Nr. 146
ES
Beilage zur Fuldaer Zeitung
NILS
26. Juni.
Sechster Sonntag nach Pfingsten.
Eingangslied: pj. 27. 8—9.
Der Herr ist seines Volkes Kraft, der Hetls- flütcT seines Gesalbten Hort und Hut. Errette dein Volk, o Herr, und segne dein Erbe, sei ihm König in Ewigkeit. (Ps. ebd. 1.) Zu dir, o Herr, rufe ich: mein Gott, sei nicht stumm vor mir, so schweigend, fern von mir, sonst gleich' ich denen, die ins Grab sinken.
Epistel: Röm. 6, 3—11.
Brüder! Wir alle, die in Christus Jesus getauft sind, sind in seinem Tode getauft Darum sind wir mit ihm durch die Taufe im Tod begraben; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferstanden ist, so sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. Wenn wir nämlich eingepflanzt worden sind in das Äleichnisbild seines Todes, wird es auch mit der Auferstehung so sein. Wir wissen ja daß unser alter Mansch mit gekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde zerstreut werde und wir nicht mehr der Sünde dienen. Denn wer gestorben ist, ist von der Sünde befreit. Wenn wir also mit Christus gestorben sind wissen wir, daß wir auch mit Christus leben. Wir wissen ja, daß Christus, der von den Toten auferstanden ist, nicht mehr stirbt, und daß der Tod fürder keine Macht über ihn hat. Denn wenn er starb, so starb er ein für allemal der Sünde; wenn er aber lebt, so lebt er Gott So sollt auch ihr euch als solche betrachten, die der Sünde abgestorben sind und nur Gott leben in Christus Jesus, unserm Herrn.
Evangelium: Mark. 8, 1—9. Die wunderbare Brotvermehrung.
Brot in der Wüste.
Betrachtung zum Sonnlagsevangelium.
Der göttliche Heiland hat einmal von sich das Wort gssprochen: „Meine S peise ist es. daß ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat." Uns erdgeborenen Menschen kann fast Angst werden bei diesen Worten, die so ganz aus der Fülle gottmenschlichen Lebens gesprochen sind. Und wenn der Heiland dann weiterhin d'e Aufforderung ausspricht: „Wer mein Jünger sein will, der folge mir nach", dann scheint uns diese Nachfolge fast eine Unmöglichkeit. Denn allzu sehr sind wir der Welt und ihren Dingen, ihren Sorgen und Annehmlichkeiten verhaftet. Untere Speise ist nicht der Wille unseres Herrn und Schöpfers, den wir gar wohl kennen. Unsere Sorge gilt dem Leib und seinen Bedürfnissen und darüber hinaus nur zu oft den Beguemlichkeiten und Freuden deß, Daseins. Wir wollen Geld verdienen, nicht nur um leben zu können, um bequem und sorglos leben zu können, um einmal eine Zeit zu haben, wo wir die Hände in den Schoß legen und mit dem Mann aus dem Evangelium sagen können: „Nun habe ich Vorrat auf sehr viele Jahre."
Muß es denn wirklich so fein, daß sich hier schon unser Sein und Denken von Christus scheidet, der doch auf die Welt gekommen war, uns ein freies menschliches Dasein vorzuleben? Wenn wir uns hie Begebenheit des heutigen Evangeliums vergegenwärtigen, so stehen wir vor dem Beweis, daß dem Heiland die Bedürfnisse unteres menschlichen Dateins trotz seiner Göttlichkeit nicht so fremd war en und fo fern lagen, daß er sie nicht gesehen oder in die Zahl sei-
ner Wunder aufgenommen hätte. Er hat die Seelen seiner Zuhörer genährt mit seiner göttlichen Lehre. Die Menschen sind davon so ergriffen, so gebannt, daß sie tagelang bei ihm ausharren. Fast vergessen haben sie ihr Lehen im Alltag, ihr Heim, ihre Familie, ihren Beruf. Die Gnade, die in des Heilands Worten an ihre Seelen klopft, hält sie fest.
Aber der Heiland läßt sich von diesem frommen Schwung nicht täuschen. Er weiß, daß diese Begeisterung nicht standhalten wird, wenn sie erst aus seiner Nähe fort sind Dann werden sie den Hunger spüren, und sie werden auf dem Wege verschmachten. Und darum wirkt der Herr das große Wunder, sättigt auch den Leib mit dem Brot, und die öde Wüste wird zu des Herrn Speisesaal, in dem jeder sich in Freuden sättigen kann.
Ich brauche dir nicht zu sagen, daß du in den Tischgenosscm des Herrn in der Wüste nicht nachzustehen brauchst. Denn auch dir bereitet der Herr in jedem Jahr das große Wunder der Brotver- mehrung. Es ist dir wohl schon so oft von der Kanzel gesagt worden, daß du vielleicht auf deinem Platz in der Kirche befriedigt die Augen zumachst, denn es ist dir nichts Neues mehr. Du weißt cs schon lange, daß auf den Feldern draußen sich auch eine Broloermehrung vollzieht, daß viele sich sättigen können von der Frucht deiner Aecker. Und wenig Samen nur brauchtest du auszustreuen. Aber vielleicht ist es doch besser, du merkst auf und fragst dich einmal, ob du in diesem Jahr schon einmal ernstlich den Gedanken vorgenommen hast. Du bist gewiß schon nachfchauen gewesen bei deinen Korn- und Weizenfeldern, ob Regen oder Trockenheit der
Frucht nicht geschadet haben, ob die Halme schön lang und die Aehren groß und voll sind. Und selbst, wenn du kein Bauer bist, kannst du an einem wogenden Getreidefeld vorübergehen, ohne es zu sehsn? Hast du also schon einmal bei dem Anblick eines Aehrenfeldes daran gedacht, daß sich das Wunder der Brotvermehrung sichtbar vor allen Augen vollzieht? Und bist doch täglich, wenn du deinBrot issest,Tischgenosse des Herrn.
Aber etwas anders ist es, das sich uns auf- drängt. Wir kommen nicht an der Tatsache vorbei, daß der Heiland jedesmal, wenn er die Menschen so wunderbar sättigte, dieses Wunder nicht unvermittelt wirkte. Wohl war es jedesmal eine Not, der er durch seine göttliche Allmacht steuerte, aber gerade bei den beiden Brotvermehrungen rückt der Heiland das so deutlich in den Vordergrund was ihm das Wichtigere ist. Erst stillt er das Sehnen, den Hunger der Seele, denn sie ist es, für deren Rettung und Erlösung er den Himmel mit der Erde vertauschte. Er hat dc« Leib und seinen Hunger nicht vergessen, aber er verlangt von d i r, daß du über lauter Sorgen um des Leibes Nahrung und Wohlfahrt nicht deine Seele vergißt. Sie kann verschmachten auf deinem Wüstenweg über die Erde, du kannst sie ersticken unter all den Sorgen und Nöten, die du dir um deine Arbeit und deinen Besitz machst. Aber du bist damit deine Seele und die Verantwortung für sie nicht los. Wenn trotz all deiner Bemühungen dein Leib einmal stirbt, dann wird deine Seele leben. Aber auf dich kommt es an, für welches Leben du sie erhalten hast.
Petrus und Paulus,
Amt und Persönlichkeit
Eine Festbetrachtung von
Schon der Titel sagt verständlich, worauf unsere Betrachtung hinausläust. Damit ihn aber keiner mißverstehe, was einer kleinen Bosheit leicht fiele, fei gleich bemerkt, daß für uns Katholiken auch Petrus eine Persönlichkeit war und auch Pauluus ein Amt hatte. Ja, wir erinnern uns sogar, daß die katholische Volksfrömmigkeit von den Vätern her den heiligen Petrus auch als Persönlichkeit viel mehr ins Herz geschlossen hat, als den gewaltigen Gei- stesmann mit dem Schwert. Wer biefes drohende Schwert sieht, möchte fast vergessen, daß Paulus damit selbst getroffen wurde, daß doch nicht er den Beschauer schlagen will. Dem Heiligen mit dem guten Gesicht und mit dem mächtigen Schlüssel zum Himmelreich in seinen Arbeitshänden, ihm vertraut sich das Volksgemüt gerne an. Ja, die Verehrung des heiligen Petrus war ehedem 'm Abendland sehr viel lebhafter, schwunghafter als heute. Das Dost wechselt seine Liebling« zuweilen aus. Was dem Herzen des Frommen gegenwärtig der hl. Antonius und die kleine Theresia vom Jeluskind bedeuten, das war ihm einst gerade der Apostelfürst Petrus. Dem Petrus sind die ältesten Kirchen in unteren Landen geweiht, wenn sie nicht den Täufer oder Sankt Martinus zum Patron haben; zum Grab des Petrus zog die Sehnsucht aller Gläubigen, „in honorem Scmcti Petri" schickten die Könige und die Bauern aus allen Landen ihre Weihgeschenke und Zehnten und Pfennige nach Rom. Heutzutage ist diese Verehrung von der Person Petri auf fein Amt hinübergewandert. Aber auch heute hat der Katholik nichts gemein mit der Ansicht mancher Leute, gelehrter oder anderer, daß das Christentum doch nicht auf den harmlosen
Dr. P. Hugo Lang O. S. B.
Petrus, sondern auf den genialen Paulus sich gründen solle, daß Petrus für die Römischen gut genug sei. während Luther den Paulus wieder entdeckt habe; er hat auch nichts gemein mit den Träumereien, in ferner Zukunft müsse das Petrus- christentum der Protestanten abgelöst werden durch die endgültige, größere Kirche des Liebesjüngers Johannes, in der Glaube und Gesetz, Aiitori- tät und Zucht in einer alles umfassenden Liebe aufgehen, die alles und alle gelten läßt Dagegen müssen wir alle beide, Petrus wie Paulus, in Schutz nehmen, solange die Kuppel über Petri Grab brüderliche Grüße hinübersendet zur majestätischen Halle, in der sein Bruder im Kampf und Tod im gleichen Frieden, in gleichen Ehren ruht. Immer hat die katholische Kirche Peter und Paul an einem Tag gefeiert, echter katholischer Glaube dankt Gott nicht minder für den Weltapostcs wie für den Himmelspförtner. Dem Katholiken, der Christo zugehört, „gehört alles", gehört Paulus wie Petrus, Pauli Persönlichkeit und Amt wie Petri Amt und Persönlichkeit.
Die Neuzeit hat die besondere Hochschätzung der Individualität, der Persönlichkeit des Einmaligen und Einzigartigen sich beigelegt. Höchstes Glück der Erdenkinder ist uns die Persönlichkeit, darum schreit der heutige Mensch nach dem „Führe r", darum erliegt er leicht dem Verführer. Nun ist es gar nicht zu bezweifeln, daß d-m modernen Menschen, zumal dem modernen Gebildeten, die Persönlichkeit des heiligen Paulus höchst interessant ist, seine Gedankenwelt mit ihren unendlichen Horizonten, seine Seele mit ihrem Erlebnisreichtum und ihrer Erlebniskraft. Petrus erscheint ihm gegenüber doch als recht einfach, ganz unkompliziert, bieder, fast hausbacken, ungc-
Die Frau im Kamps gegen die Golllosendewegnng.
5m Verlag I. Kofel u. Friedrich Pustet ist ein groß angelegtes Buch über die russische Gottlosenbewegung erschienen (Dr. Adolf Ziegler: „Die russische G o 11» losenbewegun g". 248 S. Geb. 4.50 Mi ), das eme erste aktenmäßige Darstellung des ganzen verfügbaren Materials bietet und 30 authentische, der Gottlosenpresse entnommene Abbildungen enthält. Die Schrift gibt bis in alle Einzelheiten hinein Aufschluß über Organisation, Arbeitsmethode und Ziel der russischen Gottlosenbewegung. Nachdem sich auch auf deutschem Boden bereits Gottlosenoerbände gebildet haben, ist es eine höchst lebenswichtige Frage, den Gegner gründlich kennen zu lernen und ihn alsdann mit feinen eigenen Waffen zu schlagen. Von besonderer Bedeutung ist die Stellung der Frau im Kampf gegen die Gottlosenbewegung. Hierüber berichtet Dr. Adolf Ziegler in seinem erwähnten Buch:
Don allen russischen Ständen setzen die Frauen der Gottlosigkeit den stärksten Widerstand entgegen.
Der Gottlose erklärt sich dies damit, daß die Frau am rückständigsten von allen Sowjetbürgern sei. Sie nehme nicht am politischen Leben teil, besucht keine Versammlungen, sie ist an das Joch der Hausarbeit und Kindererziehung gefesselt, sie ist vom Manne wie eine Sklavin gehalten. „Die Religion hält sich dort stärker, wo mehr Unterdrückung, Abgeschiedenheit und Gefühl der Einsamkeit vorhanden ist" (Utsch. 581). Schuld daran ist auch die Unwissenheit der Frau, der man gar keine Bildung zukommen ließ. Der Mann ging ins Wirtshaus, um die Sorgen des Lebens hinunterzutrinken, die Frau suchte ihren Trost in der Kirche, dem einzigen Ort, wo sie ausruhen konnte.
Diese Erklärung, die so oberflächlich ist wie alles an der Gottlosenagitation, ist nicht fähig, die wahren Ursachen der tieferen Religiosität der Frau auch nur zu ahnen. Die Ursachen liegen vielmehr in dem Vorherrschen der Gefühlssphäre, in der mehr persönlichen Einstellung zu den religiösen Dingen, in der größeren Innigkeit und Hingabesähigkeit und Empfänglichkeit des weiblichen Charakters.
Die Gottlosen könnten Bände schreiben über die religiöse Tätigkeit der russischen Frau! „Nicht wenig Beschlüsse find in den Versammlungen und Konferenzen der Gottlosen über die Notwendigkeit gefaßt worden, die antireligiöse Arbeit unter den Frauen zu verstärken, nicht wenig ist geschrieben worden über dieses Thema," erklärt eine Frau Sawadskaja im A 31 VII,
40. Wenn die Beschlüsse alle ausgeführt wären, mußten die Frauen längst kompakt gottlos fein. So aber sind die Frauen die schärfften Gegner der Gottlosen. „Die gläubige Frau redet ihren Kindern nicht selten ab, den Pionieren, dem Komsomol beizutreten, sie übt im selben Geist auch auf ihren fortgeschritteneren Mann ihren Einfluß aus" (Agijenko 22). Sie vereitelt die Absichten des Mannes, der seine Kinder statt taufen oftobrieren möchte, sie läßt sich die Ikonen nicht nehmen: Häng du deinen Lenin hin, wo du willst, in dieser Ecke bleiben die Heiligen. Sie lehrt die Kinder beten, nimmt sie in die Kirche mit, schickt sie zum Beichten und zur Kommunion. Sie erklärt kategorisch, daß sie nicht in die Gottlosenversammlung geht, sie verläßt ostentativ den Saal, wenn antireligiöse Themen berührt werden. Sie hält den Mann mit tausend Fäden gefangen.
Utlchebnik 584 weiß noch mehr: „Unter dem Einfluß der Kulaken- und Popenagitation treten die gläubigen Bäuerinnen nicht selten gegen die Kolchosen auf, gegen die Schließung der Kirchen, gegen die Verhaftung der Popen wegen ihrer gegenrevolutionären Tätigkeit. Die Fälle sind gar nicht so selten, daß die Bäuerinnen auf Anstiftung der Gläubigen sich von ihren Männern scheiden lassen, die in die Kolochsen eingetreten sind. In den Zeitungen sind Fälle verzeichnet, daß die Bäuerinnen unter dem Einfluß der Kulaken- und Popenagitation fick mit Heugabeln und Prügeln bewaffneten und in aroßer Schar auszogen, um das Kolchos zusammenzuschlagen."
Um die Frau in die Gottlosenbewegung hinein,u- ziehen, wendet der Gottlose wieder seine zwei Methoden an: Die indirekte der kommunistischen Rekonstruktion des Lebens der Frau und die des direkten Angriffes.
Das Ziel des Kommunismus ist die völlige Loslösung der Frau vom Haushalt, von der Familie und den Kindern. Die Losung: „Für die Gleichberechtigung der Frau, für die Befreiung der Frau von der Sklaverei des Haushalts" unterstützt der Gottlose ■ mit allen Kräften: denn in dem abgesonderten Einzelhaushalt herrscht der religiöse Geist, dort wird den Kindern die Religion gegeben, dort >u n ungestört gebetet werden, dort ist noch der einzige Platz, auf dem der Russe noch unkontrolliert und unbespitzelt leben und reden kann.
Die Frau muß heraus aus dem Haushalt, weg von der häuslichen Arbeit, und hinein in die Gemeinfchafts
wohnung, Hine in in die Fabrik, hinein in das ösfentliche Leben!
Die Funktionen der Hausfrau nimmt die Gesellschaft ab: Gemeinsame Küche, „gemeinsamer Kessel", gemeinsame Wäscherei, Kinderkrippe, Kinderhort, wo die Mutter ihre Kinder während der Kolchosen- und Fabrikarbeit und während des Klubaufenthaltes abgibt.
Der Fünfjahresplan verwirklichte diese Forderung bereits in ausgedehntem Maße: Don den 2 Millionen neu in die Industrie einbezogenen Arbeitern sollen eine Million Arbeiterinnen sein! (21 31 II, 49.)
Hier steht sich die bolschewistische Auffassung und die der übrigen Welt diametral gegenüber. Es ist nicht bloß Konkurrenzneid, daß unsere Arbeiter sagen: D i e Frau gehört nicht in die Fabrik! Der von Leo XIII. aufgestellte und von Pius XI. wiederholte Grundsatz verlangt vielmehr, daß der Lohn des Arbeiters ein Familienlohn fein mäste, d. h. daß er auch für Frau und Kinder bemessen sein muß, und daß die Frau nicht gezwungen fein soll, in die Fabrik zu gehen.
Der Frau in der Industrie wird statt des Joches der Hausarbeit ein viel drückenderes der Industriearbeit auferlegt, und es ist praktisch so, daß auf ihr nun die doppelte Last der Hausarbeit (Kinderpflege!) und der Fabrik ruht.
Der direkte Kampf gegen die Religiosität der Frau wird nach einem schlau durchdachten Plan geführt. Wenn es auch längerer Individualagitation, die regelmäßig bei den häuslichen Dingen der Frau, bei ihrer Küche, ihren Einkäufen, ihren Kleidern beginnt, gelungen ist, die Frauen zu versammeln, wird nach einigem Präludieren in allgemeinen Redensarten der stärkste Trumpf ausgespielt: Was wollt ihr denn, ihr Frauen, mit eurer Religion? Die Religion ist ja selbst gegen euch!
Die Bibel erklärt euch für minderwertig und unrein, lest Leviticus XII! (Utsch. 577.)
Wieder ein klassisches Beispiel der Ignoranz der Gottlosen! Sie bräudjten bloß ein paar Kapitel weiterlesen, Kapitel 15, wo die Fälle aufgezählt sind, die auch den Mann unrein machen, sie bräuchten bloß ein Stück vorher, Kapitel 11, zu lesen, um zu erkennen, daß nicht das Weib und nicht der Mann als solche, sondern ein bestimmter vorübergehender Zustand für unrein erklärt wird.
Der Gottlose weist auf die Stelle bei Paulus (1 Tim. 2, 12 und 1 Kor. 14, 34) hin, daß die Frau in dec Kirche schweigen soll. Er übersieht dabei, daß
lehrt, fast ungebildet. Ja wenn ihn manche einfältig nennen, tun sie das nicht mit der zarten Ehrerbietung, mit der Jesus den Einfältigen, den Armen im Geiste, den Kleinen, denen, die wie Kinder werden, das Wohlgefallen seines Vaters und das Himmelreich verspricht. Natürlich ist etwas Richtiges an diesem Empfinden- Paulus wäre in der Tat ein Geistesriefe, ein Meister in Rede und Schrift, ein Krösus im Reich der Ideen, auch wenn er nur eigenen Geistes, nicht auch des heiligen Geistes voll gewesen wäre. Er hätte Spuren in die Weltgeschichte eingetragen, auch wenn er etwas anderes hätte wissen und lehren wollen, als nur „Jesum allein", auch wenn er nur sein Eigenleben uns vorgelebt hätte, nicht, wie er es einzig wollte, Christi Leben in ihm. Der römische Bürger, der Schüler der Schriftgelehrten, der Kenner der Weltliteratur hätte aus Eigenem Weltgeschichte machen können, was wir von dem galiläischen Fischer nicht gerade voraussetzen dürfen.
Run aber hat dieser Paulus denselben Jesus Christus der Welt gepredigt wie dieser Petrus und ehe er es unternahm, suchte er Petrus, die Säule her jungen Kirche auf. Freilich konnte es immer noch geschehen, daß sich ihre Ansichten im Einzelnen widersprachen, auch marschierten sie zumeist getrennt, zum einen Sieg. Das aber war so Gottes Wille, damit wir tröstlich sähen, wie Gott jede Persönlichkeit, und zwar jeden als Persönlichkeit gebrauchen will, wenn nur einer der Meister bleibt, JefusChristus, Gott hochgelobt in Ewigkeit Denn Ambrosius sagt das bleibend bedeutsame Wort: „Nicht Petrus und nicht Paulus haben die Welt erlöst, auch mcht Damasus der Papst oder Ambrosius, der Bischof, unser Wirken ist nur Dienen." „Heis Kariös", Einer ist der Herr. Diese Ueberzeugung macht dem Christen für alle Zeit und jeder geschichtlichen Persönlichkeit. gegenüber eine bedingungslose, besinnungslose Gefolgschaft unerlaubt. Jede noch !o gewaltige Persönlichkeit ist ihm soviel, als sie ihm Christum lebendig darstellt, ©ein Werk Sein Wort. Sein Wesen. Darum kann derChrist den Heroenkult derer, die den Gott- menschen nicht kennen und darum leicht in Gefahr geraten, ein en Men- scheu zu vergötzen, nicht mitmach en. Ung ist wedsr Luther noch Goethe, weder Bismarck noch irgendein „Vielversprechender" der „Führer", der fick vor Christo voranstellon dürfte. Selbst die Heiligen unserer Kirche, selbst unsere Seelenhirten, voran der Papst Pius XI. auf Petri Stuhl, sie sind uns nur Führer hin zu Christus, Wegebereiter, Vorläufer, Gesandte, die sich durch das Vorweisen des Rings ihres Königs auswei- fen. Jeder von ihnen deutet auf ihn: „Er muß wachsen, ich muß abnehmen."
Darum haben wir Verständnis für die Be- deutung des Amtes, darum danken wir dem Herrn, daß er das oberste Amt der Schlüssel nicht der genialen Persönlichkeit, nicht dem Gescheitesten, nicht dem Meistgeliebten der Apostel übertrug Christi Wille und nichts anderes ftftigt, heiligt und bewahrt das Amt des obersten Hirten auf Erden. Heute gibt es viele, die überhaupt kein Amt mehr dulden wollen, das sich ihnen nicht als Verkörperung ihrer höchsteigenen, höchstpersönlichen Meinungen und Wünsche empfiehlt. Was ist heute vielen Menfchen der Staat, wenn ihnen die zufällige Verfassung, das zufällige Oberhaupt,
«swU faulstich - -
ihr radio-fachmann --------—
Paulus eingeriffene Mißstände in der Gemeinde befei- tigen und die Ordnung wiederherstellen will, die Ordnung, die dem Naturell der Frau entspricht, der da, öffentliche Hervvrtreten weniger, die empfangende Hingabe mehr entspricht.
Auf dem 2. Kongreß des VKG. (Verein kämpfender Gottloser) waren unter 920 Stimmberechtigten nur 47 Frauen. In Leningrad waren April 1930: 92 497 Mitglieder des VKG., darunter 13 344 Frauen, also 14 4 Prozent; in Moskau 166 707 Mitglieder, darunter 25 890 Frauen: 15,5 Prozent. Der Kongreß stellte als Ziel auf, daß der Anteil der Frau auf 40 Prozent ge- steigert werden soll. Die Wirklichkeit ist aber noch weit davon entfernt.
Am schlimmsten steht es für die Gottlosen bet den Hausfrauen und den Müttern kleiner Kinder. 21 31 VII macht bezeichnende Vorschläge, wie man diesen sich nähern könne. Die Arbeiterin, die Mutter geworden ist, soll der Agitator während der Mittagspausen erfassen. Er redet zuerst von der Säuglingspflege, gibt ihr hierzu gedruckte Anleitungen und läßt die „Entlarvung" der Religion mit einfließen. Die Mutter soll er nicht mit den Linksabweichungen der gro- ben Verhöhnung des Geistlichen und der kirchlichen Gebräuche vor den Kopf stoßen, auch nicht mit Droh» Worten, daß er sie anzeigt (Religion — Gegenrevolution!) oder sie zwingen, eine Zeitung zu nehmen, nicht in die Kirche zu gehen.
In der Säuglingsberatungsstelle soll mitten unter die anderen Plakate auch antireligiöses Material gehängt werden. Es sei unzulässiger Bürokrat-smi's von fetten der Aerzte und des Personals, wenn sie ihre Arbeit bloß auf medizinischen Rat beschränken. Jegliche Aufklärung über Gesundheit des Kindes muß mit maximaler Ausnützung für antireligiöse Arbeit verbunden fein. Darum eigene antireligiöse Kurse für das medizinisch technische Personal in Miirterheimen und Krankenhäusern!
Der Beschluß des 2. Kongresses und der Befehl der KPR. hat sich insofern ausgewirkt, als mit allen Kräften die Frau ins aktive Leben des VKG. und selbst an führende Stellen gezogen wird. Besondere Kurse für Frauen sollen gottlose Aktivistinnen herausbilden (21 31 II, 53 f.).
Die Gottlosen bemühen sich, hier nicht ins Hintertreffen zu geraten gegenüber ben Religionsgemeinschaften, die mit Vorliebe Arbeiterinnen und andere werktätige Frauen in ihre Gemeinderäte hineinwählen und durch diese Frauen den Gegenangriff gegen die Gottlosen eröffnen.