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MMMÄMUM

Nr. 154

Vellage zur Fuldaer Aeikuug

7. Juli.

Vergänglichkeil.

Ein Schmetterling taumelt in Blütenduft, Lichttrunken und seiden in flimmernder Lust. Kornähren wogen golden und schwer — Heute noch — heute noch — morgen nicht mehr.

Aus Heu und Rosen flattert Gesang, Line Tanzgeige lockt und Becherklang. Das Leben flutet so jung noch und leer — Heute noch — heute noch — morgen nicht mehr.

Ein Schmerz schäumt über. Ein schwarzes Gewand, Don entgleitenden Blicken kaum umspannt.

Die Wimper umflort sich, das Herz wird schwer — Heute noch — heute noch — morgen nicht mehr.

Bernhard Schulz.

Vollwerke gegen den Bolschewismus!

Zur Zeit spielen sich viele Menschen als Beschüt­zerder Kirche auf — und es gibt auch manche, die sich von dieser Boschützerrolle verblüffen lassen. Im katholischen Rheinland hörten z. B. Frauen ergriffen einer nationalsozialistischen Rednerin zu, als sie mit großem Schwung erklärte, daß wir in den Kir­chen noch beten und knien dürften, daß die Klöster noch nicht in Flammen aufgegangen seien, verdankten wir allein dem Dasein der braunen Jungens der Hitler- trupp en I

Uns beschleicht doch ein ungläubiges Staunen ob die­ser großen Worte. Wir haben noch nirgendwo in Deutschland erlebt, daß man Kirchen in Brand steckte und Klöster schloß, und daß die Hitlerfoldaten zum Schutze der Gläubigen heranziehen mußten. Wir ver­trauen, daß der Staat bis heute noch so viel Kraft hatte, um randalierende Banden zur Ruhe bringen zu können, und wir hoffen, daß er ebenso national sozia- listische Ausfälle gegen Kirche und Kle- rus wird unterbinden können. Aber es handelt sich ja nicht allein um das Niederhalten von Revolten; wir wollen uns im Kampf gegen den Bolschewismus doch nicht nur vor dem Ausbruch eines Gottes- und Kirchen- Haffes schützen, sondern diesen Haß selbst be­siegen.

Ob uns dabei der Nationalsozialismus, der ein ei­genes Evangelium vom Willen zur Macht, vom Recht des Stärkeren und der Moral der Raffe predigt, ein gu­ter Bundesgenosse wäre, wagen wir zu bezweifeln.

Es sieht ein wenig danach aus, als böte sich hier der Bock zum Gärtner an. Das katholische Volk braucht sich nicht einen so zweifelhaften Beschützer, der katholische Geistliche angreift und zu wesentlichen Lehren des kath. Glaubens in bewußtem Widerspruch steht, auszusuchen. Die Treue zur Kirche, die Glaubensfestigkeit des kathol. Bolkes und seine unbesiegbare und geduldige Liebe zu den Mitmenschen, sind die sichersten Boll­werke gegen den Bolschewismus. Eine katholische Frau, die sich nicht kleinmütig machen läßt, schützt ihre Kirche besser als jeder kampfbereite SA.-„Held". Schr.

Politische „Rinbetfreunbe**.

Wir haben bisher gegen die Politisierung der Ju­gend, der unmündigen Kinder, durch die S o z i a l i st e n und Kommuni st en ankämpfen müssen. Wir müs­sen den Kampf heute auch nach einer anderen Seite ver­legen. Die Nationalsozialisten rühmen sich, daß viele ihrer jungen Anhänger heute als Führer in ihrer Bewegring stehen und nicht bei den Kommunisten sind, weil sie als Schulkinder aus kommunistischem Elternhaus von den Nationalsozialisten ausgenommen und in Ferien geschickt wurden.

Die Befreiung einer jungen Seele vom Klafsenhaß, ihre Erfüllung mit nationalem Bewußtsein fft etwas ganz Großes, wenn das Kind damit zugleich dem Bereich des politischen Hasses überhaupt entzogen wird. Eine Seelenkultur aber, die eine Krankheit durch ein Gift vertreibt, das eine neue, schwere Krankheit heraufführt, sollte man nicht als wahren Heilungsprozeß feiern! Der Klafsenhaß wird durch den Rassen­haß verdrängt. Auf den Kindergesichtern werden die Spuren des Fanatismus nicht ausgelöfcht. Das junge Gemüt wird wieder in Haß und Groll gegen be­stimmte Menschen verhärtet.

Wir werden als katholische Frauen in der Zukunft wohl noch schwere Kämpfe bestehen müssen, damit man den Menschen eine Jugend erlaubt, die

Das Wunder.

„Hierher, Nero, hierher, willst du wohl!"

Nein, war der Hund ungezogen, völlig unbrauchbar zur Jagd! Die Zornesader auf der Stirn des Gutsherrn schwoll. Aber Nero hörte nicht, raste um das Herren­haus, durch den Park, über die gepflegten Rasenflächen, quer durch das Gebüsch, schüttelte ab und zu die Beute, die er im Maul trug, legte sie spielend vor sich hin, um sie im nächsten Augenblick wieder aufzunehmen und da­von zu sausen, ohne sich um die Rufe feines Hern zu kümmern. Noch viel weniger machte er sich aus den angstvollen Pfiffen des alten Hausdieners, der die Wichs­bürste in der Hand, den Jagdstiefel seines Herrn in der anderen, dem Hund nachsetzte. Den dazu gehörigen zwei­ten ©tiefe feines Herrn schleppte Nero mit sich fort und schüttelte ihn in falschem Jagdeifer, daß ihm die Riemen um's Maul flogen. „Verflixte Kreatur! Gib den Schuh her, elendes Vieh!" wütete der Gutsherr, indem er sich der Gartenpforte näherte, durch die der Hund verschwun­den war. Da endlich kam der Ausreißer angesprungen, allerdings ohne Schuh, und umkreiste laut bellend seinen Herrn, der ihm zunächst einen gut gezielten Hieb versetzte, dann aber entgeistert geradeaus starrte durch'? Garten­tor auf die Straße, wo gerade ein kleiner Junge davon- -tef, in einer Hand eine Tüte, in der anderen den Schuh. Der schwenkte vergnügt den Fund: So ein feiner Schuh, den konnte der Vater sicher brauchen, auf alle Fälle die Sohle davon; Vater flickte ja alle Schuhe selbst. Wenn bloß 'n Hund damit spielte und dann stehen ließ, na, dann konnte man ihn doch mitnehmen! Fritzchen pfiff ein wenig vor sich hin, schon in Vorfreude auf das mor­gige Mittagsmahl. Kartoffeln und Pflaumen, hatte die Mutter gesagt, und die Backpflaumen, ein ganzes Pfund, die trug er bei sich, hatte sie eben beim Kaufmann geholt. Der hatte noch einmal angeschrieben, zum allerletzten Male, hatte er gesagt. Also die Pflaumen und nun der feine Schuh —!

Der Gutsherr rannte wie nie im Leben, hatte dem

frei ist von der Verhetzung des politischen Kampfes, in der sie ganz frei sind, di« Stärk« und Krast chres gebens aus der ® o 11 es liebe, nicht aber aus MeiffcheNhaß zu holen.

Immer basfelbe?

(Ein Mahnwort an unsere Jrauen.

Schon wieder schellt es an der Haustüre l Ein armer Wanderer bittet um eine kleine Unterstützung. Die Frau öffnet chrn und sagt kurz und barsch: .Zmmer dasselbe, wir sind selbst arm!" und schlägt gleichzeitig die Türe zu.

Immer dasselbe? Nein, jeder menschliche Fall fft anders gelagert, jeder einzeln« Mensch unterscheidet sich vom andern. Der eine fft schüchtern, der andere auf­dringlich und die Lage eines Jeden muß einmal so und ein andermal anders beurteilt werden.

Eines aber merke man sich: Jeder Bittende ist einer Antwort wert, einer Gabe oder wenigstens einer freund­lichen Abweisung, die das Verständnis für feine miß­lich« Lag« ahnen läßt. Zum Vergnügen geht auch heute noch keiner betteln. Und man kann bei gutem Willen schon Mitleid und Verstehen für die Notlage des bitten­den Menschen aufbringen, auch dann, wenn wir selbst arm sind und vielleicht nur ein trockenes Stückchen Brot abgeben können. Ein freundliches Wort aber stärkt bestimmt das Selbstvertrauen des Be­drängten.

„Sommer-Röschen".

(Ein Kapitel über Sommersprossen, Buttermilch und vbstsäste.

Die WegezuKraftund Schönheit, wie einer unserer modernen Schlager der Körperkultur heißt, sind vielgestaltig und reichgewunden. Die sommerliche Sonne hat jetzt auch nach dieser Richtung hin viel zu tun, denn die „Schattenhüte", die den bleichen Teint erhalten sol­len, sind zum großen Teil außer Kurs gekommen. Heute empfinden wir sonnengebräunte Gesichter als wohltuen­den Ausdruck von Gesundheit und Körperfrische. Eine Unannehmlichkeit aber haben dl« Sonnenkuren zumeist im Gefolge, nämlich das Auftreten von Sommersprossen, die während der Wintermonate »«blaßt waren, und der Hoffnung Raum gaben, nie wiedar Mufautreten. „Som­

merröschen" werden diese Fleckenbildungen auf der Haut auch genannt, weil des Sommers Sonne sie lustig sprießen läßt. An sich beruht diese Erscheinung auf einer bestimmten Pigmentbildung der Hautzellen, die angebo­ren ist, und die durch äußere Mittel nicht beseitigt werden kann. Da der sogenannten Schönheit aber Opfer ge­bracht werden müssen, bringt man gerade die Sommer« röschen „auf die Bleiche". Ihr Verblassen besorgt das Waschen mit Buttermilch, die auch der ganzen Haut för­derlich ist und sie weich und geschmeidig macht. Länd­liche Hausfrauen aber meinen, daß die Buttermilch am besten als Buttermilchsuppe eingenommen wird, um von innen heraus zu wirken. Mit ihr konkurriert die Zi­trone, die ebenfalls beim Entfernen der Sommer­sprossen gute Dienste leisten soll, wenn die Haut mit fri­schen Zitronenscheiben abgerieben wird. Schon unsere Großmütter und Urgroßmütter haben diese Mittel mit bestem Erfolg benutzt. Frisches und köstliches Aussehen soll die Haut auch erhalten durch Waschungen mit Apfel­sast, da man den Vitaminen der Obstsäfte anregende Wirkungen zuschreibt. Sie verstopfen nicht, wie Puder und Schminke, die lebenswichtigen Poren, sondern öffnen diese für Licht, Lust und Sonne.

Rühle Zimmer im Sommer.

Don Diplom-Ingenieur Konrad Nordmann, • Hannover.

Kühle Zimmer werben an . Heftzen Sommertagen als ein« besonder« Annehmlichkeit empfunden. Nicht jede Hausfrau verficht nun auch die Zimmer kühl zu halten. Zu diesem Zweck heißt es stüh aufstehen und sorgfältig lüften, solange die Sonne noch nicht hoch am Himmel steht. Ein kräftiger Durchzug sorgt gleichzeitig dafür, daß alle warme Lust aus den Zimmern entfernt wird. Nun werden die Rolläden geschloffen, ebenso die Fenster, wobei man an sehr warmen Tagen noch flache Gefäße mit kühlem Wasser, das öfter erneuert wird, aufstellen kann. Noch besser fft es natürlich, wenn man in der Lage fft, Eisstücke im Zimmer schmelzen zu lasten. Ist dann die Sonne untergegangen, muß wiederum tüchtig gelüstet werden, wobei man aber darauf zu achten hat, daß auch di« oberen Fenster geöffnet werden, denn die warme Luft steigt in den Zimmern nach der Decke und erzeugt dort die schwülen Temperaturen, die den Aufent­halt im Zimmer fo unbehaglich machen.

Am Frauenrechke.

Gegenüber den großen Sorgen um Deutschlands Zu­kunft tritt selbstverständlich die Frage zurück, ob die Frau im zukünftigen Deutschland auch ihr Recht finden wird.

Die Frage tritt zurück, aber sie wird nicht nebensäch­lich und erst recht nicht überflüssig. Ein Volk kann nur zu einer glücklichen Entwicklung kommen, wenn auch seine Frauen sich zu vollen, starken Persönlichkeiten entfalten können, zu Menschen, die ihr äußeres wirtschaftliches und ihr inneres seelisches, geistiges und kulturelles Leben ver­antwortlich gestalten und meistern. Wir gehen noch einen Schritt weiter und sagen, daß die Frau und ihr Volk ein Recht dazu haben, entscheidende Entschlüsse mit der ver­antwortlichen Stimme der Frau zu treffen. Die Sorge und Liebe, die eine Frau um ihr Volk hat, berechtigen und befähigen sie, weittragende politische Entscheidungen mit zu überlegen und auch zu fällen.

Wir würden es nicht allein um der Frau, sondern auch um des Volkes willen beklagen, wenn man die Frau als Parlamentarierin ausschalten oder ihr sogar das Wahlrecht nehmen würde.

Aber nicht allein die politische Stellung der Frau befindet sich in Gefahr, im Berufsleben wird sie hart angegriffen als Eindringling. Es wird nicht mehr gesehen, mit welcher Fülle von Arbeitskraft, Ge­schicklichkeit und Fähigkeiten Wirtschaft und öffentliches Leben bereichert wurden von Frauenseite. Man wendet sich auf das schärfste dagegen, daß auf Grund ihrer Lei­stungen Frauen auch zu Einkünften, Selbständigkeit und Geltung gekommen sind. So streitet man es der Frau ab, daß sie im Beruf für sich selbst einen Wert errungen habe, nämlich den Beweis einer tapferen Selbstbehaup­tung, und daß sie mit ihren Kräften auch der Gesamthett diene. Die Frauenberufsarbeit soll den Stempel der Minderwertigkeit erhalten, und die Möglichkeiten der Be­reicherung, die in ihr liegen, sollen geleugnet werden.

Im Tiefsten kommt dieser Ansturm gegen die Frau

im Beruf und öffentlichen Leben aus einer neuen Welle von Anschauungen und Stimmun­gen, die alle Fragen des Lebens auf einige ganz ver­einfachte Vorstellungen zuschneiden möchte. Das Leben ist ein Kampf brutaler Mächte. Die besseren Arten werden sich in diesem Kampf zu Herren der nie­deren machen. Der Stärkere, der zugleich der „Besse t>" >st, hat die anderen in Zucht zu galten und auf die Be­reiche des Dienens zu verweisen. Im Verhältnis der Geschlechter wird der Mann der fein, der die Welt, den Staat, die Wirtschaft und die Familie gestaltet. Die Frau hat sich vom Manne ihren Platz anweisen zu lassen und das Glück und den Inhalt ihres Lebens darin zu sehen, daß sie dem Manne und einer männlichen Welt dient.

Aus dieser Auffasiung, die auch im christlichen Sinne falsch ist, erwächst den Frauen im Berus und in der Oessentlichkeit eine erbitterte Gegnerschaft und die Gefahr der Verdrängung. Aber auch die Frau in der Familie, in der Ehe wird davon betroffen. Das oberste Gesetz ist nicht die Gestaltung der Ehe aus der Liebe, sondern aus lieber- und Unterordnung. Wenn die Frau aber nicht mehr als die gleichwertige Gefährtin bis Mannes geachtet wüd, wenn ihr die Fähigkeit ab­erkannt wird, Willen und Meinungen selbständig zu ent­wickeln, sondern wenn sie alles vom Manne entgegen­zunehmen hat, so ist das nicht allein eine schwere Krän­kung des Persönlichkeitsrechtes der Frau, sondern bringt auch eine geistige Verarmung der Familie und Che.

Es kommt hier im Augenblick nicht darauf an, die Frage in ihren ganzen philosophischen Tiefen aufzurol­len, sondern es muß auf ein anderes hingewiesen wer­den. Es sehen auch viele nationalsozialistische Frauen, daß eine Unterstellung der Frau unter den Machtwillen des Mannes durch die Geisteshaltung des Nationalsozialismus droht. Manche glauben, er könne

I alten Diener den andern Schuh aus der Hand gerissen — bann hatte man gleich den Beweis, daß man Eigentümer des gestohlenen Gutes war — und jagte dem Kleinen nach. Die Straße entlang, um'die Ecke; die Häuser rück­ten zusammen, wurden kleiner, ärmlicher, die Gärten verschwanden, wieder eine schmale Straße. — Frihchen hatte sich umgeschaut, den Verfolger erspäht. Vielleicht war es doch besser, ein wenig schneller zu laufen? Nur damit man zeitig zu Haufe war! Das sechsjährige Ge­wissen kniff nur ein ganz klein wenig, schließlich — wenn nur ein Hund damit spielte!---

Die kleinen Beine rannten von selbst. Klipp-klapp machten die Holzschuhe, — o Gott — da entfiel die Tüte der kleinen Faust, einen Augenblick stockte der Lauf, bann ließ Fritzchen die Aussicht auf das gute Mittagsmahl im Stich und tauschte sie gegen die Erwartung mütterlicher Prügel ein. Aber der Mann da hinter ihm, der wütende Mann! Der sah soeben die Tüte fallen. „So, bas nehme ich mit, das ist der beste Beweis! — Elende Zucht, ich werde euch lehren!" stoßweise gingen die Gedanken, da war die Tüte, aufgesprungen war sie auch, aha Pflau­men! Wohin damit? Und schon wieder im Lauf stopfte er die aus der geplatzten Tüte quellenden Pflaumen in den Schuh — ein Beweisstück zum anderen.

Als der Gutherr außer Atem an der Holzbaracke an­kam, durch deren Tür vor einigen Minuten das Kind verschwunden war, mußte er einen Augenblick stehen bleiben, einen Augenblick verschnaufen, sonst verschlug'? ihm das Wort, das er dem Diebsgesindel da drinnen ent­gegenschleudern wollte. Er trat hinter aufgehängte Wäsche, die schlapp und farblos wie eine Einheitsfahne dumpfer Armut auf . einer Seine den Hof überquerte. Aus dem Kellerloch stieg muffiger Geruch, irgendwoher klang der Ton einer Ziehharmonika. Zwischen den Wäsche­stücken sah der Gutsherr schräg in ein offenes Fenster. Ein Bord mit Töpfen, ein Holztisch, laute Stimmen, ein paar Kinder in der Ecke, ein schmales Männergesicht am Tisch---das war ja der Arbeiter, den er vor I

einigen Wochen entlassen hatte. Weswegen nur? Ach |

ja, der hatte sich ein Stück Baumstamm mitgenommen, als im Park abgeholzt wurde. Eigentlich war es ein ordentlicher Arbeiter gewesen, na ja, er hatte gestohlen. Ein wenig meldete sich ein Bedauern, das mußte über­tönt werden. Und der Junge? Das war ja ein rechtes Diebesnest hier! Denen würde er es schon zeigen!

Da warf der Vater gerade den Schuh auf den Tisch. Ochern und unfroh klang ein Lachen auf: „Mit einem Schuh! Da kann man nichts mit machen. Blödsinn, mitzubringen! Ein Hund, sagst Du? Junge, wenn der bloß nicht gestohlen ist!" — „Gib die Pflaumen." klang jetzt eine müde Frauenstimme, „die ganze Woche trockene Kartoffeln, vorgestern ein bißchen Speck; also morgen gibt’s Pflaumen. Ach Mann, hättest du damals doch nicht das Holz aus dem Park —" „Schweig still," schrie der Mann, „ich kann's nicht mehr hören, es lag da fo herum, das Holz, ich hab'? nun mal getan, und der Herr hat mich sofort entlassen, so in der Wut, das ist ein unguter, der! — Trag den Stiefel fort, dahin, wo du ihn gefunden, und gib die Pflaumen!" herrschte er den zitternden Knaben an. „Die Pflaumen — ja, die sind — --" Fritzchens Herz schlug bis zum Hals, „die hab' ich fallen lassen, die sind fort---, vielleicht gibt der

Kaufmann neue--ober es finbet sie wer und bringt

sie uns---". Verzweifelt suchte bas Kind nach

einem Ausweg, duckte sich schon in Erwartung des Straf­gerichtes, aber der Mutter Hand schlug nicht zu, sondern sank entmutigt in den Schoß. „So, bas glaubst bu?" Die Stimme klang ganz vergrämt. „Das glaubst bu? Da mühte ja schon ein Wunder geschehen!" Fritzchen schöpfte Mut: „Warum nicht, Mutter? In der Bibel stehen doch auch welche, fo mit Pflaumen ja nicht, aber es könnte doch mal fein, und vielleicht finde ich dann auch den zweiten Schuh, wo der Vater doch gar keine ordentlichen mehr hat---". Das Gesicht des Vaters verzerrte

sich zur höhnischen Grimasse: „Halt den Mund, Bengel, vertrackter! Wunder gibt’s nicht! Trag' den Stiefel fort --." Die Mutter schwieg, im Winkel meinten ein paar Kinder, Fritzchens Herzchen flatterte wie ein flügellah-

Wenn du di« Blume pflückst, fft sie gebrochen;

Wenn du das Glück genießest, ist's verschwunden;

Und ist das Unglück erst nur da, jo ist

Es auch bald überstanden. Grabbe.

sich später wandeln und wieder Achtung vor den grauen« rechten erhalten. Eine ganze Anzahl aber sieht ganz offen, daß die Bedrohung der Frauenstellung wohl aus dem Wesen des Nationalsozialismus erwächst. Diese Frauen, die trotzdem sich als Anhängerinnen der Hitler- bewegung bekunden, sagen meistens, daß es jetzt nicht an der Zeit sei, um Frauenrechte zu bangen. Sie erklä­ren, daß es um das Recht gehe, freie Kinder in Deutsch­land zu haben, das sei erstes Frauenrecht, dem ander« Rechte notfalls geopfert werden müßten. Das ist di« Antwort des Fanatikers, aber nicht des besonnenen Großmütigen.

Muß der Weg in die deutsche Freiheit notwendig mit solchen gefährlichen Opfern erkauft werden? Ist dies« Bewegung, die ich als Frau nur unter Verzicht auf große Rechte unterstützen könnte, wirklich allein fähig, Deutschland von den Kriegs- und Friedensvertragsfol­gen frei zu machen? Ja, kann überhaupt eine Bewe­gung, die solche Schädigungen dem größten Teil de» Volkes zufügen will, nämlich feinen Frauen und damit auch dem ganzen Volk, ein sicherer Garant für eine Zukunst in Ehre, Freiheit und Frieden fein?

Wir dürfen die schweren Bedenken, die wir als Frauen gegen diese Bewegung der Nationalsozialisten haben, nicht beiseite schieben. Wenn man so unbeküm­mert über Frauenrechte hinwegschreiten will, so bringt man sich in den Verdacht, in allen Fragen, die bas Recht bes Menschen und des Volkes betreffen* ein schlechter Anwalt zu sein. Schr.

Modische wüsche.

Von Gerda Andreas-Berlin.

Es hat sehr lange gedauert, bis sich die moderne Wäschefabrikation auf die neue Kleidermode eingestellt hatte, wie man überhaupt den Wäscheherstellern nicht gerade nachsagen kann, daß sie sehr rasch den durch die Mode bittierten Notwendigkeiten folgen. Moderne Wäsche wird vielfach als Luxusgegenstand ange­sehen, den man solange nicht auf den Markt bringt, wie noch alte Vorräte vorhanden sind. Dabei liegen di« Dinge doch so, daß ein selbst ganz einfaches, aber mo­disches Sommerkleid, aus billigstem Stoff verfertigt- nicht getragen werden kann, wenn nicht auch ein ent« sprechend langes Unterkleid vorhanden ist. Unterkleider von genügender Länge zu erschwinglichen Preisen, bie für die breite Masse in Frage kommen, wurden aber erst in allerletzter Zeit in größeren Men­gen auf den Markt gebracht. Im Mittelpunkt steht, was bas verarbeitete Material betrifft, noch immer Sei« bentritot, meist in Prinzeßsorm für Unterkleider gearbeitet, sehr knapp geschnitten, um möglichst wenig aufzutragen, mit wagerechten Abnähern, wodurch sich die notwendige Bewegungsfreiheit ergibt. Viele Unter­kleider arbeitet man auch nicht aus einem Stück, son« man macht ein Oberteil, recht knapp und festansitzend, an bas sich bas glockenförmig geschnittene Unterteil an« schließt.

Die übliche Schlüpferform hat man beibehalten, wobei es besonders auffällig ist, wie wenig Phantasie gerade hier die Fabrikation entwickelt. Wohl steht man dann und wann einmal einen neuen Schnitt, jedoch meist tastende Versuche, die keineswegs immer bas hauptsäch­liche Erfordernis, nämlich guten Sitz, gewährleisten. Dafür glaubt man in allen möglichen Garnituren und Verzierungen etwas wesentlich Neues zu bringen, das sich nur preisverteuernd auswirkt, ohne wirklich prak­tisch und brauchbar zu fein.

Schlüpfer arbeitet man auch jetzt noch in der Hauptsache aus Kunstseide. Als Modefarbe haben alle blauen, rötlichen und grünen Töne zu gelten, bevorzugt natürlich Pastellfarben, wie Lachs, Bleu und grüne Schattierungen.

Bei den neuen Nachthemden, die wieder sehr lang und kleidähnlich geworden sind, bevorzugt man An­klänge an die Empiremode, wobei den modernen Mille- fleurstoffen ein neuer Verwendungszweck erwachsen ist, der sich steigender Beliebtheit erfreut.

mes Vögelchen. Gar zu gern hätte er an das Wunder geglaubt!

Der Gutsherr hatte sich von dem schnellen Lauf erholt. So, nun würde er dem Gesindel da drinnen Bescheid sa­gen: Heh! Ist das mein Schuh? Paßt er zu diesem oder nicht? Hat ihn der Bengel da genommen ober nicht? Sind bas die verlorenen Pflaumen? Hab' ich ben Dieb? Die Polizei müßte man euch auf den Hals schicken — ich werde euch helfen---

Don all dem kam nur der letzte Satz heraus; „Ich werde euch helfen!" Erschrocken fuhren die da drinnen zusammen. Sprang plötzlich ein Riegel auf von einem Menschenherzen? Hatte ein Finger an eine verschlossene Tür gepocht? — Vor dem Fenster teilten sich zwei Wä­schestücke, ein Arm langte herein, setzte mit einem Schwung ben zweiten Schuh auf den Tisch — seltsamer­weise kollerten Backpflaumen heraus — und eine gar nicht böse klingende Stimme rief: „Hier ist der zweite, mit einem allein kann man nichts anfangen, passen wer­den sie schon! Und, ja, — nächste Woche gibt’s bann wieder Arbeit bei mir, der Teich muß gereinigt wer­ben!" —

Ehe überhaupt einer bie veränderte Sage begreifen konnte, war der Mann vom Fenster verschwunden. Der Vater senkte ben Kopf unb sagte gar nichts, der Mutter lief eine Träne über das verhärmte Gesicht, die kleinen Geschwister tarnen neugierig aus der Ecke. Nur Fritz­chen faßte sich schnell. „Das Wunder!" schrie er, „Bater, Mutter, bas Wunder!" Und er sprang von einem Bein aufs andere. „Hab' ich es nicht gesagt, bas Wunder!"

Auf dem Tisch standen zwei Schuhe nebeneinander, ein blankpolierter, vornehmer und ein beschmutzter, erdi­ger, der durch dick und dünn geschleift worden war. Und trotzdem gehörten sie zusammen, waren aus einem Stück Leder geschnitten, standen da wie Herr und Knecht, und doch wie Kameraden, die zusammengehen. Und rund herum lagen schwarz und anspruchslos ein paar handvoll Backpflaumen.

Josefa Fuhrmann-Bouviek. j