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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stabt Julda und den Landkreis Juida. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 163

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im SBilö* undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldoer Actiendruckeret in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: keitung 3153, Fuldaer Actiendruckerel 3151 und 3152. ::

Sonntag, 17. Juli 1932.

Monatlich 1.65 einschließl. Postgebühr (48 Psg.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile <Col.) lokal 0.15 RM auswärts 0 20RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postfcheckk Frankfurt a. M 4051.

3o6tg. SS.

Gegen jede Kasten- und Parkel-Herrschast.

Das Berliner Zentrum tritt in den Wahlkampf ein.

DI« Berliner Zentrumspartei begann den Wahlkampf mit einer großen Arbeiter- kündgebung im Lehrervereinshause. Als erster Redner sprach der Landtagsabgeordnete Seit er bau s über deutsche Freiheit in der Der. gangenheit und Zukunft. Man werde nicht ru­hen, erklärte er, bis Brüning wieder die Führung der Regierung übernehme. Herr v. Papen sei nur eine Figur in der Hand eines Stärkeren. Man verlange, daß der Kanzler ehrlich sage, was seine setzten Absichten seien. Das Zentrum sei gegen jede Diktatur einer Klassen-, Kasten- oder Parteiherrschaft. Es sei für den christlichen, nationalen, den sozialen und den Frei­heitsstaat.

Dier Versammlung beschloß, ein Tele­gramm an den Reichspräsidenten ass dem verfassungsmäßigem Garanten für Frei, beit und Recht mit der Bitte zu senden, den be­rufenen Instanzen in Reich und Ländern für die Wiederherstellung der staatsbürgerlichen Freiheit sowie die Sicherheit von Leben und Eigentum und Gesundheit der Bürger den Rücken zu stärken.

Unter dem stürmischen Beifall der Versamm­lung protestierte dann Abgeordneter Krone ge­gen die Behauptung Dr. Goebbels imAn­griff", der katholische Pfarrer in Bernau habe einem S. A -Mann noch im Sarg das braune Hemd ausziehen wollen. Die gesamte ka­tholische Bevölkerung Berlins stelle sich vor ihre Geistlichkeit. Wolle die nationalsozialistische Partei einen neuen Kultur­kampf, dann werde sie die deutschen und auch die Berliner Katholiken gerüstet finden. Die Reichsparteileitung des deutschen Zentrums habe bereits ein Protesttelegramm an den Reichspräsi­denten wegen dieses Artikels imAngriff" gerich­tet. Die Versammlung schloß unter stürmischen Rufen:Frei Volk!", dem Rufe der neuen Dolks- front.

27 Wahlvorschläge am 31. IrrU.

Nach Ablauf der vorgeschriebenen Frist wurden beim KreiswahI'leiter des Wahlkreises 19, Hessen-Nassau, nicht weniger als 27 Wahlvorschläge zur Reichstagswahl eingereicht:

1. Sozialdemokratische Partei Deutschlands, 2. Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, 3. Kommunistische Partei Deutschlands, 4. Deutsche Zentrumspartei, 5. Deutschnationale Volkspartei, 6. Deutsche Volkspartei, 7. Reichspartei des Deut­schen Mittelstandes (Wirtschastspartei), 8. Deut­sche Staatspartei, 9. Deutsches Landvolk (Christ- lich-Nationale Bauern- und Landvolkpartei), 10. Christlich-Sozialer Volksdienst, 11. Deutsch-Han­noversche Partei, 12. Sozialistische Arbeiterpar­tei Deutschlands, 13. Höchstgehalt 5 000 Mark, für die Arbeitslosen und bis jetzt abgewiesenen Kriegsbeschädigten, 14. Interessengemeinschaft der Kleinrentner und Inslationsgeschädigten, 15. Landwirte, Haus- und Erundbesitzer, 16. Arbei­ter- und Bauernpartei Deutschlans, 17. Christl.- radikale Volksfront, 18. Großdeutsche Liste Schma-

19. Nationalsozialistische Handwerker, Handel und Gewerbetreibende, 20. Nationalsozialistische Kleinrentner, Jnslationsgeschädigte und Vorkriegs­geldbesitzer, 21. Gerechtigkeitsbewegung für Par­teienverbot, gegen alle Gehalts- und Lohnkürzun­gen, für Arbeitsbeschaffung, 22. Freiwirtschaftliche Partei Deutschlands (Partei für krisenfreie Volks­wirtschaft), 23. Nationalsozialistischer enteigneter Mittelstand 24. Deutsche Reformpartei, 25. Kampf­gemeinschaft der Arbeiter und Bauern (Vol'ks- rechtspartei), 26. Radikaler Mittelstand, 27. Schick­salsgemeinschaft deutscher Erwerbsloser (Erwerbs­losenfront).

Die Erreichung dieser großen Zahl von Vor­schlägen ist nur ermöglicht durch die Vorschrift, daß ein Wahlvorschlag in einem Wahlkreis mit 20 Unterschriften bereits zulässig ist, wenn dieser Vorschlag in einem der 35 Wahlkreise 500 Un­terschriften erhält.

Wegmann an Strasser.

Eine Antwort, die sich gewaschen hat.

Reichstagsabgeordneter Wegmann (Ztr.), Mit­glied des Ueberwachungsausschusses des Reichs­tags, hat an den Vorsitzenden dieses Ausschusses, den nationalsozialistischeu Abg. Strasser, auf des­sen Ablehnung der Einberufung des Ausschusses mit folgendem Schreiben geantwortet:

Auf den von mir gemeinsam mit den Zen- trumsmitgliedern des Ausschusses zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung am 22. Ium ge­stellten Antrag auf Einberufung dieses Ausschusses haben Sie erst unterm 7. Juli, also erst nach 15 Tagen geantwortet. Es fällt mir schwer zu glauben, daß für diese Verzögerung sachliche Gründe maßgebend sind.

Für die Ablehnung meines Antrags geben Sie drei Gründe an. Einmal stellen Sie unter Berufung auf einen Vorgang nach der Auslösung des vorletzten Reichstags fest, daß der lieber- wachungsausschuß nicht zuständig sei, Notverord­nungen des Herrn Reichspräsidenten aufzuheben oder für verfassungswidrig zu erklären. Sie haben dabei übersehen, daß in dem von mir gestellten Antrag ein derartiges Begehren überhaupt nicht zu finden ist. Daß aber die Notverordnungen des Herrn Reichspräsidenten vom 14. Juni 1932 der Volksvertretung und das ist der Ueber- wachungsausschuß nach der Auflösung des Reichs­tags Anlaß zur Besprechung und zur Beschluß­fassung bieten, können gerade Sie als Mitglied einer Fraktion am allerwenigsten in Abrede neh­men, die in den verflossenen 2 Jahren nach jeder

Notverordnung die Einberufung der Volksver­tretung stürmisch gefordert hat.

Zum andern erklären Sie, Sie seien prinzipiell der Meinung, daß das deutsche Volk nicht mehr der aufgelöste Reichstag oder ein Ausschuß dieses nicht mehr existierenden Reichstags interessiere, sondern einzig und allein nur noch Zusammen- setzung und Leistung des am 31. Juli zu wählenden Reichstags. Dazu bemerke ich, daß es bei der Behandlung des von mir gestellten Antrags nicht darauf ankommt, welche Meinung Sie über etwaige Interessen des deutschen Volkes ha­ben, sondern allein daraus, welche Pflichten Sie als Ausschuß-Vorsitzender bei Annahme dieses Amtes übernommen haben. Nach meiner lieber« zeugung verletzen Sie diese Pflichten, wenn Sie durch Nichtbeachtung des von einer Mehrheit gestellten Antrags auf Einberufung den aus­drücklich in der Verfassung vorgesehenen Aus- schuß zu einer Farce machen.

Endlich führen Sie zur Begründung Ihrer ablehnenden Stellungnahme an, dieser Reichstags­wahlkampf sei für die Existenz einer Reihe von bisherigen Regierungsparteien ausschlaggebend; infolgedessen müsse jeder Abgeordnete dieser Par­teien das Recht und die Möglichkeit haben, zur Verteidigung seiner bedrohten Stellung ungehindert Tag und Nacht tm Wahlkampf tätig zu sein. Diese Ihre Bemerkung ist ironisch gemeint; Sie selbst werden nicht beanspruchen, daß sie von mir als sachliche Begründung Ihrer Ablehnung angesehen wird. Wenn Sie in diesem Zusammen­hang von einemth eorerisch en Parlaver int Ausschuß" sprechen, so liegt darin entweder eine Mißachtung des Ausschusses, dessen Vor fitzender gerade Sie find und des­sen Ansehen zu wahren Ihre Pflicht i st, o der eine Reminiszenz an die Rolle, die Ihre Freu n d e bei früherer Gelegenheit in diesem Ausschuß gespielt haben. Die Ansicht, der Ueberwachungsausschuß habe ledig­lich die Aufgabe, Derfassungsverletzungen zu ver­hindern, ist rechtsirrig; sie findet im Wortlaut und mt Sinn des Art. 35 Abs. 2 der Verfassung keinerlei Stütze.

Ein Durchschlag dieses Schreibens geht dem Herrn Reichstagspräsibenten zu."

Sitzung des Reichskabinetts.

cnb. Berlin, 16. Juli. (Eig. Meld.) Das Reichs- kabinett ist heute vormittag 11 Uhr zu einer Sitzung zusammengetreten, nachdem auch Reichs­kanzler von Papen heute früh aus Neudeck tn Berlin wieder eingetroffen ist. Gegenstand der Beratungen sind vorwiegend innerpolitische Fragen, wie sie in bezug auf die Rund- funkorganisation, den Freiwilligen Arbeitsdienst ufto. in den letzten Tagen ventiliert wurden.

wtb. Berlin, 16. Juli. (Eig. Meld.) Das Reichskabinett hat in der heutigen Sitzung beschlossen, dem Herrn Reichspräsidenten eine Ver­ordnung über die Ausdehnung der Ost- h ematznahme n auf die östlichen Gebiete Bayerns in Vorschlag zu bringen.

Deutschland nach Lausanne.

Man erwartete nach der Konferenz von Lau­sanne als wertvollste Auswirkung die Wieder­kehr des internationalen Vertrauens zur Sicher- heit des Welffriedens. Dieser entscheidende Grund für den Abschluß dieses Vertrages ist längst hin­fällig geworden durch die geheimnisvollen Ab­kommen, die plötzlich nachher auftauchen. Man horte von zuständiger Seite eine neue Erklärung, bic durch die veröffentlichten sechs Dokumente des englischen Weißbuches bestätigt werden. Die be­rühmte Frage von Papen's an den Präsidenten der Konferenz, was denn un Falle einer Nicht- ratifizierung geschähe, war also in einer Vor­besprechung schon festgelegt worden. Dies unter­stützt natürlich wesentlich, trotzdem in der Antwort Mac Donald's keine Rede von einer Streichung des Poungplanes war, die 'deutsche Auffassung, wonach un Falle einer Nichtratifizierung ein neuer Rechtszustand geschaffen wird und nicht der Poungplan m Kraft trete. Da wir aber aus der Erfahrung von 12 Jahren wissen, wie sehr die Franzosen sich an die juristischen Formulierungen un Abkommen halten, und den gedruckten Ver­trägen gegenüber gern mündliche Aeußerungen und Versprechen übergehen, muß hier folgendes festgestellt werden.

Nehmen wir an, eine Macht ratifiziert nicht. Dann steht aber das eine fest, daß, wenn Deutschland auch seine Zahlungen nichterfüllen kann, doch die übrigen Bindun­gen durch den Doungplan bei der Reichsbahn und der Reichsbank durchaus bestehen bleiben. In der Praxis sind wir also im Falle einer Nichtratifizierung doch an schwerwiegende Doungplanlasten gebunden, die die deutsche Regierung schwerlich als aufgehoben erklä­ren könnte.

Infolge der Klausel des Gentlement's Agreement ma­chen England und Frankreich ihre Ratifizierung von der amerikanischen Schulden st rei- chung abhängig. Ein solches amerikanisches Entgegen­kommen ist aber kaum vor den Präsidentschasts- und den Repräsentantenhauswahlen möglich. Es ist wahrschein­lich, daß man zuerst Deutschland ratifizieren las­sen will. England und Frankreich werden schwerlich zusammen Amerika gegenüber vorgehen. Vielmehr hat sich England, wie wir hören, durchaus freie Hand Vor­behalten, weil es viel eher dank seiner bisherigen gro­ßen Zinsleistungen eine Streichung seiner Schulden durch Amerika zu erwarten hat als Frankreich. In der Wilhelmstraße schätzt man den Wert des englisch-sran,

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rlsozialismus wartet, denn die Kultur- s Volkes, in diesem Falle eines christ-

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Rassekundliche Spitzenleistungen.

Don unserem Dr. A. Mitarbeiter.

Ziele anzugeben. Vielleicht war man sich bewußt, daß hier in der Tat eines der heikelsten Probleme des National' '

zu anderen Völkern vordringt, um int wahrsten Sinne des Wortes seine höchste Aufgabe zu er­füllen: Menschheitsziele zu verfolgen, so erfahren wir hier in eindeutigster Weise, daß es für den Nationalsozialismus diese Ziele nicht gibt. Es bleibt nur Raum zum Kolonisieren un Sinne eine5 geschäftlichen Unternehmens nach dem Muster anderer Staaten, aber die wahrhafte Kultivie­rung der Welt erhält geradezu eine krasse Ab­lehnung. Doch diese Erläuterungen des national­sozialistischen Pädagogen sind tn gewissem Sinne noch harmlos int Vergleich zu Auslassungen, die ebenfalls vor wenigen Tagen das nationalsozia­listische, sächsische Organ, eines der Hauptorgane Deutschlands, in der Frage der Kulturmission.-- und zwar mit Bezug auf gewisse Methoden katho­lischer Missionsgesellschaften machte. Man darf sie der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten, sie zeigen einen solchen Tiefgang der Gesinnung, daß sie auch nicht mehr das Geringste mit dem Christen­tum zu tun haben und ganz in der Richtung jener Verleugnung der allgemeinen Menschheits-

grunb treten. Heber Die sogenannte Kulturmission des Nationalsozialismus, wie sie sich von Volk zu Volk zu erstrecken hat, vor allem in einem Staat, der nach den eigenen Angaben des Na­tionalsozialismus deutsch und christlich sein soll, lag stets ein sehr dichter Schleier. Man erlebte wohl und erlebt es täglich, daß her National- soziallsmus sich mit großem Eifer für das Koloni­sierungsrecht der Völker einsetzt und in diesem Sinne auch die Freigabe der ehemaligen deutschen Kolonien fordert, aber über ein christliches Kulti­vierungswerk hörte man nichts. Es wurde ver­mieden, in diesen Dingen bestimmte Wege und

big,"

Man fragt sich beim Lesen solcher Sätze, was größer sei: die Unkenntnis des Verfassers über katholische Dinge oder seine Eesinnungs- dekadenz, die durch die Sätze läuft. Hält man solche Veröffentlichungen den nationalsozialistischen Oberführern entgegen, so heißt es immer, das sind Entgleisungen Einzelner, damit haben wir nichts zu tun. Aber dieses Doppelspiel ist eine Gefahr und ein Aergernis für sich. Dieall­gemeinen" Parolen sind soweit gefaßt und for­muliert, daß der Einzelne immer treiben kann, was er will. Und wenn im Hauptteil einet Zeitung mit fetten Lettern der Kampf des Na­tionalsozialismus für das Christentum gepriesen wird, findet man an anderen Stellen, wo es auf die eigentliche Praxis ankommt, Enthüllungen schlimmster Art. Es ist schon so: Während die nationalsozialistischenWissenschaftler" in ihren Rasseforschungen nicht weiterkommen und die Dinge laufen lassen müssen, machen sich im Appa­rat der Partei jene Elemente breit, die die öffentliche Meinung mit wahnwitzigen Dingen belasten und die Volksauffassung bis ins Uner­trägliche verderben.

ziele liegen.

Es handelt sich um den Brauch der katholischen Missionsgesellschaften, dem europäischen Laien, der von der Heimat aus an dem Missionierungswerk teilnehmen will, Gelegenheit zu geben, durch Zah­lung eines bestimmten Betrages einen für Den katholischen Glauben gewonnenen Täufling los­zukaufen, d. h. der Missionsgesellschaft einen Betrag zu überweisen, wofür diese die Ausstat­tung des Täuflings ufto. vornimmr. Jedem Ka- tholiken ist dieser Brauch unter der Bezeichnung des Ankaufes eines Heidenkindes von Kindheit an bekannt und jahrelange, mühsame Erfahrun­gen und Opfer sind überaus häufig mit diesem Missionswerk verbunden. Unter der RubrikKul- turspiegel" und unter dem KennwortNeger- Patenkinder vermitteln Seelenheil" ist in dem genannten nationalsozialistischen Organ folgendes zu lesen:Daß die weiße Rasse die schwarzen Mitmenschen nicht gerade entgegenkommend de- handelt, ändert nichts an der Tatsache, daß Neger- patenkinder in der glücklichen Lage sind, weißen Damen und Herren das Seelenheil zu vermit­teln. Wäre dem nicht so, so würde gewiß nicht eine geschäftstüchtige Vereinigung von französischen Missionaren mit Werbeschriften an die Seffent« Achtelt treten, in denen für den Spottpreis von nur 30 Franken die Adoptierung einesarmen, schwarzen Kindes" angeboten und wärmstens emp­fohlen wird. Für denselben Pappenstiel kann man auch einen erwachsenen (sogar ausgewach­senen) Schwarzen adoptieren. Bezw. eine Schwarze." Der Haß gegen dasArtfremde geht also hier so weit, daß weder zwischen einer im Dienst der Kultur stehenden französischen Gesellschaft und einer etwaigen Deuffchfemdlich- feit des französischen Staates unterschieden wird- noch zwischen der Negerrasse alsscheinbar völlig minderwertigem, nur als Kolonisationsobjekt zu gebrauchenden Volk und dem seelischen Wert seiner Menschen. DerKulturwille" des Nationalsozia­lismus wird zum Zynismus. Doch das Spiel geht noch weiter.Menschenfreundlichen und kapital­kräftigen Franzosen", so heißt es,wird ferner anheim gestellt, kohlschwarzen Jungfrauen zu einem christlich einwandfreien Haushalt zu verhelfe^ wenn 500 oder sogar 1000 FrankenMitgift" gestellt werden. Das ist ein überaus lohnendes Geschäft, umso mehr, als die schwarzen Ehemänner ihre Frauen heute noch käuflich erwerben und die vorgestreckte Mitgift manchmal sogar zurück- Öen. Natürlich nicht an den edlen Spender, iern an die zuständige (Mission-) gesellschaft. Die Werbeschriften dieser Gesellschaft (Angabe des genauen Namens) beweisen wieder einmal daß Frankreich an der Spitze der sogenannten Zivili­sation marschiert. Das Geschäft mit Negerkindern ist dem Volke der Fremdenlegion durchaus wär-

Die Rassetheorie des Nationalsozialismus hat neuerdings Früchte gezeitigt, die an Verblendung wohl nicht mehr Überboten werden können. Als im Jahre 1930 der Dresdener Schriftsteller Günther von Minister Frick als Professor der Rassekunde nach Jena berufen wurde, und seine Einführung in das dortige Universitätslehramt im Beisein Hitlers und unter einem großen Auf­gebot von braunen Uniformen gegen den Willen der Wissenschaft stattfand, da war in den Augen der Nationalsozialisten sozusagen die ersteöffent­liche Anerkennung" der Rassetheorie vollzogen. Wenngleich in der Folge nichts Bedeutendes und Bemerkenswertes von Jena ausging, und man niemals, obwohl jetzt zwei Jahre seit Errichtung des Lehrstuhles vergangen sind, etwas von einem Fortschritt der Günther'schenForschungen" gehört Hat, so wurde mittlerweile die Popularisierung des Rassegedankens um so stärker als Hauptauf­gabe der Partei angesehen. An die Stelle der Wissenschaft ttat der nationalsozialistische Ver­sammlungsredner und die nationalsozialistische Presse. Sie haben beide die öffentliche Meinung so verwirrt und irregeführt, daß in letzter Zeit gewisse rassekundlicheSpitzenleistungen" zu ver­zeichnen sind, die erkennen lassen, in welche Ab­gründe die Entwicklung führt. Der Professor Günther hat jahrelang geschwiegen; es stellt sich immer mehr heraus, daß seine Berufung (von seinen rein menschlichen Eigenschaften ist hier nicht die Rede) ein doppelter Fehlschlag gewesen ist, einmal in der Richtung, daß sein Lehrsystem der nötigsten Grundlagen entbehrt und allzuviel an das menschliche Gefühl statt an den Verstand apelliert und zum anderen Mal deshalb, weil seine Berufung im stärksten Maße dazu mißbraucht wurde, der leidenschaftlichen Parteiagitation in Rassefragen immer als Rückhalt zu dienen. Der Minister Frick berief auch noch einen anderen Mann, den nationalsozialistischen Pädagogen Schulze-Naumburg auf eine sehr verantwortungs­volle Stelle in Thüringen. Nach dem Sturze Fricks und dem Ausscheiden der Nationalsoziali­sten aus der Regierung wurde Schulze-Naumburg zwar von den übrigen Parteien fast geschlossen abgelehnt, so daß seine ministeriell erzwungene Führerrolle in Thüringen schon bald erschüttert war, aber man erfuhr weiterhin von ihm durch popularisierende Aussätze, die er veröffentlicht. Er ist einer der Kronzeugen im deutschen Natio­nalsozialismus und gilt als erster Sachverstän­diger in kulturellen Dingen. Auch seine ,,Wissen­schaft" dient der parteiamtlichen Agitation als

Ach sein wollenden, hängt mit der fundamentalen Frage nach der Missionierung der Welt durch das Christentum zusammen. Dor wenigen Tagen schrieb der genannte Professor Schulze« Naumburg m einem Aufsatz über die künftige, nationalsozialistisch e Kulturpolitik:Als Ausgang und Wurzel aller Kultur hat der Führer (Hitler) von jeher die Rasse bezeichnet. Er hat fast hell­seherisch erkannt, daß es nie allgemeineMensch- heits"ziele geben kann, sondern daß die Sehnsucht eines jeden Menschen allein sich nach der be­sonderen Menschengruppe richtet, zu der er bluts­verbunden gehört." Während das Christentum doch gerade von einer wohlgegründeten Eigen- kultur aus über die nationalen Grenzen hinweg

wohlerwünschtes Rückgrat.

Wir wissen nun, daß die bAttsmäßige und kulturelle Isolierung der deutsche übrigen Dölkerrassen eines der = _

Nationalsozialismus ist. Zur Bekräftigung dieser These dienen die mannigfachsten Parolen; die Verderblichkeit der fremdrassigen Gifte steht immer tm Vordergrund. Insofern es sich bei diesem Kampf um die Fernhaltung von wirklichem Ver­derblichem handelt, daß die deutsche Kultur und Sitte schädlich treffen kann, ist die kulturelle Isolierung einer Rasse nichts Neues und zutiefst begründet in den Forderungen der christlichen Kultur. Doch darum geht es hier nicht. Hier bet der Frage nach dem Verhältnis eines Volkes zum anderen tritt uns viekmehr Die ganze gefähr­liche Kluft zwischen Nationalsozialismus und christ­licher Kultur entgegen. Die übermäßige Betonung des Blutsmäßigen ließ in Der Vergangenheit das rein kulturelle Moment sehr stark in den Hinter-

zösischen Abkommens nicht sehr hoch ein, d. h., man will natürlich erst noch den Wortlaut genau prüfen. Es scheint da sogar ein gewisser Stolz auf unseresplendid isola- tion" spürbar zu sein, der beinahe an den alten Berliner Grundsatzuns kann keener", nämlich gegen unseren Willen zum Zahlen bringen, erinnert. Wir wissen nicht, ob dieser Opportunismus gerechtfertigt ist. Wenn man auch Frankreichs Freude über die erreichten Abkommen mit Recht als zu sehr prononziert und aufgebauscht an­sehen mag, so darf man auf der anderen Seite nicht die Rückwirkungen auf die Abrüstungskonferenz vergessen.

Die Lage in Genf wird mit jedem Tage verfahrener und verworrener. Mit Ausnahme der Delegationsspe­zialisten werden sich selbst Berufsdiplomaten schwerlich in dem Wirrwarr von Anträgen, Denkschriften und Aus­

schußprotokollen zurechtfinden. Inzwischen scheint eine von uns hier bereits schon ausgesprochene Vermutung sich in den nächsten Tagen zu verwirklichen. Das Reichs­kabinett hatte sich in einer seiner ersten Sitzungen nach der Rückkehr von Lausanne mit der Abrüstungskonferenz eingehend befaßt. Entsprechend einer heutigen amtli­chen Nachricht aus Genf wird auf den Druck der deut­schen Regierung hin noch versucht, vor der Vertagung mit einer öffentlichen deutschen Erklärung, d. h. der For­derung nach Gleichberechtigung hervorzutreten. Es ist als wahrscheinlich anzusehen, daß unsere Delegation nicht gegen die Vertagung stimmen wird und

sich der Stimme enthält, wenn als erster Punkt auf die Tagesordnung nach der Vertagung die Behandlung der deutschen Gleichberechtigung tritt.