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Erzähle, Junge!

Müde und matt kommt der Junge vongroßer Fahrt" heim. Zwei und einen halben Tag (!) war er unterwegs. Hei, wie hatte er sich gefreut, als es losging wachen- lang nur der einzige Gedanke: die F a h r tl Und wie hatte Mutter herhalten müssen.--Mutter, das brauch

ich noch!"Mutter, das machst du mir doch auch zurecht, nicht?" Und die gute, vielgeschäftige Mutter hat mitgeholsen und mitgesorgt, bis fein alles beisammen war. Sie freut sich ja so recht mit über die Seligkeit ihres Jungen und hilft ihm fürsorgend denAffen" packen.So, nun komm gut wieder heim!" Damit ging'z los und es war fein. Aber jetzt ach, die Müdigkeit nur heim, schlafen, ausruhen.

An der Tür steht die Mutter:Grüß Gott, Jung, da >st du ja wieder. Na, da erzähl mal recht viel wie ft s denn gewesen?"

»Wie wird's schon gewesen sein so wie immer!" brummig hockt der Junge da und schweigt. Und die -"utter schweigt auch.--

Km anderes Bild. Auf der gleichen Fahrt war der unh m't d"bei. Auch für ihn hat die Mutter gesorgt

"ude ist er jetzt auch und sehnt sich nach Ruhe. Die! in ~~~ " N 2wend, Mutter! Da bin ich wieder, fauhero £r'lai,Ien hab' ich heute. Das war vielleicht 'ne Vater Ä* ~ unb er vergißt Müdigkeit und Schlaf, bönm'unh Unb Geschwister sitzen um den Tisch und Und der unb freuen fid> f° recht von Herzen mit.

ter, in > erzählt vom Abmarsch, vom Uebernach-

mh Sc9eune- vom Milchholen und vom Bergsteigen hättetThr h hUn'J° DieI »'bi'« l° zu berichten.Da unhL t °°bci ^in sollen!" Und still sitz die Mutter und schaut ihren Buben an.

irh bu Mutige, Walter oder Fritz oder Hans, was >cy vir sagen will? Du bist mit Leib und Seele in

deiner Gruppe. Du bist unwillig, wenn eine häusliche Pflicht es dir nicht erlaubt, zum Heimabend zu gehen. Du möchtest so gern, daß Vater und Mutter mit dir denken, daß sie in deiner Art mitleben möchten. Und da glaubst du wenn du einmal nicht mitgehen darfst oder sollst gleich: die Eltern verstehen mich nicht, sie wol­len nichts von meiner Sache wissen. Gewiß, das mag vielleicht hier und da zutreffen. Aber weißt du, woher das oft kommt? Ich glaube, du weist es.

Ich kenne Jungens, die waren mit ihrer Mutter so innig verbunden keine Muttersöhnchen, nein!, aber die Mutter war ihr ein und olles. Da war es selbstver­ständlich, daß von jedem Heimabend daheim berichtet wurde, daß von jeder Fahrt bis ins Kleinste erzählt wurde, jede Begebenheit wurde in der Erinnerung und Wiedergabe zum Erlebnis und Mutter konnte nicht genug davon hören, konnte aber auch zurückgreifen ins eigene Jugenderleben, und so manches kleine Erlebnis wurde so eine Brücke hinüber ins Geistige. Und was du so gerne möchtest, das Mitleben von Vater und Mutter, ist da, wenn du sie so hineinsehen läßt in dein Gruppen­leben, in Freud und Leid deiner Jungengesneinschaft.

Mit großer Freude werden deine Eltern den Eltern­abend eures Stammes erwarten, um alle die Kameraden und Führer deiner Gruvpe kennenzulernen, mit denen du zusammen bist, und sich auch mit den Eltern deiner Freunde aussprechen zu können. Zur Lösung dieser Auf­gabe bist du berufen, und es bedarf dazu keiner beson­deren Geistesgaben, sondern nur etwas Selbstverständ­liches: rechter Liebe zu Vater und Mutter. Denn nicht der Bund, nicht die Jugendfreunde sollen dir alles sein; das Höchste ist doch immer das Elternhaus! Heute, da es elf Jahre sind, daß ich meine Mutter hinausbegleitct habe zur letzten Ruhe, ist mir klar, was es bedeutet, wenn der Dichter schrieb-D host du noch ein Mütterlein, so hob es lieb und halt es wert, nicht jedem auf dem Erdenrund ist dieses hohe Glück beschert!" Bedenke es

NILS

Ar. 17S_____________________

Sümpft mit reiner Wehr!

Siu« einem Meer von Blut und Tränen Hebt sich jenesFreiheits"-Licht.

Und wo Freiheit, Recht sie wähnen Jedes Menschenrecht zerbricht!

Unbarmherzig peitscht die Knute Jeden Nacken, der sich bäumt, Und dieFreiheit" schwingt die Knute Wenn ein Mann im Joche säumt! Arbeitsvolk! Aus Blut und Leichen Kann die Freiheit nicht erstehn! Freiheit mit des Kaines Zeichen Wird als leerer Wahn vergehn! Jungvolk kämpft für feine Rechte Nur mit reiner, blanker Wehr;

Schafft nicht neue Menschenknechte, Will kein neues Sklavenheer!

Aus dem Sprechchor von Max Henrichs.

Oie Schlacht ist geschlagen.

Der Kampf wird weitergehen.

Zum vierten Male innerhalb kurzer Zeit haben die Rechts- und Linksradikalen versucht, das Fuldaer Land zu erobern. Sie konnten nichts erreichen. Allerdings konnten die Kommunisten Fortschritte machen; dafür gin­gen aber die Nationalsozialisten zurück. Offenbar sind frühere Naziwähler zu den Kommunisten übergeschwenkt.

Das Zentrum hat sich überall glänzend geschlagen, be- sonders in den Orten, wo die Jungmannschaft mit Be­geisterung in den Wahlkampf zog. Doch zeigten sich auch manche schwache Stellen. Hier muß zielbe- wußte Arbeit bald einsetzen.

Die Tatsache, daß der Zentrumsturm unerschüttert steht, gibt sicher allen Freunden die Kraft, nach kurzer Erholungspause die Arbeit wieder planmäßig aufzuneh- men. Der Kampf geht weiter, bis alle Altersgenossen aus den Händen der radikalen Hetzer befreit sind. Keiner darf glauben, daß er sich jetzt wieder bequem zur Ruhe setzen darf. Wenn der Nationalsozialismus niedergerungen ist, wird der durch die Hakenkreuzbewe­gung stark gemachte Kommunismus man denke an den Auftrieb, den die Kommunisten durch den ver­hängnisvollen Schuh des S. S.-Führers Maier erhalten haben unser schlimmster Gegner sein. Brüder, rüstet Euch! Macht die Volksfront so stark, daß wir alle Gefahren bestehen. Der Sieg wird unser sein; denn wir kämpfen für Christi Reich und ein neues Deutschland.

Frei Dolf! Frei!

Treu bis in den Tod.

Der Geschäflssührer des Reichsverbandes der windl- hocstbünde mit dem Flugzeug abgestürzl.

Auf dem Tempclhofer Flugplatz ereignete sich am Samstagnachmittag ein schweres Flugzeugunglück, als ein Sportflugzeug, das von der Zentrumspartei zu Propagandazwecken benutzt werden sollte, aufsteigen wollte. Leider ist dabei der vielen Windthorst- bündlern persönlich bekannte Geschäftsführer der Windt- horstbünde, Gerhard Z i g a n k e, ums Leben gekommen. Das Unglück ereignete sich schon bald nach dem Start. Das Flugzeug, eine kleine offene Sportmaschine, gehörte dem Piloten Kohls, der es für den Samstag der Zen­trumspartei zur Verfügung gestellt hatte. Gegen 2 Uhr war das Flugzeug ausgestiegen und hatte Kurs nach Südosten genommen. In einer Höhe von etwa 50 Metern ist es dann angeblich von einer Böe erfaßt wor­den. Die Sportmaschine rutschte seitlich über dem Flügel ab und schlug an der Südostecke des Flugplatzes hart auf, wobei sie vollkommen zu Bruch ging. Die beiden Flug­zeuginsassen wurden unter den Trümmern der Ma- schine begraben. Beide gaben noch Lebenszeichen von sich und wurden mit einem Rettungswagen nach dem Tempelhofer St. Josephskrankenhaus gebracht. Bei Ziganke kam jede ärztliche Hilfe zu spät. Er starb im Operationssaal. Kohls, der schwere Kopfver- letzungen und innere Verletzungen davongetragen hat, wurde sofort einer Operation unterzogen. Es ist aber fraglich, ob er mit dem Leben davonkommt.

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3äfj hat der Tod einen jungen Führer, der zu großen Hoffnungen berechtigte, aus unseren Reihen ge­rissen. Werner Zigankes Organisationstalent, fein großer Arbeitseifer und feine Liebenswürdigkeit haben ihm

Beilage zur Fuldaer Zeitung

schon in jungen Jahren in den Windthorstbünden des ganzen Deutschen Reiches Freunde gemacht. Sein Tod reißt eine eine schwere Lücke im Generalsekretariat der Deutschen Zentrumspartei in Berlin, vor allen Dingen in der Führerschicht unserer Jung-Zentrumsleute. Wer­ner Ziganke starb für feine Ueberzeugung. Wir werden in seinem Geiste unsere Arbeit zur politischen Aktivierung der Jungmannschaft fortsetzen. R. i. p.

Eine feige Tat.

Frankenheimer Kommunisten stechen einen windthorst- biindler aus Thaiden nieder unb geben noch mehrere Schüsse auf den Schwerverletzten ab.

Aus Thaiden wird uns berichtet:

Große Erregung hat eine Bluttat Frankenheimer Burschen, die ja schon seit jeher in der ganzen Umgebung als raufluftig bekannt sind, im Ulstertal hervorgerufen. Am Sonntag machte der k a t h o l i f ch e Gesellen- vereinThaiden einen Ausflug nach dem bayerischen Ort Leubach. Als die Kolpingssöhne abends gegen 6% Uhr auf dem Heimweg über die Hohe Rhön von einem Gewitter überrascht wurden, suchte ein Teil von ihnen in der Fladunger Rhönhütte Schutz. Dort weilte ein Trupp Frankenheimer Kommunisten, die die Thaide- ner Gesellen mitRot Front"-Rufen empfingen und über sie herfielen. Die Kommunisten waren in gro­ßer Ueberzahl und gingen mitdemMefserunddem Revolver gegen die nichts Böses ahnenden Gesellen vor. Der Senior des Gesellenvereins Thaiden, namens Joseph Hartung, erhielt einen lebensgefährlichen Mes­serstich in den linken Lungenflügel. Als er blutüberströmt zusammengebrochen war, gab einer der Frankenheimer noch fünf Reoolverschüsse auf den Schwerverletzten ab, von denen einer Hartung in den Rücken drang. Die un­menschliche Roheit der Frankenheimer geht noch weiter daraus hervor, daß die Burschen auf den hilflos am Bo­den Liegenden mit Zaunlatten und Knüppeln einhieben. Die anderen Thaidener hatten alle Mühe, sich ihrer eige­nen Haut zu wehren. Selbst die Leubacher Sanitäts­kolonne, die die erste Hilfe bringen wollte, wurde von den Frankenheimern bedroht. Erst als die Fladunger Polizei im Anzug war, machten sich die Burschen aus dem Staub. Die Personalien der Täter stehen fest. Das Befinden des Verletzten gibt zu ernsten Befürchtungen Anlaß.

Ole Uniform als Lockmittel.

ImZentralblatt für Jugendrecht und Jugendwohl­fahrt" (Iuliheft 1932) untersucht Professor Paul Honigs- Heim die soziologische Sage der Jugend in der Gegen­wartskrise. Er kommt dabei zu der Frage, ob der primär politisch gerichtete Jugendliche überhaupt existiert, und erklärt, daß man sich da vor einer gefährlichen Fehlerquelle hüten müsse. Zwak erscheine statitistisch betrachtet die Zahl der von politischen Gruppen erfaßten Jugendlichen kolossalaber", so führt Professor Honigsheim aus,es sind durchaus nicht im­mer primär politische Motive, die sie dorthin gelenkt ha­ben". Um die Richtigkeit dieser Behauptung zu beweisen, legt er dar, daß gerade in einer Zeit der Umwandlung aller Werte wie der heutigen keine wirtschaftliche und politische Machtgruppe darauf verzichten wolle und könne, sichR e E r u t e n b e p o t s" zu schaffen, mit deren Hilfe man diejenigen Einrichtungen und gesellschaftlichen Ein­stellungen zu erhalten und zu fördern hofft, die im Jn- terefle der betreffenden Gruppe liegen. Dieser Sachver­halt stelle die eine Ursache für die zahlen- mäßigeStärkederpolitischorganisierten Jugend bar.

Eine zweite, nicht minber bebeuifame Ursache findet Professor Honigsheim in dem B e d ü r f n i s d e r h e u-

L Leser des 1 ..VlallderZugend

Vlp Organisiert in Euerem Heimatort die I Volksfront gegen Diktatur und Straßenterror. Wir brauchen eine disziplinierte Heimatwehr.

tigen Jugend nach Vermassung, das er als einen Versuch erklärt, die von dem großstädtischen Ju­gendlichen oft empfundenen Minderwertigkeitsgefühle da­durch überzukompensieren, daß wenn schon nicht er selbst wenigstens seine Gruppe oder Partei siegt. Durch das Tragen der gemeinsamen Uniform in den politischen Gruppen werde diese Befriedigung noch erleichtert. Außerdem aber habe die Uniformierung noch weitere Vorteile:

Zunächst erhöht sie die Chancen beim weiblichen Geschlecht. Des weiteren vermag sie durch die zur Schau getragenen Rangabzeichen dem- in­dividuellen Geltungsbedürfnis ganz besonders Rechnung zu tragen, das trotz aller Vermassung und trotz allen Be­dürfnisses als Zugehöriger einer siegreichen Gruppe Gel­tung zu haben, doch immer noch bei nicht ganz Wenigen vorhanden ist. Schließlich ermöglicht gerade die Zuge­hörigkeit zu einer politischen Gruppe besonders stark den Kult eines Führers, unb trotz aller Mechanisierung ober gerabe,als Gegengewicht zu ihr spielen solche Gefühls­momente eine Rolle. Unb so gibt es eine Fülle von Ursachen, bie zum Eintritt in eine politische Jugenbgruppe veranlassen. Es ist bementsprechenb keine restlos gleich­artige Masse, die wir da antreffen."

Em volkspolittsches Programm

des Gesellenvereins.

Der Katholische Gesellenverein legt mit einer kleinen SchriftMit Kolping zur deut­schen Freiheit!" ein eigenes Programm für einen Umbau der sozialen unb politi -- scheu Verhältnisse in Deutschlanb in Rich­tung auf einen Volksstaai ber Stänbe, Volks st aat der Stämme und Volks- staat aller Deutschen" vor. Gefordert wird eine berufs ständische Verfassung un­seres Wirffchaftslsbens, aus der eine gesamiständische Verfassung des staatlichen Gemeinschaftslebens als eine Demokratie der Stände erwachsen soll. Diese neue Ord­nung in Wirtschaft und Volk soll sich stützen aus födera­listisch gegliederte Leistungsgemeinschaften der Berufe, paritätische Selbstverwaltung und Solidarhaftung der organisierten Berufsstände für die Ausgaben der amt­lichen Sozialpolitik, durchgängige Parität zwischen Ar­beitgebern und Arbeitnehmern in den einzelnen Berufs- gemeinschaften und korporative Ausgliederung der ge­samten schaffenden Volksnation einschließlich der Grup­pen, die eine gemeinsame berufliche ober geistige Lei­stung für bie Gesamtheit verrichten. Als Ergänzung ber wirtschaftlichen unb berufsständffchen Selbstverwal­tung wirb ferner eine kulturelle und politische Selbst­verwaltung verlangt, da bie eine ohne bie andere nur Fassade bleiben würde, Wirtschaftsbürger und Staats­bürger zusammen erst den nationalen Dollbürger aus­machen.

Es folgen daher eine Reihe von staatspolitischen Forderungen, die auf den Willen zu einer Verfassungs­und Reichsreform hinauslaufen. Insbesondere wird der Ausbau des Reichsrates zu einer Zweiten Kammer als verfassungsmäßigem Gegenpol zum Reichstag sowie die Errichtung eines berufsständischen Wirischaftsparla- mentes (Reichswirtschaftsrat) gefordert und eine fö­deralistische Neugliederung des Reiches im Zusammen­hang mit einer klaren Verwaltungsreform angeregt.

Unsere Festgestattung.

Die Jugendbewegung hat uns als lebendige Anre­gung die (Erneuerung unserer Festgestaltung gebracht. Heute, wo wir arm geworden sind, wo die Eltern ihren Kindern kaum mehr Geselligkeit bieten kön­nen, laden die Kinder ihre Eltern ein.

Da kommt ein Sturmscharjunge und überbringt von Haus zu Haus Einladungen zu einem zünftigen Spiel- abenb, die Pfarrjugend lädt zu einem Sing- und Tanz­abend ein, da bitten die Jungmänner ober bie Neubeui- schen zu einem ihrer schönen Filme, ba kommen Mäbchen unb bringen gut beschriftete (Einlabungen zu einem El- ternabenb. Unb so haben Väter unb Mütter es schon oft erlebt, baß sie in bem Feierkreise ber Jugenb befon- bers froh geworden sind. Ein fein gestalteter Raum empfing sie, Lieber unb Chöre begrüßten unb bie Kinber waren in Spiel unb Darstellung so lebenbtg, baß man sie kaum mieberertannte. Es ist viel Kraft in biefem Feiern­können ber Jugend, viel neuer, starker Lebenswille. In den Festen ihrer Gemeinschaft sucht die Jugend nach einem neuen Verhältnis der Menschen untereinander unb entbeckt tiefer bie Verwurzelung in Volkstum unb Brauch, ba begrünbet sich auch ein neues Volksbewußt­sein. Wir sollten uns immer bereiter aufschliehen für

Verantwortlich fürDas 'Blatt bet Jugenb": Dr. oee. du bl Jolevb Sauer- Rulba

4. August

die Mitgestaltung unserer Feste und Feiern, eben auch in unserer verarmten Zeit neue Quellen aufschließen zu Frohsinn, Mut und Glauben.

Eine Werkwoche für Laienspiel und Fest- g e st a l t u n g, die vom 5.12. September im Hedwig Dransfeld-Haus in Bendorf a. Rh. stattfindet, möchte Grundfragen ber Spiel- unb Festgestaltung klären, sichere Spielführung unb Festleitung vertiefen in guter Mate­rialberatung unb praktischer Spielarbeit. Besonders soll das Mädchenspiel im Mittelpunkt stehen. Ausführliche Programme über die Woche schickt das Jugendsekreta­riat des KDF. im Hedwig Dransseld-Haus in Bendorf a. Rh., das zusammen mit Dr. I. Gentges (Bühnenvolks- bunb Berlin) diese Woche leitet. L. D.

Reue Wege der Auswanderung

Die Not der Zeit, die uns Brot unb Lebenssinn ver­sagt, bas proletarische Schicksal, bas unser wartet, unb bie Sehnsucht nach einem naturgemäßen Leben, ließ uns deutsche Jugenb zusammentreten, um uns einen neuen Lebensraum zu schaffen. Denn wir wollen nicht unsere besten Jahre in ober Muhe verbringen unb unser Leben im Nichtstun verdämmern. Weil bas Vaterlanb zu eng geworben ist für feine Söhne, fahren wir übers Meer, wo weiter, volkloser Raum auf uns unb unsere Kräfte wartet. Im Dollbewutztsein ber Schwere unseres Be­ginnens stehen wir, in ber Hoffnung auf Gottes Hilfe unb in ber Kraft unseres katholischen Glaubens, zueinan­der als treue Kameraden und geben uns diese Verfas­sung." So lautet ber Vorspruch ber Verfassung, bie sich katholische Jungmannen aus bem Schwarzwalb gaben zur Durchführung einer Auswanberung nach Brasilien. Sie wollen, laut Bericht besBab. Beobachters", im bra- silianischen Staate Santa Catarina eine bewußt beutsche Gemeinschaftssieblung schaffen. Im Schwarzwalb haben sich biefe 15 Burschen im freiwilligen Arbeitsdienst auf harte kolonisatorische Arbeit vorbereitet. Die Verfassung die sie sich gaben, verlangt stramme Unterordnung unter die Führer, stramme Disziplin, Treue zur alten Heimat, zum katholischen Glauben und Pflege edler Kamerad­schaft. Kaplan Beil, der dies Siedlungswerk leitet, ist bereits vor zweieinhalb Jahren mit fünf katholischen Jungmannen hinübergegangen, zwei bis drei Jahre wer­den die einzelnen Siedler ein freies Verfügungsrecht nicht besitzen. Erst wenn der Wald geschlagen, die Straßen gebaut und bie Erntefläche so groß ist, baß jeher ein­zelne bavon leben kann, wirb bas Los entscheiben unb ben einzelnen zum Herrn einer Kolonie von 100 Morgen machen. Eine Summe von 1000 bis 1500 Mark ist für jeben erforderlich. Das Geld müssen die Siedler an die Gemeinschaftskasse abgeben.

Ehre.

In einem Fußballspiel hatte ein Junge ben letzten gegnerischen Verteidiger absichtlich mit den Händen be­hindert, ohne daß es ber Schiedsrichter gesehen hätte. Der Vorteil, ben er sich so verschafft hatte, brachte ihm freie Bahn zu einem Torerfolg. Da kam ihm bie Frage in ben Sinn:Soll ber Gegner burch meine Nieder­tracht verlieren?", entschied'? unb spielte ben Ball bem Torwart langsam in bie Hände. E. F.

Briefkasten der Schristleilung.

Lieber Freund! Du meinst, wir sollten bie Frech­heiten ber Nazi-Schreiberseelen gebührend zurückweisen. Das ist zu viel verlangt. Es gibt Menschen unb Dinge, über bie sieht man, wenn man sich nichts vergeben will, mit Stillschweigen hinweg. Glaubst Du benn, heute würben noch junge Menschen, bie mir gebrauchen können, auf bie Lügereien unb armseligen Verbreitun­gen ber Nazi-Führer" hereinfallen? Laß ben Leu­ten, bie leibst ausgezeichnet zu ben Bolschewisten pas­sen, boch bas Vergnügen, bie Winbthorstbünbler als Kommunisten hinzustellen. Das ist boch alles plumpe, bumme Lüge. Gegen biefe Methoden berVolkser­neuerer" kommen wir einfach nicht an. Was willst Du z. B. machen, wenn ber N. S.-Beobachter bie Lüge, Bundesbruder Joseph Schmitt habe in Burghaun Heil Moskau" gerufen, in feiner vorletzten Nummer aus- brücklich wieberholt. Dabei ist Bb. Schmitt roeber am 12. noch am 19. Juni in Burghaun gewesen. Am Tag des DJK.-Gautages war er über 120 Kim. von Burg- Haun entfernt. Wir finb ber Meinung, baß im End- kampf boch ber siegt, ber Lüge unb Verleumbung auch im politischen Kamps verschmäht. Unser Vorbilb ist Heinrich Brüning unb nicht Aböls Hitler!

gut, Junge. Unb wenn bu heimkomm st von der Fahrt, so erzähle! E. Sch.

Eine Fahrken-Itachk.

Wie wir vom 21. Juli in ben 22. Juli hineinkamen!

(Es ist wieder einmal spät abends. Wir liegen oben auf einem Berg in einem Viereck aus jungen Fichten. Dazu Regen, Wind, Donner, Blitz. Feuchtes Vergnü­gen, aberSache!"

Die anderen rarfern sich beim Zeltaufbau ab. Da riecht's nach Arbeit. Da lasse ich mich lieber nicht sehen. Da Helse ich schon lieber Fritz und Agnes beim Abkochen. Vorläufig bemühen sie sich kräftig, aber »er­gebens, Feuer und Pott in ein annehmbares Verhält­nis zu bringen. Ich habe mich auf das Holzsammeln verlegt.

lieber uns ist es noch sternenklar. Aber hinter ben Bergen türmen sich schwarze Wolken. Aber ich soll ja Holz sammeln. Wenn ich nicht beim Himmelbegucken über so einen dummen, morschen Baumknast gestolpert wäre, hätte ich noch nicht daran gedacht. Ich beraube also eine alte Tanne ihrer unteren trockenen Zweige unb packe sie auseinander (Mensch, bas steht ia beinahe nach was aus!) und begebe mich dann himmelgurfender- roeife zum Feuer zurück, wobei ich natürlich noch ein­mal über ben gleichen Baumstumpf falle. Na, so lang­sam kommt die Geschichte ins Lot.

Von bem etwa 20 Meter entfernten Zeltplatz kommt die zarte Anfrage:Wie weit ist Euer Reis gediehen?" Wir antworten ausweichend:Steiht jum Zelt all senkrecht?" Darauf von beiden Seiten:Wenn Ihr fertig seid, fmb wirs auch!"

Nun ift's aber inzwischen falt geworden. Der Wind fegt bie Wolken immer tiefer über uns hin, und sie werden immer schwärzer. Der Reis ist endlich ver- dcmungsfähig, die ersten Tropfen fallen in den kochen­

den Brei. Rasch alles ins Zelt, Feuer aus, alle Sachen in die Hand und nichts wie rein! Da hocken wir im Stockdunkeln. Die letzte gebrauchsfähige Ta­schenlampe hat heute den ganzen Tag Gerhards Ruck­sack erleuchtet, und nun kann sie natürlich nicht mehr.

Das Wetterleuchten wird zum Blitzen, der Donner grollt ganz nahe. Das Gewitter scheint sich hier über unserem Berg auszutoben. Ich will auch gerade nicht behaupten, daß Petrus' Schimpfen mir in ein Ohr rein und durchs andere wieder rausgeht. Unsere beiden Großen" verbarrikadieren das Zelt von draußen. Was aber nicht verhindern kann, daß das Wasser an zwei Stellen ins Zelt läuft und eine kleine Kuhle neben mei­nen Füßen in eine ansehnliche Pfütze verwandelt.

Endlich kann bie Futterei losgehen. Ein Teller zum Weifergeben wirb angefünbigt. Gerade lange ich na­türlich mitten hinein in den Brei. Na immerhin, guten Appetit dahinten. Nächste Nummer! Nächste! Mit jedem Teller kommt gleichzeitig bie Ermahnung: Nicht an bie Zeltwand lehnen, sonst geht die Zelt­wand mit uns durch! Jemand packt seine Beine im Dunkeln auf mich. Das macht auch nicht satter. End­lich haben wir alle unfern Eßnapf vor uns unb kön­nen einhauen.. Ein Viertelstündchen herrscht andäch- tiges Schweigen, nur vom Klappern ber Löffel auf ben Aluminiumtellern unterbrochen. Unb bann kommt so langsam ber Sinn für bie Romantik unserer Lage wie- ber. Draußen gießt es immer noch, als ob sich ber ganze Wettersee auf uns, ergießen wolle. Unb bie Blitze stehen senkrecht, grell am Himmel. Keiner sagt etwas. Alle sehen burch den hochgeschlagenen Spalt am Zelteingang in das Toben hinaus.

Nach und nach beruhigt sich alles wieder, Wetter, Wind und Regen. Wir legen uns zum Schlafen zurecht und sind eins-zwei-drei im Traumreich.

Am nächsten Morgen läßt helle Sonne alle Wasfer- tropfen, die in den Fichtenzweigen und Gräsern hän­gen, funkeln. Es ist ein wundervoller Fahrtenmorgen.