Anzeiger für die Stadl Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Nr. 181
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Sonntag, 7. August 1932.
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lnhtg. 59.
Hitler Reichskanzler-Kandidat?
Die Reise des nationalsozialistischen Vertrauensmannes, Hauptmann Göring, nach Berlin ist, wie wir erfahren auf einen dringenden Wunsch führender Stellen der Reichsregierung zurückzuführen. Obwohl die Reichsregierung, wie wir bereits gestern betonten, jedes rigorose Vorgehen gegen Anhänger der Rechten vermeiden wollte, um nicht die in Gang befindlichen politischen Verhandlungen zu «erschlagen, sah sie sich doch durch die Zunahme der Attentate in eine Zwangslage versetzt, die unter Umständen »c Verhängung einer Art Ausnahmezustand zur Einrichtung von Sondergerichten und zur Veröffentlichung rigoroser Strafbestimmungen führen konnte. Durch die Besprechungen Hauptmann Görings mit Reichsaußenminister von Reu- Iaffj — Besprechungen, die übrigens auch heute inoffiziell mit weiteren Persönlichkeiten der Reichsregierung fortgeführt wurden — trat „eine wesentliche Entspannung der Lage" ein, die nach Auffassung der Reichsregierung die geplanten Sondermaßnahmen überflüssig macht. Wie wir erfahren, verbürgte sich Hauptmann Göring dafür, daß von feiten der Führer der NSDAP, alles unternommen würde, um ein selbständiges Vorgehen einzelner S. A-Angehöriger oder besonders erregter Stürme zu verhindern. Er gab der Reichsregierung von scharfen Befehlen des Braunen Hauses an die Unterorgane im ganzen Reich Kenntnis. Dadurch sah sich die Reichsregierung in der Lage, die Veröffentlichung der schon fertig durchberatenen Sonderbestimmungen hinauszuschieben. Wenn nicht besondere neue Ueber- raschungen eintreten, die die sich anbahnende Beruhigung wieder zerstören, will man, wie wir erfahren, überhaupt auf die Bekanntgabe der Anti- terror-Verordnung verzichten. Selbstverständlich ist damit nicht gesagt, daß nicht an einzelnen Orten polizeiliche Sonderaktionen, die zur Entwaffnung der Bevölkerung dienen, durchgeführt werden.
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Welche Zugeständnisse polizeilicher und politischer Art von der Reichsregie- rung den Nationalsozialisten für ihr Entgegenkommen und die Zusicherungen Hauptman Görings gemacht wurden, ist bisher nicht bekannt geworden. In politischen Kreisen verlautet jedoch, daß Hauptmann Göring inoffiziell voü dem Reichsaußenminister die Umbildung des jeßigen Reichskabinetts verlangt habe. Er fall zum Ausdruck gebracht haben, daß bei einer aktiven Beteiligung der Natio- nälfozialiften an dem Reichskabinett AdolfHit- ler selbst das Kanzleramt übernehmen wolle. Die zweite wichtige Forderung betraf die Uebernahme des Reichsinnenministeriums durch Gregor Straffer. Ferner verlangte Hauptmann Göring den Posten des Staatssekretärs der Reichskanzlei und des Reichspressechefs für die NSDAP. Diese Forderungen stimmen, ganz gleich in welcher Art sie vorgetragen wurden, mit denen überein, die in der nationalsozialistischen Presse in den letzten 48 Stunden erhoben wurden. Man betrachtet sie in gut unterrichteten Kreisen als Mindestforderungen, die noch eine Ergänzung nach der preußischen Seite hin erfahren haben dürften. Daß zunächst diese Einzelheiten von den beteiligten Gesprächspartnern dementiert werden, ist selbstverständlich. Es ist nicht wahrscheinlich, daß bereits eine Entscheidung in wenigen Tagen erfolgt. Immerhin nimmt man on, daß das Angebot der Nationalsozialisten auch R den Kreisen um den Reichspräsidenten, der ja zur Berfasstlngsfeier nach Berlin kommt, eine “nlte^ spielen wird. Auch die Besprechungen, die am Freitag nachmittag zwischen Reichsinnenminister Freiherr von Ganl und den Innenministern der Länder Oldenburg, Braunschweig und Mecklenburg über die Frage der Einrichtung einer Hilfspolizei stattgefunden haben, dürften diese Forderungen der NSDAP, abgefärbt haben. Wie wir aus gut unterrichteten Kreisen erfahren, ist ichr wohl damit zu rechnen, daß man den Ländern mit einer klaren Rechtsmehrheit Zugeständnisse in weser Richtung macht. Man erhebt nur zur Bedingung, daß die Auswahl der S. A.-Leute und vtahlhelmer, die zu Hilfspolizisten ernannt wer- Mn, möglichst scharf gehandhabt wird. Man Wünscht vor allem, daß ausschließlich Männer in Frage kommen, die voll auf dem Boden der Anschauungen ihrer Führer stehen und die damit bei ^rtratouren radikaler Einzelgänger genau wie die Polizei „beruhigend und vorbeugend" wirken können.
Das Echo der Besprechungen Hauptmann Gö- nngs ist aus der Berliner nationalsozialistischen -presse zu ersehen, die in diesem Falle unmittelbar unterrichtet sein dürste. In ihr heißt es: „Wir Rationalsozialisten haben keinerlei Anlaß, die Nerven zu verlieren und uns zu Unbesonnenheiten hinreißen zu lassen, durch die die Pläne des Führers nur durchkreuzt werden können. Wir for= ö?rn, daß Adolf Hitler zur Leitung der deutschen Politik berufen wird. . . . Diese Forderung wird vm besten unterstützt, wenn nicht der Eindruck ent- l eht, als ob Adolf Hitler feine Anhänger nicht Webr in der Hand habe, sondern wenn die ganze Welt davon überzeugt wird, daß gerade die S 91. öer festeste Träger einer starken und geordneten f-taatsgewalt zu werden berufen ist. • In wenigen ^vchen können wir die Macht in Deutschland f ru?e^Inen’ wenn wir die Möglichkeit dazu nicht lelbst durch Unbesonnenheiten zerstören". Diese -Lorauslage geht sehr weit. In d e u t s ch n a t i o- h 1 e n Kreisen betont man ihr gegenüber, daß ist, was Papen, Schleicher und letzten n9es der Reichspräsident dazu sagen.
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.""geklärte politische Lage wirkt auch auf oPen Aufbaupläne der Reichsregierung noch
fieiti Geheimabkommen zwischen von Schleicher und Hiller.
Die Maßnahmen gegen den Terror. — Ablehnung der „HilfspoUzei".
cnb. Berlin, 6. August. (®ig. Meld.)- In einer politischen Wochenschrift ist von einem Geheimabkommen zwischen General von Schleicher und Hitler die Rede, «wonach die Reichsregierung enge Verpflichtungen den Nationalsozialisten gegenüber ein gegangen sei. Vom Reichswehrminister wird dazu erklärt, daß an dieser Nachricht kein w ahres Wort ist. Die Besprechungen mit den Länderminisiern über die Frage der Hilsspolizei.
ENB. Berlin, 6. Aug. (Eig. 21tdbg.) Die gestrigen Besprechungen des Reichsinnenministers mit den Mnisterpräsidenirn von Oldenburg, Vleck- leuburg-Schwerin, sowie dem Innenminister von Braunschweig haben, wie von zuständiger Seile erklärt wird, sichergesiellt, daß kei ner lei Parteiformationen in staatlichen Funktionen verwendet werden dürfen. Die D u l d u n g von Formationen, denen polizeiliche Befugnisse übertragen werden, ist nicht zulässig. *
CNB. Berlin. 6. Aug. (Eig. ütelbg.) Zu ben Sprengskofsanschlägen bet letzten Nacht wird von amtlicher Stelle erklärk, daß die Regierung diesen Altentaten die größte und ernste Be- deutung bei mißt
liebet die Maßnahmen, die gegen die politi
schen Ausschreitungen zu ergreifen sein werden, erfahren wir von unlettichlelet Seile, daß die Einzelheiten der neuen Verordnung in Keffortbefpre- chungen erörtert werden. Es wird sich voraussichtlich vor allem um eine neue Durchführungsverordnung zu den bestehenden Notverordnungen zum Schutze gegen politische Ausschreitungen Han. dein. Es ist anzunehmen, daß in dieser neuen Verordnung keine neuen Strafbestimmungen für Sptengstoffauschläge enthalten sein werden, angesichts der Tatsache, daß bereits dies rdentliche Ge- fehgebung gerade für Sprengftefföttenfafe die härtesten Strafen vorfieht. So bedroht bekanntlich das Sptengstoffgesetz Sprengsloffanschläge, auch wenn keine Verletzungen dabei erfolgt sind, m i t Zuchthaus von 5 bis 15 Iahten, und für den Fall, daß Personen dabei verletzt werden, m i t lebenslänglichem Zuchthaus, bei Todesfolge, auch wenn diese nicht gewollt ist, mit T o- d e s st t a f e.
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Im Preußischen Landtag haben Sozialdemokraten und Kommunisten u. a. einen Antrag eingebracht, in dem die Auflösung der SA. gefordert wird.
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Der politische Beauftragte Adolf Hitlers, Hauptmann Goering, hatte außer mit dem Reichsaußen- minrfter eine Besprechung mit Dr. Bracht.
Der Frevel
In der vorwiegend von Arbeitern bewohnten Langenstraße in Braunschweig explodierte in den frühen Morgenstunden mit starkem Knall ein Sprengkörper. Eine amtliche Auskunft über den Borfall war nicht zu erlangen.
Die Polizei in Königsberg stellte an Terrorakten fest: 3 Tankstellenzerstörungen, 5 Brandstiftungen. 31 Täter seien geständig und gäben an. der S A. anzugehören. Unter ihnen sind 12 in unterer Führerstellung.
An verschiedenen Orten der Provinz Ostpreu- ßsesn gab es politische Zusammenstöße und Zwischenfälle. In Rosenbrg in Westpreußen wurden durch das Fenster in die Wohnung eines Kommunisten drei scharfe Schüsse abgegeben, die jedoch fehl gingen. Hier verunglückte ein M o - torradfahrer in rasender Fahrt. Man fand bei ihm zwei Pistolen und 53 Schuß Munition. Er wurde verhaftet. In Allenburg bei Wehlau wurden die Schaufenster eines Kaufhauses zerstört, in Rastenburg zwei Nationalsozialisten auf dem Nachhauseweg beschossen, ohne getroffen zu werden.
Auf das Kaufhaus Karstadt in Kiel wurde von unbekannt gebliebenen Tätern ein Bombenanschlag verübt. An einem Eingang des Warenhauses, hier in der verkehrsstillen Pfaffenstraße liegt, wurde eine Bombe zur Explosion gebracht, die das schwere Eisengitter zerstörte und eine der großen Schaufensterscheiben eindrückte. Die Explosion war so heftig, daß an einer dem Warenhaus gegenüber liegenden Gastwirtschaft fast sämtliche Fensterscheiben zertrümmert wurden.
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wtb. kiel, 6. Aug. (Eig. Meld.) Zur Verstärkung der hiesigen Schutzpolizei traf heute vormittag eine Hundertschaft der Schutzpoli- zei aus Altona hier ein. Die Hundertschaft ist mit Karabiner ausgerüstet.
Feuerüberfall in Anklam.
wtb. Anklam, 6. Slug. (Eig. Melidg.) Auf die Wohnung eines nationalsozialistischen Führers wurde in der vergangenen Nacht ein Feuerüberfall verübt. Unbekannt gebliebene Täter gaben 5 bis 6 Schüsse ab, die jedoch nicht die Wohnung des Nationalsozialisten trafen, sondern in d i e Wohnung eines SPD.-M a n- nes gingen. Der 11jährige Sohn des Sozialdemokraten erhielt einen Schenkelschuß, seine Tochter wurde durch Glassplitter verletzt. Die im gleichen Zimmer schlafenden Großeltern wurden ebenfalls verletzt. Die Polizei hat einen Kommunisten festgenommen, der an dem Ueberfall beteiligt sein fall.
Diese Meldung des WTB. enthält mvsteriöse Züge. Woher weiß WTB., daß ein NSDAP.- Mann getroffen werden sollte, während ein SPD.- Mann wirklich getroffen worden ist?
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wtb. Mülheim a. Rh., 6. Aug. (Eig. Meldg.) Wie die Polizei mitteilt, ist in der vergangenen Nacht ein Sprengkörper auf ein Fenster der Nebenstelle des Arbeitsamtes gelegt und zur Explosion gebracht worden. Das Fenster wurde zertrümmert. Das Gebäude wurde nur unerheblich beschädigt. Die Explosion war so stark, daß Teile des Sprengkörpers noch in einem Umkreis von 150
geht weiter.
Meter aufgefunden wurden. Personen sind bei dem Anschlag nicht zu Schaden gekommen.
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Der Königsberger Polizeipräsident hat nachstehende Mitteilung am den Spezialbericht- er statter des Mat in übersandt:
„Auf Ihr Schreiben vom 4. 8. 32 erlaube ich mir, folgende Beantwortung Ihrer Fragen ergeb enft zu übersenden:
Die Inbrandsetzung der Tankstellen und die übrigen Brcmdstistungsversuche sind aufgeklärt worden. Die Täter, soweit fie gestanden haben, erklärten, Mitglieder der SA. zu fein. Diese Taten scheinen einheitlich nach einem bestimmten Plan durch geführt worden zu sein."
Zu den anderen Straftaten erklärt der Polizeipräsident. zur Zeit keine näheren Angaben machen zu können.
Sieimvürfe in Schwerin.
wtb. Schwerin, 6. Aug. (Eig. Meld.) Wie schon vor einiger Zeit, «wurden heute früh wieder sämtliche Schaufenster des G e sch ä f t s- h ai u s e s der s oz i al d e m o kr at i sch e n Ze i- tung „Das freie Wort" zertrümmert, ebenso die Türen. Von den Tätern fehlt jede Spur.
Militärische Stratzenstreifen in Allenstein.
Vom Standortkommando Allenstein wird mit« geteilt: Um zu verhindern, daß Heeresange- hörige in die politischen Streitigkeiten hinein- gezogen werden, gehen auf Veranlasung des Standortältesten bis auf weiteres militärische Straßenstreifen in den Abendstunden durch die Hauptstraßen ber Stadt.
Jetterüberfall auf Führer linksstehender Verbände.
wtb. Stolp, 6. Aug. (Eig. Meld.) Gegen die Wohnungen des Kreisvorsitzenden des Reichsbanners, Bonnke, und des kommunistischen Führers, Meyer, wurden heute früh gegen 3 Uhr mehrere Schüsse abgegeben. Verletzt wurde niemand. Nach dem Feuerüberfall wurde ein Motorradfahrer beobachtet, der in schnellem Tempo davonsuhr.
Arbeiter und 5. A.
Zwischenfall im Fischereihafen von Altona.
wtb. Altona, 6. August. (Eig. Meld.) Im hiesigen Fischereihafen kam es gestern in vorgerückter Abendstunde zu einem Zwischenfall. Wie die Polizeipressestelle dazu mitteilt, wurden von einer durch einige Schüsse herbeigelockten Polizeistreife ca. 60 SA. - Leute fe ft genommen. Eine Durchsuchung der Sistierten nach Waffen verlief ergebnislos. Jedoch hatten die Beamten auf der Straße im Rinnstein eine Pistole und mehrere Patronen, sowie einen Ochsenziemer und einen Gummiknüppel gefunden. Bei der Vernehmung der Festgenommenen auf der Bezirkswache gab der Führer an, daß er erfahren habe, daß die Löschmannschaft der Firma Koeserzu streiken beabsichtige, und gebeten worden sei, mit etwa 70 Mann die Arbeit der Streikenden zu verrichten. Zu diesem Zweck wären die SA.-Leute versammelt worden.
hemmend ein. Wie wir erfahren, stehen z. B. die Beratungen über die Reichsreform und die Neuverteilung der Befugnisse zwischen Reich und Preußen noch keineswegs unmittelbar vor dem Abschluß. Man befindet sich noch durchaus im ersten Stadium einer Prüfung ber Vorschläge und in einem allgemeineren Meinungsaustausch über den Gesamtkomplex. Weder im Reich noch in
Preußen glaubt man an eine überstürzte Regelung, besonders da die Klärung der innerpolitischen Lage ja für die Frage Reich—Preußen von größter Bedeutung ist. Etwas Aehnliches gilt von den großen wirtschaftlichen Plänen der Reichs- regierung. Immerhin ist hier interessant, daß von einer Arbeit ber Untersuchungskommission im Gel- fenberggefdjäft nicht mehr die Rede ist. Es wird
Frei erfunden!
wtb. Berlin, 6. August. (Eig. Meld.) Zu den in einem Berliner Morgenblatt gebrachten Ausführungen, wonach zwischen dem Bevollmäch- tioften des Reichskommissars sür Preußen, Dr. Bracht, und der Relchsregierung Meinungsverschiedenheiten über Die Wege zur Abwehr der rechtsradikalen Terrorakte entstanden jein sollen, erklärt Dr. Bracht, daß diese Mitteilungen frei erfunden sind. Durch tägliche persönliche Fühlungnahme wird im Gegenteil völlige 11 e b e r e i n ft i m nt u n g mit dem federführenden R eich s in n e nmi nist ervonGayI gewährleistet. Auch durch die ständige Zusammenarbeit der Sachberater des kommissarischen preußischen Innenministers mit denen der Reichsregie- rung wird das ständige Einvernehmen bewirkt und gesichert. Der Zeitpunkt und das Ausmaß für weitere Maßnahmen hängt in der Hauptsache davon ab, ob die jetzt im Lande mehr und mehr eingetretene Beruhigung von Dauer ist. Auf besonders vorbeugende Verfügungen wird jedoch voraussichtlich nicht verzichtet werden können.
Attenlal in Breslau.
In bas Schlafzimmer bes Vorsitzenden ber S. 21. P., Recht anwalt Dr. Eckstein in Breslau, ist nachts von einem vorbeifahrenben Auto aus eine Handgranate geworfen worben. Eckstein würbe aber nicht verletzt.
Die Polizei teilt mit, daß die E r mi11elun - gen nach ben Täern sofort ausgenommen wurden und noch im Gange sind. Für Angaben aus dem Publikum, die zur Ergreifung ber Täter führen können, hat der Regierungspräsident eine Belohnung von 1 000 R m. ausgesetzt.
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Dr Bracht entsandte einen besonderen Kommissar nach Königsberg zur Untersuchung ber Terrorakte in Ostpreußen.
Landtagstagung fällt aus.
vdz. Berlin, 6. August. (Eig. Meld.) Der Präsident des Preußischen Landtags, Äerrl, hat auf Ersuchen des nationalsozialistischen Fraktionsführers Kube die für den 16. und 17. August vorgesehene Landtagstagung abgesagt. Den Fraktionen soll Ende nächster ^Wsche Mitteilung darüber zugehen, wann die Sitzung stattfinden soll. Abg. Kube hat den Wunsch auf Der- tagung der Landtagsberatungen damit begründet, daß in der übernächsten Woche eine große Tagung aller nationalsozialistischen Abgeordneten auä Reichstag und ßanbtagem abgehalten werde.
SPD erörtert Selbstschutz.
Der „Berliner Börsenkourier" berichtet:
Der sozialdemokratische Parteiausschuß nahm am Freitag einen Bericht des Parteivorsitzenden Wels über die politische Situation nach den Wahlen entgegen. In der anschließenden Debatte wurde nach der parteiamtlichen Mitteilung schärfste Kritik an dem Verhalten der Staatsorgane gegenüber nationalsozialistischem Terror geübt. Zum Schluß heißt es in dem Bericht: „Aus dieser Er- Wägung wurden vom Parteiausschuß die Möglichkeiten eines beim Versagen der Staatsgewalt einsetzenden organisierten Selbstschutzes erörtert."
Die Sprengsloffanschläge in Schleswig-Holstein.
wtb. Kiel, 6. Aug. (Eig. Meldg.) Wie die I u st i z p r e s s e st e 11 e beim Oberlandesgericht mitteilt, sind im Laufe der Untersuchung der Sprengstoffanschläge in Schleswig-Holstein vier Personen unter dem bringenden Verdacht des Verstoßes gegen bas Gesetz gegen ben verbrecherischen gemeinschaftlichen G e. brauch von Sprengstoffen in Untersuchungshaft genommen worden. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Es handelt sich» dabei um die Sprengstoffanschläge, die sich in der Nacht nach dem Wahltag in Altona, Linden und einer Reihe anderer Schleswig-Holsteiner Orte ereignet haben. (Parteizugehörigkeit der Verhafteten sind nicht gemeldet!)
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Das nationalsozialistische „Hamburger Tageblatt" ist auf die Dauer von fünf Tagen verboten worden. ____________
* Rücktrsttsgesuch des schwedischen Ministerpräsidenten. Aus Stockholm wird gemeldet: Ministerpräsident Ekmmi hat im Kronrat dem König fein Rücktrittsgesuch übermittelt, lieber die Beweggründe zu diesem Schritt wird der Ministerpräsident am Montag ein Kommunigue veröffentlichen. '
In zuständigen Kreisen wird bestätigt, daß die Reichsregierung mit Rücksich tauf die Divisenknappheit und die bestehenden Devisenvorschriften ben fälligen Teil bes beutschen Völkerbundsbeitrages in Reichsmark auf Sperrkonto bei einer deutschen Bank einzahlen wird.
als sicher angesehen, daß die Gelsenbergfrage in dem Gesamtrahmen des Umbaus ber westdeutschen Stahlindustrie bereinigt werden soll. Daß auch hierbei die innerpolitischen Entscheidungen von ausschlaggebender Bedeutung sind, liegt auf der Hand. Man scheint sich hier aber immerhin schon einer bestimmten Lösung verschrieben zu haben.