FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.
Nr. 152
ikrjcheint lechsmal wöchenklich. Wochenbeilagen: „Die Welk im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leikung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::
Dienstag, 5. Juli 1932.
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Wg. 59.
Vier Milliarden gefordert, zwei Milliarden genannt!
sachliche
Vorschläge gemacht.
Briand-Ehrung
ehabt hätten,
erneut aus der Not der
e
Vorschlag der Gläubigermächte sieht vor, deutsche Regierung nach einem dreijähri-
Der daß die
Im Finanzausschuß der französischen Kammer sind an dem chaushalsplan der Regierung erhebliche A b st r i ch e vorgenommen worden, so daß die Stellung des Kabinetts Herriot als erschüttert gilt. Am Montag findet ein Kabinettsrat über die kritische Lage des Kabinetts statt, die in den französischen Finanzschwierigkei- ten entstanden ist.
Bemerkenswerte Feststellungen.
Brüning Im Rheinland. — Gegen Partei-Diktatur. — Für das Siedlungs-Werk im Osten. — Das Zentrum und die Außenpolitik.
des Diplomatischen Korps sowie einer großen Anzahl von Parlamentariern und politischen Ver-
Zwecke gesetzgeberisch wiedereinführt. Er weise es weiter als eine Infamie zurück, als ob die Absicht bestanden hätte, irgendwo in den protestantischen Gebieten des Ostens vorwiegend katholische Siedler heranzuziehen.
Abends sprach Dr. Brüning in einer großen Zentrumsversammlung m Koblenz.
der französischen Regierung, >ßen An
Die Londoner Blätter.
wtb. London, 4. Juli. (Eig. Meld.) In ihren Telegrammen aus Lausanne berichten die Blätter ausführlich über die Vorschläge der fünf Mächte und die deutschen Einwendungen. Sie glauben, daß die Aussichten auf eine Einigung nicht schlecht sind, erwarten aber, daß die Verhandlungen sich noch mehrere Tage hinziehen werden.
* Reichspräsident von Hindenburg wird seine angekündigte Reise nach Neudeck Dienstag abend antreten. ___________
Ursprung in der Zurückweisung des Genfer Protokolls habe.
gen vollständigen Moratorium einen Betrag von 4 Milliarden Goldmark in Form von Bonds zahlen soll, dis der BIZ. als Treuhänder übergeben werden. Die BIZ. brinat nach den drei Jahren diese Bonds auf den Markt jedoch nur unter der Voraussetzung, daß sie diese im Hinblick auf die gesamte Kreditlage Deutschlands für tragbar hält und falls der Ausgabekurs dieser Bonds 90 v. h. erreicht, d. h. daß weitgehendes Vertrauen des Auslandes zu der deutschen Kreditfähigkoit vorhanden ist. Die Verzinsung dieser Bonds ist auf 5 v. h. zuzüglich 1 v. h. Amortisierung festgelegt. Der Erlös aus der Unterbringung der deutschen Bonds soll für den Wiederaufbau Europas verwandt werden. Durch die Zahlung der vier Milliarden Bonds wird das bisherige Reparationssystem als endgültig erledigt angesehen. Gleichfalls erledigt sind dadurch auch die nach dem hoover- moratorium gestundeten Zahlungen, eingeschlossen die Reichsbahnzahlungen. Unberührt bleiben durch die Neuregelung die Verzinsung und Tilgung der Doung- und Damesanleihe, zusammen 150 Millionen, das belgische Markabkommen (23 Millionen) sowie 25 Millionen Besatzungskosten usw.
Scharfe Auseinandersetzungen in Lausanne Wird die deutsche Delegation sich zur Annahme der Vorschläge der Gläubigerstaaten in irgendeiner Form entschließen? — Von papens Kompensations-Bereitschaft und Forderung aus Beseitigung der Diskriminationen. — Macdonald erwartet die baldige Entscheidung.
Sitzung der 5 Gläubiger-Mächte.
Abreise Macdonalds schon.am Donnerstag.
wtb. Lausanne, 4. Juli. (Eig. Meld.). Die heutige Vormittagssitzung der fünf Gläubigermächte, die um 11 Uhr begann, dauerte etwa 1% Stunden. Dabei hatten sich die Teilnehmer mit den Ergebnissen der gestrigen Unterhaltung zwischen den deutschen Delegierten und Macdonald ausein- anderzusetzcn, bei denen die Deutschland gemachten Vorschläge kritisch behandelt und in einzelnen wesentlichen Punkten durch deutsche Anregungen variiert wurden. Nach Schluß der Sitzung verlautet, Macdonald habe erklärt, daß er am Donnerstag abend unbedingt ab- veisen müsse, um am Freitag mittag wieder in London zu sein, h e r r i o t seinerseitK komme, nachdem die Aussprache in der Kammer vertagt worden sei, nunmehr wie ursprünglich vorgesehen, bereits Dienstag früh wieder nach Lausanne zurück, wo er schon um 9 Uhr vormittags eine Besprechung mit Macdonald haben werde. .
Reue Besprechung der deutschen Delegation bei Macdonald.
wtb. Lausanne, 4. Juli. (Eig. Meld.). Für den heutigen Nachmittag ist eine erneute Zusammenkunft der deutschen Delegation mit Macdonald vorgesehen. Anschließend daran wird eine Zweite Sitzung der Vertreter der fünf Gläubigermächte stattsinden, um sich weiter mit den deutschen Bemerkungen zu dem gestrigen Vorschlag zu befassen.
ERB. Berlin, 4. Juli- (Eig. Meld.) Zu den gestrigen Verhandlungen in Lausanne schreibt der dort weilende Herausgeber der „Diplomatischen-po- litischen Korrespondenz" u. a.:
„Eine Reihe von Punkten müssen nach wie vor in konsequenter Weiterführung der deutschen Haltung deutlich zurückgewiesen werden. Die Höhe der Summe, die mit 4 M i llia rde n jetzt zwar die Rückstände des Hooverjahres und zwar einschließlich der in eine Reichsbahnanleihe verwandelten ungeschützten Teile, einschließt, läßt aber doch noch eine Anzahl anderer Auslandsverpflichtungen zu Deutschlands Lasten und unter Belastung seiner Devisenbilanz bestehen: Es war von vornherein deutscherseits kein Zweifel gelassen worden, daß wir bereit seien, auch materielle Beiträge zu leisten, wenn sie dem Wiederaufbau zugute kommen und auf der Voraussetzung eines wiedererstandenen Vertrauens aufgebaut würden. Daraus war der Gedanke einer Beseitigung der Diskriminationen geboren, die eine überragende Rolle in der Reihe der Hindernisse für das internationale Vertrauen spielen. Die anderen deutschen Einwendungen gingen selbstverständlich auf die Sicherung eines etwaigen in ziffernmäßigem Rahmen gehaltenen Abkommens gegen eine absichtswidrige Behandlung. Diese Einwendungen sind durchaus stichhaltig und begründet. Sie lassen aber nicht Behauvtungen zu, wie sie hier gestern abend von der Gegenseite verbreitet wurden, als ob D e u t s ch l a n d die ganze Konstruktion umzustoßen versuche, und einen neuen Tatbestand schaffen wolle. Es ist keinen Augenblick ein Zweifel darüber gelassen worden, daß das erste Ziel der Verhandlungen die völlige Streichung der Reparationen sein müsse, nicht nur, weil sie eine untragbare Last materieller und pschologischer Natur für Deutschland darstellen, sondern auch, weil ihr ganzes System sich als ein Verhängnis für die Weltwirstckaft und den zwischenstaatlichen Zoll- und Kreditverkehr erwiesen hat. Die Konferenz ist noch nicht zu Ende. Je länger sie bauert, umso schärfer wird das Gefecht zwischen den Parteien, wenn es sich auchin noch so urbanen Formen und mit der Zusicherung vollen Verständnisses für den Standpunkt der beiderseitigen Kontrahenten a u s g i b t."
In Kiel hat laut einem Bericht des Conti- Büros der Dr. Goebbels u. a. gesagt:
Vor den Augen des deutschen Volkes stehe jetzt eine stolze Armee von Soldaten einer nationalistischen Revolution und die hinreißendste Millionenbewegung, die jemals der deutsche Boden getragen habe. Diese Bewegung bleibe legal bis zur letzten Minute, aber „g e h e n g t w i r d d o ch".
Schweigt dazu der Herr von Gayl? Ist das eine weniger volksgefährdende Drohung als die Aeußerung des „Vorwärts", die zu dessen Verbot führte?
Der gemeinsame Vorschlag der Gläubigermächte ist bisher noch immer nicht in offizieller schriftlicher Form der deutschen Abordnung übermittelt worden. Die Gründe hierfür liegen nach Mitteilung unterrichtetLr Kreife darin, daß Macdonald die Möglichkeit weiterer Verhandlungen und Abänderungen des Vorschlags offenlassen will und es ablehnt, durch schriftliche Fixierung des Vorschlags die Gläubigermächte endgültig fe st zulegen. Die deutsche Abordnung ist daher in der Sonntagunterredung über den Inhalt des Gläubigervorschlags nur mündlich unterrichtet worden. Der deutsche Standpunkt liegt immer wieder in der gleichen Richtung, daß Deutschland eine restlose Beseitigung des Tributproblems fordert, jedoch z u positiven Maßnahmen zum Wiederaufbau Europas auch in der Form finanzieller Beiträge durchaus bereit ist. Jsdoch ist immer wieder betont worden, daß weitere Tributzahlungen in irgendeiner Form für Deutschland nicht in Frage kommen können. Die deutsche Abordnung hat bezüglich der Maßnahmen zum Wiederaufbau Europas Macdonald
Wenn es einen kleinen gewissen Prozentsatz von Gütern gebe, die nicht bewirtschaftet werden könnten, dann sei es kein Siedlungsbolschewismus, wenn man dem Westen auch mal einen „Happen Land" im Osten zuteilen wolle. Auch sei es kein Siedlungsbolschewismus, wenn man Bestimmungen, die im alten preußischen Land- recht 100 Jahre Geltung gehabt hätten,
daß sich etwa über einen Betrag von zwei Milliarden sprechen ließe, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt würden. Die Modalitäten der Bezahlung, die mehr eine Formfrage seien, wurden in verschiedenen Einzel- berechnungen, die sich über 10, 20 und 30 Jahre erstreckten, dargelegt. Eine fixe Zahlung in Gestalt solcher Annuitäten scheint gewissermaßen als Aequivalent für eine scharfe Herabminderung der Summe gedacht zu sein und wird offenbar nach den heute tnt französischen Lager verbreiteten Auffassungen auch als solches empfunden.
Von englischer Seite sind Bedenken dagegen geltend gemacht worden, weil eine fixe Zahlung unter den gegenwärtigen Verhältnissen noch nicht auf alle Fälle f eftgelegt werden könnte. Die Zahlung sollte auf ein Spezialkonto erfolgen, über das war d i e Gläubigermächte verfügen könnten, aber dessen Ertrag für den Wiederaufbau verwendet werden müßte.
Inbezug auf die Kriegsschuld frage, also den Artikel 231. ist im Verlaufe der Besprechungen deutscherseits ein Hinweis erfolgt, ohne daß über die Form, in der diese moralische Belastung beseitig troerben könnte, eine bestimmte Verständigung vorerwähnte deutsche Standpunkt ist übrigens heute gelung etwa so, daß bei einer im übrigen vollkommenen Verständigung festgestellt würde, daß Teil 8 des Versailler Vertrages durch die hier getroffene Regelung vollständig ersetzt sei.
Zum Schluß ist zu betonen, daß eine Belastung der Reichsbahn oder irgend eines anderen bestimmten Objektes nicht in Frage kommt, sondern nur eine Vervflichtung des Reiches. Der Vorerwähnte deutsche Standpunkt ist übrigens heute nochmals schriftlich in einem Schreibendes Reichskanzlers an Macdonald niedergelegt worden.
nend geflissentlich von bet Gegenseite verbreitet wird.
Es tft in den Besprechungen mit Macdonald zum Ausdruck gekommen, daß Deutschland nach wie vor bereit ist, auch seinerseits materre'Ae Beiträg e zum Wiederaufbau Europas zu leisten, den herbeizuführen der zweite Hauptzweck der Lausanner Konferenz ist.
oft). Lausanne, 4. Juli. (Eig. Meld.) Aus der heutigen Sitzung der fünf Gläubiger verlautet von aus ländisch er Seite, daß zwar vielfach der Wunsch bestehe, ander Ziffervon vier Milliarden festzuhalte n, die von der Gegenseite zunächst vorgeschlagexi worden mar, daß aber doch die deutschen Gesichtspunkte gewürdigt und zum Teil als durchaus diskutabel angesehen würden. So betrachte man die Möglichkeit, bei einer D erm inderung der Summe feste Annuitäten zu vereinbaren, als eine Erleichterung für ein Entgegenkommen in der Frage der Ziffer. > ,
Zu dem Verlauf der gestrigen Besprechungen hören wir weiter, daß es sich in der Tat nicht um einen Gegenvorschlag, sondern um eine wechselseitig e Aussprache gehandelt habe. In dieser Aussprache wurde deutscherseits darauf hingewiesen, daß zwar das Angebot, das Macdonald ausgefprochen hatte, nicht annehmbar erscheine, daß man sich aber vorstellen könnte, wenn die Beseitigung der Differenz wegen des Unsicher- heitsfaktors der Schulden an Amerika und eine Streichung von Teil 8 des Versailler Vertrages durch die hier gewonnenen Ergebnisse möglich fei zueiner Verständigung i m Prinzip gelangen zu können. Eine bestimmte Zahl ist nicht angeboten, sondern auf die Gegenfrage, was Deutschland tragen könne, erwidert worden,
nationale Rechtsopposition im neuen Reich stag diesmal für sich allein annehmen müsse. Brüning wandte sich noch besonders gegen die Behauptung, er hätte es abgelehnt, grundsätzlich mit der Rechten zusammenzugehen. Er sei von Haus aus konservativ eingestellt und pflege sich nicht zu ändern. Er sei der Ueberzeugung gewesen, daß nach den Preußenwahlen zunächst ein Kabinett mit der Rechten zu bilden sei. Er habe diese Verhandlung selbst ein- geleitet, ohne eine Illoyalität nach der anderen Seite zu begehen. Manche Leute hätten aber in den berühmten fünf Minuten vor Schluß nicht mehr warten können.
Auf die letzte Notverordnung der Reichsregierung zu sprechen kommend, befaßte sich Dr. Brüning besonders eingehend mit dem Prob le m der Siedlung im Osten. Die bisherigen Maßnahmen zur Rettung des deutschen Ostens hätten alle einen großen Sinn gehabt, aber es gehe nicht an, daß man eine kleine Anzahl von Gütern des Großgrundbesitzes alle zwei oder drei Jahre neu ent» sch u lde aus Mitteln, die d e r W est e n und der Süden aufgebracht hätten.
einigungen fand am Sonntag die Ueberführung der sterblichen Ueberreste des ehemaligen Außenministers Briand vom Pariser Friedhof Pasfy nach Briands Landsitz Cocherel statt. Innenminister Chautemps und die in Paris anwesenden Minister folgten int Leichenzug, der um 10 Uhr vormittags Paris verließ, und iv den frühen Nachmittagsstunden in Cocherel eintraf. Ministerpräsident Herriot und die mit ihm aus Lausanne zurückgekehrten Minister, der ehemalige amerikanische Staatssekretär Kellogg und der Präsident des Völkerbundes, Hymans, hatten sich direkt nack» Cocherel begeben.
Herriot widmete Briand einen Nachruf, in dem er an das Fnedensrverk des ehemaligen Außenministers erinnerte, der trotz aller Nachgiebigkeit im Interesse der europäischen Solidarität niemals das Wohl Frankreichs vergessen habe. Er benutzte die Gelegenheit, auf die Enttäuschung hinzuweisen, die er mit Briand teilte und die ihren
In internationalen Konferenzkreisen bestand am Sonntag übereinstimmend der Eindruck, daß auf englischer Seite starke Bestrebungen im Gange sinh, den Gläubigervorschlag im Sinne des d e a t- schen Standpunkts, der nicht die französische These annehmen will, abzuändern. Das unzweifelhaft festzuftellende Entgegenkommen von eng- Nscher Seite gegenüber dem deutschen Standpunkt wird auf den starken Druck zurückgeführt, der jetzt von internationalen und amerikanischen Finanzkreisen auf die europäischen Großmächte ausgeübt wird, im Sinne einer endgültigen Regelung der Tributfrage unter Berücksichtigung des deutschen Standpunktes. Macdonald Hat bereits wissen lassen, daß er seine ursprünglich auf den 5. Juli festgesetzte Abreise aus Lausanne vorläufig verschoben hat. Man rechnet daher mit dem Abschluß der Konferenz nicht vor Mitte oder Ende dieser Woche.
Entgegen Behauptungen, die von französischer Seite ausgestellt wurden, sind in den beiden Besprechungen zwischen dem Reichskanzler und Reichsaußenminister mit dem Präsidenten der Konferenz Macdonald feine bestimmten, formulierten Gegenvorschläge überreicht worden. Es wurden vielmehr die einzelnen Punkte des von Macdonald uns informell mitgeteilten Gläubigervorschlags eingehend erörtert. Dabei sind von deutscher Seite eine Reihe rechnerischer Beispie l e für die Wirkung gegeben worden, die der Plan der Gläubigermächte auf die deutsche Devisenbilanz haben würde. Von besonderer Wichtigkeit sind auch die Einwendungen, die von deutscher Seite gegen die sogenannte Sicherheitsklausel erhoben wurden. Die deutschen Vertreter haben Macdonald erklärt, daß ein etwaiges Abkommen gegen absichtswidrige Behandlung der Bonds- «mission bet einem bestimmten Stand der Wirtschaftslage und gegen die Einbeziehung der amen- kunischen Gläubigeransprüche gegen die ehemaligen Alliierten gesichert fein müsse.
Wenn diese berechtigten deutschen Einsprüche gemacht worden sind, so bedeutet das^ wie oben eits betont, n i ch t, daß Deutschland die ganze Konstruktion des Gläubigervorschlags u m z u st o - °en beabsichtigt, eine Behauptung, die anschei
Die Zentrumspartei leitete am Sonntag den Wahlkamps für die Reichstagswahl ein, den im Rheinland der frühere Reichskanzler Brüning eröffnete. Er sprach zunächst in Siegburg, um dann nach B o n n zu fahren, wo eine große Kundgebung in der Beethovenhalle stattfand. Brüning erklärte u. a., die Politik der beiden letzten Jahre habe die Grundlage gelegt, ohne die es der jetzigen Regierung nicht möglich wäre, in Lausanne den Kampf mit Aussicht auf Erfolg führen zu können. Das Zentrum frage nicht danach, wer den Erfolg erziele, wenn er nur erzielt werde. Heber - gehend zur Innenpolitik wandte sich Brüning g e- gen d i e Parteiherr schäft. Die Rechte habe sich ihm versagt, und er habe die Hand derer ergreifenmüssen, die sich angeboten hätten. Niemals habe eine Bindung gegenüber der Sozialdemokratie bestanden; aber ebenso sei es Tatsache, daß die Sozialdemokratie für die Opfer Verständnis gehabthabe, die imInteresfe des Vaterlandes notwendig gewesen seien.
Am Nachmittag sprach Dr. Brüning in der überfüllten großen Rheinlandhalle in K ö l n. Er legte eingehend das Programm der Zentrumspartei dar und betonte, daß es nicht angenehm für einen Politiker sei, der aus der Verantwortung scheide, sofort wieder in einen neuen Wahlkampf ziehen zu müssen. So zu sprechen, tote man es von ihm erwarte, werde er nicht können und nicht wollen. Es werde kein Wort über seine Lippen kommen, das die Position unserer Abordnung in Lausanne auch nur im ge- ringsten irgendwie erschüttern werde. Bleibe die deutsche Abordnung auf der Linie, die vorher vorbereitet und festgelegt worden sei, so werde ste in diesem Punkt die Unterstützung der Zentrumspartei auch in Zukunft behalten. Mache man aber taktische Ungeschicklichkeiten, dann müsse er darauf aufmerksam machen, daß das, was konzediert werde, was aber nicht notwendig gewesen sein sollte, zu konzedieren, d i e
Das wäre auch die Höhe.
Falsche Gerüchte über eine neue Pressenot- 1 Verordnung.
CNB.Derlin. 4. Juli. (Eig. Meld.) Von zuständiger Stelle werden die Gerüchte über eine beabsichtigte neue Pressenotverordnung der Reichsregierung, wonach Zeitungsoerbote durch die Reich's regierung ausgesprochen werden sollen, als völlig f a 1 s ch b e z e i ch n e t.
Man kann sich auch nicht vorstellen, daß die Regierung Papen-Schleicher so thöricht wäre, in dieser groben Weise das Recht der Ein.zelstaaten anzurufen.
Der Polizeipräsident in Berlin hat das Erscheinen des „Vorwärts" auf Grund der Notverordnung vom 4.—8. Juli verboten.