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NILS

10. August

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Ilr. 183

Freiwilliger Arbeiisdiensl oder Slenslpflicht?

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Verantwortlich für „Das «>att der Jugend': Dr. oec. publ Joseph Sauer- Fulda. ________________

Die Lage der arbeitslosen Zugend

Ihr Gesundheitszustand und ihre geistige Haltung.

Wie einer auch zur Frage des Alkohols stehen mag, den Mut und die Kühnhe it dieses Jungen muß er anerkennen! Er muß schweigen und sich in Achtung beugen vor dieser entschlossenen Bereitschaft, lieber Spott und Unannehmlichkeiten in Kübeln über sich kommen zu lassen, als auch nur einen Schatten Verrat zu bege­hen, wie es seine beiden schwachen Käme- raden getan hatten.

körperlichen Tüchtigkeit, zur tigk-it und Wehrhaftigkeit freien Bünden zu leisten.

Linen begrüßenswert frischen Vorstoß Hal in dieser Frage die Volksfront gemacht. Sie hat als ge­meinsame Grußsorm die erhobene Schwur- Hand mit dem Grußwort „Frei Volk!" und der Antwort „Freit" gewählt. Jeder Gruß soll sein ein Rü«lischwur: „Mr wollen frei sein, wie die väler waren. Eher den Tod, als in der Knecht- schasl leben! wir wollen trauen aus den höchsten Goll Und uns nicht fürchten vor der wacht der Menschen." (Teil II, 2.)

Ueber die Volksfront hinaus muß die Grutzform der erhobenen Schwurhand gemeinsames vand und Erken­nungszeichen aller bewußt katholischen deutschen verbände werden, in West und Ost, in Süd nnd Nord! Bei der hoffnungsvollsten Jugendbewegung Oesterreichs, den im heiligen Land Tirol gegründeten und von dem jugendlich begeisterlen jetzigen Iustizminister Dr. Karl von Schuschin geführlen „Östmärkischen Sturm- scharen" ist dieser Gruß schon heiliges Erbe.

In der zum Gruß erhobenen Schwurhand des Kämp­fers der „Ehristlich-Aationalen Reichsfront" sehe ich in den drei erhobenen Fingern ein stolzes und frohe, Trenbekeantnis zu dem herrlichen Dreiklang der ka- iholifchen Ideale: Golt, Volk, V alert and und der darin beschlossenen rellgiSsen, sozialen «nd nationalen Sendung und Verantwortung.

Nicht verzagen!

Durch die dunkle Wetterwolke Strahlt ein Helles Morgenlicht! Kündet euch, dem jungen Volke, Daß die neue Zeit anbricht! Wälder rauschen, Städte grüßen, Glitzernd liegt zu euren Füßen Wie ein silbern Band der Strom! Burgen winken und Kapellen, Schiffe ziehen auf den Wellen heimwärts zu dem fernen Dom!

Heimatsonne, Heimaterde Grüßt die neue Jugend froh! Und ein neues Deutschland werde, Brennt die Welt auch lichterloh! Mutig glauben, nicht verzagen, Bis ein neuer Tag anbricht! Tausend junge Herzen schlagen Voller Hoffnung, Zuversicht!

Ja, wir glauben, ja wir hoffen, Daß nach dunklen, trüben Tagen Grüßt ein neues Morgenlicht! Macht die Herzen weit und offen, Jungvolk will die Zukunft wagen, Jungvolk kämpft, verzweifelt nicht' Jungvolk grüßt die neue Zeit! Jungvolk ist zum Kampf bereit! Jungvolk baut mit starker Hand Sich ein neues Vaterland!

Aus dem Sprechchor von Max Henrichs.

ternetjmer notwendig hat, scheut man sich nicht, auch den Unternehmer, wie man sagt, „einzuschalten".

Soll dagegen der Arbeitsdienst sein wertvolles Ziel erreichen, so muß er im Gegensatz zu all den Ausfassun- gen, die kurz geschildert wurden, begriffen werden als eine Bewegung der jungen Generation, welche ihre Kraft einsetzt, um Volk und Vaterland zu dienen und den Lebensraum für die Jugend im Volk zu erweitern. Die wertvollen Elemente des Arbeitsdienstes liegen zunächst darin begründet, daß die Jugend hier den klaren Weg zum Volk findet und damit aus einem falschen Nationalismus, aus ge­danklicher Verstiegenheit und weltfremden Ideen her- auskommt, und so wieder festen Boden unter den Fußen erhält. Dadurch, daß man diesen Weg zum Volk durch die Arbeit findet, lernt man, daß nationaler Dienst nicht in der Tagung, nicht im Aufmarsch, nicht in politischer Begeisterung sich erschöpst, sondern im „N e Ir­land der Tat" verankert werden muß. Hieraus er­gibt sich, daß der Arbeitsdienst eine ehrliche Arbeitslei­stung verlangt, fern weg von aller Spielerei. Dabei soll aber nicht »ersehen werden, daß diese Arbeitslei­stung der Jugend nicht ein Schusten und ein Sich-Ab- rackern sein darf, sondern daß sie auch im Dienste kör­perlicher und geistiger Ertüchtigung stehen muß und des­halb auch durch Sport und Bildungsarbeit gewürzt mer­ken soll. Das Wichtigste des Arbeitsdienstes besteht je­doch in einer neuen Arbeitsauffassung, die durch den Ar- beitsdienst geboren werden kann, indem die Arbeit nicht mehr als eine bloße Lohnarbeit, sondern als einen Dienst an der Gemeinschaft ausgefaßt wird. Damit ist die Ueberwindung des marxistischen Ar­beitsgedankens und ebenfalls des kapita­listischen Erwerbsgedankens gegeben und somit die Grundlage vorhanden für eine sittliche Be- mfsauffassung der Arbeit, und so der geistige Weg ge»

in ihren

liche Atmosphäre wird unter dem Druck wirtschaft!. Not von Tag zu Tag gespannter. Typisch sind Aussprüche von Jugendlichen wie: „Wenn man Arbeit hätte, würde ich mit meinem Vater auskommen" oder: „Wenn man kein Geld nach Hause bringt, fft es mit der Liebe aus". Deshalb mehren sich die Fälle, wo der Jugendliche ent­weder für den Tag auf die Straße geschickt wird, um sich tagsüber irgendwo selbst zu versorgen, oder auf die Landstraße geht als „Tippelbruder". Bei dieser Gruppe ist besonders stark die Altersgruppe von 18 bis 21 Jahren vertreten. Fast die Hälfte aller jugendlichen „Wanderscheininhaber" (6034 von 12 600) gehörte diesen Jahrgängen an.

Innerhalb des großen Heeres der Erwerbslosen be­stehen neben den Unterschieden der beruflichen Herkunft (Ungelernter, Facharbeiter, Angestellter) auch noch die verschiedenartigsten Schichtungen. Zu­nächst zwei .Gruppen, die sich durch ihre Stellung zu den „anderen", zu den „noch im Beruf Stehenden" un­terscheiden. Die eine Gruppe empfindet sich schon als besonderen „Stand", als Abseitsstehende, während die zweite Gruppe verzweifelt und leidenschaftlich um die Eingliederung in die Gesellschaft kämpft.

Weitere Differenzierungen bestehen in dem Grund der inneren Substanz und Bildungsfähigkeit bei den Erwerbslosen, die je nach der Widerstandskraft durch die lange Dauer der Erwerbslosigkeit aufge­braucht wurden oder nicht. Der untersten Stufe dieser Gliederungen gehören diejenigen an, die infolge intel­lektueller und körperlicher Mängel mit der Verschlechte­rung des Arbeitsmarktes als erste die Stellen verloren, durch die Länge der Erwerbslosigkeit innerlich aufge­braucht wurden und keine Aussicht sehen, bald wieder in den Arbeitsprozeß ausgenommen zu werden. Die Be­treuung dieser Gruppe hat mit der Beschaffung der ein­fachsten Existenzbedingungen einzusetzen. Zu dieser Gruppe gehören jedoch nicht diejenigen, die auch in wirtschaftlich gesunden Zeiten wegen Arbeitsscheu dem Arbeitsplatz fernbleiben. Sie sind bei dem heutigen Arbeitsmangel sehr schwer zu erfassen, weil der kon­krete Nachweis der Arbeitsscheu nicht zu erbringen ist Der obersten, aber auch dünnsten Schicht gehören die­jenigen an, die irgendeinen Standort gesunden haben, von dem aus sie ihrem Schicksal standhalten. Es ist die­jenige Schicht, die schon in wirtschaftlich gefunden Zei­ten jede Möglichkeit vertiefter Bildung genutzt hat.

KPV.

wagten sie nicht, chn anzulachen. Aber hintenherum versuchten ste, ihre Pfelle gegen ihn abzuchsießen, die ihn verletzen und niederzwingen sollten.

Der Lehrer versuchte, dem Jungen die Belanglosig­keit der Kneipe klarzumachen. In einladenden Worten gab er sich Mühe, chn umzustimmen. Als das nicht half, ließ er Spott in feine Worte fließen und eine un- greifbare Säure in den Fluß feiner Rede — der Junge aber schwieg darauf. Er hatte das Gesetz seines Bundes gelobt, und er hatte es nicht gelobt, um es zu brechen.

Auch zu Hause versuchte man, den Widerstand des Jungen zu brechen und ihn von seiner Zinne herunter- zu holen: man müsse doch Rücksicht nehmen auf den guten Namen! So weit war es also schon mit dem „guten Namen" gekommen, daß seine Ehre davon ab­hing, ob der Junge alle Sitten seiner Schule mitmachte, wenn es gleich Unsitten waren!

Der Junge hatte aber seine klaren Gründe für seine Haltung, und widerlegt hatte man sie ihm noch nicht. Einem bloßen Einfall und der Laune der andern aber dachte er sich nie zu fügen, denn er hatte ein tap­feres Herz, das unerschrocken gegen den Spott und den Hohn der Klaffe stand. So war e r der Herr der Lage und blieb es.

Die Beschränkung der finanziellen Unterstützung aus den kleineren Teil der Jungarbeitslosen, ferner die nied­rigen Unterstützungssätze für den alleinstehenden Er­werbslosen, der aus diesen geringen Mitteln Miete, Kleidung und Nahrung zu bestreiten hat, haben zu einer schweren wirtschaftlichen Bedrängnis auch un­ter den Jugendlichen geführt. Zwar lauten die Berichte, welche das Deutsche Archiv für Jugendwohlfahrt und das Archiv für Volksbildung im Reichsministerium des Innern jüngst über den Gesundheitszustand der Ju­gendlichen Herausgaben, noch nicht so schlecht, wie man erwartet hatte, doch wird das Befinden der Ju­gendlichen, die allein stehe n oder deren Vä­ter auch erwerbslos sind, allgemein als „schlecht" bezeichnet. Gegenüber den Jungen ist der gesundheitliche Befund bei den Mädchen durchschnitt- lich ein wesentlich schlechterer.

lieber die geistige Haltung der Jugendlichen lauten die Urteile sehr verschieden. Als wesentliche Begleit­erscheinungen der Erwevbslosigkell wurden beobachtet: ein starkes Schwinden der Arbeitslust, die ich in einer allgemeinen Erschlaffung, einem „S i ch - g e h e n l a s s e n", einer Abneigung, irgendwelche Wi­derstände zu überwinden, äußerst. — Parallel hierzu geht eine Verminderung der Konzentra­tionsfähigkeit, da keine Aufgaben zur Samm­lung und zum Einsatz zwingen. Das Zeitgefühl geht verloren. Der Jugendliche hat keine Vorstellung mehr von dem Wert der Zeit, verliert demenffchrechend auch Gefühl und Neigung zur rechten Zeiteinteilung. Wei­ter ist eine allgemeine Verflachung feststellbar. Es ehlt dem Leben das eigentlich Ernsthafte, das Verant­wortung verlangt. Besonders bedauerlich ist schließ­lich das Schwinden des Verantwortungsgefühls als Folge langanhallender Arbeitslosigkeit. Solange noch irgendwelche Möglichkeiten gesehen werden, die aus der Not führen, zeigen die Jugendlichen ein stark entwickel­tes Ehrgefühl, das aber durch die Dauer der Erwerbs­losigkeit so geschwächt wird, daß sie zu Handlungen fähig sind, die ihnen vor einem Jahre selbst noch unmög­lich erschienen wären. Man erwartet und fordert alles vom Staat und von den anderen. Deshalb f-oltle jede Betreuungsarbeit an den Jugendlichen damit beginnen, die

Kräfte der Selbstwehr im Jugendlichen zu wecken und zu fördern.

Bei den langftfftigen Erwerbslosen wird die Stel­lung in der Familie immer schwieriger. Die häus-

Äm „Kolpingsblatt" schreibt —3t—:

Die katholischen Jugendverbände haben sich schon seit langer Zeit gern für einen freiwilligen Arbeits­dienst eingesetzt. Es ist zu begrüßen, wenn dieser frei- willige Arbeitsdienst ausgebaut wird. Aber immer stärker geht das Bestreben nicht nur mancher Parteien und einzelner Wirtschaftskreise, sondern auch der Reichsregierung dahin, den freiwilligen Arbeitsdienst nur als den Anfang einer Arbeitsdienst pflicht zu betrachten und ihn nach dieser Richtung hin weiterzu­führen. Allgemein wird der Arbeitsdienst als eine sozial­fürsorgerische Maßnahme zur Betreuung der arbeitslosen Jugend aufgefaßt. In dieser Auffassung fft der Ar- beitsdienst nur ein Stück neuzeitlicher Fürsorgeerzie- hung. Dolksbildnerffche Kreise sehen im Arbeitsdienst eine willkommene Gelegenheit für eine Bildungsarbeit, in der neben einiger Arbeit vor allem Geist u. Gemüt ge­pflegt werden sollen. Nationalistische Kreise begrüßen ihn als den Weg zu einem Nationalsport und möchten dementsprechend auch dem Sport einen breiten Raum im Tagewerk des Arbeitsdienstes zuweisen, wenn man nicht sogar den Arbeitsdienst als einen Mili- tärerfafe, als Erziehung zu Soldatentum auffaßt. Sobald ich letzteres tue, ist die Linie vom Freiwilligen Arbeitsdienst zur Arbeitspflicht unmittelbar gegeben, denn Soldatentum kann nur auf dem Hlichtgedanken aufgebaut werden. Viele Behörden, Gemeinden und Kreise sehen im Arbeitsdienst eine willkommene Gele­genheit, Arbeiten, die sonst nicht ausgeführt werden könnten, auf billige Weise Herstellen zu lassen, da be­stimmte Fonds für den Freiwilligen Arbeitsdienst zur Verfügung stehen. Sie haben deshalb ein besonderes ^teresse daran, daß ordentliche Arbeitslefftungen er- ö'elt werden. Da man schon allein zur Bereitstellung ber Werkzeuge, des Materials, der Maschinen den Un-

Arbeitsdienst zum Scheitern verurteilen sollten. Für unsere christlichen Jugendoerbände würde durch den Arbeitsdienstzwang die Arbeit weithin erschwert, wenn nicht un- möglich gemacht, da die völkisch-natio- nale Erziehung für die Bildungsarbeit unserer katholischen Jugendverbände nur wenig Raum übrig lassen würde. Weiterhin fft die soziale Freiheit aufs stärkste bedroht. Das Hineinwachsen des arbeitenden Standes und vor allem der arbeitenden Jugend in das Volk, kann nur auf dem Wege der Freiheit geschehen. Wenn nicht die arbeitende Jugend ihre Standeschre dreinsetzt, son­dern wenn sie nur gezwungen dem Volke dient, bann ist damit für die Bildung eines stahlharten Volkskörpers wenig gewonnen. Vor altem aber ist die Freiheit der Jugend im allgemeinen bedroht. Wenn Ehre und Freiheit des Jünglings höchste Güter sind, nach ei­nem Wort Adolf Kolpings, so muß ein vom Staate be­fohlener Arbeitsdienst als ein unwürdiger Zwang emp­funden werden, weil in ihm die Disziplin nicht in der Weffe aus ber Sache selbst herauswächst, wie es beim Militärdienst der Fal ist. So liegen die Bestrebungen, den Freiwilligen Arbeitsdienst zu einer Arbeitsdienst­pflicht umzubiegen, in ber allgemein zu beobachtenden Richtung, welche die Freiheit im Volke zurückzudrängen und an Stelle ber Freiheit wieder llntertanentum und Knechffeligkeit setzen will. Die deuffche Jugend wird zeigen müssen, ob sie soviel Ehrgefühl und Kraft in sich besitzt, in Freiheit dem Vaterland zu die­nen ober ob sie nur auf Kommandorufe wartet. Die Jugendverbände werden freilich zu zeigen haben, daß sie imstande sind, die notwendige Diszipli- nierung der Jugend, die Erziehung zur ---■ - - ■ Mannhaf-

„Patrioten".

Da« man späker von den „Patrioten“ der Jetztzeit erzählen wird.

Von Otto Mahr, Stellberg.

Es war einmal ein großer Krieg in ber Welt. Weil alle Völker in ihn hineingezogen wurden, nannte man ihn ben Weltkrieg. Ein einziges Volk hatte eine halbe Well gegen sich. Es wehrte sich aber tapser und hielt manche Jahre gegen die Uebermacht der Feinde stand. Alle Einwohner des Landes standen einig zusammen wie nie zuvor. Millionen zogen fteiwillig aus, um das Vaterland $u retten. Zwei Millionen der Besten ließen ihr Leben für die Heimat.

Auch aus den Bergen der Rhön kamen sie, beseelt von dem Willen, alles für die gerechte Sache einzusetzen. Es war für alle selbstverständlich, nicht seige zu Hause hinter dem Ofen sitzenzubleiben. Wer machte da großes Geschrei? Wer redete da viel von „Nationalismus"?

Es gab auch Unzulängliche in diesem Volke und in diesem Kriege. Cs gab Männer die dachten nur an ihr eigenes armes Leben, es gab andere, die nutzten die Not aus, um gute Geschäfte zu machen, es gab manche, die führten das große Wort vom „Durchhalten" im Munde, ohne selbst Opfer zu bringen. Die Opferfreudigen aber, die vielen, die treu ihre Pflicht taten, kamen in blutigen und meist siegreichen Schlach­ten nach und nach um, Frauen und Kinder ver­hungerten in der Heimat. Je schwächer die Verteidiger der Heimat wurden, umso zahlreicher wurden die Feinde. Da verloren die Führer dieses tapferen, mili­tärisch noch nicht besiegten Volkes plötzlich die Nerven, und als, durch die Not und Hungersnot im Lande be- günftigt, Revolutionäre die rote Fahne des Aufruhrs erhoben, verließen die meisten der Führer ihre Posten und ließen die Millionen, die ihnen vertraut und furchtbare Opfer gebracht hatten, im Stich.

Das Land schien verloren. Der Feind glaubte, am Ael zu sein. Da fanden sich aus den Reihen des Volkes Männer, d'.e den Mut hatten, in dieser schwersten Stunde die Führung zu übernehmen, um wenigstens zu versuchen, das Volk vor ber drohenden Vernichtung zu bewahren. Es gelang ihnen in harter, undankbarer Arbeit. Die Einheit des Reiches blieb erhalten, die Revolution wurde überwunden.

Man dankte den Männern aber schlecht. Als wieder Ruhe im Lande herrschte, tauchten diejenigen, die sich in den stürmischen Zeiten, aus Sorge um ihr kostbares Leben, in die „Einöden und Wälder" verkrochen hatten, wieder auf und begannen den Mund sehr voll zu neh­men. Jetzt wußten sie auf einmal, wie es damals besser hätte gemacht werden können. Sie hetzten das Voll auf, und die neuen Führer ließen sie aus Gutmütigkeit gewähren. Dadurch wurden diese Leute, die sich „Patrw.

i ten" nannten, aber immer frecher. Sie, die im Kriege, kaum Helden gewesen waren, schwangen sich zu „Her­oen" auf. Um das auch äußerlich zu zeigen, schafften sie sich eine neue Uniform an, in der sie stolz durch die

Bewährung.

Von Ernst Fuhry.

Was hier erzählt wird, ist die kurze G e s ch i ch te einer Tapferkeit. Sie ist nicht erfunden, son­dern w i r k l i ch g e s ch e h e n. Es ist wirklich „gelebtes Leben". Warum aber diese Geschichte erzählt wird, fft dies: Ueberall wird jeder Junge vor Erprobungen ge­stellt, in denen er Mut, Tapferkeit, Treue, Ehre und alle großen Tugenden, statt sie zu reden, zu beweisen hat. Im Grunde ist das Leb en eineinziger, immer neu herankommender Scheideweg: so oder so kann man handeln — richtig, ehrenvoll, treu oder aber ehrlos, sich verratend und vergessend. Und in unserer Zeit liegt ein großes Tier über den Men- schon, das jeden immerwährend bedroht, sich selber auf- zugeben; das Tier heißt: Feigheit! Hört, wie dieser Junge sich zum Kampfe stellte:

In der Unterprima einer süddeutschen Schule fragte eines Donnerstags gegen Ende der Deutschstunde der Lehrer die Klasse, wer am Sonnabend (in Süd- deutschland heißt es Samstag) zur Klassenkneipe komme. Wenn es sich hier in dieser Geschichte also um eine Klas- senkneipe, d. h. also um ihren Besuch ober Nichtbesuch handelt, dann nur deswegen, weil es eben ein wirklicher Vorfall war. An und für sich hätte es auch eine andere Sache statt einer Kneipe sein können, aber es war nun einmal diese. Deshalb fft auch der Grund, warum die- fes erzählt wird, nicht etwa ber, baß gegen den Lehrer profitiert werden soll.

In dieser Klasse waren, soweit es bekannt war, drei Jungen, die einem Bund angehörten. Dieses Bun­des stummes Gesetz enthielt auch das Teilgesetz: Der Bund ist enthaltsam!

Es geht wieder nicht darum, ob dies Gesetz ver­nünftig fft oder nicht, sondern darum, daß man sich sol­chem Gesetz unterwerfen kann, freiwillig, ohne Zwang, aus eigenstem innerem Entscheid. Und darum, daß ein solches Gelöbnis bann auch gehalten werde.

Auf bie Frage des Lehrers, wer nicht mitgehe, e r­hob sich von den drei zum Bunde gehö­rigen Jungen nur noch einer. Manchmal werden geheime Zusammenhänge offen, und an sich gleichgültige Dinge gewinnen bann eine Bedeutung: in diesem Augenblick ging die Sonne für einige Minuten unter. Als sich der eine Junge allein erhob und auf­rechten Herzens sprach: „Ich!", sprang eine Welle des Widerstandes durch die Klasse, lieber fast alle Gesichter riefelte ein geringschätziges Lächeln: „Seht da, er will nicht mitgehen. Er hat wohl Angst, er hat feinen Mut, bas Muttersöhnchen!" Ein Scharren kam unter den Bänken hervor; vierzig Füße kratzten ihr Mißfallen und ihren Hohn über ben holzgebielten Boden. Der Junge aber stand furchtlos und sah in die Runde. Offen

Die christliche volksfronk.

Hofer Groß.

Von Kaplan Turbing, St. Veit a. d. Glan (Oesterreich.)

Immer schärfer zeichnen sich die drei $tonfen I des politischen und weltanschaulichen Kampfes in Deutschland und Oesterreich ab: Marxismus, faf- zistischer Radikalfozialismus und christ­lich-konservative Mitte. Immer straffer nnd einheitlicher formieren und formen sich die Jlügelgrup- pen bis in Gliederung, Kleidung und Gruß.

Da «hebt sich stärker denn je die Forderung auch in unserem Lager, bei allen, die sich zur „Christlich- I Nationalen-Reichsfront" bekennen, sei es in den politischen Vertretungen der Deutschen Z e u t r u ms- partei, der Volksfront oder der Bayern­wach t, sei es in ben rein weltanschaulich orientierten Organisationen der katholischen Reichsfront, durch äu- I Here Zeichen das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stär­ken und zu stählen.

Mit gleichwertigen Waffen müssen wir heute unse­rem Gegner gegenübertreten. „Laßt uns um Himmels willen nicht mit alten Donnerbüchsen gegen modernste Schnellseuergeschühe kämpfen!" wer den modernen Menschen, und besonders unsere Jugend kennt, der weih, daß gerade der gemeinsame Gruß in Wort und Form eine der wirksamsten Waffen ist. Man denke nut an Öen Gruß der Pfadfinder! Dem aus dem Ausland im­portierten Faszisteugruh und dem „heil Hitler" der Na­tionalsozialisten und der gereckten Faust und „Freiheit" der Marxisten müssen wir ein einheitliches Gruhzeichen entgegensetzen. Das ist kein Rachahmen, sondern eine Selbstverständlichkeit für unser heutiges Empfinden. >

ebnet für einen berttfsständifchen Ausbau des Deuffchen Volkes. Solch ein Arbeitsdienst kann natürlich nicht nur bie Aufgabe von Arbettslofen fein, sondern muß als ein Werk ber Jugend im allgemeinen betrachtet »erben. Wer immer diesen Arbeitsdienst dem deuffchen Volk geleistet hat, hat einen Anspruch auf eine besondere Ehre im deutschen Volk. Die Bescheinigung über ben geleisteten Arbeitsdienst Müßte ein Empfehlungsbrief für private und öffentliche Stellen sein, wenn es auf eine Anstellung ankommt. Dabei follte man ben Arbeits­dienstwilligen ben Zugang zur Siedlung, zur Kultur­arbeit im Ausland und zu ähnlichen neuen Aufgaben in besonderer Weise eröffnen.

Dies alles läßt sich jedoch nur erreichen, wenn der Arbeitsdienst ein freiwilliger bleibt, wenn er von den Iugendbünden, als den Trägern des Arbeitsdienstes, in Gemeinschaften durchgeführt wird, und wenn nicht ein staatlicher Zwang einseht und damit der Schwung der Jugend, die freiwillige Hingabe an bas Volk unter­drückt und statt dessen der Gedanke einer behördlichen Ausbeute großgezogen wird. Man darf die Arbeits­dienstpflicht nicht mit der früheren Militärpflicht ver­gleichen wollen; ein Waffendienst fft etwas ganz ande­res als ein Schüppendienst. Der Soldat war her­ausgehoben aus dem Volke, er stand gleichsam über dem Volke, er trug ,ches Kaisers Rock" und war damit eingegliedert in eine von großer Tradition er­füllte Macht, die vom Gedanken des „Gottesgnaden- tums" umleuchtet war. Der heute dem Volke geleistete Arbeitsdienst schaut viel nüchterner drein, und in un- serem Volksstaat, in dem die Staatsgewalt vom Volke ausgeht, wird der Arbeitsdienst, sobald er pflichtmäßig aufgezogen wird, ein Mittel in der Hand der jeweiligen Regierung, die stets nur von einem Teile des Volkes ge• tragen seinwirb. Heute würde dies bedeuten, daß der Arbeitsdienst ein Mittel der „völkischen" Erziehung würde, falls nicht die wellanschaulichen Spannungen in der Jugend überhaupt einen geschloffenen behördlichen