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Beilage zur Fuldaer Zeitung

28. August

Du und dein Sohn.

Betrachtung zum Sonntagsevangettum.

$)aft int einen Heranwachsenden Sohn? Und wie steht es mit ihm? Macht er dir Freude, oder hast du Kummer mit ihm?

Man hört ja so viele Klagen heutzutage, be­sonders über die Söhne; daß sie sich nicht um die Familie kümmern und am liebsten ihre eigenen Wege gehen, daß sie sich von den Eltern nichts mehr sagen lassen wollen, daß es ein rechtes Kreuz mit ihnen sei. Und wenn man weiter fragt, was denn wohl schuld an all diesen Dingen sei, da hört man die verschiedensten Gründe nennen: die schlechte Zeit, die Arbeitslosigkeit, der Sport, die Vereine, nichisnußige Kameraden. Daß die El­tern selbst auch ein Teil der Schuld mittragen, dar­an denken sie wohl selten genug.

Da kenne ich so manchen Jungen auf dem Lande, der ist schon zwanzig Jahre und mehr alt; gehalten wird er wie ein Knecht, er muß ar­beiten, was ihm aufgetragen wird, und zwar ohne Widerrede. Bei seder Gelegenheit läßt ihn der Vater merken, daß e r der Herr ist auf dem Hofe und daß er als junger Mensch nichts ver­steht und nichts zu sagen hat. Und so hat sich der Junge ans Schweigen gewöhnt Aber es ist ein Schweigen in Troß und Verbissenheit; der Junge wird immer mißmutiger. Er wagt nicht, gegen den Vater offen aufzutreten; im Geheimen aber hat er einen Groll auf ihn. Vielleicht wird der Junge leichtsinnig und kümmert sich weiter nicht mehr um die väterliche Wirtschaft, tut ge­rade noch, was er muß, um mit dem Vater nicht in Streit zu geraten. Vielleicht wird er für sein Leben verbittert und bleibt ein unfroher Mensch, der sich selber und anderen zur Last ist.

15. Sonnlag nach Pfingsten.

Eingangslied Cpf. 85, 1. 23).

Rciqe Herr, dein Ohr zu mir und erhöre mich; err-tt- 'deinen Knecht, mein Gott, er hofst auf dich. Erbarme dich meiner Herr, ich rufe zu dir den aan-en Tag. ($f- -bd. 4.) Erfreue die Seele bei- nes Knechtes; denn zu dir, o Herr, hab ich meine Seele erhoben.

Epistel (Gal. 5, 2526; 6, 110).

Brüher! Wenn wir im Geiste leben, laßt uns auch im Geiste wandeln. Wir wollen nicht nach eitler Ehre trachten, einander herausfordern, ein­ander beneiden. Brüder! Wenn ein Mensch in Üebere'lung eine Sünde begeht, so unterweiset ihn als Männer des Geistes im Geiste der Sanftmut. Hab acht auf dich selbst, damit nicht auch du ver- sucht werdest. Einer trage des anderen Last, dann werdet ihr das Geleß Christi erfüllen. Denn wenn sich semand einbildet, etwas zu sein, da er doch nichts ist. so betrügt er sich selbst. Ein jeder priffe fein eigenes Tun; dann mag er sich allein bei sich selbst rühmen, nicht vor einem anderen. Jeder hat feine eigne Last zu tragen. Wer in der Lehre Unterricht erhält, teile mit dem, der ihn unter­richtet, all sein Gut. Täuschet euch nicht: Gott läßt seiner nicht spotten. Was der Mensch sät, wird er auch ernten. Wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ern­ten; wer aber auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten Wir wollen Gutes tun und nicht ermüden; zu feiner Zeit dann werden wir ernten, wenn wir nicht Nachlassen. Laßt uns also, da wir noch Zeit haben, allen Gutes tun, vorzüglich aber denGlau- bensge nassen.

Könnte denn das alles auch anders und bes- sein fein? O ja. Denn der Junge will ja weiter nichts, als auch etwas im Hause gelten; er will nicht nur Knecht, sondern auch Sohn sein. Und Sohn sein heißt, Verantwortung tragen helfen, heißt, sich mitverantwortlich wissen. Dazu gehört, daß der Vater mit ihm dies und jenes beredet, was zur Wirtschaft gehört; wie dieser und jener Acker bepflanzt wird und wie es mit dem Vieh­verkauf werden fall. Wenn ein Stück Vieh im Stalle gebraucht wird und im Nachbardorf steht eins zum Verkauf, dann ist es schon richtig, wenn der Vater den Jungen schickt und danach sehen läßt. Dabei ist es nicht nur darum zu tun. daß der Junge alle diese Dinge selber lernt ob­wohl er das auch muß, weil er ja der Nachfolger werden soll. Viel wichtiger ist, daß der Sohn da­durch sich auch geachtet sieht. Daß er nicht nur

die Strenge, sondern auch das Vertrauen des Va­ters empfindet, daß er die Mitverantwortung für die väterliche Wirtschaft und damit auch für die Familie tragen darf, und das ist es, was der junge Mensch will und braucht, um Sohn zu fein und nicht etwa Knecht oder Sklave.

So mancher Sohn ist heute tot, gei- stig tat. Zwischen ihm und dem Vater oder der Familie ist Gleichgültigkeit ober gar Feindschaft. Geistiges Leben ist aber nur da, wo Vertrauen und Liebe herrscht. Darum kann ein solcher gei­stig toter Sohn auch nur wieder erweckt werden durch den, der einst den Jüngling van Naim auf­stehen hieß: durch Christus allein, das heißt, durch den Geist Christi, der in den Eltern lebendig sein muß. Und das ist der Geist der Liebe, der die Kin­der aufruft zur Mitverantwortung im Kreise der Familie und damit der Menschheit.

Dem Katholikentag entgegen.

Don Friedrich Muckermann S. J.

Während Hoffnung und Furcht um das mög­liche Ende der Wirtschaftskrise zittern, während auf den politischen Gefilden die Jagd mit dem Lasso auf die wildgewordenen Pferdchen des Radi­kalismus mit Geflüster und Getöse vor sich geht, rüstet sich die große Stadt Essen für die zweite Generalversammlung der deutschen Katholiken in ihren Mauern. Nachrichten davon sind schon lange von Zeit zu Zeit in den Spalten der Presse auf­getaucht. Wie ein frommes Glöcklein wirkten sie, das unentwegt mitten im Marktlärm gläubig und vertrauend seine Stimme erhebt. Je näher das Fest, umso lauter werden diese Glocken, und nun hat auch die Domalocke im heiligen Köln schon an­geschlagen. Der Kardinal selber, dessen oberhirt- licher Leitung die Stadt Essen anvertraut ist, lädt alle deutschen Katholiken ein zu ihrem großen Tage.

Ein Gnadentag wird das sein für die Stadt, die ihn begehen darf, und für das ganze Land, das an ihm teilnimmt. Bis in die weit entfernten Landschaften hin, in denen deutsche Volksteile ober Minderheiten für das heilige Erbe ihrer Väter kämpfen, wird der Segen sich fortpslanzen. Wir werden alle wieder nachdrücklich erinnert an untere Hauptaufgabe im öffentlichen Leben In nichts anderem besteht sie als in der Durch­dringung der modernen Gesell­schaft mit dem Geiste Christi. Wir stel­len uns mit unferm Kredo mitten in diese Zeit. Wir ziehen die schwierigsten Probleme der Geaen- trart vor das Forum der ewigen Wahrheit. Wir kennen keine Angst und keine Verzweiflung, wir kennen nur die sieghafte Kraft unseres Glaubens. Indem wir das Ewige an die erste Stelle seßen, leisten wir schon dadurch allem Zeitlichen den größten Dienst. Von unten her können die Sinne dieser Welt nicht geordnet werden, da muß man sich schon orientieren an den ewigen Sternen.

Indem wir Christus und die Groß­stadt betrachten, machen wir von vorneherein den Anspruch des Königtums Christi auch auf dieses schöne und furchtbare Wunder der neueren Kultur geltend. Hat man auch gebaut ohne uns, eines Tages schlägt doch wieder unsere Stunde, im­mer dann, wenn der Mensch unter dem Druck sei­ner eigenen Erfindungen verzweifelt. Viele ha­ben sich bemüht, das Zeitalter der Technik zu mei­stern: sie sind nicht mit ihm fertig geworden. Denn das ist nur möglich, wenn man es vom Menschen her versteht, Menschen aber begreift man immer nur von Gott her. So konnten die neueren von

Gott gelösten Weltanschauungen einander nur im­mer ihre Unzulänglichkeit vererben, denn der Erbe des Reiches ist allein Christus.

Wir begehen diese festlichen Tage, obwohl wir um die Sorgen der Menschen von heute wissen. Ja, eben diese Sorge zwingt uns dazu, weil kein anderer Arzt außer Christus mehr vorhanden ist. Stehen nickt wirklich die Führer der Wirtschast und der Politik verzweifelt vor ihrer Aufgabe? Zu un­gefähr der gleichen Zeit, in der in Esten die deut­schen Katholiken sich versammeln, wird in Berlin das Parlament zusammentreten. Der Kundgebung einer in seiner Religion geeinten Millionenschar im Ruhrgebiet wird die Ausstellung der deutschen Zwietracht in der Reichshauptstadt gegenüber­stehen. Eines beleuchtet das andere. Nur ein ein­ziger Wille kann uns dabei beseelen, nämlich un­sere urgesunden religiösen und nationalen Kräfte dem ganzen Volke zuzuführen, unsere Einheit zum Vorbild der Einheit aller Deutschen zu machen. Die Interessen spalten, der Glaube fügt zusammen.

Mehr als früher sind untere heutigen Katho­likentage Massenversammlungen. Gerade in Essen wird der Zustrom kaum zu bändigen sein. Auch das ist em Zeichen, daß wir lebendig sind. In unseren Tagen ist der Laie aufgerufen worden. Zum uni­versalen Königtum Christi gehört nicht nur die Kirche, gehört auch die Welt. Sie auf den ver­schiedenen Gebieten der Kultur nach Gottes Gesetz zu erneuern, ist die Aufgabe der Laien. Wir haben verstanden, daß man schlecht für das Jenseits sorgt, wenn man das Diesseits ver­nachlässigt. Wir haben begriffen, daß neben der kritischen Aufgabe und über ihr die schöpferische Tat steht. Wir geben die Kultur nicht auf, an deren Wiege im Abendland die katholische Kirche gestanden hat. Wie schon in Münster, wie in Nürnberg wird das Bild unserer Versammlungen nicht nur im Zeichen Rede stehen, sondern auch in dem der schönen Künste, der malerischen Aufzüge, der Freude am Leben und an feinem Reichtum. Auch die tech­nischen Errungenschaften, wie Radio und Film, stellen wir in den Dienst unserer Idee.

Dm Lichte des Glaubens werden wir tiefer schauen als unter den wechselnden Gestirnen des Tages. Diese Zeit hält uns in Atem. Jeder Tag bringt neue Ueberrcllchungen Selbst die Träger hoher autoritativer Gewalten sind bedenklich an das Raupenlickt der Sensation geraten. Wichtig erscheint uns oft am Abend, was schon am näch-

Christus mutz herrschen.

Bericht eines Fuldaer Primaners über die Tagung des Missionskreuzzuges für die Missionen.

Christus muß herrschen, Gott will es!"

Das war das Leitwort, unter dem die Tagung des Missionskreuzzuges der studierenden Jugend in Salzburg stand. So klang es aus über tausend für Christus begeisterten Kreuzrittern in den Straßen Salzburgs und tönte von den umliegenden Bergen wider. Daß aber der Mahnruf an die Welt nicht vergebens war, das bezeugen die Tagesbe­richte der Salzburger Zeitungen. Das geht hervor aus der begeisterten Anteilnahme der Bevölke­rung. Es herrschte aber auch Disziplin. Jeder war konzentriert auf die hohe Aufgabe und Pflicht: den Mit­menschen Apostel zu sein, und da alle von diesem Geiste beseelt waren, wurde die Tagung zu einem herrlichen Erlebnis für Teilnehmer und Bevöl­kerung.

Salzburg hatte man als Tagungsort erwählt. Salz­burg, nach Alexander von Humboldt eine der schönsten Städte der Welt. Salzburg, die Geburtsstadt eines Mozart. Salzburg, die Stadt der Kunst und Wissen­schaft, die Stadt der Festspiele und des Fremdenver­kehrs. Hierher hatten die geistlichen Führer ihre Kreuzritter gerufen. Zweihundert und Fünfzig hatten sie erwartet. Es waren ja auch schlechte Zeiten. Unb wieviel waren gekommen? lieber Tausend!! Darun­ter rund 200 Reichsdeutsche (5 Fuldaer M. cer).

alle waren gekommen, um zu zeigen, daß es eine katholische Jugend gibt, die für Christus ein- steht und seine Stellvertreter. Eine Jugend, die sich nicht beeinflussen läßt von den Phrasen eines »positiven Christentums"! Eine Jugend, die sich geschlossen hinter die Weisungen un­serer heiligen katholischen Kirche stellt. Unvergeßlich drückte sich dieses besonders bei den abend­lichen religiösen Feiern bei den Katakomben und in ben Kirchen aus.

Montag, 1 Uhr früh bestiegen wir den Schnellzug Hamburg-München. Langsam setzt er sich in Bewegung. Dampfend verläßt er die Halle. Schemenhaft eilen die geisterhaften Gestalten von Bergen an unseren Au­gen vorüber. Hier und da blinkt ein Licht aus dem ge­heimnisvollen Dunkel. Ueber Würzburg geht's, Ansbach

Ingolstadt nach München. Während die Menschen ih­rer Arbeitsstätte zueilen, bummeln wir durch die Stra­ßen München; diese wenigen Stunden aber lasten uns schon erkennen, welche Sehenswürdigkeiten München birgt.

Aber bemessen ist unsere Zeit. Wir müssen zum Zug, der uns nach Kufftein bringen soll. Herrlicher Sonnenschein und die Alpen begrüßen uns beim Ver­lassen des Zuges in Kufftein. Eine flüchtige Paßkon­trolle, und wir können unsere Wege ziehen. Unser Weg führt durch Kufftein, ein schön gelegenes Städtchen mit Burg, am Fuße des Kaisergebirges vorbei zum Strib- jenjöch (etwa 1400 Meter). Da es uns hier aber zu teuer ist, ziehen wir es vor, noch bis zur Grffenauer-Alm zu gehen. Hier können wir auch frei im Heu übernach­ten. Nach einer guten Nacht geht's bann neugestärkt weiter. In der Folge durchstreifen wir bann die Lofe­rer Steinberge und besuchen den Hintersee.

lieber Ramsau geht's zum Watzmann. Am Morgen noch haben wir gute Fernsicht. Gegen Mittag aber ziehen sich dichte Nebelwolken zusammen unb verhüllen den Gipfel. Dennoch machen wir uns auf, das Hocheck (2700 Meter) zu besteigen, lieber Geröllmassen und durch Neuschnee arbeiten wir uns auswärts. In 2 Stunden ist's geschasst. Wolken verhindern jede Sicht. Infolgedessen unterlassen mir es, weiter zu gehen unb kehren zum Watzmannhaus zurück. (1930 Meter.) Die Nacht bringen wir in einer Sennhütte der Kühroinder- Alm zu, um bann den Abstieg zum Königssee zu be­ginnen. Er ist ziemlich ungemütlich. Dabei bemerken wir in einer Entfernung von 20 Meter Gemsen, die auf- gescheucht talabwärts eilen. Unter uns sehen wir den Königssee. Eingebettet in ein wundervolles Tal, von hohen Bergmassen eingeschlossen, bildet er mit feinem herrlich tiefgrünen und klaren Wasser einen der groß­artigsten Alpenseen. Nach einem Besuch von Berchtes­gaden suchen wir bann den Wolsgangsee auf. Hinsicht­lich desWeißen Rößls" aber werden wir enttäuscht. Denn was wir vorfanden, war ein feines Hotel. Der Verfasser desWeißen Rößl" muß wohl gemütlichere Verhältnisse angetroffen haben, wenn er sagt:

Im weißen Rößl am Wolsgangsee Da steht das Glück vor der Tür . .

Vom Glück sahen wir zwar wenig, dafür umsomehr

Kellner und vornebme Leute. Wir zogen es deshalb in unserer Wanderkluft vor, den Rückzug anzutreten. Noch an demselben Taue fuhren wir nach Salzburg, wo wir herzlich im Erzbischöflichen KonviktBorromäum" begrüßt wurden. DieS a u v r e i ß e n" hatten sich bald mit den Bayern und O e st e r r e i ch e r n, be­sonders als diese hörten, daß wir gar keine richtigen Preußen, sondern Hessen waren, angefreunbet. Diens­tag, den 2. 8., abends, war offizieller Begrühungs- abenö. Aus Hollanb unb ber Schweiz waren sie gekommen. Aus der Tschechoslowakei und Südtirol. Aus Bayern, Württemberg, Ba­den unb Preußen. Von Wien, Innsbruck, Linz und den anderen Städten Oesterreichs. Von den einzelnen Bünden war die M. C. am stärksten vertre­ten. Waren es doch nicht weniger als 800. Aber alle eins in dem Gedanken:Christus muß herr­schen, Gott will es!"

Den Reigen ber Vorträge eröffnete am folgenben Tage Herr P. E b e r l e i n mit einem Lichtbildervor- trag:Unter Menschenfressern in der Sübfee". Mit fest-lnden Warten veranschaulichte er uns die Mühen unb Arbeiten eines Missionars unb bie sa große Not in den Missionen. Wir sahen in dem Vortrage aber auch, wie segensreich gerade die katho­lische' Mission für die K ü 11 u r unb Bildung ber Eingeborenen ist. DerM i l l - H i l l " - F i l m schloß sich an, erläutert durch packende Worte von Mszr. K. Drexler, dem Generalsekretär desGlaubens­werkes" Zweig Oesterreich. Der Nachmittag führte uns nachMaria Plain", dem ältesten Wallfahrtsort Oesterreichs. Ein auf demChristlich-Deuffchen" Turn- platz veranstaltetes Gbriftusfeuer mit anschließen­dem Lichterzug beichloß den Tag. Unter den Rufen Christus muß herrschen, Gott will es" zog ein Lichtermeer durch die Straßen ber Stadt; anaefchlos- fen hatten sich noch die Jugenbverbände Salzburgs. Dann ging es ins Quartier.

In ber hl. Messe holten wir uns am nächsten bor­gen die Kraft für ben Tag. Cologrivov. Konver­tit und Page ber letzten russischen Parin, schilderte uns das unermeßliche sittliche unb moralische Elend der Sowjet-Union. Er schilderte uns den großen Kampf der noch slltlich guten und christlichen Jugend und be­sonders ben b e s jungen Mädchens gegen bie Gottlosen und sittlich verderbte Umwelt. Wir lernten die Not kennen, mit ber ber Russe zu kämpfen hat, unb fest waren wir entschlossen, unsere ganze Kraft gegen bie Gottlosenbewegung einzusetzen, um dadurch auch unseren Brüdern in Rußland zu helfen. Dann hatten wir Gelegenheit einem Domorgelkonzert

sten Morgen seine Bedeutung verloren hat. Und nach Wochen sagt sich der Stille im Lande: Geplät­scher war alles Mehr Personalien als Ideen. Mehr Zickzack als Fortschritt. Unsere Katholiken­tage nehmen die Dinge nicht vom Standpunkt irrationalen Geflackers, nicht vom Interesse einer Gruppe her. sie sind keine Parteiversammlungen, so gern ihre Gegner sie dazu stempeln möchten. Es sind katholische Tage, eine Begegnung des ernsten und tiefen Wollens unserer Zeit mit dem Iahrhun- derte alten Strome des Christentums. Wie die grauen Mauern der Münsterkirche von Essen an Ort und Stelle geblieben sind, soviel Neues auch um sie gebaut wurde, so sind wir noch da. In den Fundamenten sind wir, wie sie, tief verwurzelt in der Heimaterde. In einer Stadt tagen wir, in der Deutschtum und Christentum vor so vielen Jahrhunderten ihren Bund geschlossen ha­ben. Es ist der Bund, an dem mir festhalten.

M i t unseren Fahnen zieht da» Deutschland seiner be st en Traditio­nen.

Eia Bischof als Siedler.

Das ehemalige Fürstbistum E r m 1 a n d ist ein rechtes Bauernland. Es umfaßt die vier landwirt­schaftlichen Kreise Allen st ein, Braunsberg, H e i s b e r g und R ö ß e l und trägt von allen ostpreußischen Gauen oder Landschaften das ge­schlossenste kulturelle und wirtschaftliche Gepräge. Das Ermland gehört dem Tiefland an und um­faßt rund 425 000 Hektar Bodenfläche. Dm Jahre 1907 wurden 24 806 landwirtschaftliche Betriebe gezählt, und darunter gab es nur 66 Rittergüter, 37 andere Güter und 4 Domänen, die alle zum Großgrundbesitz mit mehr als 200 Hektar zählten.

D i e Bischöfe als Landesfürsten und das Domkapitel haben zu allen Zeiten für em ge­sundes Verhältnis zwischen Groß­grundbesitz und Bauerntum gesorgt, und wenn in der Gegenwart noch hie und da ein Rittergut zur Austeilung und Besiedelung gelangt, so ist dies durch die allgemeine Wirtschaftskrise be­dingt. An Großstädten fehlte es im Ermland; dem gegenwärtigen Bischof Maximilian ist es zu Herzen gegangen, daß in der ehemals so rei­chen Industriestadt Elbing und auch in anderen großen Städten der Diözese Ermland sa viele Ju­gendliche ohne Beschäftigung sind, und er beschloß deshalb, einen Teil dieser beschäftigungslosen Ju­gend in einer Siedlerschule für landwirt­schaftliche Arbeiten unterweisen zu lassen.

Zu diesem Zwecke stellte er das Schloß Schmo. lainen und das Gut Kossen in den Dienst der Umichulung als Siedlerschule.

Das ermländische Domkapitel hat durch seinen Beschluß die beiden genannten Güter für die Sied- lungssckule freigegeben, während die Finanzierung dieser Siedlerschule durch bewilligte Darlehen der Kreditaemeinschaft Berlin und durch Gewährung von Geldbeträgen seitens des Preußischen Wahl­fahrtsministeriums und des Reichsarbeitsministers erfolgte.

Dieser Tage fand die Einweihung dieser neuen Siedlerschule statt. Nach einer Gemeinschafts« m e f f e durch den Bischof fand in dem umgebau­ten Schlosse in Schmolainen ein Festakt statt, zu welchem die Vertreter der ermländischen landwirt­schaftlichen Verbände, der Geistlichkeit und der Behörden erschienen waren. Direktor Lettau gab einen kurzen Ueberblick über die Ausgabe der neuen Siedlerschule. Der größte Teil der Siedler­schüler stamme aus Elbing. Die jungen erwerbs­losen Städter suchen einen anderen Boden, auf dem sie leben können: es ist eine Rückwanderung aus der Stadt auf das Land

mit Soprangesang bei,zu wohnen. Aussprache-Kreise

füllten ben Nachmittag an.

Der Abend sah uns und bas katholische Salzburg in ber Kollegienkirck>e! Unser MarschallVor-" w ä r t s" H. H. P. Schütz aus Aachen richtete ergrei- senbe Worte an uns. Unter anderem berichtete er uns von einem Gespräch, das in einer engeren Versamm­lung des Münchener Katholikentages geführt wurde. Ein gelehrter Konvertit hatte folgendes gesagt:Ich, als Vertreter der Gottsucher, klage euch Katholiken, bie ihr bie wahre Religion in bie Wiege gelegt bekamt an. Ihr seid Prasser, ba ihr bie Wahrheit für euch behaltet, anstatt sie ben anderen weiterzugeben!! An diese Worte anknüpfend, forderte uns H. H. P. Schütz auf, Apostel zu sein und an der Verbreitung des wahren Glaubens mitzuwirken. Mit zu helfen, ben Gottsuchern bie Steine vom Wege zu räumen, um sie für Christus zu gewinnen. Das gemeinsame Abendgebet beschloß den Tag.

Mit frischen Kräften gings an ben nächsten Tag Der Apostolische Vikar von China celebrierte bie hl. Messe. Anschließend sanden die Beratungen im Mozartraum statt. P. Fuhrmann Köln gab anregende Winke für bie Ausgestaltung bez Gruppenlebens. Inzwischen war auch Professor Dr. Ko tar o 11 e b a, ein japan i- sch er K o nv er t i t, angekommen. Stürmisch begrüßt, erzählte er uns vieles aus Iavan. So vom Buddhis- mus, über das Heldentum japanischer Märtyrer vor 350 Jahren und a. m. Exotische Musik auf Schall­platten führte ums etwas in bie Musik bes Ostens ein.

Am Nachmittag besuchten wir Hellbrunn und bewunderten die weltberühmten Wasserkünste. Für ben Abend war eine Treu-Kundgebung bei but Katakomben vorgesehen, und sie wurde auch zu einer wuchtigen Kundgebung. Wie dieSalzburger Chronik' berichtet, war sie eine der schönsten katholischen Feiern, die Salzburg je erlebt hat. Unter dem magi­schen Lichte riesiger Scheinwerfer erglänzten Burg, Dom und Katakomben in übernatürlichem Glanze. Dazu tarnen die vielen Fackeln, unb bie Glocken von St. Peter gaben bie nötige Begleitmusik. Ein unvergeßlicher Anblick. So bildete diese Kund­gebung einen würdigen Abschluß bes Tages. Eine Pontisikalmesse bes Horbwürbigen Herrn Fürsterzbischofs Dr. Jgn. Rieber beendete bie herrlich verlaufene Tagung. Es galt, Abfchieb zu neh­men. Die Anregungen waren gegeben.

Nun auf zur Tat! F- H-