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FuldaerZertung

Anzeiger für die Skadk Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

irr. 161

Erscheint sechsmal wöchenklich. Wochenbeilagen:Die Well tm Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift. :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

Freitag. 15. Juli 1932.

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Zahrg. 59.

Samstag

Wie das die 93er»

Reichsarbeitsminister Dr. Goerdeler am im Rundfunk sprechen.

Der Landtag von Mecklenburg - S t r e l i tz be­gann mit den Etatsberatungen. Bei Behandlung eines nationalsozialistischen Antrages auf Herab­setzung der höheren Beamtengehäl-i ter um 5 bis 10 Prozent kam es zu einer Spaltung der beidenRegierungspar. t e i e n. Für den Antrag stimmten die Ratio« n a l s o z i a l i st e n und Kommuni st en, wäh. rend sich die Deutschnationalen mit den Sozialdemokraten gegen die Beamtenge­haltskürzungen aussprachen. Der Antrag wurde abgelehnt. Die deutschnationale und die national­sozialistische Fraktion haben einen Gesetzentwurf eingebracht, der das Schächten verbietet, alle Schlachttiere sollen vor dem Blutentzug be­täubt werden. Die Antragsteller verfügen über die absolute Mehrheit.

lichen Erwerbslosen ein, ausgebaut auf absoluter Freiwilligkeit.

länder für einen späteren wichtigeren Punkt zu be­wahren wünscht.

DerWahlkampf ist in vollem (Sang Zusammenwirken des Zentrums und der Bayerischen Dolfs* Partei. Goebbels reitet heftige Attacken gegen die Regierung von Popen. Oentfchnationale sagen: es sind Schein-Angriffe.

* Eine kommunistische Geheimdruckerei aus- gehoden. In einem Garten in Obergiesing bet München wurde eine kommunistische Geheim- druckere, ausgehoben, in der vorzugsweise kom­munistische Zersetzungsschriften zur Beeinflussung der Reichswehr urtb der Polizei hergestellt wurden. Vier Personen sind verhaftet worden.

Die englische Regierung hat die erste Zollver- ordnung gegen Irland erlassen.

In der Mittwochsitzung des Ständigen Inter­nationalen Gerichtshofes wurde die Behand­lung der Memelklage beendet und das öffentliche Verfahren des Gerichts in dieser Klage endgültig abgeschlossen.

Der bayerische Ministerpräsident D r. Held wird, wie verlautet, auf Einladung der Kölner Zentrumspartei am Mittwoch, 27. ds. Mts., bei der letzten großen Wahlkunüge- bung des Zentrums in der Rhein­land h a l l e sprechen und dort die Hauptrede halten. Diese Kundgebung soll die innerpoli- rische Einheitsfront von Zentrum und Bayerischer Volkspartei im Reichs- tagswahlkampf zum Ausdruck bringen.

* Die Ursache der französischen U-Bootskata- strophe. In dem offiziellen Bericht über den Un­tergang des französischen UnterseebootesPro- methee", den das Marineministerium herausgibt, wrrd als Ursache des Unglücks übereinstimmend ein rasches allgemeines Oesfnen 'der Luftklappen angenommen, die durch irgend ein zufälliges Funktionieren der Hebelvorrichtun­gen hervorgerusen sein dürfte. Diese zufällige Be­tätigung der Hebel dürfte sich in dem Augenblick ereignet haben, als das Boot gerade den Elektro­motor abstellte und den Dieselmotor in Betrieb nehmen wollte.

*

Reichspräsident v. Hindenburg hielt vor Schulkindern und Sportvereinen, die anläß­lich der 12jährigen Wiederkehr der Abstimmung in Masuren und Westpreußen einen Fackelzug veran­stalteten, eine Ansprache, in der er die Jugend zur Einigkeit und Treue zum Vaterlande ermahnte.

Zur Abrüstungs-Konferenz.

In der Sitzung des Reichskabinetts am Mitt­woch hat man sich nicht nur über den freiwilligen Arbeitsdienst, sondern, wie wir erfahren, auch über die Lage auf der Abrüstungskon- ferenz in Genf unterhalten. Es soll unter allen Umständen versucht werden, die deutschen Forderungen nach G lei chib e r e chtig un g in den jetzt zur Debatte stehenden englischen Entwurf hineinzubringen. Hierbei ist eine große Schwie­rigkeit zu überwinden. Man rechnet mit Bestimmt­heit damit daß Macdonald bei der Wiedereröff­nung der Abrüstungskonferenz in ihrem entschei­denden Stadium die deutsche Forderung nach GleichbereMigung wirksam unterstützt. Man be­zieht sich dabei auf gewisse Versprechungen von Lausanne und auf deutliche Anklänge daran m der Rede des englilchen Ministerpräsidenten vor dem Unterhause. Die deutsche Delegation in Gmf hat nun taktisch einen schweren Stand, weil die Herausarbeitung der deutschen Forderung jetzt schon in mancher Hinsicht die englische Taktik stö­ren würde und man sich das Wohlwollen der Cna-

w

Das engere Präsidium Ser Abrü­stungskonferenz hielt am Msttwochnachmit- tag eine streng geheime Sitzung ab, in der of­fenbar weittragende Beschlüsse gefaßt wurden.

Deutschland und hie Entente corhiale.

ERB. Berlin, 14. Juli. (Eig. Meld.) Der Text des englisch-französischen Vertrauensabkom­mens (siehe an anderer Stelle des Blattes) ist, wie schon angekündigt wurde, dem deutschen Geschäfts­träger in London übermittelt worden, zusammen mit der Aufforderung an Deutschland, dem Abkom­men beizutreten. Eine endgültige amt­liche Stellungnahme Deutschlands zu dem Abkommen wird erst möglich sein, wenn der genaue Wortlaut den Berliner amtlichen Stel­len vorliegt. In hiesigen politischen Kreisen wird davor gewarnt, schon vorher übereilt mit dem Ab­kommen Fühlung zu nehmen, solange noch nicht im einzelnen zu übersehen ist, was darunter steckt. Es bat den Anschein, daß England den ganzen poli­tischen Fragenkomplex, der bereits in Lausanne eine Rolle gespielt hat, auf eine breitereBasis stellen will. Eigenartig muß die Haltung Frankreichs be­rühren, das sich in Lausanne in sehr scharfer Form gegen die Erörterung der politischen Fragen ge­wandt hat, bis jetzt bas Vertrauensabkommen vorliegt. _______________________

einig geworden sei. Das liege durchaus im Zugs der Politik, die er schon 1918 befürwortet habe.

*

Der Abgeordnete Dr. Goebbels hielt im Elber­felder Stadion eine Rede, in der er u. a. f ch w e r e Angriffe gegen die Regierung von P a p e n r i ch t e t e. Die Nationalsozialisten, so führte der Redner aus, hätten mit dem Sturz der Regierung Brüning zugleich den Sturz des Systems erwartet. Es habe sich aber nun ergeben, daß ledig­lich eine Regierung die andere abgelöst habe. In­nenpolitisch seien die Brüningschen Methoden fort­gesetzt worden. Der Reichsinnenminister habe zwar der SA ihr Braunhemd wieder gege­ben, doch sei sie gleichzeitig zumFreiwild für den Linksterror" gemacht worden. Außen­politisch bedeute das Lausanner Abkommen nach Ansicht der Nationalsozialisten neue Lasten, so daß auch da dem Kabinett v. Papen eine Unterstützung versagt werden müsse.

Goebbels möchte in den Augen der Wähler mög­lichst von Papen-Schleicher-Gayl abrücken. Aber es gelingt ihm nicht, lieber eine deutschnationale Versammlung in Berlin, in der Hauptmann Schmitt, der Vertrauensmann Hugenbergs, ge­sprochen hat, berichtetDer Tag" folgendes: Haupt­mann Schmitt (Hannover) beschäftigte sich ausführ­lich mit der n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch en Par» t e i und erklärte, sie stehe auf Grund besonderer Abmachungen der Regierung Papen erheblich nä­her, als die Deutschnationalen, denn sie habe d i e- ser Regierung Tolerierungen zuge- sa g t und dafür die Aufhebung des Uniformver- botes und die Auflösung des Reichstages erhalten. Schmitt sagte dabei wörtlich: ,Zch fordere die Führung der NSDAP, hierdurch auf, den Gegen­beweis hierfür anzutreten." Diesen Gegenbeweis wird die nationalsozialistische Führung nicht an­treten können. Die Scheingefechte der national­sozialistischen Gruppe gegen die Regierung Schlei- cher-Papen sind nach diesem neuen Beweis für den innigen Zusammenhang zwischen Nationalso­zialisten und Reichskabinett nichts anderes als Spiegelfechtereien.'

Aus Mecklenburg.

Der Mecklenburgische Landtag in Schwerin wählte am Sonntag sein Präsidium sowie den Ministerpräsidenten und den zweiten Aaatsmini- ster. Das gesamte Präsidium sowie der Ministerpräsident gehören der NSDAP, an. Der neue Ministerpräsident hielt eine große Pro­grammrede.

Die Kommunistische Partei veranstaltete am Dienstagabend in Wuppertal einenAntifa­schistischen Kampftag". Der Parteivorsitzende der KPD., Reichstagsabgeordneter Thälmann, sprach am Abend vor etwa 40 000 Menschen. Thäl­mann wandte sich scharf gegen die jetzige Reichs­regierung, gegen die Nationalsozialisten, denen ein Kampf bis aufs Messer geliefert werde und setzte sich auch mit den Sozialdemokraten auseinander. Anmarsch und Kundgebung verliefen ohne jeden Zwischenfall. Während der Kundgebung stürzte ein Mann aus Solingen vom Hitzschlag getroffen tot zusammen.

Ein Propagandaflug Hitlers.

ERB. München, 14. Juli. (Eig. MelSg.)'. Wie derVölkische Beobachter" ankündigt, wird Adolf Hitler morgen im Flugzeug eine Reise durch ganz Deutschland antreten. Er wird in den beiden kom­menden Wochen mehr als 50 mal in Wahlver­sammlungen sprechen.

Letzte Nachricht.

Präsident Syrup Reichskommissar.

ERB. Berlin, 14. Juli. (Eig. Meld.) Wie mir erfahren, wird die gestern vom Reichskabinett be­schlossene Verordnung über den Arbeitsdienst am Samstag veröffentlicht werden. Es steht nunmehr fest, daß der Präsident der Reichsanstalt für Ar­beitsvermittlung, Dr. Syrup, zum Reichskommissar für den Arbeitsdienst ernannt wird. Der Aufbau der Organisation gliedert sich weiter über die Prä­sidenten der Landesarbeitsämter. Sobald Anfang der nächsten Woche auch die Ausführungsbestim­mungen des Reichsarbeitsministers ergangen sind, wird der neue Reichskommissar die Präsidenten der Landesarbeitsämter zusammenberufen, um mit ihnen die Verwirklichung des Arbeitsdienstes zu be­sprechen, damit noch in diesem Monat praktisch an ihn herangegangen werden kann.. Diese Art des verwaltungsmäßigen Aufbaus ist auch mit Rück­sicht auf die notwendige Sparsamkeit gewählt wor­den, da sowohl Präsident Syrup als auch die Präsi­denten der Landesarbeitsämter die neuen Funktio­nen vollkommen ehrenamtlich ausüben sollen. In unterrichteten Kreisen schätzt man die Zahl der Leute, die auf Grund der vorhandenen Mittel für das laufende Jahr in den Arbeitsdienst unterge­bracht werden können, jetzt auf rund 12 0 000 bis 130 000. lieber die Einzelheiten wird

Sozialdemokratischer Protest.

ERB. Berlin, 14. Juli. (Eig. Meld.) Der Vor­stand der sozialdemokratischen Partei hat an den Reichspräsidenten ein von Wels, als dem Vorsitzen, den der Partei, und von Breitscheid, als dem Vor­sitzenden der bisherigen sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, unterzeichnetes Telegramm ge­richtet, in dem schärfster Protest gegen die Politik der Reichsregierung erhoben wird, durch die durch die Aufhebung des S. A.-Derbots und die Freigabe ihrer Uniformen bürgerkriegsähnliche Zustände in ganz Deutschland ausgelöst worden seien". Es wird auf die täglich wachsende Zahl von Toten und Verletzten, auf die Herabdrückung der Existenzbedingungen für Millionen und auf die Verwilderung der politischen Sitten hingewie- sen, und es werden Besorgnisse in bezug auf die Erhaltung der Reicheinheit und der Staatsauto- rität geäußert, die von einer Durchkreuzung der Maßnahmen verfassungstreuer Länderregierungen ausgehen könnten, die sich um die Aufrechterhal­tung von Ruhe und Ordnung bemühten. Das Te­legramm schließt mit einer Mahnung in letzter Stunde zu grundsätzlicher Umkehr.

vdz. Berlin, 14. Juli. (Eig. Meld.) Nachrichtenbüro des VDZ. hört, wird orbnung des Reich sarbeitsministers über den Ar­beitsdienst am Freitag dem Reichsrat zur Kenntnis zugeleitet werden. Die Ausschüsse des Reich srats haben für Samstagvormittag eine Sitzung zur Beratung der Vorlage anberaumt, in der vielleicht noch dieser oder jener Wunsch ge­äußert wird. Die Regierung ist aber an diese Reichsratsberatungen nicht gebunden, da die Ver­ordnung dem Reichsrat nur zur Kenntnis­nahme zugeht und eine Stellungnahme des Reichsrats nicht erforderlich ist. Eine Vollsitzung des Reichsrats ist für diese Verordnung auch nicht in Aussicht genommen. Die Verordnung wird vielmehr nach der Ausschußsitzung am Samstag im Reichsgesetzblatt veröffentlicht werden, so daß sie i m Laufe der nächsten Woche in Kraft treten kann.

In einer großen Wahlkundgebung der Bayeri­schen Volkspartei im Herkulessaalbau in Nürn­berg sprach am Mittwochabend Reichsminister a. D. Dr. Stegerwald überUnser Kampf um den christlichen Volksstaat". Er zeigte die tieferen Gründe des heutigen Reichstagswahlkampfes und ließ diefalsche Weichenstellung" ersehen, aus der heraus man heute zu einer Regierung von Papen ohne Anlehnung an das Volk gekommen ist. Was das Kabinett Brüning in den zwei Jahren seiner Regierung verhindert und was es erreicht hat, und zwar unter den furchtbarsten Verhältnissen, zeigte die Rede in übersichtlicher Weise.

Der Reichskanzler beim Reichspräsidenten v. Hindenburg verhandelt mit v. Papen und v. Gayl.

Nach einer Berechnung des Generals Faupel vorn Volksbund für freiwilligen Arbeitsdienst muß man mit ungefähr 556 Mark Kosten proKopf und Jahr der Arbeitsdienst- Psikichtigen rechnen. Bislang stehen insgesamt 55 Millionen RM. an Reichs- und Gemeinde- mitteln, sowie Zuschüssen der Reichsanftalt für Arbeitslosenversicherung zur Verfügung. Dieser Fonds würbe also nach den Berechnungen des Generals Faupel nahezu genau für 100 000 m a en. Damit sind die Grenzen der Verwirklichung des Arbeitsdienstgedankens bezeich­net, wobei nur noch erwähnt Werben mag, baß bei anberen Berechnungen, so z. 93. in Sachsen, bcnen praktische Erfahrungen zugrunde liegen, die kosten auf den Kops der Arbeitsbiensttätigen noch hoher liegen.

Brüning und Stegerwald wollten bekanntlich durch eine Spar-Prämien-Anleihe weitere Mit- tel1 für den Arbeitsdienst im Kreditwege beschaf- stn. Diesen Plan hat die Regierung Papen- Schleicher-Gayl bisher noch nicht wieder aufge- grtffen.

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93on besonderer Bedeutung scheint eine noch unbestätigte Meldung, wonach dem Reichskabinett auch ein nationalsozialistischer Plan vorliege, der die Arbeitsdienst pflicht vor- steht mit der Schaffung eines befände- ren Ministeriums für die Arbeits- d i e n st p f l i ch t. Man weiß nicht, inwieweit ein wich weitgehender Plan, der den Grundsatz der Freiwilligkeit über den Haufen wirft, bereits die Zustimmung des Reichswehrministeriums gefun­den hat.Der Deutsche" meldet schon jetzt die gedenken der Gewerkschaften an, falls öiird) den freiwilligen Arbeitsdienst irgendwie das Tarifwesen ober in der Arbeit Ste- hende gefährdet würden:Wo der Arbeitsdienst Zum Volksdienst wird und dem Wohl des Ein-

"en dient, sind unsere Gewerkschaften dabei." Grundsatz jeder Regelung des freiwilligen Arbeits- oienstes muß größtmöglichste Sparfam = es V-fein" Sie M"tel dafür sind so gering, daß «ine ex* traurig wäre, wenn zugunsten irgend die m>?^anisationssorm soviel jungen Menschen genn^asichkeit, in den Arbeitsdienst zu kommen, " °m«ien würde.

werfu Vorstand des Allgemeinen Deutschen Ge- Frooe ^.tsbundes hat abschließend Stellung zur Ergebnis r Arbeitsdienstes genommen und das unterer« < /iner Beratungen der Reichsregierung sich qeL e - Der Vorstand des ADGB. wendet

a.I[e Pläne, die in irgendeiner Form eine - glicht vorsehen. Er tritt für eine

1 r b e i t s b i I f e für d i e jugend - I

DieKöln. Ztg." veröffentlicht e i n* Unter­redung mit Geheimrat Dr. Hernt.

Was den Föderalismus angehe, führte Dr. Heim aus, so sei es hier bei Worten geblieben. Nicht Bayern habe den Gegensatz zum Reich gesucht, son­dern die neue Regierung habe diese Ge- gensätzlichkeit geschaffen. Entscheidend seien aber andere Dinge. Bayern habe am 10 April zum zweiten Male den Sieg der Kandidatur Hindenburgs entschieden. Leitgedanke sei dabei ge­wesen, durch die Wiederwahl Hinden­burgs den Boden für eine konstante Reichspolitikzu bereiten und Experi- mentenachder einen ober anderen Seite zu verhüten. Deshalb habe sich Bayern auch bis zum letzten Augenblick gefträubt, Parteiuniformen mit der Armee und der Polizei gleichzustellen und damit Bürgerkriegs­armeen die Straße freizugeben. Bayern werbe heute von Leuten beschimpft, die noch vor wenigen Jahren seine Politik nicht laut genug hätten rühmen können. Dr. Heim betonte weiter, die Natio­nalsozialisten würden seiner Ueberzeugung nach bei den kommenden Wahlen nicht die Mehrheit bekommen, sondern in mehr als einem Lande Deutschlands an Stimmen verlieren. Eine Hitler-Regierung im Reiche wäre nur von kurzer Dauer, aber er rechne gar nicht mit dieser Möglichkeit. Eine Gefahr der Separation Bayerns sehe er nur dann, wennderBolschewismus ingewissenTeilenDeutfchlandshoch- komme. Dr. Heim erklärte, er sei der Meinung, daß der jetzige Nationalsozialismus in kurzer Zeit vom Bolschewismus abgelöst werden würde. In Bayern denke niemand an Separatismus. Dr Heim verwies im weiteren Verlaufe des Gespräches darauf, daß gerade durch die jüngsten Vorgänge der monarchische Gedanke in Bayern starken Auf­trieb erhalten habe. Zur Frage der Wahlbündnis­verhandlungen der Bayerischen Volkspartei erklärte Dr. Heim, er habe in der Presse gelesen, daß die Wirtschastspartei mH der Bayerischen Volkspartei

wtb. Berlin, 14. Juli. (Eig. Meld.) Reichspräsi­dent von Hindenburg empfing heute den Reichs­kanzler von Papen zum Bericht über die Lausanner Verhandlungen. Nach Entgegennahme des Vor­trages sprach der Herr Reichspräsident dem Herrn Reichskanzler seinen Dank für die in Lausanne geleistete Arbeit aus und bat, diesen Dank auch den anderen Mitgliedern der Delegation zu übermitteln. Hieran schloß sich ein gemeinsamer Vortrag des Reichskanzlers und des Reichsministers des Innern über innerpolitische Fragen.

Das Arbeitsdienst-Gesetz.

Das Reichskabinett verabschiedete in seiner Mittwoch sitzung die Verordnung über den freiwilligen Arbeitsdienst. Die Ver­ordnung wird veröffentlicht werden, nachdem sie dem Reichsrat zur Kenntnis gebracht Worben ist.

lieber den Entwurf der Reichsregierung über einen freiwilligen Arbeitsdienst weiß dieKreuz­zeitung" aus offenbar gut unterrichteter Quelle folgendes zu melden, wobei zu berücksichtigen ist, daß der Entwurf in der abschließenden Kabinetts­beratung noch in einigen unwesentlichen Punkten abgeändert worben ist.

In Frage kommt lediglich die Ernennung des Staatskommissars für den frei­willigen Arbeits dienst, der den Kreisen des R e i ch s w e h r m i n i st e r i u m s entnommen werden wirb, aber die Garantie bieten soll, daß der Arbeitsdienst in seiner obersten Stufe jedem parteipolitischen Einfluß entzogen bleibt. Außerdem wird ein bewährter Fach­mann auf organisatorischem Gebiete aus unbe­dingt übeiparteilichen Kreisen als Stabschef oder dergleichen eingesetzt werben. Dagegen be­steht die Absicht, ein Reichsamt für geistige und körperliche Ertüchtigung der Jugend in unmittel­barer Anlehnung an das Reichswehrministerium zu schaffen. ,

Wie WTB. unterrichtet sein will, ist diese Verordnung nur em Anfang. Man oarf damit rechnen, daß die bevorstehenden Maßnah­men später noch weiter ausgebaut Werben. Schließ­lich wird man noch bei der Frage der Persönlich­keit des Reichskommissars nicht daran vorüber­gehen können, daß tm § 139 des allen Gesetzes über die Einrichtung der Reichsanstall für Ar­beitslosenversicherung ausdrücklich bestimmt wird, daß dem Präsidenten b er Reichsanstalt bie Pflege i> es Freiwilligen Arbeit s- dtenstes obliegt.

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Das würde heißen, baß niemand aus dem Relchswehrministerium die Atbeitsdienstpflicht ein» lichten würbe? Daß also die Kreuzzeitung mit ihrer obigen Mitteilung nicht recht hätte?