um
NIL
2S. August.
VeNage zur Fuldaer Zeitung
Da schießt
Die Männer Hetzen hinter ihm her.
die Tiere wie wahnsinnig im
W. A.
stillschweigend ansgelSscht . . .
Der Seile, Men- von
Kunst-Schleiferei Schneider
Heinrlchstraße 65
„Wer aber mag Rung-Kü-Sans Goldladung vom „Tushintang" geraubt haben? Das muß zunächst einer gewesen sein, der darum wußte; aber auch einer, der von meinem Kommen Kenntnis hatte; denn er bediente sich meiner Person, um die Rammung des Schiffes an- zuordnen. Dieser Mensch kennt aber auch Dr. Sm; denn der war auf dem Schiff, und er überlebte den Ueberfall, er sandte mir hernach in Schanghai einen Drohbrief." —„@inen Drohbrief? Mr. Bollander, ich bewundere Ihren Mut. Sie wissen also, daß man nicht einverstanden ist mit Ihren Forschungen, und dennoch lassen Sie nicht locker. Sie möchten alles, was Ihnen rätselhaft erscheint, aufdecken."
„Nicht alles, Mr. Rilms. Ich möchte nur Klarheit über Jngeborg Bergners Schicksal haben. Sobald ich das erreiche, wird mich alles andere nicht mehr inter« essieren."
rückwärts finkt. Tagtäglich morgens ein Körper über die Reeling gleitet. Stumm. Mit gebrochenen Augen.
Aber einmal hat der Pavian doch feine Kiste pol»
Miß Bergner felbst an Bord des „Tushintang" und vergewisserte mich, daß sie eine gute Kabine bekam. Der Kapitän war mir obendrein als zuverlässig bekannt« Wer hätte gedacht, daß der „Tushintang" solch einem Schicksal entgegensuhr! Miß Bergner war uns allen während der kurzen Zeit ihres Hierseins eine liebe Bekannte geworden, sie besaß einen guten, schönen Charakter. Bon ihrem Leben in Deutschland ist mir leider gar nichts bekannt. Ich kann ihnen deshalb nicht so dienlich sein, wie es mir erwünscht wäre. Doch einen Wunsch kann ich Ihnen erfüllen. Sie fragen nach einem Bild Miß Jngeborg Bergners. Die Gattin Dr. Jusokas besaß ein Bild ihrer Schwester. Miß Jngeborg hat es ihr vor etwa zwei Jahren aus Deutschland geschickt. Ich handle wohl ganz richtig, wenn ich Ihnen diese Photographie sende. Sollte — was wir alle hier frei« ljch nicht für möglich halten wollen — Miß Jngeborg noch am Leben fein, so gelingt es Ihnen vielleicht gerade mit Hilfe dieser Photographie, die Verschollene zu fine den."
Wo war das Bild? Wo war Jngeborg Bergners Photographie? Sie fand sich ja nicht in diesem Umschlag! Hatte Dr. Kayosuki vergessen, sie dem Schreiben beizufügen? War das Bild unterwegs entwendet wor, den?
Er sah sich suchend in dem Zimmer um.
Dort war ein (Bong! Damit konnte er wohl einen Diener herbeirufen.
Er hatte kaum an die Metallscheibe geschlagen, als Fai erschien.
„Was ist Ihr Wunsch, Mr. Bollander?
„Wer nahm diesen Brief in Empfang?"
„Ich selbst. Ich verwahrte ihn sorgfältig bis zu Ihrer Ankunft."
„Es kann niemand —?"
Jörg Bollander unterdrückte die Frage.
Wozu? Wozu erst forschen, ob der Brief erbrochen worden sein könne. Die Antwort lautete ja doch: Nein! Vielleicht hatte der Japaner das Bild vergessen. Wenn er doch dieses Bild besäße, wenn er Lngeborgs Bild in Händen hielte! Sie sehen! Sehen? Ja, und » Aber was denn, was hoffte er denn! Tor, Tor! Hatte Rilms nicht recht? Es zermürbte ihn,, dies Grübeln«
Von Gipfel zu Gipfel der Baumriefen, von Gesträuch zu Gesträuch warnen raunende Laute. Signale schallen. Dann Totenstille, die nur dann und wann, wenn einer der Asten durchs Blätterwerk glotzt oder an Lianen höher turnt, durch leichtes Blättergeraschel unterbrochen wird. Der Urwald lauscht.
Erst lange nachdem die steifen, aufrechten Wesen verschwunden sind, ihr scharfer Geruch im Dust der tropischen Pflanzen ertrunken ist, beginnt wieder der Wald zu pulsieren. Ein Pavianweibchen schwingt sich von den Aesten zu Boden, will nach dem liegengebliebenen Büschel herrlicher Bananen greifen, da schnappt eine eiserne Zahnreihe um ihren Fuß. Wie toll wirbelt der Pavian herum, kreischend, die Zähne wild fletschend, doch der Feind ist zwar klein, aber fest verankert. Läßt nicht locker. Schwärme kleiner Vögel flattern erschreckt auf, suchen das Weite. Alles schreit, alles flüchtet, sucht das Weite. Nur der Pavian nicht. Sitz winselnd da und streckt die ohnmächtigen scharzen Fäuste. In menschlicher Tücke verfangen, in eine ihrer Fallen geraten, die sie hier gelassen. Oh, aber er wird ihnen schon entkommen. Wind bläst aus. Fernes Klagen hebt an.
Als die Sonnenstrahlen senkrecht durch das dichte Dach der Baumkronen stoßen, kommt abermals der
tönt Tag und Nacht aus dem Affenhaus, wie Kinder» weinen.
Der Pavian weint nicht. Die langen Vorderarme hängen schlaff über den grauen Schenkeln. Krank. Fort mit dem Gitter, fort mit dem Schatten, das ist fein Bestreben. Und der Pavian lauert . . .! Der Direktor kommt selbst, streichelt das kranke Tier, verschreibt Milch und viel Früchte und geht wieder. Der Arzt kommt, murmelt etwas und macht eine Einspritzung, geht wieder. Und der Pavian lauert, steht nicht mehr aus. Da endlich läßt der Wärter aus Unachtsamkeit den Käfig unverschlossen.
Anderntags, als der Käfig leer ist, merkt erst der Wärter fein Vergessen. Er ruft vergebens. Aber er hat Hoffnung, denn die Türen des Hauses waren nachts verschlossen und die Fenster sind unversehrt. Er eilt zurück zur Doppeltür, um sie noch besser zu verschließen, da findet er den Pavian. Neben der Tür kauert er, reglos, wie nachdenkend in sich versunken. Die Wildnis war wohl zu ihm gekommen und hatte ihn
Menschentrupp. Mit Käfigen und Kisten, nut schwe- ren Planwagen. Der wilde Pfau ist gefangen, der Jaguar, der Puma, Tiere aller Art. Nun holen sie auch den Pavian. Einem kostet es die Fingerspitze, aber der Pavian entkommt ihnen nicht. Vergebens schäumt er und schrabbt sich die Läuse bluttg.
Die ganze Zeit rft es dunkel. Auch art Bord. Immer weiter geht es von der Glut der Sonne weg und der Affe erleidet alle Qualen der Enge und des Schattens. Wenig Fressen, viel Lärm und Gestank, denn die Kisten werden nicht gereinigt. Immer schmaler wird fein Vorderkörper, während er von den väterlichen Wäldern träumt. Der Hinterkörper beginnt stark zu haaren. Immer enger die Pupillen. Keine Sonne scheint. Seine Haut ist wie ein vielfältiges Tuch und hat fast die Farbe der fahlen Augen. Nachts wird der Geruch besonders stark, dann fällt zwischen sein @e- winsel der langgezogene Chorus der übrigen ein. Ein Durcheinander von Lauten, stärker und stärker. Krei- schende Pein, heulende Klage. Die Töne prallen zu- sammen, fließen wieder auseinander, bis den Tieren der Atem ausgeht. Nächte- und wochenlang. Im- mer hoffnungsloser. Dis ihr Wehrus von selbst schwächer wird, und Kopf auf Kopf mit weit aufgerifsenem Maul, mitten in einem furchtbaren letzten Schrei, nach
den als hohe schwarze Wände empor. Plötzlich befiel den jungen Mann, dessen Auge sich an die elektrische Lichtfülle der abendlichen Großstadt gewöhnt hatte, der kalte Schauer einer Unsicherheit, den das druckende Schweigen ringsum allmählich zur Angst steigerte. Es half ihm nichts, daß er einer Eingebung folgend die Fahrt auf der feuchten Waldstraße beschleunigte. Obwohl er ein guter Fahrer war, wurde er immer unsicherer. Schließlich riß er sich zusammen, stieg ab und brannte sich die letzte Zigarette, die er bet sich führte an, wohl um sich selbst die Gewißheit seiner Unbesorgtheit und das Vertrauen zu seiner Körperschaft wieder- zugeben. In der Tat stimmte ihn schon das Aufflammen des Zündholzes aus dem lastenden Dunkel ruhiger. Noch ehe er aber sein Rad wieder bestieg, zwang ihn ein unheimlicher Wille, sich mnzuschen . . .
Wenige Schritte hinter ihm erhob sich die dunkle Ge» statt eines Menschen mit einer Bürde aus dem Wald- graben und trat auf den Weg. Im gleichen Augenblick erlosch der schmale Lichtschein des Zündholzes. Hätte der junge Mann nicht auch das dumpfe Schlürfen schwe- rer Schritte vernommen, so hätte er wohl geglaubt, eine Phantasiegestalt seiner erregten Nerven erblickt zu haben. So aber bestand wohl kein Zweifel, daß er von einem menschlichen Wesen verfolgt werde. Er versuchte noch, ein „Wer da?" zu rufen, doch war ihm die ttockene Kchle wie zugeschnürt. Er wollte auch fein Rad herumreißen, um mit dem Lichtscheine der Laterne dem unheimlichen Gefährten der Nacht im Angriffe zu» vorzukommen. In Augenblicken der Gefahr ändern sich jedoch blitzschnell die Enffchlüsse des Bedrängten, und so besann sich auch der junge Mann eines anderen. Mit dem Aufgebote seiner letzten Kräfte sprang er auf das Rad zurück und flog ungeachtet des feuchten Waldweges vorwärts. Ein dunkles Gelächter aus dem Schweigen des Waldes folgte feiner Spur. Verstört kam der Verfolgte schließlich auf dem elterlichen Hofe an und begab sich bald zur Ruhe, ohne seinen Eltern das nächtliche Erlebnis zu berufnen.
In der Frühe des nächsten Morgens sprach ein aller Wandersmann mit einer Bürde in dem Gutshofe vor, einer jener Freunde der unermeßlichen Landstraßen und Wälder, die sommers und winters unterwegs sind, weil sie keine Heimat mehr haben. Er erkannte den jungen Mann, der auf der Flucht vor ihm gewesen war, nicht wieder und lächelte demütig. Dieses Lächeln aber gab seinem zerwühlten und vom Wetter zerfurchten Gesichte den Abglanz jener großen Güte, die allen denen zu eigen ist, die mit Bäumen, Tieren und Wind vertraut und nicht anders wie alle Menschen Geschöpfe des mächtigen Wlllens über uns sind.
6.
Am nächsten Morgen fuhr Jörgen Bollander mit Fai Wentschou entgegen, nachdem er sich nochmals von William Rilms herzlich verabschiedet hatte, der wieder und wieder bat, ihn ja bald zu besuchen.
Die Fahrt verlief ziemlich schweigsam. Fai schien heute sehr wenig Lust zu Gesprächen zu haben, und Jörgen Bollander war felbst nicht dazu aufgelegt. Es gab fo vieles zu überdenken und zu erwägen. Da war es ihm sehr lieb, diese Stunden der Fahrt zur inneren Sammlung benützen zu können. Nun tarn ja bald feine erste Begegnung mit Liü-Fu-Tang.
Wahrhaftig — er gestand es sich seufzend ein —, an die geschäftlichen Aufgaben dachte er dabei am allerwenigsten. Noch nie war es ihm bisher passiert, daß er andere Dinge den geschäftlichen Pflichten voranstellte. Aber nun —. Es ging nicht anders, er mußte all diesen Rätseln nachgehen!
Die Landschaft, die sie durchfuhren, verriet die Frucht- barteit dieses Gebietes. Erst kamen Reisfelder, die terrassenförmig aufstiegen. Weithin dehnten sie sich. Sie tarnen durch kleine Siedlungen der Chinesen, und hernach ging es an Mohnfeldern dahin. Kleine Bauern waren es zumeist, die hier lebten. Ueberall auf den Feldern schafften fleißige Hände, die ganze FamUie war
Flucht aus dem Walde.
Von Hellmut Schwabe.
Der junge Mann hatte sich noch beeilen müssen, um den letzten Zug nach D., seinem Heimatorte, zu errei- chen. Im Gegensatz zu anderen Menschen, die den Gedanken einer solchen Heimfahrt erst umständlich erwägen und vorbereiten, liebte er rasche Entschlüsse. Als er endlich die Bahnstation, die noch eine gute Wegstunde von seinem Dorfe entfernt lag, erreicht hatte, ließ er sich sein Fahrrad, das er aufgegeben hatte, aus- händigen und fuhr ein Stück Landstraße entlang dem nächtlichen Walde zu, der schwarz und mächtig das ebene Land querte. Diesen Waldweg kannte er schon seit frühester Kindheit. Oft hatte er in den Holzungen mit den anderen Dorfjungen Beeren gesucht und Tiere belauscht. Auch in der Schul- und Lehrzeit fuhr er oft mit dem Rade durch den Wald. Seit er jedoch Angestellter in einer Großstadt war, tarn er seltener nach Hause; doch bleiben uns ja Wege und Winkel der Heimat Jahre hindurch lebendig und vertraut. So kam es auch, daß er zunächst ohne ein Gefühl der Beklommenheit oder gar Furcht durch das finstere Schweigen fuhr. Seine Heimfahrt hatte er diesmal den Angehörigen nicht angekündigt, und die Vorstellung seiner unvermittelten Ankunft erfüllte ihn mit Freude. Die Dunkelheit eines verregneten Sommerabends lag schwer und feucht auf dem Nadelwalde, der jäh das Rad mit dem dünnen Lichtschein der Laterne verschluckt hatte. Nun gähnten am Saume des Waldweges die Gräben auf. Dem nächst- lichen Fahrer schien es, als ob der Weg schmaler geroor- den sei. Tannen und Fichten starrten hüben und drü-
häll.
Tierkörper auf Tierkörper gleitet über Bord, trotzdem lautet das Telegramm: Sehr gut angekommen.
Gezerre und Qual in der Hafenstadt. Alles geht drunter und drüber. Gerüttel und Qual im Eisenbahnwaggon. Nicht ganz der zehnte Teil der gefangenen Tiere langt endlich im Garten ein. „Tatsächlich", sagt der Direktor anerkennend, „verhältnismäßig wenig Verluste". Ist die Freiheit wiedergekommen, von denen die Tiere träumten, nach der sie sich sehnten?
Der Pavian fft nicht allein, hat Gesellschaft, ein Männchen und ein Weibchen. Aber in den Lianen des Urwalds vertrugen sie sich besser. Das eine Weibchen fft eifersüchtig. Blutiger Kampf. Erst am dritten Tag gelingt es dem Wärter, das tote Männchen den beiden zu entreißen. Da kommt der Direktor unö führt das Weibchen spazieren, an einem festen Seil. Führt sie spazieren — in den Einzelkäfig: langsam gewöhnt sich das Tier. „Platz genug da", meint der Direktor. Und die Leute kommen in dichten Schwärmen. Kleine Kinder retten auf den Schultern der Väter, die Frauen wer- fett Zucker, lachend, alles lacht.
Der Herbst vergeht. Der Winter vergeht. Aber die Tiere vergessen das ferne Draußen nicht. Besonders
tätig, Mann und Frau und Kinder, und so war es an vielen Plätzen, an denen sie vorbeikamen. Bei Fleiß und Anspruchslosigkeit war es dem kleinen Bauern ganz gut möglich, vorwärtszukommen, wenn er sich dem Anbau des Mohns widmete. Die Opiumgewinnung brachte einen schönen Gewinn, wenigstens vom Stande dieser schaffenseiftigen, unglaublich anspruchslosen Menschen aus betrachtet. Als sie nach Wentschou tarnen, herrschte wieder reges Leben um sie her. Es dauerte jedoch nicht lange, da ging es abseits, über Brücken und auf baumumsäumten Wegen entlang, bis sie vor dem Besitztum Liü-Fu-Tangs angekommen waren.
Fai stand dienstbeflissen neben Jörgen Bollander.
„Mein hoher Herr Liü-Fu-Tang heißt Mr. Bollander willkommen. Er bittet ihn, in seinem Hause Woh» nung zu nehmen und ihm die Ehre zu erweisen, sein Gast zu fein."
Er geleitete den Ankömmling über eine breite Treppe empor zum Hause und durch hohe, weite Gemächer zu einem Zimmer, das ganz in europäischem Stil eingerichtet war. Auf einem kleinen Tischchen lag ein Brief, der Jörgen Bollander sogleich ins Auge fiel. Er trat hinzu und langte nach dem Schreiben.
„Für mich? Ah, aus Japan, von Dr. Kayosuki!"
Er achtete nicht mehr auf Fai, der sich entfernte, nachdem er vergebens gefragt hatte, ob der Gast einen Wunsch habe. Die ganze Well interessierte Jörgen Bollander jetzt nicht. Da war ein Brief, ein Schreiben von einem Menschen, der Jngeborg Bergner kannte, Nachricht von den Verwandten Dr. Jusokas, Jngeborg Bergners Schwager, der mit ihrer Schwester den Tod gefunden hatte.
Dr. Kayosuki versicherte in feinem Briefe, daß er und feine Verwandten bestürzt seien über Jngeborg Bergners Schicksal, daß sie es nicht glauben könnten, das Mädchen sei auf so entsetzliche Weise ums Leben gekommen. Er schrieb weiter:
„Wir boten Miß Bergner immer wieder Gastfreundschaft an; aber sie lehnte ein längeres Bleiben in Shi- monofeti ab. Es war ihr wohl zu schmerzlich, noch weiter in der Stadt zu verweilen, in der sie an der Seite ihrer Schwester eine neue Heimat zu finden hoffte 1 und in der sie nur noch Erinnerungen fand. Ich brachte
scharfem Zickzack hinauf, die Takelage empor. Sonne entgegen, den Lianen zu. Aber es sind Taue. Er schnuppert herum, erkennt überall schengsspinst. Wirst sich aufs neue zuversichtlich Seil zu Seil, handel wohl zwanzigmal um den see- schwankenden Mast, und die Bilder der Nacht und Kälte schwinden hn Licht der Sonne, die eine neue Hoffnungslandschaft hervorzaubert, zu der er schon noch zu- rücksinden wird, wenn er es nur immer wieder versucht. Und er versucht es. Vergeblich. Die Männer unten machen Witze. Ein dicker Mattose klettert mit einem Sack den Mast empor, soll den Ausgebrochenen wieder einfangen. Die anderen biegen sich vor Lachen. Dann fluchen und schimpfen sie, als es der Dicke aufgeben muß, und dem einen ergeht es wie dem andern. Der Pavian fft frei . . . frei . . .! Bis die Nacht mit Hunger und Kälte kommt und er noch immer nicht den richtigen Weg, zum Urwald zurück, gesunden hat: das Schiff fft eine Falle! Da läßt der Affe sich fangen, ohne zu kreischen. Beißt bescheidener, diesmal nur in den Arm. Sie schlagen ihm die Nase blutig. Ist nur ein Pavian. Spucken ihm den Priem in die Fratze und Hopfen ihn in eine festere Stifte. Die Kiste
Fang und Schicksal von wilden Tieren Die Tragödie eines Pavians.
ternb umgesetzt und die Klappe ist von selbst zurückge- ruffcht. Nun liegt er draußen mitten im Tageslicht, schüttelt feine krumme Haltung ab. Ist frei! Endlich! ...... ~ ' er in
als der helle Frühling seinen Einzug hÄt. Da turnen Kreis herum. Geschrei
3m Vorübergehen.
Von Helmuth Unger.
Es gibt zwei Sorten von Bekannten. An den einen kann man vorübergehen, ohne sie anzusprechen, an den anderen nicht. Woher das kommt, soll hier nicht unter* acht werden; aber es ist schon so.
Flips und Focks waren zwei solche Bekannte. Seit ste einmal im Briefmarkensammlerklub miteinander be- kannt geworden waren und eine vergnügte und etwas eucht-fröhliche Nacht zusammen verbracht hatten, hatte es sich eingebürgert, daß sie sich mindestens ein joviales Scherzwort zurufen muhten, wenn sie aneinander vor- überhasteten. Sie hasteten immer, sobald sie einander ansichtig wurden, am liebsten wären sie wie zwei Aero- plane aneinander vorübergeschossen und hätten sich mit bloßem Mundaufmachen begnügt. Denn es wurde allmählich schwierig, ein entsprechendes ernstes oder scherzhaftes Wort zu finden, lieber das Wetter konnte inan sich schließlich nicht jeden Tag auslassen, und die Serie der möglichen Späße hatten sie bei ihren täglichen Begegnungen auch bereits erschöpft. Sobald sie des Morgens den ersten Schritt aus dem Hause machten, marter- ten sie sich mit dem Gedanken: Was rafft du dem Flips oder Focks nur heute zu?
Und als Flips sich einmal gar nicht mehr zu helfen wußte, da nahm das Unglück feinen Lauf. Een Hut von weitem schwenkend, mit den längsten Schritten ausgreifend, rief er dem Focks statt der üblichen Behauptun- gen und Feststellungen unvorsichtigerweise eine Frage zu, und die lautete — nun, ganz einfach: „Wie geht's? Was soll man sonst schon fragen?
Focks aber war über diese neue Wendung in den üblichen Begrüßungsformeln so betroffen, daß es rhm den Atem verschlug. Er bremste heftig, mitten rm aller- längsten Schritt. Auf eine Frage muß man doch antworten.
Und der Flips bremste gleichfalls, denn wer fragt« muß doch wenigstens auf Antwort warten!
„Danke, gut", stotterte Focks mit runden Augen und unverhohlenem Erstaunen.
Er wundert sich über die Frage, dachte Flips uns sann verzweifelt über eine Möglichkeit nach, die Frage zu begründen. ... .
Und während sie einander krampfhaft die Hande fchütietten, stammelte Flips, wobei ihm das Blut ms Gesicht schoß, nur um etwas zu sagen: „5d> hörte —i ich hörte, — Sie wollen heiraten?"
Er hätte ebenso gut sagen können: Sie wollen Kannibale im malaiischen Archipel werden, dann hätte sich Focks auch nicht mehr verwundert.
„Waaas? Heiraten?"
„Nicht? Also nicht? Da sieht man wieder, was die Leute alles reden."
Er wurde rot wie ein Truthahn, drückte dem Focks noch einmal kräftig die Hand und flüsterte: „Habe Elle« heute. Große Eile." Und verschwand.
Focks rührte sich eine Minute lang nicht vom Fleck- Unerhört! Wer in aller Wett nahm sich heraus, in seinen Herzensangelegenheiten herumzuwühlen? Apropos?
Er war sich durchaus nicht darüber klar, ob es ein solches Organ in seinem Innern überhaupt gab! Bisher jedenfalls hatte es kaum je ernstlich gestört.
Doch — da fing es eben an, ein wenig laut ztt schlagen. Er hatte jedenfalls zu lange Schritte gemocht, war zu hastig gegangen. Aber nun, wo man den Flips hinter sich hatte, konnte man in Ruhe seinem Büro zu» wandern.
Hahaha, womöglich dachte dieser Esel gar an die neue Buchhalterin! Ein adrettes Geschöpschen, aber viel, viel zu jung für ihn. Oder---Focks stand schon
wieder. Ja, das war's, jetzt war es ihm klar! Man hatte ihn vorgestern mit der jungen Frau Bums, der Witwe seines verstorbenen Geschäftsfreundes, im Eaf« geschen, als sie von der Straße weg eingetreten waren, um die Abwicklung eines Geschäftes zu regeln.
Donnerwetter, die junge Frau Bums — elegant, schneidig — das mar allerdings ein appetitlicher Bissen! Also mit der hielt man ihn für verlobt? Focks konnte nicht umhin, sich geschmeichelt zu fühlen. Also Eroberungen traute man ihm zu. Nun ja, ein Mann wie er, in den besten Jahren, mit einem immer noch gutgehenden Geschäft---
Als Focks in feinem Büro angekommen war, fiel -hm mit einem Male ein, daß er der Frau Bums in
Waldbüchlem.
Ein Bächlein riefelt im Walde, rinnt zwischen Gras und Moos. Es riefelt fo heimlich, und balde verfickeri's im Waldesschoß.
Ich wünscht', es wäre mein Leben dem rinnenden Bächlein gleich; ich wünscht', ich könnt mich verbergen vor all dem Kampf und Streit
Doch sieh, nun ringt es sich wieder empor zum Sonnenlicht: Nein, Freund, im Erdreich versinken geziemt sich für unsereins nicht!
Rudolf Rittersdorf.
Las RAsel des TuWlang.
Roman von Surt Martin.
Eovbright btz Verlag Neues Leben, vabr. Gmain.
10] ---------
»Das wissen Sie?"
«Ja. Er liebte die Frau wohl über alles."
»Woher stammt Ihr Wissen?"
„Gedulden Sie sich! Ich möchte erst hören, was Sie mir noch zu erzählen haben."
„Nicht viel! Shelton hatte an jenem Tage noch ein Troßes Geschäft mit Rung-Kü-San zum Abschluß gebracht. In der Nacht darauf ist bann die Tat geschehen. Am Morgen fand Schü-Seing seinen Herrn als Leiche. Es gab unter den Chiesen der Stadt bald ein feindseliges Flüstern: Shelton wisse um diesen Mord! Ja, es soll mohl sogar ganz laute Rufe in den Straßen gegeben hoben: „Der Engländer hat Rung-Kü-San aus Eifersucht erwürgt!" Es war, glaube ich, nicht sehr ange- uehm hier. Shelton soll getobt haben, er hat feiner Frau in Gegenwart Freddy Bloyds die heftigsten Bor- mürfi gemacht, daß sie ihm durch ihren Flirt mll Rung- Kü-San in derartigen Verdacht brachte. Sie hat auch beschworen, daß er in jener Nacht das Haus nicht Der» laffen habe. Trotzdem hätte es wohl nicht erfreulich für shelton ausgehen können, wenn nicht Lü-Fu-Tang erschienen wäre. Er erklärte auf das bestimmteste, alle Anzeichen bewiesen, daß der Mord an seinem Verwand- ten von einem Chinesen begangen worden sei. Er verbot, Mr. Shelton irgendwie zu verdächtigen und anzu- ffinden. Aus welchem Grunde er fo tatkräftig Shettons ■Partei ergriff, weiß ich nicht. War es wirklich feine Ueberjeugung, daß Shelton ohne Schuld ist? Wollte er e=> nicht zu einem offenen Fremdenhaß in der Stadt tom» •nen lassen? Wollte er einen Skandal vermeiden, der ouf den Toten ein zweifelhaftes Licht warf? Wer weiß bas! Auf alle Fälle konnte Shelton mit feiner Frau unbehelligt abreifen. Liü-Fu-Tang entschuldigte sich sogar noch bei ihm ob der ansängllichen Erregung unter den Chinesen."