Einzelbild herunterladen
 

Beilage zur Fuldaer Zelkung

14. September.

11 I

Heimkehr.

Ich bin aus irren Fernen In mich zurückgekehrt, Die Welt in des Busens Tiefe Ist wohl die verlorne wert. Was außen tönet, das steiget hinein in mein Heiligtum: lind was die Brust mir beweget. Das ist mein Eigentum.

C h a m i if f o.

Bauer und Arbeiter.

Zu der ArtikelreiheArbeitslose auf dem Lande" schreibt uns ein Jungbauer:

Die Frage, wer denn nun anfangen muß, wenn etwas zur Schaffung der Dorfgemeinschast geschehen soll, der Bauer oder der Arbeitslose, möchte ich nicht so eindeutig mit:der Bauer" beantworten. Es wird dabei sehr auf die Zeit und auf die Berhält- nisse ankommen. Jetzt vor dem Winter wäre der Bauer an der Reihe zu Helsen, während der Erntezeit vom Hochsommer bis Herbst aber auch der Arbeitslose. Beide müssen sich mit ihrem ge­genseitigen Helsen ablösen. Wo das geschieht, wird man kaum von Unverständnis und Hartherzigkeit auf der Seite des Bauern reden können

Beide, Arbeitslose und Bauern, kommen sich durch gemeinsame gegenseitige Unterstützung auch in ihrem Verstehen näher. Es liegen nicht nur auf der Seite des Bauern Pflichten, sondern auch auf der des Ar­beitslosen. Den Satz:W oNotist, greift man $u und hilft, auch wenn nichts dabei zu ver­dienen ist", muß man somit nicht nur dem Bauer ins Ohr rufen wollen, sonoern ebenso deutlich auch dem Arbeitslosen. Es gehört sich auch nach meiner Meinung nicht, daß man einen Menschen erst betteln läßt. Ebensowenig gehört es sich aber, ouf das Betteln oder was viel häufiger oorkommt, sich auf das Stehlen zu verlassen, wenn mehr als genug Gelegenheit im Dorf gegeben ist, sich sowohl das Betetln als auch das Stehlen zu ersparen.

Es ist kein Arbeitsloser auf dem Lande in der tat- sächlichen Notlage, daß er betteln oder stehlen müßte. In vielen Dorfgemeinden haben sich trotzdem in den letzten Jahren neue Methoden des abendlichen ober nächtlichen Felddiebstahles herausgebildet. Es sei nur an das Aus­dreschen von Erbsen auf dem Acker, an das Abschneiden van Korn- und Weizenähren oder Haferrispen, an das Stehlen von Weißkohl und Runkelrüben ober Klee erin­

nert. Dabei besteht genug Gelegenheit, das, was man bettelt ober stiehlt, sich burch ehrliche Arbeit zu verbienen, aber diesen Weg vergißt man scheinbar ganz.

Wirft man einen Blick in die Dorfwirtschaft, kann man bald beobachten, daß sich ein Bauernjunge nicht so die Zigaretten und Biere bestellen kann wie viele Ar­beitslose das seither getan haben, und er würde es auch bann nicht tun, wenn er finanziell in einer besseren Lage wäre. Das meiste Feinbackwerk wirb innerhalb bes Dor­fes nicht von ben Bauern gekauft, sonbern von ben Fa­milien, in benen mehrere Arbeitslose vorhanben sind. Die Ansprüche gehen häufig über die gegebenen Verhältnisse hinaus. Mit dem Augenblick, mit dem man gezwungen wirb, sich etwas einzuschränken, stellt man an bie so wie so schon überlastete Gemeinbekasse Unterstützungs­ober Beihilseanträge, statt selbst Hanb anzulegen. Man tut vom erzieherischen Stanbpunkt aus einen größeren Dienst am Mitmenschen, wenn man ihm statt barer Münze bie Gelegenheit gibt, sich biese Münze zu verdie­nen. Daran haben aber in den letzten Jahren wenig jugendliche Arbeitslose Geschmack gehabt. Man hielt sich, wenn bie Gefahr bestaub, um ein Mithelfen angespro­chen zu werben, in Deckung ober gab gar noch in Haufen auf Treppenstufen, auf unbenutzten Wagen ober auf Holzstangen zusammen sitzenb Aergernis burch Zigaret­tenqualmen, Schokolabeessen ober unangebrachte Bemer­kungen wie:Uns gehts gut! Die Arbeit ist für bie Dummen! Bei ber Regierung wirb gehalten! Zur Feuerwehrübung mögen bie gehen, die Scheunen haben, mir brennt ja keine ab."

Der Versuch,eine Art Gewaltherrschaft auszuüben" und zu verlangen, daß bie Leute auf Wink und Pfiff bereitstehen,sich zu Grobheiten berechtigt glauben, wenn ber Arbeitslose einmal nicht zu Hause ist, wenn er gerabe gebraucht wirb", würbe zu einem glänzenden Fiasko führen. Wer, ob arbeitslos oder nicht, läßt denn heute noch in diesen Tönen mit sich umgehen? Und welcher Bauer findet denn eine so bereitwillige Arbeiterschaft, bie aus Wink unb Pfiff kommen würbe. Jeder Bauer muß, da eine große Scheu vor der Landarbeit besteht, seine Leute wirklich suchen.

Es gibt erfreulicherweise aber auch eine Reihe von Fällen, in denen Arbeitslose unb Bauern Hanb in Hand arbeiten. Der Arbeitslose hilft vielleicht auch mit seiner Frau seinem benachbarten Bauer. Dieser macht bafür die Feldbestellung seines Mithelfers, gibt ihm ab und zu eine kleine SReparaJurarbeit, z. B. Einmauern der Krippen im Stall, Ausbesfern der Gartenmauer ober bes Hofes, was hinwiederum in Bargeld ober in Naturalien bezahlt wirb.

Möge dieses harmonische Verhältnis in unfern Dör­fern wieder eine allgemeine Erscheinung werden.

Neues heim für die Fuldaer MV-Zugeud.

Dem Beispiel anderer Vereine folgend, hat sich nun auch die Jugend des Fuldaer KKV. ein eigenes Heim geschaffen. Ein in dem Dachgeschoß des Hauses der Firma C. A. Arnd in der Karlstraße gelegenes ge­räumiges Zimmer ist für die Zwecke ber Jugenbarbeit vom Verein gemietet und durch entsprechenden Umbau unb gefällige Ausgestaltung zu einem behaglichen Aufenthaltsraum für bie jugendlichen Mitglieder her- gerichtet worden. Das in freundlichen Farben gehaltene, einfach, aber recht wohnlich ausgeftattete Heim, das in (einer luftigen Höhe dem Tageslärm ziemlich entrückt ist, soll den verschiedenen Arbeitsgruppen der KKV.- Jugend eine Stätte bieten, wo sie ungestört ihrer auf geistige Vertiefung und fachliche Fortbildung gerichteten Arbeit nachgehen können und darüber hinaus ben jugend­lichen Mitgliedern Gelegenheit geben, sich mit Gleich­gesinnten ohne den üblichen Alkoholgenuß zu sroher Ge­selligkeit zusammen zu finben. Nach monatelanger Ar­beit, bie zum großen Teil von ben Mitgliebern selbst geleistet worben ist, würbe das Heim jetzt bezugsfertig. Mit einem feierlichen Akt, an dem neben ben Mitglie­dern des KKV. auch eine große Zahl von Ehrengästen teilnahm, ist es am Sonntagoormittag um 11 Uhr fei­ner Bestimmung übergeben worben. Die stimmungs­volle Feier war umrahmt von musikalischen Darbietun­gen der vorzüglichen Hauskapelle des Vereins, bestehend aus den Herren H. Schwarz (Violine), I. Schwarz (Cello) Kollmann (Klavier). Der Festmarsch über Themen aus Beethovens Es-dur Konzert leitete die Feier ein.

Dann eröffnete ber Vorsitzenbe bes Kath. Kaufm. Vereins Fulba, Bankbirektor E n b e r s, ben feierlichen Akt mit einer Ansprache, in ber er zunächst bie er­schienenen Ehrengäste willkommen hieß. Er begrüßte u. a. als Vertreter ber kirchl. Behorben H. H. Domkapitu­lar Mock, bie Herren Geistl. Rat R ü b f a m unb Prof. Scheller, weiter Hrn. Oberbürgermeister Dr. Danze- brint als Oberhaupt ber Stabt, ferner bie Vertreter ber Fulbaer Geschäftsstelle der Jnbustrie- und Handels­kammer Frankfurt, die Herren Weingroßhändler Ed. Schmitt und Syndikus Dr. W e y m a r, die Rektoren der dompfarrlichen unb stabtpfarrlichen Schule unb bie Vertreter ber kath. Vereine sowie bes DHV. unb GDA. Außerbem hieß er das Ehrenmitglieb bes Vereins, Herrn Direktor P a r z e l l e r sowie bie Vertreter ber Familie Arnd willkommen. Im weiteren Verlaufe feiner An­sprache gab der Vorsitzende feinem Bedauern darüber Ausdruck, daß der Ehrenvorsitzende des KKV., Bank­direktor Singer, infolge ernstlicher Erkrankung nicht an der Feier teilnehmen könne. Er entbot dem Ehren­mitglied bie Grüße bes KKV. unb oerbanb damit die Hoffnung auf recht baldige Genesung.

In einem kurzen Rückblick auf die Geschichte des Ver­eins erwähnte ber Vorsitzenbe bie wichtigsten Daten, die in den Annalen des Fuldaer KKV. verzeichnet sind, angefangen von der Gründung am 9. Januar 1877 bis zumGoldenen Jubiläum" im Jahre 1927. Von den Gründern leben heute noch die Herren Fabrikant Ri­chard Schmitt und Kaufmann Walter Plappert. Dank der tatkräftigen Arbeit d«s seinerzeitigen Vor­sitzenden Herrn Singer und des jetzigen Ehrenmitglieds Parzeller fei es möglich gewesen, den Verein über die schwierige Kriegs- unb Nachkriegszeit glücklich hinwegzu­bringen. Die besonbere Sorge ber Vereinsleitung gelte heute ber KKV.-Jugenb. Leiber habe man bie Arbeit nicht so intensiv gestalten können, wie es bie Wichtigkeit ber Aufgabe erheischt. Das Haupthinbernis lag darin, daß dem Verein kein eigenes Heim für die KKV.-Jugenb Zur Verfügung ftanb. Jetzt fei btefer Mangel burch bie Schaffung bes neuen, freunblich eingerichteten Jugenb- heims glücklich behoben worben. Mit einem Dankeswort an bie Familie Arnd, bie ben Raum zur Verfügung stellte, übergab der Vorsitzende die Schlüssel bes Heims dem Leiter des Jungmännerrings unb ber Jugenbabtei-

lung bes KKV., Herrn Ferbinanb Gutberlet, dabei den Wunsch aussprechend, daß Gottes Segen über ber Arbeit, bie hier geleistet werde, ruhen möge.

Der Leiter des Jungmännerrings, Herr Ferdinand Gutberlet, legte in einer kurzen Ansprache Arbeits­ziele und Arbeitsweise der Jugendabteilung dar. Nach einem Dank an alle, bie mithalfen, bas schone, freunblich ausgeftattete Heim zu schaffen unb einem Will, kommengruh an bie Ehrengäste schloß er mit bem Wahl­spruch ber KKV.-Jugenb: Kreuzschiff voraus!

Nach einer musikalischen Einlage nahm Oberbürger­meister Dr. Danzebrink das Wort. Er betonte, daß es ihm eine angenehme persönliche und dienstliche An­gelegenheit sei, der Eröffnung des neuen Jugendheimes des KKV. beizuwohnen. In einer Zeit, in der bie öffent­lichen Behorben alle Kraft daranfetzen müßten, gegen ben kulturellen unb wirtschaftlichen Niebergang anzu­kämpfen, mache es ber Stabtverwaltung eine besondere Freude, einmal einem Akt des Wiederaufbaues beizu­wohnen. Es fei ein Zeichen von Energie und Tat­kraft, wenn ausgerechnet in diesen Tagen allgemeiner Depression ein neues Werk ins Leben gerufen werde, das zukunftsfroh neue Wege suche unb ber Jugenb einen neuen Hoffnungsstrahl gebe. Mit Recht habe sich bie KKV.-Jugenb als Wegweiser auf bem Ozean bes Lebens bas Kreuzfchiff gewählt. Vorwärts mit Gott in bie Welt, bas fei ein guter beutfcher Kaufmannsgeist. Der KKV. fei stets mit ben (ebenbigen Kräften unserer Hei- matftabt verwachsen gewesen, feit jeher hätten führenbe Männer bes KKV. auch führenb bie Geschicke bes öffent- lichen Lebens gestalten helfen. Auch heute wirke ber Vorsitzenbe bes Vereins an führenber Stelle in ber Kom­munalverwaltung. Die Arbeit an ber Jugenb, bie ber Verein so tatkräftig ausgenommen habe, werbe bem Kaufmannsberuf unb ber Allgemeinheit zustatten kom­men. Um so schneller lasse sich die gegenwärtige Not überroinben, wenn Kräfte bes Willens unb bes Charak­ters sich unter einer starken Führung burchsetzten. Möge bie Arbeit, zu ber heute ber Grunb gelegt würbe, von Erfolg gekrönt fein!

Als Vertreter ber Hanbelskarnmer überbrachte Wein- großhänbler E. Schmitt Grüße unb Wünsche. Er be­tonte, baß er biese Wünsche um so lieber ausspreche, ba er seit vielen Jahrzehnten mit ber Arbeit bes KKV. ver- bunben fei. An biefer Arbeit nehme auch bie Hanbels- tammer herzlichsten Anteil. Habe hoch ber Verein an ben beruflichen Interessen bes Kaufmannsstanbes stets tatkräftigen Anteil genommen. Diese beruflichen In­teressen bes Kaufmannsstanbes zu pflegen unb zu för» bem, sei auch ein Teil ber Arbeit an ber KKV.-Jugenb. Sie gelte ber Ertüchtigung bes kaufmännischen Nach­wuchses. Nach ben sittlichen Verwüstungen ber Kriegs- unb Inflationszeit fei es eine nationale Pflicht, ben Be­griff bes ehrlichen Kaufmanns mieber zur vollen Ehre zu bringen. Der Rebner schloß mit bem Wunsche, baß aus bem neuen Heim eine Jugenb hervorgehen möge, die diesem alten guten deutschen Kaufmanns-Ideal ent­spreche.

Im Namen der Ehrenmitglieder des KKV. Fulda ent­bot Direktor Parzeller der Kaufmannsjugend herz­liche Glückwünsche. Er wies darauf hin, daß er im Jahre 1893 die erste Lehrlingsadtellung des KKV. habe mitbegründen dürfen. Daß die Bemühungen mit Erfolg gekrönt worden seien, beweise ber heutige Tag. Im Sinne ber VerbanbsbeviseEhrlich im Hanbel, christlich im Wanbel" wünschte ber Rebner ber Arbeit in bem neuen Heim ein herzlichesGlück auf".

Nach einem kurzen Dankeswort bes Vorsitzenben für bie freunblichen Wünsche unb wegweisenben Worte, bie von ben verschiedenen Rednern ausgesprochen wurden, fand die Feierstunde mit einem Musikstück ber Kapelle ihren Ausklang.

Sturmtag in Geisa.

Der Geisaer Sturmruf war durch die Kreise er­klungen und gehört worden. Die Vorbereitungen zum Empfang der Vielen waren getroffen, (Seroitterfturm leitete am Samstag abend zu bem großen Sturmtag in Geisa über.

Der Sturmsonntag.

Geisa in reichem Flaggenschmuck. Dräuende Wetter­wolken am Himmel unb Sturmgeheul in den Bäumen. Ein Tag zum Stürmen! Der frühe Morgen fand die Geisaer Jungmannen an der Komunionbank. Sie woll­ten den Tag mit Christus bem großen Führer begehen. Währendbessen war Eisenach mit Sang unb Klang ein­gezogen. Im Festgottesbienst würbe bas neue Banner auf schwarzem Grund bas rote Christuszeichen geweiht unb seinem Verein zum Sturmzeichen überge­ben. Der Festprediger Dr. Wahl, Fulda, ermahnte bie Jungmänner, tnesem leuchtenden Christuszeichen stets mit Opfermut zu folgen und li-fe durch keine Beschimp­fung von dem hehren Ziele abbringen zu lassen. Katho­liken der Tat zu sein, b. h. lebendige Gemeinschaft mit Christus zu halten und in dem Nebenmenschen den Bruder, ben Diener Christi zu sehen.

Der Mittag brachte bann die vielen Gäste, die in der Heimatpfarrei das hl. Opfer mitangehört hatten. Aus Nah und Fern kommen sie herbeigeeilt, diese tap­feren Stürmer, Freude auf ben Gesichtern, Sonne hn Herzen. Trupp für Trupp rückt geschlossen an und lockt die Bewohner an bie Fenster mit ihrem frohen Sang. Am ©tabtetngang formiert sich bas Trommler- unb Pfeiferkorps Oberufhausen zum Einzug in bie hi­storische Stadt. Als ihr Trommeln unb Pfeifen durch die Straße schallt, ba roirbs lebendig. Kinder flankieren die fremden, schneidigen Spieler. Die Netteren umsäu­men bie Straßen, unb ihre Mienen sprechen Staunen und Bewunderung aus. Ja, diese jungen Trommler ge­hören zu jedem Fest, sie bringen Stimmung m bie Rei­hen.

Der Sturm beginnt. Hunderte ziehen in die Kirche eht, sich ber Mutter und Königin Maria zu weihen. Segne Mutter, Segne Mutter unfern Bund.

Es geht hinaus zum Gangolfsberg zur öffentlichen Kundgebung. Diele kommen gerade noch zur rechten Zeit. Trommelwirbel fetzt den großen Zug in Bewe­gung, an dem über 500 Jungmänner teilnehmen. Auch ein kleiner schwarzer Block ist in dem Zuge.

Prolog, Lieder und ©turmrebe bes Herrn Lehrers Tertilt weisen auf bie Bedeutung bes Sturmtages hin unb fordern die Jungmannen auf, in den Landen zu stürmen, deutsche Jugend durch Wort unb Tat für Christus zu gewinnen.Heiligem Kamps find wir ge- wecht!" In dieser Festesstunde vergißt man auch nicht die Gefallenen, bie fürs Vaterland gestürmt haben.

Der Festzug.

An der Spitze bas Trommlerkorps, die Musikkapelle Geisa mit klingendem Spiel in ber Mitte. Die Banner wehen unb das Christuszeichen leuchtet tn ber hellen Mittagssonne. Die Straßen umsäumt von staunenden Zuschauern! Man hat selten ht Geisa einen solchen Tag gesehen. Wann tretet ihr in unsre Reihen, ihr jungen Kameraden und helft uns stürmen für Christus?

Der Festsaal ifann bie große Masse gar nicht fassen, und viele müffen sich vor ben Fenstern ein Plätzchen suchen.

Die Festoersammlung.

Ein schneidiger Marsch eröffnet die Versammlung. Der Präses des Geisaer Jungmännervereins, Dr. G ä r t- ner begrüßt mit freudigen jugendfrischen Worten die erschienenen Jungmänner, besonders die Präsides unb bie Vertreter ber Stadt Geisa. Lieder unb Musikstücke, Prologe und feurige Reden reißen bie jungen Herzen zu heller Begeisterung mit. Jrn Mittelpunkt der Saal­feier steht bie Rütli-Szene aus Teil, gespielt von Gei­saer Jungmannen. Beim Hochgehen bes Vorhanges geht ein bewunderndes Ah! durch bie Reihen ber stum­men Zuschauer. Die Spielleitung hatte ein treffliches Bühnenbild entworfen. Die Spieler haben ihre Rol­len gut eingeübt, und sie ernten von den Zuschauern rauschenden Beifall.Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern!", ja, Jungmannen, bas wollen wir fein, wenn wir wieder im Alltag stehen. Diözesanpräses Dr. Wahl bringt die herzlichsten Grüße vom hochwürdig­sten Herrn Bischof, die von der Jugend begeistert er- roibert werden.Heiligem Kampf sind wir geweiht --"Christus, Herr der neuen Zeit!" das ist Sinn unb Zweck bes Sturmtages unb soll als unser Leitstern im täglichen Leben gelten. Die glänzende Festveriamm- lung sand ihren schönen Abschluß durch einen Marsch bes Trommlerkorps.

Der Sturmtag ist vorbei. Jrn Westen dräuhen die Wetterwolken, und eilig brechen die Gäste zum Heimweg auf. Sturm nach innen und Sturm nach außen, kämp­fen sich die Jungmannen durch Sturm und Regen bem Vaterhause zu.

Treu heili

Eine Stunde für den V. D. A.

Im Rühmen seiner Werbewoche veranstaltete am vorigen Samstag vormittag berVerein für bas Deutschtum im Auslände" eine Werbestunde für alle Schüler der höheren Lehranstalten Fuldas im Stabt- saal. Der ©aal war dis auf den letzten Platz gefüllt, als Herr ©tubiertrat Vonberau, ber rührige Leiter ber Ortsgruppe bes V. D. A., in kurzen Worten ver­suchte, alle bem Gebauten für bie große- Not ber Aus- lanbsbeutschen näher zu bringen. Sodann betrat

$rL Hessenauer-Sassel

bas Rednerpult.

Sie legte in ihrem Dortrage etwa folgenbes aus- einanber:

Der D. D. A. ist im deutschen Kulturleben ein Fak­tor geworden, mit dem man rechnen muß, weil ber Verein gewillt ist, Wege zu gehen, bie über allen parteipolitischen unb konfessionellen Gegensätzen mit zäher Zielbewußtheit nur bas eine soll: Den Gedanken Oer deutschen Volksgemeinschaft allen einzuhämmern, und aus allen Deutschen bewußte Deutsche zu machen, bie bie gegenseitige Zusammengehörigkeit empfinden unb bie damit verbundene gegenseitige Verantwortung als eine selbstverständliche Pflicht anerkennen.

Der V. D. A. ist bas Gewissen bes beutschen Volkes, das jeben Deutschen an seine Pflicht mahnt, eingedenk zu sein dessen, was uns durch bie Friedensverträge ver­loren ging. Nicht zu vergessen bie Millionen Deutschen, bie an ben Grenzen und im Ausland auf Vorposten 1

stchen und große Not leiden. Nicht zu vergessen bie 50 000 in Norbschleswig, bie 50 000 in Eupen, Malmedy, bie uns von ben Belgiern entrissen wurden; bie Elsaß- Lothringer unb bie Tiroler, bie man auch vom deut­schen Vaterland getrennt hat.

Die Entscheidung unseres Schicksals liegt im Osten. Die polnische Grenze verläuft 200 Kim. von Berlin ent­fernt! Man muß feftftellen, bas in diesem Gebiete 450 000 Polen unb 850 000 Deutsche sich gegenüberstehen. Der beutsche Osten war in vorgeschichtlicher Zeit von Germanen bewohnt. Durch bie Versailler Verträge wurden 90 Prozent bes Bodens enteignet unb über eine Million Deutsche ausgewiesen, bie zurückgebliebe­nen Deutschen werden von ben Polen bauernd ge­quält. Man verhaftete Seelsorger bei ber Andacht, Lehrer beim Unterricht. Immer wieder bringen bie Hllferufe in bas Reich. Sollen wir bann noch untätig bleifeen? Trotz ber Not, bie wir selbst verspüren müs­sen, ist es unsere Pflicht, unseren deutschen Brüdern im Auslande zu helfen. Wir können auf alle mögliche Art helfen. Jede Gabe wird von ben Ausländsdeutschen gerne entgegengenommen. Nehmen wir bie Worte ber ostpreußische Dichterin tief in uns auf:

Heber der Weichsel drüben

Vaterland hör uns anl

Wir sinken

Wie Pferd und Wagen sinken im mahlenden Sand!« Recke aus deine Hand, Daß sie uns hält.

Die allein uns helfen kann!

Deutschland heil'ges Land Vaterland!

Mit diesen Worten Schloß die Rednerin ihren packenden Dortrag, der dem V. D. A. gewiß wieder viele Freunde erworben hat. Der Fuldaer Bür­gerschaft ist morgen Wend Gelegenheit gegeben, das Deutschtum im Auslande durch den Besuch des Wiener Wends zu unterstützen. Eintrittspreis für Schüler 40 Pfg. und für Mitglieder 20 Pfennig.

Aus ben katholischen verbanden.

Diözesantag bes katholischen Jungmänuerverbandes ' in Frankfurt a. 21t.

Der katholische Jungmänner-Derband der Diözese Limburg hielt am Samstag unb Sonntag in Frankfurt a. M. seinen dritten Diözesantag ab, zu bem mehrere Tausend Jugendliche aus allen Teilen Nassaus in bie Mainstadt gekommen waren, um hier in ernsten Bera­tungen und in einer machtvollen Kundgebung für bie Aufgaben und Ziele bes Verbandes zu demonstrieren. Schon bie Begrüßungsversammlung im Volksbildungs- heim, ber eine Vertreter!agung im Haus ber Jugend vorangegangen war, war überfüllt. Diözesanpräses Dirichs-Limburg sprach über .Lugend, Kirche unb Volk", während Stadtrat Singnau ben Diözesantag im Namen bes Magistrates der Stadt Frankfurt willkom­men hieß. In einer großen Festtagung im Haus der Jugend zeigten dann Reichsobmann Albert Steiner* Düsseldorf unb Reichstagsabgeordneter Professor Dr. Friedrich Dessauer ben versammelten jungen Menschen, wie sie ihr Leben gestalten Müssen, um später einmal für Volk unb Vaterland eintreten zu können. Höhe­punkt ber Tagung war ber schöne Festzug, der sich in ben stützen Nachmittagsstunden vom Opernplatz durch bie Innenstadt zum Römerberg bewegte, wo sich etwa 8 bis 9000 Menschen zu ber großen Kundgebung versam­melten, voran die Fahnen unb Standarten ber verschie­denen Bünde, geleitet von mehreren Musikkapellen, zu denen sich bie Klampfenchöre ber Jugendlichen gesellten. Der Aufmarsch, ber sich in musterhafter Ordnung voll­zog, bauerte etwa 20 Minuten, dann sprach wieder vom Römerbalkon Reichsobmann Albert Steiner-Düsseldorfs ber bie geistige und leibliche Not des deutschen Volkes schilderte, bas nach Arbeit hungere und das in ber Ju­gend bie große Kraft sehe, auf deren Schultern der Wie­deraufbau bes Vaterlandes sich vollziehen müsse. Die junge Gemeinschaft sei sich bewußt in bem großen Op­fergedanken für bas Volk, den sie immer unb allzeit ver­treten wolle. Dann sprach, von begeisterten Heilrufen empfangen, der Bischof von Limburg Dr. Antonius Hilstich. Auch er betonte, daß es gerade die Jugend sei, die für das deutsche Volk eine hehre Mission zu erfül­len habe, bie burch friedlichen Ausbau und intensive Arbeit dafür sorgen müsse, daß die Wirtschaftsnot unb bie geistige Verarmung überwunden werde. Der Geist der neuen Zeit, deren Morgenröte hoffentlich bald auf- steige, müsse ein Geist ber Liebe unb ber Brüderlichkeit sein. Sehnliche Gedanken vertrat auch ber Diözesanse- fretär Litzinger, in dessen begeistertes Hoch auf bas Va­terland bie vielen tausend jungen Menschen stürmisch einftimmten. Das Deutschlandlied beschloß die Kund­gebung. Dann zog man unter dem Geläute ber Dom- glocken mit Musik in ben hohen Dom, wo ein vom Bi­schof gesungenesTe Debum" die Tagung beschloß. R 5DL

Sfurmfag in GrotzenlÜder.

Am Sonntag, ben 18. Sept., veranstaltet ber kath. Jungmännerverein Großenlüder feinen Sturmtag, ver­bunden mit Einweihung bes neuen Sportplatzes ber DJK.

Programm.

7.30 Uhr hl. Messe unb Generalkommuion.

9.30 Uhr Levitenamt.

13.30 Uhr feierliche Anbacht mit Ansprache unb Ab­legung bes Fulbaer Bekenntnisses. Danach Zug zum Sportplätze. Begrüßung, Weiherebe. Sportkämpset 1. Dreikampf. 2. Turnen: a) ber (Sauriege; b) Turnen ber einzelnen Turnabteilungen. 3. Handballspiel: DJK. FuldaDJK. Großenlüder.

Abends 19% Uhr Zug der Jungmänner nach bem Langenberg zur öffentlichen Kundgebung. Feuerweihe unb Schlußandacht in ber Bergkapelle.

Die Jungmänner- unb Gesellenvereine ber Umgegend sowie bie DJK.-Abteilungen sind freunbl. eingelaben.

Sturm-Heil!

Kath. Jungmännerverein Großenlüder.

Lebensweishett.

Das erste Gesetz bes guten Tones ist: Schone fremde Freiheit, bas zweite: Zeige selbst Freiheit. (Schiller.)

O konnte man im Buch bes Schicksals boch lesen! Der froheste Jüngling, schauend seine Bahn, wie hier Gefahr gedroht, dort Leiben nahen, er schloß bas Buch unb setzte sich unb stürbe. (Shakespeare.)