Vettage zur Fuldaer Zeitung
irr. 207
Harre aus.
Es wird die Zeit für dich Bald wieder freundlich fein. Und alles wandelt sich Zu Glück und Sonnenschein. Laß nur dein Hoffen nicht Versinken unbedacht, Und glaube an das Licht Auch in der dunklen Nacht. Sei froh und unverzagt Und harre mutig aus. Ein neuer Morgen tagt Bald deinem Schritt voraus.
Franz C i n g i a.
Schutzengel-Monat.
Katholisches Volksleben hat den September feit alter »eit zum Schutzengelmonat erhoben. Es scheint aber, als wollte die Sinngebung gerade dieses Monats immer mehr verschwinden. Der Materialismus unserer Tage hat wenig Verständnis mehr für die Lichtboten des Schöpfers, die er den Menschenkindern bei ihrem Eintritt ins Erdendasein als Führer gab — „ich sende meinen Engel, daß er vor dir herziehe und dich bewahre auf dem Wege und dich führe an den Ort, den ich bereitet." (2. Mos. 23, 20—23). Auch die Menschen können sich gegenseitig Führer fein. Schutzengeldienste tristen kraft ihres Gutfeins, ihres stillen Gottdienens, sie können ihren Mitbrüdern die Liebe Gottes veran- fchaulichen, ihnen zeigen, daß Gottes Geist jedem Werke feinen Sinn und Inhalt gibt. Gerade unsere Zeit fordert dringender denn je solchen Schutzengeldienst. In erster Linie ist die Frau ihrem Wesen nach dazu veranlagt, rein, gütig und hilfsbereit wie Gottes Engel durch die Tage zu gehen. Angesichts der Not muß in ihr der heilige Wille brennen, Schutzengel zu sein, wo immer sie kann.
Gütiger Wegbereiter muß die Frau ihrer Familie [ein, in jeden ihrer Angehörigen sich einfühlen, Gegensätze ausgleichen, darf Verbitterung und Müdigkeit nicht hochkommen lassen. Schwer ist diese Aufgabe, wenn die Not an die Türe pocht, der Mann vielleicht arbeitslos ist, und in den Heranwachsenden Kindern der Glaube
Fieber verbunden sind. Bei sachgemäßer Behandlung, d. h. bei strenger Diät und ein-zwei Tage Bettruhe klingt die Erkrankung recht schnell wieder ab. Auffällig ist nur die Tatsache, daß die Erkrankungen tn größerer Zahl meist an einem Ort oder in einem Stadtteil zeitlich zusammenfallen, was unbedingt aus einen infektiösen Charakter schließen läßt, ohne daß man den Erreger bisher gesunden hätte. Dieser Erreger scheint sich dann besonders stark auszuwirken, wenn Ernährungsfehler und der Genuß ungewaschenen Obstes diese sommerlichen und herbstlichen Darmkatarrhe begünstigen. In dieser Erkenntnis liegen denn auch schon die wirksamsten Dorbeugemittel. Man gewöhne sich gerade im Sommer an eine erhöhte Sauberkeit und lasse sich in der Ernährung eine gewisse Vorsicht angelegen sein. Also nicht zuviel durcheinander essen, Vorsicht mit Obst, da? immer sorgfältig mehrfach unter fließendem Wasser gewaschen werden muß. Man achte auch darauf, daß olle Milchprodukte beim Genuß völlig einwandfrei sind. Ergibt sich nach der Erkrankung nicht innerhalb 24 Stunden ein Fallen des Fiebers, das nicht über 38 Grad steigen darf, dann muß man den Arzt unbedingt zu Rat ziehen, da dann unmittelbare Gefahr für eine ernstere Erkrankung vorhanden ist.
Wandlung in der Wäschemode.
Von Irene G o n t a r d - Berlin.
Die allgemeine modische Linie hat im letzten Jahre eine gewaltige Wandlung durchgemacht, von der auch die Wäschemode nicht verschont geblieben ist, wie die neuen Wäschemodelle beweisen, die man zu Beginn der Herbstsaison auf den Markt gebracht hat. Die Wäsche paßt sich geschickt der neuen Modelinie an, d. h. sie betont in ihrem Schnitt sehr stark die meistbeliebte Empiresorm, an deren hohe Büste sich ost in Falten gelegt, meist aber glockig geschnitten, bas eigentliche Unterkleid, der Schlüpfer oder das Nachthemd anschließt. Das Oberteil fast aller modernen Wäsche- stücke wird büstenhalterähnlich gearbeitet, oft sind auch die Büstenhalter schon direkt eingearbeitet.
Die Hochblüte der bunten Wäsche muß als vergangen gelten, wohl wird man auch in Zukunst noch bunte Wäsche tragen, namentlich in den leichteren Geweben, aber man sieht auch schon oft weiße Wäsche, bei der sehr viel gesticktes und durchbrochenes Material verwendet wird. Ueberhaupt bemühen sich die Wäschehersteller, wohl aus der Erfahrung gewitzigt, in diesem Jahre mehr wie früher gutes Material zu verarbeiten, das neben seiner modernen Kleidsamkeit, haltbar und dauerhaft ist und das sich nicht in wenigen Wochen so ab trägt, daß man es durch neue Wäschestücke ersetzen muß, wie dies in den letzten Jahren der Fall war.
Wenn sich die Wäschemode früherer Jahre in einem geraden, glatten Stil gefiel, den man mit Recht den Garconnetyp nannte, wenn jeder schmückende „Formelkram" verpönt war, so hat man sich jetzt in der Wäsche ganz der Kleidermode angepaßt, die ja auch keine Rüschen, Plisses, Schleifen und Garnituren mehr verachtet. Es gibt also sehr viel Verzierungen auf den neuen Wäschestücken, die im Oberteil möglichst knapp gearbeitet werden, die sich aber dann in den langen Bahnen der Unterkleider auswirken können. Besonders Spitzen aller Art werden gerne eingearbeitet und aufgesetzt, Unterkleider mit Spitzenbahnen gelten als besonders schön, auch handgearbeitete Verzierungen sieht man vielfach an den neuen Schnitten und Mustern.
Die bewährten Vereinsachungen der Wäschemode früherer Jahre hat man beibehalten. So gibt es die praktischen Unterkleider, die gleichzeitig die Hemdhose mit dem Unterkleid vereinen, auch in der neuen Form, jedoch wird auch Schlüpfer und Hemd wieder vielfach getrennt gearbeitet. Für den Winter werden die leichten wollenen Gewebe, die sich in der Wistchever- arbeitung ebenfalls schon gut eingeführt haben, bei den Frauen sehr beliebt fein, da sie sehr warm sind, obwohl sie nicht stark auftragen. Man hat jetzt auch ein Verfahren erfunden, bas bas unangenehme Kitzeln ber Wolle auf bem Körper verhindert, ohne bem Gewebe unb ber wärmenden Faser zu schaben.
Die Herstellung ber modischen Wäsche in der Hausschneiderei macht allerdings jetzt etwas mehr Mühe, wie früher, sie fetzt sogar ein größeres Geschick für diese
Harmonie in der Ehe
an den Sinn des Lebens wankt. Aber die Frau, die trotzdem klaglos und still ihren Sieben den Frieden des Heimes erhält, macht sich selbst unendlich reich. Der Gegen der stillen Kleinarbeit bringt auch hinaus ins öffentliche Leben, läßt bie einzelnen ©lieber ber Familie ruhig ihren Weg gehen und hilft so aus Parteihader unb politischen Zänkereien wieber zu georbneten Verhältnissen, zurück.
Vielleicht hat bie Berufstätige noch mehr Gelegenheit zu Schutzengelbiensten, da sie ungebundener in allen Lebens- unb Arbeitsgebieten Zutritt hat. Ueberall kann sie mit. ihrem ausgleichenben, gütigen Frausein soviel Gutes wirken.
Allen unfern Milschwestern, auch jenen Armen, die sich fo unnütz vorkommen, bleibt der wichtigste Schutzengeldienst des Apostolates. Wer wüßte nicht um die Größe der seelischen, sittlichen Not unserer Tage, die oft grausamer ist als alles materielle Entbehren. Da muß bie deutsche Frau wieder zur Schwester werden, muß ein liebebereites Herz haben. Und wenn sie sieht, wie Verwirrung unb Schuld aus all der Not geboren wird, und wenn sie ratlos vor dem ihr Fremden, Unheimlichen steht, beginnt für sie der eigentliche Engeldienst — selbst zur Opferschale werdend, bettet sie alles Leid und alle Not in die Hände des gütigen, barmherzigen Gottes. Erika Offner.
Datmetftatifungen im Sommer und Herbst
Don Dr. meb. F. M o f e r - Berlin.
In manchen Teilen Deutschlanbs treten augenblicklich Darmerkrankungen sehr stark auf, fo baß man sogar an verschiedenen Orten bie Schulen schließen mußte. Meist handelt es sich bei diesen Erkrankungen um den sog. lommerlichen Darmkatarrh, der auffälligerweise beson- bers Kinder und jüngere Personen besonders leicht be« ’äilt, während ältere Menschen erheblich weniger ge» 'fyrbet sind. Meist besteht bei diesen Erkrankungen ^in Grund zu besonderer Besorgnis, die meisten Kranen können zu Hause behandelt werden, und Kranken- Hauspflege ist nur in wenigen, schwereren Fällen notwendig. Die Krankheit, bie schon einige Tage vorher stch durch Schlappheit und auffälliges Müdsein bemerkbar macht, äußert sich hauptsächlich in Durchfällen unb ^brechen, bie am ersten Tage mitunter pit leichtem
3d) will wieder Mutter sein
Von Marg. Vervoort.
In der Spalte „Verkäufe" unter den kleinen 2ln« ^igen las sie, daß in der Hebemannstraße Nr. 28 ein "euer, moberner Kinderwagen zu kaufen war, und daß mQn ihn mittags zwischen 1 und 2 Uhr oder abends fach 7 Uhr besichtigen konnte. Sie ließ bie Zeitung ln den leicht zitternden Händen in ihren Schoß sinken Und wiederholte halblaut vor sich hin den Straßennamen Und Nummer 28. Dabei rötete ein kleines, müdes Lä- d,e,n ihr schmales, blasses Gesicht und ihr Kopf im »fghaften Grau fiel in ein leises Wiegen hin und her. 150 faß sie verloren in ihrer Stube, schmal und klein, ein wenig bekümmert und schwach, die alte, junge Mut- er: Und während sie ihre Schultern und ihren Kop' ®*e9te, fühlte sie ein kleines, blühendes Wesen in ihren ‘frmen, das sie wiegte und dem ihr versonnenes Lächeln aalt. Mit frommen, leisen Händen streichelte sie ihre «rme, als seien sie der kleine, warme Leid des Kindes.
Sie war schon Ende der Vierzig und stand im elften Wechsel, wo der Baum in stetem Blühen und Reifen Mne purpurnen Säfte verschenkt hat und leer geblutet I* • • • Sie hatte Kinder geboren, ein halbes Dutzend ’®tte ihr Gott geschenkt, von dem er drei wieder zu Uch nahm in der frühen Blüte. Und di; anderen? Die Äderen hatte sie auch verlorenI Noch schmerzlicher blutender! Der älteste Junge saß nn Gefängnis, E Mädchen war verdorben und verloren und trieb sich ».. irflenb einer dunklen Hafengasse umher . . . und der ^u*'9fte, ber stille Bub mit ben großen Kinberaugen fern sonnblonben Haar war eines nachts heimlich n ihr gegangen . . .
durch kleine Rücksichten auf den Hausherrn.
Man muß als wirkliche unb echte Frau bestrebt fein, den Hausherrn in rosiger Saune zu erhalten. Die Frau den Mann, bie Mutter ben Sohn ober die Söhne. Männer sind dankbar, wenn sie Rücksichtnahme auf kleine Eigenheiten merken unb ein liebevolles Eingehen auf ihre Schwächen. Aber niemals sollte man sie fühlen lassen, daß ihre Schwächen als solche erkannt werden — auch dann nicht, wenn die männlichen Hausgenossen selbst davon überzeugt sind.
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Jeder Mann hat im häuslichen Kreise persönliche Wünsche. Falsch zu sagen: „Wenn Du mit anderen Leuten zusammen bist, verlangst Du das doch garnidjt". Es macht ihm gerade Vergnügen, in seinem Hause Forderungen erfüllt zu sehen, die er außerhalb feiner vier Wände unbeachtet weiß.
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Unter den Männern gibt es Tyrannen und Kinder., Tyrannen wollen führen — Kinder gelenkt werden. Beide können gleich bezaubernd fein, unb es erhöht ben Reiz bes Lebens, wenn aus bem Tyrannen ein Kind und aus dem Kind ein Tyrann wird. — Durch nichts anderes als durch die Klugheit der Frau.
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Niemals will der Mann in feiner Frau feine ®ou- oernannte erblicken. Sie begibt sich eines großen Zaubers ihm gegenüber, wenn sie bei jeder Gelegenheit sagt: „Rauch nicht, es schadet Deiner Gesundheit! Trink nicht so kalt. Du bekommst sonst Magenschmerzen! — Iß nicht soviel Kartoffeln, Du wirst zu dick!" — Männer sind Zerstörer, Frauen Erhalterinnen. Eine Frau soll nicht versuchen, die Natur zu ändern.
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Eine der größten Rücksichten äußert sich in Pünktlichkeit. Hier ist es jeder Frau erlaubt, pedantisch zu sein. Eilt sie nachhause, weil die Stunde feiner Heimkehr gekommen ist, und lächeln ihre Freundinnen darüber, nehme sie das Lächeln ruhig in Kauf. Ihre Ehe wird umso glücklicher sein.
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Im Ertragen von kleinen körperlichen Schmerzen und in der Duldung ihres schlechten Befindens find
Nun hatte Gott sie nochmals gesegnet da es schon Herbst war in ihrem Gesicht, da >chon die erftb Spur des Winters ihr lichtes Haar bleichte Das große, späte Glück! Stunde um Stunde konnte sie so sitzen unb in sich hinab lauschen, unb ein warmes, fd)ü*tcrnes Lächeln küßte ihre blassen Lippen.
„Mein Engelchen . . .", lächelte sie, „bald werd ich dich tragen und wiegen, und werbe be'ne ;leinen Aerm- chen um meinen Hals spüren. Dich will ich tüten unb leiten, von bir werb ich alle Schatten bes Bösen und der Kälte fern halten. Mein Prmzeßchen .... ich werde mit dir spielen und fingen . . ., werbe mit dem Vater arbeiten und regen, und dir goldene Sterne über deinen Weg hängen. Du sollst unser Alter versüßen und uns trösten in unserer Einsamkeit . . ."
Und sie nahm wieder die kleinen Anzeigen vor und las noch einmal das Inserat vom Verkauf eines Kinderwagens. Sie hatte heimlich Geld gespart, schon lange Wochen und Monate, erspart von ihren kleinen Näharbeiten, die sie zuweilen für ein Geschäft machte.
„Wenn er dreißig Mark kostet, dann nehm ich ihn..," flüsterte sie und malte sich dabei den Wagen aus. Ihr Mann wußte nichts davon, er war nur immer in Sorge um sie. Langsam schritt sie in das Schlafzimmer hinüber, beugte sich über die Kommode und breitete all die weißen, zarten Wäschedinge aus, die sie genäht und gestickt und mit Schleifen verziert hatte. Zu unterft lag bas Gelb, breißig Mark in harten Fünsmarkstücken. Sie flirrten fein in ihrer Hand und sie schimmerten im Licht.
Abends verließ sie still das Haus und suchte die Hedemannstraße Ein wenig bänglich klopfte ihr das Herz: wenn er nun vierzig kostet? Oder — war es ihres Mannes wegen, der von allem nichts wußte? Mit
Männer nun einmal keine Helden. Frauen werden durch ihre Veranlagung zum schmerzlosen Leiden erzogen. Aber darum sollten sie selbst ein vorübergehendes Schlechtbefinden des Mannes nicht leicht nehmen. Es ist immer besser, mehr Mitgefühl als weniger zu zeigen und spricht für eine zarte Rücksichtnahme auf die Seele des Mannes.
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Es gibt auch einige praktische Kleinigkeiten, die der Mann als wohltuend empfindet und die ihn an die Urheberin der Rücksichtnahme fesseln. Ist er Raucher, fo soll der Streichholzbebälter nicht leer stehen, sondern mit Streichhölzern gefüllt fein. Wenn er erst lange nach Feuer suchen muß, hat Zigarre ober Zigarette zum Teil an Reiz für ihn verloren.
Männer finb eifrige Zeitungsleser, unb der Gedanke, in einer Arbeitspause die Zeitung in Ruhe durch- studieren zu können, bedeutet ein Lockmittel für sie. Mit einem gekränkten verärgerten Gesicht dabei zu sitzen unb durch Miene und Haltung Unzufriedenheit darüber auszudrücken, sollte eine kluge Frau vermeiden.
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Alle Männer hassen Unordnung, selbst wenn sie es mit bem Schließen ber Schublade, bem Forträumen von Krawatten, Schuhen unb Strümpfen nicht sehr genau nehmen. Fast alle Männer finb ein wenig pedantisch, sobald es sich um bie einwandfreie Aufrechterhaltung ber Drbnung im Hause hanbelt. Aus Rücksicht und Wertschätzung kann sich jede Frau Ordnungsliebe angewöhnen, und in dem Wunsche, das seelische Gleichgewicht zu erhalten, sollte sie es tun.
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Aber alle Männer lieben gleichsam das unhörbare Rollen ber Räder im Haushaltsbetriebe. Ordnung machen, Austäumen, Durcheinanderwirbeln von Hausgeräten sollte nur in Abwesenheit bes Hausherrn vor sich gehen. Damit ist ohnebies verbunden, daß bie Frau in Anwesenheit ihres männlichen Partners auch innerlich „aufgeräumt" ist. $)■ D. D.
ihren kleinen, ungebulbigen Schritten ging sie vor bem Haus auf unb ab. Das Gelb brannte in ihrer Hand und sie fror ein wenig vor Aufregung. Endlich — schlug es vorn Turm sieben; sie wartete noch eine Weile und stieg bann klopfenden Herzens die dunkle Treppe hinauf in den ersten Stock. Ein junger Mann öffnete.
„Sie kommen wegen des Inserates . . .?" fragte er leife.
„Ja, wegen des Kinderwagens . . ist er noch da?"
Es war ein schöner, weißlackierter Wagen, mit Spitzendecken und Sonnengardinen. Blahblgue Schleifen glänzten wie blaue Blüten im Schnee. Die Radspeichen funkelten unb blitzten. Lächelnd fuhr die Frau ihn auf und ab.
„Er ist noch nie benutzt worden . . .", sagte der junge Mann leife.....Ja, meine Frau starb mit bem Kind."
Sie sah ihn stumm an, ein wenig gerührt unb ein wenig hilflos. „Was kostet er?"
„Dreißig Mark, liebe Frau .... er hat bas Doppelte gekostet . . ."
Und sie nickte erlöst und legte lächelnd ihr Geld auf den Tisch.
„Fürs Enkelkind . . .?" meinte der Mann freundlich.
Sie schüttelte errötend den Kops und machte sich verlegen an dem Wagen zu schassen. „Mein Mann kann ihn dann holen, nicht wahr?"
Sie steichelte noch einmal die weißen Wände und Spitzen, die blanken Griffe und die zarten Seidenschleifen; dann stieg sie langsam die Treppe hinab. Und sie sah sich bereits in der Sonne durch den Dolkspark fahren: der schöne Wagen und das kleine, süße Goldkopfchen! Plötzlich rutschte sie im Finstern aus, die Knie brachen ihr müde nieder, sie taumelte, fiel hin und schlug ein paarr Stufen hinab.
S. September.
Dinge voraus. Da aber unsere Modezeitungen mit guten Schnittmustern und Arbeitsanweisungen nachhelfen, dürfte es nicht allzu schwer sein, sich einzuarbeiten. Denn ganz ohne Wäsche in den neuen Formen wird man nicht sein wollen, umsomehr als sie eine Dorbe» bingung für ben guten Sitz ber Kleiber unb Mäntel ist.
Wenn das Gas schlecht brennt.
Von Gustav G e r t e r - Bochum.
Auch ber Gasherb, ber getreue Freunb ber Hausfrau, hat mitunter feine Tücken, namentlich, wenn er längere Zeit in Gebrauch ist. Das Gas brennt bann schlecht, es hat keine Heizkraft mehr unb es bauert ewig, bis eine Speise angerichtet werben kann. Das liegt bann meist an ben Brennern, bie cntroeber verschmutzt ober oerrust sind. Man beschaffe sich eine harte Bürste, nehme bie Brennerdeckel heraus und reinige bas Innere ber Brenner mit ber Bürste, tnbem man es durchfährt. Einzelne Schmutzteilchen muß man bann noch mit einem Pinsel entfernen. Die Flamme soll, wenn sie in Drbnung ist, blau brennen, gelbliche ober rötliche Färbung ber Flamme deutet auf eine Verschmutzung hin. Manchmal liegt das schlechte Brennen bes Gasherdes aber auch an ber Zuleitung, in ber sich Wasser unb Schmutz abgesetzt hat. Dann bleibt nichts anderes übrig, wie bas Gaswerk zu verständigen.
Zeitgemäße Kochrezepte.
Gurkenfuppe. (Für 4 Personen.) Zutaten: 2 frische Gurken, 2 Zwiebeln, 375 Gramm rohe Kartoffelwürfel, 40 Gramm Butter, 1K Liter Fleischbrühe aus 4 Mag- gis Fleischbrühwürfeln, gewiegter Dill, gehackte Petersilie, geröstete Brotwürfelchen. Zubereitung: Die geschälten unb entfernten Gurken werden ebenso wie bie Zwiebeln zerschnitten, mit -ben Kartoffelwürfeln vermischt unb in ber heißen Butter einige Zeit burchge- fchmort. Man füllt bann bie Fleischbrühe barüfeer unb kocht so lange, bis Gurkenstücke unb Kartosselwürsel weich genug find, um durchgestrichen zu werden. Man würzt die Suppe mit gewiegtem Dill und gehackter Petersilie und richtet über kleine geröstete Brotwürfelchen an. L. H.
Einfaches Fischgericht. (Für 4 Personen.) Zutaten: 1 Kg. Seefisch, 3 Zwiebeln, 50 Gramm Margarine, 1 Kg. Kartoffeln, V2 Liter Fleischbrühe aus 2 Maggis Fleifchbrühwürfeln, etwas Essig, Gewürz, Bindemittel. Zubereitung: Der Fisch wird sauber vorbereitet, in Portionsstücke geschnitten, die man mit den geschälten, seingeschnittenen Zwiebeln und den geschälten, in Scheiben geschnittenen rohen Kartoffeln mischt. Man brät alles kurz in ber heißen Margarine an, gibt bie Fleischbrühe barüber unb läßt bas Fischgericht ganz langsam gar werden; es muß mehr ziehen als kochen. Hat es zuviel Flüssigkeit, wird diese mit etwas kalt angerührtem Kartoffelmehl gebunden, und das fertige Gericht zuletzt mit etwas Essig und Gewürz abgefchrneckt. L. H.
Praktische Minke.
— Wäsche wird weiß, wenn man dem Spülwasser etwas Borax zufügt.
__ Das Geräusch der arbeitenden Nähmaschine läßt sich bedeutend abschwächen, wenn man starke Filz- ober zusammengenähte Tuchstücke unter bie Füße ber Maschine legt.
Ledersessel müssen von Zeit zu Zeit mit dünnem Seifenwasser gereinigt, hiernach mit einem weichen Sei« nentuch trocken gerieben unb zuletzt mit etwas Eiweiß blank gerieben werben. Sie sehen bann wieber prächtig aus.
waschen bunter Stickerei geschieht, indem man 30 Gramm Borat in einem Liter mäßig erwärmten Wassers auflöst. In dieser Flüssigkeit wird die Stik- terei solange leicht gewaschen, bis sie gereinigt ist. Darauf spüle man sie mit kaltem Wasser, dem etwas Koch- salz beigemengt wird. Auf diese Art bleiben die Farben frisch und gehen nicht durcheinander.
Heiteres.
Sprachkunst. T«ie Lehrerin sagt zu den kleinen ABC-Schützen: „Man sagt nicht, mein Ball tut springen, sondern mein Ball springt". Nun sagt ihr mir mal ein anderes Beispiel! Karlchen meldet sich und sagt mit lauter Stimme: „Mein Bauch weht".
Der Beobachter. Fritzchen hat ein Schwesterchen bekommen und bemerkt, wie der Vater die Hebamme bezahlt. Freudestrahlend kommt es zur Mutter: „Muttt, jetzt dürfen roir’s behalten, Vati hat's schon bezahlt!"
Sie lag in ihrem Bette; es war so still in ihrem Krankenzimmer, die Sonne fiel mit dunklem Gold herein, auf dem Nachttisch dufteten Blumen.
In den ersten Tagen hatte sie verzweifelt gemeint und sich ben Tod gewünscht; hatte mit Gott gehadert und ihr Leben verflucht. Dann war sie stiller und wohl müder geworden Ach Gott, sie hatte sich so gesehnt nach diesem kleinen Wesen, hatte so gewartet auf dieses Seelchen. Und Gott hatte es ihr genommen, noch ehe die Stern- äugelchen aufbrachen unb noch ehe bas Lächeln bem rosigen Munb entquoll. In ben langen, wehen Nächten unb in ben still fließenben Tagen roanberte sie noch einmal ihren langen Weg zurück . . . burdjbebte unb litt noch einmal bas kleine Leben mit ihrem Manne unb ihren Kinbern. Wie kam es wohl, daß alle brei von ihr gingen?, baß keiner ihrem Herzen nah bleiben wollte? Ach, sie hatte diesen Kindern oftmals den hellen Weg verbaut, sie hatte geschielt nach links und nach rechts, und an ihren . kleinen, felbftroiüigen Herzen und Köpfen immer nur formen wollen . . ., wie die Schleifen am weihen Wagen . . . Sie hatte immer nur bessern wollen. War es unrecht?
Als sie dann nach langen Wochen wieder heimkehrte, faß sie mit ihrem Manne Hand in Hand in der dämmerigen Abendstube und sprach von ihren armen Kmdern. Und plötzlich brach das Herz des stillen, schweigsamen Mannes auf . . . und sie sah hinein und hinab, wie sie noch niemals getan. Dort waren helle, stille Kammern, in denen seine und ihre Kinder schlummerten, zu denen Heimwrhwege führten aus bem Geiängnis, aus der Gaffe und au- ber verlorenen Ferne des Jüngsten.
„Laß mich auch in mein Herz biefe Kämmerchen einbauen . . ., komm, l)Jf mir babei Wir wolle«: urfere Kinder zu uns zurück führen ." sagte st- unter leisem Weinen. „Ich will wieder Mutter jein . ,