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Heinrichstraße 65

Schleifwaren, auch verschliffene nur zur Kunfi-Zchleiferei Schneider

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Ar. 210

Beilage zur Fuldaer Zeitung

11. September.

ten. Das ist gesagt worden bis zum Ueherdruß, und alle wissen es nun. Aber, daß nun Christen­menschen Ernst machen mit dem größten Gebot: daß sie durch Erfüllung dieses Gebotes in erster Linie ihr Christentum beweisen — das fehlt noch, das ist noch zu tun. Und da kommt es nur auf dich an.

heute in Not sind. Aber hilf wenigstens denen, de­ren Not du siehst und kennst. Mehr verlangt nie­mand von dir.

Es ist freilich einfacher, über den Mangel an Nächstenliebe in der Welt zu klagen und die weise Behauptung aufzustellen, es wäre besser bestellt um die heutige Not, wenn wir mehr NLclKenliebe hät-

tals. So kam es zu einer immer größeren Zu­sammenballung der industriellen Betriebe. Das war eine schwere Benachteiligung des Landes, der kleinen und mittleren Städte. Das Ergebnis war, daß man schon in den 90er Jahren, auch von wis­senschaftlicher Seite aus, der Meinung war, das Handwerk fei krank, es sei mit ihm in kurzer Zeit aus. Hinzu kam die sozialistisch-marxistische Ein­stellung, wonach durch den fortschreitenden Prozeß und die steigende Proletarisierung der Mittelstand unrettbar verloren sei. Diese Auffassung hat uns lange beherrscht, und noch heute scheint manches dieser Entwicklung recht zu geben.

Das Handwerkertum ist in verhängnisvollem Maße vom industriellen Kapital abhängig ge­worden, aber auch von den großen Organisa­tionsmächten auf der Arbeitnehmerseite.

Die Steuergebarung, die Gesetzgebung ist so kompliziert geworden, daß selbst der kleine Hand­werksmeister ohne eine kleine Schreibstube heute kaum noch auskommen kann. Dazu bedrängen von innen her das Handwerk manche Mächte: die Proletarisierungserscheinungen, der Mangel im L e h r l i n g s w e s e n, das Fehlen unbedingter Zuverlässigkeit.

Trotzdem ist gerade das Handwerk ein Angel­punkt geworden, von dem d i e neue berufs - ständische Ordnung im Sinne des Hl. Baters angebahnt werden kann. Das ist keine schöne Idee, sondern das kann mit den wirklichen Möglichkeiten belegt werden. Die industrielle Mas. senerzeugunq der Weltmarktproduktion ist einer dauernden Ueberkapazität verfallen. Sie erzeugt I Zu teuer, und deshalb wird auch das geringere An­lagekapital, das dem Handwerk ausreicht, die handwerkliche Erzeugung wieder erfolgreicher ma­chen. Die technische Entwicklung kommt dem Hand­werksbetriebe zu Hilfe. Die Kampffronten derArbeitsmarktparteien haben sich fe st g e f a h re n. Zwangsläufig müssen sie zu einer Verständigung kommen und ebenso wird sich die Verständigung nur auf beruflicher Grundlage vollziehen. Das sind Entwicklungen, die den Grundlagen des Handwerkertums entgegenkom- I men. Durch die Entwicklung des Siedlungs- ge dankens werden auch die kleinen und mitt­leren Städte und das Land wieder mehr in den Vordergrund treten. Das alles kann dem Hand­werk nur nutzen. Aber es wäre verfehlt, wollte man sich auf diese Entwicklung allein verlassen, ja, I es wäre vom Standpunkt der katholischen Auffas. ung völlig ^alsch. Die Dinge der Welt unter» kehen auch der ordnenden Hand des freien Meu­chen. Einmal, zu Beginn der liberalen Periode, hat man es versäumt einzugreifen. Heute aber müssen wir den Hebel ansetzen, wo der Mensch in reier Erkenntnis dessen, was not tut, die Dinge in seinem Sinne lenkt.

Der liberale Staat steht am Ende: er hat durch den Lauf der Dinge endgültig Bankrott gemacht. Die Möglichkeiten einer Ein-

Dos grSftke Gebot.

Betrachtung zum Sonntagsevangelium.

Die Frage danach kommt im Evangelium mehrfach vor. Jesus antwortet diesmal mit dem Hinweis auf das Gebot der Gottes- und Nächsten­liebe. — Es gibt wohl kaum einen Menschen auf der Welt, der nicht davon überzeugt ist, daß das Hauptqebot insbesondere als das Gebot der Näch­stenliebe wirklich das größte und wichtigste Gebot im Christentum ist. Und niemand wird widerspre­chen, wenn man etwa sagt: „Wenn alle Christen wirklich ihren Nächsten liebten, so rote es der Hei­land fordert, dann wäre das Elend in der Welt bald zu Ende. Und das meiste Elend kommt eben daher, weil es an der Nächstenliebe, auch bei den Christen selber, mangelt." Da wird jedermann mit dem Kopfe nicken und vielleicht ein Stücklein zu er­zählen wissen von dem und jenem, der es an Näch­stenliebe fehlen läßt. Denn seltsam, die Nächsten­liebe fehlt immer bei anderen Leuten, nie bei de­nen, die davon sprechen. Und da liegt der Fehler.

Denn es kommt ja gar nicht darauf an, daß wir dies größte Gebot anerkennen, daß wir ihm zu- ftimmen, sondern darauf kommt es an, daß wir selber es tun. Und wenn vom Gebot der Näch­stenliebe die Rede ist, dann heißt die ernste Frage, die jeder an sich selber zu richten hat: „Was tue ich, um dies Gebot zu erfüllen, und was kann ich tun, um es besser zu erfüllen?" Heute, in den Zei­ten der furchtbaren Weltnot, muß das Christentum beweisen durch die Tat, ob es noch einen Wert hat ober, nicht. Und denke bei dem Worte „Christen­tum" ja nicht an den Papst oder an die Kirche ober sonst etwas: benn bies Christentum bist bu!

Braucht barauf hingewiesen zu werben, daß b*e Arbeitslosen heute in erster Linie Anspruch arff unsere helfende Liebe haben? Daß alle die, welche noch arbeiten und verdienen dürfen, in erster L>» nie zur Hilfe hier verpflichtet und berufen sind? <s*au dir daraufhin deine Umgebung, deine Mit­menschen an, du wirst genug von ihnen finden, die deine helfende Liebe brauchen.

„2I5er ich bin selber arbeitslos". Das entbindet nicht vom Gebot der Nächstenliebe. Vielleicht gibt es noch Aermere als bu, benen bu trotz deiner eige­nen Not helfen kannst. Und es gibt sicherlich noch Menschen, denen es schlechter geht als dir selber.

„Man kann nicht allen helfen!" Gewiß, das ist immer die beguernste Ausrede, um gar nichts zu tun. Du braucht ja gar nicht allen zu helfen, die

17. Sonntag nach Pfingsten.

Eingangslied (pf. 118, 137 und 124).

Gerecht bist du, o Herr, und recht ist dein Ge­richt: tu deinem Knecht nach deiner Barmherzigkeil. (Bf- ebb 1.) Selig, die makellos bleiben auf ih­ren Wegen, die wandeln im Gesetze des Herrn.

Epistel lEph. 4, 1—6).

Bruder! Als Gefangener des Herrn bitte ich euch, wandelt würdig der Berufung, die euch zu­teil geworden, in aller Demut und Sanftmut. Seid geduldig und ertraget einander in Liebe: seid eif­rig bestrebt, die Einheit des Geistes zu wahren durch das Band des Friedens: ein Leib, ein Geist, wie ihr ja auch in eurer Berufung zu einer Hoffnung berufen seid: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in uns allen. Gr sei gepriesen in alle Ewigkeit. Amen.

Evangelium (Matth. 22, 34—46).

Das Hauptgebot: die Gottes- und Nächstenliebe.

I flußnahme auf die natürlichen Dinge können fjj, uns nur auf der Grundlage der Enzyklika Quadra- aesimo anno" liegen. Sie will, daß der Staat der überfüttert ist von Aufgaben und Pflichten ent. lastet wird, und daß gesellschaftliche Eiqenkräste mobil gemacht werden. Diese Kräfte sind die V e. rufsftänbe. Der Hl. Vater sagt: An sich jn es unnatürlich, daß jene Kampfmächte auf dem Arbeitsmarkt auch zur öffentlich-rechtlichen G-l- j tung kommen, den Staat beherrschen. Beruflich fallen sich die Menschen zusammenfinden. Eine na. tätliche Neuordnung auf dieser Grundlage kann auch dem Geist unserer Versa ss ung nicht fernliegen, denn sie bietet in ihrem Artikel 165 die Handhabe dazu.

Aber dieser Artikel müßte ausgebaul werden Zu einer Einrichtung der Berufsstände mit 5f- fentlich-rechklicher Grundlage. Eine solche Neu­ordnung würde nicht nur rein sozialpolitisch von Bedeutung sein, sondern auch auf andere Lebensgebiete, auf Schule, Wissenschaft und

Kunst übergreifen.

Mit Kampforganisationen erreichen toh* da nichts. Klare Linien fordern wir, sie wer» den den Wert und die Einflußmöglichkeit der Ar­beitnehmerschaft nicht schwächen, sondern sie stüt­zen und von einer ungesunden Zwitterstellung be­freien. Tarif- und So.zialver siche« rungs wesen könnten da ebenso weiter aus« gebaut werden wie das Genossenschafts­wesen. besonders in der schwierigen Frage der Kapitalversorgung.

Wenn es uns einmal wieder besser gehen sollte, wird die Situation eintreten, daß im Handwerk Tausende von jungen Menschen fehlen wegen der Bevölkerungsentwicklung bei uns. Das Umgekehrte des heutigen Zustandes wird also eintreten: Es wird uns an Menschen fehlen. Daher wird die qualitative Hochschulung des Handwerks eine Le­bensfrage fein. Dazu kommt die Hebung der Fa­milienkultur, die ein Erbe der Kolpingbewegung ist. Alle diese Fragen sind nicht nur von religiöser und sittlicher, sondern auch von wirtschaftlicher Be­deutung. Ja. auch von eminent politischer Bedeu­tung. Ohne einen politischen Sinn wird das deutsche Handwerk diese Dinge nicht anpacken kön­nen. Handwerkerbewegunq ist Entfaltung der de­mokratischen Kräfte im Volk auf der Grundlage verfassungsmäßig garantierter Freiheit. Die au­toritäre Staatsauffassung verstößt gegen den ka­tholischen Grundsatz, der Ordnung und Freiheit verlangt.

Line große Aufgabe also hak das katholische Handwerk in Zukunft zu leisten. Daß das Handwerkertum sich trotz der großen Wider­stande gehalten hat und wohl einer besseren Zukunft entgegenblicken darf, ist der Beweis, daß weder die Bourgeoisie noch der Marxis­mus) recht behalten haben.

Hier gewinnt auch die Kirche wieder den An­schluß an die großen Zeiten eines Keppler. Der Geist Kolpings in feiner neuen Gestalt tritt unter uns. In feinem Geiste lassen Sie sich leiten zu den hohen Zielen, zu deren Erfüllung ich Ihnen herzlich Glück wünsche.

Abschluß und Höhepunkt des Handwerkertref- fens auf dem Essener Katholikentag war eine Kundgebung im großen Böriensaal. Ihre beson­dere Zugkraft erhielt die Versammlung durch ein Referat des Sosialvosttikers

Professor Gundlach S. 3.

(Frankfurt) zu dem Thema „Der berufsständische Aufbau der Gesellschaft". Es war von hohem In­teresse, dieses Thema mit großer Sachkenntnis und eindringlichem Ernst von einem der besten Kenner der sozialpolitischen Materie vortragen zu hören. Aus den mit starker Anteilnahme gehörten Aus­führungen des Redners feien die wesentlichsten Punkte hervorgehoben.

Lassen Sie mich, begann er, am Anfang mei­nes Referates begründen, warum wir dieses pro­grammatische Thema gestellt haben. Noch immer hat die Geschichte der sozialen Bewegung gezeigt, daß ein Stand, selbst wenn er schwach ist, sich behaupten kann, wenn er sich behaupten will. Die katho'ische Handwerkerbewegung hat den Ruf des Hl. Vaters nach einer Neubildung der Gesellschafts­ordnung gehört. Von keinem Punkt der gesell­schaftlichen Entwicklung läßt sich die Idee der be­rufsständischen Ordnung so klar machen wie von der Handwerkerfrage aus.

Die schweren Schatten der Klassenspaltung bal­len sich in der Schicksalsfrage des Handwerks besonders zusammen. Die Klassenspaltung ist die Folge des Zunehmens der industriell kapl- taliskischen Wirtschaftsform in Verbindung mit der liberalen Wirtschaftspolitik.

Die industrielle Erzeugung geht auf die Vor- rotprobuttion, zielt auf den Weltmarkt, und ge­rade in dieser Tendenz war sie der handwerklichen Wirtschaftsform immer entgegengesetzt. So mußte es kommen, daß die Industrie das Hand­werk immer mehr zurückdrängte. Vor allem mußte das Handwerk unter dem Gedanken der uneingeschränkten Wettbewerbsfreiheit leiden, a eil der Aufbau der handwerklichen Wirtschaft zu einer gewissen Stabilität und Sicherheit neigt. Das Handwerk wendet sich an den individuellen Kunden, die industrielle Eigenart an die Masse. Noch ungünstiger stellt sich die Entwicklung dar, wenn wir den persönlichen Aufbau der handwerk­lichen Betriebe mit den industriellen Betrieben vergleichen. Dieser war immer fundiert auf einer Gemeinschaft des Berufes, auch auf der Familien- gemeinschaft, jener vollzog sich in immer mehr zu­nehmender Spaltung: Arbeitgeber hier, Arbeitneh­mer dort. Was dabei herauskam, war die Klaf. sengesellschaft. Hinzu kam daß der Staat die Klassenspaltung als etwas Gegebenes hinnahm und gerade auf den parteilichen Gegensätzen seine Sozialpolitik aufbaute.

Diese liberale Wirtschaftsgebarung kennt kei­nen volkswirtschaftlichen Einfluß auf den Stand­ort der Betriebe und Unternehmungen: man über* ließ das dem Rentabilitätsstreben des Privatkapi-

SerbemssstSMfcheAusbauderSesellschaft

Ausführungen von Prof. Gundlach S. J. auf dem Essener Katholikentag.

fen, daß sie in der seelischen und geistigen Ent­wicklung des Volkes nicht Negation, sondern ir­gendwie einen positiven Gewinn bedeuten. Wenn uns dabei die Sorge um unser katholisches Volk auch in erster Linie berührt, so müssen doch alle Maßnahmen so gehalten fein, daß sie unserem ge­samten deutschen Volke zugute kommen. Katho- l'fche Filmpolitik wäre im Augenblick wohl zur Erfolglosigkeit verurteilt, wenn sie z. B. ihr allei- niqes Augenmerk auf den katholisch-religiösen Film richten wollte, andererseits aber ist es durch­aus katholische Filmpolitik, wenn sie dafür sorgt, daß in den Kinos eine anständige, gute Un­terhaltung geboten wird, neutral in der Tendenz, da dieser Weg nach und nach über den finanziellen Erfolg zu einer bewußteren Politik führt, die ka­tholischer Grundhaltung entspricht. Was nützt der zielstrebigste Weltanschauungsfilm, wenn er das Publikum nicht erreicht, und wenn er die Bankkon­ten der Aktionäre enttäuscht. Da heißt es einmal, und nicht wieder, und der Rückschlag wirkt sich für die Zukunft um so trauriger aus. Einige verpul­verte katholische Millionen sind dafür Zeuge. Teures Lehrgeld, die Führer der katholischen Film­politik wissen aber Bescheid, und heute führen die Wege der katholischen Filmaktivität nicht mehr in die Irre. In diesem Sinne arbeitet man in Ber­lin und in München, und wenn der Pionier auf diesem Gebiete, die ßeofilm A -G. München, in den nächsten Tagen ihr Aktienkapital auf 1 Mil­lion Mark erhöht, so ist das nur möglich, wenn dieser Weg einer vernüftigen Realpolitik einge­schlagen wird.

Wir unterschätzen keineswegs die Bedeutung einer aufbauenden Zensur, sie ist und bleibt der Grundpfeiler, den wir in unferm deut­schen Filmbau noch lange nicht entbehren können, und wir freuen uns darüber, daß es ihr gelingt, in den meisten Fällen Schlimmstes zu verhüten, und roenn das Gesetz des Lichtspiels, wie es heute be­steht, sorgfältig und sinngemäß angewandt wird vor allem von Menschen, die die geistige Not un­teres Volkes von heute verstehen und es wieder 3ur inneren, seelischen Gesundung führen wollen, so ist es wirklich eine feste Säule, auf die sich das

gesamte Filmschaffen stützen kann. — Doch unsere Aktivität muß weiter gehen. Ein frischer Trunk kann nur einer sauberen Quelle entspringen. Diese Quelle für unser Kino ist die Produktion. Da müssen wir mitsührend sein und alle Mittel an­wenden, die ein moderner Wirtschaftsapparat ver­langt, Kapital, Erfahrung, Sachkenntnis und vor allem Persönlichkeiten, die imstande sind, für eine moralische Säuberung sowohl des Films als auch der Filmindustrie praktisch und energisch einzutre­ten. Wie kürzlich noch ein Fachblatt schrieb, wird übrigens diese Forderung heute von allen maß­gebenden Stellen und Instanzen der Sparte nicht nur erhoben, sondern in stärkstem Maße auch prak­tisch durchgeführt. Wir müssen hinzufügen,. daß wir dem Tempo der Durchführung ein wenig mehr Energie wünschten. Auch da sind wir uns einig mit manchem Führer der Industrie und er­innern nur an die schönen Reformvorschläge des Kommerzienrats Scheer auf der Frankfurter' Thea- terbefitzertagung und ihre schnelle Inangriffnahme in dem anständigen Unterhaltungsfilm „Die ver­kaufte Braut", der soeben fertiggestellt wurde — Mitten drin in diese seriöse Pro­duktion gehören auch w i r, und wenn katholisches Handeln in wirtschaft- li-her und finanzieller Großzügig­keit auf der ganzen Front einig wäre, würden wir in dieser deutschen Filmindustrie ein Machtfaktor sein größten Ausmaßes, und selbst die Ationcire brauchten sich nicht über zu niedrige Dividende zu beklagen.

Bur so wird unferm Volk geholfen werden, nur so wird seine Unterhaltung im Kino an Qua­lität zunehmen. Diese Erkenntnis haben mir, in Zähem Kämpfen wurde sie errungen, und schon fmb energische Hände angelegt, sie in die Tat um- zusetzen. — Alle andern Mittel müssen in diesem Sinne arbeiten. Da ist keineswegs zu gering an­zuschlagen die seit Jahren durchgeführte Arbeit in der katholischen Presse, Aufklärung und Kritik, die so objektiv wie nur eben möglich fein muß, unbeirrt geradeaus ihren Weg zu gehen

katholisches Volk im Kino.

Bon Richard Muckermann- Essen.

Hinter diese Ueberschriff glaubte man vor Jahren vielleicht noch ein Fragezeichen machen zu können. Heute besteht kein wesentlicher konfessioneller Un­terschied mehr in den Besucherschichten des Kinos. Heute heißt es: Volk im Kino. Wie käme es sonst, haft wir gerade in den westdeutschen, katholischen Bezirken diese starken Beluchsziffern auszuweisen 6aben., In der Stadt des diesjährigen Katholiken- tages, in Essen, besuchten im vergangenen Jahr rund 6 Millionen Menschen die etwa 40 Kinos der

Das ist das zehnfache der Einwohnerzahl (630 000). Essen hat aber bei den letzten Wahlen für die katholische Partei fast 120 000 Stimmen aufgebracht. — Die Konsequenz aus diesen Tat- farhen ist die, daß endgültig Schluß fein muß mit einer Vogel-Strauß-Politik, die den Kopf in den eanb steckt, um die nüchterne Wirklichkeit nicht zu rm eiL- ?erner Schluß mit all den rein negativen Methoden der Kritik und des Verbotes. Wir müf» fen chon etwas Besseres und Wirksameres an ihre Stelle setzen: Die Mitarbeit, die positive Aktivität

Die Theater sind verlassen, geschlossen, nur wenige werden mühsam ihre Pforten geöffnet Hal- nnm X. W*6” Mnimarkt dagegen sind vom deutschen Verleih bereits über 180 große lonftlme ang^fuubiqt, darunter hervorragende Spitzenleistungen, an denen nach längerer Zeit m lta-rtem Maße beteiligt ist. Die ^a^erungjm Zeitalter der rasenden Technik unb der schnorkellosen Nüchternheit von der m-hr geruhsamen, romantischen Unterhaltung zur Sen- fation jum Tempo, zur leicht verdaulichen Kost btex<‘odVrtten?)!Dle "schüttern kann zum Weinen

1 ni™mt im Winter wird auch ka- - VE wieder die Kinos unserer Groß- und Kleinstädte bevölkern.

Auf dem Hintergrund dieser Tatsachen haben mir Ueberlegungen anzustellen, wie wir diese be­vorzugte Unterhaltung des Volkes so gestalten Hel­

hat, um das kinobesuchende katholische Volk zu füh­ren und die Möglichkeit zu geben, sich zu orientie­ren. Folgt hier das Volk und hält Disziplin, kom­men wir um so schneller weiter, da sehr bald das produziert werden wird, was das Publikum ver« langt. Darum katholisches, deutsches Volk, fordere und verlange gefchlost fen und einmütig die Unterhaltung im Kino, bie bir zusteht. Denn du form ft mit deinen Groschen das, was bir geboten wird. Disziplin halten, gilt vor allem dann, wenn einmal Gelegenheit ist, ein wirklich anständiges Filmwerk zu besuchen, ein solcher Besuch verbindet bas Angenehme der Un­terhaltung mit dem Nützlichen einer apostolischen Filmtat unb gibt den Produzenten Mut, auch für derartige Filme weiterhin Kapital einzusetzen.

Auch die sehr emsige und unermüdliche Film­tätigkeit unserer Vereine und Organisationen ist eine sehr wichtige Erziehungsarbeit des Volkes zum guten Film. Die leitende Idee muß sich in diese große Linie mit einfügen, dabei muß der Wahlspruch bleiben: Nur bas Beste in technisch vorbildlicher Form, damit nur ja nicht die häßliche Gleichung aufkommt: katholisch-Klüngel.

In den großen jährlichen Sammelwochen des deutschen Katholizismus müssen wir auch dieses so wichtige Problem deutlich unb klar erkennen. Ein verächtliches Achselzucken gewisser Intellektueller ist wirklich nicht mehr am Platze, wo es um unser katholisches Volk geht unb wo uns solche gewal­tigen Zahlen als Mahner vor Augen leuchten. Wenn Christus heute in ber Großstabt herrschen soll, darf fein Thron im Lichtspielhaus nicht seh. len. Daran wollen wir doch nur alle arbeiten. Und wenn ein Apostel wie Paulus heute (eben mürbe, seine entflammenben Briefe würben durch Film, Funk und Schallplatte bis in den letzten Winkel ber Erde dringen. Alles, was ber Men­schengeist an Technik ersonnen, müßte in ben Dienst ber völkerumspannenden Arbeit am Gottes- reich Christi auf Erben bienen. Drum erkennen wir unser Jghrhunbert unb seine Möglichkeiten, nüchtern unb vorsichtig, doch lassen wir das Feuer nicht erlöschen in unferm Herzen.