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Ar. 187

Beilage zur Fuldaer Zeitung

14. August.

13. Sonntag nach Pfingsten.

Lingangslied: Pf. 73, 20, 19 und 23.

Sieh an, o Herr, deinen Bund und vergiß nicht ganz deiner Armen. Steh auf, Herr, bringe deine Sache vors Gericht vergiß nicht derer, die hilfe- ruferid dich suchen (Ps. ebb 1.) O weh. Gott! Stößt du auf immer uns von dir? Lodert immer dein Zorn über den Schafen deiner Weide?

etwas Frohes und Erhebendes, etwas, das uns von Herzen glücklich macht, das ein Kennzeichen echten Christentums ist.

Denn dies echte Christentum ist nur da,wo der Mensch seines Christentums von Herzen froh und seinem Erlöser in dankbarer Liebe getreu ist."

Der damals zurückkam, war aber ein Sama­riter, ein Ausländer, für die Juden damals ein

verachteter Keßer. Vielleicht hatten ihn die Aus- fäßigen nur deshalb ungern in ihrer Mitte geduldet, hatten ihn vielleicht verachtet, weil er kein Jude war. Nach den Worten des Heilandes aber war dieser Ausländer undKeßer" mehr ein Christ und Jünger Jesu als jene neun Anderen, die wohl vom auserwählten Volke stammten, aber das Danken vergaßen.

mehr wie in der sogen. Jugendbewegung Aus­sprache, die oft unfruchtbar blieb, sondern Sach, gebundenheit, strenge sachliche Darlegung de, Bildungsgutes in Geschichte, Wissenschaft, Kunst, Religion u. a. Jugend will dienen im größeren Ganzen, innerhalb einer Gemeinschaft wirken zu geistgebundenem Höheren. C. Verfchaeve (Ant­werpen) zeigte die

sachliche Einstellung in der Kunst.

künstlerischen Betätigung in Druck, Schrift, Bildnerei, wie vor allem die religiöse Volkskunst, die Musterbücher, Kalender, Segen, Gebetbücher, die Erzeugnisse der Klö­ster. Die eine und andere Gruppe sah die Volkskunde wohl und nahm sie sich vor, sie sah aber nie das Ganze, das in allen Teilen irgendwie religiös be­stimmt war. War, denn eine lebende deutsch« Volks­kunst gibt es nicht mehr. Sie ist auch nicht ewig oder ursprünglich gewesen. Sie konnte entstehen, als aus dem wesentlich einheitlichen mittelalterlichen Kunst- und Bildungswollen die Renaissance zwei-chten machte. Sie mußte vergehen, als in der Neuzxit die beiden Ströme wieder inemeiber mündeten. Duxch oie In­sel gehen jedoch häufige querverbindende Bewässe­rungsgräben. Im ganzen ist sie heute noch terra in- cognito. Volkskunstforschung steht noch durchaus in den Anfängen. Gewiß ist die Materie in Hunderten von Heimatmuseen und Privatsammlungen gesichert, aber das Einzelstück lebt vorerst nur als Einzelwesen. Was heute mit aller Vorsicht zu den schwebenden Fragen ge­sagt werden kann, was überhaupt schwebende Fragen sind, schreibt Konrad Hahm, Direktor der Staatlichen Sammlungen für deutsche Volkskunde in Berlin, in ei­nem neuen Bande von Jedermanns Bücherei auf, das keinen Wunsch hinsichtlich Wissenschaftlichkeit und Un- terbauung offen läßt. (Verlag Hirt, Breslau, 1932, 120 Seiten. 2.85 Mk.) Trotz des knappen Umfanges ist es Spitzenreiter in der bestehenden Literatur geworden. Es ist sehr zu empfehlen.

bar*

die Naturwissenschaften

Dr. W. S ch u w e r a ck.

rüstig sortschreitet.

A. E.

von bem

Die Mrche in der Zeitwende

Sonderber chk über die Tagung des Akademiker-Verbandes in Stnkkgark.

- . vom Gesetz abhinge,

käme es nicht traft ber Verheißung: bem Abra­ham aber hat es Gott burch bie Verheißung ver­liehen. Wozu aber bann bas Gesetz? Der lieber«

Der katholische Mensch bagegen erfährt zwar auch bie Tragik, bie zwischen bem Jbeal unb seiner Ver­wirklichung liegt, aber hinter bem Sein ber Wirk­lichkeit erfährt er von bem Urgrunb alles Seien­den, von Gott. So führt in echt augustinischer Schau bas katholische Leben zu ber Sinngebung des Lebens unb bes Seins in Gott. Den Sinn menschlichen Lebens ergründet bas Denken nicht: bas Sinnerforschen leitet zum Schweigen bes Denkens, zum betenben Versinken in Gott.

Der Hochw. Herr Bischof Exz. S p r o l l wies in seiner Eröffnungsrebe ben Gebilbeten auf bie Bedeutung ber r e I i g i ö f en Vertiefung. Diese mag er sowohl anstreben burch Vermehrung des religiösen Wissens als viel mehr noch burch eine Verinnerlichung bes religiösen persönlichen Lebens. Der Gebildete hat bem Volk gegenüber die Aufgabe, beispielhaft als Vorbild religiöses Le­ben barzustellen. So leitet ber 1. Teil ber Tagung Zu bem Leitmotiv zurück: Schaffung unb Ausbau von Persönlichkeiten. Wir bebürfen in biefer Wende der Zeit, wo in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik u. a. Neues sich gestalten will, Männer, die in Gott gegründet das Leben meistern.

Das kakholifche Deutschland.

Von dem unter diesem Titel im Verlag Haas unb Grabherr, Augsburg, herausgegebenen biographifch-bib- liographi-fchsn Lexikon aller führenden Katholiken des deutschen Sprachgebietes liegen nun bereits die Lieferun­gen 810 (Greißing-Hindrichs) vor, so daß sich der erste Band bald der Vollendung nähert. Wiederum erstaun­lich reichhaltig und vielseitig ist die Reihe der hier be­handelten Persönlichkeiten, und mit Genugtuung sei fest­gestellt, daß selbst unter den Lebenden kaum ein be­deutender Name fehlt (Bei dem Buchstaben H. vermißt man allerdings leider den durch seine Reiseführer und ein politisches Schrifttum bekannten Außenpolitiker der Germania" Walter Hagemann.) Hoffen wir, daß das außerordentlich wertvolle Sammelwerk, das in keiner größeren katholischen Bibliothek fehlen fallt«, weiter

Der Hinweis auf bie neuen Kirchenbau- t en, streng sachlich ibeelichen Bilbwerke, offenbaren bem Beobachter hier ben Wanbel bes Denkens. In heuen Formen wirb Kunst christliches Gebauten- gut unb kirchlichen Gemeinschaftsgeist genießen. Im engeren Kreis ber verschiebenen Kommissions­sitzungen würben bie gleichen Gebauten für spe- Zielte Gebiete (Päbagogik, Rechtswissenschaft, Me- bizin, Soziologie) in lebhaften Ansprachen er­örtert

Die Tagung schloß mit einer

öffentlichen Feier

im großen Saal ber Stuttgarter Lieberhalle, bie fast überfüllt war Der Hochw. Herr Abt Mi­chael von Witowski O. S. B. (Weingarten) sprach in seiner Festrebe, bie auch burch benfüb« westbeutschen Runbfuuk verbreitet würbe

von der übernatürlichen Antwort auf die Krise der Gegenwart.

Der katholische Mensch will nicht sein ber Sri« senmensch, ber alles aus eigener Kraft zu vermö­gen glaubt ober ber im Gefühl feiner Ohnmacht verzweifelt. Er ist vielmehr ber Mensch ber Weube. Mit echtem Wirklichkeitssinn will er sich selber in Christo roanbetn. Christus, ber menfchgeworbene Gott, wirb ihn teilhaben lassen an seiner Göttlich­keit. Wie Christus bie Dpfergaben auf bem Altäre wanbelt, so wirb ber katholische Mensch in feiner Wertschau sich von ber Welt weg auf Gott hin roanbeln. In Gott unb mit Gott wirb er teilhaben an Gott. Sein Ziel wirb fein, ewig zu leben unb glücklich zu fein wie Gott. Aus ber liturgischen Lebensform wirb ber katholische Mensch leben unb bie Kraft in seinen Kämpfen aus Gott nehmen. In echtem Wirklichkeitssiuu wirb ber Katholik fein Leben mit unb in Christus zu Gott gestalten.

Das Schlußwort bes Präsibeuteu bes Katholi­schen Akabemikerverbanbes, bes Ministers Dr. Nürnberger, war ein Bekenntnis zu bem Leit­wort ber Tagung: in ben Zeiten bes Wan» bels als katholischer Manufestzuwur- zelu in Gott unb aus biefer Stellung bas Geben zu meistern. Ewige, gottgebun- bene Werte finb katholischen Menschen Leitsterne in bem Wandel ber Zeiten, ihr Leben ist Wandlung bes Jrbischen ins Göttliche.

Die Schlußfeier war umrahmt von einer Orgel- hymue unb Chorgesäugeu.

Die Stuttgarter Tagung ist zu Enbe. Sie hat gehalten, was sie versprochen. In bem Wirrwarr ber Zeiten, in bem Unsteten ber Politik, ber Wirt­schaft, ber Kultur hat sie hiugewieseu auf ben Ur» grunb alles Seins, auf bas Befteheube. Krise unb Zeitenweube gibt es für bie gottgegrünbeten Werte, für bie gottgewollte Drbnung bes Seins nicht. Dies besteht nur in ben For­men, bie Meuschengeist gestaltet. Die Rätsel in bem Sein weisen ben Meufchen heute zurück auf bas Urfein. Das Ringen um bas Ewige ist bas Leitmotiv ber Zeiterregung. W i r k a t h o l i- fchen Menschen gründen uns in Gott, um uns dadurch die Welt zu Gott zu wandeln.

tretungen wegen ist es nachträglich aufgestelst worden, bis ber Nachkomme tarne, bem bie Ver­heißung geworden war. Durch Engel verordnet, ist es durch die Hand eines Mittlers gegangen. Einen Mittler aber gibt es nicht, wo es sich um einen Einzigen handelt, Gott aber ist Einer. Ist also das Gesetz gegen die Verheißung Gottes? Keineswegs! Denn nur wenn ein Gesetz gegeben wäre, das Leben verleihen könnte, käme in Wahr­heit aus dem Gesetz die Rechtfertigung. So aber bat die Schrift alles in die Sünde miteinbezogen, damit die Verheißung den Gläubigen zuteil würde durch den Glauben an Jesus Christus.

Evangelium: Luk. 17, 1119.

Jesus heilt zehn Aussätzige.

durch das Gesetz, das vierhundertdreißig Jahre später gegeben wurde, nicht ungültig gemacht wer­den, sodaß die Verheißung hinfällig würde. Denn wenn das verheißene Erbe

Nu großer Erzieher Deutschlands.

Wenn wir mit berechtigtem Stolz das Goethejahr begehen, so sollten wir darüber doch manche andere große Persönlichkeit, deren Gedenktag ebenfalls in die­ses Jahr fällt, nicht vergessen, vor allem nicht den gro­ßen Bischof Johann Michael Sailer. Die Jahre sei­nes Lebenslaufes fallen fast genau mit denen Goethes zusammen. Und wenn auch sein geistiger Rang in der Welt sich gewiß mit dem Goethes nicht entfernt messen darf unter den wesenhaft deutschen Geistern, vor allem unter den Erziehern Deutschlands, ge- hört er zu den Großen. Und er ist es gewesen, dem mit am meisten Erfolg geschenkt wurde im Ringen um jene Frage, die im Christentum der ganzen Welt, ganz besonders, aber Deutschlands, die bedeutungsschwerste ist, deren Lösung von allen Großen Deutschlands heiß ersehnt wurde und wird: die christliche Wieder- Vereinigung im Glauben.

Man muß allerdings gestehen, daß eigentlich erst in bem Jahre, in das der 100. Todestag Sailers fällt, die richtige Erkenntnis seiner Bedeutung begonnen hat. Ueber seinem Andenken bei der Nachwelt hat ein un­verdientes Mißgeschick gewaltet. Es gibt schon aus früheren Zeiten verschiedene Bilder seines Lebens, ine aber heute längst veraltet sind, und aus neuer Zeit ha­ben wir fast nur kurze Lebensabriss«. Die Ausgabe sei- ner Werke genügt nach dem Zeugnis Sebastian Merk­les den heutigen wissenschaftlichen Ansprüchen nicht mehr: wenigstens eine Auswahl aus ihnen verdiente doch wohl einen Neudruck. Auch ist schon viel aus sei­nem Briefwechsel mit bedeutenden Zeitgenossen oer-

Epistel: Gal. 3, 1622.

Brüder! Dem Abraham unb seinem Nachkom­men finb Verheißungen zugesagt worben. Gott sogt nicht: unb seinen Nachkommen, in ber Mehr­zahl, fonbern in ber Einzahl: unb deinem Nach­kommen, nämlich Christus, Ich behaupte nun, daß von Gott rechtskräftig gemachte Testament kann

Deutsche Volkskunst.

Unter dem AusdruckVolkskunst" läßt sich viel unterbringen. Zweifellos sind Wort, Ton, Darstellung als Volksgüter Teile der Volkskunst. Mit ihnen hat sich die Volkskunde schon immer beschäftigt; sie sind darin selbständige Zweige geworden. So sehr di« Forschung hierin vorstieß, so sehr wurden von ihr aber was auf den ersten Blick erstaunlich ist die sicht­baren Sachgüter der Volkskunst vernachlässigt,die Ein­richtungsstücke, Geräte und Werkzeuge des Haushaltes, die Kleidung und ihr Schmuck, die Haus- und Wohn­gestaltung als größere Einheiten, die Wirtschaftsge­räte, die Erzeugnisse der Handarbeit, der Schmuck im Gemeinschaftsleben für Feste und Bräuche, für Maße aller Art, für Rechts- und Gesellschaftsformen in Be­ruf, Unterricht, Kult. Außer diesen Gegenständen der angewandten Kunst, die man meist zum Kunstgewerbe zählen kann, gehören dazu die Erzeugnisse der freien

in ihren verschiedenen Disziplinen sich völlig bem reinen Materialismus lösen unb nach _____

Seinsgrunb. fragen. Z. B. hat ber Arzt erfahren, daß die Krankheit sich herleitet aus einem Einfluß der Materie, aber heute weiß er auch, daß die Seele auf den Geundheitszustand des Patienten einwirkt. Nicht wird er daher allein den kranken Teil behandeln, sondern den ganzen Menschen zum Heilungsprozeß zu gewinnen suchen. Aus Schwie­rigkeiten, die aus der Sache selbst hervorgingen, drangen die Naturwissenschaftler unabhängig von der Phiosophie vor, daß hinter den mathematischen Formeln ein tiefer gegründetes Sein des Ur­sprungs alles Lebens liegt.

Dr S t o n n e r (München) lenkte die Aufmerk­samkeit auf den

Prof. Dr. M. Konen (Bonn) konnte aus sei nem Fachgebiet in glänzenden Ausführungen tun, daß

Hatte ber erste Teil ber Herbsttagung des Ka- tholichen Akademikerverbandes in Stuttgart den

Wandel der geistigen Strömung im europäi­schen Denken

nachgewiesen, so war es dem zweiten Teil der Ta­gung überlassen, diesen Wandel des Geistes in Ein­zeldisziplinen wie Wirtschaft, Naturwissenschaft, Pädagogik und Kunst zu sichten. Als einheitlicher Gesichtspunkt leuchtete allenthalben hervor: der europäische Mensch hat sich in einem Teile des Seins verloren. Dadurch zerstörte er selbst die persönliche Bindung zum Kosmos und zum Geist, letzthin zu Gott. Heute wird das Jrreaehen erkannt und die Bindung zum Sachlichen gesucht, oder man erstrebt die Einordnung des Einzelwis­sens und der Einzeldiszivlin in eine Gesamtheit.

Ministerialrat Dr. O. M e l l e r (Darmstadt) er­klärte

für bas Wirtschaftsgebiet:

der Staat ist nicht da, um die Wirtschaft zu erhal­ten, sondern die Wirtschaft hat die Aufgabe, Staat und Volk gesund zu erhalten. In eine orga­nische Ordn-ung ist persönliche Lei­stung, Betrieb und Kapital zu binden. Die Verselbständigung der Teile führt zur Zerstö­rung der Gefamtwirtschaft. Im Mittelpunkt muß immer der Mensch stehen, der natur« und gottge­bunden ist.

fönet von ihnen kehrte zurück."

Betrachtung zum Sonnkagsevangelium.

Man kann e.e verstehen, daß die geheilten Aus­sätzigen in der Freude ihres Herzens gar nicht daran dachten, sich zu bedanken bei dem, der sie geheilt hatte. Für immer aus der Gemeinschaft ber Menschen ausgeschlossen, herausgerissen aus dem Kreis der Angehörigen, eines jämmerlichen Todes gewiß durch ihre fürchterliche, unheilbare Krank­heit und nun auf einmal geheilt! Die Rückkehr in bie Heimat und zu den Menschen dort ffanb offen, das Leben lag wieder vor ihnen, kein Wunder, daß das Glück sie überwältigte und sie das Danken ver­gaßen.

Das alles wußte auch der Heiland, und dock klagte er darüber, baß nur einer zurückkommt. Et- ist nicht etwa ungehalten, weil sie nicht kommen undDankeschön" sagen, sondern er sagt:Haben sich keine gefunden, die zurückkehrten, um Gott bie Ehre zu geben. Er selber legt kein Gewicht dar­auf, daß man ihn als Helfer und Wundertäter an­erkennt, aber daß Gott bie Ehre gegeben wird, darauf sieht er. Und damit zeigt er uns, was un­sere Dankbarkeit im tiefen Sinne ist.

Das förmliche Danken, wie es Sitte ist, wie man es Kindern anerzieht, das ist nicht immer Dank­barkeit: das kann eine lüoße Gewohnheit sein, bei ber man sich weiter nichts denkt. Dankbarkeit ist mehr als das. Wenn wir es recht betrachten, fo müssen wir für alles dankbar fein für jeden Augen­blick unseres Lebens, für jeden Bissen Brot. Denn alles ist Geschenk Gottes, unseres Vaters. Gibt es etwas, das wir nicht von ihm hätten?

# Wenn wir uns recht klar machen, wie abhängig wir jeden Augenblick unseres Lebens von Gott sind, bann könnte uns freilich auch das Gefühl der Angst, der Furcht übermannen Und es hat schon Zeiten in der Menschheitsgeschichte gegeben, da die Menschen wirklich in der Furcht vor Gott lebten da sie zu Gott standen wie etwa der Sklave zu seinem Herrn, den er fürchtet, weil er Gewalt über ihn hat.

Und wir kennen Gott als den Vater, und einen rechten Vater fürchtet man nicht. Man kennt feine Güte und kann sie nur vergesten durch Dankbarkeit. Und so ist ein rechtes Christenleben getragen von dem Gefühl der Dankbarkeit gegen Gott. Das ist kein Dankenmüssen, sondern ein Dankendürfen,

In die württembergische Hauptstadt hat in die­sem Jahr der Katholische Akademikerverband zur Herbsttagung geladen. Der Münchener Kunst­historiker Riehl hat diese von der Natur so reich beschenkte Stadt Stuttgart am Neckarstrand, wo sich alte Kultur mit dem modernsten Fortschritt ver­bindet,Klein-Paris des deutschen Sübroeftens" genannt. Die Stabt ist geschaffen, mobernen Strö­mungen nachzusinnen.

Trotz ber unruhigen Zeiten, bie in unserem Vaterlanb augenblicklich finb, hat sich eine stattliche Anzahl katholischer Akabemiker aus allen Gauen gefunben, bie ber Geisteserneuerung ber Herbst­tagung bes Verbanbes folgen wollen. Etwa 4 0 0 Teilnehmer kann bie Tacunc, verzeichnen. Darunter sehen wir den Diözesanbischof aus Rot­terburg, Se. Erc. Dr. Job. Bapt. Sproll, die Siebte Michael non Witowski (W»> igarten) unb Placi­dus Glogoer (Augsburg). De? Präsident des Ka­tholischen Akademikerverbandes, der hessische Mini­ster Dr. Kirnberger, leitet die Tagung.

Der Generalsekretär des Verbandes, Prälat Dr. Münch, hat bereits das Thema für die Tagung ge­zeichnet und das Zentralproblem des Verbandes aufgewiesen: der Zeit tut not

die Schaffung und der Ausbau von Persiinlich- feiten, die in ihrem Wesen und verhalten, ihrer geistigen Lebenshaltung und deren Aeutzerungen die übernatürliche Welt Lhristi ausstrahlen.

Dieses Grundmotto wird in Stuttgart in den Blickpunkt gerückt. In der Beiratssttzuna fand sich schon der Hinweis, daß in der heutigen Zeit der Auseinandersetzungen auf jedem Gebiet sich ein Interesse für die Verchristlichung des menschlichen Geistes zeige. Man mußte denken an die Werks: Franz WerfelRealismus und Innerlichkeit": E. R. CurtiusDeutscher Geist in Gefahr"; K. Ja­spersDie geistige Situation der Zeit"; Ortega y GassetDer Aufstand der Massen", die alle auf die Wende des europäischen Geistes Hinweisen. Das ganze abendländische Denken ist er« f ft ü 11 e r t. Die Philosophie des 19. Jahrhun« ^rts hat sich von naturwissenschaftlicher Sicht ein« 'eigen lassen, um nur noch das zu werten, was man messen kann.

Prof. Dr. Simon (Tübingen) leate in einem Vortrag klar, daß die objektiven Möglichkeiten ei.nes Mißbrauchs und einer Heb er wertung ber Vernunft schon in ben Systemen Thomas

Ai'iins unb Alberts bes Großen zu finben sind. Dieser Geist hat sich im Lauf der Jahrhun­derte immer mehr vom Glauben frei gemacht, bis er im 19. Jahrhundert nur das wissenschaftlich Wägbare und Meßbare wertet. Prof. Dr. W u st iMünster) erläuterte denselben Gedanken für das Gebiet der modernen Philosophie. Die Tragik des Menschen zeigt sich darin, daß er das naturgemäße menschliche Denken verlassen und sich eine Denk­welt geschaffen hat, die nur dem menschli­chen Bewußtsein, nicht aber der Wirk­lichkeitangehört. Der Krieg und die Folge­jahre, so betonten beide Redner, ließen erkennen, wie weit das Menschendenken in die Irre ge­gangen. Heute sucht man krampfhaft nach der Wirklichkeit. Nicht mehr befriedigt die Erschei­nungswelt, sie ist oberflächlich, der Mench sucht nach der Grundlage des Seins. Die Philosophie stößt auf letzte Werte, die ihr gelten. Katholische Welt- und Wertschau findet aber auch die Grün­dung der Grundbegriffe, der Grundwerte, auf der die Wissenschaft erst aufbauen kann. Der moderne nichtkatholische Mensch bleibt vor dem letzten Sein wie vor einem fragwürdigen Rätsel stehen und er­lebt die Unerlösbarfeit feines Selbst ober er setzt ben Mut ber Bejahung bes schicksalhaften Nichts.

ösfentlicht worden schon aus dessen Umfang kann man Sailers Bedeutung erkennen aber alles das ist sehr zerstreut gedruckt und für den Nichtgelehrten meist schwer erreichbar. Zwar soll bald ein großes grundle­gendes Buch über Sailer erscheinen-, aber die Hoff­nung, daß es rechtzeitig zum Gedenktag des Kirchen­fürsten herauskommen werde, hat sich leider nicht er­füllt.

Einen gewissen Ersatz haben wir aber doch bekom­men in dem BüchleinI o h. Michael o. Sailer und seine Zeitgenossen" von Berthold Lang S. I. (Verlagsanstalt G I. Manz, Regensburg, kart. 3.50 Mk). Natürlich konnte vieles nur angedeutet werden; aber es genügt doch, die Bedeutung Sailers und die Reichweite feines Einflusses kennen zu lernen. Auch viele Stellen aus Briefen, Reden und Werken der bedeutendsten Gestalten des Buches tragen dazu bei, den lebendigen Eindruck zu steigern. Ganz besonders bemerkenswert ist noch, daß eines der frühesten Lebens- bilder Sailers von einem protestantischen P a - stör verfaßt worden ist und wir können es uns nicht versagen, eine Stelle daraus, die in dem Sang« schen Buche steht, hier teilweise zu wiederholen ohne jeden Zusatz, der den Eindruck der erschütternden Wahrheit auch gerade für die heutige Zeit nur abschwä­chen würde:

0 . . . daß doch alle, denen es mif mit ihrem eigenen unb dem Mahle ihrer Kinder und Enkel ein rechter Ernst ist, lieber der Stimme dieses treuen Seelenhirten Gehör leihen möchten, als dem Rabengekrächze jener Seelenverderber, die unter

Wandel in der Pädagogik.

Das objektive Bilbungsgut tritt in ben Mittel- punkt aller Erziehung. Der Zögling verlangt nicht

dem Schafspelze die Wolfnalnr verbergen und un­ter dem Aushängefchilde der Volksbeglückung nur ihre selbstsüchtigen Zwecke verfolgen, die als des Teufels Feldprediger Krieg und Empörung predi­gen, aus der Betglocke eine Sturmglocke machen und die Brandfackel und das Diirgeschwerl des Aufruhrs über das teure Vaterland schwingen, das sie sich zur Beule ausersehen haben, um es unter ihren hundertköpfigen Despotismus zu stellen".

Ernst Detmold.