Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
Mittwoch, 3. August 1932
Nr. irr
Zahrg. 59.
tas <ft mit bas Lr!-°u,ich- an liefern 3<nlrums. | Rückkehr des Reichspräsidenten
Z)'te polizeilichen Ermittlun-
mit den am
Aus Königsberg
meldet Hugenbergs T. U.:
Der Kraftwagen, von dessen Insassen am Mon
nungen geschleudert, gen sind im Gange.
Aus Wien kommt die Kunde vom Heimgang des unvergeßlichen Führers des katholischen Oesterreichs, zusammengeschlossen in der Christlich-Sozialen Partei, des früheren Bundeskanzlers Pälat Dr. Seipel'. Dr. Seipel litt bekanntlich seit langem an einer schweren Zuckerkrankheit, zu der vor etwa IVa Jahren nach einer Grippe ein Lungen- sprtzenkatarrh trat, der sich immer mehr ausbreitete. Auf Dr. Seipel war vor mehreren
cnb. Berlin, 2. August. (Eig. Meld.) Der Reichspräsident beabsichtigt, wie wir hören, nächste Woche nach Berlin zurückzukehren. Sein Gesundheitszustand ist, wie gegenüber heute in Berlin umlaufenden völlig unbegründeten Gerüchten hervorgehoben zu werden verdien^ durchaus gut.
cnb. Marienburg, 2. August. (Eig. Meld.) Aulf die Wohnungen des Polizeiinspektors Riedel, des Stadtbaurats Mollenhauer (Baurat Mollenhauer ist ein geborener Fuldaer) und des Stadtverordneten Zimmermann Rahn wurden heute nacht zwischen 12 und 2 Uhr Rev ol'vera nschläge verübt. Rahn ist Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (Sozialdemokrat). Glücklicherweise wurde jedoch niemand verletzt.
Außerdem wurden Flaschen, die mit Salzsäure und Eisenstücken gefüllt waren, in diese Woh-
Parteien nachlaufen, deren Programm und Ziel niemals zum Guten Deutschlands und des gesamten deutschen Volkes und damit auch nicht des einzelnen ausschlagen können. Daß es aber gelungen ist, dem Zentrum einen solchen Erfolg zu sichern und es erneut mit der Bayerischen Volkspartei als letzter Turm einer Mitte zu erhalten, der den Anprall von links und rechts aufzuhalten hat, spricht dafür, daß man noch nicht alle Hoffnung an das deutsche Volk aufzugeben hat, und daß trotz größter Verhetzung und Verleumdung breite Volksschichten ihren politisch klaren Kopf behalten. Und
Schüsse aus ein tandralsaml.
wtb. Goldberg, 2. Aug. (Eig. Meld.) In der vergangenen Macht wurden gegen das Landratsamt auf der Westpromenade, in dem sich auch die Wohnung des kürzlich seines Amtes enthobenen sozial-
Suudeskauzler a. S. K Seipel gestorben
Der Tod des Führers der österreichischen Katholiken.
Laßt Zahlen sprechen.
Der Wahlausgang des 31. Juli hat die Hoffnungen des Zentrums vollauf bestätigt. Die Zen- trumsMrtei hat auf der ganzen Linie sich wacker gehalten und hat darüber hinaus noch einen nicht unerheblichen Stimmenzuwachs davongetragen. Schon ein Festhalten des alten Besitzstandes bedeutet unter den heutigen Verhältnissen einen Erfolg. Denn die Not der Zeit macht es einer verantwortlichen Partei wie dem Zentrum immer schwerer, seine politischen Anhänger zum Durchhalten und Festhalten zu belehren, besonders gegenüber den uferlosen Versprechungen der radikalen Parteien, die bisher keine Verantwortung getragen haben.
Interessant ist immerhin ein zahlenmäßige-' Vergleich, der aktenmäßig den Erfolg des Zentrums nachweisen kann. Zum Vergleich mit dem Anwachsen der Wählerzahl zieht man am besten das Ergebnis der preußischen Landtagswahlen heran. So finden wir zunächst einmal in den Zentrumshochburgen am Rhein und in Westfalen einen erheblichen Stimmenanwachs. In Westfalen-Süd finden wir einen Zuwachs von 10 000 Stimmen gegenüber den Landtagswahlen vom 24. April. In Hessen-Nassau, wo die Zentrumspartei dem härtesten Gegenkampf der Nationalsozialisten ausgesetzt ist, beträgt der Stimmenzuwachs 15 000. In Köln—Aachen ist die auch immerhin erhebliche Zunahme von 17 000 zu verzeichnen, in Koblenz Trier 10 000 Stimmen, in Düsseldorf-Ost 9000, in Düsseldorf-West gar 18 000. In Württemberg ist ein ganz ungeheuerlicher Stimmenzuwachs von 52000 Stimmen dem Zentrum,zugute gekommen gegenüber den Landtagswahlen vom 4. April 1932. In Baden hat sich der Zuwachs in durchaus normalen Bahnen gehalten, denn hier muß man das Ergebnis der Reichstagswahlen vom 14. September 1930 zugrundelegen und da ist ein Stimmenzuwachs von 17 000 hn Verhältnis zu dem allgemeinen Prozentsatz durchaus im Rahmen eines Forffchrittes für die Zentrumspartei. Ein überaus starker Erfolg ist wiederum in Heffen-Darmstadt zu verzeichnen, wo die Zentrumspartei gegenüber den schwierigen Wahlen vom 19. Juni 1932 gegen die Nationalsozialisten kämpfend jetzt in fast einem Monat 17 000 Stimmen gewonnen hat, ein Erfolg, der glänzend für sich selbst spricht.
In den anderen Wahlkreisen ist die Zentrumspartei ebenso erfolgreich gewesen und besonders in der Diaspora ist ein erfreuliches Vorrücken der Zentrumsfahne zu vermerken. Ueberall im Wahlkreise Berlin, Potsdam I und Potsdam u, ferner in Pommern, Magdeburg, Merseburg, Thüringen, Schleswig-Holstein, ebenso wie in Hamburg, Mecklenburg und im Sächsischen Freistaate hält sich das Ansteigen der Zentrumsanhänger über das normale Maß des Anwachsens der Gesamtwählerzahl. Auch die ost preußischen Zcntrumsanhänger sind der Fahne treu geblieben und auch hier in dem katholischen Enklave, also unter den schwierigsten Verhältnissen im ständigen Kampfe mit einem nationalen Radikalismus ist cs diesem trotz aller Verleumdungen und antinationalen Anwürfe nicht gelungen, der Zen- trumsbswsgung Schaden zu,zufügen. Im Gegenteil, feit dem 24. April können wir auch hier die erfreuliche Zunahme von 3000 Stimmen verbuchen, em Zeichen, daß die Zentrumspolitik und die Zen- irumsparole an Zugkraft nicht eingebüßt haben.
Besonders erfreulich ist auch der Erfolg der Bayerischen Volkspartei, dessen wir uns als Bru- rpartei schon deshalb mitrühmen können, weil ®“d) mitzu,zuschreiben ist der stetigen Politik der
alten Reichsregierung Dr. Brünings. Und hier vfi o ®ir besonders darauf Hinweisen, daß es SRfor' • ri,m ^um ersten Mal gelungen ist, in der -ps!Z einen eigenen Abgeordneten durch,zu- oringen, da hier im 27. Wahlkreis pfälzisches Zen- ttum und pfälzische Bayerische Volkspartei in gemeinsamer politischer Zusammenarbeit von 122 266 Stimmen bei den Landtagswahlen vom 24. April 1932 auf 131 277 Stimmen gestiegen sind. Da das zweite Mandat nach alter Vereinbarung hier dem Zentrum zugesprochen wird, ist zum ersten Mal der Abgeordnete Hofmann-Ludwigshafen in fei» nem eigenen Wahlbezirk erfolgreich durchgekommen und macht damit für die Zentrumspartei einen Platz auf der Reichsliste frei.
Neue Ausbrüche des Terrorismus.
Aun auch polnische Anschlüge in Marienburg. — Gewalttaten in verschiedenen Städten. — Erklärung der A.S.D.A.P.
Erscheint sechsmal wöchentlich^ Wochenbeilagen: „Die Welt tm Bild" und Buchenblätter. Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda. Fernrufe: Schrift- •• (eitung 3153 Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::
In seiner Eigenschaft als Reichskommissar für Preußen hat der Reichskanzler dem Preußischen Landtag in einem Schreiben von der Amtsenthebung der früheren preußischen Regierung Kenntnis gegeben. Atn Mittwoch tritt der Aeltestenrat des Preußischen Landtags zusammen, um den Termin der nächsten Landtags- sitzung festzusetzen, die möglicherweise schon in der nächsten Woche stattfindet.
. Wir würden nicht objektiv schreiben, wenn mir nicht auch die V e r l u st e eingeständen, die Zentrum bei diesen Wahlen in Nieder- .ur*b Dberschlesien erlitten hat. mit q^n^eis 8 L'^nitz hat sich zwar die Partei ir doo Stimmen Zuwachs durchaus behauptet, aber im Wahlkreise 7 Breslau ist sie mit 3000 «nmmen Verlust und im Wahlkreise 9 Oppeln 8000 Stimmen Verlust aus dem Wahl- Ir, r e^.f>ert,oraet,an9en. Diese Wähler sind, und wricht hie Not der Zeit und die Verhetzung von g>pJLn ,ocr radikalen Parteien und ihre leeren hiit P»redsUn9en aIs warnendes Beispiel deutlich n Nationalsozialisten im Wahl- Noti^» und bei dem starken Verlust der Wahlki^-r aHRen in Oberschlesien im Oppelner wandet 3U den Kommunisten überge- ebensols- t®craii>e Schlesien und Ob erschiessen, die schosl-^-r 0 furchtbar unter der deutschen Wirt- babon" „ t. Un$ Weltwirtschaftskrise zu leiden neu h»utr-In in bwfern Verlust des Zentrums ei- I£$en Beweis dafür, wie die radikalen und x^n o°.n IinFs und rechts sich die Not der Zeit könMon ^lchtgläubigkeit der großen Massen, als Da-ä m J,e£..a^e*n Rettung bringen, zunutze machen. Gebieten .• bie Parteiorganisationen in diesen , „ , ____________ ________
und h>uhltnxerneuter Ansporn sein, aufklärend I tagfrüh bet den planmäßigen Überfällen in Kö- HBöMtsrJLtr wirken, damit auch hier die ! nigsberg die Feuermelder an etwa 40 bis 50 rmassen nicht verbittert oder leichtgläubig 4 Stellen der Stadt eingeschlagen wurden- jind jetzt
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fassung. Seipel wurde Führer der größten bürgerlichen Partei Oesterreichs, der Christlich-Sozialen. Er wurde Abgeordneter und dreimal mit dem Amt 'des Bundeskanzlers betraut. Er verschaffte seinem Lande die notwendigen Kredite, überwand die gefährlichste innerpolitische Krise Oesterreichs bis 15. Juli 1927, wurde gestürzt, aber blieb maßgebend für die Entwicklung in Oesterreich.
ner neuen Verfassung zuwenden. Die Heimwehr- episode, die nun folgte, ging unter der Parole: „Verfassungsänderung". Sie steht heute so, daß die Hitler-Entwicklung in Norddeutschland die Allösterreicher sehr skeptisch oegen das Reich machte. Seipels Idee war, Oesterreich bei einem Zusammenschluß mit Deutschland in feiner eigenen Art einzubringen. Kein echter Oester- reicher wird sich an den Gedanken gewöhnen, er solle einem Reich unter Berliner Diktatur einverleibt werden. Das Großdeutschland Seipels konnte nur ein föderalistisches Deutschland sein. Heute, nachdem die Sozialdemokratie im Reich ihre ausschlaggebende Stellung von 1919 bereits wieder verloren hat, werden die österreichischen Sozialisten, die Seipel ko heftig befehdet haben wegen seiner Reserve in der Frage des Anschlusses, über die fragliche Angelegenheit etwas anders denken.
Als im August 1922 der wirtschaftliche Zusammenbruch der österreichischen Republik drohte, trat Seipel seine berühmt gewordene Reise nach Prag, Berlin und Verona an. In Verona bot Seipel Italien eine Währungs- und Zollunion mit Oesterreich an, für die Italien das Land vor der drohenden Währungskatastrophe retten sollte. Ein „größeres Italien", das sich dis zur Danau erstreckt und in Oesterreich die Brücke zu Ungarn hätte, war mit den Interessen der Tschechoslowakei u. Jugosla- viens untereinbar. Seipels Projekt rief, was wohl beabsichtigt war, den tschechoslowakisch. Außenminister Benesch auf den Plan. Benesch begann, den Gegenstoß zu führen. Es galt, Oesterreich finanziell ausreichende Hilfe zu bringen und andererseits zu verhindern, daß sich das Land einer anderen Macht, Italien oder Deutschland, in die Arme werfe. Als die Großmächte 5 Tage vor Seipels Reife den Völkerbund aufforderten, „die Lage Oesterreichs zu untersuchen", da war dies eine kaum verhüllte Ablehnung der österreichischen Bitte und Kredits. Als im Oktober die Protokolle von Genf unterzeichnet wurden, hatte Seipel auf der ganzen Linie gesiegt. Dazwischen lag seine Reise. Er hatte ein gefährliches Spiel gespielt und alles auf eine Karte gesetzt, aber so waghalsig fein Spiel auch war, es glückte ihm. O e st e r r e ich e r h i e lt e i n e A n l e i h e von 6 5 0 M i l l i o n e n Goldkronen, gegen die Verpflichtung, keinerlei Bin düngen einzugehen, die feine wirl^.l.^. politische Unabhängigkeit gefährden könnten. Seipel hatte kühl kombiniert, wie nur ein genialer Staatsmann, wie ein Bismarck. Der Gegenzug Benesch war von ihm provoziert. Darüber hinaus aber war freilich durch die Genfer Bedingungen die erste Periode in der Geschichte der österreichischen Republik endgültig liquidiert, die der Anschlußbestrebungen, die von der österreichischen Sozialdemokratie in erster Linie betrieben wurden, und in der Verfassung ihren Niederschlag gefunden hatten. Der Kampf zwischen dem Deutschtum und dem Altösterreichertum, der die junge Geschichte Deutsch-Oesterreichs erfüllt, war vorläufig zugunsten des Altösterreichertums entschieden. Der Anschluß war versperrt. Man konnte sich mit einem neugestärkten Altösterreichertum ei-
demokratischen Landrates Gauglitz befindet, drei Reoolverschüsse, anscheinend von jungen Leuten, ab» , keinerlei Bin- I gegeben. Von den Schüssen drangen zwei in ein tschaftliche oder Privatzimmer des Landrates, ohne aber jemand zu ' treffen.
Das Polizeipräsidium Altona teilt mit: In der Nacht zum 1. August wurden in Ueterfen, Barmstedt, Elmshorn, Pinneberg, Lunden, Krempel, Marne und Altona Handgranaten in Gebäude geschleudert bezw. auf die Straße geworfen und zwar von mchreren Lastkraftwagen aus. Es ist erheblicher Sachschaden entstanden. Da die Angriffsobjekte Wohnungen und Geschäftsgebäude von Anhängern der KPD. und SPD. sind, besteht der Verdacht, daß die Täter in entgegengesetzter politischer Richtung zu suchen sind.
wtb. Altona, 2. August. (Eig. Meld.) In der Holsteinstraße wollten Passanten aus einem NSDAP. - Lokal heraus bedroht worden sein, worauf Polizei die Räume durchsuchte. Man beschlagnahmte zwei Armeepistolen, zwei Trommelrevolver, eine Scheintodpistole und über 120 Schuß Munition. Sämtliche Waffen waren geladen. SA.-Leute wurden nicht mehr angetroffen. In Billstedt beschlagnahmte Polizei Bei zwei SA.» Motorradfahrer Pistolen und Munition und nahm die Besitzer fest. In der Stresemannstraße nahm man einen Angehörigen der Antifa fest, der einen Trommelrevolver bei sich führte. Als die Beamten den Mann abführten, wurden sie beschossen und erwiderten das Feuer in der Schußrichtung. Verletzte wurden nicht ermittelt.
Festnahme wegen politischer Ausschreitungen.
wtb. Köln. 2. Aug. (Eig. Meld.) Die Polizei teilt mit: Gestern abend wurde ein Kraftwagen mit 15 Nationalsozial ist en auf der Aachener Straße festgehalten, dessen Insassen nach Darstellung der Polizeiverwaltung in Quadrath schwere Ausschreitungen unter Anwendung von Waffengewalt begangen hatten. Bei der Durchsuchung wurden 6 geladene Pistolen schweren Kalibers mit Ersatzmunition, eine Schreckschuhpistole und ein feststehendes Messer vorgefunden. Die Täter wurden festgenommen.
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CNB. Berlin, 2. Aug. (Eig. Meld.) Zu den Königsberger Vorgängen wird vom preußischen Innenministerium mit allem Nachdruck betont, daß nach den letzten Meldungen aus Königsberg dort absolute Ruhe herrscht. Insgesamt wurden bisher 40 Personen festgenommen. Bei der beschleunigt durchgeführten Untersuchung und der Vernehmung der Festgenommenen haben sämtliche ihre Aussagen hartnäckig verweigert, so daß die Nachforschungen nach ihrer politischen Zugehörigkeit bisher ergebnislos geblieben sind. Die weitere Untersuchung ist in die Hände der Staatsanwaltschaft übergegangen.
Von zuständiger Stelle wird zu dem bisherigen Ergebnis erklärt: Wenn bestimmte politische Gruppen besonders in Verdacht geraten sind, so war dafür die Tatsache maßgebend, daß bei der Inbrandsetzung der Tank st eile SA- Leute in Uniform fest genommen worden sind und daß weiter ein junger SA-Mann bei seiner Vernehmung ausgesagt hat, ein SA-Führer habe zu Plünderungen aüfgeforbert. Doch wird diese Aussage von den Nationalsozialisten bestritten.
Das Berliner Organ des Führers der Deutsch- nationalen, Hugenberg, der „Lokalanzeiger", bezeichnet diese Erklärung als erfreulich klare Stel- lungnahme, der freilich die Tatsache gegenüber-
von der Polizei ausfindig gemacht und beschlagnahmt worden. Der Kraftwagen, der zum Ausfahren von Zeitungen dient, gehört einem N a - tion al s o z ia Ii st e n, der aber selbst nicht bei der Zeitung tätig ist. Er erklärte, von dem Verschwinden seines Wagens aus der Garage nichts gewußt zu haben. Die Angelegenheit wird weiter untersucht.
Jahren ein Attentat verübt worden. Die Revol- verkugel, die ihn damals traf, war in die Brust emgedrungen und konnte der Zuckerkrankheit wegen nicht entfernt werden. Diese drei Umstände wirkten zusammen und führten schließlich seinen Tod herbei.
In der ganzen katholischen Welt war Dr. Seipel bekannt und verehrt. Er war in der schweren Zeit nach dem Kriege ein Führer von seltenen Maßen. Dabet ein liebenswürdiger Mensch, der namentlich die Jugend zu gewinnen wußte. Unvergeßlich bleibt er uns von dem großen Dortmunder Katholiken-Tag 1929 her, wo er an der Seite und in inniger Freundschaft mit Reichskanzler Marx in seinen Reden für den groß- deutschen Gedanken stürmischen Beifall sand.
Der Krieg neigte sich bereits seinem Ende zu, als Dr. Seipel, ein junger katholischer Priester, 1917 mit dem Buche: „Gedanken zur österreichischen Derfassungsreform", zuerst an die Oeffent- lichkeit trat. Die herrschenden Kreise des Donau- iändes begannen damals zu fühlen, daß das Erwachen der geschichtslosen Völker den Rahmen der altehrwürdigen Doppelmonarchie zu sprengen drohte. Sie sannen auf Abhilfe und betrauten den jungen Professor für MoraRheologie an der Universität Wien, Dr. Ignaz Seipel, mit dem Studium der österreichischen Verfassungsfragen, um richtungweisend in den schon sichtbar werdenden Umbau der Monarchie eingreifen zu können. Seipels Buch ebnete ihm den Weg in die Politik, aber das Problem einer neuen Verfassung ließ chn seither nicht mehr los. 1918, ein Jahr, nachdem Seipel sich mit seinen Gedanken zur österreichischen Derfassungsreform seine besondere Note geschaffen hatte, trat er in das letzte K. u. K. Kabinett Lammasch ein. Wenige Wochen später war die österreichisch-ungarische Monarchie gewesen. Ein neuer Staat, Deutschösterreich, rief chn ans alte Werk: Die Aufstellung einer Ver
stehe, daß es sich, was im Laufe der Vernehmung mehr und mehr zutage trete, offenbar bet den Tätern um politische Fanatiker und Utopisten handele, die dem nationalsozialistischen Jdeenkreis angehörten, wenn sie auch mit der Partei selbst hinsichtlich der Tat in keiner Verbindung gestanden hätten.
Terror trotz Burgfriedens.
wtb. Memmingen, 2. Aug. (Eig. Meld.) Zu schweren Ausschreitungen kam es hier in den frühen Vormittagsstunden. Der Kommunist Birk wurde unter „Heil Moskau-Rufen" aus seiner Wohnung herausgelockt, von bisher unbekannten Tätern überfallen und mit Schlagringen schwer mißhandelt. Die Täter flüchteten in einem bereitstehenden Auto. Wegen dieses Vorfalls kam es dann im Laufe des Vormittags vor dem Arbeitsamt zu Zusammenrottungen und Schlägereien zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Zwei Kommunisten wurden in Schutzhaft genommen, später jedoch wieder entlassen. Um die Ruhe wieder herzustellen, wurde eine Abteilung Schutzpolizei von Augsburg angefordert.
Handgranaleu aus ein Volkshairs.
wtd.Liegnih, 2. Aug. (Eig. Meld.) Auf das Liegnitzer sozialdemokratifche Volkshaus wurde in der vergangenen Nacht von einem unerkannt entkommenen Motorradfahrer eine Handgranate geschleudert, die vor dem Volkshause explodierte und ein großes Fenster zertrümmerte, in dessen unmittelbarer Nähe sich eine Wache des Reichsbanners befindet. Personen wurden nicht verletzt.
Die Gauleitung Ostpreußen der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiter-Partei veröffentlicht eine Erklärung, die gleichzeitig dem Reichsinnenminister auf telegraphischem Wege zugeleitet ist und die besagt, daß die NSDAP. ..." '___
Montagmorgen verübten Anschlägen auf verschiedene Angehörige der KPD. und SPD. nicht das Geringste zu tun habe und sie aufs schärfste verurteile.