Einzelbild herunterladen
 

Wfl- 59.

Samstag, 13. August 1932

Jtt. ISS

die

hat

Forderungen des Zentrums

men. Aus dem Empfang Hrtlers würde sich dann die letzte Klärung ergeben müssen.

Der Präsident des Preußischen Landtages hat, wie das Nachrichtenbüro des Vdz. hört, auf die Anträge der Sozialdemokraten u. Kommunisten aus alsbaldigen Zusammentritt des Preußischen Land­tages eine Antwort dahin erteilt, daß er zur Zeit den Termin des Zusammentritts mit Rücksicht auf die volitische Lage noch nicht endgültig bestimmen könne. Der Landtag werde aber noch vor Beginn der Reichstagstagung zuiammentreten.

Abwälzung auf die amerikanischen Steuerzahler in Betracht.

Hoover befürwortete dann, daß Armee und Marine stark genug seien, um einen fremden Ein­fall zu verhindern. Ihre Verteidigungsstärke musst der anderer Nationen angemessen sein, und die Ab­rüstung dürfe nur unter Beibehaltung dieses an­gemessenen Verhältnisses erfolgen. Außerdem sprach er sich für eine stark verminderte Einwan­derung aus. Vor Ausländsanleihen für unproduk­tive Zwecke warnte er eindringlich.

Im weiteren Verlauf streifte er den Kellogg- pakt sowie das Ergebnis von Genf und erinnerte an die Durchführung des Londoner Flottenvertra­ges. Den Beitritt Amerikas zum Haager Schieds­gerichtshof unter Wahrung der amerikanischen

Handlungsfreiheit befürworte er. Zum Schluß be­kannte er sich zu einer Beibehaltuno der Prohibi­tion, befürwortete aber in Uebereinstimmung mit dem Chikagoer Parteiprogramm eine Abstimmung in den Einzelstaaten. , _i ■. t

wtb. Berlin, 12. Aug. (Eig. Meld.) In poli­tischen Kreisen verlautet, daß Hitler nicht i n B e r l i n ist und kaum heute eintreffen könnte. Es wird als möglich bezeichnet, daß der Empfang der v. Papen am morgigen Samstag vor sich geht, aber auch das ist keineswegs sicher. Es wäre sogar denkbar, daß die Besprechung zwi­schen dem Kanzler und Hitler bis in die nächste Woche hinein verschoben wird, weil man dann übersehen kann, was bei der Füh­lungnahme zwischen dem Zentrum, den Natio­nalsozialisten und den Deutschnarionalen heraus­kommen wird. Die Ueberraschung eener Eini­gung in der p r e u ß i s ch en Frage ist m ö gli ch,

sie würde den Versuch einer Mehrheitsbil­dung r m Reich zur Folge haben. Sollten diese Bemühungen dagegen scheitern, so wäre die Feststellung der Unmöglichkeit einer parlamentari­schen Regierungsbildung bereits vorweg genom-

Erickieint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt tm B w" und Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag 'm Artiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift-

g« «ctfeAertf 3151 und 3182. ::

Am Donnerstagnachmittag hat der Reichs­kanzler v. Papen die Vertreter der Zentrumspar- tet in der Reichskanzlei empfangen. Erschienen waren der stellvertretende Partelvorsihende, Abg. Joos- Köln und Staatspräsident Abg. Dr. Bolz- Stuttgart.

Ueber die Stellungnahme der Zentrumsvertre- ter wird uns mitgeteilt:

Die Zentrumsabgeordneten knüpften in der Darstellung ihrer Auffassung über die gegen­wärtige Lage an die Forderung an, die sei­nerzeit unmittelbar nach der Demission des Ka­binetts Brüning Prälat D r. K a a s beim Herrn Reichspräsidenten erhoben hat, der sog. Total­lösung, d. h. der vollverantwortlichen Einb eziehung der damaligen Oppo­sition in die Reich sr e gre r un g.

Rach Ansicht des Zentrums ergebe sich die Notwendigkeit eines solchen Einbaues in Kon­sequenz der Ergebnisse der letzten Reichstags­wahlen ganz von selbst. Das Zentrum müsse absolut klare Verantwortlichkeiten verlangen.

Dazu gehöre namentlich die offene und

Die Besprechungen zwischen Vertretern der Na­tionalsozialisten. der Deutschnationalen und des Zentrums über die Regierungsbildung in Preußen werden erst am Montag stattfinden.

Aus Washington wird gemeldet:

In seiner mit Spannung erwarteten großen Programmrede anläßlich der offiziellen Annahme der Präsidentschaftskandidatur sprach sich Präsident Hoover am Donnerstag auf der Terrasse des Wei­ßen Hauses für unverminderte Zölle und für Bei­behaltung der paritätischen Zpllkommissionen aus.

Bezüglich der Kriegsschulden sagte Hoover, er hoffe, daß Fortschritte in der Abrüstung die Steuer­zahler in den Schuldnerländern entlasten und ih­nen helfen würden, die Schulden an Amerika zu bezahlen.

Er glaube, daß das amerikanische Volk eine Herabsetzung der Schuldem erwägen würde, falls ihm anstelle einer bestimmten Jahreszahlung eine angemessene Entschädigung in Form von Absatz- konzessionen, hauptsächlich für landwirtschaftliche Erzeugnisse, gewährt würde. Aus keinen Fal. komme eine Streichung der Schulden oder eine

als Zeitpunkt der Uebernahme der 1. September eftgesetzt worden. Zu seinen engen Mitarbeitern in der Zeitung werden auch in Zukunft die schon durch „Die Tat" bekannten Publizisten Friedrich Zimmermann, bekannt als Ferdinand Fried, und Friedrich Wilhelm von Oertzen gehören.. Der letz­tere ist gegenwärtig noch als außenpolitischer Spe­zialist für den Nahen Osten in der „Vossischen Zei­tung" tätig. Auch die übrigen Tat-Mitarbeiter, wie C. W. Esckmann, bekannt als Leopold Din- gräve, und der junge Heidelberger Privatdozent Gieselher Wirsing werden für die neue Zeitung schreiben.

Die „kölnische Volkszeitung" zur Regierungs­bildung.

Unter der Ueberfchrift „Das Gebot" schreibt die „Kölnische Volkszeitung" su der bevorstehenden Re­gierungsbildung u. a.: Die Nationalsozia- list en müssen an die Verantwortung; sie dürfen nicht entweichen. Alle Handlun­gen der nächsten Tage müssen unter dem Gesichts­winkel vollzogen werden, daß die Nationalsoziali­sten auf Grund des Wahlergebnisses zur Verant­wortung herangezogen werden, und es ist nur bil­lig, daß sie in einer verfassungsmäßigen Regie­rung nach Maßgabe ihrer Mandats­stärke vertreten sind. Vor allem aber ist notwen­dig, daß man die Nationalsozialisten an die Mi­

nisterien läßt, bei denen sie am ehesten den Nachweis ihrer Befähigung in den Dingen erbringen können, die zu bes­sern sie so aufdringlich versprochen haben. Man feilte also nicht zögern, ihnen vor allem das Finanzministerium, das Wirtschaftsmini st erium und das Ar­tz e itsmi n i st e r i u m zu geben.

*

volle Mitverantwortung der Na- tronalf ozialisten.

Es sei selbstverständlich, daß dabei die strikte Einhaltung verfassungsmäßiger Wege und Methoden gewährleistet und die neue Reichs­regierung die loyale Zusammenarbeit mit der Volksvertretung wollen und pflegen müsse.

Mies andere führe notwendigerweise auf A b- w e g e und zu Experimenten, die mit der Ver­fassung nicht mehr zu vereinbaren sind.

In solchem Zusammenhänge sehe die Zen- trumspartei auch die gegen die frühere preu­ßische Regierung ergriffenen Maßnahmen und müsse es folgerichtig ablehnen, nachträglich auch nur eine indirekte Verantwortung dafür zu über­nehmen. Allein aus dieser Betrachtung ergebe sich bereits die Unmöglichkeit einer Wei­terexistenz des g e g e n w ä r t ig e n R e i chs- kablnetts, da ihm Grundlage und Voraus­setzungen zu einer vertrauensvollen, gesicherten und erfolgversprechenden Arbeit durchaus fehlen.

Die Zentrumspartei werde sich positiv ver­halten feder Lösung gegenüber, die unterAus- schluß jeder Parteldiktatur den bei­den Grundgedanken der klaren Ver­antwortlichkeit und des verfassungs­mäßigen Weges entspricht.

Hoovers große Programm-Rede

Gegen Schuldenstreichung. — Mr Absahkonzessionen.

Schon jetzt warnen z. B. die Kreise hinter der DAZ.: „Die jetzige Lage hat zu einer an sich über­raschenden Uebereinstimmung in den Absichten ver­schiedener Faktoren geführt, die sich noch vor kur­zer Zeit auf das Schärfste befehdeten, sich aber jetzt, in der taktischen Absicht, eine Hitlerregierung herbeizuführen, begegnen. Es bleibt abzuwarten, ob tatsächlich eine parlamentarische Annäherung zwischen Zentrum und Nationalsozialisten zustande- kommt und ob der Reichspräsident geneigt ist, eine solche Rückwärtsentwicklung in tten staatspolitischen Machtverhältnissen mitzumachen." In der Tat hegen hier verschiedene gut unterrich­tete Persönlichkeiten Befürchtungen. Aus dieser Richtung stammt das in den letzten Tagen in Ber­liner politischen Kreisen kolportierte Gerücht, daß der Reichspräsident abzudanken beabsichtige, wenn er seine eigene politische Auffassung nicht durchsetzen könne. Wir geben dieses Gerücht mit einem großen Fragezeichen wieder. Immerhin be­weist es, wie hart auf hart gegenwärtig die poli­tischen Eisen geschmiedet werden und welche lieber» raschungsmomente impoderabler Art zur Diskus­sion gelangen. Daß eine plötzliche Entscheidung in allen diesen Fragen fällt, wird nach wie vor für unwahrscheinlich gehalten. Große Bedeutung, ge­bührt dem Zusammentreffen zwischen Adolf Hitler und dem Reichspräsidenten, das für Freitag ange­kündigt wurde, möglicherweise aber noch verscho­ben wird. Dis zu diesem Zusammentreffen sind nach der Auffassung aller politischen Kreise V.. Aussichten sämtlicher Verhandlungen offen.

Abseits des aktuellen politischen Kampfes sich im Zeitungslager eine nicht uninteressante Ver­änderung vollzogen. Schon seit Wochen ist be­kannt, daß der Herausgeber der im letzten Jahr stark in den Vordergrund, gerückten politischen Zeit­schrift „Die Tat" sehr enge Fäden zu dem Ver­lag der Ehristlich-Sozialen Berliner Zeitung „T ä g- l i ch e Rundschau" geknüpft hat, nachdem die Versuche, auf andere große Berliner Tageszeitun­gen Einfluß zu gewinnen, gescheitert sind. Wie wir erfahren, übernimmt jetzt Hans Zehrer die „Täg­liche Rundschau" in eigene Regie, und zwar ist

jen. Gelingt sie hier, dann steht nach Auffas­sung führender Zentrumskreise einer Ausdehnung dieser Koalition auf das Reich nichts int Wege.

Es ist nicht uninteressant, daß diese Bemühun­gen des Zentrums sich nicht nur mit Absichten des Generals von Schleicher begegnen, sondern daß man auch im deuticknationalen Lager stark in die­ser Richtung arbeitet, allerdings mit dem Vorbe­halt, daß dabei die Deutschnationalen nicht aus» geschaltet, sondern in die neue Mehrheitskombina­tion mit hineingenommen werden. Die Frage ist nur, ob sich ein solches Vorgehen mit den sehr per­sönlichen Wünschen des Reichspräsidenten, nach einer starken, überparteilichen Präsidialregierung vereinbaren läßt.

Nach unseren Informationen erhob gegen eine derartige Auffassung der Lage bereits in der Kabinettssitzung General von Schleicher sehr ener­gischen Einspruch. Er wies darauf hin, daß eine solche Lösung keine Lösung sei, weil sie die Natio» nalsozialisten von neuem von der Verantwortung s enthielte und sie in eine verschärfte Opposition hmeintreiben müßte, die nur mit Anwendung aller staatlichen Machtmittel gewaltsam niedergehalten werden könnte. Der Einspruch General von Schleichers hatte zur Folge, daß im Reichskabi­nett bindende Beschlüsse irgendwelcher Art nicht gefaßt wurden. Der Relchswehrminister selbst wurde am folgenden Vormittag vom Reichspräsi­denten empsangen, um hier seine von der Auf­

fassung einzelner Persönlichkeiten der Reichsregie- rung verschiedene Auffassung persönlich vertreten zu können. In der Zwischenzeit war aber der Zentrumsvorstoß erfolgt, der zwar zum Teil von durchaus anderen Gesichtspunkten ausging, aber tnt Endziel die Meinung des Reichswehrministers unterstützte. Die dadurch neu entstandene Lage bestimmt int Augenblick die weiteren Verhand- fimgen.

Die Auffassungen des Zentrums werden etwa von folgenden Ueberlegungen bestimmt: Auch nach feiner Meinung kommt die Uebernahme des Reichs- kanzlerpostens durch Hitler in einem reinen P r a - std i alkabinet t nicht in Frage, weil der Charakter einer Präsidialregierung ein derartiges, nationalfoziaiistischen Kurs steuerndes Kabinett allzusehr von der parlamentarischen Verantwor­tung entkleiden würde. Es müssen deshalb reale Garantien eingeschaltet werden, die über bloße Zusicherungen und Beteuerungen hinausgehen und sich nur aus dem Boden einer parlamenta - r»s ch fundierten Koalitionsregterung erzielen lassen. Das Zentrum schlägt deshalb die Bildung eines regulären Mehrheitskabinetts unter Führung Adolf Hitlers vor, in dem auch Zentrum und Bayerische Volkspartei, eventuell sogar die Beuttchnativnalen, vertreten sind, und das M mit seinen Reformen von Fall zu Fall dem Reichstag zu stellen hätte. Parallel zu einem derartigen Reichskabinett könnte nach Auffassung

Zentrums ein ähnlich gestaltetes Kabi­nett in Preußen gebildet werden. Dadurch wurde zwar die von der Regierung von Papen geforderte Personalunion zwischen Reich undPreu- In zunächst Wegfällen. Die Zurückstellung dieser •Reform wäre aber kaum von sehr großer prak- *1' Blutung, da ja auf "der einen Seite die striche Zielrichtung der Regierungen im Reich und m Preußen durch die gleiche Koalitionsgestaltung verbürgt wäre und auf der anderen Seite die notwendige Zweidrittelmehrheit des Parlaments für die Herbeiführung der Personalunion so wenig stcher ist, daß man die Lösung dieses Problems getrost auf ruhigere und weniger aufgeregte Zei­ten vertagen kann. Der Vorstoß der preußischen Landtagssraktion des Zentrums hat also den Zweck, die reale Möglichkeit einer derartigen Äoalitionsbildung zunächst in Preußen zu prü-

Jät Realpolitik!

Die vielseitigen politischen Besprechungen in «Jn sind durch die Feiern des Verfassungs- ^/es kaum unterbrochen worden. Sie haben sogar !me interessante Wendung erhalten, die tn em» ® r„.n Kreisen überraschend gewirkt hat, weil sie EÜellos die bisher vorwaltenden Gesichtspunkte ^t einer neuen Nuance versah. Diese Wendung llt mm Teil auf einen Vorstoß des Zentrums L&übren das sich zunächst au die Losung L Wichen Frage'bezog und >ie National'» wrialisten und Deutschnationalen m Preußen zu Wvr chungen über die Wahl eines preußischen Ministerpräsidenten einlud. Dieser Vorstoß geht Iber nach unseren Informationen auf recht em» Mfienbe Auseinandersetzungen zuruck bei denen 2/4 mögliche Weiterungen im Reich zum mm» beiten gestreift wurden, Auseinandersetzungen, an denen nicht nur Landtagsabgeordnete der Natio­nalsozialisten und des Zentrums, sondern auch der Deutschnationalen beteiligt waren. Aus deutsch- nationalen Wunsch hin ist auch der vom Zentrum vorgeschlagene Besprechungstermin auf Anfang nächster Woche verschoben worden, was als em Qetcben dafür angesehen wird, daß nicht nur

preußische Fragen, sondern auch Reichsfragen tm Spiel sind. *

Der Vorstoß der preußischen Zentrumsfraktion ist besonders dadurch bedeutungsvoll, daß durch ihn ein Versuch gemacht wurde, aus der Sack­gasse in die die Verhandlungen tm Reich hm- eingeraten sind, wieder herauszukommen. Die Um­bildung der Reichsregierung ist aus große Schwie­rigkeiten gestoßen, weil auf der einen Seite die nationalsozialistischen Forderungen aus Machtüber­nahme und die Anmeldung einer Kandidatur Hit­lers für den Reichskanzlerposten stehen, wahrend auf der anderen Seite besonders der Reichs­präsident den dringenden Wunsch hat, an der Form eines Präsidialkabinetts festzuhalten. Die Kandidatur Hitlers für den führenden Posten eines Präsidialkabinetts wird aber als zu starke parteipolitische Belastung empfunden. Man sah deshalb in gewissen einflußreichen Kreisen keinen anderen Ausweg, als unter Umständen das natio­nalsozialistische Ansinnen abzuweisen und das jetzige Präsidialkabinett, eventuell auch ohne Umbildung, zum offenen Kampf vor den Reichstag treten zu taffen. Wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, spielte diese letztere Version m der

Kabinettssitzung vor dem Verfassungstage eine bedeutende Rotte. Man fragte sich in dieser. Sitzung: Was geschieht, wenn Hitler nicht Reichs­kanzler wird und die Nationalsozialisten dann grundsätzlich eine Delegierung prominenter Per­sönlichkeiten ihrer Partei in das Kabinett ableh­nen? Die oben geschilderte Möglichkeit schien dann als einziger Ausweg zu bleiben. Eventuell wollte man einen widerspenstigen Reichstag noch einmal auflösen. < i > ...

Ä WMIIMM 15 TO.)

FuldaerZeitung

tr,, hi» <sfnhf yknlda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Mie aus amtlichen Kreisen Madrids verlautet, gilt der Aufstand in Spanien als vollkommen zu- fammenciebrod)en.

♦

Im Laufe einer Besprechung des Staatss^re- tärs Stimson erklärte der ;apanische Botschafter, daß Japan nicht die Absicht habe, Tientsin und Pe- fing zu besetzen.

Dr. Seipels Testament.

Er hat ganze 250 Schillinge hinterlassen.

Der große österreichische Kanzler ist v o l l k o m- tnen vermögenslos gestorben. Das Testament, das bereits vor mehreren Jahren ge­schrieben wurde und an dem keinerlei Aenderung wahrzunehmen ist, umfaßt eine einzige ® 611 e^ Es ist von Dr. Seipel eigenhändig geschrieben und wurde im Schreibtisch seiner Wiener Wohnung ge­funden.

Der gesamte Besitz des Bundeskanzlers war eine ziemlich bedeutende kirchliche, wirtschaftliche und politische Bibliothek. Dr Seipel hat mit Ausnahme weniger Werke die gesamte Bibliothek dem Kloster vom Heiligen Herzen Jesu vermacht. Geld oder Geldeswert besaß der Kanzler nicht. Es wurden in seinem Besitze ganze 250 6d)tt’ linqe, wahrscheinlich ein Rest fernes letzten Ge­haltes und eine goldene Uhr gefunden. Das war das einzige Wertobjekt, das Dr. Seipel besessen hat. Nicht einmal Möbelstücke fanden sich im Ei­gentum des ehemaligen Bundeskanzlers vor. Die Möbel seines Arbeitszimmers im Kloster und m seiner Sommerwohnung in Hüttendorf gehören 6 ^Sr.1 Seipel hat stets den größten Tett seiner Bezüge verschenkt. Ein Teil seines Gehaltes ging direkt an einzelne Vereine und Stiftungen.

Als Zeichen der Pietät für den großen Kanzler wird Dr. Seipels Zimmer im Kloster des Heiligen Herzen Jesu in Zukunft unbewohnt bleiben.

* Gefälschte Quittungen im Rachlaß Ivar Stetigere? Unter den hinterlassenen Papieren Ivar Kreugers sollen, wie „Nna Dagligt Allehan- da" zu berichten weiß, auch einige von bekannten ausländischen Politikern unterzeichnete Quittungen gesunden worden fein, deren Echtheit jedoch noch nicht feststehe. Eine der Quittungen, die über ei­nen Millionenbetrag laute und von einem mzim- schen verstorbenen ipanischen Politiker unterzeich­net fei, ist nach Ansicht des Blattes ledenfalls ge­fälscht.

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda___

J ” ------------— Monatlich 1.65 eiistchließt. Postgebühr (48 Pfg.) ohne Zustellg.

Anzeigen-Preije: Kleinzeile <Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0 20RM Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt. Postlcheckk Frankfurt a.M 4051.

* Der Herr Reichspräsident empfing am Frei- tagoormittag den zum deutschen Gesandten in Adis Abeba (Abessinien) ernannten Freiherrn von Schoen. Ferner empfing der Herr Reichspra- fibent den Polizeipräsidenten von Berlin, Dr. Melcher, zur persönlichen Meldung.

*

Der Reichspräsident empfing am Donnerstag den deutschen Botschafter in Washington, Freiyerrn von Prittwitz und Gafsron.

Neuer italienischer Botschafter in Berlin.

CNB. Berlin, 12. August. (Eig. Meld.) Wie wir von maßgebender Seite erfahren, trifft es zu, baß der bisherige italienische Botschafter in Berlin. Orsini Baron i, seinen hiesigen Posten o er­raffen und durch den bisherigen italienischen Botschafter in Brasilien, Vittorio Ceruttir ersetzt werden wird. Die italienische Regierung hat bereits für Eerutti das Agreement nachgefucht, das auch erteilt worden ist.

Dom Rundfunk.

Der Intendant des Berliner Rundfunks, Dr. Fritsch, soll zum Rücktritt genötigt werden, da. in maßgebenden politischen Kreisen der Wunsch feststeht, die Leitung des Berliner Rund­funks in die Hände einer politisch mehr rechts gerichteten Persönlichkeit zu legen.

Daily Expreß berichtet in sensationeller Auf- machung, daß ein englis ch-agYptif-her Vertrag vor dem Abschluß stehü Nach mehreren informellen Besprechungen zwischen.brt- tifdien und ägyptischen Staatsmännern sei eine Grundlage für eine Vereinbarung erzielt wowen, durch die die Verhandlungen für den Abschluß eines englisch-ägyptischen Vertrages mb er nahen Zukunft ausgenommen werden könne. Die Haupt» punkte des Vertrages würden u. a. fein: em Bündnis zwischen Groß-Britanmen und Aegyp­ten die militärische Räumung Aegyptens durch politische Streitkräfte, der Eintritt Aegyptens m den Völkerbund, das Ende der Kapitulationen.