Sonntag, 31. Juli 1932.
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iuldaerZeitümj
Anzeiger für die Stadt Fulda vud den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
Der Sonntag der Wahl ist da! — Wehrt den RadttaNsmus ab!
Deutschlands Führer
zu Freiheit und Brot
scher nationalsozialistischer Wortführer im Wahlkampf 1928 und wiederholte das ausdrücklich auf noch zweimaliges Befragen.
Zitiert nach „Nationalsozialismus und Bauerntum" von Otto Weber. Weimar 1929, Seite 34.
»Wir Nationalsozialisten sind ja auch bereit, wenn es gegen die internationalen Finanzhyänen und ihre Zutreiberparteien geht, uns mit den Kommunisten zusammenzutun. Wir Nationalsozialisten werden durch die Regierung der SPD., des Zentrums, der Deutschen Volkspartei ebenso verfolgt wie die Kommunisten."
Aus einem Ausruf im „Völkischen Beobachter" Nr. 251, 29. 10. 19.
Der viel berüchtigte Reichstagsabgeordnete D r. Goebbels schrieb in den „Nationalsozialistischen Briefen":
.Immerhin ist heute die europäische Konstellation so. daß für überblickbare Zeiten nur
eine östliche Politik für Deutschland in Frage kommen kann. Wir haben zu wählen zwischen dem tranken Nachbarn im Westen und zwischen dem von schöpserischelr Gesundheit strotzenden im Osten. Im letzten Verzweiflungskampf kann uns allein nur helfen: Brot und Kraft Les Ostens. In seiner Verzweifung gerät der deutsche Nationalismus auf den irrsinnigen Ausweg, Schutz gegen den Bolschewismus im kapitalistischen Westen zu suchen. Strasser hat da schon durchaus recht, wenn er von einem instinktlosen Antibol- schewismus spricht, der Herzen Und Hirne der nationalen Jugend verwirrt hat . . . Rußlands Not wird unsere Not sein und umgekehrt. Darum fühlen wir uns Rußland als Träger eines gemeinsamen Schicksals verbunden. Rußlands Freiheit wird unsere Freiheit sein und umgekehrt. Darum stellen wir uns Rußland an die Seite als gleichwertiger Part- ner im Kampf um die Freiheit« die uns alles bedeutet."
Im „Angrif" (12. 6. 30) desselben Dr. Goebbels wird der revolutionäre Streik gefordert:
„Er ist die einzige Möglichkeit nach dem vollständigen Versagen der derzeitigen Schiedsgerichte, die wirtschaftliche Lage der Arbeiterschaft zu verbessern, oder doch zu mindest die Möglichkeit einer Der. gewaltigung der Tarife durch Un- ternehmsrwillkür auszuschalten...
Das alle bricht jedoch wie ein Kartenhaus zusammen, wenn einmal in den Betrieben der Nationalsozialismus auftaucht, und oft genug, um seine sozialrevolutionäre Haltung durchzusetzen, mit der kommunistischen Opposition sich verbündet und gegen die Gewerkschaftsbürokratie einer längst schon überholten Sozialdemokratie zu Felde zieht."
Nach einer kommunistischen Sportpalastversammlung erklärte ein NSDAP. -Fuktionär auf der Straße vor Kommunisten:
„Gegen die Polizei sind wir einig! Sm Grunde ist ja auch egal, ob Hitler oder Thälmann — die Hauptsache ist. daß es Bruch gibt, und die ganze Bude auseinanderklappt. Es ist ja nur ein Unterschied in der Taktik. („Vorwärts" Nr. 270, 12. 6. 31.)
Sn der gleichen Weise wie der Abgeordnete Dr. Goebbels hat auch der Gauleiter Terboven in seiner im Suni 1931 in Duisburg gehaltenen Rede auf die Fühlungnahme von KPD. und NSDAP, hingewiesen und erklärt, daß der Nationalsozialismus nicht daran denke, das gegenwärtige System bei einem kommunistischen Aufstand.zu schützen:
„Der Nationalsozialismus freut sich im Gegenteil, wenn, gleich welche Kräfte diesem System die Gurgel abdrehen. Der National, sozialismus ist sich zuschade dazu, auch nur einen kleinen Finger des jüngsten SA.-Mannes an das Schicksal dieses Systems zu wenden. Wir haben die Lehre gezogen, daß wir nicht einen Finger rühren, das Leben dieses Sy-
06 es M dabei um Süden oder Christen handelt, ist vollkommen gleichgültig."
Der nationalsozialistische Abgeordnete Strei- cher erklärte in einer Nürnberger Rede 1924:
»Zwischen den Zielen der Völkischen und der Kommunisten besteht — außer einigen Unklarheiten in der nationalen Einstellung und in der Rassenfrage — wenig Trennendes."
Der nationalsozialistische Abgeordnete Stöhr äußerte sich in einer nationalsozialistischen Partei- Versammlung, die am 18. 3. 1931 in Berlin-Kreutzberg stattfand:
„Nicht der Kommunist ist für die NSDAP, der gefürchtete Gegner. Mit der KPD. läßt sich auf jeden Fall ein Modus vivendi finden. Der währe Feind steht von der SPD. bis zu dem schwarzen Gesindel. Hier ist schärfster Kampf am Platze."
„Die Kommunisten sind mir zehnmal lieber als die Deutschnationalen", erklärte ein bayeri-
schewisterung der nationalsozkalistischen Macht- bestrebungen bewiesen werden, sondern auch mit direkten Aussprüchen führender National- sozialisten, die große Sympathien für Sowjetrußland verraten, und die ein diret- ter oder indirektes Zusammengehen mit den Kvm. munisten in Deutschland und den BolschewWn in Rußland propagieren.
Der Reichstagsabgeordnete und nationalsozialistische Gauleiter Kaufmann erklärte m seiner Oberhausener Rede im Dezember 1925:
„Wir verlangen den Anschluß an das bol- schewistische Rußland, da der Heros Lenin neben Hitler der einzige gewesen ist, der in der modernen Zeit erkannt hat, daß nur aus einer nationalen Grundlage eine Expropriation der Kapitalisten Sinn und Erfolg hat. Die Suhenfroge ist für unsere Partei vollkommen bedeutungslos geworden. Sch und meine Partei bekämpfen nicht etwa Angehörige einer anderen Raffe, fon- dem lediglich Angehörige der besitzenden Klasse.
Gefährliche Brüderschaft.
Die Nationalsozialisten behaupten immer wie- 6er, daß sie die einzige Partei feie* die dem vor dem Tore stehenden „B l u t b o l s ch e w i s - m u s" allein wirksam entgegentreten könne. Wir wollen nicht davon reden, daß die Nationalsozia- kstrschen SA.-Leute, die vielfach von der KPD. zur NSDAP, übergewechselt sind, weil sie dort besser bezahlt werden, durch ihre terroristischen Akte und Bürgerkriegsvorbereitungen den Bolschewiken ihre Rezepte abgeguckt haben und durch die Anwendung ihrer Mittel selbst einem Rationalbolschewismus entgegentreiben. Wir wol- len auch nicht davon reden, daß u. a. ein kommunistischer GPU.-Mann, Felix Neumann, der Leiter der deutschen Tscheka-Filiale, der wegen politischen Mordes und wegen Attentatsplänen auf die Großindustriellen Sttnnes, Borfig, den General von Seeckt und den württem- bergischen Snnenminifter Bolz zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist, heute fein bolsche-
WÄHLT
BRÜNING
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»visierendes Unwesen in der Nationalsozialistischen Partei treibt Wir wollen nur darauf Hinweisen, daß der bekannte Berliner Stahlhelmführer, Major von Stephans dem Nationalsozialismus vorgewor- fen hat, er sei der Wegbereiter des Bolschewismus. Er führte 1930 in einer Berliner Stahlhelm-Versammlung folgendes aus:
„Wir lehnen deshalb eine na* fionale Verbrämung des Sozialismus ab. Wir verbitten uns, Senin als Vorbild vorgesetzt zu be- - kommen. Wir haben die berechtigte Befürchtung, daß aus den Lehren der Berliner Führer bet Nationalsozialisten der Bolschewismus geboren wird, aber nicht! die Volksgemeinschaft. Unsere Ar, beit gilt nicht einem Stande, sondern sie gilt allen."
Major Stephani hat mit seiner Befürchtung gar nicht so Unrecht. Die nationalsozialistischen Radikalen unterscheiden sich methodisch nur wenig von denen des Bolschewismus. Das Boxheim er Manifest ist darüber der beste Beweis. Als die Bolschewiken nach ihrer erfolgreichen Oktober-Revolution die Macht an sich rissen, begründeten sie ihre Diktatur auf einem Mutigen Standrecht. Der persönlichen Freiheiten des einzelnen Staatsbürgers wurden aufgehoben, und er wurde in ein Zwangssystem staatlicher Vorschriften gepreßt, die seine ganze Lebenshaltung bestimmten. Dor allem beschlagnahmten die Bolschewiken die Lebensmittel und die Ernten der Bauern und hoben jeden Handel hiermit auf. Sie führten eine radikale terroristische Arbeits- dienstpflicht durch und stellten jeden einzelnen Bürger unter das Feld- Gericht.
Die Proklamationen und Verord'. nungen, welche die Nationalsoziali. sten bei einem erfolgreichen Putsch durchzuführen gedenken, sind durch das erwähnte Boxheirner Manifest vorzeitig enthüllt worden. Die dort in Aussicht gestellten Maßnahmen unterscheiden sich in nichts von denen der russischen Bolschewiken. Auch im Dorheimer Manifest wird ein blutiges Standrecht verkündet. Die Androhung der Todesstrafe nicht nut bei aktivem Widerstand gegen den Handel mit Lebensmitteln usw,. gegen Vergehen, gegen die Zwanas- ernährungsvorschriften, spielt im Dorheimer Manifest eine große Stolle. Die Nationalsozialisten beabsichtigen gleichfalls bei Ergreifung der Macht sämtliche Lebensrnittel und Erntevorräte zu beschlagnah- Men und Brotkarten und zwangs- stwßige Kollektivspeisung ^lnzuführen. Scher einzelne Deutsche a>rt) in ein saft bolschewistisch an« mutendes Reglementierungssystem aezwängt und zu militarisierter Zwangsarbeit verpflichtet, -lüe Zivilbevölkerung wird unter die radikale Justiz der Feldgerichte gestellt. Wir sehen, daß zwilchen den bolschewistischen und nationalsozialisti. 'chen revolutionären Maß. nahmen- kein allzu großer Unterschied besteht.
Aber nicht nur durch das Box-- heimer Manifest kann die Bol-