Ar. 201
Beilage zur Fuldaer Zeitung
1. September.
Aur du ... .
Nur du allein Bezauberst mich.
Mein Herz ist dein Und liebt nur dich.
Und froh erklingt Mein Lied dir zu. Ein Glück durchdring' Mich ohne Ruh.
Laß wegentlang Mir deine Hand, Der Liebe Klang Als treues Pfand.
Franz Cingia.
Geordnete Selbstliebe.
Es gibt ein natürliches Schauspiel, das sich soundso- oftmals im Jahre wiederholt: Die Sonne geht leuchtend am abendlichen Horizont nieder. Nicht nur die Natur, sondern auch alles, was Menschenhand gemacht hat, liegt in ihren Strahlen und im Glanz einer eigenartigen Schönheit. Wieviele Menschen sehen diesen Sonnenuntergang? Wieoiele werden einen Augenblick stille und besinnlich und empfinden etwas von Freude beim Anblick dieser Naturschönheit! Nur wenige. Die meisten sehen gar nichts und bleiben in ihrer Alltagsarbeit versunken, als ob nichts geschehen wäre.
Nicht nur die Nächstenliebe stellt eine hohe Anforderung an unsere Liebeskraft, sondern auch die geordnete Selbstliebe. Ja, sie ist ein Maß für unsere Nächstenliebe. „Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst." Wir lieben uns aber nur selbst, wenn wir danach streben, daß unsere körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte in einem bestimmten harmonischen Zusammenklang stehen: wenn wir uns nicht physisch abhetzen bis zum Stumpfsinn, wenn unser Geist aufnahmefähig für höhere Güter bleibt; und wenn die Seele nicht nur in der Arbeit, sondern auch in der Erholung mitschwingt. Die geordnete Selbstliebe hat Maß und Zucht, strebt nach Sinn, Erfüllung und Anmut und Würde' Sie gibt der Arbeit ihren pslichtmäßigen Raum und der Erholung die Atmosphäre der Ruhe und Freude. In der geordneten Selbstliebe liegt die Herrschaft der Seele über den Körper, die Herrschaft des Geistes über die Materie.
Unser heutige Zivilisation ist krank an der Ueber- steigerung und der Geringschätzung der Selbstliebe. Ich will heute nicht von dem ersteren sprechen, sondern von der falschen Achtung des eigenen Menschenbildes. Im tiefsten Grunde ist sie sogar ein bestimmter Hoch- mut. Er liegt im falschen Arbeitsmaß, weil man eine übermäßige Aufgabe täglich erfüllen will; so werden die Kräfte einfach nicht ausreichen, weil man hinter einem Erfolg herhetzt, der einem nicht bestimmt ist; weil man an die Wunder eine Statistik glaubt, die nur oberflächliche Resultate seststellen kann. Man prägt sich das in die Worte: „Ich muß es einfach zwingen!"
Mit dem falschen Arbeitsmaß verbindet sich ein künst- Iicfjes Arbeitstempo. Auch dafür gibt es ein wunderbares Schlagwort, das „Weiter!" heißt. Fast bis zum Wahnsinn steigern wir das Arbeitstempo, so daß schließ, lich die Menschen wie Nummern an uns vorüberrasseln.
Und dann nennen wir das „Rationalisierung ' und „Arbeitskonzentration!"
Ein drittes kommt hinzu: Der lange, drückende Arbeitstag stumpft uns ab. Wir sehen die Schönheiten der Natur nicht mehr. Wir hören nicht mehr, was Kunst und Natur uns verschwenderisch schenken. Das Einfache und Große, das Stille und Köstliche wird uns zur Plage. Wenn man sich an die Dinge verschenkt, so daß man seine eigene Freiheit verliert, besteht die Rache der Dinge darin, daß sie uns nicht mehr beschenken in den Stunden der Erholung.
Ich weiß, daß die meisten von Ihnen denken: „Wer könnte seinen Arbeitstag einrichten wie er wollte! Wer kann das Maß und Tempo feiner Beschäftigung regulieren!" So seufzen die meisten von uns. Es liegt etwas Wahres in der Behauptung, daß die Borgefetzten die Hauptverantwortung für Ziel und Maß unserer Arbeit haben. Aber trotzdem bleibt uns für die Organisation und für die Beseelung unseres Arbeitsteges sehr viel selbst zu tun übrig. Wer wollte von uns behaupten, daß er immer das Wesentliche vorn Unwesentlichen scheidet und nebensächliche Dinge ausschaltet? Wir Frauen haben eine eigenartige Vorliebe für restloses Alleintragen der Verantwortung und für Ausschaltung aller Hilfsmöglichkeiten. Wir kleben auch irgendwo an traditionellen Methoden, an einem überlieferten Schema, von dem wir nicht abkommen; weil es immer so gemacht wurde, machen wir es weiter.
Alle geordnete Selbstliebe ist beweglich, geistig produktiv, ja sogar erfinderisch. Sie überwindet den starren Bürokratismus, die graue Gleichförmigkeit des Alltags. Warum sollte die Selbstliebe nicht Glut haben, die das Dunkel, Schwere mit Helligkeit übergießt, so daß der Geist uns beschwingt! Es gibt Frauenbildnisie aus der Zeit der Früh- und Spätrenaissance, die etwas von diesem Glanze haben: in der Klarheit der Stirne, in dem Glanz der Augen und in der wunderbaren Haltung der Hände, weil der Mensch in einem Zentrum zusammengefaßt ist.
Zur geordneten Selbstliebe gehören die Muße und die Stille, die Freude und das Kinderland, wie die Blüten zum Baum. Eigentlich sollten wir Frauen selbstverständlich und spielend uns solche Tage und Stunden schaffen. Aber statt dessen fällt die Schwere des Lebens über uns, und plötzlich verschließen sich die Quellen der Natur und die leuchtenden Farben der Kunst. Das darf nicht so sein; das muß überwunden werden. Der Geist muß über die Schwere siegen und die Freude über den Abgrund der Dunkelheiten. Gesang und Spiel, Natur und Kunst, Lachen und Tanz gehören in unser Leben. Wir werden der Not und dem Unglück helfender entgegentreten können, wenn unsere eigene Kraft nicht durch Schwermut verbraucht wird.
Geordnete Selbstliebe ruht nicht in sich selber, sondern in Gott. Wenn man nur in sich versinkt, dann werden uns die Furcht und die Unsicherheit, die Leere und die Maßlosigkeit überfallen. Dann treibt uns die Unruhe rastlos von einem zum anderen. Dann wird zuletzt nicht nur die Arbeit, sondern auch die Freude sinnlos. In Gott schließt sich der Ring, der unvollendet bleibt im Werk und unvollkommenen Klang behielt in den Stunden der Freude.
(Ministerialrat Dr. h. c. Weber in Nr. 7/8 der Mitteilungen des Vereins kath. deutscher Sozial- beamtinnen.)
$rau und Katholikentag.
Don Else Schmücker.
Wenn bis vor wenigen Jahren der Rus zum Be- such des Katholikentages durch die katholische Welt er- slang, waren es vor allem die Männer, die freudig ihm lobten und von der Kraft, die sie aus dem Erleben je- »er Tage gläubigen Bekenntnisses schöpften, mit in den elutag, mit in ihre Arbeits- und Berufskreise nahmen, ^eit einem Jahrzehnt ungefähr ist das anders. Die Ideen der katholischen Frauenbewegung sind ,n weite Kreise hineingetragen, jene Idee, daß die Grundkraft der Frau in das soziale Gemeinschaftsleben Ymuberzuleiten fei, ihre eigenste, persönlichste Kraft, die aus dem Urgrund ihrer Weiblichkeit, ihrer Mütterlich- reit, kommt.
Nicht, daß die Weimarer Verfassung uns staatsbür- Serl. Rechte gab, ist der Grund, nun auch in der Oesfent- Zu wirken. Diese Tatsache, die zudem in t^an» $en Teilen wohl nur eine schöne Theorie von der Gleichberechtigung der Geschlechter ist, besiegelte äußerlich luhrzehntelange Entwicklung, die rein kämpferisch " 'brem Negativen — und jedes Kämpfen ist oft ein ■oefampfen, ein Kegeneinanderkämpfen — zu Ende ist f n° bie von den katholischen Frauen bewußt als jchaf- "oe, produktive Bewegung fortgesetzt wird.
c. ®as uns Frauen hinausdrängt auf das Forum, uns &»«ngt in die großen Versammlungen, in denen „. Anschauliches bekannt und in seinen Forderungen °nnt wird, ist tiefer begründet.
gewaltige Zeitwende, in der wir leben, bedeutet ,er anderem das Ende des Bloß-Privaten, des Für. e i e"ens- Es bedeutet das Ende des Familien- .»"'-mus, den soviel unserer Schwestern besitzen ^n Egoismus, der zwar die kleinste, harmlose Unbe- 0 «hkeit eines Familienmitgliedes mitleidig zu lin- . lucht, aber blind und taub ist für das Leid hinter n fremden Tür, und das Geschick einer Gemeinde, ei» mir ™o!!.es nicht sieht. Wir erkannten, daß die Fa- a .*e aefährdet ist, weil die Mutter nicht die Zeichen her j/ verstand. Der Zeit, die sozial ist, sozial fein muß.
. ®le Kinder nicht mehr im stillen, umfriedeten Be» der <ro5r,$°U'es t)Q,ten kann. Die einen Krieg hatte, (fier in'!,oncn hinausschleuderte aus friedlich-bürgerli- 5Briih r" unb äer ihnen die Erkenntnis einhämmerte: für • Vlni3 nur, und wir kämpfen für jede Mutter,
** Kind, jedes Aehrenfeld und jeden rau- htn " dchiot- Die jeden, der Arbeit finden kann, jUn‘ "'bt- Jungen, Mädchen, Mann, Frau. Die qrnL'n^ 0|? Menschen, in armen, lichtlosen Wohnungen Per in 6ie Natur wandern läßt, den Kör-
»en 3 ^"uchtigen, das Frohwerden wieder zu erler- das " v?r Unruhe, der Not und Sehnsucht, in der Unb fnnl' ö™5 ^sftre, bas Heil gesucht wird und echte ^eioenu, u Propheten neue Botschaft künden und mit Schaft Junger werben.
$8eifE ■Ä iun9e Mensch, jeder Mann steht in dieser stündlich im Kreuzfeuer des Meinungskamp
fes. fühlt täglich die Keulenschläge vergeblicher Arbeits- suche oder das drohende Schwert des Abbaus.
Wo steht die Frau? Kann sie heute noch ihrer Ausgabe, ihrer ewigen Ausgabe gerecht werden? Kann sie Ruhe sein inmitten der Unruhe? Antwort geben auf die drängenden Fragen, die ihr aus Mund und Auge der Ihren stündlich gestellt werden? Kann sie die Hei- mot fein in aller Heimatlosigkeit? Aufwärtsführen durch alle Niederungen?
Hat Gott auch diese Kraft von Natur aus in die Frau hineingelegt, er will, daß diese Kraft ausgebildet wird, erprobt in tausend Feuern, umgewandelt im Wandel der Zeit. Es genügt nicht mehr, daß die Frau für das leibliche Wohl der Ihren sorgt und für das seelische genug getan zu haben glaubt, wenn sie für Mann und Kind betet. Der Aufgabenkreis ist größer geworden, die Brandung der stürmenden Zeit, dieses stürmenden Iah- res 1932 schlägt an die Mauern des Hauses, an die Tür zur Wohnung. Heber dem Küchentisch schlagen die Wellen zusammen, über dem Bett des Jungen, der sie- berhaft den Fanfaren draußen lauscht, über dem Tisch des Mädchens, dem Buch und Film ein neues Weltlied geben wollen. Die Zeitung macht nicht halt vor der Wohnung, nicht der Rundfunk. Begierig sucht der Zweifelnde und der Verzweifelnde, der Stempelnde und der um feine Arbeit Bangende, sucht das Mädchen, das nicht in Ehe und Mutterschaft fein natürliches Ziel findet, das nicht mehr feine Kräfte eingliedern kann in die Arbeit drinnen und draußen, Wendung, Besserung. Da kommen wir mit den Ansichten und Forderungen unserer Großmütter nicht mehr aus. Gewiß, ewig und unveräußerlich sind unsere Grundsätze, immer werden wir uns orientieren am Gebote Gottes und fein« Kirche. Aber in diesem Rahmen stellt Gott uns vor neue Aufgaben, die erkannt fein müssen. In unfern großen Frauenorganisationen, im Katholischen Deutschen Frauenbund in den Mütteroereinen und Iungfrauen- kongregationen, in den Standesvereinen müssen die großen Probleme der Gegenwart erörtert werden. Cs ist nicht unweiblich, den häuslichen Kreis zu verlassen, um hier zu hören, zu lernen, zu diskutieren, um hier einen Weg zu finden durch die neue Zeit.
Politische Umzüge, die lauten Proteste, den wilden Kampf überlassen wir den Männern. Aber wenn der Katholikentag ruft, dann sind wir da.
Ein Zweifaches bedeutet er uns Frauen:- Er läßt uns mehr und mehr erkennen. Im Lichte unseres katholischen Glaubens sehen wir die Zeit und ihre Not und suchen gemeinsam mit Führern und Führerinnen den Weg heraus aus der Wirrnis — aber auch den Weg zurück nach innen.
Die in jedem Jahre sich mehrende Zahl der Sonder- veranstaltungen katholischer Frauen auf dem Katholikentag zeigt einmef, welche Bedeutung Kirche und Führer
her Mitarbeit der Frau zumesfen, dann aber auch beweisen sie, welches Bedürfnis unter den Frauen nach einem Auseinandersetzen mit den Strömungen der Gegenwart im Rahmen der Katholikenversammlungen besteht.
Dann aber läßt uns der Katholikentag bekennen: Treu zu Christum! Treu zur Kirche! Sind auch die Wege neu und ungewohnt, zwingt uns die Zeit auch in die Oeffentlichkeit, fordert sie von uns auch die politische Mitarbeit, die stets fraulich, stets mütterlich fein muß, — tragen soll — das Ziel ist das alte, eine, große.
Haben frühere Katholikentage unter dem Zeichen der Familienerneuerung gestanden, fo waren sie grundlegend für den diesjährigen, der „Christus in der Großstadt" heißt.
Wir Frauen aus dem Jndustriebezirk, die wir zum großen Teil in der Großstadt leben oder in irgend einer Beziehung zu ihr stehen, wissen, daß brennendste Gegenwartsprobleme auf dieser Versammlung nach Lösung ringen.
Erkennend, bekennend nehmen wir an der 71. Generalversammlung der deutschen Katholiken teil, die auf Essener Boden stattfindet, auf dem ein Jahrtausend katholische Frauen aufbauend, kämpfend, behütend, bewahrend, vorwärtsstrebend, lebten und wirkten und katholisches Kulturgut uns Heutigen überlieferten.
Lebensgefährliche Sparsamkeit.
Dorsichl mik aufgegangenen Konservengläsern.
In einem Orte des hessischen Kreises Offenbach wurde dieser Tage eine ganze Familie, Vater, Mutter und Tochter das Opfer einer schweren Vergiftung, die durch Verwendung des Inhaltes eines aufgegangenen Konservenglases mit eingemachten Bohnen entstanden war. Dieser traurige Fall sollte unseren Hausfrauen wiederum Mahnung fein, mit Konserven so sorgsam umzugehen, daß keinerlei Schädigungen der Familienmitglieder eintreten können. Es muß als lebensgefährliche Sparsamkeit bezeichnet werden, wenn die Hausfrau Konserven verwendet, die schon längere Zeit aufgegangen sind. Durch das offene Stehen und selbst durch ein undichtes Konservenglas entstehen Zersetzungsprozesse, es bilden sich höchst gefährliche Giftstoffe, die auch beim Kochen nicht verschwinden und sofort nach dem Genuß in die Körpersäfte übergehen. Durch die Vergiftung tritt bann eine rasch verlaufende Zersetzung des Blutes ein, und selbst, wenn ärztliche Hilfe sehr rasch zur Stelle ist, bleibt sie in den meisten Fällen vergeblich. Man mache es sich zur unumstößlichen Regel, daß der Inhalt aufgegangener Gläser, ebenso der Inhalt trübgewordener Gläser sofort vernichtet wird, auch für Fütterungszwecke find solche Konserven ungeeignet.
Mutter und Kind.
Mütter verschenken sich an ihre Kinder. Und wenn es Abend wird, dann stehen die leeren Kelche ihres Lebens und warten, daß die Kinder kämen, aus ihren starken Schätzen sie zu füllen.
Sieh in jedem Kind, wie es auch wäre, den Himmel einer Mutter!
Wo immer, immer nichts als Wärme die kosend weichen Arme schlingt, wird bald aus Gottes Pflanze ein leichtgebrechlich Glashausding.
Mütter ziehen die Zukunft, Kinder sind ein Denkmal der Gegenwart.
Frauen muffen Sonnen fein, in deren Lichtkreis die Familie blüht.
Mütter sind die Weidengerten, die sich immer wieder beugen vor dem Sturm des Leides.
Das ist die Stimme der Mütter in den weißen Nächten. Siehe, dreimal habe ich um dich gerungen, in Gnade und Liebe und Leid. Dreimal habe ich dich empfangen: für mich, für dich und für die Blüten an deinen Zweigen. Und dreimal habe ich dich hingegeben an das Gesetz der Zeit.
Als deine Seele in mein Blut trat, da standest du wie ein Stern über meinem Horizont des Glückes. In das Falten meiner Hände habe ich die Erfüllung einge» schloffen, habe dich hingebettet wie ein Gebet; und meinen Leib gab ich hin zu deinem Dienst.
Mondenlang ging ich nach innen; mondelang formte sich dein Sein aus dem meinen. Meine Lichter verflossen in die Lampe, die ich dir schuf; Dornen unb Steine habe ich abgetragen von deinem Weg. Ich diente dir, wie ich Gott dienen würde, wenn er einträte in meine Stube und in die Armut unserer Wiege.
Als ich dich verschenken mußte an die Helle des Menschentages, da habe ich zum zweiten Male empfangen: in die dunklen Kerne meiner Augen, in das Hoble meiner Hände, in die Armut meiner Tage warst du hineingelegt wie ein edelster Stein.
Dein Leuchten war mein Licht und deine Anmut war der Glanz meiner Stirne. Und das Erwachen in deinen zwei Himmeln war das Aufsteigen meiner Sonne.
Da du an fingst, mich zu beschenken mit einem Blick, mit einem Lächeln, bas noch ben Glanz von brühen trug, hast du mich reich gemacht; über alle Fürsten der Erde hast du mich gestellt. Sonne und Mond haben die Krone gesehen in meinen Haaren; die Härte aller Arbeit ist mir untertan und ein Adel schimmert um die Schwielen an meinen Händen.
Als dich der Herold des Herrn traf, her die Schleier die heiligen sieben von den Augen hebt, als du vor offenen Toren standest und plötzlich wußtest, daß die
Erde rot, daß nur ein schmaler weißer Steg sich durchzieht wie ein Schwertschlag des Herrn, da wurdest du bas dritte Mal mein Eigen. Da schlug ich meine Siebe über dein verblaßtes Gesicht wie einen Mantel und wünschte dich blind und taub vor dem Erschrecken jener Stunde.
In ein Meer van Sehnsucht und Sorge habe ich dich getaucht wie eine Insel; mein Leben wollte ich geben für dies: daß deine Füße Platz fänden auf dem schim« mernöen Strich, daß du wie eine Königin gingest, [in* nenweiß, mitten durch das rotblühende Land.
Aber die Stimme Gottes gebot: Gib frei! Die Set henden werden eingehen in mein Reich.
Ein neuer Ast fetzte an am Baume unseres Leben», Du standest mitten im Sturm wie eine bräutliche Birk«. Der Schimmer deiner Rinde tastete durch die Nacht wie ein wunderbarer Trost für mein Herz.
Du solltest nicht bange sein vor der Schmale hee Weges. Die ihn mit unbefleckten Schuhen gehen, stürzen nicht! Dann bist du daheim wie in einem heiligen Haus. Bis dir einmal die blauen Blüten einwachsen in deine wartenden Räume, bis dir ein Krönlein aufstei- gen wird über dem Tag. Dann wirst du Lichter an«
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stecken in deiner Seele, in allen Stuben unb ein Licht wirb Der in bir anzünben, ber durch das Blut der Menschen schaffst am ewigen Bau.
Dann wirst du ich fein, die Spuren meiner Schritte wirst du gehen. Neue Zweige wachsen wie klingende Lieder aus gehüteten Wipfeln.
Siehe, ich streife das Licht meiner Liebe unb meiner Kraft, ich streife den Glanz meiner Kronen auf dein Haupt.
Ein Erbe übergebe ich dir; wie man etwas Göttliches trägt, sollst du es tragen. Dann werden unsere Stämme wie Säulen in ben Himmel sein und unser Blühen wie ein Schwarm von weißen Tauben.
Ersurcht sollst du haben vor dem heiligen Erbe der Welt.
(Entnommen dem Buche „Deine Seele und meine“. Aphorismen von Margarete Seemann. 3. Auflage, 84 Seiten. Kartoniert Rm. 0.60. Verlagsanstalt Tyrolia, Jnnsbruck-Wien-Mün- chen.)
Für Küche und Haus.
Gurken aNer Art.
Senfgurken.
Große, reife Schlangengurken werden, nachdem sie geschält und entfernt sind, in Stücke geschnitten, mit Salz bestreut unb einen Tag stehen gelassen, möglichst aus einem Sieb, bamit sie abtropfen können. Dann legt man die Gurken in ein passendes Gefäß, schüttet falten Essig und zwar ein Viertel Liter auf ein Pfund Gurfen daraus und läßt sie 48 Stunden ziehen. Dann müssen die Gurken wiederum auf einem Sieb abtrop- fen, den abgelaufenen Essig schüttet man fort. Nun kommen, die Gurken in Gläser oder Einmachtöpfe, woraus man zwischen die einzelnen Schichten einige geschälte Zwiebeln, Pfefferkörner, Gewürznelken, Lor- beerblätter und Senfkörner legt. Das Ganze wird mit kochendem Essig, und zwar ein Achtel Liter auf ein Pfund Gurken, Übergossen, ben man nach brel bis vier Tagen abgieht, erneut kocht, um ihn dann wieder über die Gurken zu geben. Dann werden die Gläser bezw. Töpfe mit Pergamentpapier verbunden. Die eingelegten Gurken dürfen nicht weich, sondern müssen ziemlich hart fein.
Essiggurken.
Vier Pfund kleine Gurken, die nicht über Fingergröße haben dürfen, bestreut man mit 40 Gramm Salz, nachdem man sie mit einer Bürste sauber gewaschen und abgerieben hat, wobei alle fleckigen Stellen aus- geputzt werden müssen. Wenn die Gurken einen Tag mit dem Salz gezogen haben, werden sie mit einem sauberen Tuche abgerieben unb mit eineinhalb Liter Essig übergossen, in dem sie wiederum einen Tag stehen müssen. Dann wird der Essig aufgekocht und heiß über die Gurken gegeben. Nach einem weiteren Tag focht man den Essig mit 30 Gramm Zucker, legt die
Gurfen hinein, läßt furz aufkochen und bringt sie schichtweise mit den entsprechenden Nelken und Pfefferkörnern, Zwiebeln und Lorbeerblättern, sowie einigen Stengeln Dill unb Estragon mit dem kochenden Essig in einen Topf, der mit Pergament verschlossen kühl auf« bewahrt wird.
Gurkenkompott.
Man schält die Gurken, spült sie ab, halbiert sie unb entfernt die Kerne. Dann wird die Gurke entweder durch einen Durchschlag getrieben, ober aber, was Ui* (er geht, auf einem Reibeisen' gerieben, mit Salz ab« geschmeckt unb mit Essig oder Zitronensaft, Del, einer Prise gestoßenem Zucker und einigen Löffeln Sahne zu einem Kompott verarbeitet, das man möglichst kühl serviert. An heißen Tagen ist dieses Kompott sehr erfrischend.
Die Frau in der Küche.
— Treffliche Pfannkuchen. Don 1 Kilogramm Mehl, welches aber nicht falt (ein darf, ein viertel Liter Milch und 40 Gramm Hefe macht man ein Hefestück und läßt es gären. Dann gibt man 200 Gramm weiche Butter, vier Eidotter und ein ganzes Ei, etwa; abgeriebene Zitronenschale und Zucker nach Geschmack hinzu unb vermengt alles gut. Der Teig darf nicht fest sein, fönst ist noch laue Milch zu nehmen, unb läßt ihn weiter gären. Danach rollt man ihn aus, sticht ihn mit einem Weinglase aus, legt einen Teelöffel Pflaumenmus ober feine Marmelade darauf, flappt ein zweites Stück Teig darüber, drückt an den Seiten fest und läßt die Kuchen nochmals gären. Dann werden sie in fachendem Fett schön braun gebacken, mit Zucker bestreut, ober mit Zuckerglasur bestrichen. Dazu rührt man 125 Gramm Puderzucker, ein Eiweiß unb einen bis zwei Eßlöffel Zitronensaft schaumig.