mit Program­men unb Systemen, wie sie von extremen Richtun­gen hemmungslos propagiert werden, ist eine Lö­sung zu erreichen. Die Not unserer Tage wird von gewissenlosen Agitatoren unter Auspeitschung der niedrigsten Instinkte für volks- und christen- tumsfeindliche Ziele mißbraucht. Jedes System, das auf Klaffenkampf von unten, auf einer unna­türlichen Gleichmacherei unter Mißachtung von Gott gegebener Naturgesetze beruht, muß und wird ebenso scheitern, wie Systeme, die uuf einseitiger Gewalt von oben unter Mißachtung der persön­lichen und geistigen Freiheit des Menschen beruhen. Wir befinden uns allerdings in einer Wende, in einer Zeitwende, die gebieterisch nach neuen Le­bensformen drängt. Die gegenwärtige Zeit ver­langt von uns höhere und größere Aufgaben als die Zeit vor drei bis vier Jahrzehnten. Damals handelte es sich, in einer Zeit des kapitalistischen Wirtschaftssystems und wachsenden Naitonalreich- tums, besonders darum, den arbeitenden Volks­schichten Schutz, Gleichberechtigung und Einordnung in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben zu verschaffen. Heute handelt sich weithin um den Kampf um den materiellen Lebensraum überhaupt unb dessen Ausgestaltung entsprechend einer verän­derten Umwelt unb Wirtschaftsstruktur, um bie Be­tätigung eines Lebensgefühls, bas bem Individua­lismus früherer Jahrzehnte abgewandt ist. Das vielfach stürmisch« Drängen unb leidenschaftliche Eintreten für andere Wirtschaftsformen, für neue Wege drängenden Zustandes der Gegenwart. In diesen Wirrnissen müssen wir uns immer wieder darauf besinnen, daß jede Wirtschaftsform, jede Ordnung der Wirftchaft nur wirklich lebensfähig und fruchtbringend fein kann, wenn sie beseelt und getragen ist von einer die Gemeinschaft und. das Gefamtwohl fordernden Gesinnung; wenn sie be­seelt ist von einem Geiste, der aufbauend und ge­meinschaftsbildend zugleich ist. Solange es weite unb einflußreiche Kreste gibt, bie eine Wirtschaft aufbauen wallen, nach dem Grundsatz, daß das Christentum draußen zu bleiben habe, wird keine die Wohlfahrt steigernde Ordnung der Dinge zu­stande kommen. Das Christentum gehört nicht außerhalb der Wirtschaft, sondern mitten in die­selbe. Die weithin bas Christentum tragenden und sein Wesen ausmachenben Kräfte: Gerechtigkeit. Liede unb Treue, Wahrhaftigkeit, müssen auch in der Wirtschaft wirken. Sie sind geradezu Voraus­setzung für das Gedeihen der Wirtschaft.

Eine für die zukünftige Gestaltung der Dinge beonders notwendige Gesinnnngserneuerung muß im Zeichen Ehrifti, des Gottessohnes, des Erneuerers und Segenspenders, stehen.

Die Geschehnisse um uns hemm sind mahnend und anfeuernd zugleich. Man könnte an der Zu­kunft zweifeln, wenn man nicht wüßte, daß bittere

Sorge um den morgigen Tag und große Not au* zu der Verzweiflungsstimmung, zu den Ausbrß, | chen wilder Leidenfchgft und verletzten Gerecht^ 1 feitsempfinbens beitragen Und dennoch! Wenni man demgegenüber wieder sieht, mit welcher Kraft ß und inneren Stärke weite Kreise bie Not tragen nicht verzweifeln unb trotz allem ihre Pflicht tun' bann offenbart sich barin auch bie große sittlich, I Kraft, die noch in unterem Volke vorhanden M Die Gefahren, die eine Zeit größter Not und q3 wattiger Arbeitslosigkeit, auch für die religiös, I Haltung des Menfchen. mit sich bringt, sind offen, I kundig. S>e werden burch die verderbliche Tätig. I feit gottesfeindlicher Mächte und Richtungen ze.1 steigert. So gebt z. B von Moskou noch imn3 eine Welle der Gottesfeindschaft und der GottloseM Propaganda hinaus in die übrige Welt. Die TM fache daß bie Eriäferkirche in Moskau in TrümmeH gesprengt, daß am Heiligen Abend der Moskauei« Sender feinen Hohn auf Christentum, auf katho-i lifche Priester unb Nonnen in die Welt fenbet, muß I alle christusgläubigen Menschen zu einem heiligen I Gegenfeldzug aufrufen. Dieser Geist propagiert und organisiert auch Sirdjenaustritsbemegungen, führt zu Werken des Hasses, statt her Liebe. Uni] wenn eine allerdings dem entgegengesetzten Er. trem als bem Kommunismus huldigende Ta­geszeitung anläßlich der Ausweisung des Orden; derGesellschaft Jesu" aus Spanien ihre Freude darüber äußerte und noch hinzufügte, daß daiP, wenn die von ihr vertretene Richtung zur Macht komme, hoffentlich Deutschland ebenfalls von die. fer Pest der Jesuiten befreit werde, bann zeigt öas des Weiteren, von welchen zerstörenden Kräften verschiedene extreme Richtungen beherrscht sind. I

Der Abwehr der Gefahren kann nur durch Zu­sammengehen aller derjenigen erfolgen, die noch die Hände zum ewigen Gottessohn falten, und nicht durch Zusammengehen mit denen, 1 die im Haß die Fäuste ballen oder gar gegen Andersdenkende zum Dolch oder Revolver greifen.

Dort, wo Menschenleben wenig oder nichts mehr gilt, kann ebenfalls kein Gemeinschaftssinn sein. Und im Hinblick auf eine lebensgerechtere unb so­zialere Neugestaltung der wirtschaftlichen Ordnung sei mit Nachdruck hinzugefügt: dort, wo Gewalls und Gewaltmißbrauch gepredigt wird, kann fein Mitleid, feine soziale Gesinnung herrschen. Dort wird der Mühleiige unb Beladene feine wirksam« Hilfe finden. Dort, wo gefordert wirb, baß gleiche ] Vergehen verschieden oder vielmehr parteiisch be­straft werden sollen, ist das Gefühl für Gerechtig­keit nicht mehr lebendig unb muß das rechtlich Fundament der Ordnung erschüttert werden. . W

Der gegenseitig verpflichtende Gemeinschaftsge- danke, der im 5Befen des Christentums begründet liegt, und der vor allem auch dem Katholizismus eigen ist,

ist nicht allein für die Neugestaltung der wlrt» 1 schasklichen Ordnung, sondern auch für die 1 Linderung und Behebung der wirtschaftlichen

Not die beste Gewähr.

Von den Enzykliken, die der Hl. Vater, Papst Piu» XI., in dem zwischen dem vorjährigen und dem diesjährigen Katholikentag liegenden Zeitraum er­lassen hat, befaßt sich eine besonders mit dem Ar« beitslosenproblem. Der Heilige Vater fordert hier, statt eines Feldmges des Wettrüstens unter den Volkern, einen Feldzug der Liebe, des Erbarmen.« und der werktätigen Hilfe. Zahlreich sind dane­ben die Slufrufe der hochwürdigsten Herren Bi­schöfe zur Linderung der Not, zur praktischen Mit­hilfe.

Wahre Sozialpoliitk, wie mir sie in der Ge­genwart und ebenfalls in der Zukunft treiben müs­sen, bedingt vor allem ein inneres Bekenntnis zur i Gemeinschaft, setzt Gemeinschaftssinn voraus. 5^ s erfordert die Deinslussung der seeligen Haltung in der Richtung, daß wir uns in Deutschland stärker als Schicksalsgemeinkchaft fühlen, als Schicksalsge meinschaft, in der der eine um das Wohl des an­deren besorgt ist, und in der vor allem der Stär­kere, der wirkfchaftlich Bessergestellte, aus Besorgt­sein um das Wohl des Schwächeren, sich innerlich verpflichtet fühlt, für den schwächeren Mitmenschen miteinzustehen.

Herz-Zesu-Gebets-Apostolal.

Gebetsmeinung im Wonak Oktober 1932.

Vom Hl. Vater bestimmt.

Schonung des guten Ruses des Nächsten, f

Wie leichtsinnig unb schlimm wird heute t>g| 8. Gottesgebot übertreten, durch Ehrabschneidung. 1 Verleumdung und besonders durch Dhrenbläftt<*-| Es geschieht oft aus toller Unbesonnenheit, redet einfach drauflos. Ob es genau so man es sagt, ob es andere kränkt, Geister entzwei- Feindschaften stiftet, zur Verhetzung beiträgt, kuN^I men* den Unbesonnenen nicht.

Aber hätten bie Ehrabschneider uab Ohren j fer feine willigen Zuhörer, fänden sie fi*r Vl. j lieblosen Klatschereien feinen Beifall, io wur­ste ihre Reben halb ausgeben. Der hl. Hieronw sagt treffend:Niemand erzählt gern einem * Hörer, der unaern hört. Ein Pfeil bringt n,e 3 einen Stein ein. Oft springt er von demselben rück auf ben Ahschießer Der Verleumder lernt fein Verleumden, wenn er sieht, wie und du zuhörst."

Danf sei dem Hl. Vater für diefe ® ^^fte nung, bie uns so recht zur Sühne unb veranlaßt mit dem stillen Gelöbnis, den amen des Nächsten gewissenhaft schonen zu wollen- .