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Zahrg. 59

Ilr. 221

Von Prälat Dr. B. Kreutz, Freiburg

vereinigte mit und Stärke:

Adintorium Unsere Hilfe

nostrum in nomine Domini ist im Namen des Herrn".

t. Br, dem ewigen Urquell aller Kraft

vorteil. 4. Stundung aller Zinsen über 4 Prozent auf 3 Jahre. Zuschlag dieser gestundeten Zinsen zum Kapital.

Dazu ist zu sagen, daß die generelle Zins- senkung unter keinen Umständen in Frage kommt, dagegen ist eine spezielle Zinsfenkung für die Landwirtschaft durchaus möglich. Nach Auf­fassung unterrichteter Kreise ist es auch denkbar, daß Stundung und Garantieplan mit dieser Sen- kung kombiniert werden. Im Augenblick ist aber eine Beurteilung im einzelnen um so schwerer, als von den beteiligten Stellen strengstes Stillschweigen gewahrt wird, um die Lö­sung der recht komplizierten Fragen nicht zu ge­fährden. Diese Diskretion soll auch eingehalten werden, bis am Montag der Reichsernährungs­minister in seiner Münchener Rede umfassenden Aufschluß geben wird. Die Annahme, Freiherr von Braun werde schon gleich nach der Kabinetts­sitzung im Rundfunk hierüber sprechen, ist irrig.

Gandhi, der am Donnerstag seinen dritten Fa- ;ntag gelebt hat, zeigt bereits st art e Erschöp- lngserscheinungen. Es wird befürchtet, er den Hungerstreik nicht mehr lange durchhal- wird.

Die Rückkehr Herriots nach Paris wird dort so gewertet, daß dort vorläufige Ueberraschungen oderunangenehme Zwischenfälle" nicht zu erwar­ten seien.

: «otb. Genf, 23. Sept. (Eig. Meld.) Das B ü r o der Abrüstungskonferenz hat sich auf Anfang nächster Woche vertagt.

Freiherr v. Seckendorfs t»

wtb. Leipzig, 23. Sept. (Eig. Meld.) In Bad L i e b e n st e i n in Thüringen verstarb in der ver­gangenen Nacht der seit 1920 sich im Ruhestand be- findliche frühere R ei ch s ger ichtsprä s,d ent, wirklicher Geheimer Rat, Dr. Rudolf Freiherr von Seckendorfs, tm 88. Lebensfahr. Freiherr von Seckendorfs, ein gebürtiger Kölner, war im Jahre 1872 zum Staatsprokurator rn den Reichslanden Elsaß-Lothringen ernannt worden. 1879 wurde er in das Reichsjustizamt berufen und trat im Jahre 1899 als Unterstaatssekretär tn das preu­ßische Staatsministerium ein. Seit dem 1. 6.190a gehörte er dem Reichsgericht an.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter'. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

CNB. Berlin, 23. Sept. (Eig. Meldg.) Das Reichskabinett ist heute vormittag um 11 Uhr in hie Beratungen eingetreten, die nun die letzte Ent­scheidung über die beiden großen Pro­bleme der Einfuhrkontingentierung und der Zinshilfe für die Landwirt­schaft bringen soll. Bei der Kontingentierung ist die Situation unverändert so, daß zwischen den be­teiligten Ressorts noch eine Einigung über die drei letzten strittigen Positionen herbeigeführi werden muß. Es handelt sich dabei um Holz, Bananen, sowie Felle und Häute, lieber den Hauptteil der Kontingentierungsgebiete gut 20 Positionen besteht bereits seit längerem Einverständnis. Recht undurchsichtigt ist im Augenblick noch, was das Kabinett in der Zinsfrage beschließen wird. Ein Berliner Mittagsblatt stellt folgende 4 Mög­lichkeiten auf: 1. eine generelle Zinssenkung, 2. ge­nerelle Zinssenkung für die Landwirtschaft, 3. Um­tausch landwirtschaftlicher Pfandbriefe in 4prozen- tige Pfandbriefe mit Reichsgarantie mid Steuer-

ü)it wollen helfen!

Zur Eröffnung der Winterhilfe 1932/33

In diesem Zeichen standen die überwältigenden Anstrengungen der freien Liebestätigkeit der deut­schen Katholiken zur Bannung der Volksnot im letzten Notwinter. Das Wort von der Hilft, tue im Namen des Herrn waltet, war rote ein Mofts- tab der Wasser schlug aus ödestem Fels. Wir sa­hen'beglückt die Bächlein der Hilfe rinnen, wir sahen sie sich tummeln in den stattlichen Wasserlau­en unserer Vinzenz- und Elisabethvereine, wir sa­hen schließlich alle zum mächtigen Strom der Karitas zusammenrauschen. Die Wasser aber wurden durch Millionen Schöpfräder auf die Fel­der der Not geleitet, und weil es Wasser der Liebe waren, blühte selbst die Wüste!

Man kann nur staunend stehen vor den Wundern der Liebe, die da in den Monaten großer Not geschahen: Caritas, das hat sich wiederum herrlich gezeigt, ist das Schönste, was noch in Menschen Herz en glüh t Seliges Erbe aus Paradieseszeiten, Brü- derlchaft und Schwesterschaft. Caritas möchte ja die streitenden und leidenden Menschen umschaf­fen wie sie einst waren, ehe Kain den Abel er­schlug. Sie ist es, Caritas, die in den Men­schen Sehnsucht entzündet zum Gut- und Gütig­sein, daß sie freudig sprechen:

Dir wollen helfen!

Vernehmen wir aufs Neue diese Parole der Liebe. Der Gewissensruf, der an unsere Seele dringt, cs ist Gottes Stimme:

Heute, wenn Ihr seine Stimme höret, ver­härtet eure Herzen nicht"

Jetzt muß sich wieder erweisen, in welchem Maße wir noch Edelmenschen und Dollchristen sind. D i e Caritas geht in diesen Wochen durch Dörfer und Städte und hält allen, die noch Brot und Arbeit und darum noch zu geben ha­ben, die bittende Hand hin: Für die Millionen Brüder und Schwestern, die auch in diesem Jahr hungern und frieren müßten, wenn Güte der Nächsten ihnen nicht Speise, Kleid und Wärme böte! Dem katholischen Deutschland darf bestätigt werden, daß es in der Not vergangener Jahre und gerade irrt letzten Winter eine Opferkraft son­dergleichen bezeigt hat. Diese Kraft nicht zuletzt ist es doch gewesen, die uns vor dem Aeußersten, vor Aufruhr und brudermörderischem Streit im Innern bewahrte. Die Horizonte dieses Jahres find nicht minder dunkel: es wird jede Kraft und sedes Krüstlein angesetzt werden müssen, wenn wir ohne Schaden aller Gefahren Herr werden wollen. Helfende Liebe wird da immer wieder böse Geister beschwören und gute rufen. Geber und Beschenkte müssen zu einer Notgemeinschaft zusammenwachsen:

Haben wir doch Ehrfurcht vor dem oft heroisch getragenen Leid der Vielen! Sie sind die gro­ßen, demütig, sstllehaltenden Lastträger dieser Zeit. Der Dienst, den sie mit ihrem Dulden lei­sten. ist größer denn jede Gabe, die man ihnen reicht. Lernen wir auch, daß das Größte an der Gabe der Anteil unserer guten Gesinnung ist. Was wir spenden, sei nicht widerwilliges Sichlos- kaufen von lästig empfundener Pflicht, sondern be­freiende, aanz freiwillige Loslösung vom Mate­riellen. Es kann unserer Zeit nur gut geraten, wenn möglichst viele erkennen, daß die ungeistigste aller Beziehungen die des Menschen zum Besitz sind! Diese Zeit verlangt anderen, sie will ganzen Einsatz. Darum tut es not, unsere Gabe für fremde Bedürftigkeit durch den Adel lautester Gesinnung umzuwandeln. Dann nur ist sie wert,Opfer" zu heißen, würdig

Wie stehl die Landwirlschaslshilse aus ?

äontigentierung und Ainsproblem.

Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn."

Wieder klingt mit dem anhebenden Herbst ein heller Ruf durchs Land; der große Appell an Menschengüte und Menschenliebe, bereit zu sein zu frohen Taten christlicher Hilfe. Wir sind an diesen Ruf wahrhaftig gewöhnt im lieben Vaterland, seit die große Heimsuchung des wohlstandzertrümmernden Weltkrieges über uns kam. Seitdem reihte sich Prüfung an Prüfung für unser Volk, endlos, so daß wir in Bangen und Zagen oftmals frügen, wann denn endlich das Ende käme von soviel Pein. Wir hofften immer. Jahre rannen ins Land, aber es zeigte sich, daß die da kamen, schlimmer waren als die gingen. Not wurde unser ständiger Gast, und so richteten wir uns auf Not ein; wir beobachteten, wir kon­trollierten sozusagen uns und die Not, die an uns und an unserem Volk zehrte. Unsere Augen wurden geschärft, Not zu sehen. Wir ge­wahrten die Zahllosen, die entweder schon länger Mangel litten, oder denen die Not erstmals über die Schwelle trat. Wir sahen hohlwangige K i n - der, in den Augen die wehe Bitte um Brot; viele der Mütter aber vermochten den hungernden Kindern nicht zu geben, wonach sie verlangten. So drang der klagende und bald anflagenöe Wehruf von Millionen deuffcher Mütter durchs Land, die für das Leben, das sie geboren, oft nicht mehr hat­ten als bittere Tränen, dies Leben zu beweinen. Wir sahen eine Jugend um uns heanroachfen, der die Not Tag um Tag Gefährtin war; Jugend, der sich der Sinn ihres Daseins zu verdunkeln be­gann, noch ehe sie dieses Dasein ganz begreifen konnte: kein Raum für drängende Kraft empor­wollender Jungmanschaft. Zu hunderttausenden stehen sie bis zur Stunde vor den Toren der Zu­kunft, hoffend auf Einlaß in ein schöneres Land! Am bittersten aber ist doch, was ernste, reife Män­ner erbeben läßt in Wallungen van Zorn, Scham und Jammer: daß sie die starke Kraft ihrer Arme, daß sie das schöpferische Sinnen ihres Ver­standes, daß sie ihr tatbereites und erfülltes Man- | nestum nicht bewähren dürfen in froher Arbeit für Weib und Kind und Vaterland. Dies scheint aller Prüfungen härteste, weil aus ihr Verbitterung wächst, die das Leben bis ins Innerste vergiftet. Von da aus vor allem begriffen wir, daß deutsche Not ein anderes war, als der Ruf nach Brot. Wir spürten bald: Hunger ärmster Kinder, Tränen der Mütter, das graue, ungewisse Schicksal der Jugend und das tiefe Leid roerkloftr Männer; all dies war Not, die längst nicht mehr durch Speise, Trank und Arbeit allein von den Menschen genommen werden konnte; hier brannte größere N o t der Seelen und Herzen, der man mit üblichen Mitteln äußerlicher Stillung vergeblich be­gegnen würde. Als innersten Kern auch unserer äußeren Not erkannten wir die Friedlosigkeit der Seelen; die nicht mehr oder nicht mehr genug in Gott gegründet sind, als daß sie ausreichend Kraft haben könnten, schweres Schicksal zu meistern oder gar anderen tragen zu helfen!

Was aber tun, ro i e helfen in der Ratlosigkeit solchen Daleins? Wie aufrecht bleiben und andere aufrichten? Wie die Not im Vaterland wenden, die große Not am Leiblichen und die größere Not der Herzen?

So frügen wir in banger Sorge. Da schlug Gott aus den Steinen Feuer: aus dem Elend die­ser Zeit fliegen frohe Opferbrände gottent­zündeter Liebe. Der Christ erwachte, der Bruder, die Schwester; es drängte sie, zu wirken zu helfen, zu trösten. Und siehe, groß an Zahl die Scharen der Hilfespendenden, wurden bald auch die Reihen der Helfer. Ihr Blick war erhoben zu den Bergen, von denen Hilft kommt und das immerwcchrende Gebet ihrer Herzen war wie eine Woge grenzenlosen Vertrauens, das sich

Auf die lange Bank!

Weitere Verzögerung der Verhandlung vor beat Staatsgerichtshof.

Aus Leipzig meldet TU.:

In der Staatsrechtsklage der abgesetztenpr eu. ßlschen Regierung gegen die Reichsregie­rung wegen der Einsetzung eines Kommissars in Preußen hat die frühere preußische Regierung noch einen Schriftsatz eingereicht, der noch nicht völlig erledigt ist. Aus diesem Grunde ist es dem Staatsgerichtshof auch unmöglich gewesen, bisher einen Verhandlungstermin festzusetzen. Alle Nach­richten über die Festsetzung eines solchen Ter­mins sind erfunden. Insbesondere ist es nicht wahr, daß der Staatsgerichtshof am 6. Okto­ber tn dieser Angelegenheit verhandeln werde. Tue Terminfestsetzung kann erst später erfolgen und wird keinesfalls auf den 6. Oftober fallen können. i

Goebbels verklagt den Vorwärts. !

cnb. München, 23. Sept. (Eig. Meld.) Der Berliner Gauleiter der NSDAP., Dr. Goebbels, hat, tote im Völkischen Beobachter mitgeteilt wird, gegen den Vorwärts bezw. dessen verantwort­lichen Redakteur wegen einiger Artikel Klage gestellt, da er tn ihnen Verleumdung er- bückt.

In der Bürositzung der Abrüstungskonferenz hat sich ergeben, daß Simon und Paul-Boncour vte Behandlung der Eleichberechtigungsfrage ge­meinsam verhindert haben. Henderson soll, wie verlautet, den allergrößten Wert darauf legen, daß Deutschland eine Rückkehr in die Abrüstungs­konferenz ermöglicht wird.

wtb. Berlin, 23. Sept. (Eig. Meld.) Reichs- außenminister Freiherr von Neurath veröffentlicht in der fett Beginn der Wrüstungs- ftnferenz dreisprachig erscheinenden Zeitschrift der deutschen Liga für den VölkerbundDer Völ­kerbund, die Abrüstungskonferenz" einen Artikel, in dem er noch einmal den deut­schen Standpunkt in der Abrüstungsfrage darlegt.

Die italienische Regierung hat für den zu­künftigen deutschen Botschafter beim Quirtnal, von Hassell, das Agreement erteilt.

Beginn der 68. Ratstagung in Genf.

Trauerkundgebung für Grewing.

»üb. Genf, 23. Sept. (Eig. Meld.) Die 68. Ta- ma des Völkerbundsrates wurde heute vormittag unler dem Vorsitz des Präsidenten des irischen «wjftaates, D e Dalera, eröffnet. Deutschland

durch seinen Außenmini st er Frhrn. v. Neurath vertreten. Die Tagung begann mit einer kurzen, sehr eindrucksvollen Trauerkundge- buna für den verstorbenen Völkerbundskommissar «n Danzig, Grafen Granina. Der Ratspräsident dielt dabei eine Ansprache, die von der Versamm- liina stehend angehört wurde. Die Sitzung wurde dann zum Zeichen der Trauer auf 5 Minuten un- kchrochen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung sprach der Vertreter Italiens seinen aufrichtigen Dank aus.

* Die nationalsozialistische Grenzlandkundge- bung in Oesterreich verboten. Die Vorarlberger Landesregierung Hai die von der nationalsoziali­stischen Partei kur den 1. und 2. Oktober in Bre­genz geplante Grenzlandkundgebung verboten. Weiter erließ die Landesregierung eine Verfü­gung, durch die den reichsdeutschen Nationalsozia­listen das Ueberschreiten der Grenze in Uniform verboten wird.

bes Altars, den wir so oft (und beinahe ebensooft gedankenlos!) denAltar des Vaterlandes" nen­nen. Dieses Jahr der Deutschen ist friedlos. Der Thron der deutschen Zwietracht ragt fast bis an die Sterne. Der Erschütterungen und des leidenschaftlichen Haders ist wahrhaftig kein Ende. Um so mehr muß das heilige Vaterland von unserer Liebe leben! Unsere größte Liebe wird die brüderliche und schwe­sterliche Hilfe fein, die wir von Mensch zu Menfch, von Nackbarfchaft zu Nachbarschaft leisten. Wenn der Bauer dem Städter, der Begüterte dem Un. bemittelten, der Arme dem Aermeren hilft, dann, ja dann lebt Deutschland! Im ewigen Streit sei­ner Söhne ftirb^jtnb verdirbt das Reich. Darum ist der Ruf, der jetzt erging:W irwollenhel- f e n !", ein Aufgebot an alle edlen Kräfte der deut, schen Seele. Letztes Aufgebot vielleicht! Bald wird wieder Kampflärm tosen. Wenn nicht alle Zei­chen trügen, wird der Widerstreit der Meinungen an aufwühlender Schärfe vergangenen Auseinan­dersetzungen in nichts nachstehen. Eine Aussicht, die freilich entmutigend genug sein könnte, wären mir nicht willens, besonderer Not mit besonderer Abwehr zu begegnen. Sol­cher Wille aber heißt uns jetzt handeln.

Allen, die noch an Deutschland, an Brudersein und Gemeinschaft deut­scher Menschen glauben, sind aufge- rufen, mit den Werken der kommen­den Winterhilfe eine große, versöh­nende Tat zu setzen: Ehe sich Deutsch­land wieder seiner inneren Gegner­schaften erinnert, möge es auf dem Kampfplatz erschütternder Massen- not einen Sieg ber ßiebe u n b ®üte er« (freiten.

Elend und Zwietracht wären durch solchen Sieg gleich getroffen!

So beginne denn ein Kreuzzug der Siebe!

In Gottes Kraft streite dabei das katholische Deutschland unter dem Friedensbanner der Ka­ritas!

Reichskanzler von Papen sprach am Don» I nerstagabend im Rundfunk in derStunde für Winterhilfe" über die Winterhilfe.

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DieTimes" hält es für notwendig, daß im Anblick auf die deutsche Gleichberechtigungsfor- derung die Mächte eine gemeinsame Erklärung abgeben, m der sie verkünden, daß die Ab­rüstungsvereinbarungen rechtlich und tatsächlich die Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrages

Französischer Emschüchterungs versuch.

Aus Paris wirb gemeldet:

Der innenpolitische Berichterstatter desEx- celsior" macht im Zusammenhang mit den deut- schen Gleichberechtigungsforderungen und dem kürzlich geschaffenen Reichskuratorium für Jugend­ertüchtigung einen Einschüchterungsversuch, indem et daraus chinweist, daß die französische Regie­rung den am 27. September zum Ablauf kom­menden deutsch-französischen Handels- vertrag wahrscheinlich nicht verlängern werde. Man habe französischerseits bisher stillschweigend zugesehen, wie Deutschland aus diesem Vertrag einen großen jährlichen Ausfuhrüberschuß habe, während Frankreich einen gleichhohen Fehlbetrag zu verzeichnen hatte. Die französische Regierung werde sich aber kaum noch einmal dazu hergeben, eine derartig große Benachteiligung der franzö­sischen Industrie anzunehmen, denn sie sehe, daß die finanzielle und wirtschaftliche Hilfe, die Deutsch­land dadurch zuteil werde, nur zu Rüstungszwecken verwandt werden. (!)

' Die Genfer Berichterstatter desDaily Herold" und derNews Ehroniele" erfahren übereinstim­mend, daß Frankreich int Hinblick auf die deutsche Gleichberechtigungsforderung beabsichtige, seine bis­herige Unterstützung des japanischen Vorgehens in China aufzugeben.

Botschafter-Wechsel.

wtb. Berlin. 23. Sept. (Eig. Meld.) Der Herr Reichspräsident hat den Gesandten tn Bel­grad, oon Hassell, zum Botschafter bei der ita­lienischen Regierung in Rom anstelle des in den einstweiligen Ruhestand versetzten bisherigen Bot­schafters von Schubert ernannt. Weiter hat der $err Reichspräsident als Nachfolger des früheren DotsckMsters, jetzigen Reichsministers des Auswar- tigen, Freiherrn von Neurath, den bisherigen Bot­schafter in Paris, von H o e s ch, zum Botschafter in London und an seine Stelle den derzeitigen Mi- nffterialdirektor im Auswärtigen Amt, Koster, Zum Botschafter in Paris ernannt-

Weitere Personalveränderungen auf Botschaf- ftrposten stehen nicht bevor.

Aus Latein-Amerika.

Bolivien lehnk Paraguays Bedingungen ab.

wtb. La Paz. 23. Sept. (Eig. Meld.) Bolivien hat in einer Note an die Neutralen die Bedingun­gen, unter denen sich Paraguay am 17. September bereit erklärt hat, den Vorschlag der neutralen amerikanischen Mächte anzunehmen, abgelehnt, da ne nur eine Verschleppung des Ehakow-Konfliktes bedeuteten.

* Gerichtliches Nachspiel zum Konkurs einer Gewerbebauk. Das Erweiterte Schöffengericht Essen verurteilte nach dreitägiger Verhandlung bte Vorsitzenden des Vorstandes und Aufsichts­rates der Borbecker Gewerbebank Kranen- diek und Weitkamp zu je zwei Monaten Ge­fängnis wegen Vergehens gegen § 147 des Ge- nosfenschaftsgesetzes. Die Angeklagten haben trotz erheblicher Verluste in den Jahren 1925 bis 1928 durch unrichtig ausgestellte Bilanzen die längst erforderliche Liguidierung des Unternehmens jahre­lang hlnausgezögert und die Genossen und Gläu­biger erheblich geschädigt. Die neun Mitange­klagten Aufsichtsratsmitglieder wurden freigespro- chen.