FuldaerZertung
Anzeiger für die Stabt Julda und den Landkreis Juida. Amtliches Kreisblatt.
Nr. 163
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im SBilö* und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldoer Actiendruckeret in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: keitung 3153, Fuldaer Actiendruckerel 3151 und 3152. ::
Sonntag, 17. Juli 1932.
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3o6tg. SS.
Gegen jede Kasten- und Parkel-Herrschast.
Das Berliner Zentrum tritt in den Wahlkampf ein.
DI« Berliner Zentrumspartei begann den Wahlkampf mit einer großen Arbeiter- kündgebung im Lehrervereinshause. Als erster Redner sprach der Landtagsabgeordnete Seit er bau s über deutsche Freiheit in der Der. gangenheit und Zukunft. Man werde nicht ruhen, erklärte er, bis Brüning wieder die Führung der Regierung übernehme. Herr v. Papen sei nur eine Figur in der Hand eines Stärkeren. Man verlange, daß der Kanzler ehrlich sage, was seine setzten Absichten seien. Das Zentrum sei gegen jede Diktatur einer Klassen-, Kasten- oder Parteiherrschaft. Es sei für den christlichen, nationalen, den sozialen und den Freiheitsstaat.
Dier Versammlung beschloß, ein Telegramm an den Reichspräsidenten ass dem verfassungsmäßigem Garanten für Frei, beit und Recht mit der Bitte zu senden, den berufenen Instanzen in Reich und Ländern für die Wiederherstellung der staatsbürgerlichen Freiheit sowie die Sicherheit von Leben und Eigentum und Gesundheit der Bürger den Rücken zu stärken.
Unter dem stürmischen Beifall der Versammlung protestierte dann Abgeordneter Krone gegen die Behauptung Dr. Goebbels im „Angriff", der katholische Pfarrer in Bernau habe einem S. A -Mann noch im Sarg das braune Hemd ausziehen wollen. Die gesamte katholische Bevölkerung Berlins stelle sich vor ihre Geistlichkeit. Wolle die nationalsozialistische Partei einen neuen Kulturkampf, dann werde sie die deutschen und auch die Berliner Katholiken gerüstet finden. Die Reichsparteileitung des deutschen Zentrums habe bereits ein Protesttelegramm an den Reichspräsidenten wegen dieses Artikels im „Angriff" gerichtet. Die Versammlung schloß unter stürmischen Rufen: „Frei Volk!", dem Rufe der neuen Dolks- front.
27 Wahlvorschläge am 31. IrrU.
Nach Ablauf der vorgeschriebenen Frist wurden beim KreiswahI'leiter des Wahlkreises 19, Hessen-Nassau, nicht weniger als 27 Wahlvorschläge zur Reichstagswahl eingereicht:
1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands, 2. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, 3. Kommunistische Partei Deutschlands, 4. Deutsche Zentrumspartei, 5. Deutschnationale Volkspartei, 6. Deutsche Volkspartei, 7. Reichspartei des Deutschen Mittelstandes (Wirtschastspartei), 8. Deutsche Staatspartei, 9. Deutsches Landvolk (Christ- lich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei), 10. Christlich-Sozialer Volksdienst, 11. Deutsch-Hannoversche Partei, 12. Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, 13. Höchstgehalt 5 000 Mark, für die Arbeitslosen und bis jetzt abgewiesenen Kriegsbeschädigten, 14. Interessengemeinschaft der Kleinrentner und Inslationsgeschädigten, 15. Landwirte, Haus- und Erundbesitzer, 16. Arbeiter- und Bauernpartei Deutschlans, 17. Christl.- radikale Volksfront, 18. Großdeutsche Liste Schma-
19. Nationalsozialistische Handwerker, Handel und Gewerbetreibende, 20. Nationalsozialistische Kleinrentner, Jnslationsgeschädigte und Vorkriegsgeldbesitzer, 21. Gerechtigkeitsbewegung für Parteienverbot, gegen alle Gehalts- und Lohnkürzungen, für Arbeitsbeschaffung, 22. Freiwirtschaftliche Partei Deutschlands (Partei für krisenfreie Volkswirtschaft), 23. Nationalsozialistischer enteigneter Mittelstand 24. Deutsche Reformpartei, 25. Kampfgemeinschaft der Arbeiter und Bauern (Vol'ks- rechtspartei), 26. Radikaler Mittelstand, 27. Schicksalsgemeinschaft deutscher Erwerbsloser (Erwerbslosenfront).
Die Erreichung dieser großen Zahl von Vorschlägen ist nur ermöglicht durch die Vorschrift, daß ein Wahlvorschlag in einem Wahlkreis mit 20 Unterschriften bereits zulässig ist, wenn dieser Vorschlag in einem der 35 Wahlkreise 500 Unterschriften erhält.
Wegmann an Strasser.
Eine Antwort, die sich gewaschen hat.
Reichstagsabgeordneter Wegmann (Ztr.), Mitglied des Ueberwachungsausschusses des Reichstags, hat an den Vorsitzenden dieses Ausschusses, den nationalsozialistischeu Abg. Strasser, auf dessen Ablehnung der Einberufung des Ausschusses mit folgendem Schreiben geantwortet:
„Auf den von mir gemeinsam mit den Zen- trumsmitgliedern des Ausschusses zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung am 22. Ium gestellten Antrag auf Einberufung dieses Ausschusses haben Sie erst unterm 7. Juli, also erst nach 15 Tagen geantwortet. Es fällt mir schwer zu glauben, daß für diese Verzögerung sachliche Gründe maßgebend sind.
Für die Ablehnung meines Antrags geben Sie drei Gründe an. Einmal stellen Sie unter Berufung auf einen Vorgang nach der Auslösung des vorletzten Reichstags fest, daß der lieber- wachungsausschuß nicht zuständig sei, Notverordnungen des Herrn Reichspräsidenten aufzuheben oder für verfassungswidrig zu erklären. Sie haben dabei übersehen, daß in dem von mir gestellten Antrag ein derartiges Begehren überhaupt nicht zu finden ist. Daß aber die Notverordnungen des Herrn Reichspräsidenten vom 14. Juni 1932 der Volksvertretung — und das ist der Ueber- wachungsausschuß nach der Auflösung des Reichstags — Anlaß zur Besprechung und zur Beschlußfassung bieten, können gerade Sie als Mitglied einer Fraktion am allerwenigsten in Abrede nehmen, die in den verflossenen 2 Jahren nach jeder
Notverordnung die Einberufung der Volksvertretung stürmisch gefordert hat.
Zum andern erklären Sie, Sie seien prinzipiell der Meinung, daß das deutsche Volk nicht mehr der aufgelöste Reichstag oder ein Ausschuß dieses nicht mehr existierenden Reichstags interessiere, sondern einzig und allein nur noch Zusammen- setzung und Leistung des am 31. Juli zu wählenden Reichstags. Dazu bemerke ich, daß es bei der Behandlung des von mir gestellten Antrags nicht darauf ankommt, welche Meinung Sie über etwaige Interessen des deutschen Volkes haben, sondern allein daraus, welche Pflichten Sie als Ausschuß-Vorsitzender bei Annahme dieses Amtes übernommen haben. Nach meiner lieber« zeugung verletzen Sie diese Pflichten, wenn Sie durch Nichtbeachtung des von einer Mehrheit gestellten Antrags auf Einberufung den ausdrücklich in der Verfassung vorgesehenen Aus- schuß zu einer Farce machen.
Endlich führen Sie zur Begründung Ihrer ablehnenden Stellungnahme an, dieser Reichstagswahlkampf sei für die Existenz einer Reihe von bisherigen Regierungsparteien ausschlaggebend; infolgedessen müsse jeder Abgeordnete dieser Parteien das Recht und die Möglichkeit haben, zur Verteidigung seiner bedrohten Stellung ungehindert Tag und Nacht tm Wahlkampf tätig zu sein. Diese Ihre Bemerkung ist ironisch gemeint; Sie selbst werden nicht beanspruchen, daß sie von mir als sachliche Begründung Ihrer Ablehnung angesehen wird. Wenn Sie in diesem Zusammenhang von einem „th eorerisch en Parlaver int Ausschuß" sprechen, so liegt darin entweder eine Mißachtung des Ausschusses, dessen Vor fitzender gerade Sie find und dessen Ansehen zu wahren Ihre Pflicht i st, o der eine Reminiszenz an die Rolle, die Ihre Freu n d e bei früherer Gelegenheit in diesem Ausschuß gespielt haben. Die Ansicht, der Ueberwachungsausschuß habe lediglich die Aufgabe, Derfassungsverletzungen zu verhindern, ist rechtsirrig; sie findet im Wortlaut und mt Sinn des Art. 35 Abs. 2 der Verfassung keinerlei Stütze.
Ein Durchschlag dieses Schreibens geht dem Herrn Reichstagspräsibenten zu."
Sitzung des Reichskabinetts.
cnb. Berlin, 16. Juli. (Eig. Meld.) Das Reichs- kabinett ist heute vormittag 11 Uhr zu einer Sitzung zusammengetreten, nachdem auch Reichskanzler von Papen heute früh aus Neudeck tn Berlin wieder eingetroffen ist. Gegenstand der Beratungen sind vorwiegend innerpolitische Fragen, wie sie in bezug auf die Rund- funkorganisation, den Freiwilligen Arbeitsdienst ufto. in den letzten Tagen ventiliert wurden.
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wtb. Berlin, 16. Juli. (Eig. Meld.) Das Reichskabinett hat in der heutigen Sitzung beschlossen, dem Herrn Reichspräsidenten eine Verordnung über die Ausdehnung der Ost- h ematznahme n auf die östlichen Gebiete Bayerns in Vorschlag zu bringen.
Deutschland nach Lausanne.
Man erwartete nach der Konferenz von Lausanne als wertvollste Auswirkung die Wiederkehr des internationalen Vertrauens zur Sicher- heit des Welffriedens. Dieser entscheidende Grund für den Abschluß dieses Vertrages ist längst hinfällig geworden durch die geheimnisvollen Abkommen, die plötzlich nachher auftauchen. Man horte von zuständiger Seite eine neue Erklärung, bic durch die veröffentlichten sechs Dokumente des englischen Weißbuches bestätigt werden. Die berühmte Frage von Papen's an den Präsidenten der Konferenz, was denn un Falle einer Nicht- ratifizierung geschähe, war also in einer Vorbesprechung schon festgelegt worden. Dies unterstützt natürlich wesentlich, trotzdem in der Antwort Mac Donald's keine Rede von einer Streichung des Poungplanes war, die 'deutsche Auffassung, wonach un Falle einer Nichtratifizierung ein neuer Rechtszustand geschaffen wird und nicht der Poungplan m Kraft trete. Da wir aber aus der Erfahrung von 12 Jahren wissen, wie sehr die Franzosen sich an die juristischen Formulierungen un Abkommen halten, und den gedruckten Verträgen gegenüber gern mündliche Aeußerungen und Versprechen übergehen, muß hier folgendes festgestellt werden.
Nehmen wir an, eine Macht ratifiziert nicht. Dann steht aber das eine fest, daß, wenn Deutschland auch seine Zahlungen nichterfüllen kann, doch die übrigen Bindungen durch den Doungplan bei der Reichsbahn und der Reichsbank durchaus bestehen bleiben. In der Praxis sind wir also im Falle einer Nichtratifizierung doch an schwerwiegende Doungplanlasten gebunden, die die deutsche Regierung schwerlich als aufgehoben erklären könnte.
Infolge der Klausel des Gentlement's Agreement machen England und Frankreich ihre Ratifizierung von der amerikanischen Schulden st rei- chung abhängig. Ein solches amerikanisches Entgegenkommen ist aber kaum vor den Präsidentschasts- und den Repräsentantenhauswahlen möglich. Es ist wahrscheinlich, daß man zuerst Deutschland ratifizieren lassen will. England und Frankreich werden schwerlich zusammen Amerika gegenüber vorgehen. Vielmehr hat sich England, wie wir hören, durchaus freie Hand Vorbehalten, weil es viel eher dank seiner bisherigen großen Zinsleistungen eine Streichung seiner Schulden durch Amerika zu erwarten hat als Frankreich. In der Wilhelmstraße schätzt man den Wert des englisch-sran,
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Rassekundliche Spitzenleistungen.
Don unserem Dr. A. Mitarbeiter.
Ziele anzugeben. Vielleicht war man sich bewußt, daß hier in der Tat eines der heikelsten Probleme des National' '
zu anderen Völkern vordringt, um int wahrsten Sinne des Wortes seine höchste Aufgabe zu erfüllen: Menschheitsziele zu verfolgen, so erfahren wir hier in eindeutigster Weise, daß es für den Nationalsozialismus diese Ziele nicht gibt. Es bleibt nur Raum zum Kolonisieren un Sinne eine5 geschäftlichen Unternehmens nach dem Muster anderer Staaten, aber die wahrhafte Kultivierung der Welt erhält geradezu eine krasse Ablehnung. Doch diese Erläuterungen des nationalsozialistischen Pädagogen sind tn gewissem Sinne noch harmlos int Vergleich zu Auslassungen, die ebenfalls vor wenigen Tagen das nationalsozialistische, sächsische Organ, eines der Hauptorgane Deutschlands, in der Frage der Kulturmission.-- und zwar mit Bezug auf gewisse Methoden katholischer Missionsgesellschaften — machte. Man darf sie der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten, sie zeigen einen solchen Tiefgang der Gesinnung, daß sie auch nicht mehr das Geringste mit dem Christentum zu tun haben und ganz in der Richtung jener Verleugnung der allgemeinen Menschheits-
grunb treten. Heber Die sogenannte Kulturmission des Nationalsozialismus, wie sie sich von Volk zu Volk zu erstrecken hat, vor allem in einem Staat, der nach den eigenen Angaben des Nationalsozialismus deutsch und christlich sein soll, lag stets ein sehr dichter Schleier. Man erlebte wohl und erlebt es täglich, daß her National- soziallsmus sich mit großem Eifer für das Kolonisierungsrecht der Völker einsetzt und in diesem Sinne auch die Freigabe der ehemaligen deutschen Kolonien fordert, aber über ein christliches Kultivierungswerk hörte man nichts. Es wurde vermieden, in diesen Dingen bestimmte Wege und
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Man fragt sich beim Lesen solcher Sätze, was größer sei: die Unkenntnis des Verfassers über katholische Dinge oder seine Eesinnungs- dekadenz, die durch die Sätze läuft. Hält man solche Veröffentlichungen den nationalsozialistischen Oberführern entgegen, so heißt es immer, das sind Entgleisungen Einzelner, damit haben wir nichts zu tun. Aber dieses Doppelspiel ist eine Gefahr und ein Aergernis für sich. Die „allgemeinen" Parolen sind soweit gefaßt und formuliert, daß der Einzelne immer treiben kann, was er will. Und wenn im Hauptteil einet Zeitung mit fetten Lettern der Kampf des Nationalsozialismus für das Christentum gepriesen wird, findet man an anderen Stellen, wo es auf die eigentliche Praxis ankommt, Enthüllungen schlimmster Art. Es ist schon so: Während die nationalsozialistischen „Wissenschaftler" in ihren Rasseforschungen nicht weiterkommen und die Dinge laufen lassen müssen, machen sich im Apparat der Partei jene Elemente breit, die die öffentliche Meinung mit wahnwitzigen Dingen belasten und die Volksauffassung bis ins Unerträgliche verderben.
ziele liegen.
Es handelt sich um den Brauch der katholischen Missionsgesellschaften, dem europäischen Laien, der von der Heimat aus an dem Missionierungswerk teilnehmen will, Gelegenheit zu geben, durch Zahlung eines bestimmten Betrages einen für Den katholischen Glauben gewonnenen Täufling loszukaufen, d. h. der Missionsgesellschaft einen Betrag zu überweisen, wofür diese die Ausstattung des Täuflings ufto. vornimmr. Jedem Ka- tholiken ist dieser Brauch unter der Bezeichnung des Ankaufes eines Heidenkindes von Kindheit an bekannt und jahrelange, mühsame Erfahrungen und Opfer sind überaus häufig mit diesem Missionswerk verbunden. Unter der Rubrik „Kul- turspiegel" und unter dem Kennwort „Neger- Patenkinder vermitteln Seelenheil" ist in dem genannten nationalsozialistischen Organ folgendes zu lesen: „Daß die weiße Rasse die schwarzen Mitmenschen nicht gerade entgegenkommend de- handelt, ändert nichts an der Tatsache, daß Neger- patenkinder in der glücklichen Lage sind, weißen Damen und Herren das Seelenheil zu vermitteln. Wäre dem nicht so, so würde gewiß nicht eine geschäftstüchtige Vereinigung von französischen Missionaren mit Werbeschriften an die Seffent« Achtelt treten, in denen für den Spottpreis von nur 30 Franken die Adoptierung eines „armen, schwarzen Kindes" angeboten und wärmstens empfohlen wird. Für denselben Pappenstiel kann man auch einen erwachsenen (sogar ausgewachsenen) Schwarzen adoptieren. Bezw. eine — Schwarze." Der Haß gegen das „Artfremde geht also hier so weit, daß weder zwischen einer im Dienst der Kultur stehenden französischen Gesellschaft und einer etwaigen Deuffchfemdlich- feit des französischen Staates unterschieden wird- noch zwischen der Negerrasse als „scheinbar völlig minderwertigem, nur als Kolonisationsobjekt zu gebrauchenden Volk und dem seelischen Wert seiner Menschen. Der „Kulturwille" des Nationalsozialismus wird zum Zynismus. Doch das Spiel geht noch weiter. „Menschenfreundlichen und kapitalkräftigen Franzosen", so heißt es, „wird ferner anheim gestellt, kohlschwarzen Jungfrauen zu einem christlich einwandfreien Haushalt zu verhelfe^ wenn 500 oder sogar 1000 Franken „Mitgift" gestellt werden. Das ist ein überaus lohnendes Geschäft, umso mehr, als die schwarzen Ehemänner ihre Frauen heute noch käuflich erwerben und die vorgestreckte Mitgift manchmal sogar zurück- Öen. Natürlich nicht an den edlen Spender, iern an die zuständige (Mission-) gesellschaft. Die Werbeschriften dieser Gesellschaft (Angabe des genauen Namens) beweisen wieder einmal daß Frankreich an der Spitze der sogenannten Zivilisation marschiert. Das Geschäft mit Negerkindern ist dem Volke der Fremdenlegion durchaus wär-
Die Rassetheorie des Nationalsozialismus hat neuerdings Früchte gezeitigt, die an Verblendung wohl nicht mehr Überboten werden können. Als im Jahre 1930 der Dresdener Schriftsteller Günther von Minister Frick als Professor der Rassekunde nach Jena berufen wurde, und seine Einführung in das dortige Universitätslehramt im Beisein Hitlers und unter einem großen Aufgebot von braunen Uniformen gegen den Willen der Wissenschaft stattfand, da war in den Augen der Nationalsozialisten sozusagen die erste „öffentliche Anerkennung" der Rassetheorie vollzogen. Wenngleich in der Folge nichts Bedeutendes und Bemerkenswertes von Jena ausging, und man niemals, obwohl jetzt zwei Jahre seit Errichtung des Lehrstuhles vergangen sind, etwas von einem Fortschritt der Günther'schen „Forschungen" gehört Hat, so wurde mittlerweile die Popularisierung des Rassegedankens um so stärker als Hauptaufgabe der Partei angesehen. An die Stelle der Wissenschaft ttat der nationalsozialistische Versammlungsredner und die nationalsozialistische Presse. Sie haben beide die öffentliche Meinung so verwirrt und irregeführt, daß in letzter Zeit gewisse rassekundliche „Spitzenleistungen" zu verzeichnen sind, die erkennen lassen, in welche Abgründe die Entwicklung führt. Der Professor Günther hat jahrelang geschwiegen; es stellt sich immer mehr heraus, daß seine Berufung (von seinen rein menschlichen Eigenschaften ist hier nicht die Rede) ein doppelter Fehlschlag gewesen ist, einmal in der Richtung, daß sein Lehrsystem der nötigsten Grundlagen entbehrt und allzuviel an das menschliche Gefühl statt an den Verstand apelliert und zum anderen Mal deshalb, weil seine Berufung im stärksten Maße dazu mißbraucht wurde, der leidenschaftlichen Parteiagitation in Rassefragen immer als Rückhalt zu dienen. Der Minister Frick berief auch noch einen anderen Mann, den nationalsozialistischen Pädagogen Schulze-Naumburg auf eine sehr verantwortungsvolle Stelle in Thüringen. Nach dem Sturze Fricks und dem Ausscheiden der Nationalsozialisten aus der Regierung wurde Schulze-Naumburg zwar von den übrigen Parteien fast geschlossen abgelehnt, so daß seine ministeriell erzwungene Führerrolle in Thüringen schon bald erschüttert war, aber man erfuhr weiterhin von ihm durch popularisierende Aussätze, die er veröffentlicht. Er ist einer der Kronzeugen im deutschen Nationalsozialismus und gilt als erster Sachverständiger in kulturellen Dingen. Auch seine ,,Wissenschaft" dient der parteiamtlichen Agitation als
Ach sein wollenden, hängt mit der fundamentalen Frage nach der Missionierung der Welt durch das Christentum zusammen. Dor wenigen Tagen schrieb der genannte Professor Schulze« Naumburg m einem Aufsatz über die künftige, nationalsozialistisch e Kulturpolitik: „Als Ausgang und Wurzel aller Kultur hat der Führer (Hitler) von jeher die Rasse bezeichnet. Er hat fast hellseherisch erkannt, daß es nie allgemeine „Mensch- heits"ziele geben kann, sondern daß die Sehnsucht eines jeden Menschen allein sich nach der besonderen Menschengruppe richtet, zu der er blutsverbunden gehört." Während das Christentum doch gerade von einer wohlgegründeten Eigen- kultur aus über die nationalen Grenzen hinweg
wohlerwünschtes Rückgrat.
Wir wissen nun, daß die bAttsmäßige und kulturelle Isolierung der deutsche übrigen Dölkerrassen eines der = _
Nationalsozialismus ist. Zur Bekräftigung dieser These dienen die mannigfachsten Parolen; die Verderblichkeit der fremdrassigen Gifte steht immer tm Vordergrund. Insofern es sich bei diesem Kampf um die Fernhaltung von wirklichem Verderblichem handelt, daß die deutsche Kultur und Sitte schädlich treffen kann, ist die kulturelle Isolierung einer Rasse nichts Neues und zutiefst begründet in den Forderungen der christlichen Kultur. Doch darum geht es hier nicht. Hier bet der Frage nach dem Verhältnis eines Volkes zum anderen tritt uns viekmehr Die ganze gefährliche Kluft zwischen Nationalsozialismus und christlicher Kultur entgegen. Die übermäßige Betonung des Blutsmäßigen ließ in Der Vergangenheit das rein kulturelle Moment sehr stark in den Hinter-
zösischen Abkommens nicht sehr hoch ein, d. h., man will natürlich erst noch den Wortlaut genau prüfen. Es scheint da sogar ein gewisser Stolz auf unsere „splendid isola- tion" spürbar zu sein, der beinahe an den alten Berliner Grundsatz „uns kann keener", nämlich gegen unseren Willen zum Zahlen bringen, erinnert. Wir wissen nicht, ob dieser Opportunismus gerechtfertigt ist. Wenn man auch Frankreichs Freude über die erreichten Abkommen mit Recht als zu sehr prononziert und aufgebauscht ansehen mag, so darf man auf der anderen Seite nicht die Rückwirkungen auf die Abrüstungskonferenz vergessen.
Die Lage in Genf wird mit jedem Tage verfahrener und verworrener. Mit Ausnahme der Delegationsspezialisten werden sich selbst Berufsdiplomaten schwerlich in dem Wirrwarr von Anträgen, Denkschriften und Aus
schußprotokollen zurechtfinden. Inzwischen scheint eine von uns hier bereits schon ausgesprochene Vermutung sich in den nächsten Tagen zu verwirklichen. Das Reichskabinett hatte sich in einer seiner ersten Sitzungen nach der Rückkehr von Lausanne mit der Abrüstungskonferenz eingehend befaßt. Entsprechend einer heutigen amtlichen Nachricht aus Genf wird auf den Druck der deutschen Regierung hin noch versucht, vor der Vertagung mit einer öffentlichen deutschen Erklärung, d. h. der Forderung nach Gleichberechtigung hervorzutreten. Es ist als wahrscheinlich anzusehen, daß unsere Delegation nicht gegen die Vertagung stimmen wird und
sich der Stimme enthält, wenn als erster Punkt auf die Tagesordnung nach der Vertagung die Behandlung der deutschen Gleichberechtigung tritt.