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Vochenplauderei.
I Katarakte. — Der unbekannte Bürger. — Alle zirünke. — Vaker fiolping. — Abrakadabra, große Ströme wirken in ihren Katarakten wie ' «, Untergang der Welt. Und doch braucht man ,5 eine Uferhöhe zu besteigen, um zu sehen, daß l _ bald der ruhige Flußlauf wieder da ist. Die »^iie von heute muß man als solche Katarakte p. J. Stromschnellen betrachten. Ohne daß man es Kreid) bemerkt, wirken in all der Verirrung und in |®q dein Wogenschaum die Gesetze des Stromes, der E" jter drängt. Es ist natürlich weder für eine Re» K4rung noch für die Parteien angenehm, wenn IjL mehr oder weniger tüchtige Schifflein durch die ! ^gmfchnellen hindurch muß. Es zerschellt dabei f mohl der eine oder andere an den Klippen. Aber f ® „ soll dennoch das Vertrauen nicht verlieren, s corqe jeder für seinen Kahn, hat doch auch jeder ' cnüg damit zu tun. Plötzlich wird es wieder still l «crven, und eine ruhige Flut wird das ganze Volk 1eine bessere Zukunft tragen.
§in hohes Lied möchte ich darum singen dem »Bekannten Bürger, den man über dem unbe- ,annten Soldaten nicht vergessen sollte. Der Bür- ■ *er nämlich ist der Soldat des Friedens. Er , fzmpft mit seiner Arbeit, mit seinem Verantwor- jiing-gefühl, mit seinem stolzen Mut. Trotz aller i .Malen Bewegung gibt es bei uns diesen unbe- ! kennten Bürger noch. Er sieht zu, daß er durch I iein Schaffen die allgemeine Lage erleichtert. Er ; M in Zeiten der Auflösung auf seine Tugenden, f das deutsche Volk groß und stark gemacht haben. Er redet nicht viel, sondern er handelt. Er sagt M immer wieder, daß sein Betrieb die Wirtschaft K und sein Haus der Staat. Hält er diese in Mnung, dann besteht die denkbar beste Aussicht, M auch das Ganze eines Tages wieder in Ord- I jsng kommt. Dieser unbekannte Bürger legt Mnen Wert auf äußere Ehrenzeichen. Er ist kein Mns Dampf in allen Gaffen. Er ist wieder der Einfache Soldat, der auf den Posten gezogen ist. Was Feld in einem gut überschaubaren Umkreis k ist ihm anvertraut, und dafür sorgt er. Spricht kMN von den Siegen der großen Armee, dann ist linch von seiner Arbeit gesprochen worden. Das genügt ihm. Sind nicht die Namen meist eine große Täuschung? Die Schlacht gewinnt für gewöhnlich nicht der vielgenannte Feldherr, sondern der gar nicht genannte Generalstabschef. In zahllosen Firmen gibt es diesen oder jenen alten bewährten Mitarbeiter, der es eigentlich macht, obwohl das Firmenschild nicht auf ihn lautet. In manchen Regierungsressorts ist es oft ein wenig beachteter Beamter, der die solide Arbeit leistet. Me wenig wußte die Oeffentlichkeit damals von Brüning, obwohl er im Stillen schon lange die Fähigkeiten entwickelt hatte, die seinen Ruhm später durch die ganze Welt trugen. Es lebe der unbekannte Bürger, der Soldat des Friedens!
Diese unbekannten Menschen schaffen auch das Neue. Wie gern gäbe ich einem jeden stürmischen Reformer die Briefe in die Hand, die Pater Lippen „in einem Kloster" geschrieben hat (Kösel- Bustet). Klöster sind auch menschliche Gemeinschaften, und es herrschen in ihnen ähnliche Gesetze, wie in jeder Gesellschaft. Auch da kann es einmal Reformer geben, die es gut meinen, die viel reden Md gar poltern, die aber am Ende nur viel Por- Mn zerschlagen haben. In seiner klösterlichen Art sagt der weise Pater Lippert: „Wer etwas erreichen will, muß die Welt und die Menschen und die Dinge vor vollendete Tatsache stellen. Das geschieht also nicht durch langatmige Ankündigungen and durch weitläufige Wortgefechte — ähnlich den homerischen Helden, die alle ihre kleinen Privatkriege mit ellenlangen Reden einleiteten, was allein schon ein Beweis ist, daß sie Dichtung sind and nicht Wahrheit. Diese vollendeten Tatsachen werden also auch nW o-frWfmh-m mnn aegen ein vorhandenes System lange Reden hält, indem man es beschimpft oder abzuschaffen droht, sondern indem man einfach neben das Alte unmittelbar hin das Neue stellt, so wie jede junge Pflanze nicht erst aste alten Strünke ausrottet, sondern einfach fischen sie und über sie sich selbst hinpflanzt und nch breitmacht .. ,e Die alten Strünke mögen sich ^>ühen, wie sie wollen. Sie mögen Stacheln an- >etzen rote Bajonette. Sie mögen sich zieren und «m vergangener Herrlichkeit reden, sie mögen das hünze Rübenfeld mit ihrer Propaganda übet« i>ehm, . . . Ein alter Strunk bleibt halt doch ein
Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt)
Sonntag, den 2. Oktober 1932.
alter Strunk, und das Pflänzlein, das frische, kichert vergnüglich in seinem Winkel.
Die neuen Ideen, die auf der ganzen Welt zum Durchbruch drängen, brauchen es nicht so eilig zu haben. Gerade die besten Ideen und solche, die einmal wie ein mächtiger Baum die aanze Menschheit unter sich sammeln und sie beschatten sollen, wachsen langsam, so langsam wie die Eichen, ja noch viel langsamer. Ich lese da eben in einem Schristchen, das den Titel trägt: „Mit Kolping zur deutschen Zukunft". Es ist von dem bekannten Dr. Reinermann verfaßt und im Gesellenvereinsverlag zu Köln erschienen. Lächle nur nicht und sage: Was kann schon von einem Gesellenvater Großes und Gutes kommen! Da hättest du eine schlimme Lucke in deinem Wissen verraten. Es ist das leider eine Lücke, die man bei vielen Gebildeten findet. Sie haben keine Ahnung von der Arbeit, die in den Verbänden geleistet wird. Es genügt zwar, etwa einen Besuch bei der Volksvereinszentrale in München-Gladbach zu machen oder auf die soziale Arbeitswoche zu gehen, die vom 9. bis zum 13. Oktober in eben dieser Stadt abgehalten wird. Es genügte, in Düsseldorf die Zentrale der Jünglings- oder der Iungfrauenvereine sich anzuschauen oder in Köln die der Arbeitervereine oder in Bonn die vom Borromäusverein oder in Essen die des Kaufmännischen Verbandes oder etwa den Aufruf zu lesen, den die Zentrale der Karitasverbände jetzt in den Zeitungen veröffentlicht hat. Was hat im letzten Notwinter gerade der Karitasverband zustande gebracht! Welche Aufgaben har- I
ren feiner in den kommenden Monaten. Nun habe ich einige genannt, aber ich will aufhören und gleich bemerken, daß es sich nicht um eine Aufzählung aller handeln soll, will ich auch vorsichtshalber den Frauenbund und die Akademiker-Verbands- zentrale noch erwähnen. Ich wollte ja nicht von diesen Verbänden sprechen, sondern vom Ge'ellen- vater Kolping. Kann ich von dem nur ein Wört- lein irgendwo erwischen, so greife ich darnach wie nach einem Goldkorn.
Dieser Vater Kolping war sich nämlich schon weithin klar über sehr schwierige Gedankengänge, die heute die Gesellschaftswissenschaftler beschäftigen. Er hat in der schlichten Sprache der Welt die berufsständische Ordnung vertreten, nicht nur in Worten, sondern auch in seinem heute noch blühenden Werk. Dazu war er ein echter Volks- mann, der auf Freiheit hielt in Wirtschaft und Staat. 1859 ''chon sind die Sätze im Rheinischen Volksblatt geschrieben, die sich gegen alle Gewaltherrschaft richten:
„Dar Despotismus, solange er herrscht, verdirbt die Bevölkerung moralisch noch mehr als bloß materiell. S ch o f e l e s Volk kriecht gern vor einem solchen despotischen Herrscher und richtig bis in die höheren Beamtenkreise hinein schiebt sich ein Gelichter, das ehrliche Leute, sind sie frei, nicht mögen über die Schwelle kommen lassen; elende Schmeich-
Hindenburg zum 85. Geburlskag.
An diesem Sonntag begeht Reichspräsident von Htndenburg feänen 85. Geburtstag. An diesem seinem Ehrentage gedenken wir der schlichten Worte, die sr einst in der Osterbotschaft des Jahres 1927 an das deutsche Volk richtete:
„Mein Leben liegt klar vor aller West. Ich glaube, auch tn schweren Zeiten meine Pflicht getan zu haben. Wenn diese Pflicht mir nun gebietet, au f dem Boden der Verfassung,
ohne Ansehen bet Parteien, der Person, der Herkunft und des Berufsstandes als Reichspräsident zu walten, so soll es an mir nicht fehlen. Ich reiche jedem Deutschen die Hand, der national denkt, die Würde des deutschen Namens nach innen und außen wahrt und den konfes- s r o n e l I e n und sozialen Frieden will und bitte ihn: „Hilf auch Du mit zur Auferstehung unseres Vaterlandes!"
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ler, die ihren Säckel füllen und nebenher je» der guten Sitte Hohn sprechen."
Das sind Worte, in denen der Geist eines Frei« Herrn von Stein weht . ..
Noch eine kurze Antwort auf einen Fragebogen, der mir zugegangen ist: Alu soll wohl heißen Arbeitslosenversicherung, Kru Krisenunterstützung, Wohin Wohlfahrtsfürsorge, Steugu Steuergutscheine, Amor Amortisationskasse (manche übersetzen auch Krankenhaus für eingefrorene Kredite, die dort auf dem Wege über Wechselfieber geheilt werden), Jfi heißt: Industriefinanzierungsinstitut, nach einigen Genesungsheim für schwache Firmeninhaber. Abracadabra aber ist ein Stück vom alten Holberg, der sich bereits vor 200 Jahren mit magischen Zauberformeln abgegeben hat. Man kann nicht leugnen, daß dem Amor, der Treugu und der Jfi eine gewisse magische Kraft innewohnt. Und so hätte sich'also die moderne Wirtschaft der Magie ergeben, im Goethejahr ein verständlicher Einfall . . ,
Der Mann im Monde.
Die Streikwelle schwillt an.
Aushebung der einstweiligen Verfügung im Weißenfelser Streik.
Die im Streik in der Weißenfelser Schuhindustrie vom Amtsgericht erlassene einstweilige Verfügung, in der den Gewerkschaften die Führung der Streiks untersagt wird, ist vom zuständigen Arbeitsgericht auf den Widerspruch der Gewerkschaften hin aufgehoben worden.
Streikbeschluß Berliner Möbellransportarbeiler.
Der seit einiger Zeit im Möbeltransgewerbe bestehende Tarifkonflikt hat, den Blättern zufolge, nunmehr zu einem Streikbeschluß der Arbeitnehmer geführt. Die am Freitag in den Betrieben durchgeführte Urabstimmung hat die satzungsgemäße Stimmenmehrheit für einen Streik ergeben. Die Arbeitsniederlegung soll bereits am Samstag erfolgen.
In Berlin sind jetzt gerade die Umzüge in vollem Gange. Daher dürsten durch den Streik erhebliche Schwierigkeiten entstehen.
Auch bei Kempinski soll gestreikt werden.
Wie der Vorwärts berichtet, hat die Belegschaft des Weinhauses Kempinski, das in Berlin eine Anzahl großer Restaurationsbetriebe besitzt, mit großer Mehrheit beschlossen, in den Streik zu treten. Anlaß zu diesem Beschluß gab ein Anschlag der Geschäftsleitung in dem Betriebe, daß vom 3. Oktober ab die Arbeitszeit von 48 auf 44 bezw. 42 Stunden herabgesetzt werden soll. An der Bewegung sind etwa 2500 gastwirtschaftliche Arbeitnehmer beteiligt.
Verkehrsstreik in Hamburg.
wtb. Hamburg, 1. Okt. (Eig. Meld.) Einem in vergangener Nacht gefaßten Streikbeschluß der Arbeitnehmer der in der Hamburger Hochbahn A.G. zusammengefaßten Verkehrsmittel ist heute früh Folge geleistet worden, so daß der Verkehr auf den Hamburger Straßenbahnen, der Hochbahn und den Al st erdampfern vollständig ruht.
Vor einem Streik in der Hochseefischerei?
In der deutschen Hochseefischerei haben bisher keine neuen Lohnverhandlungen stattgefunden, obwohl die Tarifverträge mit dem 30. September abgelaufen sind. Die Arbeitnehmer verlangen Zurücknahme der Kündigung, lehnen den Vorschlag auf Verlängerung um einen Mo« not ab und bereiten bereits einen Streik vor.
Die Belegschaft des Alexanderwerkes fristlos entlasse«.
Die Verwaltung des Alexanderwerks in Remscheid teilt mit, daß sie die gesamte etwa 700 Mann starke Belegschaft wegen beharrlicher Arbeitsverweigerung mit sofortiger Wirkung fristlos entlassen habe.
Ausstand wegen Lohnkürzung auf Grund der Notverordnung.
Die Arbeiterschaft der Firma Albert Küppersbusch, Schloßfabrik in Velbert, hat am Freitag geschlossen die Arbeit niedergelegt. Die Firma, die mit einem eng« lischen Unternehmen zusammenarbeitet, hat Aufträge, die ursprünglich in englischen Unternehmen fertiggestellt werden sollten, nach Velbert geleitet, da sie auf Grund der Notverordnungsbestimmungen und der Lohnkürzungen für die 31. bis 40. Stundenwoche auch in Velbert ohne Verlust hätten ausgeführt werden können. Die Arbeiterschaft war jedoch mit dem Vorgehen der Firma nicht einverstanden. Das Unternehmen hat die Streikerklärung mit sofortigen Kündigungen beantwortet, von denen 70 Mann betroffen werden.
Paul von Hindenburg (neueste Aufnahme) zum 85. Geburtstag des Reichspräsidenten am 2. Ott. (Photo von Kalckstein aus dem Volksbuch der Hindenburg-Spende, Verlag Stollberg G. m. b. H. Berlin.)
Ihr Radio-Fachmann
nur Funkhaus leibold
_____ Telephon 2412 KarlstraBe 5
Gasangriff auf Chicago
^Nachdruck »erboten!)
5. fortf etjung
Giftiger Puloerqualm schlug ihnen auch schon aus dieser Abteilung entgegen. Eine glühende Hitze.
Die sechs schraken zurück. Aber dann stürzten sie sich mit Todesverachtung in die Abteilung. Die Flutventile! Die Flutventile! Ehe das Schiff in die Luft flog.
Sie hatten sie gesunden!
In Eile rissen sie ein Ventil nach dem andern aus. An den glühenden Handrädern blieb ihre Haut kleben. Egal! Die Ventile waren geöffnet. Das Wasser ergoß sich in die Munitionskammer und die Kasematte. Die Explosion war glücklich verhindert.
Wenn auch die Verwundeten in diesen Räumen ertranken.
[ glühenden giftigen Dämpfe, die lohenden Flam- r*11 Üesen in die Munitionskammer unten und die Safe» oben. Die Leute wollten aufspringen, wegeilen, FJ die Einsteigluken zurennen. Aber nur die, die dort ihren Posten hatten, entkamen, schwerer oder Fw verbrannt. Aus die übrigen schlüpfte die breite ^Mmenschlange mit wahnsinniger Gier zu. fuhr ihnen ».Schlund und Hals, brannte ihnen die Kleider vom die Haut, das Fleisch, die Haare, machte sie j’’® Und fraß sich voll an dem zuckenden Hausen der ^enungsmannschaften. Hierauf züngelte sie trium» •’,?tenb aus den Luken und Ritzen des Panzerturmes
- Freie. —
l ^ietnanö in den benachbarten Kasematten — jede dicht für sich abgeschlossen, nahm etwas wahr von
F Katastrophe in Kasematte vier des vorderen Turmes r Erst als das Geschütz lange stumm blieb, ahnte Pfoant Skirman in Kasematte zwei etwas. Auch hatte «,e,ne Detonation in der Tiefe des Turmes gehört. Er durch das Telefon Kasematte vier an. Er erhielt Ky® Antwort. Darauf rief er den Artillerieleitungs- an.
ÄZie Artillerieleitung hatte schon vorher aus Safe» ■? e vier, deren Schußgatter sich nicht wieder schloß, Mächtige blaurote Stichflamme emporsteigen gese- R* "ie wie eine Fahne vorn auf dem Bug der „Ari- ■7. Üand. Fast unbeweglich. Sie wußte genug. In ■T^en Augenblicken mußten die Geschosse reif zur r®Wion sein und das Schiff in die Luft sprengen.
Befehlshaber hier, Kapitänleutnant Ehurchtown, gie sofort an das Telefon des Sicherungsdienstes: ■"Memotte 4 von Turm A 3 sofort fluten!"
■jj11 Sicherungstrupp drang eilig mit aufgesetzten Kjjtosfcn nach Abteilung 32 vor, wo die Ventile zum ^W^ussersetzen der Kasematte vier lagen. Die sechs ; M» ein Maat an der Spitze, rffsen das Luk auf.
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Gleich zu Anfang der Seeschlacht hatte Oberstabsarzt Kennedy die Räume seiner Lazarettabteilungen auf der „Arizona" in Bereitschaft bringen lassen.
Zuerst ging es ohne Ereignis.
Es kamen keine Verwundeten.
Das Licht schütterte an der Decke. Draußen das Brodeln der Explosionen und Detonationen, der Abschüsse und Einschläge. Hunderttausende.
Die emaillierten Gestänge der Tische blitzten.
Die vernickelten Zangen, Gesäße, Sonden, Pinzetten, Scheren, Schienen, die Messer, Sägen, Spritzen und alle die vielen Hilfsmittel des Chirurgen funkelten in weißen Reflexen. Striche. Bänder.
Der Geruch von Kampfer, Benzin, Jodoform lagerte in den Räumen. Das Sanitätspersonal machte sich zu schaffen.
Assistenzarzt Drabder, ein junger Chirurg, prüfte nervös verschiedene Pinzetten, die nebeneinander in einer Nickelschale lagen. Er zupfte an feiner Nase. Da- zwischen warf er vorsichtige Blicke auf die Gesichter seiner älteren und jüngeren Kollegen.
Stabsarzt Chopin dagegen ging in den Operationsräumen ruhig auf und ab! Mochten sie draußen fchie-
ßen! Mehr als sterben konnte man nicht! In aller Gemächlichkeit führte er feinen Bauch, der bet feinen Untergebenen zumal ein Anstoß des Witzes war und weit aus dem weißen Mantel oorfprang, spazieren.
Stabsarzt Banks, ruhig, gepflegt, mit Lrauenbüschen über blauen Augen, trat zu dem Sanitätsmaat Wilson, der am Ende eines der acht Reparationstische mit übereinandergeschlagenen Armen lehnte, und fragte:
„Haben Sie auch genug Material zum Abbinden von Schlagadern bereit gelegt?"
„Jawohl, Herr Stabsarzt!"
„Auch Kompressen?"
„Jawohl, Herr Stabsarzt!"
„Schwabber zum Reinigen?"
„Jawohl, Herr Stabsarzt!"
Stabsarzt Banks nickte erleichtert.
Einige Zeit verging jo.
Da stürzten aus der Schottür nach Abteilung 29 vier schwarze Gestalten, schwarz im Gesicht, gelb von Pikrin die Uniformen, überall blutend. Es waren ein Leutnant und drei Mann. Schnell zog man ihnen die Röcke aus, schnitt sie auf. Stabsarzt Chopin und Stabsarzt Banks untersuchten schnell und verboicken die leichteren Verletzungen. Am schwersten war der Leutnont mitgenommen. Ihm war ein Fetzen Fleisch aus der rechten Wange und der Mittelfinger der rechten Hand weggerissen worden.
Dies waren die ersten Verwundeten.
Stabsarzt Banks beugte sich über den leicht narkotisierten Leutnant und schnitt die Fingerwurzel aus. stopfte sie voll Jodoform und verband sie.
Aus dem Bericht der verletzten Matrosen ging hervor, daß sie zu der Bedienung eines Stuerbord-Flak- geschütztes gehörten, das durch einen Bombentreffer ausgefallen war.
Dann folgte eine ganze Welle von Verwundeten.
Ein Gesicht tauchte in der Schottür auf. Es hatte einen durchbluteten Verband notdürftig um den Kopf gewickelt. Der Monn hielt sich an dem Rahmen der Schottür krampfhaft fest. Ein zweites, drittes, achtes, zehntes Gesicht erschien dahinter . Und dann gar nickt mehr abreißend.
Zersplitterte Arme, hinkende Beine, blutende Stirnen, verbundene Augen, nackte Oberkörper, mit Mullbinden umwickelt, dos war die leichte Saat der See- jchlacht.
Aber dann folgten die schweren Fälle. Die, welche! auf Bahren und Tragen lagen, unselig angestückelt und halb zerfetzt. Die Träger und Sanitäter stürzten herzu und lösten das Trägerpersonal von oben ab. Das mußte schnell wieder zurück zu gleichen Lasten.
Trotz dem Trommelfeuer hörte man doch jetzt scharfes Wimmern und Schreien da und dort. Zupften Hände. Warfen sich Fäuste hoch in unerträgliche» Schmerzen.
Dte acht Operationstische waren im Handumdrehen von nackten, gelb wie Elfenbein schimmernden Leibern junger, schwer verwundeter Männer bedeckt. Aus biefeft Körpern rann das Blut unter den eiligen Notoerbände» hervor und äderte, überwusch die blutleere Haut. Entsetzte Schreie. Trübe Augen verglommen hinüber tn narkotische Betäubung. Die Messer der Aerzte senkten sich in das wunde, zerrissene, versengte Fleisch. Die Leiber zuckten.
Aber sachlich und ungerührt beugten sich die starre» Gesichter der zehn Aerzte der Abteilung des Oberstabs, arztes Kennedy über die Verstümmelten.
Immer mehr Verwundete quollen herein. Die Lazas retträume füllten sich.
Der Zufluß riß gar nicht ab.
Sie saßen oder lagen hinter den Operationstische» in den Verhältnis kleinen Räumen so dicht, daß die Aerzte Mühe hatten, sich an ihren Tischen hin und her zu bewegen. Dabei schüttelte sich das Schiff unter den Einschlägen. Mit jedem Einschlag scholl das Wimmer» und Schreien der Verwundeten auf.
Oberstabsarzt Kennedy arbeitete mit Gummihand, schuhen, das scharfe Messer in her Faust, an einem Matrosen, dem der Bauch aufgerissen war. Der Matrose lag in tiefer Narkose.
„Rettungslose Geschichte ,, murmelte er wütend vor sich hin.
„Der Nächte ,,, /
Dieser nächste war ein Geschützmaat, dem ein Splitter den Nacken unterhalb des Kleinhirns durchriffe» hatte, kurz über dem Atlasträger.
Kennedy ließ den Maaten auf die linke Seite legen« Ein Sanitäter schnitt dem Verletzten das Hemd herab« Die Maske stülpte sich über sein Gesicht. Nach kurzer Zeit lag er wie ein Pfahl. Aber es zeigte sich nach einigen Hantierungen keine Verletzung der Knochen oder des Hirns. Jetzt war Kennedy wütend.
(Fortsetzung folgt.) u , j