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^r. 153 Beilage zur Fuldaer Zeilung S. Juli.

Burschen heraus!

Und draußen im Kampf!

Da heißt es: helfe, wer helfen kann!

Es blutet das Recht, die Wahrheit hungert, Gemeinheit und Haß auf der Straße lungert, Dummheit schlägt Wunden empfindenden Herzen, Die bitter schmerzen:

Doch das ist der Kampf! Und ich bin ein Mann!

R. Strecker.

Eine Erklärung.

Bundesbruder Josef Schmitt-Fulda bittet uns um Aufnahme folgender Erklärung:

Unter der UeberschriftFuldaer Wind 1 horsl- jüngling ruftHeil Moskau", bringt der NS.-Beobachter" vom 2. Juli 1932 in großer Auf- machung die Mitteilung, der junge Herr Schmitt aus Fulda habe auf dem DJK.-Tag in Burghaun am 12. Juni mit voller BegeisterungHeil Moskau" in den Saal gerufen. In dem Bericht steht weiter der Satz: Sicherlich hat er dabei nicht an das väterliche Wein- gefchäft gedacht, denn im kommunistischen Staat dürste für Meßweine kein Bedarf mehr sein." Ich bin nun als einziger Angehöriger der Familie Schmitt, die Inhaberin der Fuldaer Weinhandlung ist, Mitglied des Windt- horstbundes. Infolgedessen kann der fragliche Bericht sich nfcr mit meiner Person beschäftigen. Dazu habe ich lediglich zu erklären, daß ich am 12. Juni über 120 Klm. von Burghaun entfernt war, was jederzeit unter Beweis gestellt werden kann."

Die minderwertigen Elemente, die in der NSDAP, unserer engeren Heimat den Ton angeben, stellen von Zeit zu Zeit immer wieder die Behauptung auf, die Bundesbrüder vom Windthorstbund hätten sich mit dem Kommunismus verbrüdert. Wir nehmen das nicht tra­gisch. zumal jeder einigermaßen vernünftige Mensch schon längst erkannt hat, wie genau es dieseEdelrasse"- Menschen mit der Wahrheit nehmen. Eine Partei, die mit dumm-dreisten Lügen arbeitet nach ihrer Moral ist ja jedes Mittel erlaubt wird nie Erobe­rungen in den Kreisen machen können, die wir von der

jungen Volksfront für den Ausbau eines freien, christlichen Deutschland

gebrauchen können. Wir gehen deshalb über die kleinlichen Anrempelungen der Nazi-Männer und Röhmlinge" in der Regel mit einem Achselzucken hin­weg. Doch sollten diese Herrschaften wissen, daß wir nicht gesonnen sind, uns von ihnen alles gefallen zu lassen.

wir denken nicht daran, unser katholisches Fuldaer Heimatland von diesen Elementen erobern zu lassen. Wir sind es aber auch unserer Ehre schuldig, mit aller Ent- schiedenheit Beleidigungen und Verleum­dungen zurückzuweisen, zu denen sich die sauberen Fuldaer Nationalsozialisten undTatkatholiken" er­dreisten, wenn sie in dem eben angeführten zweispalti­gen Artikel schreiben:

Bevor wir die auch in den Reihen des Zentrums stehenden Volksverräter einem nationalsozia­listischen deutschen Gerichtshof zur Bestrafung aus­liefern, werden wir lieber mit den Kommunisten in ein Horn stoßen und in dieser Gemeinschaft den Na­tionalsozialismus bekämpfen." So denken die Draht­zieher dieser überzeugungslosen Wackelpartei, und die­ser Gedanke wird auch bereits hier und da von den

jungen windthorstbündlern übernommen, denn die wiederhokt vorgekommenen Ueberfälle, ja sogar Morde an den Parteigenossen beweisen es.

Hier wird den Windthorstbündlern also nichts mehr und nichts weniger als Ueberfälle und Morde an nationalsozialistischenFreiheits­kämpfern" vorgeworfen. Wir fragen, wo haben jemals Windthorftbündler Natio­nalsozialisten überfallen oder sogar Morde an ihnen begangen. Wir fordern eine ganz klare Antort. Wenn die Nazi ihre unerhörten Anschuldigungen nicht beweisen können, so müssen wir die Verantwortlichen im Fuldaer Hitlerlager alle g e - meine Lügner und boshafte Ehrabschnei­der anprangern.

Trotz stärkster Herausforderung hat die junge Volksfront aus Gesinnung und aus politi­scher Klugheit bisher immer bewußte Zurückhal­tung geübt. (Man hat sie deshalb sogar höhnisch als feige" bezeichnet.) Wir lehnen es nach wie vor ab, andersdenkenden jungen Volksgenossen politischeLeh­ren" mit dem Knüppel, mit dem Messer oder mit dem Revolver zu geben. Sie tragen ja alle das gleiche Schicksal, spüren alle den Mangel an Lebens­raum, unter dem die deutsche Jugend leidet. W i r hassen diese unsere Schicksalsgenossen nicht, die von gewissenlosen, oft moralisch und geistig minderwertigen Agitatoren mißbraucht und auch auf

uns gehetzt werden. Fast jede Woche liest man von Ueberfällen von Nazi-Jünglingen auf katholische Jugend. Wir können diesen Opfern der Verhetzung nicht zürnen, sie wissen ja nicht, was sie tun. Aber das sei gesagt, der Zorn der jungen Volksfront kann sich einmal auf denen entladen, die es als ihreheldische" Aufgabe betrachten, junge Deutsche aufeinander zu hetzen und den politischen Mord und den Tod im Bürgerkrieg alsHeldentod" zu verherrlichen. Es ist bedauerlich, daß die Regierung v. Popenv. Schleicher als Entgelt rdie Tolerierung durch die Nazi Schädlingen das Recht gegeben hat, die Jugend zu aufreizenden Demonstrationen und Bürgerkriegs-Vorbereitungen zu mißbrauchen.

Katholische Jugend, du mußt den Kampf für die Befreiung der Volksgemeinschaft von den Schädlingen führen! Keiner, der Ehre und Pflichtgefühl kennt, darf sich feige verstecken. Jetzt heißt es: Helfe, wer helfen kann, denn wir wollen ein freies Land!

Und treffen wir im Heimatland

Die gleichgesinnte Schar, Dann brennt begeistert Hand in Hand Und tilgt, was früher war.

Und tilgt den haß und tilgt die Wut, Die einst das Volk zerriß Dann ist auch unserem jungen Blut Ein neues Licht gewiß."

katholische Jugend und Razi.

Wer imN.S.-Beobachter" vom 25. Juni den Ar­tikel las:Appell an die katholische Juge nd", der konnte sich eines Lächelns bestimmt nicht erwehren. Ausgerechnet die NSDAP., die es sich in letzter Zeit zur besonderen Ausgabe gemacht hat, auf die katholische Kirche und das Zentrum in einer Weise loszulegen, die einem jeden ehrlichen Deutschen das Blut in den Adern (trotz der Hitze) erstarren läßt, die es duldet, daß koth. Geistliche verhöhnt werden, die Mitglieder in ihren Reihen hat, welche katholische Jungmannen und ihre geistigen Führer auf der Straße a n f a (I e n, richtet nun einen Appell an uns, um ihre Reihen zu stärken. Wir sind von diesen Herren ja allerhand gewohnt und wir lassen uns hier im Fuldaer Land schon viel zu viel gefallen, aber das müssen wir uns doch ganz energisch verbitten. Wir wissen selbst, wo wir hin gehören, und bedanken uns für die guten Ratichläge dieser Leute.

Der genannte Artikel fängt gleich vorn wieder mit Beleidigungen gegen unsere Geistlichkeit an. Beson­ders scheint es der Schreiber des erwähnten Schrieb's auf den Kapuzinerpater Ingbert Naab, den er übelstenLandesverräter" nennt, abgesehen zu haben. Wir können das begreifen, denn Leute, die solchen Herren, wie sie in der NSDAP, sind, einmal gründlich die Wahrheit sagen, sind sofort Landesverräter. Pater Ingbert Naab ist uns ja allen noch in frischer (Erinne­rung durch den offenen Brief, den er an Adolf Hitler und die Unterführer der NSDAP, nach der Reichspräsidentenwahl gerichtet hat. Warum wollte man es denn mit aller Macht verhindern, daß er in einer großen Katholikenoersammlung in Neuburg an der Donau sprach. Sagen wir es frei heraus. Die Herren haben Angst. Da kann ihr Phrasen-Geschwätz nicht mehr gegen ankommen.

Wir sind stolz auf unsere geistigen Führer, und wir begrüßen es aus aufrichtigem Herzen, daß sie eine freie

und offene Sprache führen. Allzulange haben wir Großmut walten lassen, und jeder glaubte, er könnte aus unsere Häupter herumhauen. Die Zeiten haben sich geändert, und mir haben gar keine Ursache mehr, irgendwie Rück­sicht zu nehmen.

Wir wissen auch, daß das deutsche Volk nur eine Zukunft hoben kann, wenn es seine Jugend dazu erzieht, daß sie trotz aller Entbehrungen für ihr Vaterland bis zum letzten kämpft. Die Nazi scheinen nicht zu wis­sen, ober wollen nicht wissen, daß Katholische Jugend schon bis zum letzten Blutstropfen für das Vaterland gekämpft hat, als noch gar nicht an dieFreiheits­bewegung" der NSDAP .zu denken war. Katho­lische Jugend kennt schon sehr lange einen Adolf, der auch ein Führer im wahrsten Sinne des Wortes war, und wir könnten dem heutigen Adolf nur ernstlich emp­fehlen, einmal in feine Schule zu gehen, und da zu lernen, wie man d'ie Zukunft eines Volkes baut.

Es klingt sehr überheblich und sieht so richtig nach Pharisäertum aus, wenn man glaubt, oatz ein Hitler der deutschen Jugend einzig und allein den Glauben an die deutsche Zukunft und damit auf die Kraft für den Sieg zu kämpfen, geben kann. Wir werden unter Brüning für die Zukunft kämpfen, denn nur zu Männern wie dieser stille zielbewußte Westfale können mir Vertrauen haben. Heil Brüning.

Wir werden es der Zukunft überlassen, wer mehr für die katholische Jugend leisten wird, ob unsere be­stehenden katholischen Vereine mit ihrer st e t c n verantwortungsbewußten Arbeit, ober eine NSDAP. Wir treten gern den Beweis dafür an, daß katholische Jugendvereine es waren, die in der Vergangenheit Großes geleistet haben für die Zukunft feiner Mitglieder. W e r mar es denn, der ei­nen Goebbels, der heute fo meit feinen Mund aufreißt, bat studieren lassen?

Warum einzeln Verladern In dürftigem Brand?

Fackeln zusammen!

Hand zu Hand!

Denn wer ein Feuer

Im Innern spürt, Wird durch die Glut Zu den Brüdern geführt.

Otto Bruder.

Wir verwahren uns aufs schärfste dagegen, daß man uns die infame Lüge unterschieben will, katholische Vereine wären nur ein Deckmantel für zentrümliche Be­strebungen. Mit derartigen Machenschaften ist kath. Jugend nicht zu fangen, die gelernt hat, auch in Not­zeiten zu unterscheiden zwischen Sachlichkeit und Phra» fentum.

Wer war es denn, der im Ausland Anfang d. I. eine Regierung Brüning schlecht machte, wer ist es heute, der aus lauter Parteiegoismus Millionen deutscher Bürger ins Elend zurückstieß, wer toleriert eine Re­gierung von Papen? (man rede uns doch nichts vor, von wegen Uebergangsfabinett und etwas halbes.) Das ist Verrat am de u t s ch e n Volke, meine Her­ren, und steht in sehr krassem Gegensatz zu ihrem WortFreiheitsbewegung". Wir wissen schon wie diese Freiheit aussieht, für die Herren Nazis be­stand sie in erster Linie darin, daß sie wieder und zwar mit neuen Uniformen (daheim haben sicher manche Kinder nichts zu essen) aufmarschieren dürfen und fo neue Unruhen ins Land brachten.

Glauben Sie im Ernst daran, baß Deutschland mit dem Aufmarsch van SA. und SS. und den nöti­gen begeisterten Reden von wer weis was für hohen Herren aufgebaut und gerettet werden Fann? Wir Katho lisch« n Ju n g rn a n nf ch a f te n wollen Taten sehen von Euch, gedrückt habt Ihr Euch genug vor der Verantwortung, jetzt zeigt, was Ihr lei st en könnt.

Wir haben berechtigte Zweifel daran, daß Ihr uns aus dem Schlamassel herausholen werdet, bis jetzt sind wir durch Eure große Liebenswürdigkeit in den letzten Wochen nur noch tiefer gesunken. Mit Säbelgerassel und Pistolenknallen ist uns nicht gedient, mir wollen einen friedlichen Aufbau (ohne daß wir weichliche Pa­zifisten sind) auf echter nationaler und christlicher Grund­lage.

Kein Volk der Erde duldetes, daß das Nationale zum Parteinamen gemacht wird, nur imVolk der Dichter und Denker" darf sich dieFreiheitsbewegung" das herausnehmen.

Etwas muß noch erwähnt werden, steht doch in dem Artikel auch noch das Zitat: Wir haben nichts ge­gen einen katholischen Jugendverein, der sich nur reli­giös betätigt. Wir kämpfen aber gegen jeden Verein, der die Religion als Deckmäntelchen für durchsichtige politische Ziele benutzt. Das klingt sehr schön, doch wer zuletzt lacht, lacht am besten. Noch sind wir nicht im glorreichen Dritten Reich, wahrscheinlich kommt bas auch gar nicht, trotz aller Propaganda, und selbst dann wird man uns nicht fo schnell aus her Welt schassen, jedenfalls fragt man uns doch hoffentlich vorher, ob wir damit einverstanden sind, mit der Er­teilung eines längeren Urlaubs. Don einer Frei» heitsbewegung, die die Freiheit des Volkes will, darf man das doch erwarten.

Die Katholische Jungmannschaft im deutschen Vater­lande, d i e Jungmannschaft des Fuldaer

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Maria, fleh', wir weihen...

Gespräch zweier Mädchen über das Treffen der 3ungfrauen-fiongregafionen in Neuhof.

Man schreibt uns:

Martha: Nun, Maria, ist euer Rummel in Neu­hof glücklich vorüber?

Maria: Aber, hör' mal, Martha, das war doch kein Rummel, das war ein herrliches Jugendtreffen mit Weihe an die Mutter Gottes.

Martha: Da kann ich auch in die Mittagsandacht gehen, das ist gerade so gut. Da gibt es sogar noch den sakramentalen Segen.

Maria: Den Segen des Allerheiligsten haben mir uns auch erst in der Pfarrkirche von Neuhof geholt. Alle Plätze der Kirche waren von Jungmädchen besetzt. Zahlreich waren die Vereine mit ihren Wimpeln aus dem Bezirk, sogar aus Hauswurz und Ulrichs- Hausen, ja von Hattenhof und Büchenberg erschienen. Meine Freundin Resel vom Fliedener Ver­ein will die Mädchen beim Aufstieg zur Grotte gezählt habrn. Es sollen nahezu 700 gewesen fein. Was wird unsere himmlische Mutter Maria ihre Freude gehest haben, als sie so viele Mädchen vor ihrem Bilde an der Grotte sah.

Martha: Ja, die Grotte in Neuhof ist schön und für solche Feste wohl geeignet.

Maria: Und du hättest erst mal sehen sollen, wie die Neuhofer Jungfrauenkongregation mit ihrer eifrigen Vraseklin die Grotte herausgeputzt hatte. Die vielen Blumen das Bild der Mutter Gottes stand ganz in einem weißen Blumenflor. lieber den Felsen der Grotte wehten ringsum die Fahnen blau-weiß und weiß-gelb. Und der freie Platz war dicht gefüllt mit Jungen Mädchen.

Martha: Bald bedaure ich's, daß ich nicht mitge- flnngen bin. Ich bin unterdessen mit Heinz im Wald gewesen. Maria, was gab's denn dann an der Grotte?

Maria: Zuerst fangen wir:Cs blüht der Blumen eine", dann sprach eine Kongreganistin ein schönes Weihegebicht. Darauf sang wie auch später noch ein­mal der Mädchenchor von Neuhof unter Leitung des Herrn Rektor Brötz ein mehrstimmiges Lied.

Martha: Ist auch eine Predigt gehalten worden? Wer war der Prediger?

Maria: Der Herr Dechant hat in feiner kernigen Weife eine treffliche Weiherede gehalten.

Martha: Von was hat er denn gesprochen?, das interessiert mich sehr.

Maria: Vom apostolischen Geiste der Jungstau hat er gesprochen, den uns Maria am Throne Gottes er­flehen soll, wie sie ihn einst den Aposteln erbeten hat. Du weißt doch, unser Treffen war am Fest der Apostel Peter und Paul.

Martha: Was ist das denn, apostolischer Geist?

Maria: Das ist der Geist wie ihn die Apostel gehabt haben: Eifer für die Ehre Gottes und das Heil der Menschen und unsere Mitarbeit dabei.

Martha: Aber wie können wir Mädchen denn Apostel sein?

Maria: Das hat der Herr Dechant schön ausein­andergesetzt. Apostolisch können wir wirken durch un­ser ganzes Benehmen in der Oeffentlichkeit. Das Kleid des Marienkindes soll nett und schön, aber ehrbar und einfach sein, wie es sich für ein Kind, eine Prinzessin Gottes geziemt. Apostel kannst du sein durch dein (Be­nehmen dem anderen Geschlechte gegenüber, daß du nicht mit Burschen und Bekanntschaften umherziehst und Anstand und gute Sitte wahrst.

Siehst du, Martha, es gestillt mir gar nicht an dir, daß du immer ärmellos gehst. Gewiß, für die Kirche, da werden die Aermel an das Kleid, das du neulich ge­kauft hast, angeknöpft, aber auf der Straße meinst du, da fei dies nicht nötig, da dürfe man freier fein. Schlimm ist es ober, wenn ein Mädchen mit Burschen allein z. B. in den Wald ober zum Tanze geht. Diebe Martha, da können mir zunächst bei uns selbst Bekeh­rungsversuche vornehmen und bann burch anständige Benehmen auf ander« einwirken.--

Dann hat der Redner noch einen Punkt besonders hervorgehoben, wo mir als Apostel wirken können.

Martha: Was war denn das noch? ich bin sehr gespannt daraus.

Maria: Du weist doch, Martha, es ist bald bie Wahl. Diele von ben Mädchen, die da vor der Grotte standen, sind ja schon 20 Jahre alt. Wir beide ja auch. Da haben wir nicht bloß bas SR echt, sondern auch die Pflicht, zu wählen. Und wir wollen uns doch nicht von jedem Schwätzer und falschen Propheten, von wel­cher Seite er auch kommen mag, irre führen lassen.

Martha: Da habt ihr wohl Politik auf der Kan­zel betrieben?

Maria: Keine Spur davon. Uebrigens greift heute die Politik ihrerseits tief in das religiöse Leben des Christen ein durch die Ehegesetzgebung, die Schul­frage, die Frage der Trennung von Kirche und Staat. Da müssen wir Marienkinder dafür sorgen, daß Män­ner und Frauen gewählt werden, welche die Rechte un­serer zukünftigen Familie verteidigen und sich schüt­zend vor unser zukünftiges Eheglück stellen.

Martha: Ja, Maria, ich möchte auch zu gern glücklich werden. Ich träume Tag und Nacht von mei­nem zukünftigen Glück. Doch war bie Feier mit der Weiherede an der Grotte bann beendigt?

Maria: Nein, begeistert von der Reue fangen wir, voll innerer Ergriffenheit und Hingabe: Maria, sieh', mir weihen bie Herzen dir allein. Der Verein von Niederkaibach führte den Gedanken der Hingabe weiter durch ben weihevollen Sprechchor: Weiße Rosen im Lenz. Wir beteten das Weihegebet und unter dei­nen Schutz und Schirm gemeinsam.Mit der Mutter Gotteslitanei und dem wuchtigen: Siegreich weht ein hehr Panier, begleitet wie die meisten anderen Lieder von der Musikkapelle Weißmüller, schloß die schöne Weiheseier an der Grolle.

Martha: Cs tut mir nun doch leid, Maria, baß ich nicht dabei war und lieber meinem Privatvergnügen nachgegangen bin.

Maria: Jetzt beginnt erst der gemütliche Teil bei Gasse. Da gar nicht alle Mädchen im Saal Platz fin­den konnten, ließen sie sich zum Teil im anstoßenden Garten nieder.

Martha: Worin bestand denn der gemütlich« Teil?

Maria: Selbstverständlich wurde zunächst der Durst gestillt, den die drückende Hitze verursacht hatte. Dann gab's Unterhaltung. Die Martha, deine Namens­schwester aus dem Neuhöfer Verein, trug ein nettes Begrüßungsgedicht vor, und der Bezirkspräses rief uns ben Willkommgruß zu. Und bann wurde ein Wettstreit veranstaltet.

Martha: Was? Wie? Wettstreit!

Maria: Gelt, da guckst du! Nun jeder Verein wollte die Mitschmeftern durch ben schönsten Reigen, den anmutigsten Volkstanz imd die feinsten und lustig­sten Theaterstückchen erfreuen.

Martha: Wer hat's denn am schönsten gemacht?

Maria: Ja, liebe Marha, das zu entscheiden ist schwer. Namen darf ich keine nennen. Alle haben sich die größte Mühe gegeben, und alle haben es fein ge­macht.

Martha: Wie lange hat es denn gedauert, und wie seid ihr heim gekommen?

Maria: Nur zu schnell waren die schönen Stun­den verronnen. Gegen 8 Uhr sprach die Bezirksprä- fettin, Fräulein Feldmann, welche die Leitung des gemütlichen Teils übernommen hatte, das Schluß- und Dankeswort. Dann zogen die einzelnen Vereine teils zu Fuß, teils mit dem Auto unter Gesang der Heimat zu. Wir gingen das halbe Stündchen zu Fuß nach Haufe, frohe Lieder singend, die unser Mitglied Sophie meisterlich auf der Laute begleitete. In unser aller Herzen brannte der heilige Entschluß:Wir wollen dienen dem Glauben Dienen der Tugend 3n hei­liger Jugend." Martha liebe Freundin, ich sage dir, dieses Tressen war etwas Feines, etwas Herrliches. Die vielen Hundert Jungfrauen! alle frohe Mariew kinder! So etwas Schönes und Begeistertes habe ich noch nie mitgemacht!

Martha: Es ist abgemacht, Maria, ich versprech« es dir, das nächste Mal bin ich auch dabei. Ich will in Zukunft nicht bloß den Namen einer Kongreganistin haben, sondern auch ein Marienkind durch die Tal sein.