FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Nr. 174
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckeret in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerel 3151 und 3152 ::
Samstag, 30. Juli 1932.
I Monatlich 1.65 einfchließl. Postgebühr (48 Pfg.) ohne ZusteUa ^^"Preise: Kleinzeile ,Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0,20 RM Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt. Postschecks Frankfurts M 4051
Wg. 59.
Katholiken, sieht treu ;u Eurem Banner!
Wilder als je in der Kultur-Kampf-Zeil stürmen von allen Setten die Gegner an. — Wir wollen unserer Bätet wert sein. — Es gibt kein Aeberlausen zum Feind. — Front gegen Nationalsozialismus und Kommunismus! — Für konfeffionellen Frieden auf der Grundlage christlicher Duldsamkeit. Wir wahren unsere Freiheit durch unsere Stimme für die Zenkrumspartei.
der Parteien von der
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Darum:
Zentrum Liste 4
Staatsbürgerliche Freiheit
Nicht knechtische Diktatur!
wird die gegenüber
Aeoentlow' schrieb am 13.. Dezember „Reichswart":
,/Der nationalsozialistische Staat Oberautorität allem Privateigentum
"Ende Ser Tätigkeit der französischen Militär- Mission in Polen. Die zum 31. Juli aus polnischen Diensten entlassenen französischen Militär- und Marinemissionen haben ihre Tätigkeit eingestellt, . _
Der amerikanische Botschafter in Paris, Walter Edge, wurde am Mittwoch vom Ministerpräsidenten Herriot empfangen, mit dem er sich eingehend über die Aufnahme des Lausanner und Genfer Abkommens in Amerika unterhielt. Im Anschluß an diese Unterredung wurde französischerseits eine amtliche Verlautbarung herausgegeben, die folgenden Wortlaut hat.
„Der amerikanische Botschafter in Paris und der erste Botschaftsrat der amerikanischen Botschaft statteten dem Ministerpräsidenten einen Besuch ab, um ihn über den vorzüglichen Eindruck zu unterrichten, den die in Lausanne und Genf erzielten Ergebnisse gehabt haben. Der Ministerpräsident gab seiner besonderen Frende über die aufrichtige Zusammenarbeit mit der amerikanischen Abordnung Ausdruck, die es ermöglicht habe, den friedliebenden Wünschen des amerikanischen Staatspräsidenten weitgehend gerecht zu werden. Der amerikanische Botschafter sah in den bisher erzielten Ergebnissen ein ermutigendes Zeichen für die nützlichen Auswirkungen einer aktiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen den beiden Völkern."
Eine Bestätigung und Beschwichtigung.
CNB. Berlin, 29. Juli. (Eig. Meldg.) Don zuständiger Seite werden die Zeitungsmeldungen bestätig t, daß der französische Ministerpräsident Herriot bei dem deutschen Botschafter in Paris Rückfrage wegen der Rundfunkrede des Reichswehrministers gehalten hat. Botschafter von Hoesch hat über seine Unterredung mit dem französischen Ministerpräsidenten nach Berlin berichtet. Auch der französische Botschafter in Berlin, Francois Poncet hat bei seinem Beileidsbesuch beim Reichsaußenminister wegen der Niobe-Katastrophe nach der Tragweite der Rede des Generals von Schleicher gefragt. Dieser Schritt des französischen Botschafters ist offenbar aus persönlicher Initiative und ohne Auftrag der französischen Regierung erfolgt. Dem Botschafter ist die Antwort geworden, daß das ganze Kabinett hinter dieser Rede stehe, und daß diese Rede auch dem überwiegenden Teil der öffentlichen Meinung Deutschlands entspreche. Wie aus dieser Erklärung dem französischen Botschafter gegen- über hervorgeht, besteht über die Rundfunkrede des Generals von Schleicher int Kabinett vollkommene Einmütigkeit. Die Behauptungen eines Berliner Vormittagsblattes über die Divergenz zwischen dem Reichswehrminifter und dem Reichskanzler und anderen Mitgliedern des Kabinetts andererseits sind vollkommen unzutreffend.
Schleichers Zwischenruf.
In der Sitzung der Ueberwachungsausschusses d-s Reichstages vom Montag, dem 25. Juli, hatte der Zentrumsabgeordnete Erfing an das Reichswehrministerium die immerhin berechtigte Frage gestellt, ob die Reichswehr gegebenen- fallsauch gegen die Nationalsozialisteneingesetzt werde. Diese für den anständigen, ruhig denkenden Teil der Mehrheit des deutschen Volkes besorgte Frage hatte der Reichswehrminister,sofort mit dem Zwischenruf „Selbstverständlich" beantwortet. So selbstverständlich war uns diese Haltung der Reichswehr nach dem Verhalten der Reichsregierung noch keineswegs. Im Gegenteil, bei dem immer mehr offen zur Schau getragenen selbstherrlichen Auftreten der braunen Armee durfte man mit Recht im Zweifel sein, ob auch die Reichswehr fick dem Versuch widersetzen werde, wenn sich die Hitlerscharen mit Gewalt in den Besitz der Macht zu setzen versuchen, falls der Wahlausgang ihnen eine allzu große Enttäuschung brächte.
Daß diese Frage nur zu berechtigt war, zeigte jetzt das Eingehen von Hugenbergs „Deutscher Schnelldienst" auf den Zwischenruf des Reichswehrministers. Diese deutschnationale Korrespondenz meint selbst, daß tatsächliche Aeußerungen nationalsozialistischer Unterführer vorlägen, die in jedem Fall besser unterblieben wären. Die nationalsozialistische Partei, die zu einer Millionenbewegung angewachsen sei, trage die Verantwortung dafür, wenn sich in den breiten Massen ihrer Anhänger eine Hoffnung sestsetze, die sich nachher n f ch t v e r- wirklichen lasse. Das zeigt, daß die Befürchtungen von führenden Männern der bürgerlichen Mitte auch von den Deutschnationalen geteilt werden.
Um nun dem „Selbstverständlich" des Reichswehrministers einen noch stärkeren Nachdruck zu verleihen, erläßt der „Deutsche Schnelldienst" gewissermaßen folgenden Mahnruf: „Die Reichs- wehr schießt wirklich. Das wissen alle soldatisch geschulten Kräfte in der SA. und in der SS. genau so gut, wie das die oberste Führung weiß. Und man darf anfügen, daß au ch die Polizei schießt, wenn von irgend einer Seite, es mag sein, welche es will, der Versuch unternommen werden sollte, die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu stören, oder die Wahlfreiheit mit Gewaltmitteln zu beeinträchtigen. Der Bevollmächtigte des preußischen Reichskommissars, Dr. Bracht, hat in seinem Erlaß an die Landespolizeibehörden
Der in den einstweiligen Ruhestand versetzte Ministerialdirektor im preußischen Finanzmini- terium Dr. Brecht hat an den Reichskanzler ein Schreiben gerichtet, worin er erklärt, die A m t s- geschäfte seines Hauptamtes als Be- vollmächtigterzumReichsrat könne ihm der Reichskanzler weder als solcher noch auf Grund des Art. 48 als Reichskommissar abneh - men. Das Gleiche gelte für seine Mitgliedschaft im Reichsschuldenausschuß.
Diese Meldung wird vom amtlichen Drahk verbreitet.
keinen Zweifel daran gelassen. Die Zeit der Illegalität irgend welcher Art ist vorbei, die Zeit des Aufbaues beginnt, und in dieser Zeit muß sich der revolutionäre Elan der nationalen Bewegung in sachlichem Arbettseifer bewähren".
Diese Ausführungen der deutschnationalen Korrespondenz zeigen zur Genüge, daß das „Selbstverständlich" Schleichers, so selbstverständlich es eigentlich für einen verfassungstreuen Minister von Anfang an fein mußte, gar nicht so überflüssig war. Und es war gut, daß dieses „Selbstverständlich" in einem öffentlichen Forum gefallen ist und auch an die Oeffentlichkeit gedrungen ist, damit nicht in den Reihen der braunen Armee bet der großen Schonung und Duldung, die sie gerade durch dieses Kabinett Papen erfahren hat, sich irrige Voraussetzungen und falsche Auffassungen fesffetzen könnten. Vielleicht tat dieser Dämpfer für irgendwelche Abenteuergelüste feine rechtzeitige Wirkung.
„Burgfrieden" gefordert.
Die Isolierung Deutschlands scheint jetzt wohl vollständig zu fein.
*
Reichskanzler von Papen spricht Samstag nacht um 12 Uhr in englischer Sprache zu Amerika.
Dü il ■ SAMiiHtil für deutsche Menschen:
Das „Dritte Reich«.
Wunschbilder und Wirklichkeiten.
Die nationalsozialistischen Wahlredner beteuern im Wahlkampf jedem Beruf und jeder Bevöl- kerungsschicht, daß sie auf nichts anderes bedacht feien, als auf sein bezw. ihr Wohlergehen. Sie werben um die Stimmen der Arbeiter und geben sich sogar als Arbeiterpartei. In Wirklichkeit aber wird es im „Dritten Reich" ganz anders aussehen. Der „Osaf" Hitler hat in einem Gespräch mit Dr- Otto Strasser am 22. Mai 1930 („Der Nationalsozialist" Nr. 119) über die Stellung des Arbeiters im „Dritten Reich" folgendes erklärt:
„Sehen Sie, die große Masse der Arbeiter will nichts anderes als Brot und Spiel, sie hat kein Verständnis für irgendwelche Ideale und mir werden nie damit rechnen können, die Arbeiter in erheblichem Maße zu gewinnen. Wir wollen eine Auswahl der neuen Herrenschicht, die sich darüber klar ist, daß sie auf Grund ihrer besseren Raffe das Recht hat zu herrschen, und die diese Herrschaft über die breite Masse rücksichtslos aufrecht erhält."
. Auch der Bauer erfreut sich des besonderen „Wohlwollens" der Nationalsozialisten. Der Himmel auf Erden wird ihm im „Dritten Reich" versprochen, die Befreiung von allen Schulden und
Lasten. Tatsächlich aber denkt die nationalsozialistische Führung darüber ganz anders — Graf von 1930 im
einzudringen. Und doch ist die Einstellung der Nationalsozialisten auch gegen das Bürgertum eine durchaus feindliche.
Der „Angriff", das Organ des Abgeordneten Goebbels, schrieb in der Nummer 224 vom 16. Dezember 1931:
»Und Dir, deutscher Bürger, Dir werden wjr die Grundlagen Deiner Zweckmoral nehmen, damit Du keinen Boden mehr unter den Füßen hast. Du wirst Dich verzweifelt zu wehren versuchen. Doch das hilft Dir nichts. Du mußt nun untergehen".
Das sind also die wirklichen Zukunstsaussichten für die Interessenten des „Dritten Reiches"!
zwei Wochen begrenzten Waffenstillstand . arteten von der An des für die großen cchlichrn Feste verordneten Burgfriedens. Ein nschärftes Kundgebungs- und Dersammlungsver- bot, verbunden mit einer gutbegründeten Mahnung zur Besonnenheit würden genügen, um die so notwendige Entspannung einzuleiten.
Ein gefährliches Beginnen.
Verstärkung der oldenburgischen Polizeibestände durch ES- und SA-Leute.
totb. Oldenburg, 29. Juli. (Eig. Meld.) Der oldenburgische Ministerpräsident erklärte, daß sich die oldenburgische Regierung gezwungen gesehen habe, in Anbetracht der außerordentlichen U e b e r« lastung der staatlichen Polizei diese in ihrem Bestand zu verstärken. Bei der heute vorliegenden Krisenzeit sei es erforderlich gewesen, daß sofort eine Hilfspolizei geschaffen wurde. Diese Hilfsposizei in Stärke von 20 Mann ist gestern eingestellt worden, und zwar besteht sie aus ausgesuchten Männern der SS und SA.
Partei-Truppe als P oliz ei-Truppe. Bock als Gärtner! Wo wird das enden, Herr Frh. von Gayl, Herr General von Schleicher, Herr Reichspräsident von Hindenburg?
Die volksparteiliche „Köln. Ztg." beschäftigt sich in einer Randnote mit den Maßnahmen, dte sofort nach dem Wahlakt zur Anbahnung normaler politischer Zustände in die Wege geleitet werden müßten. Das Blatt empftehst einen auf etwa zwet Wochen begrenzten Waffenstillstand
Frankreich und Schleicher-Rede.
Herriot erkundigte sich über die Rundfunkrede Schleichers.
Botschafter von Hoesch wurde am Donnerstag von Ministerpräsident Herriot empfangen. Obgleich über die Unterredung eine amtliche Verlautbarung nicht herausgegeben wurde, nimmt man in unterrichteten Kreisen an,- daß die Rund- fünkrede General von Schleichers Gegenstand eines eingehenden Meinung sa ustausches gewesen ist.
Die Berliner Sonderberichterstatter der Pariser Presse wollen außerdem aus gut unterrichteter Quelle erfahren haben, daß der französische Botschafter in Berlin gelegentlich seines Beileids- besuchs über den Verlust der „Niobe" beim Reichsaußenminister seiner persönlichen Ueberraschung über die Ausführungen des Generals von Schleicher Ausdruck gegeben und gleichzeitig im Auftrage der französischen Regierung um Aufklärung über gewisse Punkte dieser Ausführungen gebeten habe. An zuständiger Stelle in Berlin war am Donnerstagabend eine Stellungnahme hierzu noch nicht zu erhalten.
haben und ausüben, dem Bodeneigentum wie dem städtischen, dem liegenden wie dem beweglichen. Eine Heiligkeit des Privateigentums existiert bei uns nicht."
Obwohl die Nationalsozialisten in Braunschweig — und wo sie sonst noch „regieren" — gegenüber der Beamtenschaft eine wahre Terrorherrschaft ausüben, scheuen sie sich nicht, jetzt im Wahlkampf auch um die Stimmen der Beamtenschaft zu werben. Daß aber ihr Verhalten in Braunschweig ihrer innerlichen feindlichen Einstellung zum Berufsbeamtentum entspricht, beweisen Aeußerungen nationalsozialistischer Führer zur Genüge. So erklärte der Nationalsozialist Münchmeyer am 18. November 1930 in Stettin:
„Wenn die Nationalsozialisten regieren, bann werden. 20 Tausend Beamte sofort ohne Pension entlassen".
Der Veamtenfachberater Friedrich Klaß des Gaues Hessen der NSDAP, erklärt in einer Denkschrift „Die Beamtenschaft und die kommende na« tionalsozialistische Regierung":
.,Es werde« auf allen Gebieten der öffentlichen Verwaltung drakonische Maßnahmen eingesetzt werden, von denen auch die Beamtenschaft nicht ausgenommen werden kann. Zur sofortigen Ersparung von Kosten kann folgende Maßnahme ergriffen werden: die Verfügung einer Anstellungs- und Beförderungssperre".
Besonders umworben wird von den Nationalsozialisten jetzt auch die Frau. Dabei ist die natio« nalsozialistische Bewegung betont frauenfeindlich. Die Nationalsozialisten legen einen besonderen Wert auf den „männlichen" Charakter ihrer Partei, was ja auch schon dadurch äußerlich in Erschei- nung tritt, daß ihrer 107 Köpfe starken Reichs- tagsfraktion nicht eine einzige Frau angehört — dasselbe gilt von sämtlichen Länderparlamenten und.kommunalen Vertretungen — und daß sich auf tbren Listen für die kommende Reichstagswahl wiederum nicht eine einzige weibliche Kandidatin befindet. Die frauenfeindliche Einstellung der Nationalsozialfften wird überdies belegt durch zahlreiche Aeußerungen maßgeblicher Nationaffozia- "sten. So hat der Abgeordnete Gregor Straffer auf der Reichstagung des nationalsozialistischen Aerztebundes am 6. Dezember 1931 erklärt:
"Die Frau muß aus dem Produktionsprozeß verjagt werden. Der Frau wird im „Dritten Reich beigebracht werden, mit dem Gelde, das der Mann nach Haufe bringt, auszukommen".
Der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete I Luttmann erklärte in einer Rede in Lahr am 10. vktober 1930:
’fän deutsches Reich der Zukunft wird gerade ie kinderlose Frau — gleich, ob verheiratet ®oer nicht — als nichk vollwertiges Glied der Volksgemeinschaft betrachten".
fn»inuner großem Erfolg ist es den National- Ia[f$e Vorspiegelungen gelungen, 015 ttef m die Kreise des deutschen Bürgertums I