Beilage zur Fuldaer Zeitung
NILS
Feuer-Spruch.
Strömt zusammen, steht zusammen, Hebt die Häupter, hebt die Hände, Werft die Scheiter in die Flammen, In die Herzen werft die Brände!
Himmelhoch soll Lohe schlagen, Weichen, weichen muß die Nacht, Siegen muß des Lichtes Macht Und es muß auf Erden tagen: Tagen nach den Finsternissen, Tagen in den Niederungen, In den Herzen, haßumschlungen, In den Seelen, streitzerrissen!
Feuer her und Licht her, Licht!
Leben soll ein neues Leben: Hände und Herzen laßt uns heben, Nie vom Licht zu lassen nicht.
Laßt den Feuerschwur uns schwören — Tote und Lebende sollen ihn hören —: Trotzen alen Dunkelheiten, Im Heerbann des Lichtes streiten, Licht und Leben Weg bereiten. Immer zu den Gipfeln schreiten, Morgenbrand sein neuen Zeiten!
Laßt den Feuerschwur uns schären — Tote und Lebende solen ihn hören —: Feuer bringen, Feuer bringen. Hoch des Lichtes Fackeln schwingen, Nacht und Lüge niederringen, Falschheit, Schwachheit, Feigheit zwingen, Wahrheit, Freiheit, Leben klingen, Hoheit, Liebe Freude singen, Feuer bringen, Feuer bringen!
Den Schwur segne, Herre Christ, Du, der Licht ohn' Schatten ist, Der Du End' und Anfang bist, Unser König, Herre Christ!
Ernst T r a s o l t im „Frohen Leben".
Die Politisierung der Jugend.
Das Bemerkenswerteste an der geistigen Haltung der heutigen Jugend ist ihre vollständige Politisle- iv, g. Die Politik hat :n dreifacher Weise von der Jugend Besstr ergriffen:
t. Politisches und wirtschaftliches Geschehen steht heute im Mittelpunkt des Interesses der Jugend.
2. Das Bestreben der Jugend und weiter Kreise verantwortlicher politischer Führer geht nicht mchU dahin, daß politische Bildung als Grundlage selbstverantwortlicher Orientierung gesucht wird, sondern man fordert Festlegung und Entscheidung für eine bestimmte Gruppe oder Partei.
3. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der heutigen Jugend sucht durch Demonstration, propagandistische Arbeit und Kundgebungen aller Art bis zur Straßenschlacht aktiv in das politische Leben einzugreifen.
„Das Dritte Reich" und der b o l s ch e w i st i- sche Kollektiv st aat vermochten weite Kreise der deutschen Jugend, die die Folgen eines verlorenen Krieges auf sich lasten fühlt, zu packen. Bei beiden ist der geistige Unterbau äußerst dürftig.
Beide packen die Jugend an ihrer verwundbarsten Stelle, ihrem Erlebnishunger und ihrer Einsatzbereitschaft. Beide können ihr konkrete Aufgaben stellen, sei es, sich dem staatlichen Berbot zum Trotz zu organisieren oder andere für die Organisation zu werben, sei es, verbotene Flugblätter zu verteilen oder an verbotenen und gefährlichen Demonstrationen teilzunehmen. Die Gefahr ist dabei ein starker Anreiz, ebenso die Heimlichkeit. Man ist beglückt, gegen das verhaßte alte System sichtbaren Kampf fuhren zu können unter Einsatz seines Lebens. Sowohl bei der Hitlerjugend als auch im kommunistischen Jugendverband wird in demjungen Menschen eine beinaheschwärmerische Todesbereitschaft gepflegt.
Als Beleg dazu sei ein Beispiel für hundert angeführt: Zu dem Bild von ermordeten Hitlerjungen heißt es einmal: „Mehr denn tausend heldische Taten der Le-
Die Konstruktion.
Von Werner Dellers.
Kobes war Quartaner und außerhalb der Schule ein heller Bursche. Er kannte etwas von Autos und Motoren, überhaupt von Mechanismen, und wollte Ingenieur werden. Darüber war er sich, so schien es, seit seiner Geburt klar gewesen. Und wirklich, er hatte etwas los. Sogar schöpferische Ideen hatte er los. Deshalb hatten die Sekundaner ihn Ody getauft, hergeleitet von Odysseus, dem Erfindungsreichen. Und sie hatten recht. Wir werden schon sehen.
Auch in gewissen Zweigen der Literatur war Ody zu Hause. Von den zur damaligen Zeit bekannten 42 Karl- May-Bänden, die er der Reihe nach mit Namen nennen konnte, hatte er trotz seines zarten Alters schon 14 gelesen, manche hatte er zweimal gelesen, manche dreimal. Vieles war darin, was ihn nachdenklich machte, besonders wenn es sich um ausgeklügelte Verfahren handelte. So interessierte ihn weder die Bastonade noch der Marterpfahl sonderlich, ober eine andere Methode, Menschen zu quälen und ihnen Geheimnisse zu entlocken, interessierte ihn mächtig: Man binde — nach Karl May — den Delinquenten fest an, bringe vor allem seinen Kopf in absolut unverrückbare Lage, scheere eine Stelle des Kopfes blitzblank, befestige darüber einen kleinen Wasserbehälter, eine Konservenbüchse zum Beispiel, und lasse das Wasser durch eine winzige Oesfnung tropfenweise (was schon von selbst einen ganz bestimmt, periodischen Rhythmus ergibt) auf die kahle Kopfstelle her- abfallen. In kürzester Frist wird sich der Mann bedingungslos ergeben müssen, wenn er es nicht vorzieht, wahnsinnig zu werden. Das war eine Sache. Das war Methode. Das war Mechanismus.
Kobes fuhr täglich mit der Eisenbahn zum Gymnasium (Genies kommen fast immer vom Lande). Die Ei- sinbahn und ihr Milieu sind ein treffliches Objekt für künftige Ingenieure. Kobes entwickelte feinen Spießge- stllen den neuen Plan. Kodes fand rauschenden Bei- ftlL Es entstand folgende Konstruktion:
Durch das Gepäcknetz wurde eine braune Schnur gezogen, jo daß sie an beiden Seiten heraushing. Durch
benden, mehr denn vielerlei Weisheit der Philosophen, mehr denn tausend Reden glühender Patrioten bedeutet uns, der Jugend, dem ganzen Jolk das Leben und tapfere Sterben dieser beiden Jungen . . . Sie starben für Deutschland!" Der Tod im Bürgerkrieg wird hier als Heldentod fürs Vaterland gepriesen!
Der Kampf um die Seele des Kindes wird mit den gerissensten pädagogischen Finessen geführt, zugleich aber mit der schonungslosesten Verhetzung. Das Ziel der kommunistischen Kinderarbeit ist, den Einfluß staatlicher und kirchlicher Erziehungsmächte völlig zu beseitigen. „Diesen Gehorsam, diesen Glauben an die „göttliche Kraft", an die unantastbare Autorität des Lehrers, der Polizei, des Staates müssen wir zerstören . . . Rebellion säen . . . revolutionäre, klasseybewußte Kämpfer für den Sozialismus ernten." (Aus Sport und Spiel.) Ihr pädagogisches Prinzip ist dabei die Kleinarbeit in Schulzellen, Schülerzeitungen, Schulstreik, Zeltlager u. ä. Hauptgegenstand des Kampfes sind vor allem die Keimzellen aller Art von Ueberlieferung und Autorität: Familie, Schule, Kirche, die systematisch untergraben werden.
Sie katholische Jugend ist selbstverständlich ebenso in die allgemeine Krise hineingezogen. Nicht bloß wirtschaftlich! Ohne Zweifel trägt auch die katholische Jugend Spuren der geistigen und seelischen Not in ihrem Antlitz, an dem politischen und wirtschaftlichen Geschehen hat auch sie in letzter Zeit stärkere und leidenschaftlichere Anteilnahme genommen. P. Ingbert Naab glaubt, daß die Hinneigung der Jugend höherer Schu-
kleine Schlaufen, die in die Wand geschlagen wurden, führte man das eine Ende ganz in die Ecke des Abteils, so daß die Schnur praktisch, das heißt für Uneingeweihte unsichtbar war. An dem anderen Ende, das frei aus dem Gepäcknetz hing, befestigte man eine kleine Bleikugel, die, wenn man sie von der Ecke aus hochzog, io in dem Geflecht des Netzes faß, daß auch sie für harmlose Irdische nicht entdeckbar war. Nach den ersten Versuchen ergab sich, daß der Reibungswiderftand im Netz und an den Schlaufen größer war, als die Bleikugel zu überwinden vermochte. So wurden an den Reibungsstellen noch flache und abgerundete Führungsflächen nötig, die am nächsten Tag eingebaut wurden. Dann klappte es wie — eben wie am Schnürchen.
Odys Eifenbahnzug war in der Gymnasialstadt beheimatet und hatte dort Start und Ziel. Meist stand er lange vor der Abfahrt auf dem Bahnsteig bereit. Das machte die Sachen ohne Schwierigkeiten durchführbar, man brauchte nicht erst auf eine besonders günstige Gelegenheit zu warten. So saßen die Verschwörer am ersten Tag des Ernstfalles schon zeitig in „ihrem" Abteil und hielten alle Plätze bis auf einen besetzt. Die Apparatur wurde noch einmal ausprobiert, der Konstrukteur selbst saß in der Ecke am Steuer, es ging wie der Teufel.
Kurz vor der Abfahrt kam ein Herr mit einer Mappe herein, ein stattlicher Herr mit offenem Gesicht, so in den vierziger Jahren, und sah sich um. Natürlich setzte er sich auf den Platz, der ihm angewiesen war, nachdem er vorher den Hut ins Netz gelegt hatte. Der Zug fuhr los. Die Jungen unterhielten sich angeregt über die kommenden Fußballwettkämpfe, zwei von ihnen hatten rote Köpfe vor Erregung, der Herr las die Zeitung. Plötzlich ging es ruckzuck, die Bleikugel saß wieder oben in ihrem Nest. Dabei sagte Köbes: „Ist das ein Sauwetter heute!" Der Herr griff sich an den Kopf, blickte nach oben, blickte um sich, die Jungen beachteten ihn nicht, der Herr beugte sich wieder über die Zeitung. Da ging es von neuem ruck-zuck, und Köbes sagte aus feiner Ecke: „Es muß bald Vollmond fein." Diesmal griff der Herr sich nicht an den Kopf, er sah sich um und lächelte, lächelte ganz fteundlich und liebenswürdig, und während er einen nach dem anderen aufmerksam und vergnügt ansah, sagte er: „Ach, Jungens, das ist ja wirk-
len zum Nationalsozialismus deshalb möglich sei, weil die höheren Schulen in der Geschichte- und Staatsauffassung vieler Professoren noch ganz den Geist des wilhelminischen Preußentums zeigen. Dazu kommt, daß manche Z e n t r u m s abgeordnete zum großen Teil noch dem Liberalismus verhaftet sind, mit ihrer vernünftelnden Art nicht den richtigen Ton für eine mit trockenen Wiffenschaftssystemen ohnehin überfütterten Jugend finden.
Bei den Besten der katholischen Jugend ist ein erfreulicher Drang zur politischen Bildung sestzustellen. Leider betrachtet man in führenden Kreisen im katholischen Lager, besonders „in der Provinz", die Jugend immer noch als fünftes Rad am Wagen und glaubt, man könne die einsatzbereite Iungmannschaft nach der Wahlarbeit mit einigen warmen Dankesworten abfpeifen. Es ist viel an der Jugend versäumt worden. Leider ist auch in vielen Jugendvereinen noch nicht die notwendige Zielklarheit. Gerade diese aber haben heute die verantwortungsvolle Ausgabe, die katholische Jugend vor dem Barbareneinfall jugendzerstörender Mächte zu schützen. Das Ideal katholischer Jugenderziehung in bezug auf den Staat ist nicht der radikalisierte Parteigänger oder der fanatische SA-Mann, sondern der junge Mensch, der mit großer Liebe an seinem Vaterlande hängt und mit einem politisch entw irf eiten Verstände d i e Dinge des Tages beurteilen kann und danach feine Entscheidung trifft. O. K.
lich eine nette Sache. So ähnlich haben wir es früher auch gemacht. Aber, nicht wahr, es ist jetzt genug, und ihr probiert es das nächste Mal bei einem anderen". Das wirkte wie eine Bombe, die die Verschwörer erschlug, daß sie das Maul aufsperrten und keinem ein Wort gelang. Selbst Köbes kriegte einen roten Kops und sah konsterniert in die Luft. Das freundlich gelassene Entgegenkommen ihres Opfers, fein überlegenes augenzwinkerndes Verständnis hatte sie mit einem Schlage entwaffnet. Sie waren wie vor den Kopf gehauen, ratlos und verlegen, und kamen erst wieder langsam zu sich. Heute schwört Köbes daraus, daß der Herr nicht einmal von den Tätern, geschweige denn von der Konstruktion die leiseste Ahnung gehabt habe, daß sie sich auf den ersten Anhieb schmählich hätten überrumpeln und übertölpeln lassen.
Mit dem neuen Tag tarnen neuer Mut und neuer Tatendrang. Wieder saßen sie zeitig in Erwartung eines Opfers. Wieder faß Ody am Steuer. Diesmal kam ein älteres, nervöses Männchen herein, mit Kneifer und steifem Melonenhütchen. Ohne die Melone abzuneh- men, setzte er sich vorschriftsmäßig, wohin er gehörte. Er sah mit einem forschen, inquisitorischen Blick um sich, indem er den Kopf senkte und über die Augengläser wegsah, dann packte er umständlich und hüstelnd ein Buch aus der Manteltasche und begann zu lesen. Die Jungen unterhielten sich mächtig, keiner kümmerte sich um den Gast. Der Zug fuhr los. Da ging es ruck-zuck, mit einem leichten, hohlen Klang, und Köbes sagte: „Wär es doch mal erst Samstag!" Das Männchen fuhr nervös auf, hustete, nahm den „Böller" ob, besah ihn lange und nachdenklich, blickte um sich, setzte hüstelnd den Böller wieder auf. Keiner hatte eine Miene verzogen, keinem war etwas aufgefallen, feiner hatte den Mann auch nur angesehen, alle waren eifrig mit irgendwas beschäftigt, es war wie hn Frieden. Da ging es ruck-zuck, und Köbes seufzte aus der Ecke: „Morgen haben wir einen schweren Tag!" Der Alte fuhr auf, hüstelte und blickte nach Oben, nahm den Böller ab, besah ihn, befühlte ihn von innen, befühlte ihn von außen, schüttelte den Kopf, daß der Kneifer wackelte, setzte den Böller wieder auf. Er senkte den Kopf wie ein Stier vor dem Angriff und blickte über die Augengläser hin-
im Herzen fragen. Wie ein Schwur klang das brausende Hoch auf das Vaterland und der Gesang des Deutschlandliedes.
Einige Feuersprüche wurden vorgetragen, passende Lieder gesungen. Dann beendete der Gauführer die Feier mit einer kurzen Ansprache, in der er die Bundesbrüder verpflichtete, dafür zu sorgen, daß das Feuer in allen Herzen zünde. Mit dem Abendlied nahmen di« Bundesbrüder von einander Abschied, um den stundenlangen Heimweg anzutreten:
Daß wir uns hier in diesem Tal
Noch treffen so vielhundertmal:
Gott mag es schenken, Gott mag es lenken, Er hat die Gnad!
Jetzt, Brüder, eine gute Nacht!
Der Herr im hohen Himmel wacht, In seiner Güten uns zu behüten Ist er bedacht.
Brüning und die Jugend.
Die besten Teile, nicht nur der katholischen Jugend, hat Brüning mit seinem lauteren Charakter, seiner katholischen Geistigkeit und seiner zielstrebigen Politik für sich gewonnen.
In einem Kreise junger Studenten fiel vor anderthalb Jahren das Wort: „Für Brüning gehe ich durchs Feuer und wage mein Leben", und man kann heute im allgemeinen sagen, daß ein Großteil der deutschen Jugend in ihrem staatspolitischen Empfinden in Heinrich Brüning einen lebendigen Repräsentanten ihres nationalen und politischen Wollens gefunden hat, und zwar so, daß nicht allein Brünings Persönlichkeit, sondern auch seine vernünftige Politik das Vertrauen dieser Jugend besitzt, wenn sie auch durch Arbeitslosigkeit und Notverordnung schwer unter dieser Politik gelitten hat.
Brünings Persönlichkeit hat viele von dem geistlosen Hitlerkult befreit und hat vielen an das Geistige und Ethische im Menschen der Politik wiederglaubenhelfen. Es gibt nicht wenig junge Menschen, die in ihrem Wohnraum ein Bild dieses Mannes hängen haben, weil sein Wesen und sein Charakter im höchsten Maße erzieherisch auf die Gestaltung ihres eigenen Lebens einwirkt. Brüning ist somit der wertvollste Bestandteil für eine staatspolitifche Erziehung der Jugend von heute. Das Begeisterungsfähige an feiner Persönlichkeit bildet für den jungen Menschen die Brücke zu einem gesunden politischen Denken überhaupt.
Die katholische Jungmannschaft steht weiter treu zu Brüning, gerade weil er von einer kleinen Clique von „Herren" durch hinterhältige Angriffe gestürzt worden ist. Sie sieht in diesem schlichten, energischen und selbstlosen Arbeiter für das Vaterland ein hohes Vorbild. Daß so minderwertige Schrei- ber von der Art eines „Till Trudelström" den wahrhaft deutschen und vornehmen Politiker Brüning beschimpfen, macht uns unseren Führer nur noch verehrungswürdiger. (Wer ist im übrigen dieser „Till Trudelström", der dauernd von der„I e [ u i t e r e i" Brünings in abfälliger Form spricht. Ist es auch einer von der Sorte jener sattsam bekannten „T a t k at h o l i k e n", die „Nazitaufen" abhalten, Rosenkränze und Kommunionzettel in politischen Versammlungen herumzeigen und einen widerlichen und verabscheuungswürdigen Mißbrauch mit religiösen Dingen treiben? Heraus mit der Sprache!) K. M.
Jugendtreffen
der 3ungfrauen-fiongregafioncn an der Grolle in Neuhof am Jeske Peter und Paul.
Verlauf:
3 Uhr: Sakramentaler Segen in der Pfarrkirche.
3.10 Uhr: Aufstieg zur Grotte in Prozessionsform. Aufstellung zu drei und drei.
3.30 Uhr: Weihe an der Grotte. Ansprache des hochw. Herrn Dechant. Gemeinsames Lied: Maria, sieh wir weihen. Sprechchor, Weihegebet, mehrstimmiges Lied. Gemeinsames Lied: Siegreich weht ein hehr Panier.
4.30 Uhr: Feier im Saale von Emil Möller. Gemeinsames Lied: Meerstern, ich dich grüße. Begrüßung. Theater, Volkstänze, Unterhaltung.
Merke: 1. Die Darbietungen der einzelnen Verein« erfolgt in Reihenfolge der einzelnen Pfarrorte nach alphabetischer Ordnung.
2. Fahnen, Wimpel, Singeschiffe mitbringen! Abzeichen anlegen.
weg von einem Reisegefährten zum anderen. Nicht ein einziger würdigte ihn der mindesten Beachtung. Die Jungen unterhielten sich, sie waren augenscheinlich in bester Laune und in saft ausgelassener Stimmung, das war das Recht der Jugend. Mit einem stoßweisen, nervösen Husten machte der Alte sich wieder an seine Lektüre. Da ging es ruck-zuck, und Köbes sagte: „Heute gibt es bei uns Erbsensuppe!" Der Alte geriet ganz außer sich, er riß hastig die Melone vom Kopf und brummte, wild um sich sehend, Unverständliches in die Luft. Sein Gegenüber, der lange Sekundaner Gerd, beugte sich verwundert vor und fragte, fteundlich interessiert: „Was meinen der Herr?" Die spontane Stille, die eintrat, die vielen Augenpaare, die den Alten jetzt erstaunt fragend und beharrlich aufs Korn nahmen, brachten ihn vollends aus aller Fassung. „Ach, ach", räusperte er sich, „was ist das doch, es räschnet doch wohl nit hier rein?" „Nun, wer weiß," zweifelte Gerd, „das ist schon son Sach bei so alten Wagen," stand auf und machte sich an den Luftklappen zu schaffen. „Sooo," machte er befriedigt, „jetzt ist es aber dicht." Der Herr dankte mit lebhafter Herzlichkeit, und die anderen began- nen im Chor auf die Reichseifenbahn zu schimpfen, b:e noch ihre ältesten Kisten aus dem Altern hervorhole, um sie auf dieser Strecke zum Wrack zu fahren. Das Männchen nickte beifällig mit dem Kopf, steckte den Böller auf und begann wieder zu lesen. Da ging es ruck-zuck, und Köbes sagte: „Was das doch wieder regnet!" Jetzt sprang der Alte auf, wie von einer Tarantel gestochen, er hatte einen glutroten Kopf, die Augen flackerten wild hinter den Kneifergläsern, und halb zornig, halb verzweifelt brummte er: „Das macht einen ja verrückt!" Die Hand, in der er wieder den Böller hielt, zitterte, und er guckte ängstlich auf das Gepäcknetz über feinem Platz. Harmlos und unschuldig saß dort das braune Kügelchen Mischen den braunen Schnüren, und es muß bezweifelt werden, ob das Männchen es gesehen hätte, selbst wenn es über die Augengläser geguckt hätte. Da geschah das Unglück. Köbes mußte niesen, und da er den linken Arm bei seinem Nebenmann eingehakt hatte, führte er hastig, ohne Gedanken, nach Gewohnheit und Instinkt, die rechte Hand an den Mund und ließ dabei die Strippe los. Bums, fiel die Blei-
Johannesfeuer auf der Milseburg
Ein Treffen der Windthorstbünde des Fuldaer Landes.
Am vergangenen Sonntag waren die Windthorst- bünbe der Umgebung zu einem Treffen auf der Milseburg eingeladen worden. Von allen Seiten tarnen die Bundesbrüder heran, zu Fuß ober mit bem Fahrrad. Man hatte keine große Propaganda gemacht, und doch waren mehr junge Männer erschienen als man zu hoffen gewagt hatte, zumal die Bauern in den Rhöndörsern mitten in der Heuernte stehen.
Vom Abrahamsfelsen wehte eine große, weiße Flagge mit bem schwarzen Kreuz ins Sanb unb zeigte ben An- fommenben, wo ber Treffpunkt war. Helle Freube leuchtete aus ben Augen ber Bundesbrüder, bie sich auf uraltem, geweihtem Heimatboben trafen. Hier gab es keine Klaffenkampfstimmung unb feinen Stanbesbünfel. Alle waren nur Kinder ihrer Heimat, Söhne des schönen Fuldaer unb Rhönerlanbes.
In weitem Kreise ließ man sich im Anblick ber Heimatberge, bie im Glanze ber untergetjenben Sonne erstrahlten, zum allgemeinen Thing nieder. Der Gauführer betonte in seiner kurzen Eröffnungsansprache, in ber er befonbers bie Bunbesbrüder begrüßte, die aus dem Kreise Hünfeld unb bem westlichen Teil bes Kreises Fulba mit ben Fahrräbern herbeigeeilt waren, baß bie Milseburg nicht ohne Grunb zur Stätte bes er ft en Johannesfeuers ber jungen Volksfront des Fuldaer Landes gewählt worden fei. Hier hätten sich schon vor vielen tausend Jahren die Vorfahren gesammelt, wenn die Feinde das Land erobern wollten. Auch heute seien wieder Feinde ins Fuldaer Land eingebrochen. Viele sehen die Gefahr noch nicht tber schließen bequem bie Augen, lassen bie Dinge unentschlossen treiben in bem Glauben, baß alles schon wieder einmal anders werden würde. Wir vom Windthorstbund wollen aber nicht untätig zusehen, wie feindliche Weltanschauungen unsere Kameraden bem angestammten Glauben ber Väter langsam entfremden. Wir rufen auf zum Kampf für die Freiheit unseres Heimatlandes, für die Freiheit des Gewissens u. gegen die Gewaltherrschaft. Der Kampf ist zu tiefst ein geistiger Kampf, und siegen werden diejenigen, bie im geistigen Kamps ber Weltanschauungen ben Sieg — unb bas heißt praktisch ben Sieg über bie eigene armselige Menschlichkeit — bavontragen. Die junge Volksfront ist aber auch entschlossen, keinen Terror ber Minberheiten im Fulbaer Sanb zu bulben. Das Johannesfeuer, bas wir heute abenb anzünben wollen, soll ein Z e i ch e n fein, baß bie junge Volksfront gerüstet ist; es soll aber auch ein Mahnruf an alle noch nicht Aufgerü11e11en fein.
Spontan stimmten bie Bunbesbrüber das Tiroler Schützenlied mit ber umgebichteten Schlußstrophe an:
„Es lebe unser Fulberland, Mit ihm bas beutsche Vaterlanb. Unb kommt ber Feinb ins Land herein Unb sollt's ber Teufel selber sein, Es ruhen unf’re Stutzen nicht Bis baß bas Auge bricht."
Anschließend wurden praktische Fragen über bie O r- ganifation ber jungen Volksfront besprochen. Harte Kritik würbe über ben mangelnben Mut zur Konsequenz geübt, ben man vielfach im katholischen Lager feststellen muß. Die Jungmannschaft verlangt, bah sie gehört wirb, weil sie ben Verhältnissen im Land am nächsten steht, und wird sich nicht auf bie Dauer mit schönen Lebensarten zufrieden geben. Das Thing würbe mit einem Hoch auf Brüning, bem besten unb nachahmenswerten Typ bes beutschen Mannes — sog. „katholische" Nationalsozialisten, auch in ber Fulbaer Gegend, nennen ihn „jesuitisch" — beendet.
Nach einem Geländespiel, bas alle mit Begeisterung unb vorbilblicher Disziplin mitmachten, sammelte sich bie Schar bei einbrechenber Dunkelheit um ben Holzstoß. Die Feuerwache stieß bie brennenben Fackeln in bas bürre Reisig. Das Feuer sprang von Ast zu Ast, unb im Nu war ber Holzhaufen ein riesiges Feuermeer. 20 Meter hoch schlugen bie Flammen unb vertrieben bie Finsternis.
Machtvoll klang bas Lieb: „Flamme empor!" in bie Nacht. Von den Bergen unb Wölbern tarn bas Echo zurück:
„Siehe wir stehn
Treu im geweihten Kreise
Dich zu bes Vaterlanbs Preise Brennenb zu sehn.
Heilige Glut!
Rufe bie Jugend zusammen, Daß bei ben lobernben Flammen Wachse ber Mut.
Höre bas Wort!
Vater auf Leben unb Sterben Hilf uns bie Freiheit erwerben, Sei unser Hort!
Dann trat Bd. Tertilt-Mittelaschenbach in ben Kreis unb sprach in einer patfenben Feuerrebe von bem Sinne bes Johannesfeuers, Wir alle wollen Lichtträger sein, wir alle wollen bas heilige Feuer ber Begeisterung unb ber Hingabe an unsere Jbee unb unser Vaterland