Jlt. 153
Mittwoch, 6. JuN 1932
Mtg. 59.
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Dreiste Wahlmanöver
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* Französische Luftmanöver vom 7.—8. Juli. Nach einer Mitteilung des französischen Luftfahrtministeriums finden in der Zeit vom 7.—8. Juli größere Luftmanöver in der Gegend von Bar-l«- Duc-Autun-Dijon statt. Am 5. und 6. Juli werden in der gleichen Gegend Probeübungen adge- halten werden.
führe n, um die Gegensätze durch eine Aussprache zu Dreien auszugleichen.
Angaben, wonach von französischer Seite eine gleichzeitige Regelung der interalliierten Schulden in Europa, d. h. eine entsprechende englische Zustimmung gefordert worden sei, werden von englischer Seite als unwahrscheinlich bezeichnet.
wenigstens in seinen großen Zügen, sei negakiv oder positiv, festsiehen wird.
Während des Besuches, den die deutschen
Wider
Der »Leppelln" über Lausanne. Beharrt Herriot auf 4 Milliarden? — Die deutsche Delegation soll zu einer Besprechung zu dritt herangeholk werden. —Wird das deutsche „Kabinett der nationalen Konzentration** zu einem Abschluß kommen? — Die Haltung der deutschen Parteien.
wtb. Paris, 5. Juli. (Eig. Meld.) „Republi- que" schreibt, man habe falsch angekündigt, daß Deutschland den englisch-französischen Vorschlag mit einem Nein beantworten werde und die Initiative für einen Abbruch der Verhandlungen ergreifen werde. In Wirklichkeit hätten die Deutschen die Verhandlungen nicht nur nicht abgebrochen, sondern Anregungen, vorg ei egt, di« eine ernste und wohlwollende Prüfung verdienten. Es werde in Lausanne ebenso wenig zum Bruch kommen wie etwa in Paris, sondern man werde sich verständigen. Aus der internationalen Zusammenarbeit, die endlich verwirklicht werde, werde für Frankreich und für die anderen Länder jene gesunde Lage sich ergeben, die auch gesunde Budgets im Gefolge haben würde.
* Der Reichsrat ist zu seiner nächsten Voll» sitzung für kommenden Donnerstag nachmittag einberufen worden. Auf der Tagesordnung stehen kleine Vorlagen, unter anderem die Verordnung über die Aenverung der Vorschriften über Krankheitserreger, die Ausführungsverordnung zum Weingesetz und einige Novellen über die Bestimmungen für Betäubungsmittel. Ais Vorlagen sind dem Reichsrat u. a. zugegangen: Der Gesetzentwurf über das Abkommen zwischen Deutschland und dem Königreich Ungarn betreffend die Zah. Tungen aus dem deutsch-ungarischen Warenverkehr, die Ausführungsverordnung zur Schädlingsbekämpfung mit hochgiftigen Stoffen und ein Runderlaß des Reichsfinanzministers, der eine Aende- rung der Ausführungsbestimmungen zur Reise- kostenverordnung für die Reichsbeamten bringt.
die Erwerbslosen, Sozialrentner usw. die Zeche bezahlen.
Die der Wirtschaft nahestehenden deutschen Bl ä tter na t i o na list is ch« r Prägung empfehlen Papen, zu einem Abschluß 8 u kommen. Papen scheint aber innerpolitische Befürchtungen zu haben wegen der neuen „nationalen Opposition", die bekanntlich vom Zentrum geführt wird.
. wtb. Paris, 5. Juli. (Eig. Meldg.). Der all- gemeine Eindruck der gestrigen Stellungnahme in dem Finanzausschuß der Kammer geht dahin, daß es Herriot gelungen ist, die Diskussion des Finanzgesetzentwurfes zunächst einmal zurück - z u st e 11 e n und vorbereitende Verhandlungen mit dem Finanzausschuß anzubahnen, um einen neuen Kurs auszuarbeiten. In der französischen Kammer habe sich infolgedessen eine ausgesprochene Entspannung bemerkbar gemacht.
In Düsseldorf übte auf einer großen Kundgebung der Verbände der katholischen berufsständischen Bewegung Vfzepräsident Thomas Esser an dem bisherigen politischen Kurs des neuen Kabinetts Kritik, das wesentliche Interessen des Mittelstandes und des Handwerks vernachlässige. Er gab die Parole aus, im Wahlkampf für Dr. Brüning einzutreten.
| Ausruf Nekrichs zur Reichslagswahl.
Der Führer der Deutschen Staatspar. t e i, Reichsminister a D. Dietrich, hat an die Mitglieder und Freunde der Partei einen Aufruf erlassen, in dem es heißt:
„Verfassungsgemäß nicht zuständige Kräfte haben dio Regierung Brüning zu Fall gebracht und die Auflösung des Reichstages herbeigeführt. Aus den Vorarbeiten für die Befreiung vond en Reparationen und aus den Aufgaben zur Bewältigung der Sor- gen des nächsten Winters wurde das Kabinett h e r a u s g e r i f f e n und an seine Stelle auf einem verfassungsmäßig nicht einwandfreien Wege ein Kabinett van Angehöri- gen desAdels und des Militärs gesetzt. Die zurückgetretene Regierung hat die Einstellung der Reparationszahlungen im vorigen Jahr erreicht. Herr v. Papen erntet fetzt, wo si« gesät hat. Sie hat mit außergewöhnlicher Sparsamkeit den Etat des Reiches um fast vier Milliarden gssenkt. Die Deutsche Staatspartei führt den Kampf um die Erhaltung von Republik und Demokratie, um die Sicherung der Volksrechte und um die Erhaltung des selbständigen deutschen Menschen. Die Deutsche Staatspartei als dis Partei der Mitte, die bisher allein gegenüber der rechtsradikalen Sturmflut Widerstandskraft bewiesen hat, geht nicht ohne Aussichten in diesen Kampf, zumal dafür aeforgt werden wird, daß diesmal bei uns keine Stimme mehr verloren gehen wird. Wir rufen das arbeitende Bürgertum in Stadt und Land, das der Freiheit und der Republik die Treue hält, als Mitkämpfer auf. Jetzt muß sich entscheiden, ob wir noch ein Staatsvolk sind, das fr,ine geschichtliche Aufgabe versteht.
Handlungen, da die Minister gemeinsam auf den Balkon des Beratungszimmers traten, um das sonnenbestrahlte Luftschiff zu betrachten.
Der Verlaus der beiden Besprechungen mit Macdonald ist von allen Seiten vertraulich behandelt worden. Trotzdem aber gehen in Lausanne Gerüchte um, wonach Herriot sich in Bezug auf die Summe von 4 Milliarden, die in dem Vorschlag der Gegenseite genannt ist, unnachgie - b i fl gezeigt habe. Von englischer Seite scheint man sich nunmehr zu bemühen, eine neue gemeinsame deutsch-französische Besprechung bei Macdonald herbeizu-
In der Reichshauptstadt leitete die Eiserne Front den Wahlkampf mit einer als überparteilich gedachten Massenkundgebung im Lustgarten ein, und zwar unter der Parole „Für Freiheit, gegen Nazi-Terror und Notverordnungsdiktatur!" Schon lange vor der festgesetzten Zeit marschierten die Teilnehmer von sechs Sammelpunkten der Stadt in geschlossenen Zügen mit Marschmusik unter Absingung der Internationale und ständigen Rufen wie „Republik erwache!" zum Lustgarten. Man sah sämtliche Reichsbannerabteilungen, die Hammerschaften der Eisernen Front, die Arbeitersportler, die Freien Gewerkschaften und Betriebszellen mit ihren zahllosen Fahnen, Standarten und den Kampfabzeichen der Eisernen Front, den drei silbernen Pfeilen. Die Polizei hatte umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen und durch Bereitstellung von Streifenautos, verstärkten Patrouillendienst usw. für einen reibungslosen Anmarsch der Massen Sorge getragen.
Reichstagsabgeordneter Künstler, der Vorsitzende der SPD. Berlins, eröffnete die Kundgebung mit der Mitteilung, daß fast die Hälfte der Demonstranten nicht mehr im Lustgarten Platz gefunden habe und in den anliegenden Straßen stek- kengeblieben fei. „Laßt ab vom Bruderkampf", so führt« er weiter aus, „dann wird es uns in kurzer Zeit gelingen, das nationalsozialistische Schaumgebilde eines Hitler hinauszufegen." Im Laufe der letzten Zeit seien nicht weniger als 80 000 neue Mitglieder bei der SPD. eingetragen worden.
Der frühere Volksbeauftragte Dittmann führte aus, die Reaktion sei am Werk, das Reich der Barone und Großkapitalisten, der Knechtschaft und Entrechtung aufzurichten. Umsonst versuche Hitler, dem Volk einzureden, die Papen-Regierung sei nicht seine Regierung.
Der Chefredakteur des „Vorwärts", Stampfer, wandte sich vor allem scharf gegen das ausgesprochene „Vorwärts"-Verbot. Hitler und Papen hätten die freiheitliche Verfassung der Republik genau in ihr Gegenteil verkehrt, so daß Deutschland haute unter dem illegalen Terror der <5.21. und einer nie erlebten legalen Unterbrüt» kungspolitik stehe. Diese Kundgebung möge dem Gegner als Warnung dienen und ihm eindeutig sagen: „Wer uns angreift, wird zurückgeschlagen!" Zn Zwischenfällen ist es im Umkreis des Lustgartens nicht gekommen.
Der Wahlkampf in vollem Gang
Eine aufschlutzreiche Rede Slegerwalds. — Brünings Wahl feldzng in den Rhein-Slädlen. — Massenkundgebung der Sozialisten in Berlin.
uister bei Macdonald abstatteten, überflog „® r a f Zeppelin" das Hotel. Das schone Bild veranlaßte eine kleine Unterbrechung der Ver-
Gegenüber französischen Pressevertretern soll der französische Finanzminister Germain M a r t i n erklärt haben, daß er die Ziffer von 4 Milliarden Rm. als sein letztes Wort betrachte. Doch scheint man jetzt im gegnerischen Lager zu versuchen, diese Ziffer durch eine Aufteilung in die von deutscher Seite als eventuell tragbar bezeichnete zuzüglich der Rückstände aus dem Hoo- ver-Jahr zu maskieren.
Herriot, der Dienstagfrüh wieder in Lausanne eingetroffen ist, hat sich um 9 Uhr in Begleitung von Germain-Martin und Bonnet zu Macdonald begeben. Die Unterredung dauerte 1% Stunden. Bei ihrem Abschluß weigerten sich die französischen Minister, irgend welche Auskünfte zu geben, indes bemerkte Germain-Martin lächelnd: „Wir haben immer noch die Taschen leer, sind aber voll von Hoffnungen". Wenige Minuten nach dem Weggang der französischen Minister trafen Reichskanzler von Papen, Reichsaußenminister Frhr. v. Neurath und Reichsfinanzminister Graf Schwerin-Krosigk bei Macdonald ein.
lieber den Verlaus der Dienstag-Besprechungen bei Macdonald verlautet nur, daß die Haltung der Franzosen zunächst steif sei. Es werden i m Laufe des Nachmittags weitere Besprechungen zunächst zwischen den französisch-englischen und den französisch-deutschen Delegationen staftfin- den, die bann voraussichtlich in eine gemeinsame Besprechung einmünden werden. Jedenfalls hat man den Eindruck, daß es sich u m den entscheidenden Tag handelt, und
daß bis Dienstagabend das Konferenzergebnis
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Der llnabhüngigkeilsfererlag in 1L S. A.
125 Todesopfer.
Der Unabhängigkeitsfeiertag in den Vereinigten Staaten von Amerika forderte wiederum im ganzen Land viele Todesopfer. Bei Kraftwagen- und Bootsunfällen sowie beim Abbrennen von Feuerwerk und bet Schießereien kamen 125 Personen ums Leben. Außerdem wurden an dem Feiertag in den Bergen Kentuckys mehrere B l u t- f eh d en ausgetragen, wobei zehn Personen getötet und acht verletzt wurden. .
Der „Deut s ch n a t i o n a l e Pressedienst" v. 4. 7. 32 schreibt zum Reichshaushalt 1932: „Es entspricht der staatspolitischen Unzulänglichkeit her früheren Regierung, daß sie auch cin'gri ßes finanzpolitisches Durcheinander hinterlasse hat..."
* Die argentinische Regierung hat anstelle deS bisherigen Gesandten Dr. Ernesto ResteKi den gegenwärtigen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister in Portugal, Dr. Eduardo Labougle zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister im Deutschen Reich ernannt.
Der französische Kabinettsrat hat dte Stellungnahme der Regierung zu den Gegenvorschlägen' des Finanzausschusses der Kammer noch nicht endgültig geklart, sondern beschlossen, von dem Hauptausschuß eine erneute Prü - f um g bet Finanzvorschläge zu verlangen. Die Parteien haben ihren Mitgliedern die Abstimmung über die Finanzvorlage freigegeben. Hernals innenpolitische Stellung ist dadurch verbessert.
cnb. Berlin, 5. Juli. (Eig. Meld.) Gouverneur Dr. Heinrich Schnee (der bekannte deutsche Ko- lontal-Fachmamt), der als deutsches Mitglied bei der Völkerbundskommission in derMand- schürei wirkt, beabsichtigt nicht, für die Wahlen zum Reichstag zu kandidieren. Die von ihm alS Vertreter Deutschlands innerhalb der genannten Kommission übernommenen Ausgaben dürften ihn noch weitere Zeit in Anspruch nehmen, so daß er auf eine persönliche Führung des Wahlkampfes würde verzichten müssen. Gouverneur Schnee vertrat im Reichstag bisher den Wahlkreis 4 (Potsdam I). Er gehörte zur Deutschen Volks» parier.
Die letzten Volksparretter!
Austritt Dr. Cremers aus der Deutschen Dolksparte«. Gouverneur Schnee zieht dte Tätigkeit in China einem volkspartestichen Reichstagsmandat vor.
cnb. Berlin, 5. Juli. (Eig. Meld.) Wie wir- erfahren, hat der bisherige volksparteiliche Reichstagsabgeordnete Rechtsanwalt Dr. Carl Cremer tn einem Briese an den Generalsekretär der Deutschen Volkspartei seinen Austritt aus , der Deutschen Volkspartei erklärt. Er begründet diesen Schritt mit dem am 2. Juli 1932 mit Dr. Hugen- Berg geschlossenen Wahlbündnis (in dem sich Dfn- geldey Hugenberg unterworfen hat).
In einer Zentrumsversammlung sprach in Herten am Montag abend der ehemalige Reichsarbeitsmini st er Stegerwald Er führte u. a. aus:
Gegenwärtig werde ein hohes politisches Spiel gespielt, von dem die weitesten Kreise des Volkes keine Ahnung hätten. Wir befinden uns mitten in einer großen R e- v o l u t i o n. Das, was wir 1918 erlebt hätten, fei feine Revolution in deutschem Geistesleben, in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, sondern in der Hauptsache der Zusammenbruch eines überlebten Regierungssystems gewesen. Jetzt erst zeigten sich allmählich die Auswirkungen einer verfehlten Geisteshaltung. Das 19. Jahrhundert fei durch das Bürgertum gestaltet worden, das 20. Jahrhundert werde aber bestimmt nicht gegen die Arbeiterschaft gestaltet werden. Weiter setzte sich Stegerwald mit den Nationalsozialisten auseinander und erklärte, den H a u p t a n h a n g der Nationalsozia- usten bilde das Bürgertum, das glaube, feine Not fei auf d i e Aend e‘ru n g d er Staatsform und des Regierungssystems Zurück zu führen. Hitler nenne feine Partei, obwohl 80 bis 90 v. H. nicht Lohnarbeiter seien, Arbeiterpartei, weil er ganz klar sehe, daß ohne oie Arbeiter und gegen sie die neue Zeit "'cht gestaltet werden könne. Dabei werde mit den Arbeitern ein unverantwort- «J$ e s Spiel g e t r ie b e n. Noch in keiner -'lotDerorbnung seien die Arbeiter so hart mitge» worden, wie in der Notverordnung der , ^'"ung v. Papen. Trotzdem toleriere Hit- er diese Regierung, die ihm seine S A. -
P1 ee gestattete, die den Reichstag .< l^elost habe und von der er erwarte, daß sie svi t n preußischen Staat in die Hand eien werde. Nur für dieses Spiel müßten
Reichskanzler a. D. Brüning, der am Sonntag für die Zentrumspartei den Wahlkampf im Rheinland eröffnet hatte,, sprach am Montag in Neuß, Kreseld und M ü n ch e n-G l a d b a ch. In Neuß sprach er auf einer großen Kundgebung der Zentrumspartei in der Rennbahn. Brüning führte u. a. aus: Wenn man die Aeußerung der Regierung v. Papen und der nationalsozialistischen Presse ansehe, könnte man glauben, als ginge der Wahlkampf um einen Stoß gegen das Zentrum. Das neue System, obwohl man fünf oder sechs Wahlkämpfe unter der Devise „Kampf dem System der Notverordnungen" geführt habe, habe immerhin als erstes mit einer Notverordnung begonnen. Außenpolitische Er- folge, wie sie das stürmische Verlangen namentlich der Jugend gewünscht hätte, seien noch nicht erzielt worden. Man könne nicht sagen, daß bislang unter der neuen Regierung über das hinaus, was in der früheren Regierung vorbereitet war, sehr wesentliche Erfolge erzielt worden wären. Man wolle aber an die Stelle der Koalitionen und Bündnisse die Alleinherrschaft einer einzelnen Partei setzen. Man wolle keine Befreiung, sondern eine Knechtung der freien Kräs t e. Die Demokratie sei die Staatsform, die für ein kulturell und politisch hochstehendes Volk die geeignetste sei.
In Krefeld sprach Brüning unter freiem Hlm- m e l in Sprödental vor vielen Tausend Zuhörern. Er bezeichnete den 31. Juli als Schicksalstag der Entscheidung, tote ihn Deutschland feit der Revolution nicht gesehen habe. Die augenblickliche politische Ungewißheir helfe keineswegs, der Erwerbslosigkeit zu steuern, sorge vielmehr dafür, daß im wirt
schaftlichen Aufbau nicht weiter fortgefahren werden könne. Die neue Regierung sei heute schon so weit, daß sie mehr Opfer verlange, als die alte Regierung dem Volk auf erlegt hätte, ganz Zu schweigen von der Arbeitsbeschaffung, die in ihrem Entwurf unter den Tisch gefallen fei. Man könne nicht dauernd Großbetriebe mit Reichsgeld wirtschaftlich halten. Wenn her deutsche Staat eine Wohlfahrtsanstalt genannt werde, so fei dies an erster Stelle für den deutschen Osten zutreffend.
Am Spätabend sprach Brüning in München- Gladbach in der Volksgartenhalle.
FuldaerZertung
__Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
es gelungen ist, die Kassenlage auf dem Stand von 1930 zu halten und eine Verschlechterung zu verhüten. ,
Die Wahrheit über den Reichshaushalt lautet demgegenüber ganz anders. Sie wird ausgesprochen von dem jetzigen Reichsfinanzminl- ster Graf Schwerin-Krosigk, der als früherer Direktor der Haushalstsabtei- l u n g i tn R e ich s f i n a n z mi nist e ri u m am 1. Ium 1932 den Abschluß der Bücher der Reichs- hauptkasse für das Rechnungsjahr 1931 verschickte. Der Jahresabschluß der Reichshauptkasse per 31. März 1931 ergibt eine schwebende Schuld, also einen Gesamtfehlbetrag von 1690 Millionen Mk. gegenüber 1525 Millionen Mark für 1930. Dazu wird erklärt:
„Bei der Beurteilung des im Jahre 1931 entstandenen Fehlbetrages des Ordentlichen Haushalts ist zu berücksichtigen, daß er mit 134 Millionen Mark dadurch entstanden ist, daß Reichs- bankvorzugsaftien in weit höherem Nennbeträge nicht verkauft worden sind, diese Werte also dem Reich erhalten geblieben sind. Es ist weiter zu berücksichtigen, daß int Rechnungsjahr 1931 trotz der überaus schweren Wirtschaftskrisis neben der regelmäßigen Tilgung der funbierten Schuld in Höhe von über 250 Millionen Mark 420 Millionen Mark schwebende Schulden getilgt worden sind, also ein Betrag, der ungefähr dem neuen!« ftanbenen Fehlbeträge entspricht. Der Schulden- stand war demgemäß am Ende des vergangenen Rechnungsjahres nicht höher als zu dessen Beginn."
Graf Schwerin-Krosigk wird erstaunt sein, tn den der derzeitigen Regierung nahestehenden Behauptungen vorzufinden, welche dem von ihm verfaßten Jahresabschluß der Reichshauptkasse für das abgelaufene Rechnungsjahr direkt zuwiber- laufen, weil doch dort ausdrücklich betont ist, daß
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt Im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift. :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::