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Fuld aer Z ertung
Anzeiger für die Stadt Aulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
Sonntag, 21. Angnst 1932
Mrz. 59.
M>--atIich 1.65 einfchliehl. Postgebühr (48 Pfa.) ohne Zusteüg. Anb-igen-Preise: Kleinzeile <Cot.) lokal 0.15 RM., auswärts 0 20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Paiticheckk Frankfurt a. M 4051.
Lrlcheint fechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: ..Die Welt m Bild" und ..Buchenblätter'. Rotationsdruck und Verlag rer Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- -- leitung 3153 Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::
wurde jedoch gleich wieder zum Bundeskanzler gewählt und übernahm gleichzeitig das Innenministerium. Im Mai 1922 machte er Seipel im Amt des Bundeskanzlers Platz. Schober widmete sich dann wieder ausschließlich dem Sicherheitsdienst und erlangte internationalen Ruhm. Erst als im Jahre 1929 unter dem Druck der Heimwehren der Rus nach Verfassungsänderung und Zuriickdrän» gung der Allmacht des Parlaments laut wurde, übernahm er wiederum das Kanzleramt, um auch eine gemäßigte Verfassungsreform durchzuführen. Die Heimwehren, die den Polizeiminister während der Juli-Unruhen des Jahres 1927 als Retter Wiens gefeiert hatten, wurden dann f p ä t e r s e i n e e r b i tt e r t- st e n Feinde. Heber die Frage der Ernennung Strafellas zum Generaldirektor der Bundesbahnen kam es zudem noch zum Bruch zwischen ihm und den Christlich-Sozialen. Rach dem Neuwahlkabinett Vaugoin-Starhembera übernahm Schober im Kabinett Enders den Posten des Vizekanzlers und Außenministers und in dieser Eigenschaft unterzeichnete er anläßlich des Besuches des Reichsaußenministers Curtius im März 1931 das bekannte Wiener Protokoll. Auch in dem ersten Kabinett Buresch, das das Kabinett Enders im Juli 1931 ab» löste, gehörte Schober noch als Vizekanzler und Außenminister an. Im Zusammenhang mit dem Ausgang der Aktion der deutsch-österreichischen Zollunion vor dem Haager Gerichtshof mehrten sich jedoch die Angriffe gegen ihn, und ziemlich unerwartet trat er mit dem gesamten Kabinett zurück.
Der Ohlauer Aufruhrprozetz.
Die Strafanträge des Staatsanwalts.
wtb. Stieg, 20. Aug. (Eig. Meldg.) Im sogenannten Ohlauer Aufruhrprozeß, der die schwere Schlägerei an der Ohlebrücke in Ohlau zwischen Reichsbannerleuten und Nationalsozialisten zum Gegenstände hatte, in deren Verlauf bekanntlich zwei SA.-Le nie getötet wurden, beantragte der Staatsanwalt:
Gegen Gewerkschaftssekretär und Kreisleiter des Reichsbanners Friß Leise wegen Landfrie- densbruches, Waffenmißbrauches 4 IahreZucht- haus;
gegen den Ortsgruppenleiter des Reichsbanners Blech wegen derselben Straftaten 6 Jahre Zuchthaus:
gegen den Angeklagten Sain (Vater) wegen derselben Straftaten 4 Jahr« Zuchthaus;
gegen den fozialdemokrat. Stadtrat Manche wegen schweren Landfriedensbruches und Raufhandels 4 Jahre Zuchthaus;
gegen den Gewerkschaftssekretär Str.uli^ wegen einfachen Liedfriedensbruches und Aufruhr 2 Jahre Zuchthaus.
Die übrigen beantragten Strafen wegen Landfriedensbruches liegen zwischen 4 Monaten und' 2 Jahren Gefängnis. In 6 Fällen wurde Freisprechung beantragt.
Beginn des Seuthener Sondergerichtsprozesse«. '
Vor dem Sondergericht in B euthen begann anl Freitag früh der Prozeß wegen des Totschlages an dem kommunistisch gesinnten Arbeiter P i e» trzuch aus Potemba. Angeklagt sind wegen Totschlags 9 N a t i on a lf oz i akiste n.
Die Friedensbewegung.
Die vierte Friedenskundgebung Marc Sangniers.
In der Nähe des Sommet du Saleve beim Mont Blanc hat die vierte Kundgebung der der von Marc Sangnier veranstalteten „Tage der Hoffnung" stattgesunden, die vom Generalsekretär des Weltbundes der Völkerbundsligen Ruyssen veranstaltet war und unter starker Beteiligung der französischen und der schw eizerischen Jugend vor sich ging. Zahlreiche Pfadfinder unähnliche Organisationen nahmen daran teil. Deutscherseits sprach Gräfin Dohna. Außerdem ergriffen das Wort der Generalsekretär Ruyssen und auch Marc Sangnier, der auf die Bedeutung dieser Kundgebung hinwies. Es sei notwendig, die Jugend auf den moralischen Wert der.Arbeit für den Frieden, den man den Völkern aufzwingen wolle, aufmerksam zu machen. — Unter den übrigen Rednern sei noch genannt Hauptmann Small als Delegierter der Ciamac.
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wtb. Dien, 20. Aug. (Eig. Meld.) Der Land'- bündler Grabenhofer aus dem Burgenlande ist der Nachfolger für den gestern verstorbenen Altbundeskanzler Dr. Schober im Nationalrat.
Die Stimme der Frauen.
Protest gegen die Verhängung der Todesstrafe durch Sondergerichte.
Der Weftfriebensbunb der Mütter und Erzieherinnen, deutsche Sektion, hat in einem Telegramm an den Reichskanzler dagegen protestiert, daß durch Sondergenchte, deren Urteile keinem Rechtsmittel unterliegen, Todesstrafen verhängt und vollzogen werden können. So sehr an sich Maßnahmen zur Verhütung des Terrors begrüßt würden, so wenig sei diese eine Maßnahme für ein Kulturvolk tragbar. An Zeiten losgelassener politischer Leidenschaften seien falsche Anschuldigungen und Irrtümer zu leicht möglich, als daß man sofort vollstreckbare Urteile, die keine Wiedergutmachung zuließen, dulden dürft«. Todesstrafenfälle sollten zur endgültigen Beurteilung ordentlich en Gerichten überwiesen werden. ,
Die Lage in Oesterreich
Der Fraktionsführer der nationalsozialistischen preußischen Landtagsfraktion. Abg. Kube, hat den Fraktionsvorstand „zu einer wichtigen Besprechung" auf Dienstag, den 23. August, zusammenberufen.
wtb. München, 20. Aug. (Eig. Meldg.) Am vergangenen Donnerstag fand unter Leitung von Gregor Strasser eine Besprechung der Reichs- und Landes- Inspekteure der NSDAP, statt.
Der Verfaffungsausschuß der Es'sener Stadtverordnetenversammlung stimmte am Freitag mit Mehrheit gegen die sozialdemokratischen Mitglieder dem Antrag der Reichsregierung auf weitere Beurlaubung des fteWbertretenben Reichskommissars für Preußen, Dr. Bracht, von seinem Essener Oberbürgermeisteramt bis zum 1. Dezember d. As. zu. , ■
In französischen politischen. Kreisen erwartet man mit Sicherheit schon in den nächsten Tagen einen amtlichen deutschen Schritt bei der fron» zöfischen Regierung, wodurch die Frage der deutschen Gleichberechtigung in den Militärrüstungen aufgeworfen werden soll.
ERB. Berlin, 20. Aug. (Eig. Meld.) Die Besprechungen zwischen dem Reichskanzler und dem Reichsbankpräsidenten sind, wie bereits gemeldet, auch gestern fortgesetzt worden. Wie wir von unterrichteter Seite hören, haben sie zu einer vollständigen Einigung geführt. Die wertvollen Anregungen, die Dr. Luther zum Wirtschafsprogramm gegeben hat, werden als Unterlagen für das wirtschaftliche Aufbauprogramm verwertet. Die Grundzüge dieses Programms wird der Reichskanzler in einer für den 28. August vorgesehenen Rede vor den westfälischen Baue rn bekannt geben.
Nationalsozialisten erwarte. Auf meinen Einwand, daß diese Partei doch selbst an die Macht wolle und nicht gewillt sei, andere Regierungen zu tolerieren oder zu unterstützen, erhielt ich die bündige Antwort: Das i st jetzt anders geworden, wir haben die Zusicherung dieser Unterstützung erhalten. Gegenüber diesen präzisen Erklärungen mußte ich trotz aller inneren Zweifel kapitulieren, und ich verstehe heute mehr als vorher die Enttäuschung und Entrüstung der Regierung und des Reichspräsidenten über diesen, ich will nicht sagen, Wortbruch, aber über die Täuschung, der sie zum Opfer gefallen sind. Die Tatsache, daß die knappe Unterhaltung Hindenburg-Hitler nicht in der üblichen Form einer Beratung am Tisch stattfand, sondern stehenden Fußes" abgewickelt wurde, ist deshalb 'hl nicht fo sehr auf die Zusammensetzung der Unter
—.. ./er als aus diese Empörung zurückzuführen."
Präsident Lobe prüft die Aussichten der Regie- rund Popen im neuen Reichstag. Er nimmt von dem Gerücht Notiz,daß die Nationalsozialisten sich an den kommenden Reichstagsverhandlungen überhaupt nicht beteiligen würden. Dieses Gerücht hat wenig Wahrscheinlichkeit für sich; die Nationalsozialisten werden vielleicht der Eröffnungssitzung fernbleiben, wepn Klara Zetkin als Alterspräsidenten fungieren sollte. Diese ist aber inzwischen in Moskau schwer erkrankt. Aber selbst, wenn die Nationalsozialisten sich wirklich aus dem Parlament ausschalten sollten, würde die Regierung doch nur 40 bis 50 Stimmen für sich haben. Die Annahme eines Mißtrauensvotums bleibt gewiß. Dann gäbe es, meint Lobe, nur einen verfassungsmäßigen Ausweg: die erneute Auflösung des Reichstags.
In dem Interview, das Reichskanzler von Popen einem Vertreter des englischen Reuer-Büros gewährte, hat am weiften die Stelle Beachtung gefunden, an der der Reichskanzler erklärte, fein Kabinett werde noch lange irn Amte bleiben. In parlamentarischen Kreisen des neuen Reichstages wird dem Vdz-Büro hierzu erklärt, daß an sich kaumeinZw eifelander Annahme eines Mißtrauensvotums gegen das Kabinett Popen bestehe. Es könne sich dann nämlich ergeben, daß der Reichspräsident es als die Hauptaufgabe des Reichstages erkläre, eine arbeitsfähige Regierung, d. h. eine solche zu bilden, die sich auf eine Mehrheit im Parlament stützen kann. Solange der Reichstag hierzu sich nicht imstande zeige, Hobe der Reichspräsident die Möglichkeit, auch bei Annahme eines Mißtrauensvotums gegen das Kabinett . von Popen, diese Reichsregierung als Regierung feines Vertrauens mit dergefchäftsführenden Wahrnehmung der Regierungsgefchäste solange zu betrauen, bis ein Mehrheitskabinett zu- ftanbegetommen fei. Sollten die Fraktionen nicht imstande fein, eine von einer Mehrheit gestützte Regierung zu bilden, dann würde unter Umständen das Kabinett von Papen während der ganzen Dauer der Legislaturperiode des Reichstages geschäftsfüh- rend amtieren können. Mit Hinweis hierauf hält man es in parlamentarischen Kreisen nicht für wahrscheinlich, daß bei Annahme eines Mißtrauensvotums gegen die Regierung von Papen die abermalige Auflösung des Reichstages in Betracht käme. ' Man argumentiert so, daß nach einer eventuellen Koalitionsverständigung zwischen Zentrum und NSDAP, in Preußen neue Möglichkeiten für die Herbeiführung einer Mehrheitskoalition im Reich gegeben wären, wozu einstweilen zu bemerken ist, daß der preußische Landtagspräsident Serri, der am Freitag aus München zurückkam, sich nicht unmittelbar mit dem Zentrum in Verbindung setzte und auch noch nicht imstande war, offiziell einen Termin für die nächste Plenarsitzung des Landtages bekannt zu geben. Bisher steht lediglich fest, daß der preußische Fraktionsvorstand der NSDAP. noch vor dem 25. August, dem bisher gedachten Termin für die Landtagstagung, zusammentreten solle.
Heue Kombinationen in Preußen«
wird verhandelt. — Landtag am 25. Angnst oder 1. September
Einigung?
Das Reichskabinett beschäftigte sich am Freitag mit Einzelheiten des Arbeitsbeschaffungsprogramms und beschloß die Verteilung von Abstrichen von insgesamt 110 Mill. Rm. vom Haushalt 32-33.
DDZ. Berlin, 20. Aug. (Eig. Meldg.) Wie das Nachrichtenbüro des DDZ. hört, werden dis Koialitionsbesprechungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum (es verhandeln Serri und Dr. Graß) in Preußen am kommenden Dienstag fortgesetzt »erben, wobei sich bisher über den Stand der Unterhandlungen nach Meinung unterrichteter parlamentarischer Kreise, weder in positivem noch in negativem Sinne etwas sagen ließe. Es scheint, als ob zunächst die beiderseitigen Forderungen dargelegt seien, während die eigentlichen Verhandlungen darüber noch ausstehen. Eine Mitteilung über den Inhalt der gegenseitigen Forderungen wird vorläufig von den BeranbMungspartieien w b g e « lehnt. Im übrigen hat das Zentrum den Landtagspräsidenten gebeten, mit Rücksicht auf den Katholikentag die nächste ßanbtags» sitzung nicht am 1. September, wie es beabsichtigt ist, tauber am 25. August an zuberaumen. Präsident Serri dürfte noch heute über diesen Wunsch entscheiden.
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Löbe erzählt.
Reichstagspräsident Löbe analysiert im „Vorwärts" die optimistische Aeußerung, die Reichskanzler von Papen jüngst Reuter gegenüber getan „Dir werden noch lange im Amte bleiben!" Worauf gründet sich dieser Optimismus? Löbe erzählt:
, xich nach der plötzlichen Entlassung Brünings an » .Stelle (bei Hindenburg) die Grundlosigkeit die- i Regierungswechsels zur Sv rache brachte und dabei «rage aufwarf, auf wen sich bas neue Kabinett fnrtin« stützen wollte, erfolgte der so-
1 ”e Hwweis, daß man diese Unterstützung von den
Am Freitag traf der nationalfoziasslstische preu- ß?nb aa^rä ibent Kerrl von München rote- ke?in Bersin^in, nachdem er sich die letzten Jn- llmtttanen von HAer geholt hatte. Unter Umstünden können am Samstag die ersten Deipre- chungen mit dem Zentrum stattsinden, vielleicht vbne die Deutschnationalen, die von den früheren fwmburger Bundesgenossen, den Nationalsozialist nicht berücksichtigt werden sollen. Deshalb iürchten auch die Deutschnationalen, ohne baß sie M zu den Zielsetzungen des Zentrums äußern, eine Verständigung des Zentrums mit den Nationalsozialisten, und suchen immer stärker auf bte Reichsregierung einzuwirken, damit sie in Preußen von sich aus die angebliche Ordnung schaffe und eine Regierung einsetze. Auch jetzt liegen für das Zentrum irgend welche Bindungen für diese Besprechungen nicht vor. Es verteidigt seine traditionelle Position, wird sich seinen Partner genau ansehen, noch mehr seine Versprechungen oder Zusicherungen, bevor es sich entscheidet. Wer mit dem Zentrum regieren will, muß Koali - tronsrecht und Koalitionspflicht in gleichem Maße anerkennen und vor allem aber strengste Legalität sicherstellen.
Dr. Dollfuß,
^.sterreichs Bundeskanzler, sieht sich erneut einer gieren Krise gegenüber. Er uErzefchnete in rt.i*attn€ das bekannte Protokoll, m dem Oester- j^TJege» die Gewährung einer internationalen Qut EEN Anschluß an Deutschland ver- Gutnm mu$‘ Mit einer Zufallsmehrheit von einer SBertinn. -stElang Dollfuß bte Ratifizierung des schHy^Es un österreichischen Nationalrat, dagegen letzt" daß im Bundesrat, dem der Vertrag Etz-elen fein£ Mehrheit für die Annahme zu
L t ^Eitagnachmittag beschloß der Bundesrat, Segen bte Annahme des Lausanner besrat=T:V,mr Nationalrat zu erheben. Der Bun- ^am mit den Stimmen der Na- ten,«?cS Bundesrats Tanzmeister, des hatte zustande Bimdesrats und der Soztäldemo-
Paul Keller gestorben.
wtb. Breslau, 20. Aug. (Eig. Meld.) Der Schriftsteller Paul Keller ist hier heute früh im Alter von 59 Jahren gestorben.
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Paul Keller war geborener Schlesier und von Beruf ursprünglich Lehrer. 1898 trat er mit seinem ersten Buch hervor „Gold und Myrrhe". Jungen Ruhm brachten ihm die Romane „Waldwinter" (1902 erschienen) und „Heimat" (1903). Diese Werke begründeten seinen Rus als Heimatdichter- Gekennzeichnet waren sie auch schon durch den edlen Humor, der Kellers Muse immer treu geblieben ist. In dem Roman „Sohn der Hagar"
schnitt er eine bedeutsame soziale Frage an. Dichterisch erreichte Kellers Schafien wohl seinen Höhepunkt in dem Prosa-Idyll „Das letzte Mär- ch e n". Hier hat er das Persönlichste gegeben und eigene tiefe Lebenserfahrung in ein kostbares dichterisches Gewand gehüllt. Von seinen anderen Werken seien noch genannt „Das Niklas-Schiss", „Die alte Krone", „Ferien vom Ich", „In fremden Spiegeln", „Die drei Ringe". Wirksamkeit übte Paul Keller vor allem auch in seiner 1912 begründeten „Bergstabt" aus. Diese gemütvolle deutsche Zeitschrift hatte einen großen Anhängerkreis, der erst durch die Not der letzten Jahre ta zerrieben wurde, daß die Zeitschrift ihre selbständige Existenz aufgeben mußte.
Namentlich bei den gebildeten Katholiken, die ihre Jugend in den Jahren kurz vor Kriegsausbruch verleben durften, wird die Nachricht vom Tode Paul Kellers schmerzlich empfunden werden. Er hatte ihnen viel zu sagen und sie waren auch stolz auf den Dichter, der den Wert des katholischen Schrifttums in Kreisen begründete, die vorerst nicht zu uns gehören. Dr. I. K.
Schober gestorben.
Am Freitagabend gegen 10 Uhr starb tn einem Sanatorium in der Nähe von Wien der ehemalige österreichische Bundeskanzler und Außenminister Dr. Johannes Schober im Alter von 57 Jahren. ...
Wie der Vertreter der TU. erfährt, hatte Dr. Schober noch am Freitag mit dem Franktionsob- mann Dr. Straffner eine Unterredung über die politische Lage. Dr. Schober hatte ihm versichert, er werde unter keinen Umständen fein Mandat nieberlegen, solange die Lausanner Angelegenheit nicht erledigt sei. Dieser Entschluß Dr. Schobers und die Eindringlichkeit, mit der er ihn betonte, hat seine besondere politichse Bedeutung. Da bei einer Mandatsniederlegung Dr. Schobers ein Landbündler infolge der Bestimmungen des Wahlabkommens (Nationaler Wirtschaftsblock und Landbund) überraschenderweise
Johan» Schober.
an seine Stelle nachgerückt wäre, d. h. also ein Mann mehr für d i e Regierung, ein Mann mehr für Lausanne, was Dr. Schober nicht wollte.
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Dieser Zusammenhang ist umso eigenartiger, als gerade Schober der Vater der dann ge - scheiterten deutsch- österreichischen Zollunion gewesen ist. An den Namen Schober ist die Geschichte des neuen Oesterreichs kaum weniger geknüpft als an den des ihm ooraufgegangenen D r. Seipel, als dessen Gegenspieler man ihn, wenn auch nicht ganz zu Recht, bezeichnet hat.
Johannes Schober wurde am 14. November 1874 zu Porg in Oberösterreich geboren. Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften trat er 1898 in den Dienst der Wiener Polizeidirektion. Seit November 1918 war er Polizeipräsident und als solcher gleichzeitig mit der Leitung des gesamten Dienstes der öffentlichen Sicherheit betraut. 1920 wurde er von den Christlich- Sozialen und den Großdeutschen erstmalig mit der Kabinettsbildung betraut, gab jedoch den Auftrag wieder zurück. 1921 wurde er erstmalig Bundeskanzler und gleichzeitig Außenminister. In diese seine Amtszeit fiel die Uebergabe des Burgenlandes. Dm Januar 1922 stürzt« er über den Vertrag von Lama (Vertrag mit der Tschechoslowakei),