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jDijrg. 59

MMwoch, 21. September 1932

Ilr. 218

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entledigen wußte.

In politischer Beziehung bedeutet der Tod des Grafen Gravina für Danzig insofern einen schwe­ren Schlag, als die Regelung der schwebenden Danzig-polnischen Streitfragen durch den Völker­bund jetzt möglicherweise eine Verzögerung erfährt.

Abfahrt des Reichspräsidenten zu den Manövern.

cnb. Berlin, 20. Sept. (Eig. Meld.) Reichs- Präsident v. Hindenburg begab sich heute mittag kurz nach 12 Uhr zum Bahnhof, um zu den Manövern zu fahren.

nung und Ruhe zu führen. Nur unter dieser Vor­aussetzung fei ein planmäßiger Ablauf der Wahlen gewährleistet.

Der Reichskanzler bedankt sich in einem Erlaß für die Zustimmungserklärungen, die ihm auf seine Rundfunkrede hin zugegangen seien.

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Der Italiener Graf Gravina, langjähriger Völkerbundskommissar für Danzig, ist einer schweren Darm-Erkrankung zum Opfer gefallen.

Slaalsgerichlshos am 6. Moder.

vdz. Berlin, 20. September. (Eig. Meld.) Wie das Nachrichtenbüro des VDZ. erfährt, wird der Termin vor dem Staatsgerichtshof, in dem über die Klage der preußischen Minister wegen der Einsetzung des Reichskommissars entschieden wer- den soll, nochmals eine Vertagung er­fahren. Die Verhandlung, deren Beginn für den 29. September in Aussicht genommen war, wird voraussichtlich erst am 6. Oktober beginnen. Im Rerchsrat besteht unter diesen Umständen die ungeklärte Lage fort. Weder das Reichsratsplenum noch die Ausschüsse des Reichs­rates sind bisher zu Sitzungen einberufen wor­den. Da dringlicher Arbeitsstoff z. Zt. für den Reichsrat nicht vorliegt, wird man auch m der nächsten Zeit noch die Einberufung des Reichs­rates nach Möglichkeit vermeiden. Eine Reichs- ratssitzung vor der Entscheidung des Staatsgerichtshofes würde jedenfalls den Kon­flikt mit aller Schärfe von neu em wie- der auf leb en lassen, da die bisherigen preußischen Reichsratsbevollmächtigten nach wie vor allein das Recht in Anspruch nehmen, Preußen im Reichsrat zu vertreten.

Hebet all Radau.

Kommunistische Störung bei der Thronrede der Königin von Holland.

wtb. Haag. 20. Sept. (Eig. Meld.) Anläßlich der heute vormittag im Rittersaal erfolgten Verle­sung der Thronrede durch die Königin ereignete sich ein Zwischenfall, wie er in dieser sensationellen Form in der parlamentarischen Geschichte der Nie­derlande bisher nicht zu verzeichnen war. Nach­dem die Königin die Thronrede verlesen hatte, er­hoben sich die beiden kommuni st ischen Mit­glieder des Parlaments, . die Abg. Wynkop und Lou de Bissig und riefen mit lauter Stimme in den Saal:Weg mit der Krone! Weg mit der Kö­nigin!" Sämtliche übrigen Mitglieder des Par­laments erhoben sich darauf ebenfalls von ihren Plätzen und stimmten, um die fortwährend wie­derholten Rufe der Kommunisten zu übertönen, die holländische Nationalhymne an.

Die Thronrede selbst stand völlig unter dem E i n d r u ck der Verschärfung der wirt- s ch a f t l i ch e n Verhältnisse und ist daher in sehr pessimistischem Tone gehalten. Es wird in ihr betont, daß weitere Maßnahmen zur Bekämpfung der Krisenfolgen, unter denen alle Wirtschaftszweige in Holland wie in seinen Kolo­nien zu leiden hätten, ergriffen werden müssen. Die Wiederherstellung des internationalen Handelsver­kehrs wolle die Regierung durch den Abschluß von Verträgen fördern, die von einem Geiste der Weit­herzigkeit beseelt sei.

Die schroffe englische Note ist zweifel- ug die peinlichste Ueberraschung geworden, die «eit den Tagen der Zollunion den ver­antwortlichen Männern auf der Wilhelmstraße be­gegnet ist. Sie hat jedoch das Gute gehabt, daß ijjj los politische Augenmaß in Deutsch- sgnö, das durch den innervolitischen Kleinkrieg be­denkliche Ermüdungserscheinungen aufwies, w i e - deiverschärfte. Man steht vor der Ge- -ntzr einer vollständigen Isolierung. Damit ist aber zugleich der einzige Weg gewiesen, dm Deutschland in der nächsten Zeit noch betreten kann. Es gilt aus dieser Isolierung irgendwie her­auszukommen. Gelingt dies nicht, so kann aus der Krise der Abrüstungskonferenz binnen kurzem eine Krise des Völkerbundes und damit eine Krise der gesamten internationalen Beziehungen entstehen. Die notwendige Folge wären neue, schwerste wirtschaftliche Rückschläge und Umwälzungen auch auf dem Gebiete der deutschen Innenpolitik, die man sich heute in allen Einzelheiten noch kaum völlig sach­gemäß ausmalen kann. Es genügt, dies auszu­sprechen, um das dringende Interesse aller Betei­ligten zu erkennen, aus diesen Unglückshorizonten loszukommen. In den Berliner politischen Krei­sen mißt man deshalb der Reise des deutschen Reichsaußenministers Freiherrn von Neurath nach Genf erhöhte Bedeutung zu. Man rechnet mit einer sehr eingehenden Aussprache zwischen dem deutschen Vertreter und den Vertre­tern Frankreichs und Englands. Die öffentlichen Noten mögen als Abschluß von vertraulichen Ver­handlungen gut sein, im Stadium von Vorver­handlungen haben sie sich als politisches Gift er­wiesen. Wenn also noch eine Abschwächung und Begrenzung des politischen Krankheitsprozesses möglich ist, so nur durch Besprechungen unter vier, sechs und acht Augen. Auf diese richten sich die Hoffnungen aller, die von einer bewußten Kata­strophenpolitik den endgültigen Zusammenbruch Europas befürchten. Man hofft, also auf einen Kom­promiß, aber einen Kompromiß, der vernünftiger vnd psnchologischer als das Fenstereinschlagen der letzten Tage auch den deutschen Schwierigkeiten Rechnung trägt. *

Die englische Antwort bedeutet für die deutsche Außenpolitik einen der schwersten Rück­schläge der letzten Jahre. Deutschland, das un­ter Brünings Führung einen immer enge­ren Abschluß an alle anderen Nationen gefunden hatte, so daß Frankreich mehr und mehr isoliert wurde, und der frühere Reichskanzler Dr. Brüning es sogar unternehmen konnte, die Frage der Gleich­berechtigung aufzurollen und damit auch auf Ver­ständnis bei den übrigen Völkern, vor allem den Amerikanern zu stoßen, steht plötzlich iso­liert da. Es rächt sich jetzt, daß diese Regierung von Papen aus rein innerpolitischen Beweggründ en heraus diese Frage der Gleich­berechtigung, die genug Konfliktstoff in die Reihen der Alliierten werfen mußte, so sehr "forciert hat, statt auch auf diesem schwierigen außenpoli­tischen Gebiete Schritt für Schritt vorzuge­hen. Die Regierung von Papen muß sich diesen Borwurf auch zu Beginn der englischen Antwort­note bescheinigen lassen, nämlich, daß sieeine politische Streitfrage von solchem Ausmaße u n- k l u g und unzeitaemäß in den Vordergrund gestellt hat". Das ist ein Vorwurf, der hier von feiten Englands gegen die Außenpolitik von Pa- pens erhoben wird, der nicht zu leicht hingenom- Men werden darf.

Und auch die englischen Ausführungen be,zügl. des bisherigen Entgeaenkommens der Alliierten an Deutschland in Herabsetzung der finanziellen For­derungen sehen sich in diesem Zusammenhänge fast wie eine Drohung an, die nicht unter- fchätzt werden darf. So sind wir durch die un­heilvollen übereilten Maßnahmen einer Regierung °°n Papen in der Frage der Gleichberechtigung, d'e doch vom ganzen deutschen Volke ohne Aus- "ssinie als berechtigt anerkannt wird, nicht nur zu- ^kgeWiesen und zurückgeworfen worden, sondern fehcn uns plötzlich wieder einer gemein« e n außenpolitischen Front unter Rührung Frankreichs gegenüber, de-

Stärke und Wirkung nicht ernst genug gewür- digt werden kann.

I v, Gegenüber diesen außenpolitischen Herbst- llurwen verlieren die innerpolitrschen Gr- 7ltter in Deutschland naturgemäß an Bedeu­tung. Dem Besuch des Landtagspräsidenten Kerrl ®et. Hindenburg wird an sich eine solche kaum zu- »Wrieben. Dagegen ist der Empfang des baye- | ^chen Ministerpräsidenten Held und des Füh- sers der Bayerischen Volkspartei, Staatsrat ZA äff er, beim Reichskanzler sehr zu beachten, uwch unseren Informationen sind in mehrstündi- 8en Gesprächen alle Fragen, die für das Reich und Bayern von Bedeutung sein können, durch- »^'prochen worden, d. h. auch jene Pläne der k Th^chsregierung, abseits von dem bisherigen Par- seunwesen an eine Reichs- und Verfassungsre- wrm heranzugehen. Man sieht auch hier einen Kompromiß. Wahrscheinlich wird in der nächsten En °er Reichsrat als besonders zuständige | Aimnz ,n alle diese Fragen eingeschaltet werden M»".. durch neue Vorschläge die ganze Angelegen- Hjk . peu in Gang bringen, liebet die wert-

M^ftspolitischen Erwägungen derReichs-

Gravina war im Jahre 1883 in Palermo geboren. Er machte zunächst in der Marine und der Luftschiffahrt Dienst und wurde 1906 zum Vizekonsul in Schanghai ernannt. Dann bekleidete er den Posten des Ehrenadjutanten des Königs von Italien. Von 1919 bis 1922 war er Marine- attache in Stockholm und bei sämtlichen skandinavi- scheu Staaten beglaubigt. Bis 1925 führten ihn mehrere Aufgaben ins Ausland, u. a. auch nach Danzig. Von 1924 bis 1929 gehörte er der italie* Nischen Delegation beim Völkerbund als giertet an. Seine Ernennung zum Hohen misfar in Danzig erfolgte im Juli 1929.

I Ein schwerer Rückschlag.

Zur englischen Antwortnote. Die innenpolitische Lage. Vor einem «Wahlaufruf" des Reichskabinetts.

yeichspräfident bestimmt 6. November zum Wahltag..

Der Tod des Völkerbundskommissars Gravina hat in Danzig große Bestürzung hervor- gerufen. Tiefe Trauer erfüllt die gesamte Bevöl- kerung, vor allem diejenigen, die Gelegenheit hatten, mit Graf Gravina in persönliche Beziehung zu treten und ihn als Diplomaten wegen des Taktes und der Objektivität schätzen zu lernen, mit der er sich feiner schwierigen Aufgaben jit

Zur Festsetzung des Zeitpunktes für die Reichs­tagswahlen schreibt derVölkische Beobachter" m einem aus Berlin datierten Artikel u. a die jetzige Reichsregierung glaube schon ihr Ziel er­reicht zu haben, wenn es ihr gelinge, die im letz­ten Reichstag vorhanden gewesene Mehrheit von NSDAP, und Zentrum mit Hilfe von Neuwahlen zu hlntertrerben.Nach dieser Berechnung müßten beide Parteien (ein­schließlich der Bayerischen Volkspartei d. Red.) ungefähr 24 Sitze verlieren. Dann, so werde weiter argumentiert, werde es im neuen Reichstag nicht mehr schwer fallen, jede ar­beitsfähige Mehrheitsbildung zu verhindern. Der Reichstag würde in einen arbeitsunfähigen Zustand versetzt werden. Im Hintergrund erscheine derStaatsnotstand und die Reichsregierung hätte für alle ihre noch kommenden Pläne freie Bahn. DerVölkische Beobachter" folgert daraus, daß der Reichstag m Wirklichkeit nicht wegen seiner Ar­beitsunfähigkeit, sondern wegen sei­ner Arbeitsfähigkeit aufgelöst wor- d e n sei. Die Berechnung habe aber trotzdem ein Loch, denn die 24 für tue Regierung zu gewin­nenden Sitze müssen tatsächlich auch irgendeiner Regierungspartei zugute kommen. Daß die Deutschnationalen aber 24 sitze gewin­nen könnten, davon wage man selbst im Regie- tungslager und bet Herrn Hilgenberg nicht ein­mal zu träumen.

Die Konfessionen.

Auf einer großen Feier des Gustav-Adolfs- Verein, die in Leipzig stattsand, sprach auch der Reichsinnenminister Frhr. v. Gayl. Er erklärte u. a.:

Unser gesamtes Leben sollte viel stärker, als es heute in der Notzeit tatsächlich der Fall ist, beherrscht werden von dem ethischen Gedanken der Liebe zum Mitmen­schen und Volksgenossen. Ich wünschte, daß über dem Tun und Lassen jedes verantwortlichen Deutschen m Re­gierung, Politik und Wirtschaft das Wort der Schrift stünde:und wenn ich mit Menschen- und Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein to­nendes Erz und eine klingende Schelle."

Zu allen anderen Bürden trägt das geduldige deutsche Volk noch die Last des Z w i e s p a l t s d e r B e k e n n t- nisse. Ich schätze es als ein ganz besonderes Ver­dienst des Gustav-Adolf-Vereins ein, daß er trotz allen Eifers im Glauben niemals danach getrachtet hat, den Riß in unserem Volke zu erweitern, sondern daß er sich bemüht hat, jedem das Seine zu geben. Wir, Kin­der eines Staates, gleichviel, ob evangelischen oder ka­tholischen Bekenntnisses, haben die Wurzeln im Glau­ben an den Erlöser und in tiefer gemeinsamer Liebe zu Heimat, Vaterland und Volk. Es sollte daher bald der Tag kommen, an dem wir uns zusammenfinden zu gemeinsamer Arbeit für einen und in einem deutschen christlichen Staat und für unser gesamtes deutsches Volkstum innerhalb und außerhalb der Grenzen des Reiches.

Die Rede des Ministers wurde mit stürmischem, sich immer wiederholendem Beifall aufgenommen. Es wäre sehr begrüßenswert, wenn damit dem anti-römischen Komplex, der heute in Deutschland wieder eine so bedeutsame und verhängnisvolle [ Rolle spielt, eine Absage erteilt worden wäre.

ERB. Berlin, 20. Sept. (Eig. Meld.) Die von der Presse zum Teil in großer Aufmachung ge­brachten Berichte über den Inhalt der Unterhal­tungen zwischen dem Reichskanzler einerseits und dem bayrischen Ministerpräsidenten Dr. Held und dem Staatsrat Schäffer andererseits treffen, wie von zuständiger Stelle erklärt wird, nicht zu. Die bei dieser Unterredung beschlossene Vertraulich­keit ist von allen beteiligten Stellen strickte innegehalten worden. Die Meldungen der Zeitungen beruhen auf reinen Kombi­nationen und sind völlig aus der Luft ge- griffeh. ,

CNB. Berlin, 20. Sept. (Eig. Meld.) In ei­ner Berliner Morgenzeitung wird im Zusammen­hang mit dem Bericht über den gestrigen Empfang des Landtagspräsidenten Kerrl bei Reichspräsident von Hindenburg davon gesprochen, daß Reichs­kanzler von Papen, der bei diesem Empfang zuge­gen war, von dem Landtagspräsidenten die Zu­rücknahme des seinerzeit gefaßten Landtags­beschlusses verlangte, wonach den preußischen Be­amten geraten wstrde, den Anordnungen der kommissarifchen Staatsreg i e - rung nicht Folge zu leisten. Von zustän­diger Stele wird dazu erklärt, daß Reichskanzler von Papen in der Tat der Erwartung Ausdruck ae- geben hat, daß es bei diesem Beschluß des Landta­ges nicht bleiben werde. Der Kanzler hat den Landtagspräsidenten darauf aufmerksam ge­macht, daß die tommiffanfrfie vre-'ß'^o ^tnatsre- gierung sich mit einem derartigen Beschluß des preußischen Landtags nicht abfinden könne.

Die Flnanzmmister tapen.

ERB. Berlin, 20. Sept. (Eig. Meld.) Irn Reichsfinanzministerium hat heute vormittag unter dem Vorsitz des Reichsfinanzministe'rs Grafen I Schwerin von Krosigk die Konferenz mit ben F i n a n zm i n ist e rn der Länder begonnen. Es handelt sich dabei darum, die Fra­gen des Wirtschafte- und Finanzprogramms der Reichsregierung, die sich aus der letzten Wirt- fchaftsverordnung ergeben, im einzelnen durchzu­beraten und Weg? zur praktischen Durch­führung zu weifen.

Arbeitsunfähigkeit angeftrebt?

DerVölkische Beobachter" über Reichsregierung und Reichstagswahl. !

wtb. Paris, 20. Sept. (Eig. Meld). Der häufig gut unterrichtete offiziöseMatin" bringt eine Zu­sammenstellung über die Bedeutung des Herriot'- schen AusrufsNein! Niemals! Nicht! Unmöglich!", die eine Ergänzung der gestrigen Verlautbarung ist, durch die Herriot selbst erklärt hat, er habe zu seinem Communiguee über die Beratun­gen vor dem Auswärtigen Ausschuß des Parla­ments nichts hinzuzufügen; alle Nachrich­test die über das Communiguee hinausgingen, müßten für ihn als nicht verbindlich angesehen werden Die Darstellung desPetit Partsien lautet, es sei klar, daß von verschiedenen Seiten versucht werde, den Ausruf Herriots auszubeuten. Wenn tatsächlich diese Worte im Verlaufe der Er­läuterungen, die der Ministerprastdent vor dem Auswärtigen Parlamentsauschuß abgegeben habe, gefallen seien, so hätten die sich auf ganz bestimmte, der Vergangenheit angehörende Ereignisse bezo­gen Dieser Hinweis bedeute natürlich nicht, daß Herriot nicht vielleicht aufs Neue diese Worte ge­brauchen könnte, aber für den Augenblick tonne man sie, wenn man Herriots Auffassung und die Wahrheit nicht völlig verfälschen wolle, nicht auf Eventualitäten beziehen, die nicht in Frage gekom­men seien, als Herriot sich dieser Worte bediente.

Das engere Büro der Abrüstungskonferenz, dem Henderson, Politis, Benefch, Drummond und Agh- nides angeboren, trat am Montag zu einer ver­traulichen Beratung zusammen. Es soll lieber« einftimmung darüber erzielt worden sein, daß ine Arbeiten des Büros auch bei einem Fernbleiben Deutschlands fortgesetzt werden fallen.

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wtb. Gens, 20. Sept. (Eig. Meld.) Auf die Mitteilung des deutschen Außenministers vom 14. September, gibt Henderson in seinem Antwortschreiben der Hoffnung Ausdruck, daß di« deutsche Regierung sobald wie möglich wieder an den Arbeiten des Büros der Abrüstungskonferenz teilntmmt.

Der Termin der Neuwahl.

wtb. Berlin, 20; Sept. (Eig. Meldg.) Reichs­präsident von Hindenburg hat durch Verordnung vorn heutigen Tage bestimmt, daß die Neuwahl des Reichstages am 6. November 1932 stattfindet.

Börsenzeitung und D. A. Z. berichten, daß die Reichsregierung die Veröffentlichung eines Wah - aufrufes beschlossen habe, der die offizielle Stel­lungnahme im Wahlkampf enthalten und noch ein­mal die Gründe umreißen soll, aus denen heraus die Reichsregierung den Entschluß zur Reichstags­auflösung und zur Ausschreibung von Neuwahlen faßte. Der Aufruf werde ferner die Mahnu n g an die Parteien richten, den Wahlkampf mit größ­ter Zurückhaltung und unter Wahrung von Ord-

Erfcheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

regierung wird in den nächsten Tagen noch mehr zu sagen fein. Der Kampf tobt hier hin­ter den Kultsfen mit aller Heftig­keit weiter. Auf finanziellem Gebiet bringt die Diskontsenkung der Reichsbank eine spürbare Ent­lastung. Auch der Ueberführung . der Preußenkasse auf das Reich, die noch in die- er Woche durch eine Notverordnung erfolgen dürfte, gebührt besondere Aufmerksamkeit, weil mit ihr wichtige Rückwirkungen verbunden sind. Dagegen sind die verschiedenen Parteien- und Ver­einsgründungen der letzten Tage nicht von un­mittelbarem politischen Wert. Auch der wohl am ernstesten zu nehmendeDeutsche Rationalverein" beabsichtigt keineswegs, sich schon an diesem Wahl­kampf anders als durch eine einmalige Kundge­bung zu beteiligen. Er spart sich als Reserve, und zwar wohl letzte Reserve, für die Diskussionen nach d er R e i ch sta g sw ah I auf. Ob ihm allerdings Erfolg beschieden ist, steht dahin.

wtb. Wien, 20. Sept. (Eig. Meld.) Die Neue Freie Presse bemerkt zu dem britischen Memoran­dum, es sei sehr bedauerlich, daß es den Anspruch Deutschlands auf Gleichberechtigung leugne, denn gerade in der Abrüstungssache sei der Standpunkt Deutschlands unanfechtbar. Es fei herzlich zu be­dauern, daß die englische Note noch nicht den Weg j zu einer Lösung zu bieten scheine, aber diese Lö­sung werde gefunden werden, weil ein Mißerfolg geradezu als ein Donnerschlag betrachtet würde, als eine Katastrophe für den Völkerbund.

Englands Tadelnote an Deutschland" wird, wie die Reichspost schreibt, von Deutschland leicht widerlegt wenden können. Deutschland hat sich den Termin für die Anmeldung seines Gleichberechti­gungsanspruchs nicht ausgesucht; er war zwangs­läufig durch die Termine der Abrüstungskonfe­renz gegeben und die Anmeldung erfolgte keines­wegs in brüsker Form. Der Widerspruch, der in der englischen Denkschrift zwischen der formalen Ablehnung und der moralischen Anerkennung der deutschen Forderungen klafft, muß feine Begrün­dung haben. Es scheint, daß England befürchtet, mit einer eindeutigen Stellungnahme für den deut­schen oder für den französischen Standpunkt die Tür zu weiteren Verhandlungen endgültig zu schließen.

Die Volkszeitung führt aus: nicht mit unrecht bezeichnet man in Berlin die englische Denkschrift als spitzfindig. Das trifft insbesondere auf die Aus­legung des Versailler Vertrages zu. Eigentümlich berührt es auch, wenn die englische Denkschrift Deutschland vorhält, daß durch sein Vorgehen das jetzt mehr denn je nötige Vertrauen unter den Volkern gestört werde.

jg B NNMNMM TO M. (Ms MU. Beilage 15 W)

Fuldaer Zeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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