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Nr. 160

Vellage zur Fuldaer Zeitung

Abendliche Wanderung.

Tief in ein finstres Tal die Wolkenfetzen hangen Und brvdeln milchweiß über Hain und Hag. Die Seele ist mir unruhvoll befangen, Daß ich fast keinen Ausweg finden mag.

Ich wandre durch die Schatten wie im Traume Und schau nicht meiner Wandrung rechten Pfad. Die Wolkenschleier locken mich vom Saume Der Heimat, die mich eng umschlungen hat.

Ist dies der Weg? Der rechte Weg des Lebens, Der mich empor zu reiner Höhe lenkt?

Herrgott, nie fragt ich Dich im Leid vergebens. Denn stets hast Du mir Aat und Trost geschenkt!

Ich schreite weiter, wie Du mir befohlen

Zum Gipfel hoch im freien Abendrot:

Des Alltags Nebel will ich überholen, Die Angst bezwingen will ich und den Tod!

Castagnola.

Meten . . .!

Don Rosa H a m a ch e r-Boppard am Rhein.

Wenn man in der Lotterie spielt, so liegt die Mög­lichkeit nahe, daß man . . . verliert. Es ist also im allgemeinen keineswegs eine Enttäuschung, wenn die Hoffnung zu gewinnen, vereitelt wird.

Eine vom Geschick eben versagte Erfüllung des Wun­sches reich zu werden. Und unser Einsatz dabei war ein unpersönlicher, es geht also, wenn wir vom meist ge­ringen Geldeswert absehen, nicht viel verloren.

Wenn die Ernte dem Landsmann mißrät, wenn Ha­gel und Unwetter seine Mühe zunichte machen, wenn also alles umsonst war, was Mühe, Fleiß und Sorg- samkeit gesät haben, dann ist dieser Verlust schon schmerz­licher. Der Bauer, der seine schwere Arbeit gesegnet sehen möchte, hatte ein Recht zu hoffen. Eine Enttäu­schung ist es sicher, wenn dieser Segen ausbleibt. Aber er muh nicht verzweifeln, denn schon im nächsten Jahre kann eine ganz gute Ernte alles Ungemach vergessen machen. . . .

Wie ganz anders aber liegen die Dinge, wenn man sich von einem Mitmenschen, dem man geglaubt und vertraut hat, dem man vielleicht sein Innerstes, Tiefstes zu geben suchte, getäuscht sieht. Wer so im Leben von dem Nächsten verraten wird, der hat wirklich einen un- ersetzlichen Verlust erlitten. Darum ist allzeit Vorsicht geboten.

Notwendig bleibt jedoch immer vor allem, daß der Mensch sich selbst die Treue hält, daß er sich nicht aus­gibt und verschwendet, mit einem Wort, daß er seine Seele fest in Händen hält.

Awas mehr HaushallungsstakW!

Von Dr. Elfriede L i e r m a n n-Breslau.

Erschrecken Sie nicht, verehrte Hausfrauen, kein trok- kenes Thema soll hier behandelt werden, vielmehr ist die angeschnittene Frage für die wirtschaftliche Haus- haltsührung von außerordentlicher Wichtigkeit. Haus­haltungspolitik, was ist das? Die Antwort ergibt sich eigentlich von selbst, wenn wir uns klar machen, daß man darunter von allem die sorgfältige Aufzeichnung all dessen zu verstehen hat, was im Haushalt verbraucht wird. Also «in erweitertes Haushaltungsbuch, wenn man es so nennen will. Da kaust z. B. eine Hausfrau neue Bettücher! Auf einer Liste im Wäscheschrank, die man mit ein paar Reizzwecken an der Schranktür be­festigt, soll dann verzeichnet stehen, an welchem Tag di« genau numerierten Bettücher dem Wäschestand ein­verleibt wurden, wann man sie zum ersten Male be­nutzt hat und wann sie die ersten durch normale Be­nutzung entstandenen Schäden zeigen. Selbstverständ­lich muß man sich auch den Preis merken. Aus den Aufzeichnungen geht dann schon in wenigen Jahren hervor, ob der gekaufte Artikel preiswert gewesen ist, ob die Bettücher im Verbrauch billig, normal oder teuer waren. Diese Lehre läßt sich dann beim Einkauf neuer Wäsche sehr wirksam in erspartes Geld umsetzen. Oder die Kinder bekommen neue Schuhe. Der Schuhhändler hat eine bestimmte Art von Schuhen besonders gelobt, man hat sie gekauft, weil sie besonders preiswert wa­ren, wenigstens hat es den Anschein. Zuhause wird der Tag des Ankaufs sorgfältig ausgeschrieben. Die Kinder tragen die Schuhe und nach drei Wochen sind die Sohlen durch, sie müssen neu besohlt werden. Ein anderer Schuh, der wenige Pfennige mehr gekostet hat, hält doppelt solange, bis er erstmalig zum Schuhmacher muß. Er ist also im Gebrauch bedeutend wirtschaftlicher, wie der als besonders preiswert gepriesene Schuh. Was resultiert daraus? Die Hausfrau wird sich beim näch­sten Einkauf vorsehen, ihr statistisches Haushaltungsbuch hot ihr den Beweis für die Unwirtschaftlichkeit der sog. billigen" Schuhe erbracht. Sie erfährt aber auch da­bei gleichzeitig, welche ihrer Kinder am meisten Schuhe brauchen, d. h. beim nächsten Schuhkauf kann man die Qualität für das betr. Kind so wählen, daß die höchste Nutzung dabei herauskommt. Ganz systematisch durch­geführt, wobei man bald merken wird, daß in einem einfachen Haushalt die Arbeitsmehrbelastung durch diese Art der Wirtschaftskontrolle gar nicht sehr groß ist, er­spart man im Laufe der Jahre dadurch sehr viel Geld und man hat gleichzeitig auch einen Ueberblick darüber, wo Anschaffungen nötig sind. Rationelle Haushaltskök- r'ir,p muß bet diesen teueren Zeiten ooe.'slcr Grundsatz siin denn man lernt dabei arck oynr weiteres die Wa- tE kennen und hat ein fachoentä id Urte l, ro< im neue Einkäufe zu tätigen hat.

Kind er-Antug ende«.

Don Alice Baumgartner-Aachen.

Kinder haben neben ihren guten Seiten auch ihre Untugenden, das wissen wir Mütter zur Genüge. Weil ^rbreitet ist z. «g. das Nägelkauen, das nicht nur an $ ungesund ist, sondern auch große Gefahren in sich unter s? schon manche ansteckende Krankheit durch den Man 2er1 Nägeln sitzenden Schmutz verbreitet wurde, dieser n bie kleinen Nägelkauer auf di« Gefahren streiche^"t^gend ^in> und wenn alles nichts Hilst, be- Wermut" nächtlicherweile die Fingerspitzen mit einer Kauen 1 D'un91 Der bittere Geschmack verleidet meist das nichj Nageln. Hilft aber auch dieses Mittel

Mehre-e man di« Kinder notgedrungen täglich Len, her.» £bcn enS anschließende Fausthandschuhe tra-

Verschluß sie nicht öffnen können.

Auf die gleiche Weise bekämpft man übrigens auch das unschöne in der Nase bohren. Jedoch habe man hier ein besonderes wachsames Auge, da das Bohren in der Nase vielfach bei stark blutarmen Kindern auf« tritt, auch bei bleichsüchtigen Mädchen ist es ost zu fin­den. Man lasse deshalb die Kinder vom Arzt genau untersuchen.

Derweigert ein Kind bi« Aufnahme einer bestimm­

ten Nahrung oder macht es überhaupt Schwierigkeiten beim Essen, so versuche man, es spielend zu den regel­mäßigen Mahlzeiten zu überreden. Man läßt die Puppe scheinbar am Mittagessen teilnehmen oder bittet ein anderes Kind, mitzuessen. Auf diese Weis« erreicht man oft mehr wie durch Strafen, die namentlich beim Kleinkind immer ein mit größter Vorsicht zu gebrau­chendes Erziehungsmittel sind.

Mrlschaslskrise und GesundheilSMstand der Jugend.

Don Stadtmed. Rat Dr. W. Hage n-Fcankfurt a. M.

Ein objektiver Maßstab für den Gesundheitszustand von Kindern ist nur in der Beurteilung von Größe und Gewicht gegeben. Die Beurteilung nach Gröhe und Ge­wicht hat aber andererseits den Fehler, daß damit das subjektive Befinden des Kindes in keiner Weife berück­sichtigt werden kann. Auch ein krankes Kind kann nach Größe und Gewicht überwertig sein, andererseits wirken sich auf längere Dauer gesundheitliche Schäden beim Kinde deutlich in einem Gewichtsrückgang und einem Stocken des Längewachstums aus. Das hat sich schon im Kriege gezeigt, als die Gewichte der Kinder bis zu 4 Kgr. und die Größe bis zu 5 Zentimeter hinter den Vor­kriegszahlen zurückblieb. Allerdings zeigten sich diese größten Schäden erst in den Jahren nach Kriegsende, fast am meisten im Jahre 1920, als sich die Ernährungslage doch schon wesentlich gebessert hatte.

Für die jetzige Krise wäre also in Rechnung zu stellen, daß bei ihrer katastrophalen Zuspitzung erst Ende 1930 und im Lause des Jahres 1931 die sichtbaren Auswir­kungen erst in den Jahren 19331935 zu erwarten wä­ren. Außerdem trifft die Arbeitslosigkeit im Gegensatz zum Kriegshunger doch nicht die ganze Bevölkerung, son­der nur etwa 25 Proz., wenn auch ein Rückgang der Le­benshaltung selbstverständlich in allen Schichten zu ver­zeichnen ist. Man kann also für das Jahr 1931 einmal noch keine volle Auswirkung der Krise erwarten und an­dererseits mühte man, was sich aber als unmöglich er­weist, die Kinder der Arbeitslosen aus der früheren Zeit her schon getrennt von der übrigen Bevölkerung verfol­gen können.

Es ist also nicht verwunderlich, wenn die Durch­schnittsgewichte und Gröhen unserer Kinder eine stei­gende Tendenz noch im Jahre 1931 erkennen lassen. Für Berlin liegt eine Untersuchung von Heymann vor, welche Größe und Gewicht bei den Kindern der erwerbstätigen und arbeitslosen Bevölkerung gegenüberftellt und dabei Differenzen von 1,7 Zmtr. und 1,2 Kgr. zu ungunsten der Arbeitslosen feststellt. Aber dieses Ergebnis scheint anfechtbar. Bei Erhebungen in Frankfurt a. M., bei denen die Kinder nach Milieugruppen geordnet wurden, ergaben sich in der Grupp» der unqualifizierten Arbei­ter, also in der Gruppe mit den meisten Arbeitslosen, Rückstände von 2 Zmtr. in der Größe und % Kgr. im Gewicht gegenüber den Durchschnittswerten. Gegenüber der wohlsituierten Kindergruppe betrug diese Differenz sogar 4 Zmtr. und bei den Knaben 1 Kgr., bei den Mäd­chen 2% Kgr. Die Durchschnittswerte werden auch von den Kindern der qualifizierten Arbeiter, Handwerker usw. nicht erreicht. Armut schädigt also zweifellos die Kinder, wobei es gleichgültig ist, ob sie durch die Arbeitslosigkeit oder durch andere Ursachen bedingt ist. Es besteht Ver­

anlassung, anzunehmen, daß es nicht so sehr ein Mangel an Nahrungsmenge, als die mit der Armut verbundene Pflege, insbesondere die schlechte Wohnung ist, die diese Schädigungen hervorruft.

Zusammenfassend kann jedoch gesagt werden, daß bis jetzt deutliche Merkmale der Arbeitslosigkeit statistisch bei den meisten Schulkindern noch nicht hervortreten. Nur Heymann-Berlin glaubt, solche festgestellt zu haben. Das Gesamtbild erscheint demnach noch günstig. In Einzel- llen aber sieht man doch gesundheitlich gefährdete Kin­der unter den Folgen der Arbeitslosigkeit zusammenbre­chen. Wenn bei einer Kur von 40 Kindern Erwerbs­loser 2 floride Tuberkulosen sestgestellt werden, so ist die­ser Prozentsatz ganz ungewöhnlich hoch, um nur ein Bei­spiel zu nennen.

lieber die Säuglinge und Kleinkinder läßt sich Zah­lenmaterial noch weniger geben, als über die Schulkin- der. Man kann über die Gruppe nicht reden, ohne eini­ges von den Müttern dieser Kinder zu sagen. Zweifel­los gilt auch jetzt wieder die Erfahrung, daß die Fami­lienmütter am stärksten Not leiden. Der Augenschein in den Wohlfahrtssprechstunden ist auch ohne statistische Fas­sung deutlich. Auch bei den Impfterminen fällt es auf, wenn auch die Kinder noch gut gepflegt und genährt sind, daß den Müttern die Not und Sorge in den eingefallenen Gesichtern geschrieben steht. Wenn die durchschnittliche Stilldauer von 5, 6 Monaten im Jahre 1926 aus 4 Mo­nate und 1930 auf 3,7 Monate 1931 gesunken ist, so ist darin nicht mangelhafter Wille, sondern tatsächliches Un­vermögen schuld.

Hand in Hand geht eine Steigerung der Rachitis bei den Säuglingen. Es ist hier leider nicht so leicht, durch generelle Maßnahmen eine Besserung zu schaffen. Die Aufgabe der in ihren Leistungen ja außerordentlich ein­geschränkten Fürsorge wird also fein müssen, die Ernäh- rungsverschlechterung vor allem durch eine Besserung der Naturalunterstützung von Müttern, Säuglingen und Kleinkindern, beispielsweise durch Milch in die Wege zu leiten.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß bei der Mehrzahl der Schulkinder bis jetzt noch keine Schädigung in großem Umfange durch die Wirtschaftslage erkennbar ist, doch häufen sich die Einzelfälle, in denen der Aus­bruch schwerer Erkrankungen im Zusammenhang mit der Arbeitslosigkeit steht.

Weit ungünstiger ist die Lage der Säuglinge und Kleinkinder, sowie der schwangeren und stillenden Müt­ter, bei denen sich vielfach Schädigungen zeigen. Deshalb bedarf die bestehende Fürsorge mit fortschreitender Not dringend einer Ergänzung.

Teetrinken, aber mit Verstand.

Don Marga R e u b k e - Stuttgart.

Di« asiatischen Völker, vor allem aber die Chinesen, die Japaner und zum Teil auch die Russen, können als die wahren Teetrinker, di« diesen Genuß zu einer Kul­tur verfeinert haben, gelten. Nicht umsonst erzählt man sich in China, daß das Volk der Chinesen Über eintau­send Kochbücher sein eigen nennt, di« sich nur mit der Kunst des Teekochens befassen. Das mag nun übertrie­ben sein, immerhin könnten wir jedoch mancherlei vvn den Ostasiaten lernen, denn unsere Art Tee zu berei­ten, indem wir die Blätter des Teestrauches einfach übergießen oder sie gar in ein metallenes Tee-Ei ein­sperren, um uns die Mühe des Durchsiebens zu erspa- ren, zeugt von allem anderen, nur nicht von dem nötigen Verständnis für das aromatische Getränk. Schon bie Aufbewahrung des Tees läßt bei uns viel zu wün­schen übrig. Er gehört in eine gutschließend« Holz­büchse, die völlig ausgetrocknet sein muß und äußerlich mit Lack überzogen sein kann. Sie muß gut schließen, darf jedoch leine Gummidichtung haben, da Teeblätter gerne den Gummigeschmack annehmen, der sich dann cmch bei dem fertigen Getränk bemerkbar macht.

Uebergossen wird der Tee, den man recht sparsam verwendet, in einer Porzellankanne, die nicht gespült werden soll. Vielmehr genügt ein Ausspülen mit frischem, kaltem Wasser. Der braune Ansatz an der Kanne, der sich mit der Zeit bildet, darf keineswegs als ein Zeichen unsauberer Haushaltsführung angesehen werden, er verfeinert vielmehr das Aroma. Tee soll nur wenige Minuten nach dem Aufgießen ziehen. Stroh­gelb muß die Farbe beim Trinken fein, ein dunklerer Tee ist nach der Auffassung der Chinesen, der gewähl- testen Teettinker der Welt, keineswegs ein Zeichen von

feinem Geschmack. Jede chinesische Zunge würde belei­digt sein, wenn man ihr das dunkelbraune Gettänk vorsetzen wollt«, das sich bei uns manchmal unter der Bezeichnung Tee verbirgt. Auch der zweite Aufguß, den manch« sparsame Hausfrauen bereiten, um die Blätter voll auszunutzen, würde von jedem Chinesen von Kultur glatt abgelehnt. Denn die feinen, aromatischen Stoffe, die den Tee in seiner ersten, ursprünglichen Form auszeichnen, haben sich bann verflüchtigt, und bie Bitter­stoffe, bie ebenfalls in ihm enthalten sind, wirken be­sonders stark nach. Sie find es auch, die infolge ihres hohen Gehaltes an Teein, so aufrcgenb wirken.

Alle Gegenstände, bie ben Tee im Geschmack beein­flußen können, bürfen nicht mit ihm in Berührung kommen. Das Tee-Ei sollte endlich aus der Küche ver­schwinden, umsomehr als man in China und Japan sogar Teesiebe aus Metall verschmäht und sich lieber mit einem weißen Leinenlappen begnügt, um bie Tee­blätter zurückzuhalten. Sehr empfehlenswert ist auch bie russische Art der Teebereitung mit dem Samowar oder bie Teebereitung der Polen, bie einen ersten starken Aufguß Herstellen, der bann in Gläsern entsprechend mit kochend heißem Wasser aufgefüllt wird. Man nimmt zu einem Glas Tee einen kleinen Löffel Ex­trakt und das übrige Quantum kochendes Wasser. Mit Zucker gehe man sparsam um beim Teetrinken, als unmöglich bezeichnen auch alle teetrinlenben Völker die Verwendung von Milch. Allenfalls ein Scheibchen Zitrone soll gestattet sein.

Daß kalter Tee mit wenig Zucker und einer reich­lichen Dosis Zitronensaft ein ganz vorzügliches Mittel ist, im Sommer bei Wanderungen den Durst zu stillen, mag zum Schlüsse noch angemerkt werden.

Das Kind will nicht allein schlafen.

Von Hilde Brendel, Karlsruhe.

Kinder, die abends nicht allein zu Bett gehen und einschlafen wollen, sind für die Mutter eine wahre Plage. Aber eine anerzogene Plage, denn die meisten Mütter haben selbst Schuld daran, wenn das Söhn­chen oder Töchterchen mit einem Wutgebrüll den auf leisen Sohlen erfolgenden Rückzug aus dem Kinder­zimmer beantworten. Einem Säugling darf man ruhig einmal ein Wiegenliedchen beim Einschlafen fingen, wenn das Kind aber das erste Lebensjahr überschritten hat, bann soll es abends allein einschlafen, vorausgesetzt, daß es sich um ein gesundes Kind handelt. Ein wenig gutes Zureden hilft da meist, wenn man das liebel nicht hat einreißen lassen. Hat man sich aber schon einen kleinen Schlaftyrannen herangezogen, so hilft da nur ein Radikalmittel, um die Mutter von der täg­lichen Plage zu befreien, . . . der kalte Wickel.

Das unruhige Kind, das nicht allein schlafen will, be­kommt einen Brustwickel, mäßig falt, darüber ein dickes, wollenes Tuch, das man mit Sicherheitsnadeln ver­schließt, damit es nicht rutschen kann, bann folgt das Nachtkleibchen. Das Kind wird gut warm zugedeckt und soll nun allein einschlafen, b. h. bie Mutter geht so schnell wie möglich aus bem Zimmer. An ben ersten Abenden dieser Prozedur wird natürlich ein großes Geschrei die Folge sein, doch beruhigt sich das Kind meist sehr bald und schläft in wenigen Minuten ein. An den nächsten Abenden genügt dann meist der Hinweis auf den in Aussicht stehenden Wickel, um die vorher hart­näckigsten Sünder zum Alleinschlafen zu bringen.

Von deinen Kindern lernst du mehr, als sie von dir.

Sie lernen eine Welt von dir, die nicht mehr ist.

Du lernst von ihnen eine, die nun wird und gilt!

(Friedrich Rückert.)

Sewstberetteke Liköre.

Likör aus Weichselkirschen.

Fünf Pfund Weichselkirschen werden gestoßen und mit mit vierzig Gramm Zimmt, 10 Gramm Nelken und 1J» Liter Alkohol 8 Tage der Sonne ausgesetzt. Dann preßt man die Flüssigkeit von den Kirschen ab, der man 8 Tropfen Bittermandelöl, 3 Tropfen Orangenblütenöl und l'/i Liter Rotwein und 2 Pfund Zucker zusetzt. Nach einigen Tagen wird der Likör durch ein sauberes Lei­nentuch filtriert und auf Flaschen abgezogen.

Heideldeerlikör.

Man zerquetscht 4 Psund Heidelbeeren in einem irde­nen Topf, nachdem man vorher einen halben Liter Was­ser zugegossen hat. Die Beeren bleiben 34 Tage stehen. Dann werden sie ausgepreßt, worauf der Saft wiederum einen Tag stehen muß. Man fügt 1% Pfund Zucker dazu und läßt ben Saft bann leicht aufkochen. Ein Liter Weingeist, 10 Gramm Zimmt, 10 Gramm Nelken, 10 Gramm Karbamum hat man zwei Tage vorher in Fla­schen angesetzt. Nach bem Kochen des Heibelbeersaste» wird ihm diese Mischung zugesetzt, das Ganze gut ver­rührt und auf Flaschen abgezogen.

Likör aus grünen Nüssen.

40 grüne Nüsse wascht man, zerschneidet sie, gibt 14Q Gramm Zimmt, 3 Gramm Nelken und einen Liter Al­kohol dazu, um das Ganze der Sonne etwa 10 Tage auszusetzen. Dann filtriert man den Likör, versetzt ihn mit 2% Liter Wasser und löst 4 Pfund Zucker darin auf. Nach einigen Tagen kann der Likör auf Flaschen abge­wogen werden. Wenn man ihn alkoholhaltiger wünscht, kann auch die Weingeistmenge entsprechend erhöht wer­den.

Sitronenliför.

10 Zitronen werden dünn geschält. Auf die Schalen gießt man 4 Liter Weingeist und läßt das Ganze etwa 14 Tage in der Sonne ziehen, bezw. man stellt es an einen warmen Ort. Dann werden 3 Pfund Zucker in 4 Liter Wasser gekocht. Der abgegossene Branntwein wird mit dem Zuckerwasser vermischt, um bann einige Minuten auf bem Herd zu ziehen. Man filtriert den Likör durch einen Leinenlappen und zieht ihn, wenn er ertaüet ist, auf Flaschen.

vanllle-0rangen-Llkör.

2 Liter Weingeist, 10 Gramm zerschnittene Vanille und 2 Liter Orangenblütenwasser werden unter Zusatz von 2 Gramm gestoßenen Nelken etwa 8 Tage im Glas- ballon der Sonne ausgesetzt. Dann filtriert man den Likör und zersetzt ihn mit 5 Pfund Zucker, den man vor­her in Wasser aufgelöst hat. Ein nochmaliges Filtrie­ren verfeinert den Likör sehr. Er kommt auf Flasche« und soll dann vor dem Genuß einige Zeit ruhen.

Die praktische Hausfrau.

Korbmöbel zu reinigen.

Korbmöbel werden am einfachsten mit einer nicht zu starken Seifenlösung mit Schwamm und Bürste gereinigt Hat man jedoch Pebbigrohröl, so muß man barauf achten, baß fobareine Seife verwenbet wirb, ba Pedbigrohr Soba nicht verträgt. Nach bem Abwaschen mit ber Sei­fenlösung werben die Korbmöbel mehrfach mit klarem Wasser gut nachgespült, während man sie nach dem Trock­nen, das möglichst nicht in der prallen Sonne geschehen soll, mit Schwefelblüte abreibt. Sehr vorsichtig muß man fein, wenn es sich um lackierte Flechtrnöbel handelt, bie nur mit einer ganz schwachen Seifenlösung behandelt werden dürfen, damit der Lack nicht leidet.

Kühle ohne Eis.

Im Sommer kommt es ost vor, daß bie Hausfrau etwas rasch kühlen will, ohne daß Eis vorhanden ist Man kann sich Helsen, indem man eine Handvoll Koch­salz und ein Päckchen Waschblau in einer Schüssel Wasser auslöst, in bie man die zu kühlenben Speisen usw. hin­einstellt. Ein Versuch überzeugt davon, wie ungemein rasch diese Lösung abkühlt.

Spare mit Strümpfen.

Mit den seidenen Strümpfen hat man schon feine Plage, kaum sind sie gekauft, so haben sie auch schon Laufmaschen und Löcher. Eine praktische Methode ist «s, gleich mehrere Paar Strümpfe von ber gleichen Art und Farbe zu kaufen, bie man bann gegenseitig auswechseln kann, wenn ber eine ober anbere Strumpf unbrauchbar geworben ist. Durch biefe praktische Einkaufsmethode lassen sich die Strümpfe restlos ausnutzen.

Seibene Blusen Im Hause zu waschen.

Blusen aus Crepe be chine ober Crepe marocaine werben von ben Hausfrauen vielfach zum reinigen gege­ben, ba man sich zu Hause nicht baran wagt. Dabei gibt es eine höchst einfache Reinigungsmethode, inbem man Spiritus ober Benzin in genügenber Menge in eine Waschschüssel schüttet, um bann bie Bluse burch leichtes Ausdrücken von dem anhaftenden Schmutz zu befreien. Nach bem Reinigen hiigt man bie Blusen ober auch die gereinigten Kleider, die auf die gleiche Weise behandelt werden müssen, über einen Bügel, wo sie sehr rasch ge­trocknet sind. In der Regel ist ein Nachbügeln noch nicht einmal nötig. Die ganze Reinigungsprozedur darf jedoch unter keinen Umständen bei offenem Licht oder Feuer vorgenommen werden, da die Benzin- und Spiritus« dämpfe außerordentlich leicht zur Entzündung neigen.

versüßte Speifen.

Es gibt nicht nur versalzene, sondern auch versüßt« Speisen. Man bringt sie auf eine höchst einfache Art in Ordnung, indem man eine kleine Prise Salz zusetzt.

Herstellung von Fleckfeife.

Eine sehr gute stößige Fleckseife tanr man sich selbst Herstellen, indem man gewöhnliche Kermefte schabt und bie so erhaltenen Seifenflocken in Salmrakgeist auflöst, bis die Seife Syrupdicke hat. Flecke werden damit eilt» gerieben und nach einiger Zeit gut ausgewaschen.

Auch an Lis kann gespart werden.

In der warmen Jahreszeit ist ber Eisschrank in Be­trieb unb die finanzielle Belastung bes Haushalts durch bie tägliche Eislieferung bedeutet für die Hausirau eine nicht unerhebliche Ausgabe. Man kann sehr viel Eis sparen, wenn man sich die Mühe macht, die Eisstücke vor dem Einlegen in ben Eisschrank dick in Zeitungspapier einzuwickeln.