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Fulda er Zertung

Anzeiger für die Stabt Julba und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Ilr. 147

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Well im oito" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

Dienstag, 28. Juni 1932.

Monatlich 1.65 einschließl. Postgebühr (48 Pfg.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile <Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckk Frankfurt a. M 4051.

Mts. 59.

Die entscheidende Woche.

Papens Besuch in Berlin. Ausgleich und nicht Kompensationen.

Die kurze Besuchtsreise des Reichskanzlers von Papen nach Deutschland diente in der Hauptsache dem Zweck, dem Reichspräsidenten und dem in Barlin zurückgebliebenen Rumpfkabinett Bericht über die bisherigen internen Derhandlungsn in Lausanne zu erstatten. Daß dabei natürlich auch die innerdeutschen Fragen mitbesprochen wurden, liegt auf der Hand. Leider vollzog sich die Be- suchsreise nicht nur unter günstigen Vorzeichen. Der bayerische Vorstoß ist zu einem recht erheb­lichen Teile nicht nur Innen-, sondern auch Au­ßenpolitik. 2lber auch die Meldungen über die vielen Interviews, die in den letzten Tagen von dem Reichskanzler und anderen deutschen De­legationsmitgliedern ausländischen, und vor allem französischen Journalisten gegeben worden sind, erweckten keineswegs nur Zustimmung. Ein deutschnationaler Politiker sprach in seinem Be­richt aus Lausanne von derVerwirrung", die durch die vielen Iournalisten-Empfänge des Reichs­kanzlers gestiftet wurde.Die Mißverständnisse hören überhaupt nicht mehr auf . . . Man kann schon deutlich italienische und amerikanische Ver­stimmungen über diese Mißdeutungen feststellen."

Inzwischen ist durch den Reichskanzler von Papen schon selbst eine Richtigstellung der in der französischen Presse erschienenen Aenßerungen ver­anlaßt worden, die den Sinn seiner Worte wieder stärker dem vom Auswärtigen Amt vertretenen Kurs annähert. Es ist aber leider nicht ganz zu übersehen, daß die Ungewißheit über die eigent­lichen und letzten Absichten der neuen Reichsregie­rung viel zu der Legendenbildung beigetragen hat. Die amtlichen Verlautbarungen der deutschen Re­gierung tragen aus begreiflichen Gründen man will keine Bindungen eingehen und sich nicht fest­legen einen etwas blassen und abstrakten Cha­rakter. Sie sind im Diplomaten-Iargon gehalten. Aber es ist durchaus nicht gesagt, daß dieser Jar­gon mit seinen geheimen Unter- und Obertönen für den Laien immer durchaus erfreulich ist.

Was die Lausanner Verhandlungen selbst an­betrifft, so ist bei Beginn der neuen Woche, die zweifellos den wichtigsten Koyferenzab- schnitt umfassen wird, mehr denn je vor Opti­mismus und Illusionen zu warnen. Die Derhand- lungc« zwischen Deutschland und Frankreich dre­hen sich um sehr schwerwiegende finanzielle und wirtschaftliche Fragen. Wenn Frankreich hier von uns ein Entgegenkommen erwartet, das ihm das Recht geben würde, von einer irgendwie gearte­ten weiteren Anerkennung des französischen An­spruchs auf Rparationen zu fasseln, so wird es sich, wie wir alle mit Bestimmtheit erwarten, sehr schwer täuschen. Besonders das Wort von deut­schen Kompensationen" auf das franzö­sischeEntgegenkommen" muß ichleunigst wieder aus der internationalen Diskussion ver­schwinden. Gerade in der Reparationsfrage hat Deutschland niemals ein Entgegenkommen verlangt. Es hat vielmehr immer darauf hingewiesen, daß die Foderungen der Gläubiger-Mächte in sich selbst unvernünftig sind und ihre Befolgung und Er­füllung zu einem großen Teil die heutige schwere Weltwirtschaftskrise verursacht hat. Wenn also Deutschland erklärt:Wir können aus sehr ern­sten Gründen nicht mehr zahlen", so braucht es nicht tiefe Verbeugungen dabei zu machen und ,Danke schön" zu sagen. Es kann höchstens be­kennen:Nachdem auch die anderen die Richtig­keit der deutschen Argumentation eingesehen ha­ben, wollen wir vernünftiger und gescheiter ge­meinsam an den Wiederaufbau und an die Aus­besserung der angerichteten schweren Schäden ge­hen." Solange Frankreich diese deutsche Beweis­führung nicht versteht, ist die Basis für eine wirk­liche Verständigung, die Europa den Frieden zu geben vermag, unseres Erachtens noch nicht ge­funden.

Die Basis einer deutsch-französischen Verständi­gung sieht freilich auch anders aus wie sie noch in diesen Tagen der bekannte Politiker Arnold Rech borg, ein sehr guter Bekannter des jetzigen Reichskanzlers, in seinem etwas merkwürdigen Berliner Leiborgan skizziert hat. Danach würde eine sehr enge Verflechtung der deut-- schen und französischen Wirtschaft die Voraussetzung bilden für eine deutsch-fran­zösische General st absver st ändigung. Arnold Rechberg verweist dabei auf Worte, die ihm 1923 Marschall Fach gesagt hat und die im Kern das ganze Problem einer derartigen Ver­ständigung enthalten. Die französische Sicherheit würde dann darin bestehen, daß die deutsche und französische Rüstungsindustrienah und untrenn­bar" miteinander verflochten wird, so daß keiner der beiden Staaten irgend eine Vorbereitung für militärische Aufrüstungen treiben könnte, die dem artboren verborgen bliebe. Unter der Voraus­setzung einer solchen Verkapselung der wirtschaft­lichen und halbmilitärischen Interessen würde dann auch eine ganzmilitärische Verflechtung in dem Sinne möglich sein, daß der deutsche und franzö­sische Generalstab einen gemeinsamen Plan für die Vergrößerung der deutschen Armee auszuar­beiten hätten.

Wir möchten nicht annehmen, daß dieses, an sich durchaus konsequente Projekt eines deutsch- französischM oder sogar deutsch-französisch-englischen Wirtschafts- und Militärblocks irgendwie den au­ßenpolitischen Konzeptionen der jetzigen Reichsre­gierung zugrunde liegt. Man kann an den Fin­gern abzählen, welche Konsequenzen ein der­artiges Projekt für die Stellung Deutschlands ge­genüber Rußland und dem gesamten Osten haben

Die Mett bangt um Lausanne.

papen und Herriot wieder zurück. Das deutsch * französische Ringen geht weiter. vor der Entscheidung.

Ein Ausweg?

Gründung einerGemeinschaflskasse zur Belebung der europäischen Wirtschaft?

Wenn man von der Chronik der Ausschreitun­gen und Zusammenstöße absieht, ist das einzige politische Ereignis des Sonntags in der Reichs­hauptstadt eine Besprechung, die der Reichs­kanzler vor seiner Rückreise nach Lausanne mit dem Reichsbankpräsidenten hatte. Dr. Luther ist Sonntag früh aus Lausanne zurück- gekehrt. Es ist selbstverständlich, daß er das Be­dürfnis Hatte, Herrn von Papen noch über seine letzten Unterredungen und Eindrücke zu unter­richten. Ueber diesen rein informativen Charakter dürste die Bedeutung der Unterhaltung allerdings kaum hmausgehen.

Das Signum der Situation ist in der Paralle­lität des Berliner Aufenthaltes des Kanzlers und der Pariser Reise des französischen Minister­präsidenten zu sehen, wobei ganz natürlich die Entscheidung über den vorläufigen Ausgang der Lausanner Konferenz auf der Gegenseite liegt. Der deutsche Standpunkt ist bekannt, und deshalb hatte der Berliner Aufenthalt des Reichskanzlers außen­politisch auch nur den Sinn, daß Herr von Papen seine Kollegen über den Stand der Dinge unter­richtete. Das Schicksal der Konferenz da­gegen lreg't bei dem, was Herriot aus Paris mitbrin'gt. Da die Verhandlungen in Lausanne am Montag weitergehen, ist es durchaus möglich, daß die Entscheidung bereits im Laufe des Montagabend oder am Dienstag fällt. Man verrät kein Geheimnis mehr, wenn man hmzufügt, daß die Aussichten nicht sehr günstig beurteilt werden.

Wie auch die Lausanner Sonderkorresponden­ten der Berliner Zeitungen ja bereits andeuten, spricht die größte Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Konferenz in einer Permanenzerklä- rüng endet, durch die das von den Gläubiger­mächten verkündete Moratorium aufrechterhalten bleibt, bis sich, vielleicht un Herbst, die Möglichkeit eines endgültigen Arrangements bietet. Soweit die aktuellen innerpolitischen Fragen durch den Bevllner Besuch des Kanzlers berührt werden,, ist festzustellen, daß nun für Dienstag mit dem Erlaß der Notverordnung zur Uniform- und De- monstratlonssrage zu rechnen ist. Bis Dienstag­vormittag werden di« Antworten aller Länder vorliegen, und im Anschluß daran wird der Reichs- rnnenmimster dem Reichspräsidenten di« Notver­ordnung unterbreiten. '

*

Reichskanzler von Papen ist Sonntag 16.22 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Berliner Zuge wie­der nach Lckusanne abgereist.

Reichskanzler und Herriot wieder in Lausanne.

wtb. Lausanne, 27. Juli. (Eig. Meld ). Reichs­kanzler von Papen ist heute vormittag kurz nach 11 Uhr in Lausanne eingetroffen. Herriot ist be­reits heute früh angekommen.

Eine entscheidende Sitzung.

CNB. Lausanne, 27. Ium. (Eig. Meld.) Die heutige Nachmittagssitzung um 4.30 Uhr, in der sich die beiden Delegationen Frankreich und Deutschland zum zweiten Male gegenüberstehen werden, hat nach allgemeiner Ueberzeugung ent­scheidende Bedeutung. Es handelt sich darum, die Frage, die am Freitag vom französischen Finanz- mmister Germain Martin und von Herriot an die deutsche Delegation gerichtet worden ist, nach d eu t s ch e n V o r s ch l ä g e n zur Lösung der Re­parationsfrage zu beantworten.

Wie verlautet, wird von deutscher Seite bei dieser Gelegenheit der französischen Auffassung, die eine Streichung der Reparationen vermieden sehen will, mit gewichtigen Gründen ent­gegengetreten werden. Es handelt sich dabei um das Argument, wonach nicht nur int deutschen, sondern im Interesse der Welt es notwendig ist, diesen Störungsfaktor zu beseitigen.

Der zweite Einwand von französischer Seite gegen die Streichungsforderung bezieht sich auf das Potentiel der deutschen Industrie. In dieser Frage wird auch von England und an­deren Ländern die französische Auffassung bis zu einem gewissen Grade unterstützt, wonach der deutsche Produkttonsapparat nach dem Schulden­ahbau durch die Inflation eine bedenkliche Ueber- kegenheit aufweisen würde, wenn auch die Re­parationszahlungen wegfielen. Die Gegengründe sind bereits aus der früheren Rede des Reichs­kanzlers von Papen bekannt und werden heute verstärkt vorgetragen werden.

Im Mittelpunkt dieser Darstellungen wird der Hinweis darauf stehen, daß die Wieder a u f - bauarbeit nach allgemeiner Ansicht in erster Lmie Vertrauen braucht, das nur auf dem Wege über die Beseitigung solcher gegenwertsloser Zahlungen zu schaffen ist.

müßte. Wir möchten aber ebenso nicht unterlas­sen, auf alle diese Unter- und Obertöne der kom­menden Konferenzepoche hinzuweisen. Es sind zweifellos Kreise vorhanden, die eine Verbiegung der Probleme in dem eben angedeuteten Sinne befürworten. Die deutsche Diplomatie wird diesen Bestrebungen größte Aufmerksamheit schenken müssen. Es ist nicht anzunehmen, daß sich die Mehrheit des deutschen Volkes für eine derartige Verbrüderung um jeden Preis erwärmt. Wir glauben, daß man sich in Deutschland den wirkli­chen europäischen Frieden und den ehrlichen Aus­gleich mit Frankreich durchaus anders vorste'lt.

CNB. Lausanne, 27. Juni. (Eig. Meld.) Die Erörterungen in Lausanne, die in engerem Kreise der Delegationen auch am Sonntag weiter gegan­gen sind, konzentrieren sich im Augenblick beson­ders auf die Gedankengänge, die schon im belgi­schen Memorandum oufgetaucht und in etwas ver­änderter Form in einem Plan des stellvertreten­den Generalsekretärs des Völkerbundes, des Fran­zosen A v e n o l niedergelegt worden sind. Es handelt sich dabei um eine sog. Gemeinschafts­kasse, boten Zweck in erster Linie die Beschaf­fung von Mitteln für Belebung der europäischen Wirtschaft ist. Die Konstruktion scheint im wesent­lichen so gedacht, daß die noch oder künftighin zah­lungsfähigen Länder gewisse Einzahlungen leisten, auf die den Notleidenden unter gewissen Voraus­setzungen Kredite zur Belebung der W i r t- schaft und zum Wiederaufbau gewährt werden sollen.

Das doppelte Ziel ist offenbar eine Art finan­ziellen und währungsmäßigen Ausgleichs unter gleichzeitiger Verbindung der Interessen innerhalb der Gesamtheit der beteiligten Mächte und, zunächst uneingestanden, mindestens eine Abschwächung des verhängnisvollen und von deutscher Seite nicht nur aus egoistischen Gründen bekämpften Prinzips der einseitigen gegen» wartslosen politischen Zahlungen.

Englischer Optimismus.

wtb. London, 27. Juni. (Eig. Meldg.). In den Blättern wird die Erwartung ausgesprochen, daß es sich etwa Mitte dieser Woche zeigen dürfte, ob der in den bisherigen deutsch-französischen Be- sprochungen erzielte leichte Fortschritt aufrecht er­halten werden kann.

ImNews Chronicle" schreibt Sir Walter Lay­ton aus Lausanne, fein erster Eindruck sei, daß die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Deutschen und den Franzosen bezüg­lich einer endgültigen Regelung nur ganz gering­fügig (?) seien. Ein erfahrener Beobachter habe geäußert, er habe noch nie eine Konferenz gekannt, wo die endgültigen Meinungsverschiedenheiten io gering woran, und wo es so schwierig gewesen sei, sie zu überbrücken.

Times" sagt in einem Leitartikel, Herriot leug­net nicht länger den schädlichen Charakter der nicht­kommerziellen Zahlungen großen Umfangs. Ueber die Frage einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich sei Genaueres nicht mitgeteilt worden. Die übrigen interessierten Mächte würden ihr Urteil davon abhängig ma­chen, ob der Plan geeignet fei, dem allgemeinen Interesse zu dienen. Eine kleine, abschlie­ßende Zahlung sollte möglich sein, meint Times", ohne den internationalen Handel zu stö­ren. Für eine Vereinbarung sei vor allem etwas mehr Kühnheit der Führer in Lausanne bei Uebernahme von Verantwortlichkeiten notwendig, auch wenn darauf eine Rechtfertigung gegenüber einer zweifelnden ober emvörten öffentlichen Mei­nung erfolgen müsse. Die Reparations­frage sei in der Hauptsache ein Problem, das von ben (Staatsmännern geregelt wer­den müsse und n i ch t v o n d e m G e s ch r ei e i n er Volksmenge.

News" fordert in einem Leitartikel, wenn den Erwartungen zuwider die französisch-deutschen Be­sprechungen ergebnislos blieben, dann sollte Eng­land erklären, daß es auf Reparationen verzichte und jedem Lande, das die gleiche Er­klärung für sich abgibt, seine politischen Schulden erlassen werden. An Frankreich würde es bann sein, bie Vorteile der Aufrechterhaltung eines theoreti­schen Anspruches gegenüber Deutschland und das Fortbestehen einer Zahlungsverpflichtung an Eng­land in Höhe von 12 Mill. Pfund Sterling jähr­lich gegeneinander abzmvägen.

Schwerer Unfall eines deutschen Delegations­mitgliedes in Genf.

wtb. Genf, 27. Ium. (Eig. Meld.l Der Hilfs­arbeiter in der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amtes, Dr. Fritz Norden, wurde gestern von einem Motorrad überfahren und in schwerverletz­tem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Der Ver­letzte hat erst heute morgen das Bewußffem wie­dererlangt. Sein Zustand ist sehr ernst.

Dr. Norden gehört der deutschen Delegation auf 'der Abrüstungskonferenz an und ist seit Jah­ren ständiger Mitarbeiter der deutschen Delega­tionen auf den internationalen Konferenzen.

Sitzung des Reichskabinetts.

von Dopen berichkek über Lausanne.

Ueber die Kabinettssitzung vom Samstag, die von 17 Uhr bis um 21 Uhr dauerte, wird folgende amtliche Mitteilung ausgegeben:

Der Reichskanzler berichtete in der heutigen Ka­binettssitzung über die von der deutschen Delega­tion in Lausanne geführten Verhandlungen. Die bisherige Haltung der Delegation fand die Billigung des Kabinetts. Auch Len vom Reichs­

kanzler vorgeschlagenen weiteren Absichten der deutschen Delegation stimmte das Reichskabinett einmütig zu.

Im Anschluß hieran erstattete der Reichsminl» fier des Innern Bericht über feine Verhand­lungen mit de» Länderregierungen.

Der Notverordnung wird übrigens auch noch eine Ausführungsverordnung angefügt werden, die namentlich an die Bestimmungen des § 4 der allen Verordnung über Demonstrationen anschließt. In diesem Paragraphen war gesagt worden, daß der Reichsinnenminister darüber verfügen kann, ob Versammlungen anzumelden sind. In der Aus­führungsverordnung wird der Reichsinnenminister entsprechende Bestimmungen treffen, damit die Polizei die Möglichkeit zu Vorkehrungen in der Hand hat, die Zusammenstöße verhindern. Im gleichen Sinne werden übrigens die Länder auch nach der kommenden Notverordnung das Recht zu zeitlich befristeten Vorboten haben, wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung dieses erfor­derlich machen.

Nach der Kabinettssitzung hielt der Reichskanz. ler dem Reichspräsidenten Vortrag.

*

Reichsinnenminister v. Gayl hatte am Sams- tag mit dem geschäftsführenden preußischen Innen- Minister S e v e r i n g eine Aussprache über bas dem Reichsinnenminister von den Nationalsoziali­sten am Freitag abend überreichte Material über kommunistisch - sozialdemokratische Aktionen gegen die NSDAP. ______

Minister a. D. Scholz gestorben.

Reichsminister a. D. Dr. Ernst Scholz, der frühere Führer der Deutschen Volkspartei, ist nach längerer Krankheit in den Abendstunden des Sonntag in Berlin gestorben. Er litt seit geraunter Zeit an einem schweren Gallenleiden, das sich in den letzten Tagen erheblich verschlimmert hatte.

Reichsminister a. D. Scholz stand im 58. Lebensjahr. Von Haus aus Jurist, ging er früh­zeitig zur Kommunalverwaltung über. 1912 wurde er Oberbürgermeister in Kassel und ge­hörte als solcher dem Preußischen Herrenhaus an. Später wurde Scholz zum Oberbürgermeister von Charlottenburg gewählt. Im Jahre 1920 über­nahm er den Posten des Reichswirtschastsmini- fters, den er bis 1921 inne hatte. Reichsminister a. D. Scholz bekannte sich als alter National- liberaler nach dem Kriege zur Deutschen Volks­partei, der er seit 1921 als Reichstagsabgeordneter angehörte. Seit 1923 spielte er in der DVP. eine führende Rolle, wobei er zum Teil auch in Opposition gegen Stresemann stand. Bei der Uebernahme des Parteivorsitzes, die im Jahre 1929 für kurze Zeit erfolgte, war Minister a. D. Scholz schon erkrankt, so daß er eine volle politische Tätigkeit nicht mehr entfalten konnte.

Beileid des Reichspräsidenken.

wtb. Berlin, 27. Juni. (Eig. Meld.). Der Herr Reichspräsident hat der Witwe des verstorbenen Reichsministers a. D. Dr. Scholz in einem persön­lichen Schreiben sein Beileid ausgesprochen.

* Die Frage der Demonstrationsfreiheit in Preußen. Zu verschiedenen Pressemeldungen, wo­nach die preußische Regierung die Absicht habe, das m Preußen bestehende Demonstrations- Verbot aufzuheben, wird von preußischer Seite bemerkt, daß tn Preußen selbstverständlich das Demonstratlonsverbot an sich weiter bestehen werde. Die von Minister Severing angekündigten Lockerungen seien vor allen Wahlen üblich gewesen, sie seien etwa Mitte der nächsten Woche zu erwarten.

Parade der englischen Luflskreitkräsle.

250 000 Zuschauer.

Rund 250000 Menschen wohnten am SamS- tag den jährlichen Vorführungen der englischen Luftstreitkräfte auf dem Londoner Flugplatz Hen­don bei. Unter den Ehrengästen befanden sich die deutschen Flieger Baron von Schleiche (der als Kriegssiieger bekannteSchwarze Ritter") und Baron von Richthofen sowie der italienische Luftminister General Balbo. Die Vorführungen brachten, wie in den früheren Jahren, außer­ordentlich präzis durchgeführte Geschwader­und Kunsts lüge sowie Luftkämpfe zwischen Bomben- und Kampfflugzeugen und Bombar­dierung bestimmter Ziele. Zum ersten Male wurden dieses Jahr Segelflugzeuge gezeigt, die nach deutschem Vorbttd von Motorflugzeugen ms Schlepptau genommen und in einer gewissen Höhe losgelassen wurden. Den Höhepuntt der Veranstaltung bildete ein großangelegter Luftangriff auf einen feindlichen Flugplatz und auf ein als Munitionslager benutztes Fort, an dem sich Bombengeschwader, Kampfflugzeuge, Fesselballons, Abwehrgeschütze und Bodenforma- ttonen aller Art beteiligten. Kommunistische Kund­gebungsversuche wurden nach einigen kleineren Zusammenstößen von der Polizei öereiteft. Mit­glieder derFriedensarmee", darunter die Schwe­ster des Herzogs von Hamilton, verteilten Flug­blätter gegen den Krieg.

t DerAngriff" für fünf Tage verboten. Das Berliner nationalsozialistische AbendblattDer An­griff" ist wegen des in seiner letzten Nummer er­schienenen Artikels über den Polizeipräsidenten Weiß, der ehrenrührige Behauptungen enthielt, für fünf Tage verboten worden. Gleichzeitig ist dieSozialistische Arbeiterzeitung" wegen Beschimpfung des Reichspräsidenten auf fünf Tage verboten worden.