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Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Ke. 179

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Freitag, 5. August 1932.

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3al|tg. 59.

Zur Wettwirlschafts-Krise.

Senator Borah sagt: Schuldenskreichung oder Bankerott.

Der politische Korrespondent desDaily Serald" meidet, daß Mac Donald einen Plan er- £äoe den Bereinigten Staaten Zugeständnisse in Zolksragen zu machen, falls Amerika zu einem Entgegenkommen m der Kriegsschuldenfrage be­reit sek. * 1

totb. Minneapolis, 4. Aug. (Eig. Meld.) In einer Rede erklärte Senator Borah, daß jede Wirtschaftskonferenz vergeblich sein müsse, wenn sich die Nationen nicht zugleich aus eine Lösung der Reparations-, Kriegs­schulden- und Abrüstungsprobleme einigen könnten. Die Bereinigten Staaten muß- ten die Initiative dazu ergreifen, da sie selbst nur bann einen Ausweg aus der augenblickächen indu- stnelken und landwirtschaftlichen Notlage finden könnten wenn sie mit den anderen Nationen zu- sammen'arbeiteten. In dem Augenblick, in dem Europa endgültig die Reparations- und Ab­rüstungsfrage geregelt habe, würden die Ber­einigten Staaten mit Freuden bereit sein, die Kriegsschulden zu annullieren, um so eine dauernde Prosperität anzubahnen.

Zar Begründung seiner Foroerungen gebrauchte Senator Borah in seiner Rede ein besonders ein­dringliches Argument. Er sagte: Man behaup­tet öfters, wenn wir die Kriegsschulden an­nullieren würden, so würden wir es seist, die s ü r die Kosten des Krieges zu zahlen 'hät­ten. Allein wir zahlen doch jetzt schon die Ärlegskosten und werden sie solange zu zahlen haben bis den Bereinigten Staaten nichts ande­res übrig bleibt, als Bankrort zu ertlä- r en.

Die Privakschulden.

(MB. Rcw Tsork, 4. Aug. (Eig. Meld.) In po­litischen und wirtschaftlichen Kreisen Amerikas hat das in vereinzelten Meldungen der amerikanischen Presse wiedergegebene Gerücht, daß Deutsch­land angeblich beabsichtigte, auf der kom­menden internationalen Wirtschastskonferenz eine Eins"Hränkung des Dienstes der

deutschen Privatschulden zu erlan­gen, Anlaß zu lebhaften Diskussionen gegeben.

Zu dieser Debatte wird nun auch wieNew Park Times" aus Washington meldet in Krei­sen des Staatsdepartements Stellung genommen. Dem Blatt zufolge- wird dort erklärt, daß über eine derartige Absicht Deutschlands keine offi­zielle Mitteilung eingegangen fei. Man fei daher nicht geneigt, zu glauben, daß Deutsch­land einen derartigen Versuch unternehmen werde, zumal ja die Wirtschastskonferenz eine Zusammen­kunft von Regierungsvertretern sei, während die Regelung der Privatschulden eine Angele­genheit der Privatwirtschaft sei. Ab­gesehen von der Einwirkung eines derartigen Schrittes auf die Struktur der deutschen Kredit­wirtschaft, müsse darauf hingewiesen werden, daß das Reich bereits in Lausanne großes Entgegenkommen gefunden hätte, und daß das Bestreben, setzt weitere Konzessionen zu erlangen, ungünstige Rückwirkungen zeitigen könne. Diese Anschauung der Dinge werde offen­bar auch von der Reichsbank und den Führern der deutschen Industrie vertreten.

Keine MeinMgs Verschiedenheit im Kabinett über die Zinsfrage.

cnb. Berlin, 4. August. (Eig. Meld.» In einem Berliner Blatt ist behaiuPtet worden, daß Reichs- wirtschastsminister Prof. Waambold gegen dir Zinskonvertierunig Stellung genommen und daraus ei ne Kabinettsfrage gemacht habe. Dem­gegenüber wird von amtlicher Seite erklärt, daß in der Frage der Zinskonventierung innerhalb des Reichskabinetts keine Meinungsverschieden­heiten bestehen. An eine generelle Konver­tierung der Zinsen wirb überhaupt nicht ge­dacht. Selbstverständlich ist eine Senkung des zu hohen Zinsniveaus erstrebenswert. Die Zms- senkung kann aber nut auf bem Wege pri­vater Verhandlungen mit dem Aus­lande in Frage kommen und auf individu­elle Weise geregelt werden.

Umänderung des Ueichskadlnells?

Dr. Siegern)alb über Nationalsozialismus und Kommunismus.

Der BerlinerLokalanzeiger", das Organ Hu- genbergs, berichtet:

Nach Beratungen, die Hitler abgehalten hat, darf als sicher angesehen werden, daß die National­sozialisten sehr weitgehende Forderungen auf Ue= bernahme der Mitverantwortung in der Reichsre- gierung stellen werden. Reichspräsident und Reichsregierung dürsten sich auf den Standpunkt stellen, daß das jetzige Kabinett feinen Charakter als Präsidialkabinett gleichwohl behal­ten müsse. Mit anderen Worten: Die in das Ka­binett hineinzunehmenden Nationalsozialisten sollen nicht als Parteiführer, sondern aus dem Grunde in die Regierung kommen, daß sie besondere Fähigkeit besitzen und das Vertrauen des Reichspräsidenten genießen. In Kreisen, die der Reichsregierung nahestehen nimmt man an, daß das Zentrum ein durch Hereinnahme einiger Na­tionalsozialisten umgeblldetes Kabinett tolerieren wird, da das Zentrum ja sehr stark die Forderung ausgesprochen hat, die Nationalsozialisten müß­ten in die Verantwortung kommen.

Paris, 4. Aug. (Eig. Meld.) In einer unterrebung mit bem Sonderberichterstatter des Cjelpior äußerte sich der frühere Reichsmmister

Auch in Kreisen, welche der Regierung nahe stehen, wird darauf hingewiesen, daß Reichspräsi­dent und Reichskabinett auf dem Standpunkt ste­hen, daß keinesfalls bei einer Erweiterung oder Umbildung der Regierung nach rechts der Charak­ter des jetzigen Kabinetts als Präfidialkabi- n e t t geändert werden dürfte. Diese Kreise ver­weisen ferner auf die angebliche Absicht des Reichs­kabinetts in Verfolg dieses Standpunktes, bei ei­ner Regierungserweiterung nach rechts durch Ein­beziehung der NSDAP, keine nationalsozialisti- mjen P a rteiführer hereinzunehmen, sondern Persönlichkeiten mit besonderen Qualitäten und sachlichen Eignungen auszusuchen, welche das Ver­trauen des Reichspräsidenten genießen und selbst­verständlich von den Nationalsozialisten anerkannt ®cr^en'. Wahrscheinlich werde Herr v. Alvens- -eben, ein Vertrauensmann Papens, in München gerade diese Frage besonders anschneiden und von der Führung der NSDAP. Vorschläge erbitten.

Die Rechtsparteien, besonders die Deutschnatio­nalen, würden, wie man hört, diesen Plänen des Reichskabinetts restlos ihre Zustimmung geben üür das Z e ntrum wird eine Entscheidung erst t nn möglich, wenn in den offiziellen Verhand- urtgen und Besprechungen die von ihm gesuchte und geforderte Klärung erfolgt ist. Nach wie vor nritj das Zentrum den Standpunkt, daß eine a u & etUn9 des Reichskabinetts durch die NSDAP jst ?^?halb der Verantwortung unmöglich .vielmehr einwandfrei und' vor der ganzen feit h m6'.* deutlich sichtbar die Verantwortlich-

Nationalsozialisten für die Regierung und > e Maßnahmen feftgeftellt werden muß.

M®$on diese vorläufigen (Erörterungen zeigen, bas Kabinett v. Papen in der jetzigen Zu- mmmensetzung nicht mehr weiterbestehen kann, daß iso mindestens eine gewisse Umbildung erfolgen

Dr. Steigerwaid u. a. über die Möglichkeit von Verhandlungen zwischen Nationalsozialisten und Zentrum zur Bindung einer Regierung in Preu­ßen. Er erklärte, daß das Zentrum mit dem Hakenkreuz sicherlich nicht zusammengehen werde, wenn die Nat i o nakf o z iakist en nicht endgültig auf ihre gegen die Verfas­sung gerichteten Manöver verzichte- t e n; obwohl seiner Meinung nach eine Putsch- g e h r von ihrer Seite nicht drohe. Das Zentrum werde jedenfalls kein zweideutiges Kom­promiß annehmen. Aus die Fragen ob er an die Möglichkeit glaube, daß die Kommunisten den deutschen Staat zerstören könnten, erklärte Dr. Stegerwald, er besürchte das nicht, da zwei Drittel der hinter den Gewerk­schaftenstehenden Bevölkerung ihrem Einfluß ent­zogen find. Die Mehrheit der Deutschen bekenne sich eher zu einem etappenweisen R e - form :'smus und ist völlig unempfindlich gegenüber den Erklärungen der Anhänger von Hammer und Sichel. Ein Verbot der Kommu­nistischen Partei jedoch würde ein Schlag ins Wasser b l e 16 e n.

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wtb. Saarbrücken, 4. August. (Erg. Meld.) Reichskanzler von Papen ist gestern abend zu seinem Ferienaufenthalt in Waller­fangen eingetrossen. 1

Landtag am 16. August.

Präsident Kerrl ist mit der Absicht, den Landtag erst später einzübernfen, nicht dnrchgedrunzen.

Im Aeltestenrat des Preußischen Landtags wurde am Mittwoch beschlossen, daß am 16. und 17. August Landtagssitzungen stattsin- den sollen. Auf der Tagesordnung sollen An­träge der Sozialdemokraten und Kommunisten über die Einsetzung des Reich skommis- sars für Preußen, sowie über die Gewalt- akte tn Königsberg, Schlesien, Schleswig-Hol­stein und anderen Landesteilen stehen. Ferner sollen die noch nicht erledigten Abstimmungen über die Bergwerksanträge und andere soziale Fragen vorgenommen werden. Die Sozialdemokraten hat­ten beantragt, den Landtag schon für die nächste Woche einzüberusen. Die Kommunisten schlossen sich dieser Forderung an.

Präsident Kerrl erklärte, daß es sich nicht empfehle, den Landtag zusammentreten zu lassen, bevor eine Klärung hinsichtlich der Regierungs­bildung im Reich und in Preußen erfolgt fei. Da die Einberufung des Landtags von mehr als einem Fünftel der Abgeordneten gefordert würde, müsse dem Antrag stattgegeben werden. Vordem 16. August werde er aber den Landtag nicht ein» berufen.

Abg. Kube (Rats.) wandte sich angesichts der erregten Stimmung seiner Par­teifreunde gegen eine Landtagsei n- berufung in diesem Augenblick. Er schlug vor, die Landtagstagung bis zum September zu ver­schieben und dann eine ordnungsmäßige Regie­rung aus hem Dolkswillen heraus zu bilden, die

die nötige Autorität haben werde, Ruhe und Ord­nung herzustellen. Abg, Heilmann (Sog.) er­widerte, daß die Sozialdemokratie unter keinen Umständen darauf verzichte, eine Stellung­nahme des Landtags z u den letzten politischen Vorgängen herbeizufüh­ren.

Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten wurde eine Landtagseinberufung schon für den 9. August abgelehnt und der Zu­sammentritt für den 16. August beschlossen. Eine Entscheidung darüber, wann die Wahl des Mini­sterpräsidenten vorgenommen werden soll, wurde nicht getroffen.

Minlsterbesprechung.

CNB. Berlin, 4. Aug. (Eig. Meldg.). Die in Berlin anwesenden Mitglieder der Reichsregie- runq sind heule vormitlag 11 Ufy: unter dem Bor- sitz des R e i ch s i n n e n m i n i st e r s v. G a y l zu einer Ministerbeiprechung znfammengekrelen. Wie wir aus gut unterrichteter Quelle hören, wird bei dieser Gelegenheit das Problem der inne­ren Sicherheit und die notwendigen Maß­nahmen beraten.

Mn der Reichsministerbefprechung hat außer dem auf Urlaub weilenden Reichskanzler nur Reichsmehrminister General von Schleicher, der sich bekanntlich aus einer Dienstreise befindet, nicht keilgenommen. Von unlerrichleker Seite erfahren wir, daß wahrscheinlich noch heute abend ent­scheidende Schritte der Regierung zu er­warten sind.

Die preußische Regierung tritt heute nachmit- tag zusammen, um auch ihrerseits die Frage der Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe und Sicher­heit zu erörtern.

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Der Reichskanzler hak in einem Schreiben an Oberbürgermeister Bracht der preußischen Polizei gedankt und der Meinung Ausdruck gegeben, daß der derzeitigeBurgfriede" eine Erholung für die Polizei bedeute.

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In allen Teilen Deutschlands muß eine außer- ordentliche trübe und schmerzliche Bilanz gezogen werden. Denn die terroristischen Ausschreitungen sind noch immer nicht zum Stillstand gekommen. Wo bleibt das Eingreifen des Staates? In vie­len Gegenden ist es vorbei mit der Ruhe und Ord­nung. Sicherheit und Leben großer Teile der Be­völkerung sind bedroht. Sie und mit ihnen alle ordnungsliebenden Teile des deutschen Volkes rich- len an die Regierungen die Forderung: werdet hart' Greift durch' So kann es nicht einen Tag mehr länger gehen. Der Radikalismus tobt sich aus. Menschen werden in bestialischer Weise hm- gemorbet, Eigentum wird zerstört, namenloses Un- olück ist in zahlreichen Familien eingekehrt. Keine der radikalen Parteien- kann sich von der Schuld frei sprechen. Sie haben gehetzt und Hetzen we'ter. Sie haben die schlimmsten Leidenschaften im politi­schen Bruderkampfe entfacht. Die Führer, nicht die Verführten sind es, die zur Rechenschaft und Verantwortung gezogen werden müssen. Wenn sie heute von ienen Mitgliedern abrücken wollen, denen sie durch ihre aufreizenden Parolen ge­radezu die Mordwaffe in die Hand drückten, dann ist das ebenso gewissenlos wie niederträchtig.

Man spricht von Notwehr, wenn in dunkler Nacht lichtscheues Gesindel in die Wohnungen po­litischer Gegner schießt, Handgranaten wirft, Bom­ben legt, wenn Maschinengewehre in dunklen Verstecken, sogar ein Panzerwagen aufgefunden werden.

Und in einer solchen das ganze deutsche Volk in hellste Empörung versetzenden Sage, die uns kaum mehr wiedergut,zumachenden wirtschaftlichen und außenpolitischen Schaden brachte, wagt es das Organ des not. - soz. Reichsvrovagandaleiters Dr. Goebbels, derAngriff", Nr. 154 v. 3. August, folgendes zu schreiben:

Wir fordern, daß es der S. A. und S. S. gestattet wird, sich bewaffnet auf der Straße zu zeigen. . . Wir fordern weiter, daß ... die S.A. und S.S. als Hilfspoli­zei einberufen wird. . . Wir fordern, daß nun­mehr unverzüglich Nationalsozialisten die Vollzugsgewalt in Deutschland und in Preußen übertragen wird . . ."

Dann wird weiter das Verbot der K.P.D. ge­fordert, ferner, daß den Vertretern der K.P.D. der Zutritt zum Reichstag verwehrt wird. Geschlossen wid diese unerhört provokatorische Forderung mit dem Satze:Wir warnen die Regierung, an diesen unseren Forderungen achtlos vorbeizu­gehen."

Leben wir denn noch in einem Rechtsstaat, in ei­nem Ordnungsstaat? Will sich die Reichsregierung wirklich von solchen bedenkenlosen Provokateuren unter Druck setzen lassen? Wenn fetzt die Reichs­regierung nicht handelt, dann wissen wir nickt, wie überhaupt noch die spärlichen Reste der Staats­autorität gerettet werden können.

Die Ermittlungen über einen Teil der Königsberger Vorfälle abgeschlossen.

wtb. Königsberg, 4. Aug. (Eig. Meld.) Die Polizei hat heute das Material über die Vorfälle vom 1. August und zwar die Brandstiftun­gen der Staatsanwaltschaft übergeben. Zu den übrigen Vorfällen erfolgen immer neue Festnah­

men und Vernehmungen, sodaß die Ermittlungen darüber noch nicht abgeschlossen werden konnten. Anläßlich der Beerdigung des beim Zettelverteilen erschossenen Nationalsozialisten Reinke und des am 1 August erschossenen kommu­nistischen Stadtverordneten Sauff beabsichtigten die Anhänger der Nationalsozialisten und der Kommu­nisten demonstrative Leichenbegäng­nisse zu veranstalten. Der Polizeipräsident hat nun beiden Parteien mitgeteift, daß die Beerdigungen nicht zu den üblichen Leichen­begängnissen zu rechnen und deshalb auch nach Reichsrecht verboten find. Die national­sozialistischePreußische Zeitung" und die sozialdemokratischeVolkszeitung" sind beide wegen ihrer Artikel in der Montagsaus­gabe verwarnt worden (Aufreizung zum Klassen­haß).

Anschlag auf ein oslpreußisches Amtsgericht.

wtb. Mehlaukeu (Kreis Labiau), 4. Aug. (Eig. Meld:) In der vergangenen Nacht wurde von unbekannten Tätern eine Brandbombe durch ein offenes Fenster des Grundbuch« m- t e s des Amtsgerichtes Mehlauken geschleudert. Verletzt wurde durch den Anschlag niemand. Doch ist Sachschaden an der Einrichtung und den Akten entstanden.

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wtb. Kellinghusen, 4. Aug. ((Eia. Meld.) Das Schöffengericht Neumünster verhandelte in Kelling­husen über die politischen Zusammenstöße von An­fang Juli, bei denen zahlreiche Personen verletzt wurden. Das Gericht verurteilte drei Natio­nalsozialist en zu 6 und 4 Wochen, drei Reichsbannerangehörige zu je drei Monaten und einen Reichsbannerführer zu 8 Wochen Gefängnis.

Unruhige Nach! in München»

cnb. München, 4. Aug. (Eig. Meld.) Die heutige Nacht brachte eine Reihe politischer Zu­sammenstöße und Zwischenfälle, die allein an einer Stelle der Stadt ein dreimaliges Aus- rucken des Ueherfallfommanbo§ not­wendig machten. Hier waren Nationalsozialisten: mit Kommunisten heftig aneinandergeraten. Ein 25 jähriger Bäcker ist bei dieser Gelegenheit durch einen Brustschuß schwer verletzt worden. Der Täter soll ein Kommunist sein.

Noch unbekannte Täter fuhren gegen 3 Uhr früh bei 2 Kaufhäusern, Uhlfelder und Epa, vor und warfen durch ein großes Schau­fenster. Brandbomben in das Innere. Glücklicherweise entzündeten sich die Bombep recht, wodurch unabsehbare Folgen vermieden wurden. Die Täter sind -unerkannt entkommen.

An einer anderen Stelle der Stadt, im Dante- Stadion, geriet das Bierzelt der Löwen­brauerei in Brand. Man vermutet auch hier politische Hintergründe.

In einem unweit des Dante-Stadions gelege­nen Jugendheim der svzialdemokra- tischen'Partei gerieten, wie es heißt, nach einer heftigen Detonation Einrichtungs- g e g e n st ä n d e i n B r a n d. Tische, Stühle und Holzbänke wurden vom Feuer eggriffen, das von der Wehr bald gelöscht werden konnte.

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wtb. Berlin, 4. Aug. (Eig. Meld.) Wie die Reichspressestelle mitteilt, wurden heute mittag die S.A. -Unterkunftsräume nach Waf­fen durchsucht. Insgesamt wurden 389Schuß Munition, 7 Pistolen, davon 2 Maschinenpistolen und mehrere Reserveteile für Schußmafien gesun­den Zwei Waffen befanden sich in Besitz von SA.-Leuten, die dem Schnellrichter vorgeführt wer- den.

wtb. Hindenburg, 4. Aug. (Eig. Meldg.). Zu einem Feuerüberfall auf zwei Polizeibeamte von einem Motorrad aus, teilt die Pressestelle der Polizei mit, daß die beiden Täter festge- n o m m e n wurden. Einer von ihnen hat bereits ein Geständnis abgelegt. Er gehört der NSDAP, an.

wtb Königsberg, 4. Aug. (Eig. Meld.) Die Polizei beschlagnahmte bei Kommunisten in einer Badeanstalt mehrere Schuß- und Stichwaffen und Munition und nahm 17 Personen fest.

Großsprecherische Phrasen

leistet sich zur poltischen Lage im Reich der natio­nalsozialistischeVölkische Beobachter. Er glaubt gegenüber dem Zentrum einen hoch- fahrenden Ton anschlagen zu dürfen, weil di« NSDAP, dreimal so viele Mandate habe wie das Zentrum.

Wir geben nicht so viel auf Zahlen als auf Durchschlagskraft e i n e r I d e e. Die er- probten staatspolitischen Ideen der Zentrumspartei werden ihre Ueberlegenheit über die unklaren Be» griffe der NSDAP, in der Praxis sehr schnell er- weisen.

Ein Phrasenfeiierwerk ist der Schluß des Ar­tikels imVölkischen Beobachter", in dem es fo dargestellt wird, als ob die NSDAP. Deutsch­land sei und das Zentrum das Deutschtum verleugne, wenn es fich nicht der NSDAP, und' ihrem Machtraufch unterwerfe. Dann will der Völkische Beobachter"das Zentrum samt seinen Führern bis in die untersten Grade" als grundfätz- liche Staats- und Volksfeinde ausrufen und dem­entsprechend behandeln.

Unser Deutschtum hängt nicht davon ab, ob Herr Rosenberg und die anderen Großen des Braunen Hauses" es anerkennen oder nicht.