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NILS

Ar. 204

Verlage zur Fuldaer Aelkung

4. September.

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Thema -es Kalholikenlages. Don Arbeitersekretär Gockeln (Düsseldorf).

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auf die Großstadt, wenn man ihre Präsenzstärke an Volkhaftiflkeit nachprüft. Aber ein müder und passiver Pessimismus ist abzulehnen. Heute heißt es, anflefichts der Stadtrandsiedlung, L a n d l u f t macht frei. Landluft macht wieder gesund an Leib und Seele. Das ist eine großstädtische Losung, die auch vom Bauerntum herzhaft ergriffen wird. Wir träumen dabei nicht von utopistischen Zielstel­lungen. Man kann eine Stadt baulich nicht von heute auf morgen umändern. Auch in nächster Zu­kunft werden Typenhäuser geschaffen werden. Aber diese lassen sich mit warmer Häuslichkeit und Fa- miliensinn erfüllen. Es ist die Vorzugsstellung des

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Wegs: wird der Pessimist zugeben müssen. Ja, aber diese Welt hat doch der Mensch selbst ge­schaffen, ist doch Werk seiner Hände und seines Geistes, antwortet eine freigeistige Stimme. Wo ist hier Gott, wo spüren wir seitie Hand?

wird, wenn einlieb Kind sein wollen" bei lieber- geordneten, wenn also Schmeichelei in den Vorder­grund tritt, dann beginnt ein unlauteres Drängen nach Plätzen, die einem nicht zustehen. Davon spricht der Heiland im Gleichnis von der Gasttafel. Jeder Posten fordert feinen Mann. Aber nur der soll ihn einnehmen, der dazu berufen ist. Daß du deine Arbeit an der Stelle, wo du stehst, richtig machst, darauf kommt es an. Und dein Gewissen soll dein Richter sein. Dann hast du es nicht nötig, um die Gunst eines Vorgesetzten zu buhlen. Deine Arbeit wird schon selbst für dich sprechen, weil du sie vor Gott verantwortest, und weil du sie dadurch zum Gottesdienst machst.

heute noch ehrbare Menschen in allen Lagern sieht, wird als Verräter gebrandmarkt. Es ist heute un­klug, den Mantel gegen den Wind zu hängen. Leider! Armes Vaterland, armes Volk, das sich so zerreißt!

Das tut mir auch leid, daß es so ist," wendest du ein,aber was kann ich daran ändern? Wir sind doch beide machtlos solchen Dingen gegenüber."

Es scheint saft so. Aber es ist doch anders.

So ein bißchen Strebertum steckt in jedem Men­schen drin. Und soweit das Streben mit der rech­ten Leistung verbunden ist, ist das Wort vorwärts-

Wenn man die Großstadt vam deutschen Volks­tum her sieht, so fragt man zunächst, was i st deutsches Volkstum? Das ist das Hohe­lied von der Eigenart deutschen Wesens und vom unendlichen Reichtum des deutschen Volksgemüts, das ist unler Volk in seiner Arbeit und in seiner Rot, in leidvollen Passionszeitaltern und mit dem Dennoch eines entschlossenen und gemeinschafts­bildenden Lebenswillen.

Die Großstadt weist bereits viel erschüttertes und viel verschütte­tes Volkstum auf.

Wenn deutsches Volkstum iz>. feinen besten Erschei­nungen lebensvolles Ineinandergreifen und ein schicksalhaftes Zufammenstehen der Volksgruppen und Berufsgruppen ist, so hat in der Großstadt weithin der Volkstumsgedanke jenem Massenmen­schentum Plaß gemacht, das als Ziel das graue Einerlei und als Forderung die Einförmigkeit der klassenlosen Gemeinschaft aufstellt.

Volkstum ist ein voller und herzhafter Besitz der Rasur.

Die Großstadt ist arm, ja bitterarm an naturfreu­digem Volkstum geworden. Die Familie ist die wachstumsfreudige Zelle, der geheimnis­volle Brunnen und das große Mysterium der deut­schen Volkskraft. Dagegen brachte die Industrie­stadt für die Familie einen Volkstumsschwund und einen Volkstumsoerlust. Düstere Schatten fallen

sierung des Proletariats herbeizuführen. Niemand darf fehlen, auch die Gottlosen nicht. Man kann diese Bewegung nicht ausschließlich mit Protesten und äußerer Abwehr erfassen.

Gottlosigkeit bekämpft man am erfolgreichsten durch opferwillige Tat, durch eine wirkliche, vom Christentum erfüllte Drudergesinnung.

Deutsches Volkstum wird kraftlos und überdies in der Großstadt haltlos, wenn es nicht immer wieder bei religiöskulturellen Kräften Anleihen, Auffrischungen und Renaissancen vornimmt; denn schließlich ist deutsches Volkstum mehr «ls ein Museum, als eine Sammlung von landschaftlich bemerkenswerten Volksbräuchen. Deutsches Volks­tum ist in der tiefsten Wurzel und in der groß­artigsten Erscheinung die sittlich disziplinierte und opferbereite Haltung der deutschen Seele, die ihren Lebenswert besaht, die weder von Karl Marx noch von Lenin sich gefangenseßen läßt, die sich ebenso­wenig an eine Vergottung der Ration ausliefert.

So gilt auch für die deutsche Großstadt, solange sie besteht, solange ein deutsches Volkstum in ihr atmet und lebt, das überragende Leitmotiv und der schöpferische Sinnspruch:

Mit Christus für Deutschland; Christus, Herr der neuen Zeit! Das Königtum Christi auch in der neu zu formenden Großstadt.

Das ist das Morgenrot und die Lonnenkraft von Essen.

nerlichkeit, der kennt ihn nicht. Wer in der Groß- stadt nur Vergnügungsstätten und Bars sieht, bleibt an der Oberfläche haften. Wer in unsere Kirche kommt, ist überzeugter Katholik. Er kommt nicht aus nachbarlicher Rücksicht, die es hier in der fremden Stadt nicht gibt.

Auch der Großstadtmensch ist nicht ohne Gott- vertrauen. Nie sah ich in meinem Leben soviel Beter vor der Immerwährenden Hilfe wie in unzeren Großstadtkirchen. Tiefste Gläubigkeit be- wech ihre Kraft in der Meisterung des Lebens. Dieses aber ist für Ungezählte unserer EroHstadt- menichen bitter hart.

Wer richtet sich nicht auf an dem Beispiel, bas uns Hunderttausende unserer Erwerbs­losen geben?

t Wo- J ter.)

Katholizismus, deutsche Geschichte nicht bloß als eine Einkreisung von übermächtigen Realitäten zu werten, sondern deutsche Geschichte ist immer wie­der anzusprechen als die sich wiederholende Durch­bruchsschlacht von Kulturideen und als eine Neu­kolonisation von geistigen Werten.

Wir brauchen Pioniere der neuen Großstadt­idee nicht b' in einer Elitetruppe, sondern in ollen Kreisen. Wir brauchen eine seelisch be­wegte Mobilmachungsordre, die sich an das ge­samte Proletariat wendet, um die Entproletari-

ganz unabhängig von der Natur. Als Arbeits- und Wirtschaftsraum ist die Großstadt angeroie- fen auf die Bodenschätze der Natur. Kohle, Erze, Wald und Stein, Wasser und Strom, bestimmen auch heute noch vorwiegend den Standort des Arbeitsplatzes. Großstadtmenschen jedoch kennen im religiösen Bewußtsein keine Abhängigkeit von der äußeren Natur. Ihnen ist Großstadt Kunst­werk, technisierte Planmäßigkeit. Die Zeitbestim­mung ist nicht mehr von der Sonne abhängig. Entscheidend ist Fahrplan, Anschlußmöglichkeiten, Fahrt-, Flugdauer und Schichtwechsel.

Großstadt hat die Natur besiegt, sie eingeweckt. Kein vorwitziges Grashälmchen wächst am zemen­tierten Bürgersteig. Keine Heckenrose rankt außer­halb der Fluchtlinien. Die Natur ist auf die Ressorts des städtischen Park- und Gartenamtes beschränkt. Großstadt und Technik haben dre Natur nicht nur v erdr ängt, son­dern sie auch entzaubert. Gewitter und Unwetter sind dem Großstädter selbstverständliche atmosphärische Vorgänge. Der Blitzableiter er­scheint zuverlässiger als die geweihte Kerze im früheren elterlichen Haus. '

Hier stehen wir vor einer neuen Welt. Sie kündet den Triumph und die Herrschaft der Tech­nik. Ihre Symbole sind: Fördertürme, Hütten­anlagen, Hochhäuser, Radio, Flugpost, Rheingold und Hängebrücken. Diese Technik imponiert, hat aber keine Geheimnisse.

Wir sagen ja dazu, weil auch in den Werken des großindustriellen Lebens uns Gottes Schöpfung offenbar wird. Wer Christus in der Großstadt nicht sieht, ist blind gegenüber den mannigfachen Zeichen christlichen Lebens. Wer es nicht glauben will, folge uns mit offenen Augen durch die Kirchen, Arbeitsstätten, Einrichtungen und Familien un­serer Großstädte.

Antwort gibt uns zunächst das Werk der Groß­stadt selbst. Ist das nicht Gottes Werk? Ist Gottes Schöpfung etwa mit der Veredelung un­serer agrarischen Welt abgeschlossen? Unmöglich: wird uns selbst der Zweifler darauf antworten. Ist Gottes Wesen nur mit Feld und Wald, nur mit Pflug und Halm verbunden? Keines-

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16, Sonntag nach Pfingsten.

Eingangslied sps. 85, 3 u. 5.).

Erbarme dich meiner, Herr, ich rufe zu dir den ganzen Tag. Denn du, o Herr, bist gut und mild unö reich an Gnade für alle, die dich anrusen. (pi ebb. 1) Neige, Herr, dein Ohr zu mir und erhöre mich; denn hllflos bin ich und arm.

Epistel. (Eph. 3, 1321.)

Brüder! Ich bitte euch, werdet nicht mutlos we­gen der Drangsale, die ich für euch leiden muß; fie gereichen ja euch zum Ruhme. Darum beuge ich meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Je­sus Christus, von dem jede Vaterschaft im Him­mel und auf Erden ihr Dasein hat, er möge euch nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit verleiben, daß ihr durch feinen Geist dem inneren Menschen nach erstarket, daß Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne, und ihr selbst in der Liebe festgewurzelt und feftgegrünbet seiet. So werdet ihr mit allen Heiligen begreifen können die Breite und Länge, die Höhe und Tiefe; ihr werdet auch die Liebe Christi verstehen, die alles Erkennen übersteigt, und so mit der ganzen Fülle Gottes erfüllt werden. Ihm aber, der all das vermöge der Kraft, die in uns wirksam ist, vollbringen kann, weit mehr, als wir erflehen oder erdenken können, ihm fei Ehre in der Kirche und in Christus Jesus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit Amen.

Evangelium. (Lukas 14, 111.) Streitrede mit den Pharisäern.

Am die ersten Ptätze. . .

Bekrachkung zum Sonnlagsevangelium.

[ Gewiß sind dir auch schon Menschen begegnet, die durch ihr Gebahren voller Wichtigtuerei dir widerlich geworden sind. Sie hasten sich und ihre Arbeit für unersetzlich und es scheint, daß ohne sie die Welt nicht bestehen könne. Diese Menschen sind nicht für die West da, sondern die Welt ist für fie da, damit sie sich in den Vordergrund stellen können Alles legen fie darauf an. um eine Rolle zu spielen.

I Man läßt das Gehabdn solcher Menschen über f sich ergehen, wie man einen Platzregen über sich ! ergehen läßt. Ader damit sind sie nicht ausge- > schaltet. Die großen Worte so'cher Naturen sind i ftüort dort verändert, wo ihnen ein Uebergeorbneter r entgegentritt. Ihr Benehmen ist dann auf Schmei- rfietei, auf Gunsterwerb eingestellt. Ist gar die : Aussicht vorhanden, ein Pöstchen zu erwerben, dann i Hetzen Schmeichelei und Eigenlob so ineinander, daß auch der Uebergeorbnete glaubt, einen tiichti- ' gen Menschen vor sich zu haben. Gar mancher ist

so zu etwas gekommen. Widerlich ist es, in einem | betrieb zu arbeiten, wo e;nem solche Vorgesetzte vorstehen. Die Luft ist vor lauter Streberei wie verpestet. Solche hochgekommenen Streber sind l die lästigsten Vorgesetzten. Sie kennen alle Kniffe, | ®,e "iM andere täuschen kann und denken über ! ihre Untergebenen nur Schlechtes.

- ^vnk dir einmal unser öffentliches Leben von oll solchem Strebertum befreit! Wieviel Gemein- W und Gehässigkeit wäre entschwunden, wie viel »riebe geschaffen. Der ganze politische Kampf Ware entgiftet. Denn sachlicher Gegensatz bewirkt keine Gehässigkeit. Ich kann selbst mit einem guten »reunb über eine Sache zweierlei Meinung sein.

« $ir e*nma^- olle Menschen, bie heute von ,,n*erJpnfr5beaeifterung äußerlich triefen, würben lhrVaterland von Herzen lieben. Die deutsche Zwietracht wäre einem großen einbeit» i Gedanken gewichen. Dann würden wir wenigstens einigermaßen gegen die Not kämpfen rönnen, so aut es eben in einer Not-eit geht. Zeigt oder bei uns einer ein anderes politisches Fähn- u-k $ann ^*n Tun ohne weiteres verpönt, Mt wenn er die beste Absicht hätte! Wir haben v solche Dinge erlebt. Denk dir nur einmal, rlreter aller politischen Parteien wären zu ernster Arbeit bereit, ein wrklich guter Vorschlag r Linken würde von der Rechten ohne weiteres genommen, weil er an sich gut wäre. Herrlich ®ore das, und wir Deutsche hätten wirklich ein Va- «nanb, bas uns allen gehört. Und warum ist b nicht so? Weil bie Parteien zu stolz sind, et- ^^^^^^^^^^^d^kennen^We^

Millionen geben uns darauf die Antwort. Ihnen ist nicht nur die Bestellung des Ackers ein gottgefälliges Werk, nein, alles Wirken menschlichen Geistes ist gottgegebene Aufgabe.

Darum ist für uns das edle Werk mensch­lichen Geistes auch Gottes Fügung. Fürchten wir nicht baß dieser Geist Gott entkleide und das Welträtsel löse. Auch da, wo der Funke den Aether durchfchwingt, bleibt das Unendliche unbeantwortet.

Nein, so preisen wir Gott in der Schöpfung menschlichen Geistes, weil er uns so näher seine Unendlichkeit schauen läßt. Das ist die Gottes­erkenntnis des Großstadtmenschen. Darum liebt er sein Werk, wie der Landmann seinen Acker. Horchen wir hinein in die Seelen dieser arbeiten­den Menschen. Entgegen allen Feststellungen mo­derner psychotechnischer Seelenärzte, ist der Ar­beitsmann der Großstadt von tiefem und ernstem Pflichtbewußtsein. Immer wieder tritt neben das Kreuz das Zeichen des modernen Arbeitslebens. Wer behauptet, der Großstadtmensch fei ohne In-

DroWadk, Volkswm unv Kation

; Non Unioerfifätsprofeffor Dr. Schreiber.

QnS^ie Großstadt Essen hat uns gerufen. Die . vrey deutschen Großstädte haben sich diesem be» anaeschlossen. Stimmen und Funk- miaje rommen von allen Seiten. Der millionen- ftir/ ^precbchor der Arbeit und der Wirtschaft, die ^ ende Sinfonie der stählernen Kolben und der i^enben Hämmer, selbst der leuchtende Nacht- Industrie mit seinen lodernden Feuer- ü*. kQes alles bat weithin ins deutsche Land Anc»!5gerufen: Kommt zu uns! Wirbrau- So-h ,..eud>! -ettet uns-l Helft uns! iW <lfenta«e sind ja nicht Prunk und Fassade, ej J. -Oenionstration und Masfenrausch. sondern e Heerschau und ein Kampf für l°«be und Heimat.

auf wie eine riesenhafte Schiefertafel,

tzilan, wnhelos für alle deutschen Großstädte eine werd/' »ITl ästiges Soll und Haben ausgestellt Plus " kann. Aus dieser Schiefertafel kommen Leben- l.mb Minuszeichen des großstädtisch/i uhQebms oabIid,,es und Vorteilhaftes, gesunde u.

n°e Lebensbedingungen, bittere Erfahrungs- $«sbn>rfUnib verjüngende Reformgedanken zum fshrun . ®ot$ s^u vorab ist es als eine Er- und als eine (Beneralftabsibee sest- bensQuei E Großstadt ist ein unentbehrlicher fie- ^rüt,J)rU(f des deutschen Volkstums und ein

I Utt der deutschen Nation.

Gott in der Großstadt wird nm so leben­diger und stärker sein, als wir Bolkskirch« sind und lebensgestaltende Kräfte zu ent­wickeln vermögen.

Darum sollte das gesprochene Wort unserer Großstadtkirche lebensnahe und blutvoll sein. Dann empfindet auch der geistig gebildete Mensch di« Tiefe und Weste unserer Lehre. Dann greift es dem Bergmann tief in die Seele, wenn er nach schwerster Arbeit unter Tage abends in unsere Missionspredigt kommt. Soll Gottesbe- wußtsem in der Großstadt lebendiger sein, brau­chen wir die sichtbare Erinnerung. Großstadt ist nüchtern, ist arm an christlichen Symbolen. Unsere Kirchen büßen ein gegenüber den Fassaden der Hochhäuser. Unsere Straßenfronten sind kahl und ohne christliches Zeichen. Um die Hinterhöfe weht kein Fluidum christlicher Tradition oder seelischer Geborgenheit. Kein Priester segnet die neuerstellte Wohnung. Großstadt denkt nur an den Augen­blick. ist Gegenwart. Großstadt ist ohne das wert­volle Generationenbewußtsein.

Um so mehr Wert müssen wir darauf legen, in der kirchlichen Liturgie und den religiösen Aeußerungen das heutige Leben sichtbar werden zu lassen. Darum geben wir dem modernen Be­rufsleben das religiöse Sinnbild. Warum beten wir nicht um Schutz gegen die moderne Geißel der Menschheit, gegen die Arbeitslosigkeit? Wa­rum erflehen wir nicht Gottes Hilfe für die vielen seelischen und leiblichen Gefahren, die den Arbeitslosen und ihren Familien drohen? Warum beten wir nicht für den aufrechten Staatsmann von heute und für eine gute Wahlentscheidung? Wir ehren die Token des Krieges. Gedenken wir daneben auch der Zehntausende, die jährlich auf dem Schlachtfeld der Arbeit fallen.

Hier müssen wir über die ersten zaghaften Versuche hinaus zu einer eindeutigen Haltung kommen. So schaffen wir Widerstand gegen eine öde Ledensbetrachiung und tragen Weihe hinein in den Mechanismus der Arbeitswelt.

Dürfen wir schweigen von dem Heroismus, der uns im der Haltung des in seiner Arbests- losigkest duldenden Familienvaters begegnet? Wenn ' >en, steht vor uns die Helden­

gestalt der kinderreichen Mutter, die trotz der Tränen und Dürftigkeit ihres Daseins sich nicht verlassen fühlt. Ist es nicht heilige Haltung, wenn die arme H au sänge stellte von ihrem mo­natlichen Lohn von 25 Mark uns 10 Mark monat- wich für die Winterhilfe zur Verfügung stellt? Ist es nicht missionarisches Vorbild, wenn unsere erwerbslose Jugend von der eigenen kargen Un- terstützung noch übrig hat, um das Weihnachtsfest der Jälermften im den Asylen zu ermöglichen?

So läßt Gott uns seine Gegenwart in der Großstadt mannigfach schauen. Diese Beispiele sind uns nicht nur Hoffnung, sondern auch Gebot.

Gott im der Großstadt ist nicht zuletzt eine neue gewaltige Aufgabe unserer Kirche. Tas Ge- heminis ihrer Kraft kn einer tausendjährigen Wirk­samkeit liegt darin, daß sie Lebensführerin war.

Die Entwicklung des letzten Jahrhunderts hat die Verselbständigung des wirtschaftlichen und so­zialen Lebens gebracht. Selbständig entscheidet der Mensch im den Fragen des irdischen Daseins. Diese Verselbständigung darf jedoch nicht zur Trennung werden. Weder durch eine falche und wesens­fremde Neutralitätserklärung noch durch ein Zurück- weichen vor den Mächten, die die Kirche aus dem Strom der kulturellen Beeinflussung und Gestal­tung ausschließen möchten. Nein, unserem Glau­ben ist wesensgemäß die Durchdringung aller Le­bensgebiete. Noch ist der feste Reifen unserer Kirche nicht gesprengt.

Unzähligen unserer Zeitgenossen bedeutet das ThemaGott in der Großstadt" ein Wagnis. Ich meine zunächst diejenigen, die die Großstadt sehen und werten vom Lande her. Sie glauben Widersprüche zu sehen und Unvereinbarkeiten zu empfinden. Großstadt ist nach ihrer Meinung schlechthin mit Gott unvereinbar.

Warum diese Ablehnung durch die Landbewoh­ner? Sie urteilen aus der eigenen Welt. In der heimatlichen Scholle fest verankert, ist ihnen die Großstadt das Asyl, die Herberge fürHei- mutlose und Enterbte. Bedenken ande­rer Art kommen aus der Großstadt selbst. Dazu gehören Stimmen aus unseren eigenen Reihen. Es sind bie Hoffnungslosen. Vor ihnen stehen Geburtenstatistik, Kirchenaustritte und Ehe­scheidungsziffern. Sie erschrecken über das Tempo dieser Entwicklung. Sie spüren den Druck mächti­ger weltanschaulicher Gegner, und sind Zeuge der vielfachen Gefahren großstädtischen Lebens. Wie­derum andere sehen wir, die für das Thema Gott in der Großstadt" nur ein Achselzucken ha­ben. Kein Gegner der Großstadt an sich. Es sind diejenigen Schichten, denen das WortGott" nichts mehr bedeutet.

Schon diese wenigen Hinweise umreißen die Bedeutung der FrageGott in der Großstadt" und zeigen die Notwendigkeit der Auseinander­setzung.

Die Großstadt ist für uns Tatsache.

Sie wird nicht mehr wegdiskutiert, sondern sie ist und bleibt. Gewöhnen wir uns an die Größen­ordnung. 1925 wohnten 27 Prozent der deutschen | Bevölkerung in 45 Großstädten. Heute wird es bereits ein Drittel der Gesamtbevöl­kerung sein. Rechnen wir die Mittel- und Klein­städte hinzu, so sind es rund 70 Prozent. Alle Rücksiedlungsromantik vermag daran nichts zu än­dern. Unser wirtschaftliches Leben wäre ohne die Stadt nicht denkbar. Großstadt gab Wissenschaft und Technik die unbegrenzten Möglichkeiten der Entfaltung. Von der Stabt her hat unser be­rufliches Leben ein« tausendfältige Vielseitigkeit erlangt.

Großstabt ist nicht nur Tatsache, sondern fie ist auch Symbol. Symbol für die gewaltigen Veränderungen, die wir durchlebten. Sollen wir diesen Wandel beklagen? Es wäre nutzlos. Schrecken uns etwa die Dimensionen der neuen Welt? Wir wären kleingläubig.

So ist der Essener Katholikentag bas große 3a zu Gottes Reich in der Großstadt.

Das Eottbewußtsein des Eroßstadtmenschen hat seinen besonderen Charakter. Gott tritt ihm ent­gegen in den Zeichen, die eine moderne Technik und Wirtschaft geschaffen hat. Stellen wir gegen­über: Das religiöse Bewußtsein unserer Vor­fahren erhielt eine wesentliche Stütze in der Na­tur. Der einzelne Mensch lebte mit der Natur. Ja, noch mehr. Sie war sein Schicksal. Alle Lebensformen wurden von ihr geprägt. Der Wech­sel von Tag und Nacht bestimmte bie Zeit, regelte Arbeit und Ruhe. Der ganze Lebensinhalt wurde bestimmt nach den Gesetzen der Natur. Das reit» giöse Bewußtsein wurde durch die äußere Um­welt immer wieder genährt. Die Natur war da­mit ein wichtiger Bestandteil der religiösen Er­ziehung.

Demgegenüber die neue Welt des Groß- stadtmenschen. Schon die wenigen Hinweise ge­nügten, um den tiefen Gegensatz zur Jetztzeit auf­zuzeigen. Auch heute ist die Großstadt noch nicht

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