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Nr. 187

Beilage zur Fuldaer Zeitung

14. August

Der Garten im August.

Die Arbeit läßt etwas nach, aber es ist immer noch genug zu tun, denn außer der Ernte und der üblichen Pflege muß durch Säen und Pflanzen bereits für das nächste Jahr gesorgt werden. 3m Obstgarten beginnt die Ernte des Frühkern­obstes, seine Reifezeit meldet sich durch Abfallen einzelner Früchte: daß es zur Genußzeit kürzere oder längere Zeit lagern muß, dürfte bekannt sein. Bei Trockenheit vergesse man nicht zu bewässern, besonders die im vorhergehenden Frühling ober Herbst gepflanzten jungen Hochstämme verlangen darnach, bei ihnen ist auch immer noch auf Wur­zelausschläge, sowie Wildtriebe am Stamm zu achten, die an der Entstehungsstelle schnellstens glatt ab,zuschneiden sind. Das Formobst ist wei­terhin durch Beschneiden, Entspchen und Heften in Ordnung zu halten, damit es später nicht zuviel Abfall gibt. Beim Winterobst setzt nun die wirk­liche Fruchtentwicklung ein, die durch Düngerga­ben bis etwa Monatsmitte unterstützt werden sollte, spätet bat es keinen Zweck mehr und scha­det nur der Holzreife. Das Fallobst sammle man des darin befindlichen Ungeziefers wegen, was nicht in Küche und Stall verwendbar ist, muß ver- lüchtet werden: aber auch hinter den anderen Schäd­lingen sei man her, rote Spinne, Wespen usw. können in einem trocknen August viel Schaden an» richten, die Hornisse und Wespen sogar den Men­schen gefährlich werden. In der zweiten Hälfte des Monats ist die günstigste Zeit zum Anlegen neuer Erdbeerbeete, denn später hapert es bei un- oünstlger Witterung mit der Bewurzelung; au­ßerdem dünge man die Himbeersträucher reich­lich, nachdem man die abgetragenen Ruten am Wurzelstock abgeschnitten, die diesjährigen aufge­bunden und die Erde um den Sträuchern gelockert hat. Im Gemüsegarten bleibt es bei den laufenden Sommerarbeiten: Unkrautbekämpfung, Verdünnen und Verziehen von Aussaaten, Hacken und Gießen. Weiterhin kann für den Verbrauch im laufenden Jahre noch gesät werden: Spinat, Kopfsalat, Feldsalat (Rapünzchen), Kerbelrüben. Karotten und Teltower Rübchen, diese nur noch anfangs des Monats; zu Setzlingen für das nächste Jahr: früher Blumenkohl, früher und mittelfrüh- her Kopfsalat und Wirsing. Gepflanzt können werden: Steckzwiebeln, Endivien, Grünkohl, Kohl­rabi und Salat, der letztere sei besonders empfohlen, weil er bei der Spätsommerwitterung schnell wächst und daher sehr zarte Köpfe bildet. Zur Samen- gewinnung bezeichne man bei den Gurken die schönste und lasse sie an der Ranke, bis sie über­reif ist: bei den Bohnen breche und sammle man von den dazu bestimmten Stöcken die ausgereiften gelben, trocknen Hülsen. Den Speisekürbissen lege man Bretter, Steine oder Scherben unter, damit sie beim notwendig werdenden vielen Gie­ßen nicht faulen; Endivien können bei trocknem Wetter zum Bleichen zlsiammenaebunden roeroen und die Tomaten sind, falls noch nicht geschehen, zum besseren Ausreisen zu köpfen. Die frühen Kartoffeln können unmehr auch für den Winter­gebrauch bei trocknem Wetter geerntet werden: man bringe sie aber nicht sofort in den Keller, sondern lasse sie erst auf den Beeten etwas ab- trocknen, und lagere sie anfangs recht locker.

Die Gurkenzett ist da!

Zuckergurken. Mittelgroße Gurken werden geschält, der Länge nach durchschnitten, die Kerne mit einem Silberlöffel herausgefchölt, bann zu klei­nen Schnitzchen geschnitten, eingesalzen und über Nacht stehen gelassen. Den andern Tag trocknet man die Gurkenschnitzel mit einem Tuch ab, legt sie in ein Glas, kocht 1 Liter guten Essig mit 280 Gramm Zucker, eine Zimtrinde und 6 Nelken aut auf und gießt dieses Gemisch lauwarm über Die Gurken, die nach gänzlichem Erkalten zugebunden und an einem kühlen Ort aufbewahrt werden.

Senfgutfen. Die geschälten Gurkenschnitze wer­den über Nacht gut durchgesalzen, anderntags ab» getrocknet, in einen Steintopf geordnet und zwar so, daß immer zwischen einer Lage Gurken 1 Lage Senfkörner, vermischt mit Meerrettichschnitzchen, gestreut wird. Der nötige Weinessig wird gekocht, heiß darüber gegossen, 1 Schote spanischer Pfeffer darauf gelegt und nach dem Erkalten zugebunden und kühl aufbewahrt.

Essiggurken. Man legt kleine Gurken mehrere Stunden in Salzlacke (auf 1 Handvoll Salz 1 Liter Wasser), trocknet sie danach mit einem Tuche ab und schichtet sie in einem Steinguttopf. Unterbef- sen wird der nötige Weinessig aufgekocht und kalt

über die Gurken gegossen, denen vorher einige Zweige Fenchel, Lorbeerblätter, Chalotten, Pfeffer­körner, Muskatblume, Nelken, Eoriander, eine Schote spanischer Pfeffer und ein Sträußchen Estra­gon beigefügt wirb. Nach einigen Tagen wird der Essig abgegossen, etwas frischer dazu getan, aufgekocht und wieder kalt übergossen. Nach eini­gen Tagen wird dies nochmals wiederholt, worauf man sie zubindet und aufbewahrt.

Efsiggurken auf andere Art. 30 Stück ziemlich große Einmachgurken legt man 48 Stunden in Salzwasser. Dann trocknet man sie ab, legt sie in einen Steinguttopf, indem man abwechselnd fol­gende Kräuter streut: 500 Gramm Chalotten, 32 Gramm Knoblauch, eine Handvoll Basilikum, Gur­kenkraut, Estragon, 65 Gramm weiße Senfkörner, eine Schote spanischen Pfeffer. Dann kocht man die nötige Menge Weinessig und schüttet ihn sie­dend darüber. Der Essig muß die Gurken bebef= ken. Nach 14 Tagen focht man den Essig wieder auf und gießt ihn kalt über die Gurken.

Salzgurken. Halb ausgewachsene Gurken werden in ein mit Weintraubenlaub ausgelegtes Fäßchen gelegt und zwischen jede Lage einige Lor­beerblätter, einige Meerrettichschnitze, ganze Pfef­ferkörner, Gurkenkraut und etwas Salz gestreut. Alsdann kocht man eine Salzlacke (auf 4 Liter 500 Gramm Salz) und gießt diese je nach Belieben kalt oder heiß über die Gurken, Sodann bedeckt man die Gurken mit Weintraubenblätter, beschwert sie mit einem sauberen Brettchen und einem Stein und stellt sie an einen kühlen Ort. Nach einigen Wochen sind die Gurken gut; jedoch empfiehlt es sich öfter frisches Salzwasser überzugießen.

Salzgurken auf andere Ark. Die Gurken wer­den einige Stunden in Salzwasser gelegt, in wel­chem auf 1 Liter 6 Gramm Konservesalz aufgelöst sind, dann herausgenommen und tüchtig abgerie­ben. Das Einlegen geschieht in der üblichen Weise Vorher aber wird das dazu bestimmte Gesäß mit einer Konservesalzlösung ausgespült. (Auf 2 Li­ter Wasser 1 Eßlöffel Konservesalz). Dies verhin­dert den Schimrnelansatz. Dem Kochsalz, bas zum Einlegen benutzt wird, mischt man auf 1 Kilo 1 Eß­löffel Konservesalz bei. '

Pfeffergurken. Fingerlange Gurken werden über Nacht in Salzwasser gelegt, bann abgetrocknet und in einen Steinguttopf geschichtet. Für einige hundert Gurken werden 2 Schoten spanischer Pfef­fer, ein Kaffeelöffel Pfefferkörner, 1 Eßlöffel voll Cotiander, 12 Nelken und 8 Gramm Muskatblüten, 12 Chalotten, einige Lorbeerblätter und eine Hand­voll Estragonblätter gebraucht. Der nötige Wein­essig wird gekocht, abgeschäumt, bann kalt über bie Gurken gegossen, sodaß diese vollständig bedeckt sind. Nach zwei oder 3 Tagen wird der Essig aboegossen, gekocht, abgeschäumt und heiß darüber gegossen. Nach dem Erkalten zugebunden und auf­bewahrt.

Gewürzgurken. 80 Stück mittelgroße Einmach­gurken werden mit Gurkengewürz (20 Psg.), etwas Nelken und reichlich Senfkörnern, Dill und Estra­gon in einen Steintopf gelegt. Dem nötigen Was­ser werden 350 Gramm Salz beigefügt, aufgekocht und nach dem Erkalten 7 Eßlöffel Essigessenz zuge­geben und bann über die Gurken gegossen, bie man leicht beschwert, damit die Flüssigkeit ständig darüber steht.

Gurkenlikör. Eine schöne Gurke wirb geschält, aber kosten, ob sie nicht bitter schmeckt; bann schnei­det man sie in kseine Würfel, gibt sie in ein Glas, und läßt zu 1 Gurke von 300 Gramm Gewicht 1 Li­ter Kirschwasfer darüber rinnen. Kirschwasser ist in Vranntweinläden erhältlich, man kann aber auch einen guten Weingeist nehmen. % Kilo (500 Gramm) Kandiszucker mit V» Liter Wasser auf» kochen, obschaumen, darüber geben, 1 Stück Vanille oder 1 Päckchen Oetkers Vanillinzucker beimengen und nach 8—10 Tagen erst filtrieren,

— Das Entblättern der Gemüsepflanzen ist ein alter, aber völlia zweckloser Brauch. Die Annahme, daß durch das Entblättern eine bessere Entwicklung Der Früchte unterstützt wird, ist hinfällig. Durch das ffntb'ätfern wird die Pflanze nur geschwächt und auf Kosten der Fruchtentwicklung zu neuem Blätterwachstum angeregt. Dies gilt besonders für Kraut und Sellerie, denn "es ist selbstverständlich, daß Sellerie mit wenigen Blättern nicht solche Knollen wie ein reichbelätterter bringen kann, ebenso daß Krautköpfe sich nur bann wirklich voll ausbilden können, wenn sie im Besitze aller ihrer Kräfte sind. Etwas anderes ist es natürlich, wenn vergilbte, teilweise vertrocknete oder von Ungeziefer

zerstörte Blätter entfernt werden; diese sind nicht mehr arbeitsfähig und haben keinen Einfluß aus bie Entwicklung.

Der Aimmergarten.

Die Arbeiten im Zimmergarten unterscheiden sich von denen des Juli so gut wie nicht, sie seien deshalb nur kurz aufgezählt: Gießen, Bestäuben, Düngen und Ordnung halten. Bei großer Hitze gieße man täglich noch ein zweites Mal, am be­sten morgens, ober ersetze es durch wiederholtes Bestäuben; man lasse sich auch durch einen Re­genguß nicht davon abhalten, der bie Pflanzen vor dem Fenster ober auf dem Balkon oft be­rührt. Die jetzt größtenteils durchwurzelten Topf- ballen sind nämlich bei Hitze geradezu wasserhung- tig und verbrauchen eine unheimliche Menge des belebenden Naß, so baß ein Zuviel kaum möglich ist. Aehnlich verhält es sich auch mit bem Dün­gen, bie ursprünglich in der Erde vorhandene Nahrung ist setzt verbraucht oder durch das Gie­ßen an den Unterfah geschwemmt. Deshalb karge man nicht mit dem Düngen, doch sei immer wie­der Darauf hingewiesen, daß eine dünne Lösung öfter gegeben von größerem Wert ist als stärkere und nur gelegentlich verabreichte; schädlich kann das Aufstreuen von Nährfalz werden, wenn es im größeren Mengen auf einmal geschieht. Außerdem soll man nie düngen wenn der Ballen trocken ist, gegebenenfalls ist vorher ordentlich zu gießen. Um bie Pflanzen zu ständigem Blühen zu reizen, dulde man keine Samenbildung, fonber schneide alles Verblühte kurzerhand ab, daneben auch alles Ver- bbrrte. und hefte die Ranken von Zeit zu Zeit an. Dann werden die Zimmerfenster, Balkone und Veranden stets hübsch aussehen und Freude machen; außerdem hat man die nötigen Vorkehrungen für den Winterschmuck und das nächste Jahr zu treffen. Primel-, Zinerarien- und Alpenveilchen-Sämlinge sind viederholt zu verpflanzen, bis sie bie richtige Große haben, Stecklinge von Pelargonien usw. können noch gemacht werden, was nicht nur eine unterhaltende Beschäftigung, sondern auch von Vorteil ist, denn Iungpflanzen sind raschwüchsiger und lassen sich auch leichter als alte überwintern.

Die nützlichen Regenwürmer.

Wie dem Maulwurf, der Kröte, dem Igel, fo ergehts zumeist auch bem Regenwurm; er wird gänzlich verkannt. In der allgemeinen Annahme, daß er im Garten ober Ackerland Schaden anrich­tet. wird er alsbald befestigt; man sammelt die Würmer in einem Gefäß und reicht sie Den Hüh­nern als Delitateffe. Wie töricht man tut, wenn man die Würmer nicht gewähren läßt, zeigen die wissenschaftlichen Untersuchungen, die in dieser Be­ziehung mehrfach in verschiedenen Ländern vorge­nommen wurden und zu dem Ergebnis führten, daß Der Regenwurm als eijies der nützlichsten Geschöpfe angesprochen werden muß! Bei den Versuchen wurden stets zwei gleichgroße und gleichartige, auch gleichmäßig bearbeitete und ge­düngte Felder wurmfrei gemacht bzw. mit Wür­mern besetzt, und nun mit Erbsen, Bohnen, Wik- ken, Hafer, Roggen, Buchweizen, Rüben, Lein, Kartoffeln, Runkeln usw. bestellt. Alsbald zeigte sich, daß die Pflanzen auf den Wurmfeldern sich durchweg kräftiger entwickelten als auf den wurm- freien Feldern, und schließlich eine bedeutende Mehrernte an Knollen, Blättern, Früchten, Sa­men, Stroh und Futter ergaben. Der Ertrags- Unterschied schwankte zwischen 20 und 200 Pro­zent! Somit ist hinreichend erwiesen, daß die Regenwürmer, die übrigens bis 16 Jahre lang le­ben, gewaltigen Nutzen stiften, und zwar dadurch, daß sie das Erdreich durchlöchern. Hierdurch wird die so notwendige Luftzirkulation erzeugt, dem Re­gen wird Gelegenheit gegeben, tiefer in den Bo­den einzudrinaen und die Saugwurzeln zu errei­chen, was sonst nur bei einem längern und sehr starken Regenfall geschehen kann. Eine Beschädi­gung von Kulturpflanzen nimmt der Regenwurm fast niemals vor, er verrichtet vielmehr die Dienste eine? Feldvolizei und zieht stets nur faulende und verweste Pflanzenteile in seine Erdröhren, wo­durch der Boden wie durch seine Exkremente auch noch bestens gedüngt wird. Hat man anders be­obachtet, bann handelt es sich um eine höchst sel­tene Ausnahme, ober ober man beschuldigt irr­tümlicherweise ben unschulbigen Regenwurm des Vergehens.

Auf Regen und Gewitter deutet auch der Um­stand hin, wenn die Bienen während der Mittags­zeit stark und unruhig fliegen und jeden, der ihnen in den Weg kommt, ohne weitere Veranlassung stechen; manchmal auch wenn sie zur Schwärmzeit bei schönstem Sonnenschein nicht mehr fort wollen, um Nahrung zu holen, sondern stark vorliegen, Während die Bienen bei schönem Wetter sich emsig ihrer Beschäftigung hingeben und sich fast gar nicht stören lassen, zeigen sie an dem Tage, wo ein Gewitter ausbrechen soll, eine Gereiztheit, daß man sich nicht gefahrlos ihnen nähern darf. Lassen sie sich aber nicht reizen, so braucht rrton den Aus- bruch eines Gewitters nickst zu fürchten, sogar wenn der Barometer ein solches anzeigt, ober vielleicht schon ein Gewitter am Himmel drohend hängt.

Sind die Bienen schon vor Sonnenaufgang munter, so folgt starker Regen, meistens ein Platz, regen, während wieder umgekhrt spätes und be­hagliches Wiederaufnehmen der Arbeit von feiten der Bienen auf anhaltend gute Witterung himveist, was der Schweizer in seinen Wetterregeln mit fol­genden Worten ausgezeichnet hat: „d'Imme stönd spot uff, ’s Wetter blibt".

Das frühe Abtreiben der Drohnen kann als sicheres Zeichen entweder von anhaltender Nässe

Die Dienen als Wetterpropheten.

Wer das Leben und Treiben in der Natur mit Aufmerksamkeit beobachtet, dem wird es nicht ent­gehen, daß die zarte Organisation manck)er Tiere mit b»n Witterungsverhältnissen in einer gewissen Verbindung steht. Der rechte Bienenvater darf auf den Namen eines sorgfältigen Beobachters gewiß mit Recht Anspruch erheben. Sein Geschäft und dessen Erfolg 7nb vom Wetter in hohem Maße ab* h Ingig; und wer verdenkt ihm da, wenn er den Schleier des zukünftigen Wetters zu lüften versucht? Er hat's eben feinen Lieblingen ab getauscht: aus ihrem Benehmen zieht er Schlüsse auf bie Witte­rungsverhältnisse, und in der Regel wird er nicht getäuscht. ,r

Die Bienen als gute Wetterpropheten sind vor­züglich empfindlich für die Einwirkungen der at­mosphärischen Lust, so daß sie das Wetter mit einer gewissen Genauigkeit vorher anzeigen können Da­bei hat man wahrgenommen, daß der wülsche Bienenzüchter, sowie der Italiener an feinen Bie­nen denselben Glauben an die Zuverlässigkeit der Dienen als Wetterpropheten gewonnen Hatz wie der

Deutsche an feinen schwarzen Völkern. Dem jungen Franzoslein steht schon in der Lesefibel gedruckt:

Quand les abeill es volent en haut.

Nous auions bientot de l’eau.

(„Wenn die Bienen sich hoch in die Lüste erheben, wird es bestimmt bald Regen geben.")

Die Bienenzüchter haben nämlich die Beobach­tung gemacht, daß, wenn die Bienen ungemein stark Vorspiel halten, dabei in bie Höhe fliegen und starkes Summen hören lassen, das Wetter sich ge­wöhnlich sehr schnell ändert, und es schon am fol­genden Tage ober noch früher Regen gibt.

Schnell eintretenbes Gewitter, baldiger Regen oder Sturm ist namentlich bann zu gewärtigen, wenn die Bienen bei Sonnenschein ängstlich und in Scharen ‘bem Stocke zueilen und dicht gedrängt zum Flugloch hineinlausen. Vergil sagt:

Aber sie ziehen niemals vom Stand, wenn Regen bevorfteht, Weiter hinweg, noch trau'n sie bem Himmel bei nahen­dem vstwinb.

(Georgien IV. 191.)

Der Kleintierhof im August.

Wegen der Hitze darf auf dem Kleintierhof weder Wasser noch Schatten fehlen, alles Getier, auch das wärmebedürftige Geflügel, sucht jetzt nach Kühlung und will feinen Dürft nach Be- darf löschen. Die Hühner lassen mehr und mehr mit Legen nach. Früher hatten bie Augusteier be» sonders guten Ruf, sie galten als erstklassig und haltbar; bei einer rationellen Hühnerzucht, wo kein ober nur ein geringer Unterschieb in ber Fütterung ftattfinbet. dürfte es aber gleichbleiben, aus welchem Frühlings- oder Sommermonat die Eier stammen. Gluckende Hennen dürfen von jetzt ab nicht mehr brüten, im Notfall setze man sie auf Porzellan­eier, bis sie es fatt haben; Schaden werden sie nicht davon haben. Vielfach beginnt jetzt die Mau. fer, bie durch entsprechende Fütterung zu unter­stützen ist. Eine Beigabe von Knochenschrot, Fleisch» mehl und Nährsalz zu dem üblichen Futter trägt zur schnelleren Bildung des Feberkleides bei. Ueberstehen die Tiere die Mauser gut unb schnell, so legen sie ba!b wieder, es liegt also auch im In­teresse ber Besitzer, sie ihnen zu erleichtern. Bei freiem Auslauf ist dies Beifutter nicht so nötig, hier findet das Geflügel noch reichlich Nahrung, zumal Körner, worauf auch bie früher fo betonte Güte ber Augusteier zurückzuführen ist. Manche Hübner laufen währenb ber Mauserzeit fast nackt umher und machen bann einen jämmerlichen Ein­druck, selbstverständlich sind solche bet schlechter Witterung im Stalle zu behalten, bis sie wieder einigermaßen mit Federn bekleidet sind. Bei den Höhnen ber Frühbruten regt sich jetz ber Ge­schlechtstrieb. man trenne deshalb die Geschlechter, damit die Hennen nicht so sehr belästigt werden, und mäste die Hähnchen, die nicht zur Weiterzucht bestimmt sind Die Tauben finden jetzt ebenfalls reichlich Nahrung, so daß mit bem abenblichen Bei­futter gespart werben kann. — Bei den Kaninchen setzt nun auch der Haarwechsel ein, der nicht min­der durch kräftige Fütterung zu unterstützen ist, außer dem üblichen Grün- und Knollenfutter reiche man Hafer und Heu, Die Häsinnen siyd zum letz­ten Mal zu belegen, damit die Würfe nicht zu klein in den Winter kommen, aus späteren wird außerdem selten etwas richtiges. Den Ziegen gebe man freien Weidegang, doch müssen sie, falls die Plätze nicht eingezäunt sind, gehütet werden, da sie sonst mit ziemlicher Sicherheit allerhand Scha­den anrichten; pflöckt man sie an, so tue man es mit eiserner Kette, alle anderen Befestigungsmit­tel, Riemen, Seile usw. widerstehen ben Zähnen ber Ziege auf die Dauer nicht.

Das Anfassen der Kaninchen an den Ohren ist ganz falsch Es ist geradezu ein Hohn, wenn be­hauptet wird, bie Hängeohren ber Widderkanimben hätten ihre Entstehungsursache im Tragen an den Ohren, weil bie Ohrmuskeln infolgedessen ausge­wogen und schlapp geworden seien. Zum Eroß- züchten der Ohren bedient man sich ganz anderer Mittel. Die bei Laien leider ziemlich eingewurzelte Gewohnheit des Anfassens und Tragens an den Ohren ist eine arge und ganz unnötige Tierguä- lerlci, denn es ist selbstverständlich, daß ein Kanin, chen von 4—5 Kilogramm Gewicht große Schmer­zen empfinden muß, wenn man es bei den Ohren hochzieht. Um diese Grausamkeit zu vermeiden, fasse man das Kaninchen, wenn es hochgezogen werden soll, hinter den Schultern an der Haut, setze es aber, wenn man es eine längere Strecke tragen muß, auf den Arm und halte es am Balg fest.

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ober auch großer Trockenheit angesehen werben. Oft reißen die Bienen auch zur Unzeit die Droh« nenbrut auf; geschieht dies sogar an der Arbeiter­brut, dann ist anhaltend schlimme, meist naßkalte Witterung zu befürchten.

Daß die Bienen die Witterung der nächsten Tage im voraus fühlen, glaubten schon Aristo­teles und Vergil, unb es wird auch heute ziemlich allgemein angenommen: baß sie aber schon im zeitigen Herbste ein Vorgefühl über die Beschas- senheit des bevorstehenden Winters haben, wird vielfach bezweifelt. Sieber Bienenzüchrer hat schon oftmals die Gelegenheit gehabt, zu bemerken, daß bas starke Verkitten der Fluglöcher als das sicherste Vorzeichen eines strengen Winters betrachtet wer­den kann. Ebenso hat die Erfahrung gelehrt, daß, wenn die Bienen frühzeitig Brut ansetzen, ohne daß sie durch Fütterung, öftere Störung durch bie Wintersonne und milde Witterung dazu angeregt werden, man auf ein günstiges Bienenjahr zählen darf. Setzen sie hingegen nur wenig Brut an, so ist ein Hungerjahr zu befürchten. Die Binen- töniain scheint also vor bem eigentlichen Anbruch bes Frühlings biefen schon zu ahnen

Von T. K e l l e M rxxu—*