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NILS

25. September.

Vellage zur Fuldaer Zeitung

katholische Kirche und Geseilschast

Gottes Tischgenossen

Hei-

der des-

6t- eine

Mer da, in inniaffet Verbindung mit Hoffnung, durck» Selbsthttfeverbände die organisierte Gesellschaft in langwieriger Ziehung»- und Bildungsarbeit wieder in wahre Sozialordnunq zu führen.

Generaldirektor Van der Velde

Das gläubige Gemüt erkennt im Wandel der Zeiten nicht blindes Schicksal, sondern den wirken­den und zulasfenüen Willen der Vorsehung. Des­halb erscheint ihm die Zeit als Anruf Gottes, aus den es Antwort zu geben hat. Neben den Färber- türmen und Hochöfen stehen unsere Gotteshäuser, wie neben der Fabrik das Dereinshaus der Pfarr­gemeinde steht.

So tritt uns Gottes Anruf in feder Entwick­lungsstufe entgegen, die wir in ihrem tatsächlichen Dasein erkennen müssen; in die hinein unser gesell­schaftspolitischer Wille geordnet aus Glauben und Vernunft die praktische Antwort geben soll.

Allerdings: der Wille bildet sich nicht durch einfache Ablehnung der Zeit und ihrer Zustände. Das ist Verzicht. Der gesellschafts­politische Will« der deutschen Katholiken muß also über die Einheit in der Ablehnung etwa des Marxismus zu der Einheit im Ziel, d. h. einer ge­rechten Ordnung der menschlichen Dinge in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft noch die Einheit in den notwendigen Wegen und Mitteln zum ge­meinsamen Ziel erhalten. Mit andern Warten er muß auf die heutige Gestalt der sozialen Frage d-e heute notwendige konkrete Antwort aus den owi- gen Prinzipien wollen.

Seit drei Generationen stehen durch die sprunghafte Entwicklung des Industrialismus die deutschen Katholiken vor der sozialen Frage in der besonderen Gestalt, die sie in Deutsch­land annahm.

Mit dem Weltkrieg drang eben ein anderes Organisationsprinzip geschichtlich durch. Die Individuen organisierten sich marktmäßig im außerstaatlicben Raum der freien Wirtschaftsge- sellfchast nach der gleichen Interessenlage zu Klas­sen. DerMarkt", Beziehungsort eines bunten, immer wechselnden Vertragsgefüges freier Indivi­duen, wird der Ausganasort der Klassenorganisa­tion der Gesellschaft. Unser gesellschaftspolitischer Wille bedarf eines neuen Zieles.

Der gesellschaflspolilllche Wille der deutschen Katholiken hat als Ziel die berufsständische

Ordnung.

Unser Gedankengang geht von der Betrachtung der in allen Wirtschaftsformen vorhandenen Zielset- zuna der Wirtschaft aus.

Die gesellschaftspolitische Leistung einer berufs­ständischen Ordnung ist die Aufhebung der Klas­senstruktur der heutigen Gesellschast, die Erset­zung des Klassenkampfes durch eine soziale Friedensordnung. Man kann den Klassenkampf verbieten, wies es der Faschis­mus tut, man kann ihn dadurch entscheiden, daß man die eine Klasse, die Bourgeofie, enteignet, po­litisch entrechtet und damit, wie der Bolschewis­mus es tut, vernichtet. Das erste ist keine Aus­hebung, iondern nur eine Vertagung, das Zweite ,st eine Ungerechtigkeit. In der berufsständischen Ordnung geht aus dem Ordnungsprinzip der ge­meinsamen Funktion im ganzen für das Gemein­wohl die Gliederung quer durch die Klassenschich­tung; die Klassenfronten werden aufgespalten, ver­lieren ihren Sinn; ihre einzelnen Teile gehen in die entsprechenden Berufsstände über.

Eines der wichtigsten sozialen Ordnungsprinzi­pien. daß Verantwortung sinnfällig und deut­lich und unabwälzbar fein muß, wird hierdurch verwirklicht.

Das Schlichtungswesen, das heute eine Abwäl­zung der Verantwortung auf denStaatsapparat" ermöglicht und damit den Klassenkampf in die staatspolitische Sphäre erhebt, erhält seinen Sinn zurück. Des weiteren ist in der berufsständischen Ordnung die Frage der echten Parität lös­bar, weil nicht das trennende, sondern das ge­meinsame Interesse an der Teilleistung für das Gemeinwohl das entscheidende Organisationsprin­zip ist. Die sozial« Unfreiheit durch die genossen­schaftliche Eingliederung des Arbeiters in den Be­rufsstand, die seelische durch die wieder institutio­nell mögliche sittliche Breufsidee. Die Rationali­sierung des Arbeitsprozesses wird nicht lediglich Angelegenheit des rechnenden Ingenieurs sein, son­dern ebenso wichtig wird die Frage nach dem Men-

Für Millionen nachgeborener Bauernsöhne und Handwerker, herausgerissen aus den alten Ord­nungen des Landes und des kleinstädtischen Hand­werks, vollendet sich das proletarische Schicksal. Die menschlichen Beziehungen zwischen Un­ternehmer und Arbeiter, gewachsen aus gemein­samem Volkstum, verschwinden. Die Arbeit wird zur Ware, die Fabrik zur Kaserne mit ab­soluter Herrschaft des Besitzers Die Lebenslinie des Arbeiters wird unsicher, abhängig von dem seinem Einfluß entzogenen Wechsel von Konjunk­tur und Krise. Diese neue Zeit mit ihren Ma­schinen, ihrer Unrast, ihrer Erwerbsgier, ihrer Diesseitigkeit, das ist das Böse. Die Antwort auf die soziale Frage wird durch diese absolute Kritik und durch das praktisch unverbindliche Zitieren von Grundsätzen vertagt. Es bleibt nichts anderes übrig, als das Strafgericht Gottes über diese Zeit zu erwarten. Dann mögen die alten gottgewoll­ten Ordnungen neu entstehen.

Bei einer breiten Schicht katholisch - sozialer Denker aber bringt eine mehr positive Haltung durch.

Sie wurzelt tief in katholischer Tradition; wertet die individuelle Freiheit positiv, verlangt aber ihre Einordnung in Gerechtigkeit und Liebe. Sie ver­wirft die individualistische Heiligsprechung des Selbstinteresses zwar, anerkennt aber die Bedeutung der Industrie und des Wettbewerbs für die Entwicklung menschlicher Kultur.

W.-Gladbach wurde der Ausgangspunkt de» neueren Katholizismus, der int Volksverein seinen organischen Rahmen fand.

Vom Volksverein haben die katholische Arbeiterbewegung und die christlichen Gewerkschaf­ten ihren Antrieb und ihre Form bekommen. Hier war die Schule für all die jungen Kräfte, die in der Arbeiterbewegung wirken sollten. Hier wurde dem mit Untergang bedrohten Handwerk und Mit­telstand nicht weniger Hilfe geleistet wie dem Bau­erntum. Soziale Arbeit für alle Berufsstände. Don hier aus wurde der staatlichen Sozialpolitik unter unendlichen Mühen in der öffentlichen Meinung der Weg geschaffen, von hier aus wurde der Kamp für die Sozialpolitik im Reichstag durch eine breite, Millionen erfassende Volksbewegung unterbaut. Was Leo XIII. in seiner ArbeiterenzyklikaR e - rum novaru m" gesagt hatte, das wurde durch Konferenzen und Versammlungen, durch Organi­sationen, Bücher und Flugschriften weitergetragen bis in das einsamste Psarrdorf und in die grauen Arbeiterviertel der Industriestädte. Gegen die mannigfaltigsten Widerstände wird nun die So- I zia'politik unter maßgebender Führung des sozia-

trweiien will.

Stehen wir denn wirklich in einem solchen ver- irauten Freundesverhältnis zu Gott?

Ja, durch das Christentum. Das will uns doch lagen, daß wir Menschen nicht mehr in der dump- jm Angst vor Gott leben sollen, daß wir ihn bloß iiirchten sollen als den strengen Richter und un­erbittlichen Rächer, sondern daß wir ihn lieben iallen und lieben dürfen wie das Kind den Vater, wie der geladene Gast den gütigen Gastgeber. Das Christentum will uns weiter sagen, daß wir zu schade sind, so in den Alltag hineinzuleben, getrie­ben von Sorge, Haß und Gier. Es will uns er­innern, daß wir zu schade sind nur für das Ge­meine und Alltägliche, daß wir den Adel des Got- leskindes in unserer Seele tragen, und daß wir alle gehören zu einem edlen Kreis, den Gott selber sich zu Gaste geladen hat.

' Wie steht es aber da mit dem hochzeitlichen Aeid? Ist da nicht einer hinaus in die Finster­nis geworfen worden, weil er kein? anhatte?

Wenn du irgendwo zu Gaste geladen bist, sei es auch nur bei dem Nachbar, wirst du da Hin­sehen in deinem schmußigen Arbeitsrock? Wirst du nicht bessere Kleider anziehen, dich waschen und rasieren, daß du auch äußerlich der Ehre würdig erscheinst? Denn eine Einladung ist allemal eine Ehre. Wirst du dich nicht bemühen, zu edler Freude und Geselligkeit beizutragen und alles zu nennet- den, was roh und gemein ist? Wirst du das nicht um so mehr tun. je höher der Gastgeber ist, müssen wir da nicht alles tun, was in unseren Kräften lieht, um uns der Ehre dieser Einladung würd'.g ZU erzeigen? Oder was würdest du zu einem Menschen sagen, der als Gast in Schmuß und Lumpen käme und am Tische sich roh und un- nnständig benähme? Würdest du einen solchen Menschen als Gast an deinem Tische dulden?

Das gilt aber doch wohl alles nur für den Sonntag, wenn id> dich recht verstanden habe?

1 Nein, das gilt auch für den Alltag. Denn Mhrist ist in Wahrheit nur der, welcher sich auch am Alltag, an der Arbeitsstätte, auf dem Acker, im Geschäft seiner Würde als Chrkst bewußt ist. Man kann nicht an einem Tag Tischgenosse Got­ter sein und die übrigen Tage ein Heide und ge­meiner Mensch. Wer einmal als Tischgenosse Gottes geladen und erkoren ist, der muß das Be­wußtsein dieser Würde immer wie ein Heiligtum in seiner Seele tragen; er kann gar nicht anders, wenn ihn nur einmal der Gedanke an seine Würde als Christ recht bis ins Innerste der Seele ergrif- sen bat. Das brennt dann in ihm, unauslöschlich wie eine stille Flamme, ist eine stete Mahnung und Verpflichtung, eine immerwährende Bereitschaft, bet Ehre wert zu sein, die Gott uns erwies damit, daher uns als Christen zu. seinen Tischgenossen erkoren hat.__

auf dem Essener Katholikentag.

len Katholizismus vorwärtsgetrieben, namentlich der Arbeiterjchuh und das Versicherungswesen, ene beiden Zweige der Sozialversicherung, die die Unsicherheit des protetarischen Schicksals weit­gehend korrigieren konnten. Daneben aber steht die Arbeit an den Selbsthilfeorganisationen der Arbeiterschaft, den Gewerkschaften, Konsumver­einen und Arbeitervereinen. Man kann diese glän zende Periode praktisch iozialer Arbeit nur ver tehen, wenn man sie als Gesamtbild sieht. Nur >ann wird ihre innere Linie klar. Die it a a t = liche Sozialpolitik ist mehr als blo­ßer Schuß der arbeitenden Indivi­duen. Sie soll durch möglichste Aufhebung des proletarischen Schicksals die notwendige Korrektur in dem Machtverhältnis der gesellschaftlichen pup­pen garantieren, um dann auf die durch Erzie­hung und Gesinnung vorgebildeten und heran­gereiften Verbände die Sorialvolitik zur Selbstver­waltung zu übertragen; der Staat aber würde sich dann auf die Position eines obersten Schiedsrich­ters zurückziehen. Daher auch die intensive Ar­beit am Mittelstand al? eines neutralisierenden Faktors im Kampf zwilchen Kavital und Arbeit.

Sie wollten einmal die Aufhebung der un­mittelbaren gesellschaftlichen Obnrnacht der Ar- betterschicht durch sozialpolitischen Staatsschuß.

In dem heutigen Gleichnis zeigt uns der Iliird Gott den Vater als den aütigen Gastgeber. Wir sind die geladenen Gäste, sind die Freunde des Herrn, di« er für wert achtet daß sie an seinem Aastmahle teilnehmen, dürfen. Denn zum Mahle lädt man nur seine Freunde, Menschen, die man wert hält und denen man eine Freude und Ehre

19. Sonntag nach Pfingsten.

Eingangslied:

Des Volkes Heil bin ich, spricht der Herr; in ,t Not, in der sie zu mir rufen, will ich sie er- en; jch will, ihr Herr fein auf ewig. (Ps. 77,1.) in Volk, hab acht auf meine Weisung; neigt t Ohr den Worten meines Mundes.

Epistel (Eph. 4, 2328):

Brüder! Erneuert euch im Innern eures Gei- . und zieht den neuen Menschen an, der nach I! geschaffen ist, in Gerechtigkeit und wahrer [igteit. Darum legt ab die Lüge und redt die Erheit, ein jeder mit seinem Nächsten; denn sind einander Glieder. Zürnet, aber sündiget it; laßt die Sonne nicht untergehen über eurem irne. Gebt dem Teufel nicht Raum. Wer ge- chlgn hat, stehle ferner nicht wieder; er arbeite jelmebr und schaff« mit feinen Händen Gutes, Damit er etwas Hai, wovon er dem Dürftigen mit» teilen kann.

Evangelium (Waith. 22, 114).

Die Hochzeitsgäste des Königssohnes.

fchentum an der Maschine fein. Em entschei­de n d « r B e st a n d t e i l der proletarischen Sehn­sucht. die Einordnung und Sinnerfüllung der Ar- beit in das tägliche Leben wird damit er­füllt. Die berufsständische Ordnung wird da­durch in der Lage fein, den Betrieb aus einem sozialen Störungszentrum in ein Aufbauzentrum zu verwandeln.

Damit aber wird auch einer der Urgründe der Klassenstruktur, die Proletarität, ihre Aushe­bung erfahren können.

Zunächst durch die oben erwähnten Dinge nach ihrer seelischen Seite. Dann aber durch die nun­mehr gegebene Möglichkeit, die Unsicherheit und schlechthin Freudbestimmtheit des proletarischen Schicksals durch Mitbestimmung und Miteigentum aufzuheben. Die so drängende Lösung der Eigen- tumsfrage, hat hier ihre eigentl-chen Möglichkeiten. Sie wird nicht in dem romantischen Sinne vom ei­genen Häuschen und Aeckerchen, sondern im eigentl. Sinne gelöst. Es gibt nur Zwei Lösungen der Ei. gentumssrage. seitdem sie die Herrschaftsform der Vermachtunq angenommen hat. Entweder Auf­spaltung des Eigentums an möglichst viele in der industriellen Arbeit Beteiligte oder Aölchas- funa des Privateigentums an den industriellen Be­trieben durch Volllozialifierung.

In der berufsständischen Ordnung wird auf der anderen Seite der Unternehmer wieder in seine urspüngliche Funktion eingefüht wer­den können.

Nicht zum wenigsten halten wir auch die he« lufsständische Ordnung für notwendig, weil sie am ehesten in der Lage ist. die KrisisderDerno- k r a t i e zu lösen. Es sind ja nicht die verfassungs­rechtlichen Einrichtungen als solche, die versagen. Es ist ihre soziologische Grundlage, die moderne Klassengesellschaft, die sie nicht zu ihrer rechten Funktion kommen läßt. Hinter den politischen Pro­grammen verbergen sich oft nur Klasseninteressev So wird z. B das Parlament seiner Würde um, Funktion die Einheit der Nation, trotz verschiede- ner Parteien, darzustellen, beraubt. Es wird (e- dijlgich eine der vielen TeclM ken der Klassen- auseinanderseßung. Und allzuoft fallen die poli­tischen Entscheidungen nicht vor der Oeffentlichkeit des Volkes, sondern in den Beratungszimmern der großen. Ksasstnorganisationen Dadurch gehen aber r n Staat und Wirtschaftsaesellschaft immer mehr in­einander über. Die Herrschaft über den Staatsapparat, b. h. die Aufhebung der

I Neutralität des Staates in der Klassengesellschast, wird der Siege5preis in der Auseinan- der se ßun g der Klass en. Dadurch aber kommt der Staatsbürger bei. der Wahl in die schwierigste Situation. Er soll ja sowohl sein ei­genes Interesse als auch das seiner Klasse als auch das des Gemeinwohls beachten. Indem die Kräfte und Interessen der einzelnen Staatsbürger in den sich selbst verwaltenden Berufsständen eingeordnet und dauernd garantiert sind, kann das Politische, jeßt säuberlich geschieden, wiederRes publica eines Volkes unabhängiger Staatsbürger werden.

Somit geht es Henle entscheidend nicht um bloße juristische Verfassungsreformen, sondern um die Zuordnung der Gesellschast.

Unterläßt man diese, dann nutzen Verfassungsre­formen wenig, sind vielmehr in Gefahr, neue Ver­hüllungen der Klassenauseinandersetzung zu wer­den

Wir sind keine Romantiker. Unter der Hülle der erstarrten Formenwelt in Staat und Wirtschaft der Klassengesellschaft sehen wir die neuen For­men sich bereiten.

Deshalb müssen wir aufs entschiedenste davor warnen, die echten Ausbauelemente zurückzu- sloßen und einfach durch Verordnung irgend­einer Diktatur etwas Neues ohne lebendige Verbindung mit dem Gewordenen und immer weiter Werdenden in der Arbeiterbewegung in die Wett zu setzen.

Wie wir die Sozialpolitik als Antwort auf die Entwicklungsstufe der sozialen Frag« ehe­mals vor allem Volk verkündeten, so wollen wir jetzt die Sozialreform der berussständischen Ordnung vor das deutsche Volk als den ge- I sellschastspotilischen Witten der deutschen Ka­tholiken hinstetten. ________

Ung cwiff c Zukunft -

also jeden entbehrlichen Pfennig sparen, damit Du später einen Not- graschen hast- aber so sparen, daß Deine Familie sofort versorgt ist: also Lcbcnsvcrfrch crtutg ?