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uldaer Zeitung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
4ienbläitw". Rowtwnsdruck und Verlag I inittw0tfl 7 ScöfCtnbCT 1932
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Bei den Steuergutscheinen ist die Reichsregierung über die ursprünglichen Sätze dagegen hinausgegangen. Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und Grundsteuer werden gleichmäßig um 40 Prozent erniedrigt, die Beförderungssteuer (eine reine Angelegenheit der Reichsbahn) sogar um 100 Prozent. Die Frage ist: wann läßt sich mit diesen Gutscheinen etwas anfangen? Sofort kaum, wahrscheinlich erst in einem halben Jahr. Immerhin manche werden diese Entlastung in ihr Kalkül einstellen können.
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Ein überraschendes Geschenk an den Haus- besitz bringt die Bereitstellung von 50 Millionen für Zwecke der Hausrepara- 1 ut- Auch sie soll als Anreiz dienen. Wer in Zukunft Reparaturen vornimmt, erhält 25 Proz. '".bar zurückerstattet. Die Frage: Wieviel Haus- Eltzer werden in der Lage sein, die übrigen 75 Mz. dazu auszugeben? Wieviel werden im Zusammenwirken mit dem Handwerk jetzt wenigstens “°rt .der alten, nur wenig beanspruchten Reichs- uurgschaft für Reparaturen Nutzen ziehen?
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Ernste Fragen und schwerwiegende Beden- knüpfen sich an die Bereitstellung von 700 Millionen Mark Steuergut'cheinen, die als Ein- u_illungsprämie gegeben werden sollen. Menn man die Regierung recht versteht, so will ver Schematismus ihrer Durchführung nicht nur ?,!e .Einstellung neuer Arbeiter, sondern auch dir Umstellung von der Vollarbeit auf die 40 stündige Kurzarbeit erzwingen. Was in der Praxis aus ^em Teil der Verordnung wird, hängt von der Schnelligkeit ab, mit der die Regierung auf Grund
Ermächtigungen Umgehungen und Durchsteche- reien verhindert. Immerhin ist erfreulich, daß die ^b^rige Kritik schon gewirkt hat, und daß als «uchkag nicht irgend ein beliebiger Termin des . arwhres, sondern bei' 15. August dieses Jah- M oder der Beschäftigungsdurchschnitt der Mo- ate 2uni, Juli, August 1932 gewählt wurde.
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Bit Attc ^anz große Frage sind die s o z i a l p o l i- ch a n Ermächtigungen des zweiten Teils ^^Notverordnung! Hier ist dem Reichsarbeits- ^Misterium für bie Zukunft freie Hanb gegeben ^en, fast alles zu ändern, was in sein Ressort "... Die Ermächtigungen finb aber auch des- k mutiu°u.^er^ fragwürdig, weil bie bisherige tiiims e**c Besetzung des Reichsarbeitsministe- of,-„ kaum eine Dauerlösung barstellt, unb man fragen muß: Was wirb ein neuer Reichs- niäck^luister mit diesen hundertprozentigen Er-
Mst^ssZungen anfangen? Die Regierung mahnt ^Mch hier zur Ruhe. Sie verweist auf den U Auftrag, den der Reichspräsident dem fc anä*cr kn Neudeck gab, unb bet ihm bie ■^„tun9 ber sozialen Fürsorge zur Pflicht machte. ■6üft ^9leicht am Regierungstisch diese Bot- Bkft 5,lni3en6urg§ mit ber großen sozialen Bot- K? "es damaligen Kaisers aus dem November 46er bie Arbeiter und nicht nur die Ge- duften werben ber neuen Botschaft ähn- <5tr»eifel entgegentragen, wie der alten. Sie
Der Weg nach oben?
Das große Experiment bet neuen Notverordnung, sehnlich erwartet, lange vorherverkündet und mH fielen Bedenken bedacht ist das Kinblem ber muen Notverordnung endlich ins Leben getreten
Börsenhausse von uberra chenden Ausmaßen stimmte mü Freudenfanfaren in seine Geburt em. Ein rosenroter Optimismus umwölkt viele, wenn auch nicht alle Horizonte.
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ist über bie neue Notverordnung schon r0 viel gesagt worden, daß ihr Grundgedanke nur L* gestreift zu werden braucht. Sie ist, das MB gegenüber vielen Gegnern und Kritikern unterstrichen werden, nicht Staats- oder Pmn- wirischaft. Sie ist ein Versuch des Staates, die Privatwirtschaft vorwärts zu reißen, durch Vorgriffe auf künftige Steuereinnahmen, durch Anreize individueller Art. Dann aber vor allem auch durch Senkung ber Gestehungskosten, burch Entlastung ber arbeitenden Betriebe. Was dabei herauskommt, hängt jedoch nicht nur vom Staat, sondern zu 50 oder wahrscheinlich mehr Prozent von der Privatwirtschaft ab. Die Verordnung ist die letzte Chance für das bisherige, viel befehdete System des Privatkapitalismus. Schlägt der Einsatz fehl, so fällt ba6 System. Glückt er so ist ber Schlagwortcharakter vieler Vorwürfe entlarvt. Einen Mittelweg zwischen beiben. -wischen Staatswirtschaft und Privatwirtschaft, gibt es aber nach biefent Einsatz nicht mehr. Das Experiment be§ Jahres 1932 ist bas letzte Experiment bieser Art. Hinter ber sozialen Subvention steht Gewehr bei Fuß bie soziale Revolution.
Von ben Einzelheiten ber Notverordnung ist vieles durch Rundfunkreden, Briefe und Verlautbarungen bekannt geworden. Trotzdem bleibt ein überraschender Rest. Gerade ihm gegenüber überwiegt nicht nur die Freude. Er schmeckt zum Teil bitter. Wie der Trank der Gesamtheit des deutschen Volkes mundet, hängt zum Teil davon ab, in welcher Mischung er endgültig serviert wirb. Es sind Ermächtigungen in ber Notverordnung, bei denen sich man das Beste, aber auch das Schlechteste denken kann. Um mit dem Peinlichen zu beginnen: Die Bürger st euer bleibt! Sie erfährt Erleichterungen, sie ist auch nur dort erhebbar, wo sie schon bisher erhoben wurde. Aber — sie fällt nicht fort. Sie trägt für das letzte Quartal dieses Jahres den Charakter einer neuen Steuer. Sie trifft auch nicht die Reichen, sondern die Armen. Es ist ein schwacher Trost, daß bie Ministerien immer mit ihrer Forterhebung gerechnet haben, unb baß aus ihr die Gemeinbehaushalte saniert werden sollen. Wer Lohnkürzungen erleidet und sie trotzdem bezahlen muß, spürt, baß hier eine unsoziale Steuer nicht ausgemerzt wurde, sondern erhalten blieb.
Det versuch zur Ankurbelung der Wirtschaft.
Die Mrtschaslsnorverordnung in Kraft gesetzt.
Dreiviertel Milliarden für öffentliche Aufträge — Steuergutscheine im Werte von 1,5 MiNiarden. 700 Millionen Mark Prämien für ReueinsieNung von Arbeitskräften. — Weitgehende Ermächtigungen auf dem Gebiet des Tarifwesens. — Wettererhebung einer modifizierten Vürgerfteuer.
Die neue Notverordnung Zur .Belebung ber Wirtschaft", bie am Sonntag vom Reichspräsidenten unterzeichnet wurde, ist auf Grund des Artikels 48 in Kraft gefetzt worben. Der Inhalt ber sehr umfangreichen Notverordnung enthält keine besonderen Ueberaschungen mehr, nachdem sie in ihren Grundzügen bereits vor einer Woche von Reichskanzler von Popen in seiner Rebe in Münster bekanntgegeben wurde. Ueber die neuen Wirtschaftsmaßnahmen der Reichsregierung gibt bie Reichsregierung eine 34 Schreibmaschinenseiten lange amtliche Mitteilung heraus, in der es u. a. heißt:
Die bisherigen Erfahrungen haben ergeben, daß eine noch so große Ausweitung beröffent« lichen Aufträge für sich allein niemals ein solches Maß an Arbeit schaffen kann, wie es zur wirksamen Bekämpfung der Arbeitslosigkeit erfor» derlich ist.
Reben einer Erweiterung des Programms der öffentlichen Arbeiten müssen deshalb wirksame Maßregeln zur Belebung der Privatwirtschaft treten.
Alle Maßnahmen der Regierung haben den Zweck, bie wirtschaftliche N o t des deutschen Volkes nach Kräften zu beheben und zu lindern. Dieses Ziel mürbe nicht erreicht werben, wenn die zu ergreifenden Schritte im späteren Verlauf zu wirtschaftlichen Rückschlägen führen könnten.
Deshalb muß alles vermieden werden, was die Stabilität der Währung beeinträchtigen könnte. Die wirtschaftlichen Bestimmungen der Verordnung sind in enger Zusammenarbeit mit der Reichsbank ausgearbeitet worden.
Das umfaffenibe Programm für bie Vornahme öffentlicher Arbeiten, das mit der neuen Verordnung verbunden ist, rechnet mit einem Gesamtaufwand der öffentlichen Stellen für solche Zwecke von nahezu drei Viertel Milliarden Reichsmark in den nächsten Monaten.
Die V e s ch ä f t i g u n g s p r ä m i e, zu ber sich bie Regierung trotz mancher Bedenken entschlossen hat, wird besonders den kleineren und mittleren Betrieben zugute kommen. Sie bietet einen starken Antrieb auf erweiterte Einführung der Kurzarbeit und bedeutet endlich eine sehr fühlbare Entlastung aller äffen tlichen Haushalte, besonders ber der Gemeinden von den Kosten ber Krisen- und Wohlfahrtsunterstützung. Die vorgesehenen Steuererleichterungen, die sich ausschließlich auf unmittelbar auf der Produktion ruhenden Steuern beziehen, sollen die Voraussetzungen dafür schaffen helfen, den Umfang der Produktion zu erhöhen und die Arbeitsgelegenheit zu vermehren. Die Beseitigung der Beförderungssteuer für ein Jahr wird sich in voller Höhe in zusätzlichen Aufträgen der Reichsbahn auswirken. Die Milderung der Umsatzsteuer wird deshalb gewährt, weil diese Steuer nur diejenigen trifft, die Umsätze machen und dadurch die Erzeugung fördern.
Die Herabminderung der Grund- fteuer — neben der Bereitstellung von bis zu 50 Millionen Rm. als Zuschuß zu Reparaturen für den Hausbesitz — soll in erster Reihe dazu dienen, die finanziellen Voraussetzungen für die Wiederherstellung der seit Jahren stark vernachlässigten städtischen und ländlichen Gebäude zu schaffen. Die Rückvergütung auf Gewerbe- ft e u e r n endlich bedeutet eine stark wirksame Entlastung der Produktion.
Die für ein Jahr gewährten Steuererleichterungen sind
ein Vorgriff auf die Sleuererkräge künftiger Jahre.
Es ist damit zu rechnen, daß die Steuereingänge nach Uederwindung der Wirtschaftskrise reichlicher fließen'werden, und daß dann die geplante Reform der öffentlichen Verwaltung sich in einer wesentlichen Senkung der Ausgaben ausge- roirtt haben wird.
von der Privatwirtschaft wird erwartet, daß sie durch Vergebung von Reparaturaufträgen, Durchführung privater und öffentlicher Arbeiten und sonstige zusätzliche Produktion die Arbeitsmöglichkeilen bald und erheblich steigert. Dazu bedarf sie in den meisten Fällen neuer zusätzlicher Kredite. Die Unterlagen hierfür bieten die Steuergutscheine. Diese werden des-
fürchten, daß eine Rationalisierung ber Sozialversicherung nicht zu Lasten des Staates, sondern zu ihren eigenen Lasten geht. Sie werden wahrscheinlich nur sehr schwer und kaum vor dem praktischen Beweis des Gegenteils ihre Auffassung ändern. Auch juristisch begegnet ber weite Spielraum ber Verordnung Bedenken. Reichsarbeitsminister Stegerwald wollte alle notwendigen Reformen im Einvernehmen mit bett Ländern unb dem Parlament durchführen. In Zukunft fällt diese bewußte Beschränkung fort.
halb zum Lombard bei der Reichsbank zugelassen. Sie werden darüber hinaus aber auch als Unterlage für zusätzlichen Diskontkredit bei den Banken und bei der Reichsbank dienen. Ferner werden sie an den B ö r - sen gehandelt werden.
Der Hilfe den gewerblichen Mitte l - st a n d dienen auch ' die Bestimmungen der Verordnung, nach denen erhebliche Beträge für langst: isti g e Kredite an mittlere und kleinere Betriebe sowie für gewerbliche Kreditgenossenschaften und Konsumgenossenschaften, die das Deposi- tengeschäft betreiben, zur Verfügung gestellt werden.
Für die Landwirtschaft
dient der mittelbaren Entlastung die Ausgabe von Steuergutscheinen in Höhe von 40 v. H.
des Steuerbetruges bei der Grundsteuer
und die Aufhebung der Umsatzsteuer für pasteuri- fiierte Milch. Darüber hinaus soll der grundsätzliche Beschluß der Anwendung von Kontingenten mit größter Beschleunigung erfolgen. Es wird mit den hauptbeteiligten Ländern in Verbindung getreten werden. Ferner wird auf eine fühlbare Ermäßigung der Zinslasten hingearbeitet. Dies gilt nicht nur für den Personal-, sondern auch für den Realkredit. Diese Maßnahmen müssen schnell in Gang kommen, da gegenwärtig 60 v. H. des Kleinbesitzes, 70 v. H. des Mitteibefitzes und 80 v. H. des Großbesitzes ihre Zinsen aus der Substanz leisten.
(Ueber die Einzelheiten der neuen Notverordnung und ihre praktische Durchführung .wird an rmderer Stelle unseres Blattes berichtet.)
Die veröffentlichten Wirtschaftsmaßnahmen werden von maßgebender Seite als ein konzentrisches Zusammenwirken alle Ressorts der Re i chs r e g ie ru n g gegen die Arbeitslosigkeit bezeichnet.
Die einzige Frage ist nun, ob der gegenwärtige Zeitpunkt richtig ist. Das wird von den verantwortlichen Stellen bejaht! Man führt dafür vor allem ins Feld, daß der Vertrag von Lausanne eine sehr viel wertvollere Voraussetzung für die wirtschaftliche Wiederbelebung ist, als man ihn bisher in Deutschland bewertete, und daß weiter eine ganze Reihe von Anzeichen dafür sprechen, daß sich in derWeltwirtschast ein Umschwung anbahnt. In diesem Augenblick greift die Reichsregierung mit einer Anzahl von Maßnahmen ein: Sie entlastet die Wirtschaft; sie gibt ihr mit den Steuergutscheinen außerdem die Möglichkeit zu größerer Kreditschöpfung; sie hilft ihr weiter durch eine elastischere Gestaltung ber Tarife und schließlich durch die öffentlichen Mittel, die für die Arbeitsbeschaffung zur Verfügung gestellt werden. Das sind fünf mal so viel, als ursprünglich gedacht war. Die drei Viertel Milliarden, von denen in dem Kommunique die Rede ist, setzen sich folgendermaßen zusammen: aus den 135 Millionen, die zunächst für Straßenbauten, Wasserstraßen und Meliorationen bewilligt waren; dazu kommen die 200 Millionen, die die gegenwärtige Reichsregierung für ihr Arbeitsbeschaffungsprogramm ausgeworfen hatte, ferner die 50 Millionen für Hausreparaturen und endlich 170 bis 200 Millionen, die die Reichsbahn aus der Beför- derungsfteuer spart und in Aufträge umwandelt. Die Post hat 60 Millionen für die gleichen Zwecke ausgeworfen, deren Finanzierung auch schon gesichert ist. Das macht eine Summe aus, die zwischen 600 und 650 Millionen liegt. Der Rest besteht aus Aufträgen, die augenblicklich noch beraten werden.
Natürlich sind in der Verordnung, die ja zum Teil aus Ermächtigungen besteht, deren Rahmen noch ausgeftillt werden muß, eine Menge Fragen enthalten, deren Verwirklichung im einzelnen geregelt werden soll. Die Arbeit der Ministerien ist deshalb keineswegs abgeschlossen, im Gegenteil, die Ressorts werden in den nächsten Wochen alle Hände voll zu tun haben. Ein großer Teil dieser Arbeitslast liegt namentlich auch auf dem Reichsarbeitsministerium. Uebrigens wird- die Tarifverordnung, für die dieses Ministerium hauptsächlich federführend ist, wie möglich im Reichsgesetzblatt herauskommen. Ihr Inhalt ist bereits ebenfalls in der langen Verlautbarung der Reichsregierung enthalten. Um die Durchführung sicherzustellen, wird der Reichsarbeitsminister vor-
Hier ballt sich mitten in ber neuen Notverordnung droh end ein Gewitter zusammen. Es wird ber Regierung nicht leicht fallen, bie nicht ganz ohne ihr Verschulden entstandenen Bedenken zu beseitigen.
Mit diesen kurzen Hinweisen mag es für heute genug sein. Die Notverordnung ist da. Die fälligen Ausführungsbestimmungen werden in kürzester Zeit folgen. Neue weitere Notverordnungen sind bereits angekündigt. Sie werden
aussichtlich Ende der Woche die Schlichter zu einer Konferenz nach Karlsruhe zusammenberufen.
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Reichswirtschaftsminister Warmbold und Finanzminister Gras Schwerin von Kro. s i g k sprachen am Montag abend am Rundfunk über die neue Wirtschaftsoerordnung.
Der Landbund lehnt ab.
rotb. Berlin, 6. Sept. (E-g. Meld.) In einer Entschließung des Reichslandbundes wird das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung abge. lehnt, weil den landwirtschaftlichen Erfordernissen zu wenig Rechnung trage. Der Landbund fordert eine Verlagerung des Schwerpunkts des deutschen industriellen Absatzes auf den Binnenmarkt und kritllsirt die Reichsregierung, weil sie die Einfuhrkontingente zum Schutz der Landwirt, schäft nicht genügend anwende, ihrer Handelspolitik nicht ausgesprochene agrarpolitische Schutztendenzen zugrunde lege.
Steueranrechnungsscheine und Reichsbahn
Bekanntlich wirb bie Reichsbahn für bie Zeit vom 1. Oktober 1932 bis 30. September 1933 ihre Beförbe- rungssteuer in voller Höhe in Form von Steueranrech- nungsscheinen zurückvergütet erhalten. Da man bie Höhe ber Beförberungssteuer auf etwa 190 Millionen RM. je Jahr schätzt, wirb also bie Reichsbahn in bie- 'ser Höhe auch Steueranrechnungsscheine erhalten, unb zwar, ba bie Beförberungssteuer monatlich abgesührt wirb, monatlich etwa 15 Mill. Inwieweit bie Reichsbahn biese zusätzlichen Mittel zu Aufträgen verwenben kann, wirb davon abhängen, inwieweit sie bie Scheine flüssig machen kann. Legt man optimistisch einen Kurs von 90 Prozent zu Grunbe unb eine Lombarbierung von 75 Prozent bes Kurswertes, bann wirb bie Reichs- bahn monatlich über etwa 10 Will, neuer Mittel verfügen. Bei Bornahme ber Bestellungen auf (Brunb später eingehender Steueranrechnungsscheine wird die Reichsbahn aus allgemeinen Liqurditätsrücksich- tert vorsichtig vorgehen müssen. Sie hat zwar einerseits durch die Reichsbahnanleihe ihre Liquidität verbessern können, dem steht aber gegenüber ein Ausfall auf (Brunb der zu Beginn des Jahres vorgenommenen Gütertarif- fenfüngen, ber auf minbeftens 300 Mill, geschätzt ro'tb, weil eine entsprechenbe Belebung des Güterverkehrs nicht eingetreten ist. Die Ende des Monats stattfindende regelmäßige Derwaltungsratssitzung wtrd sich voraussichtlich auch mit dieser Materie befassen. Beschlüsse über den oben skizzierten Rahmen hinaus sind jedoch nicht zu erwarten.
ReichskagssihAUg um 12. September.
DDZ. Berlin, 6. Sept. (Eig. Meld.) Wie das Nachrichtenbüro des VDZ. hört, hat Reichstags- Präsident Göring der kommunistischen Fraktion auf deren Schreiben mitgeteilt, daß der Reichstag für Montag, den 12. September, 3 Uhr, zu einer Sitzung einberufen würde mit der Tagesordnung: Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung. Der Empfang des Reichstagspräsidiums durch den Herrn Reichsprä- fidenten soll am Samstag stattfinden.
Die Verhandlungen zwischen Zentrum u. NSDAP,
VDZ. Berlin, 6. Sept. ((Eig. Meld.) Wie das Nachrichtenbüro des Vereines Deutscher Zeitungsverleger meldet, wird die Tatsache, das Reichstags» Präsident Göring den Reichstag für nächsten Montag einzuberufen wünscht, in politischen Kreisen dahin gedeutet, daß man hofft, noch bis zum Ende der Woche eine gewisse Klarheit über den Ausgang der Besprechungen zwi. scheu Zentrum und Nationalsozialisten zu erhalten. Hierauf dürfte auch hindeuten, daß Adolf Hitler Donnerstag abend voraussichtlich wieder in Berlin sein wird. *
Die Mitteilung eines Berliner Mittagsblattes, der Geschäftsführer der preußischen Zentrumsfrak- tion, Abg. Dr. Graß, sei nach Berlin zurückgekehrt, um heute die Verhandlungen mit den Nationalsozialisten in Preußen wieder aufzunehmen, ist, wie von Zentrumsseite erklärt wird, unzutref- fern Abgesehen davon, daß der stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Abg. Stege, der zur Zeit allerdings in Berlin weilt, zum Derhandlungslei« ter von der Fraktion bestimmt ist, sind im Au« genblich keine neuen Besprechungen in Aussicht genommmen. Man dürfe auch in Preußen zunächst einmal den Fortgang der Besprechungen im Reich abwarten, bevor hier neue Verhandlungen mit den Nationalsozialisten stall« finden.
noch schärfer das Gesicht der Regierung profilieren. Aber wie man auch zu all dem stehen mag, das Eine darf nicht vergessen werden- Hier wird ein Weg versucht, der nicht abwärts, sondern aufwärts führen soll. Alle vernünftigen Menschen in Deutschland haben ein Interesse an dem Gelingen des Experiments. Nur ein Tor oder ein unverantwortlich er Egoist, nur von allen guten Geistern verlassene Politiker können sich in diesem Augenblick in die Speichen des nach vorwärts drehenden Rades hemmend hineinwerfen.