Einzelbild herunterladen
 

«t

t«

■

J. u I-

X ir;

it

r» ifl'

rr

etl

Fulda, den 14. September 1932

Ilochmals die neue Miethilfe.

Von amtlicher Stelle wird uns geschrieben: ^urch die Preußische Verordnung vom 29. Au- itt 1932 ist das im Juni d. 3s. eingeführte Miet- E-Kiliesystem aufgegeben und die Hauszinssteuer. Endung wieder ermöglicht worden. Die Neure- .-luno führt jedoch nicht das frühere System der Nematischen Steuerstundung wieder ein, sondern » auf der fürsorgerisch individuell zu be- EÜenden Hilfsbedürftigkeit aufgebaut. Die dem jm:eier durch die Stundung gewährte Hilfe ist ein Mittel der öffentlichen Fürsorge. Die Mieter selben daher Anträge auf Hauszinssteuerstundung ausschließlich beim städtischen Wohlfahrtsamt zu stellen^ Formulare auf Hauszinssteuerstundung sind täglich von 9 bis 12 Uhr vormittags und von 3 bis 5 Uhr nachmittags bei dem städtischen Wohl­fahrtsamt, Zimmer Nr. 15, zu erhalten. Es wird darauf hingewiesen, daß nur Anträge auf den Formularen, die das städtische Wohlfahrtsamt un- eniaeltlich zur Verfügung stellt, und die im Zim- mer is ausgeteilt werden, berücksichtigt werden können. Wer von Oktober d. 3s. ab in den Ge- nu6 der Hauszinssteuerstundung kommen will, muß bis zum 20. d. Mts. das sorgfältig ausgefüllte Antragsformular bei dem städtischen Wohlfahrts­amt eingereicht haben.

Hauseigentümer haben nach wie vor den An- jrag auf Steuerstundung bei dem städtischen Steueramt zu stellen. Das Steueramt stellt -em Vermieter Formulare zur Verfügung.

213

)S« im 3* in

die an eit ' n, lch ärt > r«

tert

Z'-r

ll.

Todesfall.

Ein Fuldaer Landsmann, der es in Köln zu einer beachtenswerten Stellung im katholischen Presse-Wesen gebracht hatte, Prokurist Bonifaz § u t b e r l e t, ist in die Ewigkeit abgerufen wor­den. Er war der langjährige Leiter der Anzeigen- Abteilung der Kölnischen Volkszeitung. Das füh­rende Rheinische Zentrumsblatt schreibt zum Tode Bonifaz Gutberlets: Mit ihm ist ein tüchtiger und bewährter, leitender Beamter des kaufmännsichen Betriebes der KV. dahingegangen. Er wurde am 1. April 1873 in Fulda geboren. Am 1. April 1897 trat er in die Anzeigen-Abteilung der Kölni­schen Volkszeitung und des Kölner Lokal-Anzei­gers ein. Bald schon wurde er mit ihrer Leitung beauftragt. Seine gediegenen Fachkenntnisse, seine aufgeschlossene Art und 3nitiative haben an dem Aufbau des Anzeigenteils der KV. entscheidenden Anteil, lieber drei 3ahrzehnte hat er seine Tat­kraft und seine reiche Erfahrung mit sichtbarem Erfolge dem Zeitungsunternehmen der KV. gewid­met. Er wurde als Reklamefachmann auch in den Kreisen seiner Berufskollegen im Zeitungsge- werbe sehr geschätzt. Die Pflichttreue und die sym­pathischen Charaktereigenschaften, welche den Ver­storbenen auszeichneten, sichern ihm ein ehrenvol­les Andenken.

Zur Schlachlsteuer.

Das preußische Staatsministerium hat eine 2. Verordnung zur Abänderung des Schlacht­steuergesetzes beschlossen, die heute in Kraft tritt.

Durch die neue Verordnung erhält § 13 des Schlachtsteuergesetzes folgende Fassung: „Der Fi­nanzminister wird ermächtigt, Schlachtungen von Schweinen, Kälbern und Schafen für den Ver­brauch im eigenen Haushalt (Haus- schlachtungen) von der Steuer von Schlachtungen ganz oder zum Teil zu befreien." Hierdurch wer­den künftig auch die Hausschlachtungen von Käl­bern und Schafen von der Schlachtsteuer befreit, während bisher nur Hausschlachtungen von Schweinen befreit werden konnten. Diese erweiterte Befreiung soll ein gewisser Ausgleich für die Landwirtschaft sein, weil künftig auch Schlachtun­gen von Kälbern zwischen 25 und 40 Kilo, die bisher steuerfrei waren, einer geringen Steuer unterworfen werden.

Im übrigen bringt die neue Verordnung eine ieilweise Abänderung des bisher geltenden

Fuldaer Zettung (AmMches kreisblatt)

Donnerstag, den 15. September 1932

Schlacht st euertarifs. Der bisherige Schlacht­steuertarif bedeutete nämlich eine sehr starke Be­lastung der Schlachtungen von Ochsen, die im leichteren Gewicht geschlachtet werden, wie dies namentlich bei dem Weidevieh der Fall ist, das im Herbst von den Weiden abgetrieben und ge­schlachtet wird. Es handelt sich hier meist um Ochsen im Lebendgewicht von 8 bis 12 Zentner. Hierzu teilt der Amtliche Preußische Pressedienst mit: „Wenn diese Ochsen mit einer Schlachtsteuer von 30 Reichsmark belastet werden, so ist das eine recht hohe Belastung namentlich im Vergleich mit der Belastung der ausgemästeten Färsen, für die nach dem Tarif nur 16 RM. Schlachtsteuer zu entrichten sind, und es ist zu befürchten, daß durch die Steuer ein Preisdruck bei den Ochsen ent­steht, der im Interesse der Landwirtschaft ver­mieden werden muß. Der bisherige Tarif könnte dazu führen, daß in Preußen in den Weidegebieten mehr zur Mästung von Färsen oder aber zur Mästung von Bullen übergegangen würde, was beides wirtschaftlich durchaus unerwünscht wäre. Daher wurde eine anderweitige Staffelung des Tarifs für Ochsen nötig.

Ferner ist für Kälber die Einführung einer höheren Gewichtsklasse erforderlich, da es nicht gerechtfertigt ist. ein Kalb in der Gewichtsstufe von 100 bis 150 Kilo mit der gleichen Steuer zu belegen, wie ein Rind bis zum Gewicht von 350 Kilo."

Durchführungsbestimmungen abwarten!

Der Reichsarbeitsminister hat zur Durchfüh­rung und Ergänzung der Verordnung zur Ver­mehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit vom 5. September 1932 Vorschriften vorbereitet, die voraussichtlich am 15. September bekannt ge­geben werden. Da diese Vorschriften für die Be­rechnung der Ar b ei t n eh m er zah l und der Höhe der zulässigen Unterfahr ei- tungen der Tariflöhne von wesentlicher Bedeutung sind, wird es notwendig fein, daß die Betriebe vor weiteren Schritten den Erlaß der D urch füh rungs vo r sch riften ab ­warten.

3m Zauber von Alk-Wien.

Ein Werbeabend des D. D. A.

Es scheint, als ob der Verein für das Deutsch­tum im Ausland auch in Fukda über eine recht beträchtliche Zahl von Mitgliedern und Freunden verfügt. Zu dem gestrigen Werbeabend im Stadt- saal, der als Abschluß der Werbewoche für den VDA. galt, waren neben einer großen Anzahl von Schulkindern und höheren Schülern auch sehr viele Erwachsene erschienen, die den Saal bis auf den letzten Platz füllten. Studienrat Vonderau, der Vorsitzende der Fuldaer Ortsgruppe im VDA., sprach einige herzliche Begrüßungsworte, aus denen der Wunsch herausklang, daß der Abend den Zielen und Zwecken des VDA. dienen möge. Dann leitete ein Streichquartett das Programm mit Dar­bietungen von Beethoven und Schubert ein. In bunter Reihenfolge wechselten anschließend Ge­sang-, Tanz- und musikalische Vorführungen mit- einander ab. Ausgeführr wurde das Programm von einer Wiener akademischen Kunstgruppe, die bezüglich der Auswahl ihrer Darbietungen ein ge­wisses künstlerisches Niveau einhielt. Allerdings war es mehr die Aera des klassischen Alt-Wien, in die Lieder und Musik versetzten, während das eigentlich Volkhafte nur einige Male leicht anklang. Die Leistungen des Alt-Wiener Quartetts waren ausnahmslos recht anerkennenswert. Neben den Klassikern kam auch die neuere Romantik zu Ge­hör. Recht ansprechend in der Auswahl waren eine Anzahl Lieder verschiedener Art, deren Wieder­gabe sehr sinnfällig das natürlich-heilere Wesen von Alt-Wien verdeutlichten. Zum Schluß wur­den noch einige Proben Komik aufgetischt, die vor allem Bei der Jugend herzlichen Beifall ernteten. Die Vorführenden sowie die Ortsgruppe Fulda können mit dem Erfolge des Abends durchaus zufrieden sein.

3n ereignisreicher Zeil

ist die Zeitung unentbehrlich!

Sie Gestaltung des freiwilligen Arbeitsdienstes.

Das katholische Reichswerk für freiwilligen Arbeitsdienst tagt.

Die außerordentlich gutbesuchte Tagung de- Katholischen Reichswerkes für freiwilligen Ärbeits dienst am Wochenende in Alkenberg b. Köln zeigte, daß der katholische Sektor in der großen Volksbewegung für den freiwilligen Ar­beitsdienst von erheblicher Bedeutung ist. Die größten der Verbände, die zur Katholischen Äugend Deutschlands gehören, haben im Reichswerk eine einheitliche Vertretung ihrer Auffassung und eine zentrale Dienststelle für alle Angelegenheiten der praktischen Durchführung von freiwilligen Arbeits­diensten geschaffen, der sich auch der Deutsche Kari- tasverband angeschlossen hat.

Zur Tagung waren außer den Vertretern der Verbände, der Träger des Dienstes und der Trä­ger der Arbeit, Vertreter von Arbeitsbehörden und zahlreiche erfahrene Praktiker aus dem ganzen Reich erschienen. Aus dem einleitenden Referat des Tagungsleiters, Dr. W i l l i R e i n e r m a n n, Köln, ergab sich, daß im Bereich des Reichswer­kes bis Ende Juli etwas über 900 eigene Maßnah­men durchgeführt wurden mit rund 26 000 katho­lischen Arbeitsdrenstwilliigen, nicht gerechnet die Katholiken, die in anderen Arbeitsdiensten tätig sind. Der Schwerpunkt der Arbeit des Katholft schen Reichswerkes für freimidigen Arbeitsdienst liegt unstreitig im Westen, wie überhaupt der frei­willige Arbeitsdienst in Gegenden mit überwiegend katholischer Bevölkerung am bedeutendsten ist. Die Landesarbeitsamtsbezirke Rheinland und Westfa­len wählten vom 23. Juli 1931 bis zum 31. 3u(i 1932 zusammen 45 754 Arbeitsdienstwillige. Der Landesarbeitsamtsbezirk Niedersachsen da­gegen wies in der Zeit nur 8 860, Branden­burg nur 10 204 auf.

Referate und Aussprachen der Tagung bemüh­ten sich in erster Linie um eine gründliche Funda­mentierung des freiwilligen Arbeitsdienstes in volkspädagogischer Hinsicht. Dazu trugen die Re­ferate von Karitasdirektor Baumeister, Freiburg, und Schriftleiter David Gathen, Düsseldorf, bei. die versuchten, den sreiwiiligen Arbeitsdienst nicht nur als eine Krisenmaßnahme hinzunehmen, son­dern auch positiv für die Erziehung zum Volk auszurichten. Dementsprechend nahmen die Fra­gen der Führerschulung für den freiwil­ligen Arbeitsdienst in der Tagung einen breiten Raum ein- Geschäftsführer Menge vom großen FAD-Werk in Staumühle sprach zu den wirtschaft­lichen Grundlagen für die Einrichtung eines frei­willigen Arbeitsdienstes. Eine besondere Sitzung der praktischen FAD-Leiter vertiefte die Gedanken und zeitigte als Ergebnis eine Reihe von außer­ordentlich wichtigen Anträgen, die vom Reickswerk bei den zuständigen Behörden vertreten werden.

Frau Kreisiugendpftegerin Felder. Wuppertal- Elberfeld, befaßte fick in ihrem Referat mit der Gestaltung des weiblichen Arbeitsdienstes, der in weitem Maße noch in den Anfängen steckt und einer besonderen pfleglichen Behandlung in päda­gogischer Hinsicht bedarf. Mit diesen besonderen Problemen beschäftigte sich ein Frauenarbeitskreis während der Tagung.

Die Linie der Aussprache führte von allen Punkten auf das die katholische 3ugend stark be­schäftigende Problem der S i e d l u n a. 3m An­schluß an ein Referat von 3ngenieur Earl Degen, M.Eladbach. dem Führer der „Werksiedlung", wunde in vielstündiaer Aussprache die Frage des freiwilligen Arbeitsdienstes als Erziehung und Vorarbeit zur Siedlung einerseits und als Hilis- wirtschaft zur Stadtrandsiedluna und landwirt­schaftlichen Vollfiedlung andererseits besprochen. Es ergab sich die zwingende Notwendigkeit, den freiwilligen Arbeitsdienst gerade in dieser Hinsicht, in der Richtung auf Erweiterung des Lebensrau­mes der jungen Generation einzusetzen. 3m Rah­men des Katholischen Reichswerkes find Versuche sowohl in der Mitwirkung bei der Stadtrand­siedlung, in der Vorschulung für die landwirtschaft­liche Vollfiedlung als auch in der Vorbereitung für Siedlungen in Süd-Afrika und Süd- Amerika mit Erfolg gemacht worden.

Zu den gegenwärtig wichtigsten Fragen der Gestaltung des freiwilligen Arbeitsdienstes gab die

Tagung des Katholischen Reichswerkes für freiroH« igen Arbeitsdienst folgende Entschließung an die Oesfentlichkeit: ’

1. Der Arbeitsdienst ist eine freie Volksbewe­gung in der deutschen 3ugend. Die Bünde der 3u« aend sind die gegebenen Träger des Dienstes. Das ist das allseitige Ergebnis der Erfahrung und ent­spricht dem Weftnscharakter des FAD., der die Jugend durch Arbeit und Dienst zur Gemeinschaft führen soll. Darum verwahren wir uns mit aller Kraft gegen die Kommunalisie­rung und gegen die Verstaatlichung des FAD.

2. Der hündischen, gesinnungseinheitlichen Trä- gersckaft des Dienstes muß die Führerschaft ent­sprechen. Das gilt für die pädagogische, aber auch für die technische Leitung der Arbeitsdienste, ebenso in gleichem Maße für die Oberleitung wie für die Gruppenführer im FAD., ob geschlossen oder of­fen. Daraus ergibt sich, daß entsprechend der ge­samten bisherigen Praris der FAD.-Bewegung die Führerau.s bild u ng der Bünde und' Gesinnungsgruppen behördlich gefördert und den Führerschulungskursus koordiniert werden muß. Die in diesen hündischen Führerschulungs- lagern ausgebildeten Führer sind ebenso mit den Berechtigungen gemäß dem Erlaß des Reichskom­missars vom 5. 9. 1932 auszustatten.

Allgemein muß in der Frage der Führerschu­lung dreierlei gelten:

1. Es kommt nicht daraus an, technische So­zialisten oder Verwaltungsbeamte für den FAD. heranzubilden, sondern Führer der arbeits- dienstwilligen Jugend. Weltanschaulich verankerte Lebenskunde, Durchbildung für die Gruppenpsychologie und Gruppenpädagogik, prak. tische Vorbereitung für die verschiedenen Zweiae der Freizeitgestaltung sind ebenso wichtige und im Grunde von einer geschlossenen Gesinnungswest aus zu behandelnde Ausbildungsgebiete für die Führer im FAD., wie etwa die einschlägige Ge- setzeskunüe und die Materialverwaltung.

2. Die schon in den Bünden ausgebildeten Führer, insbesondere jene, die gegenwärtig prak-

9eute Mondfinsternis

Sonne

Wie eine Mondfinsternis entsteht:}

Der Mond geht durch den Schatten derjrde:

Mondlauf

Erd:

Unten

II schal^

v« ytond \V Oben

Unsere beiden Skizzen zeigen das Enfftehen und den Verlauf einer fast totalen Mondfinsternis, wie sie am Abend des 14. September zu beobachten sein wird. Die Vollmondscheibe tritt um 20.18 Uhr in den großen Erdschatten ein, von dem sie schließlich zu 98 Prozent bedeckt wird. Um 23.43 Uhr ist die Mondscheibe bann wieder voll sichtbar.

;en

>r-

Wundstij*

//

■

1 Die beste.

lorert tebert ,t fei« jernt Rai« , adel! halt« h be«

AnX r a« i der

zhne et

'S

ht

>e

„Anschluß nach Melchen".

Originalroman von Anna o. P a n h u y s.

32] —---

„Du bist gut, Lissi. Warum soll ich denn die Riesen- bummheit begehen? Herzöge, nach dazu so steinreiche, wie Archibald Grenshire, sind dünn gesät. Mit beiden Händen fasse ich zu. Außerdem gefällt er mir. Ich werde also Herzogin werden."

Lissi sah die Aeltere fassungslos an.

Arna lachte noch mehr.

„Du scheinst es dir geradezu entsetzlich vorzustellen, Herzogin zu werden, deinem Gesicht nach zu urteilen."

Lissi hatte plötzlich Tränen in den Augen. Wie einen ungeheuren Schmerz empfand sie das Unrecht, das die Schwester Joachim Rademacher antat. Sie stieß heftig hervor:

„Dir ist der Titel des Engländers zu Kopf gestiegen und hat dich verwirrt. Wie kannst du den Menschen lieben? Du kennst ihn ja gar nicht. Hast ihn nur ein paar Abendstunden gesehen, noch dazu umgeben von nie- len Leuten. Er kann ja im Privatleben ein unaussteh­licher Gesell sein. Mach dich nicht unglücklich. Wenn du ein ganz armes Mädel wärst, würde ich dich vielleicht "erstehen, aber du kennst keine Sorge und Not, brauchst dich also nicht von Titel und Geld blenden zu lassen."

Frau Falke sah die jüngere Tochter mißbilligend an.

„Was fällt dir eigentlich ein, Lissi, deiner Schwester b*e Freude zu verderben? Ihr gefällt der Herzog, die Gründe dazu sind ja gleich. Die kümmern uns nichts, «penn sie sich über den Antrag des Herzogs freut, müßtest bu dich mitfreuen. Sie ist doch alt genug, sich darüber llar zu sein, was sie zu tun hat."

Lissi dachte an die Nachtstunde auf dem Balkon ihres Hotelzimmers am Titisee, an die stille, sternendurch- pimmerte Märchennacht. Armer Joachim Rademacher!

Sie drehte sich kurz auf dem Absatz um und ging zur , "r. Pan dort wandte sie sich noch einmal um, sagte leise:

., »Denke daran, Arna, der höchste Titel kann kein 'kzeleid still machen."

w bracht 5 Vit iderV ng ’s4 sie i» tnung

Abe« ■ nach te ft' t uns n

battft Ray' odien« habt haar«

Aus' we-x Vhcr,

Die beiden Zurückgebliebenen sahen sich ein paar Se­kunden lang sprachlos und verblüfft an, dann lachten beide gleichzeitig und Arna meinte kopfschüttelnd: „Sie muß irgendeinen sentimentalen Roman gelesen haben." Sie äffte Lissi pathetisch nach: „Denke daran, Arna, der höchste Titel kann kein Herzeleid stillmachen!"

Beide lachten wieder. Arna dünkte alles lustig, die Schwester und ihre Reden, sie empfand Uebermut. Es war doch auch eine zu wundervolle Botschaft, die sie vor­hin erhalten. Sie schwenkte den Brief hoch. „Jetzt muß Vater das Neueste hören!"

Frau Falke nickte. „Er ist in seinem Zimmer, wir wollen gleich zu ihm gehen."

Als sie bei dem Hausherrn eintraten, sanden sie schon Lissi dort, die mitten in einem lebhaften Satz abbrach, als Mutter und Schwester kamen.

Peter Paul Falke sah sehr ernst aus.

„Ich glaube zu wissen, was ihr mir mitteilen wollt. Ich bin durch Lissi schon vorbereitet, und erfuhr, der Her­zog von Grenshire hat dir, Arna, einen Heiratsantrag gemacht. Ich siche nun ganz auf Lissis Standpunkt, du kannst einen Menschen, den du kaum kennst, nicht so sehr lieben, um dich gleich mit ihm zu verloben. Da mühte er sich doch wenigstens erst für längere Zeit in unserer Nähe festsetzen und dir Gelegenheit geben, ihn kennen­zulernen."

Arna dachte, vielleicht würde dem Herzog eine der­artige Bedingung nicht gefallen. Auch durfte sie solche Bedingung kaum stellen, nachdem sie zu Bicki von ihrer Liebe gesprochen und Bicki durch das Weitergeben dieser Worte den Herzog erst dazu gebracht hatte, seinen An­trag so schnell zu stellen. Wie durfte sie jetzt die Be­dingung eines längeren Kennenlernens stellen, nachdem die geschickt angebrachte Lüge von ihrer Liebe den Herzog zu so raschem Entschluß getrieben.

Sie warf Lissi einen empörten Blick zu.

„Es tut mir leib, Vater, wenn ich dir widersprechen muh. Ich liebe den Herzog, mag er im Wesen und Cha­rakter sein wie er will Ich werde ihn lieben geradeso wie er ist. Es gibt eine Liebe auf den ersten Blick. Er und ich, wir haben das beide an uns erfahren "

Lissi schüttelte traurig den Kopf.

„Wie wäre es um deine Liebe auf den ersten Blick

bestellt, wenn der Engländer keinen Herzogstitel besähe, wenn er einen ganz einfachen Namen hätte?"

„Dann wäre alles genau so. Dah Archibald Grenshire aber ein Herzog ist, gefällt mir, ich gestehe es ehrlich, natürlich besser, als wenn er nur Mister Grenshire hieße. Und daß ich so denke, kann mir doch niemand verdenken. Aber ich habe ihn lieb und ich darf mir nichts drein­reden und mein Glück kaput machen lassen, weil Lissi phantastisches Zeug redet, Vater. Ich liebe den Herzog und das genügt, meine ich. Was weiß denn Lissi von der Liebe!"

Lissi wandte sich ab. Was weiß denn Liffi von der Liebe! Wie heller Spott klangen die Worte aus dem Mund der Schwester, die um eines hohen Titels willen den Mann verriet, von dem sie sich hatte küssen lassen. Die den Mann verriet, der sie liebte, wenn er seine Liebe auch für aussichtslos hielt. Und sie hatte ihn getröstet: Wenn die Bergbahn fertig wäre, sollte er der Schwester alles gestehen. Liebe fei nicht kleinlich, alles würde gut werden. Und Arna liebe doch nicht feinen Namen, son­dern nur feine Person, ob er nun so oder so heiße.

Wie falsch hatte sie die Schwester beurteilt. Sie schämte sich vor Joachim Rademacher.

Sie wandte sich wieder Arna zu.

„Ich wollte dich nur warnen, ich hielt das für meine Pflicht. Aber schließlich kommt es ja gar nicht daraus an, wie ich über alles denke. Du mußt am besten wissen, was du tust und tun darfst. Wenn du den Herzog liebst, dann wünsche ich d-r viel Glück."

Arna lächelte: „Endlich sängst du an, dich vernünftig zu betragen, Kleines."

Sie wollte Lissi umarmen, aber ihre Hände glitten ab, Lissi war zurückgetreten und ging still aus dem Zimmer.

Frau Falke zuckte die Achseln.

„Sie steckt voll Romantik bis über die Ohren. Anschei­nend hätte es ihr besser gefallen, Arna entschiede sich für einen Werkmeister oder Kranführer der Gesellschaft „Rheinland". Man ärgert sich unwillkürlich über sie, trotzdem ihr Getue wirklich komisch ist." Sie sah ihren Mann an. „Arna und ich freuen uns sehr über den An­trag des Herzogs."

Peter Paul Falke rieb sich die Stirn und seufzte ein wenig, bann wandte er sich Arna zu und wiederholte wörtlich, was Lisfi vorhin gesagt: „Du mußt am besten wissen, was du tust und tun darfst. Wenn du den Her­zog liebst, bann wünsche ich bir viel Glück."

Er zog bie Tochter in feine Arme unb küßte sie.

Lissi hatte ihm vorhin ein wenig eingeheizt, ihn alle» mit trüben Augen ansehen lassen. Eigentlich war es boch wirklich nicht so übel, wenn Arna eine Herzogin würbe. Sie war schön unb klug, bas Krönlein paßte für sie. Eine kleine Eitelkeit kroch heran wie ein glattes Schläng» lein, Vater einer Herzogin sein, war boch nichts Häß­liches.

Lisfi hatte ihm vor ber Verbindung Amas mit Ar­chibald Grenshire Angst gemacht wie vor dem höllischen Feuer.

Er dachte an Lissi und gab feiner Frau recht. Wirk­lich, Lissi steckte voll Romantik bis über die Ohren, und es hätte ihrem romantischen Sinn wahrscheinlich besser gefallen, wenn Arna sich mit einem feiner Angestellten zu verheiraten wünschte. Er umarmte Arna fester, flü­sterte: „Eine schöne junge Herzogin kriegt der Engländer, den ich noch nicht mal kenne!"

Lissi aber hatte sich in ihr Zimmer eingeriegelt mit ihren drei Wolfshunden, mit dem Dackel Schwarznäs­chen und ihrem wilden Fox. Sie hockte in der unglück­seligsten Haltung der Welt auf einem Stuhle, und ihr Gesicht war tränenüberströmt.

Die klugen Tiere merkten, ihre gute Herrin war trau­rig und schnupperten um sie herum, leckten ihr Hand und Kleid.

Lissi lächelte unter Tränen: „Ihr seid ohne Falsch, euch kann man vertrauen, aber —"

Ein neuer Tränenstrom verhinderte sie, den Namen ber Schwester anklagend auszusprechen. Und die Tiere hätten sie ja auch nicht verstanden. Sie begriffen nur, ihre gute Herrin war traurig, sonst würde sie, statt so verzweifelt starr dazusitzen, doch mit ihnen herumtollen.

Lissi schämte sich vor Joachim Rademacher, schämte sich für die Schwester.

(Fortsetzung folgt.)