Achter Sonntag nach Pfingsten.
Emgangslied: Pf. 47, 10—11.
Wir haben, 0 Gott, dein Erbarmen empfangen inmitten deines Tempels. Wie dein Name, 0 Gott, fo reicht dein Ruhm bis an die Grenzen der Erde; von Gerechtigkeit voll ist dein« Rechte. (Ps. ebd. 2.) Groß ist der Herr und lvbwürdig über alles, in unsres Gottes Stadt, auf seinem heiligen Berge.
Epistel: Röm. 8. 12-17.
Brüder! Wir sind dem Fleische nicht schuldig, daß wir nach dem Fleische leben. Denn wenn ihr nach dem Fleische lebt, werdet ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die Werke des Fleisches ertötet, werdet ihr leben. Denn alle, die sich vom Geiste Gottes leiten lassen, sind Kinder Gottes. Ihr habt ja nicht den Geist der Knechtschaft empfangen, daß ihr euch wieder fürchten müßtet, sondern den Geist der Kindschaft, in dem wir rufen: Abba, Vater! Denn der Geist selbst bezeugt unserm Geiste, daß wir Kinder Gottes sind; wenn aber Kinder, dann auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi.
Evangelium: Luk. 16, 1—9. Gleichnis von dem ungerechten Berwalter.
Kinder dieser Welt.
Betrachtung zum Sonntagsevangelium.
Die Kinder dieser Welt sind wirklich oft klügerals die Kinder des Lichte s. Es fängt'mit dieser Klugheit schon in der frühen Kindheit an. Was dir als liebe Schmeichelei bei dem kleinen Kinde dünkt, ist oft bereits unbewußte Berechnung. Das Kind weiß dich zu nehmen, es kennt deine Eigenliebe, die sich so gerne durch Warte beeinflussen läßt. Der kleine Mensch ist von dir abhängig, warum sollte er nicht versuchen, guten Wind in sein Segel zu bekommen? Ich will damit freilich nicht dem Kinde wirkliche Liebe zu dir absprechen. Wenn du grade und bestimmt deinem Kinde gegenüber bist, wird es wenig Rcrum für schöne Worte haben. Aber wenn du empfänglich für Schmeichelei bist, dann wird es sich deine Schwäche zu eigen machen. Da darfst du dich später nicht wundern, wenn du merkst, daß dein Kind nicht offen lind ehrlich wider dich ist.
Gei st des Günstlings st eckt in der Klugheit der Welt. Eigenen Vorteil mit möglichst wenig eigenen Opfern möchten die Schmeichler haben. Die rechte Absicht wird verdeckt, Freundlichkeit übertüncht den schmutzigen Untergrund. Wie elegant, wie höflich benimmt sich ein Verführer in der Oeffentlichkeit dem Mädchen gegenüber. Und doch steht hinter dieser Fassade nichts als gemeine Gier. Feine Manieren, schön« Anzüge und hübsche Kleider müssen als Lockmittel dienen. Und darunter verbirgt sich das Tier das leinen Käfig verleugnet. Daß mit Menschenschicksalen, mit Seelenreichtum dabei gewüstet wird, kommt solchen Naturen gar nicht zu Bewußtsein.
Alle kluge Berechnung, die aus dem Verstand kommt und'nicht mit dem Herzen übereinstimmt, ist Klugheit dieser Welt. Gar manche Ehe wird so geschlossen. Man muß sich nur wundern, daß dabei nicht manches Lebensschicksal noch weit mehr in die Brüche geht. Aussteuer und Vermögen, auch Schönheit und Eleganz einer Scheinbildung sind oft wichtiger als das eine Notwendige: die wirkliche Liebe der Gatten zueinander. Da wünscht man
sich ein bequemes Dasein und möglichst viel Genüße — und vergißt dabei, daß die Eitelkeit der Welt nur Schein ist.
Du denkst sicher: „So ein Flachkopf wie diese „Klugen" bin ich Gott sei Dank nicht. Die mögen ja sehen, wo und wann sie Schiffbruch erleiden. Ich gebe meinem Löben einen tieferen Sinn." — Mag schon sein, daß du recht hast. Aber es braucht ja nicht gerade eine dieser offensichtlichen Torheiten dieser Welt zu sein, die äußerlich Klugheit scheinen. Ein gut Teil irdischer Klugheit haben wir alle und nutzen sie. Ja, wir nennen den sogar einen Dummkopf, der sie nicht hat oder nicht nutzt. Im Umgang mit den Nebenmenschen geht es gar nicht ohne Umsicht und Klugheit. Da gibt es Menschen, die sich wunder was auf ihre Offenheit und Ehr-
Dor einigen Wochen brachten Tagesblätter und Zeitschriften einen Aufruf, der sich mit der bedrängten Lage unserer bildenden Künstler, Dichter und Schriftsteller beschäftigte und um Hilfe bat. Hat der Aufruf Gehör gefunden? Wird er Erfolg haben? Es ist sehr zu wünschen. Im Interesse des einzelnen notleidenden Menschen, der an dem Stigma des Künstlertums sowieso hart genug zu tragen hat, und im Interesse einer echtbürtigen christlichen Kultur, deren schönste Blüte die Kunst bleibt. Denn es ist nicht so, wie manche wähnen, daß der Künstler auch mit hungrigem Magen schaffen könne und müsse. Das mögen sich die romantischen Träumer und Träumerinnen gesagt jein lassen, die von Entsetzen geschüttelt werden, wenn sie aus dem Munde eines Dichters hören, daß er sich auch gerne satt esse.
Die natürlichste und wirksamste Hilfe bleibt die Schaffung eines geistigen Raumes für unsere katholischen Künstler.
Was ist aber geistiger Raum? Ein« Lesegemeinde haben! Die große Masse des katholischen Volkes bleibt unbewegt, wenn man ihr sagt, daß der katholische Dichter der Gegenwart nicht geistigen Raum genug habe, um leben zu können. Diese Verständnislosigkeit und Gleichgültigkeit macht fast jeden echten katholischen Dichter zu einer tragischen Gestalt. Oder ist es nicht tragisch, daß dem katholischen Lyriker, Erzähler und Dramatiker sich bis zu 97 Prozent diejenigen versagen, welche Glieder derselben Glaubensgemeinschaft sind, für die an erster Stelle er seine tiefsten und heiligsten Erlebnisse in ein Sprachkunstwerk zu bannen versucht hat? Nicht gelesen werden, gewissermaßen aus der katholischen Gemeinschaft ausgestoßen sein, das bedeutet für den katholischen Dichter eine Verengung seines Lebensraumes, die er auf die Dauer nicht ertragen kann. Und jenes brennende Gefühl der Bitterkeit, das sehr häufig im Gespräch mit unseren Dichtern heroorbricht, frißt sich immer fester in die Seele ein.
Wenn wenigstens die literarisch Interessierten sich der katholischen Dichtung annähmen! Aber auch sie wollen nichts oder wenig von ihr wissen. Die seinerzeit berechtigte Inferioritätsklage hat dazu geführt, daß heute der Minderwertigkeitskomplex in literarischen Dingen eine spezifisch katholische Krankheitserscheinung ist, den man abzureagieren sucht, indem man eine lieber« objektioität gegenüber der jüdischen und neuheidnischen Literatur bekundet, die in vielen Fällen charakterlos und entwürdigend genannt werden muß.
Daran ist nicht zu zweifeln: Weil das richtige und natürliche Kontaktverhältnis zwischen den Dichtern und dem katholischen Volke gestört ist, weil unser Volk zum größeren Teil der Meinung ist, den Dchter nicht nötig zu haben, und zum kleineren Teil der Auffassung huldigt, Dichtung sei nur Gegenstand ästhetischen Genießens, der zudem von nichtkatholischen Autoren in reinerer Form geboten werde, deshalb muhte die „Rotgemeinschaft katholischer Künstler Deutschlands" mit ihrem Auf-
lichkeit einbilden, wenn sie dem anderen Grobheiten ins Gesicht sagen. ,Hch spreche grad heraus wie ich es benfe", jagen sie. Und dabei wollen sie nur den anderen vor sich heruntersetzen, um sich an seiner Niederlage zu weiden. Hier liegt die Grenze nahe am Rande der Klugheit. Anders ist es dort, wo Schmeichelei an Stelle der Aufrichtigkeit tritt. Gewiß, wir wollen verträglich sein, aber dabei nicht im Guten bis in den Schein hineingeben. Wir stehen nun einmal von Natur aus verschieden zu den Mitmenschen und durch ein überfreundliches und darum unehrliches Wesen wollen wir diese Verschiedenheit nicht verdecken. Denn jreundlicktun hat mit Nächstenliebe nichts zu schaffen. Nächstenliebe ist Sache der Tat und nicht Ausdruck schöner Worte.
Von Dr. P. Cornelius Schröder O. F. M.
ruf an die Oeffentlichkeit treten, und deshalb ist die Schaffung eines geistigen Raumes, wie schon gesagt, die wirksamste Hilfe.
Wie kann das geschehen?
Die erste Aufgabe aller wahren und mitfühlenden Freunde unserer Dichter muß jein, die Ueberzeu- gung von der Daseinsberechtigung der katholischen Dichter, den Glauben an die Sendung des Dichters in weiteste Kreise hineinzutragen. Es muß wieder allgemeine Auffassung werden, daß wir den Dichter ebenso notwendig haben wie den katholischen Philosophen, Wirtschaftler und Politiker, ja — wenn wir die tiefgehende Wirkung seines Schaffens richtig einschätzen — daß wir den katholischen Dichter weniger entbehren können als manchen anderen Kulturträger. Katholische Dichtung lebt aus dem Glauben an die Lebenseinheit, welche der Menschheit durch den persönlichen Gott, durch Christus und die Kirche verbürgt ist, aus einem Glauben, ohne den das Leben keinen Sinn hat, Chaos, Abgrund, voll des Grauens ist, wie es unheimlich genug sich darstellt in der außerchristlichen modernen Dichtkunst, deren Sinn nach Emil Lucka („Die Literatur", Maiheft 1932) fein fall, „das Gefühl vom Reichtum, von der Unausschöpflichkeit und der Rätfelhaftigkeit des Lebens zu begründen, zu erhalten, zu vertiefen." Katholische Dichtung kann sich mit der Aufdeckung der Rätselhaftigkeit des Lebens niemals begnügen, sie bemüht sich vielmehr um die lebensvolle, anschauliche Gestaltung der natürlichen und übernatürlichen Ordnung, um die konkrete Ausprägung die der Welt und dem Dasein der einzelnen Menschen und der Völker immanenten ewigen, göttlichen Weisheit, d. h. es geht ihr um Bewahrung, Stärkung, Vertiefung und Reinigung des katholischen Glaubensbewußtseins, um katholische Gesinnung in dem ungeheuerlichen Wirrwarr der Gegenwart. Wir leben in Verhältnissen, die allein mit heroischen Tugenden zu tragen und zum Besseren umzuwandeln sind. Diesen Heroismus kann der auf sich selbst gestellte, von der Eigengesetzlichkeit der Kultur- Fachgeschichte brutal vergewaltigte Mensch nicht aufbringen. Er kann nur geschöpft werden aus dem Gefühl und dem Bewußtsein der Einheit des Ganzen, aus christ- katholischer Totalitätsschau. Nur bann, wenn die absolute Herrschermacht Gottes und die Diestwilligkeit der Menschen sich einen und finden in der Liebe, in der Freiheit der Kinder Gottes, kann der Menschheit bas neue Heil erblühen. Darum bie Notwenbigkeit ber echt katholischen Dichtung, bie, wie Dantes Weltgedicht, wenn auch mit weniger gewaltigen Mitteln, zu ber „höchsten Weisheit unb ewigen Liebe" hinführt.
Die zweite im Interesse ber katholischen Dichtung zu leiftenbe Aufgabe ist bie, aufzuzeigen, daß wir eine Reihe katholischer Dichter haben, deren Werk in dem angegebenen Sinne wichtig und wertvoll ist und diese Dichter dem katholischen Volke nahe zu bringen.
Möglichkeiten für diese Aufgabe gibt es genug. Sie
Dies geht uns alle an /
NILS
Wem Gott ein Herz zum Sieben gab, Dem Schmerze, wie ber Freude offen, Von Glauben voll und voll von Hoffen, Den hat bas schönste Los getroffen, Dem ward ber treuste Pilgerstab.
Froh wandelt er durchs Leben hin. Mag sich ber Pfad durch Wüsten winden. Stets wird er wieder Herzen finden, Die mit dem feinen gleich empfinden, Und eins ist dann des Menschen Sinn.
Ferdinand Stoll«.
sind auch schon immer ausgenutzt worden, es müßt« nur noch intensiver geschehen. Presse unb Zeitschriften, Borromäusverein, Akademikerverband unb Irauenbunb, Iugenbverbänbe ufro. mühten viel systematischer unb häufiger burch Vorträge unb literarische Zirkel sich ber Fragen ber katholischen Dichtung annehmen. Es müssen überall lebenbige Kreise entstehen, die geistigen Raum für die Dichter schaffen helfen. Da bietet sich vor allem die Hilfe des „Werkkreises für katholisch« Dichtung der Zeit" (Arbeitsführung: Georg Basner, Heimschule am Laacher See) an. Der von ihm beschrittene Weg, der katholischen Dichtung ber Gegenwart durch das Ohr Zugang zum katholischen Volke zu schaffen, durch lebendige sprachkünstlerijche Darbietung für sie zu werben, ist ber sicherste unb wirksamste sowie ber unmittelbarste unb überzeugendste. Wenn er sich durchsetzt und seine Hilfe allseitig in Anspruch genommen wird, wird es unseren Dichtern an geistigem Raum nicht mehr fehlen.
kleine Mitteilungen.
Der Papst unb bie Kirchenmusik in Deutschland.
Am 3. Juni ds. Js. ließ der Hl. Vater an den Bischof von Würzburg Dr. Matthias Ehrenfried durch den Kardinalftaatsfekretär Pacelli ein bedeutungsvolles Schreiben richten, das sich mit der Pflege der Kirchenmusik befaßt. In der Diözese Würzburg wurden im April und Juni auf Wunsch des Bischofs durch den Diözesan- Cäcilienverein zehn kirchenmusikalische Führerkurse abgehalten, an denen fast alle Seelsorgs- geiftliche, Kirchenmusiker und Lehrpersonen der Diözese teilnahmen. Die Kurse standen unter Leitung des Diözefanpräfes, früheren Domkapellmeisters, Domkapitular Strubel und des Benedik- tinermufikers Pater Dr. Gregor S ch w a k e. Zu diejen Kursen äußert sich das Schreiben: „Alle Welt weiß, wie groß di« Sorge des Hl. Vaters ist, daß di« Gesänge der Kirche mit den liturgischen Gesetzen genau übereinstimmen. Denn Er weiß wohl, nichts trägt mehr zur Andacht der Gläubigen und zur Zierde des katholischen Kul- tus bei, als wenn das christliche Volk, das dem Gottesdienst beiwohnt, sich in den heiligen Gesängen wohl unterrichtet weiß. Darum beglückwünscht Dich der Hl. Vater von Herzen, daß Du, den Wünschen des Apostolischen Stuhles entgegenkommend, den besten Weg beschritten hast, di« Pflege der liturgischen Musik bei den Deinen immer mehr 3U verbreiten, indem Du zur rechten Zeit für die ganze Diözese kirchenmusikalische Kurse angeordnet hast. Der erhabene Pontifex erteilt allen Kursusleitern unb -teilnehmern seinen Segen." __________________
Jn ereignisreicher Zeil
ist die zetlung meulbehrstch!
z e n. Denn dort, und nur dort, wo eine Wahrheit oder eine Idee in ihrem ganzen blutigen Ernste in den Menschen eingegangen ist, drängt sie aus ihrem Inhalt und ihrer Fülle auch zur Tat; und nur diese Tat ist ccht und wahr; alles andere aber ist nur äußere Mache und öd« Augenblicksstimmung, die in Stunden der Entscheidung und höchster Gefahren versagt. So ist die beste apologetische Waffe das Leben selbst, das konsequente, grundsatz'este Leben aus überzeugtem Glauben, in echter Gesinnungs- und Arbeitsgemeinschaft mit der Kirche, deren Wort man hört und auch befolgt, deren Geboten man sich gerne beugt, deren Gnadenhilfe man annimmt und eifrigst benutzt.
Eche Religion zeige sich in einem praktisch gelebten Christentum. Sie soll ja auch dem Arbeiter nicht etwas sein, was man für die Wochentage wie einen Sonntagsrock wieder in den Schrank hängt; sie soll auch kein bloß äußerliches, rein mechanisches oder oberflächliches Mußchristentum sein aus Angst vor einem ewigen See. lenunglück oder ein Etwas, das man wohl von den Vätern ererbte, ohne es freilich in eigenem Ringen für sich zu erwerben, um es auch als selbst erworbenes, wirkliches Eigentum zu besitzen. Religion ist nicht bloßes Wissen um Geschehnisse und Wahrheiten und Gebote und Satzungen, ist nicht einmal nur Glauben, nur ein Fürwahrhal- ten bestimmter qeoffenbarter Wahrheiten, Religion ist Leben. Leben aber wird nur aus gion iftßeben. Leben aber wird nur aus schon liebewarm mit der Kirche und in der Kirche dem in der Welt fortlebenden Christus, leben und in ihren Gottesdienst, namentlich in das heilige Meßopfer, uns hincinlcben. Tun wir ruhig mit in der volkslitura'schen Bewegung und schöpfen wir aus dem Opfer Christi vor allem auch unsererseits Dp- fergesinnung, die allein uns vor dem Radikalismus bewahren und allein uns glücklich machen kann in aller Not der Zeit, insonderheit der wirt- fc!>aftlichen, die uns lähmt. Unzertrennlich aber ist die liturgische Gottgemeinschaft von der eucharistischen; sie ist Unterpfand eines glutvollen Gnadenlebens in uns. Hätten wir eine Armee von Arbeitern, die sich wenigstens monatlich mit dem Brote der Sorten stählte, so hätten wir damit den kräftigen Schutzwall gegen die Gottlosigkeit unserer Tage. Und krönen mir solche Gottgemein- jchaft noch mit den schönen Werken der Ein
kehrsonntag«, der religiös-sozialen Wochen und der geschlosjenen Arbeiterexerzitien, so haben wir den Sieg, den Sieg, der nach dem Worte der Schrift „die Welt überwindet", haben gotterfüllte Laienapostel, die als „die ersten und nächsten Apostel unter der Arbeiterschaft" (Pius XI.) ihre für Christus verlorengegangenen Schicksalsgenossen wieder zu ihm zurückführen können, haben christliche Arbeiterpersönlichkeiten die, ihrer Sendung in Stand und Beruf und Volk und Wirtschaft hinein sich stets bewußt, als demütige Werkzeuge in der Hand unseres Gottes sich entsprechend auswirken werden.
2. Christliche A r b e i t« r p« r f ö n l i ch - keiten! Die katholischen Arbeiter sind ein Teil der Arbeiter überhaupt; sie tragen mit allen Arbeitern das gleiche Arbeitslos und Arbeiterschicksal. Wenn sie sich dennoch nachdrücklichst als katholische Arbeiter bezeichnen, so nickt, um sich von den andersdenkenden Schicksalsgenossen zu trennen, oder gar in Gegensatz zu ihnen zu stellen. Wohl ist die katholische Arbeiterbewegung und auch die christlicke Gewerkschaftsbewegung aus solchen Gegensätzen geworden; aber man ist beiderseits über die Gegensätze hinausgewachsen und hat seine eigene große Sendung erkannt: die lebensstarken und lebensstärkenden und vorwärtsstrebenden Kräfte, wie sie im Christentum lebendig sind, der gemeinsamen Sacke der Arbeiterschaft dienlich zu machen. August Pieper, der greise Nestor unter den Führern und Bahnbrechern katholischer und christlicher Arbeiterbewegung, stellte vor Jahren einmal in einer kleinen, leider nur wenig beachteten Schrift die Frage, was wohl die christ. liche Arbeiterbewegung letztlich von der sozialistischen unterscheide; in dem kurzen, klassischen Satze gab er die Antwort: Erst durch den tätigen Gemeinschaftsgeist der dir i ft- liehen Bruderliebe wird man christ- lieber Arbeiter.
Christliche Bruderliebe! Erbarmungslose Lieblosigkeit beherrscht heute weithin das öffentliche Leben als notwendige Folge des Unglaubens und der Gottentfremdung in einem gottfernen Leben; das scheint sich gegenseitig zu bedingen; jchon Christus sprach davon, und noch früher zeigte es sich in der hl. Geschichte bei den Israeliten; auch sie tanzten, da sie vorn Herrgott abgefallen waren, um das goldene Kalb. Ist die heutige Geldsucht und Goldarioetung etwas anderes?
Di« Welt ist berauscht vom Mute Luzifers, wie Weis- mant-l das Geld einmal nennt; und dieser Rausch hat sie vergiftet. Brutal ist der Mensch geworden und lieblos bis zum Raubtierbiß, und das in allen Dvltsschichten, und in bittere, zähe Klassenkämpfe hat er sich wütend und tobend hineingestürzt. Was kann da helfen? Bloße äußere Organisation und Reform muß versagen. Nur die Liebe kann mit der Zeit eine Wendung herbeiführen, die Liebe zu und in der Volksgemeinschaft, und die Volksgemeinschaft in der Liebe. Eine bloße Machtprobe würde dem kapitalistischen Geiste gegenüber nur zu einer Niederlage der wirtschaftlich Schwachen führen. Allein der göttliche Geist der Siebe wird die Welt überwinden. Nicht mit äußern Machtmitteln gewann das Urchristentum die heidnischen Machthaber und Sklavenhalter und -Herren. Was sie wohl zumeist in den Bann und an den Taufbrunnen zog, war das „Seht, wie sie einander lieben", war die Bruderliebe, die letzten Endes auch Mammon und Petsche schachmatt setzte. Und heute? Wohl muß den wirtschaftlichen Würgern: den Konzernen des Mono- pollkapitakismus mit allem Nachdruck entgegen- getreten werden. Aber den Geist des brutalen Kapitalismus, der das Volk zersetzt und in zwei große feindliche Heerlager ausspaltet, können wir nur besiegen durch den Geist der Liebe, der christ- liidien Bruderliebe, die uns neue Volksgemeinschaft bringt. Pius X. hatte schon recht mit seinem Worte: „Alles erneuern in Christo", in der Bruderliebe, die er gepredigt und uns vorgelebt hat. Haß und Kamps reißen die Kluft nur noch weiter auf, die zwischen den Klassen und Ständen gähnt; die Liebe allein kann sie überbrücken. In diesem Sinne wirkt die Kirche; von ihr wollen wir uns Norm und Richtschnur geben lassen.
Tätiger Gemeinschaftsgeist! Der wahrhaft katholische Arbeiter denkt und fühlt nicht in Gegensätzen zu den anderen Ständen und Berufsschichten. Ihm ist das Volksleben ein organisches Gemeinschaftsleben, in welchem eins das andere bedingt, eins das andere ergänzt, eins das andere stützt, und jedes in der harmonischen Zu- sammenjassung aller Volkskräfte eine Bürgschaft höchsten Allgemeinwohles erblickt. In das Volksganze aber will er eingegliedert werden als gleichwertiges und gleichberechtigtes Glied; darauf hat er ein Anrecht, denn auch er dient ihm wie ein jeder anderer in jedem anderen Berufe; Arbeit ist
ihm Dienst am Volke. Und weil man es ihm noch verwehrt und die volle Achtung und Siner» kennung noch nicht zollt, deshalb führt er einen Kampf. Doch das ist kein Klaffen- oder Inter- esfenkampf, das ist ein „ständischer Freiheitskampf", um gesellschaftliche Freiheit und Ebenbürtigkeit zu erwerben, die andere Volksgruppen sich schon im Laufe früherer Jahrhunderte errungen haben. Wie man dem deutschen Bauern den Boden zu seinem freien Besitz überantwortet hat mit der Verpflichtung, mm aus diesem Boden alles herauszuholen, was notwendig ist, um den Haushaltstisch des deutschen Volkes mit dem Notwendigen zu decken, fo will auch der Arbeiter als Freier in G«. meinschaft mit den Unternehmern und Wirtjchastsführern in Industrie, Handel und Gewerbe die Verantwortung dafür tragen, daß die Bedürfnisse der deutschen Volksfamilie in bester Weise gedeckt werden. Das freilich scheint uns im gegenwärtigen System der Wirtschaft nicht möglich, in einem System, das die schnödeste und ruchloseste Diktatur ermöglichte, die des Goldes. Er will eine Wirtschaft, in der nicht mehr Kapital und Ware, fondern Unternehmer und Arbeiter als Menschen nebeneinanderstehen und miteinander wirken; in der dann auch die Technik aus ihrer jetzigen Stellung herausgehoben wird, um ihre eigentliche Mission zu erfüllen. All das wird di« Arbeiter nicht mehr herabdrücken und versklaven, es wird den Menschen heben und aus feiner Ar- beitsknechtlchaft befreien; der Mensch ist wieder Mittelpunkt der Wirtschaft. Jn diesem Sinne sieht der katholisch« Arbeiter seine vielfache und verzweigte Betätigung in seinen Selbsthilfeorgani- sationen; sie sind ihm Vorstufen künftiger neuer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung auf Berufs* ständischer Grundlag«.
Doch bis zum Ziele ist noch weit; einen gar langen Weg sehen wir vor uns. Aber das kann und darf uns nicht entmutigen. Nichts reift eben vor seiner Zeit. Kraftvoll wollen wir alle mit- arbeiten Und stets opferbereit den großen Zielen dienen in echtem christlichem Gemeinschaftsgeist« aus der Bruderliebe in Christus. Sie sei und bleibe der Kern der Bewegung und die Kraft unseres regen, rastlosen Streben. Dann ist auch ber Meister selbst mit uns, und wir werden es schäften. -nd.