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Zahrg. 59.

Sonntag, 2. Oktober 1932

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Leben" des 29. 9. 1932

Der russische Botschafter hat dem japanischen Außenminister in Tokio erklärt, daß die Frage der Anerkennung der Mandschurei von seiner Regie­rung in negativem Sinne entschieden worden sei.

Auf Einladung der Industrie- und Handels­kammern wird Reichskanzler v. Papen am 16. Oktober auch tit Dortmund sprechen.

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^Dichter- geht mit.

Auch eineKundgebung für die Reichsregierung".

In der BeilageKultur und Deutschnationalen Pressedienstes vom

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In einer Sitzung des Studienausschusses für die Europäische Union wurde Herriot zum Präsidenten des E u r o p a a ussch usj es gewählt, i ,

Der Reichsverkehrsminister gewährte dem Ver­treter eines Berliner Mattes eine Unterredung, rn der er sich über die Entwicklung der deutschen Sportluftfahrt aussprach, wie sie auf der Deut­schen Luftsportausstellung in Berlin zutage tritt.

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Nach Abschluß der französischen Manöver teilte der General Weygand mit, daß die Manöver wieder einmal die Vorteile der Motori­sierung bewiesen hätten.

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Bekanntlich hatte der einflußreiche rheinische Wictschastsführer vor einigen Tagen einen schweren Schlaganfall erlitten, dem er jetzt erlegen ist. Louis Hagen wurde 1855 als Sohn eines Bankiers in Köln geboren. Seit dem Jahre 1873 ist er in dem von feinem Großvater gegründeten Kölner Bank­haus tätig, wo er bereits mit 22^ Jahren mitver­antwortlicher Inhaber wurde. Wie hoch man sein Wirken um die Entwicklung der rheinischen und deutschen Wirtschaft schätzt, davon zeugen die zahl, reichen Ehrenämter und die vielen Berufungen in große Körperschaften, denen er seine vielseitigen Kenntnisse und reichen Erfahrungen zur Verfü­gung stellte. Seine weit über Deutschlands Gren­zen hinausgehenden internationalen wirtschaft- liehen Beziehungen führten gleich nach dem Ein­tritt Deutschlands in die Internationale Handels­kammer zu seiner Wahl in deren Vorstand. Dem Generalrat der Reichsbank gehörte er seit dessen Gründung an. 2tls Vertreter der Aentrums- partei ist er Mitglied des preußischen Staatsrates. Als eifriger Förderer von Kunst und Wissenschaft zeichneten ihn mehrere Hochschu­len durch Verleihung des Ehrendoktors aus.

Der eine hält am Montag eine Rede in München vor den Vertreter der Landwirtschaft und erklärt ihnen, daß ihre Forderungen der Ausgangspunkt der von der Reichsregierung zu betreibenden Wirtschafts­politik feien, der andere erklärt kaum 24 Stunden spä­ter, ausgerechnet bei der Einweihung eines Gebäudes, das den Interessen der Börse dienen soll, daß die An­nahme der landwirtschaftlichen Forderungen völlig unmöglich sei.

Hier klaffen Widersprüche in der Auffassung, wie wir sie noch nicht einmal beobachtet haben in einem Kabi­nett, in dem Männer äußerlich so verschiedener wirt­schaftspolitischer Zielsetzung, wie etwas Schiele und Stegerwald, saßen. Zum mindesten hat man es auch da nicht erlebt, daß der eine Minister schon einen Tag später öffentlich den anderen glatt des­avouiert, um das Ding beim richtigen Namen zu nennen. Als seinerzeit die Gegensätze zwischen Warm- bold auf der einen Seite, Schiele und Schlange auf der anderen Seite sich im Kabinett Brüning außerordentlich verschärften, mußte Warmbold die Konsequenzen ziehen und gehen.

Und heute, im Kabinett Papen, das aus staatspoli- tischen Gründen zunächst von weiten Kreisen der Land­wirtschaft mit Sympathie begrüßt wurde? Von zahl­reichen führenden Stellen in der Landwirtschaft hört man heute, daß die Enttäuschung immer weiter um sich greife. Dazu tragen auch sehr wesentlich die Maßnahmen zur Verwaltungsreform in Preußen bei; die völlig den länd­lichen Wünschen zuwiderlaufen. Dazu kommt, daß die landwirtschaftsgegnerischen Kräfte kaum jemals tn einer solchen Schärfe und Offenheit gegen den Vertreter und Vertrauensmann der Landwirtschaft im Reichskabinett aufgetreten sind, wie heute."

Wenn man meinen sollte., diese Auslassung sei das Herbste, was in diefen Dingen geschrieben sei, dann würde man sich sehr täuschen. Man braucht ja nur die publizistischen Organ? der Land­wirtschaft näher zu verfolgen, und man wird dort, wo man die wirtschaftlichen Erwägungen über die politischen stellt, ähnlich scharfe, ja noch schärfere Aeußerungen finden.

Wir stehen in der nächsten Zeit, wenn nicht schon in den nächsten. Tagen, vor allerschwersten Kämpfen und Entscheidungen in diesen wirtschafts­politischen Dingen. Diejenigen Beamten und Kom­missionen, die jetzt in das Ausland sich begeben, um in den Kontingentierungsfragen zu verhandeln, gehen einen sehr schweren Gang. Welche Gefahr im Verzug ist, mag die Tatsache erweisen, daß zahl­reiche, von den verschiedensten Industrieunterneh­mungen bereits auf Grund des Wirtschaftspro­gramms vollzogene Neueinstellungen wie­der rückgängig gemacht wurden, weil diese Unternehmungen infolge der Maßnahmen des Agrar Programms leinen praktischen Erfolg solcher Handlungen ja garnicht gegeben er­achten.

In. der Tat haben auf Grund der Verkündung des Agrarprogramms. namentlich.mit der Ankündigung der Kontingentierung, zahlreiche industrielle Unter­nehmungen von ihrer in- und vornehmlich auslän­dischen Kundschaft Annullierungen der auf die ur­sprünglichen Maßnahmen der Reichsregierung hin erteilten Aufträge erhalten. Zahlreiche Zurück- rufungen sind unterdessen aus den Ländern erfolgt.

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

Die kommunistischen Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses des Reichsta­ges haben die E inberufung des Ausschus- 1 e s verlangt, um ein Bericht der Reichsregierung über die außenpolitische Lage entgegenzunehmen.

Freiherr von Neurath beim Reichspräsidenten.

wtb. Berlin, 1. Oktober. (Eig. Meld.) Der Herr Reichspräsident empfing heute den Reichs- mio.ister des Auswärtigen, Freihertst von Neurath, zum Vortrag über die Genfer Ver­handlungen.

Keine Landlagswahl in vrannschwelg.

wtb. Braunschweig, 1. Okt. (Eig. Meld.) Der Braunschweigische Landtag trat heute vormittag nach saft dreimonatiger P a u fe zu einer Sitzung zu­sammen, um zu dem nationalsozialistischen Dringlichkeits­antrag auf Auflösung des B r a u n s ch w e i g i- schen Landtags Stellung zu nehmen. In der Ab­stimmung wurden 13 nationalsozialistische, bürgerliche und kommunistische Stimmen für die Auflösung abge­geben, während sich 15 Sozialdemokraten dagegen aus« sprachen und 4 bürgerliche Abgeordnete Stimmenthal­tung übten. Da die verfassungsmäßige Zweidrittelmehr­heit nicht erreicht war, war der Auslösungsantrag damit abgelehnt.

die von den Kontingentierungen betroffen werden, und unmittelbare Vergeltungsmaßnahmen sind von Seiten des Auslandes jetzt schon getroffen worden, ehe man überhaupt das Ergebnis der Kontingen­tierungsverhandlungen abgewartet hat. So hat bereits Frankreich die Zufuhr von deutschem Zei­tungspapier beschränkt, und ähnliche Maßnahmen hat Italien gegenüber der Einfuhr deutscher Waren getroffen, und in den nördlichen Ländern, die noch unsere besten Kunden bezüglich der Abnahme deutscher Industrieproduckte waren, sind bereits ähnliche Maßnahmen erfolgt »der doch schon angekündigt.

Bei der Wirtschaftsverfassung, in der sich Deutsch­land befindet, ist das Ausspielen des einen Be­rufsstandes gegen den anderen nicht nur g e - fährt ich, sondern verderblich. Wir sind allesamt aufeinander angewiesen, und das Wohl und Wehe des einen Standes und Berufes ist ent­scheidend für das Wohlergegen oder für den Nie­dergang des anderen Berufsstandes. Nur von der Grundlage einer gefestigten inneren Ordnung aus, nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich, ist es möglich, in gerader Linie auf ein festes Ziel, das Ziel der Sicherung der Wohlfahrt aller, loszusteuern. Jeder Zickzackkurs aber würde zum Verhängnis für die ganze Wirtschaft werden.

Unverkennbar häufen sich die Sorgen im Reichsfinanzministerium. Einmal muß doch das Reichskabinett auch eine Volksmehrheit für einen ordnungsmäßigen Etatsab - schluß gewinnen. Das Defizit wächst unter­dessen dauernd an. Trotzdem ist das Reichs­finanzministerium von einer Gebefreudig­keit, die erstaunlich ist. Nach den gewaltigen Einsätzen bei den Großbanken und den Großindu­strien, wir erinnern nur an das Kaufgeschäft mit Gelsenkirchen, den enormen Summen, die mit Hilfe von Schatzwechseln für die Ost Hilfe und die Umschuldung. mobilisiert wurden, jetzt noch die große Hilfsaktion für die Zinssen - kung, 200 Millionen Mark Reichsschatzwechsel zur Sanierung der landwirtschaftlichen Ge­nas s en s ch af t e n , Reichsschatzwechsel für die Umschuldungsaktion der Städte und Gemeinden, die einen Betrag von einer Milliarde umfassen, dies alles bertachtet die Finanzwelt mit schwerer Sorge. Selbst wenn eine Konjunk - t u r belebung überhaupt eintreten sollte, wird jetzt schon ein dermaßen großer Wechsel auf die zukünftigen Einnahmen ausgestellt, daß man die Fälligkeitstermine in den Jah­ren 3 3 bis 3 5 nur mit großer Sorge heran­nahmen sehen kann.

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Trotz aller Betonung der Einmütigkeit scheint innerhalb des Reichskabinetts alles eher vorhanden zu fein, als Einigkeit und Sicherheit über den in der nächsten Zeit zu verfolgenden in­nerpolitischen Kurs. Es ist gerade die der Regie­rung sonst sehr nahestehendeDeutsche Allgemeine Zeitung", welche sich mit erstaunlicher Schärfe ge­gen die wirtschaftspolitischen Tendenzen des Reichswehrministeriums wendet, welche nach ihrer Auffassung politischen Quellen entspringen. Die D.A.Z." ist glsichzeitig ein Organ der Groß- und Schwerindustrie, und diese Kreise find es, die nun­mehr Gefahren wittern, weil dem betont prj- vat-kapitalistischen Kurs des Reichskanz­lers der mehr st a a t s s o z i a l ist i s ch e Kurz des Reichswehrminifters entgegenfteht. Nun läßt man den bisherigenLiebling" des Kabinetts v. P a pen, den Herrn v. Schleicher, fallen, nimmt entschieden gegen ihn und noch entschiedener f ü r Papen Stellung. '

Es wäre aber wohl verfrüht, etwa. von einer Krise innerhalb des Reichskabinetts angesichts sol­cher Meinungsverschiedenheiten und Gegensätze sprechen zu wollen. Denn nach außen hin sichtbar

wird die Auseinandersetzuna im Reichskabinett kaum noch vor den Reichstagswah­len. Bis dahin muß man doch noch dienatio­nale Konzentration" wenigstens innerhalb der Reichsregierung vortäuschen und darf nicht offiziell beinahe schon unüberbrückbar gewordene Gegen­sätze ,zugeben. Es ist aber immerhin interessant, wie sich bereits neue Fronten imneuen S y st e m" zu ordnen beginnen und wer weiß ob nicht über kurz oder lange eine dritte Front herausgeschält wird.

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hat ein gewisser Gerd V i e l h a b e r den Pegasus feines Führers Hugenderg bestiegen und be­singt die Reichsregierung. Wie? Dafür einige kleinen Proben:

Als Erste zeigt Ihr Mut zu starkem Tun.

Ihr baut die Pfeiler für den neuen Staat . . . Ihr huldigt nicht der großen HexeZahl" . . . Dem Reichstag, der schon längst des Reiches Nacht, Ist keine Würdelosigkeit zu tief. Ist kern Geschwätz zu breit und keine List Schamlos genug. Revolte wider Recht Ist sein Programm.

In Euren Händen liegt bas Schickfalslos . . .

Mit Hindenburg für Deutschland und das Reich!"

Wir beglückwünschen die Reichsregierung zu diesem Dichtersang. Kommt er doch aus jenen Kreisen, die noch vor wenigen Monaten sangen und schrieben: Mit Duesterberg für Deutschland und das Reich!

Louis Hagen f.

wtb. Köln a. Rh., 1. Okt. (Eig. Meld.) Ge« heimrat Dr. h. c. Louis Hagen ist heute morgen 7 Uhr i m 7 8. L e b e n s j a h r e verschieden.

Der Reichsfinanzminister hak Sorgen

Was geht im Reichskabinett vor?

z« Hindenburgs Geburtstag.

Brief des Landtagspräsidenten Kerrl an den Reichspräsidenten.

VDZ. Berlin, 1. Oktober. (Eig. Meld.) Land­tagspräsident Kerr'l hat, wie der Preußische Presse­dienst der NSDAP, mitteilt, an den Herrn Reichs- prä'identen folgendes Schreiben gerichtet:

Hochzuverehrender Herr Generalfeldmarschall und Reichspräsident! Zu der Vollendung des 85. Lebensjah­res bitte ich Ew. Exzellenz namens des PräIid i- nms des Preußischen Landt a g s und zugleich im eigenen Namen ehrerbietige Glückwünsche aussprechen zu dürfen. Möge das kommende Jahr Ew Exzellenz die unentwegte Gesundheit und Rüstigkeit erhalten und die politischen Erfolge bescheren, die unterem schwergeprüf­ten deutschen Volke den endgültigen Wiederaufstieg sichern. In ehrerbietiger Hochachtung Ew. Exzellenz sehr ergebener gez. Kerrl, Präsident des Preußischen Landtags."

Wie das Nachrichtenbüro des VDZ. weiter meldet, hat auch R e t ch s t a.g s p r ä sid e nt Go er in g ein Glückwunschschreiben an den Herrn Reichspräsidenten gerichtet, das jedoch e r st mor­gen, am Geburtstage Hindenburgs, über­reicht werden soll und daher vorläufig nicht veröffentlicht werden kann.

Glückwünsche der bayerischen Staatsregierung für den Reichspräsidenten.

wtb. München, 1. Oktober. (Eig. Meld.) Der bayerische Ministerpräsident Dr. Held hat dem Reichspräsidenten namens der bayerischen Staats­regierung die wärmsten Glück- und Segenswünsche ausge'prochen. In dem Glückwunschschreiben heißt es unter anderem:

Ew. Exzellenz waren der ruhmreiche Führer und Retter Deutschlands im Weltkriege und in den bangen Tagen des Zusammenbruchs; Ew. Exzellenz haben Ihr ganzes Leben in selbstloser Hingabe und beseelt von höchstem Verantwortungs- und Pflichtbewußtsein in ben Dienst des deutschen Vaterlandes gestellt. In größter Verehrung gedenkt das bayerische Volk an dem Jubeltage Ihrer unvergänglichen Verdienste.

Merkwürdiger Glückwunsch.

ERB. Berlin, 1. Okt. (Eig. Meld.) Die preußi- sche Landtagsfraktion der National­sozialisten hat folgendes Telegramm an den Reichspräsidenten gesandt:

Dem Generalfeldmarschall des großen Krieges herzliche Glückwünsche und die Bitte: Mit Adolf Hitler für ein starkes Preußen und Deutschland. Gott segne Sie! Die Nationalsozialistische Fraktion des Preußischen Landtages, Wilhelm Kube.

Auch das Thüringische Staatsmini, ft e r i u m (glsichfakls nationalsoz.) hat an den Reichspräsidenten zu seinem 85. Geburtstage ein Glückwunschtelegramm gerichtet.

* Erlaubt ist, was gefällt! In Mecklenburg- Schwerin amtiert ein nationalsozialistischer Innen­minister Scharf. Ein besonders ideal veranlag­ter Mensch. Feind jedes Parteibuchbeamten^Des- halb ernannte sich der Herr Minister Scharf auch zum Oberregierung §rat in der Staatsverwaltung. Das ist beileibe kein Amts- mihbrauch.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actienbruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerel 3151 und 3152. ::

Zickzack.

; Po» unserem wirtschaftspolitischen Mitarbeiter.

| Die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der j Peichsregiernng stehen unter dem Zeichen eines ! verhängnisvollen Z i ck z a ck k u r s e s. Es scheint l überhaupt, und das ist dos Deprimierende bei Be- fracfftung unserer gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Situation, zu den charakteristischen Desonderheiten dieses Kabinetts zu gehören, daß es fjj) auf eine einheitliche und gradlinige Zielsetzung !iiicht zu vereinigen weiß. Gerade einPrasi- sigl,"-Kabinett sollte den Eindruck einer absoluten geschlossenheit und Festigkeit nicht nur der Form

!qch, sondern auch in seinen Taten bekunden, SM ist es mit dem Ansehen und der Wirkungs- i Htz Ueberzeugungskraft einer solchen Regierung tijjjilb vorbei.

Es war dem Respekt dieses Kabinetts gewiß Mht dienlich, als schon in der Außenpolitik K)t der eigentlich zuständige Außenminister, son- Krn der Reichswehrmini st er das große Wort führte, sehr zum Verdruß des sich sicherlich Mht in dieser Rolle behaglich fühlenden Reichs- lußenministers, dem man in der Tat auch ein a n- Jeres Schicksal gewünscht hätte. Dem Reicbs- «ußenminister bleibt eigentlich jetzt nur noch übrig, dis Scherben, so gut es geht, wieder zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzufügen. In vielen Dingen wird das aber überhaupt nicht mehr möglich fein, weil der Riß, der durch die außenpoli­tischen Zickzackoperationen der Reichsregierung nun einmal gegenüber dem gesamten Ausland geschaffen ist, eine schroffe Trennung zwischen uns und der übrigen Welt herbeigeführt und es sogar dahin gebracht hat, daß die schon seit Jahren zerflatterte Entente jetzt wieder einem völlig iso­lierten Deutschland gegenüber zu einer geschlossenen Einheit sich zu­sammengefunden hat. Die Sprache, die von dieser Front uns gegenüber ertönt, hat man schon seit Jahren für überwunden geglaubt, nun aber meint man zuweilen, die Geschichte sei um 10 und 12 Jahre zurückrevidiert.

Nicht minder unerfreulich ist der Zickzackkurs in den W i r 11 ch a f t s f r a g e n. Wie sehr würde man es begrüßen, wenn eine wirklich feste, ziel­sichere Hand das Steuer der Wirtschaftspolitik führte und wenn auf Grund klarer Taten wirklich Las Vertrauen zu der Zielfestigkeit einer Regie­rung aufkommen und sich erhalten könnte. Was wir aber jetzt in den letzten Tagen erlebt haben, tft alles andere als erhebend. Es ist geradezu tfieberbrücEenb. Die repräsentative Präsjdialregie- tung zerslgttert, sobald es sich um die Stellung­nahme zu einzelnen praktischen Fragen der Wirtschaftspolitik handelt, in alle Winde. Das Wirtschaftsprogramm, von dem jeder Patriot wünschen müßte, daß es eine Form besäße, dir wirklich die Besserung. zu verheißen geeignet fei, war schon eine zusammenhang- und direktionslose, um nicht zu sagen oberflächliche Arbeit. Dieses Programm ist alles andere als durchdacht und auf feine Wirkungen int einzelnen hin überlegt. Dieses Programm läßt stellenweise die einfachsten volkswirtschaftlichen Gesetze außer Betracht, und daneben fehlt ihm jegliche Verbindung mit der Wirklichkeit.

. Nicht anders ist es um das Agrarpro­gramm bestellt, von dem «s geradezu scheint, als sei es den Naturgesetzen der Volks- und Siaatswirtschast zum Trotz aufgestellt worden. Nicht mit Unrecht gibt derBerliner Börsen« Courier" dieser Taktik das Signum:mit dem Kopf durch die Wand". Was man mit dem Wirischastsprogramm auf der einen Seite der Wirtschaft gab, nahm man ihr wieder durch ge- W Maßnahmen des Agrarprogramms, und die Me, die dieses Agrarprogramm der Landwirt- kx Mt bringen sollte, wird wiederum vereitelt durch

-'i Auswirkungen bestimmter Regelungen dieses Programms selber. Vor dem Wirtschaftsprogramm Md seinen Folgerungen wird es sogar Unter« "ehnierschichten jetzt angst und bange, die wirklich W in der Vertretung ihrer Forderungen zim- porlich sind. Ein Programm aber, das den Wie- «etaufbau der Wirtschaft mit der Lähmung des Mumten volkswirtschaftlichen Organismus durch Streiks und arbeitspolitische Auseinandersetzun-

! 9cn überhaupt beginnt, ein Programm schließlich, dessen Sicherung sogar Gewaltmaßnah- vlen gegen bie Arbeiterschaft ernst-

I IMt erwogen werden, ein solches Programm Qtm den Wirtschaftsfrieden nicht herbeiführen.

[ vUnb wenn man zum anderen hört, daß die in Agrarprogramm vorgesehenen Kontingentie­ren noch gar nicht einmal fundiert daß es sich jetzt erst darum handelt, über die f ^"glichkeiten und das Ausmaß solcher Kontingen- «erungen mit dem Ausland zu verhan- M?l n, daß man also noch gar nicht einmal die Grundlage für die aus solchen Maßnahmen I Ff.ermar^nbe Erleichterung für die Landwirtschaft | geschaffen hat, dann weiß man nicht, über was [ SM wehr staunen soll: über die oberflächliche I YUtotratenarbeit, die fernab von der Wirklichkeit ; sr>n° der Praxis bei der Aufstellung eines solchen | P^gramms gewaltet hat, oder aber über die : Arglosigkeit und Oberflächlichkeit, mit der die | iJMtgüen Lebensfragen unserer Wirtschaft über- I gegenwärtig behandelt werden.

IL ®5 ist in diesem Zusammenhang recht bemer« Sr 5?3ert- welche Stimmung in landwirtschaftlichen t ber llen-®er die gesamte Situation und insbeson- | sg.e über diesen gegenwärtigen Zickzackkurs in Wi»'Mchaftsfragen herrscht. DieLandvolk- M^^chrichten", Nr. 75, äußern sich u. a. feigen«

E, ben Auffassungen Warmbolbs unb bes

«oerrn D. Braun gibt es keinerlei Serbin» Briefe h -s®5 'st schwierig, sich vorstellen zu müssen, baß

en Männer demselben Kabinett angehören und «bu1 9 an einem Verhandlungstisch sitzen, um zu beraten, F man der deutschen Wirtschaftsnot abhelfen tarnt/