Mittwoch, 14. September 1932
Mrg. 59.
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Zertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. A mtlichesKreisblatt.
Die Haltung der NSDAP.
Der Leitartikel des „Völkischen Beobachters" der von Alfred Rosenberg stammt, hält an der Fiktion fest, daß die Reichstagsabstim-
lung vorübergehen kann, daß sie das politische und nationale Gefüge des deutschen Volkes in einer Weife erschüttert hat, die ihr die Verwirklichung bester Absichten unmöglich macht. Dem Reichstaa ist es dank der energischen Geschäftsführung seines Präfidiums gelungen, sich einen Abgang zu verschaffen, der ihn als gleichberechtigten Faktor neben dem Reichspräsidenten in voller Handlungskraft zeigte. Wenn die Regierung Wert darauf legt, die Dinge verfassungsmäßig sick entwickeln zu lassen, gibt es setzt nur noch eins, die Entscheidung
Volkes innerhalb der verfassungsmäßigen Frist. Wurde die Reichsregierung etwas anderes beabsichtigen, dann wäre es an der Zeit, das Haupt zu verhüllen."
Der Auswärtige Ausschuß des R e i ch s t a g s ist für 3 Uhr nachmittags zufam» mengerufen worden. Es sollen der Lausanner Vertrag und die Abrüstungsfrage besprochen werden.
Reichskanzlers noch nicht begonnen hatte und daß der Präsident selber die Abstimmung noch nicht als begonnen ansah. Damit steht fest, daß dem Reichskanzler ge- ichäftsordnungs- und verfassungswidrig das Wort versagt worden ist. Infolge dieses Verhaltens des Reichs- tagspräfidenten war der Reichskanzler genötigt, die Verordnung des Herrn Reichspräsidenten, die die Auflö- !ung des Reichstages verfügte, in der Weise dem Reichstage zu übermitteln, daß er sofort nach der wiederholten Ablehnung der Worterteilung die Urkunde dem Reichs» tagspräsidenten übergab. Mit der Uebergabe der Urkunde trat die Auslösung in Wirksamkeit. Jede weitere Tätigkeit der noch versammelten Abgeordneten entbehrte damit der verfassungsrechtlichen Grundlage. Beschlüsse des Reichstages über die Aufhebung der Notverordnung vom 4. September dieses Jahres und über die Entziehung des Vertrauens liegen daher nicht vor.
Ungeachtet dieser klaren Rechtslage hat der Präsident des Reichstages an den Reichskanzler in den gestrigen Abendstunden folgendes Schreiben gerichtet:
Der Reichstag hat in seiner Sitzung vom 12. September 1932 auf Grund der Anträge Torglers mit 512 bei 559 abgegebenen Stimmen beschlossen: "
1. Die Verordnung des Reichspräsidenten zur Belebung der Wirtschaft vom 4. September 1932 ist mit sofortiger Wirkung aufzuheben.
2. Die Verordnung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit vom 5. September 1932 ist mit sofortiger Wirkung aufzuheben.
3. Der Reichstag entzieht der Regierung von Papen das Vertrauen.
Aus diesem Schreiben in Verbindung mit den Erklärungen, die er gestern abgegeben hat, ergibt sich daß der Reichstagspräsident die Auslösung des Reichstages nicht anerkennt. Mit dieser Stellungnahme des Reichstagspräsidenten steht die Einberufung des Ausschusses zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung im Widerspruch. Die Reichsregierung ist jederzeit bereit, mit dem nach Artikel 35 der Reichsoerfassung bestellten Ausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung zu verhandeln. Sie muß es jedoch ablehnen, in solche Verhandlungen einzutreten, ehe nicht der Reichstagspräsident sein Schreiben vom 12. September 1932 zurückgezogen hat.
Nach Abgabe dieser Erklärung verließ Ministerialdirektor Eottheiner die Sitzung.
gehen der Polizei Mitteilung gemacht, und es ist anzunehmen, daß noch ein offizieller Einspruch des Reichstagspräsidenten erfolgen wird.
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Der schwache Polizeiposten, der sonst das Reickstagsgebäude an fißungsfreien Tagen be- wacht, ist heute seit den frühen Morgenstunden e r- heblich verstärkt worden. Eine Kontrolle der Reichstagsbesucher findet jedoch nicht statt.
»,— . ... .. *
wtb. Berlin. 13. Sept. (Eig. Meld.) Der Polizeipräsident teilt mit: Auf Grund einer eingegangenen zuverlässigen Nachricht hat in der Nacht vom 12. zum 13. September um 23.30 Uhr der stell» vertretende Leiter der Abt. I Regierungsrat von Werder eine Durchsuchung im Reichstag angeordnet, da der dringende Verdacht eines Spreng st offattentats vorlag. Die Durch, suchung konnte dem Herrn Reichstagspräsidenten und dem Herrn Polizeipräsidenten vorher nicht mehr angekündiqt werden, da beide Herren fernmündlich nicht zu erreichen waren. DieDurchsuchung war um 1.30 Uhr beendet. Die Keller des Reichstages und die Fraktionsräume der kommunistischen Partei sind durchsucht worden. Hinweise auf ein Sprengstoffattentat sind aber nicht gefunden worden. In den Fraktionszimmern der kommunistischen Partei wurden zwei „Zersetzungsschriften", sowie ein Buch, das sich mit Eisenbahnbau beschäftigt, beschlagnahmt.
mung noch rechts mäßig zustande gekommen sei, um so an Hand ihres Ergebnisses ar- gumentieren zu können, daß das Kabinett außen- politisch aktions- und verhandlungsunfähig sei. Davon leitet dann Alfred Rosen- berg die zukünftige Linie der NSDAP, ab, in deren Händen, wie er erklärt, nunmehr die Führung des Widerstandes der Nation gegen die „herrschende dünne Oberschicht" liege. Der fetzt entsprungene Kampf müsse mit gleicher Zielkraft gegen alle antisozialen Kräfte geführt werden und die gesamte Nation sei durch die NSDAP, heute aufgerufen, für ihr Recht, für ihr Leben zu kämpfen. Die Verantwortung für diese Situation angesichts der Gegner in West und Oft falle auf das Haupt jener, die sich der ringenden Nation in den Weg stellten. An anderer Stelle des Artikels heißt es, die ge- stürzte Regierung erkläre, jeden Zusammentritt des Reichstags mit Gewalt verhindern zu wollen. Aus der so aufgezogenen Darstellung kommt Rosenberg zu der Behauptung, daß die Regierung eine Gewaltherrschaft gegen das Volk ausübe und versucht, durch Gegenüberstellung seiner These mit der Rundfunkrede des Reichswehrministers, in der jede Diktatur als volksgefährlich abgelehnt wird, den für feine Po- lemik erforderlichen Widerspruch zu konstruieren..
Reichstags-Auflösung mitHindernlsfeu
Oer sterbende Reichstag spricht mit 512 gegen 42 Stimmen dem Kabinett v. Papen das Mitzkrauen aus. — Der Reichsinnenminister zur Frage von Neuwahlen. — Die Stellungnahme des Zentrums zur Reichstagsaustösung.
DDZ. Berlin, 13. Sept. (Eig. Meld.) Der Reichstagsausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung, trat am Dienstagvarmit- tag unter dem Vorsitz des Abgeordneten Löbe zusammen. Die Beteiligung der Parteien war außerordentlich stark. Auch Reichstagspräsident Goering nahm an der Sitzung teil. Ebenso waren die Länder durch zahlreiche Gesandten vertreten. Von der Reichsregierung war zunächst
Ministerialdirektor Eottheiner vom Reichsinnenministerium
erschienen. Dieser gab zu Beginn der Sitzung eine Erklärung ab, in der es heißt:
Die Reicksregierung hält daran fest, daß das Vorgehen des Reichstagspräsidenten in der gestrigen Sitzung des Reichstages mit der Reicksverfassung und mit der Geschäftsordnung des Reichstages nickt vereinbar ist. Rach Artikel 33. Abf. 3 der Reichsoer- fafsunq haben die Vertreter der Reichsregierung das verfassungsmäßige Recht, auch außerhalb der Tagesordnung, d. h. auch nach Schluß der Debatte und zu jedem beliebigen Gegenstände das Wort zu ergreifen. Entgegen dieser Bestimmung hat der Reichstagspräsident trotz wiederholter Wortmeldung dem Reichskanzler das Wort nicht erteilt, obwohl eine Abstimmung noch nicht begonnen hatte. Es stcht fest, daß nach der Wortmeldung des Reichskanzlers ein Antrag auf namentliche Abstimmung aus dem Haufe gestellt wurde. Es steht weiter fest, daß der Präsident diesen Antrag zugelassen hat und daß er das Haus noch darüber befragt hat, ob die Abstimmung über die Aufhebung der Notverordnung mit der Abstimmung über den Mißtrauensantrag verbunden werden solle. Eine Abstimmung kann erst beginnen, nachdem festgestellt ist, worüber und in welcher Form abgestimmt werden soll. Dementsprechend bestimmt der Paragravh 105 der Geschäftsordnung, daß eine namentliche Abstim- mung „bis zur Eröffnung ber Abstimmung beschlossen" werden kann. Sie kann somit nicht mehr nach Eröis- nung der Abstimmung beschlossen werden. Wenn der Reichstagspräsident nach der Wortmeldung des Reichskanzlers noch einen Beschluß auf namentliche Abstimmung herbeiführte, so ergibt sich daraus mit völliger Klarheit, daß die Abstimmung bei der Wortmeldung des
Haussuchung bei den Kommunisten im Keichsiag Man befürchtete einen Sprengstoff-Anschlag.
Mißtrauensvotum 512:42.
Nach der endgültigen amtlichen Feststellung h ’n?“5 Ergebnis der namentlichen Abstimmung es Reichstages am Montag sind für den kommu- wifcben Antrag auf Aufhebung der Notverord- »ng vom 4. September und gleichzeitig für das den Kommunisten beantragte Mißtrauensvotum gegen das Kabinett Papen 512 Stimmen ^gegeben worden. Gegen die Anträge stimmten „ Abgeordnete, nämlich 35 Deutschnatio- »CIe und die sieben Mitglieder der , kutschen Volkspartei. Von den Deutsch otionalen hat sich jedoch der Abgeordnete -p°hn ber Stimme enthalten. Ferner af"en sich der Stimme enthalten die drei slogeordneten des C h r i st l i ch - S o zi a- fcrn Volksdienstes Behrens, Schmidt-Weft- und Simpfendörfer sowie der Abgeordnete . Volksrechtspartei Baufer-Stuttgart, so daß sich , ganzen fünf Stimmenthaltungen ergaben. Ue- bnh Upt. "'Hi an der Abstimmung teilgenommen oen die vier Mitglieder der Staatspartei, die uns' .^geordneten der Deutschen Bauernpartei
" die zwei Wirtschaftsparteiler.
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k 3teid)5fan3[er v. Papen hat an den Präsidenten u, "Ni Montag aufgelösten Reichstages Goering ^Senden Brief gerichtet:
i »Sehr geehrter Herr Präsident!
stelle fest, daß Sie entgegen dem Artikel 33 ^-Verfassung des Deutschen Reiches sich geweigert fort?' m'r *n bkck heutigen Reichstagssitzung das i " zu erteilen. Sie haben mich dadurch gezwun
Wie schon in einem Teil der gestrigen Ausgabe berichtet wurde, hat der Reichstag, der am 31. Juli nach schwerem Wahlkampf gewählt worden war, in seiner zweiten Sitzung am Montag, dem 12. September, unter dramatischen Umständen ein bemerkenswertes Ende gefunden. Ueber den Verlauf der Sitzung wird an anderer Stelle berichtet. Zeitweilig schien sich ein offener Kampf zwischen Reichstag und Reichsregierung anzubahnen. Schnell änderten sich im Laufe des Montag nach- mjttags die Verhältnisse. Die Reichstagssitzung be- gajm mit einem faktisch außerordentlich geschickten Antrag des Kommunisten Torgler auf Abänderung der Tagesordnung und Beratung der Anträge auf Aufhebung der Notverordnung vom 4. September sowie des Mißtrauensantrages gegen das Gefamtkabinett an erster, rxfp. zweiter Stelle. Als Reichstagspräsident Goering fragte, ob sich gegen diesen Antrag Widerspruch erhebe, versagte bei allen Parteien offenbar im Augenblick der politische Instinkt; von keiner Seite wurde Widerspruch laut. Ein Versuch des deutsch- nationalen Abgeordneten Oberfohren/sich, bemerkbar zu machen, wurde von dem ihm auf der Regierungsestrade ungefähr gegenüberfitzenden Reichskanzler durch einen vertraulichen Wink abgewehrt. In diesem Moment atemloser Spannung erhob sich der Nationalsozialist Frick und beantragte eine halbstündige Unterbrechung der Sitzung. Der Antrag wurde mit den Stimmen der Nationalsozialisten und des Zentrums angenommen.
Nach dieser halbstündigen Pause erschienen die Mitglieder des Kabinetts geschlossen wieder auf der Regierungsestrade. Als der Reichskanzler feinen Platz einnahm, tat er es nicht, ohne dabei dem ganzen Haufe demonstrativ die berühmte rote Mapp«, in der sich traditionsgemäß das Austosungsdekret befindet, zu zeigen. Nachdem Eoermg die Sitzung wieder eröffnet hatte, stellte er zunächst abermals fest, daß gegen die Anträge oes Kommunisten Torgler Widerspruch nicht erho- betz sei, ; . . „Wir treten also .,..so fuhr er in einem Atemzug fort, In diesem Moment, vielleicht um eine. Zehntel Sekunde zu spät, um noch dem l ntritt in den Abstimmungsakt, den Goering an- kundigte, zuvorzukommen, erhob sich der Reichskanzler, um das Wort zu verlangen. Goering, dem dieser Vorgang natürlich nicht verborgen blei- nen konnte, ignorierte die Geste des Kanzlers Staatssekretär Planck, der unmittelbar vor der frasidentenestrade Platz genommen hatte, ver- We die Aufmerksamkeit des Reichstagspräsiden- ren auf den Reichskanzler zu lenken. Vergebens. - . . Unbeirrt sprach Goering die einleitenden jüsarte zur Vornahme des Abstimmungsaktes.
Reichskanzler sprang auf, die Auslösungs- urfunöe in der Hgnd. Unbewegt winkte der Reichs- agspräsident gb. Der Reichskanzler tat unter un- Wijeurer Erregung des Hauses und der Tribünen me paar Schritte zur Präsidentenestrade und legte o-e Auflösungsurkunde vor Goering hin. Goering Me sie mit abwehrender Geste unbeachtet und mit der Rückseite nach oben zur Seite und fuhr m *er Einleitung des Abstimmungsaktes fort.
Ungeheurer Lärm erfüllte das Haus. Die Re- mrungsmitglieder verlassen den Plenarsaal. Die Nationalsozialisten applaudieren mit allen Kräften "«n Reichstagspräsidenten, und während nun schon to,e. Erörterungen darüber beginnen, ob der Jüicbstag überhaupt noch existiere, rollt sich die •roihmmung ab, als deren Ergebnis der Reichs- Nsprnfibent damit feststellt, daß der Sturz des Kabinetts hiermit bereits vollzogen fei.
DDZ. Berlin, 13. Sept. (Eig. Meld.) Wie die kommunistische Reichstagsfrakfion mitteilt, hat heute kurz nach Mitternacht, als der kommunistische Frakionsvorstand seine Arbeitsräume verlassen hatte, eine Haussuchung im kommunistischen Fraktionsbüro ftattgefunben. Die Arbeifsräume wur- den von efwa 40 Kriminalbeamten besetzt. Ein Teil der Schränke wurde erbrochen. Ob Material mitgenommen wurde, konnte noch nicht festgestellf werden. Noch in der Nacht sind Vertreter der kommunistischen Fraktion im Reichstag erschienen, um die notwendigen Feststellungen zu treffen. Der Haussuchung soll Reichstagsdirektor Galle beigewohnt haben. Der Abgeordnete Torgler wird deshalb in den Mittagsstunden mit dem Reichsfags- direkfor Rücksprache nehmen.
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Wie das Nachrichtenbüro des DDZ. zu dec Durchsuchung der kommunistischen Arbeifsräume im Reichstag noch erfährt, hat der Direktor des Reichstags, Galle, gegen d ie Durchsuchung sofort bei den anwesenden Kriminalbeamten Einspruch erhöbe n, da die Polizei ohne Genehmigung des Präsidenten, der auchim aufgelösfenReichs- Eag allein das Hausrecht besitzt, in das Reichstagsgebäude eingedrungen fei. Trotz dieses Einspruchs wurde die Durchsuchung aber »u Ende geführt. Der Direktor hat sofort heute früh dem Reichstagspräsidenten Goering von dem Vor-
Zer Aeberwachungsausschutz lagt.
Die »echlsaussaffung des Kabinetts v. Papen. — Goering und Löbe. — Starke Spannungen.
gen, Ihnen die Auflösungsurkunde des Herrn Reichspräsidenten zu überreichen, ohne sie verlesen zu können. Mit diesem Augenblick war der Reichstag aufgelöst. Die von Ihnen nachher veranlaßte Fortsetzung der Sitzung und die von Ihnen geleitete Abstimmung waren verfassungswidrig. Auch jede weitere Versammlung- und Beschlußfassung des aufgelösten Reichstages mit Ausnahme der im Artikel 35 der Reichsverfassung vorgesehenen Möglichkeiten würden gegen die Reichsverfassung verstoßen."
Die Neuwahl.
Reichsinnenminister v. Gayl teilte zur Frage des Wahltermins mit, daß die Reichsregierung durchaus die Absicht habe, die verfassungsmäßigen Vorschriften . einzuhalten, und daß, wenn eine Wahl ausgeschrieben werde, sie auch unter dem g e - genroärfigen Wahlgesetz erfolgen würde. Selbstverständlich könne eine Wahl nur erfolgen, wenn Ruhe und Ordnung gewährleistet seien. Auf die Frage, ob die Reichsregierung zur Gewährleistung von Ruhe und Ordnung besondere Maßnahmen zu ergreifen gedenke, erklärte der Minister, daß die Reichsregierung hierzu gegenwärtig keinen Anlaß sehe.
mungszisfer gefunden habe. Wenn der Reichstagspräsident Goering der Meinung gewesen sei, er könne durch allerlei Tricks die Auflösungsorder des Reichspräsidenten ungültig machen, so |ei das selbstverständlich ein erfolgloses Beginnen gewesen. Die Bayerisch« Volksparfei bedauere diese Entwicklung. Die Autorität und das Ansehen des Reichspräsidenten hätten keine Einbuße, sondern eine Stärkung erfahren, wenn es mit Unterstützung vom Parlament gelungen wäre, eine selbstverständlich von ihm zu bestätigende Umoder Neubildung der Reichsregierung vorzunehmen, die den notwendigen Rückhalt beim Reichstag gefunden und die Reichstagsauflösung unnötig gemacht hätte. ■
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Die „Kölnische Volkszeitung" schreibt zu den Ereignissen im Reichstag u. a.: „Ser Ausgang des dramatischen Ringens zwischen Reichsregierung und Reichstag kann auf keiner Seite Anlaß zu Heller Freude fein, am wenigsten auf der Seite der Regierung, die zwar formell Sieger geblieben ist, aber, wenn sie sich ernsthaft und ehrlich Rechenschaft über die neue Lage ablegt, nicht an der Feststel-
kundgebung des Zentrums.
Die Zentrumsfraktion des Reichstages trat am Montagabend zu einer Sitzung zusammen, um die durch die Auflösung geschaffene Lage zu besprechen. Sie folgende Verlautbarung fand nach eingehender Aussprache einstimmige,Zustimmung der Fraktion:
Sie Zenkrumsfraktion erblickt in der von der Regierung ausgesprochenen Erklärung der Auslösung des Reichstages eine
schwere Schädigung von Volk und wirtschaft
und eine verhängnisvolle Verschärfung der innenpolitischen Spannungen und Gegensätze. Rach der Auffassung der Zentrumsfraktion hätte diese erneute Verschärfung unseres gesamten Volkslebens vermieden werden können und müssen.
Die Zenkrumsfraktion hat nichts unversucht gelassen, um alle positiven Möglichkeiten zu einer sachlichen Zusammenarbeit zwischen Reichs- leilnng und Volksvertretung auszuschöpfen. Die Reichsregierung hat indessen jeden derartigen Versuch vereitelt. Sie Zenkrumsparkei muß daher jede Verantwortung für die verhängnisvollen Folgen dieser Auflösung ablehnen, die
weder dem Wortlaut noch dem
Gei sie der Verfassung entspricht.
Getreu ihrer bewährten Ueberlieferungen als Verfassungspartei und als Hüterin der Volksrechte wird die Zenirumspartei ihren weg unbeirrbarer Sachlichkeit zum Wohl des volksganzen mit äußerster Entschlossenheit fortsehen.
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Die Bayerische Volksparteikorre- s p o n d e n z bezeichnet den 12. September als einen schwarzen Tag für die Reichsregierung, die sich im Augenblick vielleicht als die Siegerin dünke und als einen schwarzen Tag für den Reichstag, der mit unzulänglichen Mitteln eine gegen ihn gerichtete und ihn offenbar brüskierende Taktik der Regierung zu bestreiten versucht habe, vor allem aber als einenschwarzen Tag für das deutsche Volk. Sie Tatsache, daß das deutsche Volk am Beginn eines neuen Wahlkampfes, des fünften in diesem Jahre, stehe, bedeute für Staat und Wirtschaft ein schweres U n g I u ck. Im Hexenkessel eines neuen Wahlkampfes werde kein Gesundheitstrank für die deutsche Wirtschaft gebraut werden. Sie Regierung Papen sei mit der Schuld belastet, daß sie den B e- müh ungen, die dem deutschen Volk eine Reichstagsauflösung mit allen ihren unabsehbaren Folgen ersparen sollten, von vornherein grundsätzlich kein Verständnis entgegenbring en wollte. Sas müsse jene gereizte Stimmung erzeugen, die am Montagnachmittag im Reichstag zum vollen Ausbruch gekommen sei und ihren Ausdruck in der für die Regierung Papen vernichtenden Abstim-