NILS
Ar. 200
Beilage zur Fuldaer Zeitung
31. August.
.Lhristusjugend an die Front r*
Der katholische Iungmännerver- b_a n 6 hat zu Beginn dieses Jahres zu einem Sturmjahr unter der Parole „C h r i st u s j u - gend an die Front!" ausgerufen. General- prcises W o l k e r erließ folgenden Aufruf, den wir heute veröffentlichen, da die Jungmännereine unserer Diözese die Monate September , und Oktober zu Sturmmonaten erklärt haben:
Die Zeichen stehen auf Sturm!
Die Mächte des Guten ringen mit den Mächten des Bösen, in unserem Volk, im ganzen Abendland, ja über die Erde. — Ein gewaltiges Ringen. Ein Ringen, das wohl so alt ist als die Menschheit: das aber in der Gegenwart sich zu einem letzte Güter bedrohenden Ausmaß und Unmaß geballt hat.
In der Wirtschaft kämpft der Wille zum Guten um Gerechtigkeit und Wohlfahrt, um Ausgleich und Gemeinschaft gegen die alten bösen Mächte eines gewalttätigen ichsüchtigen Kapitalismus, eines brutalen ichsüchtigen Nationalismus und eines kraftzerstörenden Sozialismus.
Im Völkerbund ringt der Geist des Guten gegen den Ungeist des Machtkampfes — der Geist der Versöhnung gegen den Ungeist des Hasses; der Wille der Abrüstung gegen den teuflichen Willen der Kriegsrüstung. Das Licht klärender aufbauender Wahrheit gegen die Nebel und Giftgase betäubender und vernichtender Verleumdung und Lüge.
In der Geisteswelt kämpft der Wille des Guten um Freiheit des Geistes, um Freiheit der Kirche, um Gott einen gewaltigen Kampf gegen die Mächte des Ungeistes, die vom Osten her von links, aber auch von rechts aus dem eigenen Volk aufgestanden, und — das sollt auch ihr Jungen klar und ernst erkennen: die Freiheit, das Gottesreich in unserem Volk, aber letztlich das Leben der Nation selbst bedrohen.
Und all der Kampf zwischen Gut und Bös kämpft auch m deutscher Jugend bis in die Schuljugend hinein und bedroht junge deutsche Seelen, werdendes Amgvolk. Und selbst innerhalb des katholischen Lagers will sich da und dort Jnteresfenpolitik und Machtkampf zeigen, die Frieden und Gemeinschaft stören und jungkatholische Kampfkraft gegen den Ungeist schädigen.
Und es ist ein Kampf frischer, hoffender, aber noch schwacher Kräfte gegen die Massen der Trägen und Satten und Kurzsichtigen im Bürgertum, auch weithin im christlich gesinnten Bürgertum, oder besser gesagt: ein Kampf jener jungen Kräfte aus der Masse heraus und ohne Rückendeckung lener Masse — und das jetzt noch, wo es hohe Zeit ist!
Die Zeichen stehen auf Sfurm!
30r Jungen und ihr Jungmänner im Reich---
der Jungmännerverband will euch in euren Vereinen und Gruppen ein Iugendreich der Freude schenken, trotz allem, und in der Zeit des Unfriedens und der Not und Hoffnungslosigkeit des Lebens erst recht — im Früh- ling eures Lebens soll euch dis Sonne nicht untergehen und verdunkelt werden. Denen nicht, die in Arbeit stehen. Und denen nicht, die ohne Arbeit sind.
Der Jungmänneroerband will euch in euren Vereinen und Gruppen eine Lebensschule aufbauen, und mir führen sie durch, auf spätere Zukunft den Blick gewandt. Vorsorgend für die Aufgaben im Beruf und in der Familie und Volk. Diese Schule des Lebens wird zäh und trotz allem durchgeführt!
Der Jungmännerverband ruft euch aber auch zur
jungkatholischen Aktion! Wenn die Zeichen auf Sturm stehen, dann können wir nicht bloß spielen und wandern und singen und fernab von den Dingen und dem Ringen der Zeit unser Jugendleben führen. Wollten wir das und nur das — dann müßten wir das Wort „katholisch" aus unserem Namen streichen, „Katholischer Jungmännerverband" streichen und das Wort „Mann"!
Wir leben unsere Zeit in uns und wir spüren unser Volk in uns. Und was die Zeit bedroht und das Volk bedroht, das bedroht uns! Und wir wissen noch mehr: Das bedroht unsere Kirche! Darum rufen wir euch auf zum Sturm 1932.
Sturmflut ist gemeldet: Alle Manu auf die Deiche!
Finsternis ist im kommen: Alle Mann die Fackel in die Hand!
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Unser Hochw. Herr Bischof schreibt dazu im „Kirchlichen Amtsblatt":
Der Generalpräses des Kathol. Jungmännerverbandes Deutschlands hat zu Beginn dieses Jahres aufgerufen zu einem S t u r m j a h r und die Losung durch ganz Deutschland gehen lassen: „C h r i st u s j u g e n d an die Front!"' Dieser Ruf hat in den Herzen unserer treukatholifchen Jugend weithin freudigen Widerhall gefunden. Auch in unserer Diözese ist schon manches Christusbanner entfaltet worden, und ständig wächst die Zahl derer, die durch das Ehristus- zeichen inmitten einer Welt der Gottesfeindlichkeit sich offen zu Christus als ihrem einzigen Führer bekennen.
Leider aber laufen heute manche junge Menschen, die auf Ehr ist us getauft sind, Führern nach, die ihnen zwar alle Güter dieser Erde versprechen, aber Christus nicht mehr als ihren Herrn und König anerkennen wollen. Andere glauben heute noch untätig beiseite stehen zu dürfen, während die Gegner Christi und seiner Kirche Tag und Nacht nicht ruhen, ihre Reihen zu mehren und zu ordnen. Da muß es als eine vorzügliche Aufgabe einer zeitgemäßen Seelsorge gelten, katholische Jugend um Christus zu sammeln in unseren Jugend- bünden, vor allem in dem katholischen Jungmännerverein und dem Gefellenverein.
In besonderer Weise sind für unsere Diözese d i e Monate September und Oktober dieses Jahres als „S t u r m m o n a t e" vorgesehen, wo man überall dort, wo es im Laufe dieses „Sturmjahres" noch nicht geschehen ist, die Reihen unserer Jugendlichen wieder fester zusammenschließen will. Wo unsere katholische Jungmannschaft nach entsprechender religiöser Vorbereitung an den Sturmtagen in Kirche und Oeffentlichkeit sich wieder zu Christus bekennt. Wo man nichts unversucht lassen wird, um die Lauen und Abseitsstehenden aufzurütteln und soweit irgendmög- lich auch die, die falschen Führern und unchristlichen Ideen folgen, wieder für Christus zu gewinnen.
Möge durch all das die Christusbegeisterung einer neuen katholischen Jugend auch in unserer Diözese immer mehr wachsen und Christus überall wieder offene und bekenntnismutige Anhängerschaft und Gefolgschaft finden!
auf dem Lande in einem gezwungenen, unfrohen und mißtrauischen Beisammensein, das unerfreulich für beide ist und unerträglich auf die Dauer. Und so stehen mir vor der Schicksalsfrage: Was soll da nun werden? Wie soll und kann das anders und besser werden?
Dazu gehört vor allem die Einsicht, daß die Frage der Arbeitslosigkeit und die Not der Arbeitslosen nicht mit staatlichen Mitteln, mit Verordnungen oder Unterstützungen zu beheben ist. Das alles sind und bleiben Notbehelfe, sie können an die Wurzel Überhaupt nicht herankommen. Wir müssen die ganze Frage von der religiösen Seite her sehen, denn sie ist im Grunde eine religiöse Frage.
Vielleicht erscheint das manchem verwunderlich, daß die Frage der Arbeitslosen auf dem Lande eine religiöse Frage fein soll, daß sie überhaupt etwas mit Religion zu schaffen haben soll. Demgegenüber sei gesagt, daß eben alles auf der Welt für den Christen etwas mit Religion zu tun hat, ein Kuh- ober Pferdehandel so gut wie die Not der arbeitslosen Mitmenschen. Es ist eine Not, wenn ein Mensch sich überflüssig fühlt auf der Welt, weil er nicht mehr weiß, wozu er da ist; und wenn er deshalb verlottert und vor die Hunde geht, dann sind diejenigen mitschuldig, die ihn haben dahin gehen lassen, obwohl sie es hätten hindern können, wenn sie als Christenmenschen gehandelt hätten. Es ist unerträglich, wenn sich ein Arbeitsloser als Mensch zweiter Klasse betrachten lassen muß, und das geschieht! Zu einem Ziele aber können wir nur kommen, wenn wir alles Vergangene begraben und alle gegenseitigen Vorwürfe erledigt sein lassen, und wenn wir uns gemeinsam die Frage vorlegen: Wir auf dem Lande, Bauern und Arbeitslose, was können wir tun, um uns gegenseitig aus der Not zu helfen als Christenmenschen nach dem Gebot der Nächstenliebe?
Sfutmfag in Geisa.
Am Sonntag, den 11. September veranstaltet der Katholische Jungmännerverein Geisa seinen S t u r m t a g verbunden mit Bannerweihe.
Programm:
7.00 Uhr hl. Messe mit Generalkommunion,
9.15 Uhr Abholen des neuen Banners,
9.30 Uhr Festgottesdienst mit Bannerweihe,
13.00 Uhr Marienandacht mit Bannerweihe. Darauf Aufmarsch nach dem Gangolsiberg. Dort große öffentliche Kundgebung (Sturmrebe, Fuldaer Bekenntnis). Abmarsch zum Lindenhof. Festoersammlung.
Alle katholischen Jungmannen aus der näheren und weiteren Umgebung sind zu dieser Veranstaltung herzlichst eingeladen. Das Jungvolk aus dem ®eifaer und Hünfelder Bezirk wird vollzählig erwartet. Auch alle Präsides, Jungführer und Freunde der Jugend sind herzlichst willkommen. Banner und Wimpel sind mitzubringen!
Salhol. Jungmännerverein Geisa.
Gin Zeltlager der Sturmschar.
Dieser Tage trat in Brieg die mit etwa 600 Mitgliedern vertretene schlesische Sturmschar erstmalig geschlossen in Erscheinung. In der Nacht zum Sonntag trafen aus allen Teilen Schlesiens die Sturmschargruppen des katholischen Jungmänneroerbandes auf Lastautos, mit der Bahn, auf Rädern an dem großen Zeltlager ein, das vorher schon in der Nähe des Holzmarktes an der Oder auf eine Wiese errichtet worden war. Nicht weniger als 35 große Zelte mit einer Unterkunftsmöglichkeit für je 15—20 Mann waren dort auf- gespannt worden und mit Stroh zum bescheidenen Lager vorbereitet worden. Im Lager ragen um bas Lagerkreuz aus einfachem Holz bie Banner bes Diö- zesanverbanbes, bes Reiches, ber Sturmschar unb ihrer Gaue. Am Lagerkreuz hält Tag unb Nacht eine Gruppe von vier Sturmscharleuten bie Wache, bie alle halbe Stunbe abgelöst würben.
Verantwortlich für „Das Blatt der Jugend": Dr. MC. vubl Joseph Sauer- Fulda.
Arbeitslose auf dem (and.
Wir veröffentlichen heute den zweiten Teil bes Aufsatzes über bie Arbeitslosennot in unseren Dörfern. Unser Mitarbeiter hat ben Mut, bie Sage ganz offen unb unverblümt zu schilbern. Wir finb überzeugt, baß ihn keiner ber Leser des „Blatt der Jugend" mißversteht, sondern daß alle mithelfen werden, die Dorfgemeinschaft zu gestalten. Wir würden uns freuen, wenn einmal ein junger Bauer trotz der Erntezeit die Zeit zu einer schriftlichen Aeußerung fände.
2. Die Lage.
Damals, als die Arbeit im Ruhrgebiet so plötzlich zu Ende war, da begann die Arbeitslosennot auf d e m L a n d e. Die Unterstützungssätze schrumpften mehr und mehr, wurden beschnitten, bedeuten heute fast nichts mehr. Zwar ist der Arbeitslose auf dem Lande immer noch in besserer Lage als sein Unglücksgefährte in der Stabt, benn er ist vor ber nackten Not geschützt, er hat in vielen Fällen seine eigene Wohnung unb braucht nicht zu hungern, weil sein bißchen Land ihn davor bewahrt. Auch der rückständigste Bauer weiß heute, daß Arbeitslosigkeit nicht Arbeitsscheu ist, sondern eine furchtbare Weltnot. Es sagt auch heute kein Unverständiger mehr: „Es geschieht den Arbeitern recht, daß sie einmal geduckt werden, sie waren zu übermütig geworden." Es mag noch Einzelne geben, Menschen mit doppelzölligen Brettern vor Hirn und Herz, welche die Arbeitslosigkeit als eine gerechte Strafe betrachten und ihre geheime Freude daran haben, zumal es ihnen selber noch gut geht. Aber das sind gottlob die Ausnahmen. Jeder einsichtige Bauer steht der Arbeitslosigkeit anders gegenüber als zu ihrem Beginn, er weiß vor allem, daß der Arbeitslose selber unschuldig an ihr ist. Damit ist allerdings noch nicht gesagt, daß die Stuft zwischen Arbeitslosen — es gibt heute kaum noch Arbeiter in den Rhöndörfern — und Bauern überbrückt ist unb eine wirkliche, ehrliche Gemeinschaft, wenn auch nur N o t gemeinschast besteht.
Um bas recht verstehen zu können, muß man bem Bauern ein wenig ins Herz sehen. Er betrachtet sich unbebingt als ben ersten Mann im Dorfe, weil er vermeintlich bie meisten Steuern bezahlt unb barutn auch bas meiste zu sagen hat in ber Gemeinde. Wenn er etwas weiter denkt, betrachtet er seinen Stand auch als den wichtigsten im Volke und sieht die anderen Menschen
etwas geringschätzig an, wenn nicht gar als Ausbeuter unb Schmarotzer, bie selber nichts ober nicht viel tun unb von feiner eigenen Arbeit leben. Von einer Volks- unb Schicksalsgemeinfchaft weih ber Bauer in ben meisten Fällen nichts. Er sieht f i ch in erster Linie, alle anberen finb für ihn Menschen zweiter Klasse. Dabei ist er an bieser verkehrten Einstellung nicht selber schuld. Es hat sich bisher niemand Mühe gegeben, den Bauern zum richtigen Stanbesgebanten zu erziehen; wohl aber hat man sich erfolgreich bemüht, ben Bauern bei jeber paffenben unb unpaffenben G e- 1 egenheik zu verhetzen; man hat ihm stets erzählt, baß er ber ärmste und bedauernswerteste Mensch im Staate ist, daß er die meiste Arbeit hat, bie meisten Steuern bezahlt, baß ber Staat ausgerechnet für ihn am wenigsten tut, währenb bie anberen alles bekommen, — kurzum, man hat in dieser Hinsicht alles Menschenmögliche getan, ben Bauern unzufrieden zu machen, unb bas hat man bann „Stanbespolitit" genannt. Es wäre aufschlußreich, biefen Dingen etwas weiter nachzuspüren, bazu ist hier aber kein Platz. Das eine ist sicher: ber Bauer sieht im Grunbe feiner Seele bie Welt an als für ihn geschaffen; baß er ein Glied in der Volksgemeinschaft ist, auf Gedeih unb Verberd mit seinen Mitmenschen oerbunben — bas weiß er einstweilen noch nicht.
lieber biefe Dinge muß man sich klar sein, wenn man bie Einstellung ber Bauern zu ben Arbeitslosen auf bem Lande verstehen will. Das hat nichts zu tun mit einer Geringschätzung ober gar Verachtung bes Bauernstanbes, bas ist nur eine Feststellung ber wirklichen Sage. Aus ihr ist es zu erklären, baß ber Bauer zu feinen arbeitslosen Mitmenschen auf bem Lande noch nicht bie rechte Einstellung gefunben hat. Er bulbet sie notgebrungen neben sich, benn er kann sie einstweilen nach nicht unterpflügen unb bamit aus ber Welt schaffen; ihre Not kennt unb versteht er nicht ober hält sie für übertrieben, währenb er über alles Mögliche wort- reich zu klagen weiß unb nicht beben», baß er unter allen Volksgenossen ber ist, ber im Strubel ber Zeit verhältnismäßig am sichersten steht, weil ihm Arbeit unb Brot nicht genommen werben können. Das aber sieht ber Arbeitslose, ber sich über bie Hartherzigkeit unb Verstänbnislosigkeit bes Bauern beklagt. So besteht heute bas Zusammenleben ber Bauern unb ber Arbeiter
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|<A ICED'C KAFFEE AMI3CK S* GESCHÄFT
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Aus einem Fahrtenbuch.
l eb ^utrot war die Sonne am Abend untergegangen, <“enlo glutrot stieg sie am anderen Morgen wieder über Forsthause auf dem Marienberge empor. Mit ei- „Em Ruck war ich von meinem Lager aufgesprungen J/Jiarr‘e hinaus in die Pracht. Vor mir lag tief unten u>\ tn1 * * * V das hübsche Rudolstadt noch Haid in Nacht o Hebel gehüllt; doch die Berge darüber glänzten unb Genf en ’m Tonnenlicht. Es war bieg nach vielen Re- mtin lieber einmal ber erste Sonnentag. Da tarn K^h^igesell, unb nach kurzem Margenimbiß nah- und rtolr Abschied vom Förster. Ich zog meine Geige, Dj. ^Senb zogen wir hinein in ben lachenden Morgen, »ar "U°3eI s°"gen mit, und vor lauter Jubel und Freude
ten sm ®ir bald den Berg hinuntergesprungen. In sanf- !Bief ulIen 3°9 sich Dor uns eine dunkelgrüne, saftige
s„_Je .PN. wir sprangen über den Bach, der mitten 0) die Wiese floß, und kletterten auf der anderen
k“ Mieder empor. Als dabei mein Fahrtgeselle aus
V Zeichen Grase hinglitt, schleuderte ich meine Fiedel Lfaftin •rnir und warf mich selber zu ihm hin in das F g-'T„9e .UN. Da erblicken wir ganz noch unterhalb im ' (Sri™ ey kieinss Walddorf, eingebettet in das dunkle ic-mn ?es ®albes und der Wiese. M,t seinen raten pn , ,'?e" Riegeln lag es noch ganz verschlafen da; kein Vn„ -22?stch Haren, kein Mensch war zu sehen. Hinter uni 22 .albe zwitscherten und trillerten die Vögel, vor fatbpmUir21eI^ ber Bach, die Grillen zirpten in hundert- | -em Chor im Grase.
Denn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe.
.h Uhr morgens. Eben hat die letzte 'ft l!auaVaunfftef)en!" gerufen. Die Folge davon gelten -r.9,Qm beginnendes Aeckigen und Räkeln in den -Jann hebt das Gähnen an in allen Tonarten
vom leisen Mundauffperren bis zum kraftvoll überzeugenden „Uuuuaaahh!" Bald setzt sich auch das Mundwerk in Bewegung, und es dauert nicht lange, bis die ersten schlaftrunkenen Gestalten sich durch die Zeltöffnung schieben und mit zweifellos philosophischem Ausdruck im Gesichte den neuen Tag beäugen. Jedoch, die Morgenstunde hat auch Tücke im Munde. Denn ein bereiter Photograph stand vor Georgs Zelt, um ihn, wenn er erschien, jählings auf die Platte zu bannen. Das würde ein köstliches Bild werden, wenn er so, struppig unb verschlafen auftauchen würde. Richtig, da war er schon! Wie ein brummiger Bär fuhr er ans Tageslicht mit unnachahmlichem Gesichtsausdruck. Verstört blickte er sich um. Da! Sein Auge erschaut den tückischen Kasten .... Er begreift . . . Klack! haben wir ihn . . . Schwupp! saust er zurück ins Zelt. Allein . . . zu spät. Allgemeines Gelächter.
Diese gelungene List ließ unferm Bachus keine Ruhe. Und nach reiflicher Ueberlegung beschloß er, es am nächsten Morgen auch so zu tun. Nur sollte der Inhalt unseres Zeltes das Opfer fein. Wie ich am nächsten Morgen so ganz vorsichtig herausschiele — natürlich nichtsahnend — wen erblicke ich? Bachus. Grätschbeinig steht er mit seinem Knipskasten auf der Lauer, die'Hand am Auslöser bereit. In listiger Freude strahlt sein ganzes Gesicht. Man muß unseren Bachus kennen, um diese urkomische Situation verstehen zu können. Leise mache ich auch die anderen auf dies Gemälde aufmerksam, worauf alle in ein unbändiges Gelächter ausbre- chen. „Nee", rufen wir ihm heraus, „diesmal wird's nischt, Kuller!"
Die Asfensuche.
Melancholisch saßen mir am Ufer des Main. Uns zur Seite lag Gemünden mit ber Burgruine. Wir warteten auf „Mörbs" unb Gerhard. Mörbs hatte pflicht-
schuldigst, wie schon öfter, den Wimpel am Dorfbrunnen, wo wir unseren Durst gelöscht hatten, stehengelassen und war zurückgegangen, um ihn zu holen. Endlich kam er. Daraus nahmen wir unsere Sachen und gingen zum Bahnhof Gemünden, um untere Affen, die in Rothen- fels aufgegeben waren, zu holen. Hellmut geht zum Eilgutfchalter. Doch dieser ist wegen vorgerückter Stunde schon geschlossen. Also weiter zum Fahrkartenschalter. „Ja, wenden Sie sich an den Fahrdienstleiter", ist der Bescheid, ben er bekommt. Hellmut tiegert zum Fahrdienstleiter. Doch dieser muß erst die Züge nach Würzburg, Rothenfels und Bad Kissingen abfertigen. Nach einer halben Stunde geruht er, uns anzuhören. -Ja, meint er, da müßt Ihr halt zum Güterhallenvorsteher, der hat die Sachen in Verwahrung. Ich habe damit nichts zu tun." Also laufen wir zum Güterdahn- hof. Eine Viertelstunde Weg. Doch wie wir hinkom- men. ist die Halle verschlossen. Wir gehen links herum, rechts herum. Alles ist zu. Nach ein paar Minuten kommt ein Eisenbahner des Wegs daher. „Haus Nr. T" ist feine Antwort aus unsere Frage nach der Wohnun; des Güterhallenoorstehers. Hellmut schiebt hin. Erst langes Suchen. Endlich findet er — seine Frau im Waschhaus. Ja, ihr Manu sei nicht zu Hause, er sei Zu Bekannten gegangen. Aber sie wolle ihn holen. Während wir auf der Rampe sitzen, kommt sie mit ihrem Mann wieder. „Eure Sachen", meint er, „hat der Spediteur mitgenommen, die müßt Ihr bei ihm abholen. Er wohnt gleich in der Hauptstraße." Beim Spediteur nehmen wir unsere Sachen in Empfang. Doch die Kochtöpfe haben ihre Hüllen verloren. Ja, ja, das kommt vom Affenaufgeben.
Spuf.
In Berka war es nächtens nicht ganz geheuer. Wenigstens nicht in der Bude, wo wir schliefen. Man soll
da zur Geisterstunde gar seltsame Geräusche vernommen haben; unheimliches Flüstern und höhnisches Kichern; Türen seien lautlos aufgegangen, an den Fenstern habe es mit knöcherner Hand gepocht, und einer will sogar mehrere Male etwas Graues in der Finsternis wahrgenommen haben. Jedenfalls war's nicht richtig. Ich wollte erst auch nicht so recht dran glauben, dis ich eines Besseren belehrt wurde. Unb bas kam so: Als ich morgens grabe bei ber „Toilette" war, fiel mein Blick auf baz verlassene Bett. Ich erblickte etwas Weißes, und siehe!, es war ein Zettel mit folgenber Inschrift:
„Wir finb bie breimal hundertelfe, wir sind des Nachtes Wölfe, die weißen Gespenster ohne Kopf am Fenster. Wir sind aus Stein ohne Arm und Bein mit glühenden Backen und gleißenden Zacken zum Zwacken- Wir verfolgen jedermann, ob König, ob Bettelmann, überall in Berg und Tal in Wald und Felder». Dies Dir zu melden schickt von den Geisterfelden seinen treuen Diener Maximax, der Geisterkönig Haxifax."
Na, ich war baff. Nun stell euch aber mein Entsetzen vor, als ich am nächsten Morgen wieder einen Zettel erblickte, mit einem Totenkopf verziert. Darauf stand zu lesen:
„Nimm Dich in acht! Denn in dieser Nacht zur nächtlichen Sttinde machen die Hexen die Geisterrunde. Sie huschen und schleichen, sie schlurfen unb kreischen an euerem Fenster bie Hexengefpenster. Dies schickt euch der Geisterkönig Haxifax durch den nächlichen Boten Maximax."
Ist das nicht fürchterlich? (Ich meine den Spuk). Später habe ich noch mit Maximax gesprochen. Er hatte uns unsere schöne Griessuppc versalzen. Aber wie gesagt, in Berka war's nicht geheuer.