Fuldaer Zeitung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Dir. 157
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Sonntag, 10. Juli 1932.
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3alitg. 59.
Von Popen berichtet über das Lausanner Abkommen
Die Anterzeichnung ist am Samstag-vormiktag erfolgt. — Macdonalds Rede zum Abschluß der Konferenz. Der Akt der Ankerzeichnung. — Inkrafttreten voraussichtlich im Oktober. — Die Rückkehr der Delegation nach Deutschland. — Die Wirtschaft ist zufrieden. — pläne der Reichsregierung im Innern.
Am Freitag 19 Uhr sprach Reichskanzler von Popen von Lausanne aus im Rundfunk über das Ergebnis der Lausanner Konferenz, das im Laufe des Tages erzielt worden war. Die Rede wurde über alle deutschen Sender verbreitet. Der Kanzler führte u. a. aus:
Deutsche Frauen und deutsche Männer! Das deutsche Volk hat das Recht, von den verantwortlichen Regierungschefs auf dem schnellsten Wege über das Ergebnis der Lausanner Konferenz unterrichtet zu werden. In dieser historischen Stunde ist für Parteipolitik kein Raum, denn je größer das zu behandelnde Problem ist, umso freier und umso höher muß der Standpunkt sein, von dem aus man an die Lösung einer schweren Aufgabe herantritt. In Lausanne geht es um nicht mehr und nicht weniger als um das Schicksal des deutschen Volkes und mit ihm um das Schicksal der abendländischen Welt. Ich habe gearbeitet im besten Bewußtsein eines geschlossenen und starken Willens der deutschen Einheit, in dem Bewußtsein, Führer meines Volkes zu sein, das um feine wirtschaftliche und nationale Freiheit einen siegreichen Kampf zu führen hatte. Ist dieser Kampf erfolgreich gewesen? Sie, meine deutschen Landsleute, sollen das Urteil fällen, wenn Sie meine Ausführungen gehört haben. Sie sollen ein Urteil fällen, nachdem Sie gehört haben, was wir wollten und was wir erreicht haben.
Der Reichskanzler skizzierte dann im einzelnen die Aufgabe, die es zu lösen galt. Die Wiederherstellung des Vertrauens der Welt erforderte die restlose Beseitigung der Reparationszahlungen. Darüber hinaus aalt es aber auch, einen Weg zu zu suchen, der das Vertrauen derVölker auch von den Schlacken befreite, die in seinen Folgen sehr schwere und unerträgliche wirtschaftliche Lasten für Deutschland bedeuteten. Für die Wiederherstellung eines solchen Vertrauens in der weitesten Form waren wir bereit, eine allerletzte Kraftanstrengung zu machen. Für diese Ziele haben wir über drei Wochen lang schwer gekämpft. Wir sind hart und unnachgiebig geblieben, weil wir die große Not in Deutschland kannten, weil wir von dem bangen Hoffen so vieler Arbeitsloser wußten, weil wir die Verantwortung fühlten für die 65 Millionen Menschen, und weil wir uns darüber klar waren, daß jedes Abweichen von unserer Linie Deutschland und die Welt nur noch tiefer in das Unglück führen würde. Schwerste Krisen waren zu bestehen. Oft schien kaum ein Ausweg möglich. Die Folgen eines Scheiterns waren aber so groß und so unübersehbar, daß immer wieder zerrissene Fäden neu geknüpft werden mußten. Der Kanzler dankte in diesem Zusammenhang für das mustergültige Verhalten des gesamten deutschen Volkes in diesen schweren Wochen. Der Bruch dieser Konferenz würde jeden Aufschwung in Deutschland un=» möglich gemacht haben. Es bestand die Gefahr eines weiteren Niederganges des deutschen Wirtschaftslebens und weiter steigender Arbeitslosigkeit mit allen ihren schweren Folgen, insbesondere finanziellen Folgen für das Reich die Länder und Gemeinden. Ein Bruch hätte aber auch eine weitere Erhöhung der Verwirrung und der sozialen Spannungen gebracht. Die Nichtbereinigung der Reparationsfrage hätte die Abhängigkeit'vom Ausland fortbestehen lassen, die Möglichkeit von Sanktionen offengelassen und schließlich politische Befriedung besonders zwischen Deutschland und Frankreich unmöglich gemacht. Die sich ergebenden innen- und außenpolitischen Schwierigkeiten würden Deutschland in den Abgrund stoßen, die Schuld .des Scheiterns den Ring der Siegermächte wieder um uns geschlossen haben.
Der Doungplan ist gefallen. Zahlungen von über 33 Milliarden Mark mit Jahresleistungen von rund 2 Milliarden beseitigt. Der Reichskanzler skizzierte kurz das Ergebnis der Konferenz, wie es bereits in einer amtlichen Mitteilung wiedergegeben worden ist. Die von der deutschen Regierung gemachte Kraftanftrengung hat den Sinn, einen letzten Beweis unseres festen Willens zu geben, für die wirtschaftliche Äiederaufrichtung der Welt unsere Kräfte einzusetzen, soweit die heutige Lage es gestattet. Mer — und das spreche ich in vollem Bewußtsein meiner großen Verantwortung als Vertreter der deutschen Regierung aus — diese letzte Kraftanstrengung konnte nur dann ihren Sinn und Wert haben, wenn die weiteren Auswirkungen der hier getroffenen Vereinbarungen Su seiner Klärung derjenigen politischen Fragen führen, welche die Rechte des deutschen Volkes beute noch einengen. Im Namen Deutschlands welde ich schon heute erneut den Anspruch vor der ganzen Welt an, als Volk mit gleichen Rechten und mit gleichen Wichten in der ganzen Welt behandelt zu werden- — Diese Frage, inbesondere ce der Kriegsschuld und die der Wehrfreiheit find wischen den Staatsmännern eingehend erörtert worden. Wenn heute auch noch nicht alle Natio-
5U e’ner Anerkennung unserer Rechte bereit e? ' ’n sind diese die deutsche Ehre betreffenden £ ö$en nun vor dem Weltforum aufgeworfen. Dvl^^e Zeitablchnitt, der heute für das deutsche fcf, ke9nint, die nun wiederhergestellte wirt-
st 'che Freiheit und Unabhängigkeit von den an
deren Ländern werden es der deutschen Regierung ermöglichen, nun auch die politische Freiheit zu erkämpfen. Unser Weg von der heute erreichten wirtschaftlichen Liquidierung des Friedens wird und muß zu dem Frieden in Ehren führen. Darin weiß sich heute die deutsche Regierung mit dem gesamten deutschen Volke einig.
Vie die deutsche Delegation urteilt.
Die deutsche Delegation beurteilt das Lausanner Abkommen wie folgt:
Nach wochenlangem harten Ringen hat Deutschland auf der Lausanner Konferenz sein Ziel, die restlose Beseitigung der Reparationen, erreicht. Mit dem Abkommen ist mit Wirkung vom 1. Juli 1932 ab die Regierungsschuld aus dem Aoung- Plan in Höhe von zirka 35 Milliarden Rin. gefallen . Das bedeutet die Beseitigung einer auf 57 Jahre sich erstreckenden jährlichen Zahlung, wovon auf die ersten 35 Jahre jährlich rund zwei Milliarden entfallen. Keinerlei Reparationszahlung irgendwelcher Art und Form ist in Zukunft mehr zu leisten.
Deutschland hat die entsprechend dem Hoover- Moratorium übernommene Nachzahlungsverpflichtung bei der Gesamtregelung mit in Ansatz bringen müssen. Diese Verpflichtung wird aber nicht etwa in festen Jahresraten gezahlt, sondern durch besondere Reichsschuldverschreibungen dargestellt, die nur dann auf den Markt gebracht werden dürfen, wenn das wirtschaftliche Gleichgewicht Deutschlands wieder hergestellt ist. Vorerst beginnt weder Zinslauf noch Tilgung auf diese Reichsschuldverschreibungen. Die Begebung der Reichsanleihe auf den auswärtigen Märkten kann nur in einer "Höhe erfolgen, die der tatsächlichen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entspricht. Von besonderer Wichtigkeit ist, daß, soweit innerhalb einer Frist von 12 Jahren die Begebung auf den ausländischen Märkten nicht gelingt, der nicht begebene Restbetrag verfälll. Ob die Reichsanleihe also überhaupt begeben werden tarnt, wird davon abhängen, ob Deutschland im Zeitraum von 12
Jahren seine volle wirtschaftliche Leistungs- und Kreditfähigkeit wieder erlangt.
Der entscheidende Unterschied und Fortschritt gegenüber den vorgesehenen Hoover-Zahlungen mit ihrer Gefährdung durch den Transfer liegt darin, daß jede Zahlung nur dann in Frage kommt, wenn die deutsche Kreditlage es gestattet.
Die Marimalhöhe dieser von uns unter Voraussetzung einer vollkommenen wirtschaftlichen Gesundung zu leistenden gesamten Zahlung beträgt drei Milliarden Rmk., deren Begebung, wie schon gesagt, davon abhängt, ob sie innerhalb der 12jährigen Frist ohne Störung unserer Leistungsund Kreditfähigkeit auf den ausländischen Märkten plaziert werden kann.
Mit der endgültigen Beseitigung der Reparationen ist unsere Unabhängigkeit in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht vollkommen wiederhergestellt. Dadurch ist also auch die vollkommene Loslösung von bisher noch nach dem Poung-Plan bestehenden Bedingungen insbesondere auch der Reichsbahn und der Reichsbank und die völlige Wiederherstellung unserer inneren Souveränität erfolgt.
Kreditpolitisch schafft die Streichung der Reparationen eine neue Grundlage für den deutschen Kredit. Damit ist die wesentlichste Voraussetzung für den Aufschwung der gesamten Wirtschaft gegeben.
Politisch bedeutet das Ergebnis der Lausanner Konferenz die Befreiung aus den Fesseln der Reparationen und den Beginn einer neuen Aera zwischen den Völkern. Mit den Lausanner Verhandlungen ist aufs engste verknüpft gewesen die Erörterung der politischen Fragen, die die Deutschland durch den Versailler Vertrag vorenthaltene Gleichberechtigung betreffen. Durch zahlreiche Besprechungen mit den führenden Staatsmännern sind sie der Lösung weiter entgegengeführt. Unser Standpunkt, in .dieser Lebensfrage des deutschen Volkes ist durch die Lausanner Verhandlungen festgelegt und kann, wenn er auch hier noch nicht von allen Nationen angenommen ist, nie wieder aus der Erörterung verschwinden. Die Reichsregierung wird die durch den Vertrag von Lausanne gewonnene außenpolitische Freiheit benutzen, um die politischen Fragen auch weiterhin mit großer Energie zu betreiben.
arbeitet und auf die Experten. — Wenn die Kon- ferenz von Lausanne, wie wir hoffen, in Gegenwart und Zukunft günstig beurteilt wird, so ist das großenteils ein Verdienst dieser Männer".
Zum Schluß drückte Macdonald als Präsident der Konferenz feinen allerherzlichsten Dank an alle aus, die ihm bet der schweren Arbeit so treu geholfen hätten. Er dankte im einzelnen allen Beamten der Konferenz, dem Sekretariat und der Presse und sprach noch einmal feine Wünsche für eine gute Zukunft aus. Darauf wurde die Konferenz mit einem Hammerschlag geschlossen.
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Die Inkraftsetzung des Lausanner Vertrages wird voraussichtlich noch einige Monate dauern, da die Parlamente in den beteiligten Ländern ihn erst ratifizieren müssen. Die wichtigste Ra- tisikation ist natürlich die durch den Reichstag, der Ende August zum erstenmale zusammen tri11 und hiermit gleich im September vor eine bedeutungsvolle Aufgabe gestellt wird. Schätzungsweise könnte der Vertrag von Lausanne dann etwa im Oktober in Kraft treten.
Der Kanzler fährt nach Aendeck.
Der offiziöse Draht teilt folgendes mit:
ERB. Berlin. 9. Juli. (Eig. Meld.) Wie wir erfahren, wird nach der für morgen erwarteten Rückkehr der deutschen Delegation das Reichskabinett am Montagvormittag um 10 Uhr eine Sitzung abhalten, in der der Reichskanzler über den Verlauf und das Ergebnis der Konferenz persönlich Bericht erstatten wird. Im Anschluß daran wird der Kanzler dann um 11.30 Uhr d i e Presse empfangen, um der deutschen Oef- fentlichkeit die neue Situation noch mehr im einzelnen auseinanderzusetzen, als das in feiner kurzen Rundfunkrede möglich war. Im Laufe der Woche fährt Herr von Papen auch nach Neu- deck zum Vortrag beim Reichspräsidenten, »tiefer Besuch findet aber erst in der Mitte oder der zweiten Hälfte der Woche statt, da der Reickspräsi- dent den Wunsch hat, sich zunächst einige Tage zu erholen. Hindenburg soll mit dem abschließenden Erfolg, den die deutsche Delegation aus Lausanne mitbringt, zufrieden sein. In diesem Zusammenhang läßt sich übrigens feftftelfen, daß dis Befriedigung über den positiven Ausgang der Konferenz in Berliner politischen und vor allem auch wirtschaftlichen Kreisen ziemlich allgemein ist. Dabei wird besonders auf die außerordentlich starken Sicherungen hingewiefen, an die die Ausgabe der drei Milliarden Bonds gebunden worden ist.
Die innenpolitischen Pläne.
Das Reichskabinett wird bereits im Laufs der nächsten Woche an die großen Aufgaben des inneren Programms Herangehen, die noch nicht in die letzte Notverordnung einbezogen werden konnten. Dazu gehören in erster Linie dis Maßnahmen, durch die in großem Stil1 der Arbeitslosigkeit entgeg engetreten werden soll. In den zuständigen Ministerien ist man auch während der drei Wochen von Lausanne eifrig an der Arbeit gewesen, um dis Vorlagen hierfür fertigzustlllen. Im Mittelpunkt dieses Programms steht die Arbeitsdienst- pfl1 ich t und in Zusammenhang damit die Sieb» T u n g und dieBeschäftigungderJugenitz die man durch Zusammenfassung zu Wehr - und Sportverbänden von der Stra ß e h erunt erbringen will. Hierfür sind in Zusammenarbeit zwischen dem Reichsinnen- und dem Reichswehrministerium bereits Pläne ausgearbeitet worden. All diese Probleme wird die Reichsregiexung auch während der Zeit des Wahlkampfes nun in den nächsten Wochen so vorwärts treiben, daß man sobald wie möglich zu praktischen Lösungen kommt.
Ilebenleiskungen Deutschlands.
ERB. Berlin, 9. Juli. (Eig. Meldg.). Zu dem Abschluß des Lausanner Abkommens erfahren mir von unterrichteter Seite, daß bei den Verhandlungen die Frage der Nebenleistungen noch nicht endgültig bereinigt worden ist. Insbesondere gilt dies für die deutschen Leistungen an Amerika, die selbstverständlich überhaupt nicht erörtert werden konnten, da Amerika nicht an den Lausanner Verhandlungen beteiligt gewesen sei. Die Leistungen an Amerika gliedern sich in: Die sog. Mixen Elaimes, die bis 1981 laufen und jährlich etwa 40,8 M i l. Honen ausmachen und die Besatzungsko- ften von 25 Mill, jährlich, die bis 1966 lau- f en. Weitere Lebensleistungen sind: Die Zahlungen aus aus dem belgischen Markab- kommen, das zunächst ebenfalls bis 1966 läuft und Annuitäten von 26 Mill, abgleitend bis zu 21 Mill, vorsieht, und außerdem der Dienst aus der Dawes- und Pounganleihe von zusammen gegenwärtig etwa 170 Mill. Rm., dis aber auch in späteren Jahren absinken auf einen geringeren Betrag.
Die heutige Schlußsitzung.
wtb. Lausanne. 9. Juli. (Eig. Meld.) Pünktlich um 10 Uhr begann in dem großen Sitzungssaal, in dem vor etwa drei Wochen die Konferenz eröffnet wurde, die feierliche Schlußsitzung. An dem großen hufeisenförmigen Tisch hatten die Vertreter der Mächte in der gleichen Reihenfolge Platz genommen wie damals. Zahlreiche zugelas- fene Gäste aus dem Publikum und die Pressevertreter umsäumten den Beratungstisch. In der Mitte sitzt Macdonald als Präsident, rechts neben ihm Frankreich, links England, anschließend Deutschland. Nachdem die Hammerschläge gefallen sind, die die Konferenz eröffnen, erteilt Macdonald dem britischen Außenminister das Wort, um im Namen Großbritanniens eine Erklärung abzugeben. Sie hat die Bedeutung, daß die Erklärung vorn 16. Juni, mit dem der Aufschub aller Kriegsschuldenzahlungen für die Dauer der Konferenz von Lausanne ausgesprochen wurde, auf eine solche Frist weiter ausv- dehnt wird, bis der heute unterzeichnete Vertrag ratifiziert und in Kraft gesetzt oder abgelehnt ist. Die gleiche Erklärung in gleichem Wortlaut wird nach dem englischen Vertreter von Germain-Martin für Frankreich und von Mosconi für Italien abgegeben.
Macdonald registriert diese Erklärungen für das Protokoll und erklärt:
„Nunmehr ist der Augenblick gekommen, um die Verträge zu unterzeichnen."
An einen kleinen Mitteltisch innerhalb des Hufeisens, an dem sonst die Uebersetzer ihres Amtes walten, treten nun. einer nach dem anderen, die Delegierten der Mächte, um mit der bereitgehaltenen goldenen Feder die verschiedenen Unterschriften zu vollziehen.
Die fünf einladenden Mächte leisten in alphabetischer Reihenfolge, ferner die britischen Dominien und Polen die Unterschriften mit einer goldenen Feder.
Als letzte unterzeichneten die deutschen Delegierten in der Reihenfolge: Reichskanzler, Reichsaußenminister, Reichsfinanzminister und Reichswirtschaftsminister, denen nacheinander vom Generalsekretär der Konferenz Sir Maurice Han- key die Dokumente vorgelegt werden. Dem Vertrag wird das goldene Stabtfiegel der Stadt Lausanne, gefertigt von dem Goldschmied Antoine Bovard, angefügt, mit dem zuerst am 7. Dezember 1525 der Vertrag zwischen den Städten Bern, Freiburg und Lausanne bekräftigt worden war.
Macdonald teilt hierauf mit, daß zum Vorsitzenden der Kommission für nichtdeutsche Reparationsfragen der Belgier Theunis und zum Vorsitzenden der Kommission für mittel- und osteuropäische Fragen der französische Minister Georges Bonnet vorgeschlagen sind, und erbat und erhielt hierzu die Zustimmung der Versammlung.
Die Frage der Welt wirt schafts- und F i nan z k o ns er enz, so teilte er mit, werde später von den Regierumgen geprüft und behandelt werden. Er verliest den Entwurf eines Telegramms an die schweizerische Regierung. Darin wird der lebhafte Dank der Konferenz an die schweizerische Eidgenossenschaft und die Stadt flau6 , sänne für ihre Gastfreundschaft und für bivi Mühewaltung aller Behörden ausgesprochen, fÜ" die vorzüglichen Anordnungen, die der Konfe , renz ihre Arbeit erleichtert haben und einen gro ' tzen Beitrag zu deren glücklichem Ausgange uni • der Lösung der Reparationsfrage geliefert hätte^
Anschließend hielt Macdonald in der ihm eigenen nachdrücklichen Sprache und in merklich.r Bewegung feine große Schlußrede.
Macdonalds Rede.
w!b. Lausanne, 9. Juli. (Eig. Meld.) Macdonald erklärte in seiner Rede: Wir haben drei Wochen um eine Einigung gerungen. Es war nWt leicht, denn die Völker, wie die Menschen such, hängen an ihren Erinnerungen. Aber wenn wir einen Schritt nach vorwärts machen wollen/ müssen wir uns von diesen Erinnerungen befreien. Die Konferenz von Lausanne ist das letzte Kapitel des alten und das erste des neuen Buches. Das Kapitel der Repa- r a t i o n e n ist geschlossen. Die großen Zahlungen des Transfers sind ein Verhängnis f ü r alle Volker gewesen, der Ursprung all unserer Leide n. Wir Haden nun eine einfache und vernünftige Losung gefunden. Es ist richtig, daß auch Deutschland sich an dem europäischen Wiederaufbau beteiligt. Ader es märe unvernünftig, große Summen zu verlangen, die nur d i e Unordnung fortsetzen und vermehren. Wir haben keine politische Klausel in unserem Dokument angebracht: aber wir werden keinen Frieden, keine Sicherheit ohne einen Erfolg der Abrüstungsarbeit haben. Es ist schwer, die Entwicklungslinie zu durchbrechen, aber es ist notwendig, daß wir die Karten auf den Tisch legen. „Weite Straßen liegen vor uns!" s o ruft er zum Schluß mit Emphase aus, „d i e in den Frieden, in die Sicherheit und in die Wohlfahrt der Menschen führen".
Lebhafter Beifall lohnte die schwungvoll vorgetragenen Worte.
Nach der Uebersetzung der Rede Macdonalds sprach H e r r i o t: „Ich grüße ehrfurchtsvoll den Präsidenten dieser Konferenz und sage ihm höchsten Dank. Diesen Dank, dehnen mir aus auf den Generalsekretär der Konferenz, auf seine Mit