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22. Juni.

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Es sind fo viele Tore.

Von Franz Cingia.

Es sind so viele Tore uns noch offen

Und warten gleichsam, daß wir sie durchschreiten.

Und daß wir wachend sind zu allen Zeiten, Das Herz erfüllt mit glaubenstiefem Hoffen.

Es mögen Schatten auch die Wege decken,

Die wir zu unfern Zielen eifrig gehen, Wir werden immer wieder Lichter sehen, Und keine Furcht kann uns zu sehr erschrecken.

So tausendfältig blüht das schöne Leben, —

Ob wir die Morgenstrahlen noch beschauen,

Ob sanfte Abendwinde uns umfangen;

Die Freude ist uns überall gegeben.

Und wenn wir fest beharren im Vertrauen,

Darf manchmal sich erfüllen das Verlangen.

politische Entscheidungsstunde.

Wir stehen vor einem Wahlkampf, der für Deutsch­lands Schicksal die Bedeutung der Jahre 1914 und 1918 noch übertreffen kann.

Sollen die staatserhaltenden und ausbauend^n Kräfte bewahrt und zurückgewonnen werden, ober verzehrt die Glut der revolutionierenden Mächte von „rechts" und von „links" die Fundamente des Staates? So tief geht der Kampf, so weit ist sein Ziel au-gespannt.

Die Frau ist mit diesem deutschen Schick­sal unlöslich verbunden. Vaterländische Werte, Pflicht Verantwortung, Glut der Hingabe haben uns neu erfüllt. Die katholische Frauenbewegung, die

kath. Frauengemeinschaft werden ungebrochen, vereint, zielbewußt im Dienste der deutschen Aufgabe stehen.

Was sollen wir tun, um klar zu erkennen, mutig zu entscheiden? Die letzte Zaghaftigkeit muß von uns abfallen; es gibt kein „wenn" und kein „aber" feine Ausrede, daß es „auf die eine oder andere Stimme nicht ankomme". Jede fällt mit der Wucht einer Gewif- fensentscheidung in die Wagschale des deutschen Schick­sals und der harrenden Stunde der Weltgeschichte.

Das ist die Stunde der katholischen Frauenbewegung, daß sie die Einzelverantwort­lichkeit schärft, stählt, daß sie die Gemeinschaft knüpft, bindet, vor das Antlitz des ringenden Deutschlands stellt.

Unsere geistige Gemeinschaft erhält eine besondere Glut in diesen Stunden: nicht nur im kathol. Frauenbund, sondern in allen katholischen Frauen- und Berufsorganisationen.

Daraus wachsen die gemeinsamen Konferenzen, Aussprachen, Kurse, Versammlungen.

Daraus formt sich der politische Wille, der in der Familie, in der Berussgruppe, in größeren unö kleineren Gemeinschaftsgruppen Klarheit, Sicherheit, Entscheidung bringt.

Ich sehe den Aufzug unserer weiblichen Ju­gend. Wie ein Kornfeld ist sie verwachsen mit der Erde; aber ihre geistig-sittlichen Kräfte werden fruchtbar durch den Ewigkeitsgedanken. Ich höre ihre Lieder, und Hoffnung und Glauben schwingen in diesem Rhyth­mus.

Denn es geht um Deutschlands Leben und Zukunft, um den christlichen Staat und die soziale Gerechtigkeit in der Volksgemeinschaft, um die christliche Kultur und den Einsatz der weiblichen Kräfte für die Stunde der politischen Entscheidung.

Helene Weber.

Stehl die Frau dem Manne nach?

Von Stadtarzt Dr. med. Kurt Gerum - Frankfurt a. M.

Immer noch gibt es genug Männer, die sich mit der etwas abgebrauchten Redensart: „Die Frau ist nicht logisch!" damit abfinden, daß die Frau im Gesamtwert dem Manne nachslbhe. Erst langsam dämmert es vielen Männern, daß ihr Standpunkt vielleicht doch eine Kor­rektur erfahren muß. Muß er doch sehen, daß die Frau im Beruf sich tapfer hält, ja daß sie ihn im Krieg zum Teil in der Heimat ganz ersetzen konnte.

Sehr verwirrend auf die Einstellung des Mannes hat sich auch die Namensgebung ausgewirkt. Durch die Heirat wird der Name der Frau ausgelöscht und damit eine ganz falsche Vorstellung von der Bedeutung der väterlichen Linie, wie auch der Notwendigkeit eines Stammhalters bewirkt. Die Erbforschung lehrt etwas ganz anderes als die Namensstammbäume. Denn es kann wohl der Name der Frau geändert werden, nie aber wird das Erbgut der Frau mit dem Namen ver­löschen, sondern sich weitervererben, wie auch das Erb­gut des Mannes. Denn das Erbgut, bas die Eltern dem Nachkommen als lebensgrundlegende Aussteuer mitgeben, besteht zur Hälfte aus dem Erbgut des Va­ters, zur anderen und gleichen Hälfte aus dem der Mut­ter. Daher hat jeder der beiden die gleiche sittliche Verpflichtung, fein Erbgut in feinen Nachkommen nicht verschlechtern zu lassen durch einen schlecht gewählten Gatten, dessen Familie etwa mit Geisteskrankheiten, Epi­lepsie, Schwachsinn oder dergleichen belastet ist. Und solche Erbanlagen finden sich sowohl beim Mann wie bei der Frau.

Ein Gebiet, in dem der Mann der Frau weit Über­legen fein soll, ist die P o l i t i k. Wenn wir voraus- setzen, daß die Politik radikaler Strömungen außen­politisch vielfach ein Hemmnis, ja ein Schaden war, fo kann man sagen, daß die Frau dem Staat schon große Dienste geleistet hat seit Einführung des Frauenstimmrechtes. Haben doch Stichproben ergeben, daß Frauen mehr zur staatserhaltenden Mitte neigten, während der Mann eine deutliche Vorliebe für den Ra­dikalismus bewiesen hat. Ob Frauen wirklich führende politische Persönlichkeiten sein können, ist noch nicht er­probt. Sicher ist aber, daß wir manches aus dem frau­lichen Denken und aus der hausfraulichen Erfahrung in die Politik einbeziehen müssen. In den Gesetzgebungen und den Notverordnungen müßte z. B. die höhere fi­nanzielle Belastung der kinderreichen Familie viel mehr Beachtung finden. Bisher blieben da die Klagen der Hausfrauen fast ungehört ober fanben boch keine ge­

nügende Berücksichtigung. Auch dies hat nicht un­wesentlich zum Geburtenrückgang gerade in sittlich hoch­stehenden Familien geführt. Wir hoffen, daß, nach­dem auch der Heil. Vater in feinem Rundschreiben über die gesellschaftliche Ordnung nachdrücklich auf diesen Punkt hingewiesen hat, diese Minimalforderung in die Praxis umgesetzt wird. Daß die Neigung der Frauen zum Pazifismus sehr berechtigt war, hat der Krieg be­wiesen.

Aus diesen und vielen anderen Gründen glauben wir, daß die Frau im Gesamtwert dem Manne gleichgestellt ist.

Die modernen Bestrebungen, die die Frau dem Manne möglichst ähnlich machen wollen, sind aller­dings ebenso grundfalsch und widersprechen allen natür­lichen Gesetzen. Die Frau ist nicht nur im äußeren Körperbau, sondern auch in der gesamten inneren Or­ganisation gegenüber dem Manne grundsätzlich ver­schieden.

An den „physiologischen Schwachsinn" des Weibes allerdings glaube ich nicht. Die Frau ist in verständ­lichen Dingen sicher nicht unterlegen. Doch scheint sie zu rein verständlicher Arbeit weniger geschaffen zu fein. Immer meldet sich habet das Gefühlsleben. Phy­siologisch ist die Frau ganz offensichtlich auf einen Be­ruf eingestellt, in dem beide Komponenten, der Ver- stand und das Gemüt, in gleicher Weise beteiligt sind. In idealer Weise liegt das vor bei dem Beruf der Gat­tin und Mutter. Am nächsten steht wohl der Beruf der Krankenschwester. Hier steht die Frau ohne alle Konkurrenz des Mannes da, hier vermag die Frau größte Werte zu schaffen. In allen anderen Berufen findet die Frau keine restlose Befriedigung, ja sie mutz

Sinnsprüche.

Bei jedem Aufsteh'n stell dir die Frage: Was tu ich Gutes an dem heut'gen Tage? Und denke: wenn die Sonne geht, sie nimmt Ein Stück des Lebens mit, das mir bestimmt.

(Aus dem Indischen).

•

Auch an Dornen fehlt'? wohl nicht, Denk' ich, wenn ich Rosen sehe;

Rosen sind wohl in der Nähe, Denk' ich, wenn ein Dorn mich sticht.

(Hamerling.)

diese Berufe, auf die sie seelisch nicht eingestellt ist, mit Schädigungen namentlich der Nerven bezahlen. Dies umso mehr, als die Frau regelmäßig in periodischen Abständen der Schonung bedürfte und diese oft nicht gewährt wird. Vielleicht ist dies auch mit ein Grund, warum dem Manne, der keinen derartigen Schwankun­gen unterliegt, eine führende Stellung in dem Ablauf des Familiengeschehens zugesprochen wird.

Zwei Frauen im Hause.

Das Geld ist knapp: die Wohnungen sind teuer. Also ziehen notgedrungen Alt und Jung zusammen. Die Jungvermählten übersiedeln zu den Eltern, die ver­witwete Tochter kehrt heim, die Mutter zieht zu ver­heirateten Kindern. Es sind bann zwei Frauen im Hause! Ein Zustand, der häufig Zank, Streit und Eifer­sucht mit sich bringt, anstatt die Behaglichkeit zu ver­doppeln. Und doch könnte alles ideal fein, wenn beide Teile den guten Willen mitbrächten, die Fried­fertigkeit und — eine gerechte vernünftige Arbeits-Ein­teilung.

Da lebt irgendwo eine junge Witwe mit ihrem Kind­chen bei ihren Eltern. Die Mutter ist eine regsame lebhafte Persönlichkeit, die ohne Arbeit nicht atmen kann. Da die Tochter keine Stellung finden kann, nimmt sie freiwillig alle „Schwerarbeit" auf sich. Se wascht, bügelt und flickt die gesamte Wäsche, sie kocht und näht, während die Mutter (scherzweise „Außen­minister" genannt!), alle Einkäufe erledigt, ebenso b'e Gänge zu Behörden und die Spaziergänge mit dem Enkelchen. Redlich in zwei Hälften geteilt wird die Arbeit innerhalb der Wohnung, also das Fegen, Staub- wifchen, Bohnern und Fensterputzen. Nach Tisch wird die Küche gemeinsam in Ordnung gebracht, ebenso wird das Einkochen der Vorräte gemeinsam erledigt, wobei man sich aussprechen kann: Solche gemeinsame Arbeits­stunden sind Vergnügen und Abwechslung! Die Abend­stunden gehören der Erholung und Lektüre, wobei auch eine der Frauen gelegentlich ausgeht oder Freundinnen empfängt, ohne auf die andere irgendeinen Zwang aus zuüben.

Die Mutter achtet der Tochter Meinung und läßt sie in ihrem Gebiet nach eigenem Ermessen schalten und walten. Die Tochter respektiert der kelteren Wissen und Können ohne eigene Ueberheblichkeit. Das kleine Kind wird gemeinsam gepflegt und erzogen. Jung und Alt gestehen sich gegenseitig ihren Anteil Lebensfreude zu: So geht alles friedlich und freundlich her!

In Krankheitstagen springt man natürlich füreinan­der ein. Dann werden eben einfach — Ueberstunden gemacht. Als oberstes Gesetz gilt das Leitwort: „Einer trage des Anderen Last!"

Zwei Frauen im Haus! Und was sagt der Haus­herr dazu —?! Vater freut sich bei jedem Heimkommen und schmunzelt: „Zwei Hausfrauen! Jawohl, das erspart jede Art von Hausgehilfin, Wasch- und Flickfrau! Und für mich gibt es — doppelte Liebe! Und dopveltes Verwohnen!" — E. F.

Sollen Kinder barfuß laufen?

Don Dr. med. V. Hühnlein- Dresden.

Die moderne Körperkultur hat es mit sich gebracht, daß das fönst nur auf dem Lande übliche Barfußlaufen, wenigstens für die Kinder, auch zur Sommerszeit feinen Einzug in die Städte gehalten hat. Soll man nun die Kinder barfuß laufen lassen oder nicht? Sehr ängst­liche Eltern lehnen es entsetzt ab, weil ihr Liebling sich sonst erkältet und zittern sogar, wenn er einmal barfuß durch bas Zimmer rennt. Mehr sportlich eingestellte Eltern dagegen meinen, es gäbe nichts besseres für die Entwicklung des Kindes, als es möglichst viel und bei jeder Gelegenheit barfuß laufen zu lassen.

Der richtige Weg liegt, wie meistens, in der Mitte. Sehr zarte und anfällige Kinder muß man allerdings erst auf bas Barfußlaufen trainieren, ionst erkälten sie sich doch Allerdings wird die Gefahr der Erkältung meistens überschätzt. Im Gegenteil, der unbekleidete Fuß hat, wenn er genügend fleißig bewegt wird, eine viel ungehemmtere und bessere Blutzirku­lation als der in den Schuh eingezwängte, und wenn man einmal bei einem Spaziergang na sie ober kalte Füße bekommen hat, gibt es kaum ein beferes Ab­hilfsmittel als für 10 Minuten barfuß kräftige Fuß­übungen zu machen. Die Füße werden, wie ein Versuch sofort lehrt, schnell wieder warm und der Gesabr einer 1 Erkältung wird dadurch vorgebeugt. ?lnders dagegen

ist es, wenn man auf kaltem Boden, vor allem Stein­boden, barfuß längere Zeit steht oder sich nur wenig bewegt, wie Kinder es wohl tun, wenn sie ein beichau» sicheres Spiel treiben. Dann ist allerdings die Gesahk einer Erkältung unleugbar vorhanden. Man kann in­folgedessen hier nur den Eltern den Rat erteilen, je nach den Umständen zu verfahren und dafür zu sorgen, haß ihre Kinder sich, wenn sie sich barfuß in der Woh­nung aufhalten, genügend fleißig Bewegung machen.

Mit Recht weisen viele Aerzte darauf hin, daß der unbekleidete Fuß gegen den harten Zimmer- oder Pfla­sterboden nicht genügend Unterstützung hat und bei Kin­dern mit schlaffen Gelenken und Bändern infolgedessen durch das Barfußlaufen au f solch hartem Boden die Gefahr einer Platt- und Knicksußbildung besteht. Unser Fuß ist im Laufe der jahrhundertelangen Ge­wöhnung an den Schuh derart verkümmert, daß er einen festen Lederichuh mit Absatz und Gelenk braucht, um unter der Körperlast nicht zusammenzubrechen. Sehr viele Plattfußbildunden sieht man z. B. bei Hausfrauen, bie ben ganzen Tag in Filzschuhen hantieren, in benen der Fuß bie oben geschilderte Unterstützung nicht finbet. Darum ist bei Kindern mit Neigung zur Platt- und Knickfuhdildung das Barfußlaufen auf Holz- oder Steinboden zweifellos nicht ungefährlich, und sie müssen erst dur^ methodisch« Fußübixngen gekräftigt werden, ehe sie es o ;ne Schaden vertragen. Für sonst kräftige und sportlich geschu-te Kinder halte ich allerdings das Barfußlaufen auch auf Holz- und Steinboden nicht für gefährlich.

Ganz anders ist es auf Wald-, Kies- ober Wiesen­boden. Diese Böden sind weicher und elastischer; durch ihre zahlreichen Unebenheiten üben sie auf die Fußunter, fläche einen energischen Reiz aus, sodaß sich die Mus­keln und Sehnen kräftig zusammenziehen müssen. Man kann geradezu behaupten, bas Barfußlaufen auf sol­chem Naturboden stellt ein ideales „Fußt ur n en dar, keine einengenbe Bekleidung hindert bie Blutzirku- lation unb bie Tätigkeit der Fußhaut, bie Muskeln, Bänder unb Gelenke des Fußes unb bes Unterschenkels werden unter günstigeren Ernährungsverhältnissen als sonst zu einer allseitigen und energischen Tätigkeit an­geregt. Der Fuß, ja der ganze Gehapparat kräftigt sich zusehends durch diese Fußübungen, und darum kann Barfußlaufen auf Naturboden als eines der wirksamsten Mittel zur Bekämpfung von Fußschäden nicht warm ge- nug empfohlen werden. Wenn man die Kinder energisch auf solches Barfußlaufen trainiert, braucht man in fei­ner Weise ängstlich zu sein. Die Fußsohlen bekommen schon binnen kurzem eine so kräftige Schutzhaut, daß Verletzungen nicht zu befürchten sind, unb selbst bei kal­ten Tagen oder gar bei Regenwetter ist der durch die Muskelarbeit produzierte Wärmeüberschuß groß genug, um die Gefahr einer Erkältung zu verhüten.

Die praktische Hausfrau.

Aufbewahrung im Eisschrank.

Man vermeide stets starkriechende Speisen mit ande­ren gemeinsam im Eisschrank aufzubewahren. Ebenso vermeide man Speisen heiß in den Eisschrank zu brin- aen, da sie sonst ungünstig aus die anderen vorhandenen Nahrungsmittel einwirken und oft sogar Schimmelbil­dung Hervorrufen, Ueberhaupt muß das Innere des Eislchrankes peinlich Tauber gehalten werden. Es emp­fiehlt sich ein wöchentliches, gründliches Auswaschen mit heißem Wasser, in dem man etwas übermangansaures Kali aufaelölt hat, mit nachfolgendem Ausspülen mit klarem Wasser.

Bademützen

bewahrt man vor dem Ristigwerden. wenn man sie öfter m itGlyzerin abreibt. Man erhöht dadurch ihre Le- bensbauenr beträchtlich.

Aufbewahrung von Zitronen.

Um Zitronen möglichst lange frisch zu halten, wer­den sie in einen Topf mit gewöhnlichem Kochsalz gelegt, iedoch dürfen die Zitronen sich geaen'esiig nicht berühren, unb sie müssen ganz mit Salz bebeckt sein, baß keine Lust Zutritt hat.

Bleichen gelb geworbener Wäsche.

Geld gewordene Wäsche wird wieder hell, wenn man sie vor dem Abkochen eine Nacht in einer Lauge von Bleichsoda und Borax einweicht. Dann wird die Wäsch« w>« gewöhnlich abgekocht und in einem Wasser ausge­spült. dem man auf 20 Liter zwei Eßlöffel voll Ter­pentinöl unb einen Eßlöffel voll Spiritus zusetzt. D-e Wäsche wirb bann ausgerorungen unb möglichst schnell am besten im Freien getrocknet

Menschen.

Iahrmarkttrubel beckt bie Straßen trotz bes bunte! bängenben Regens, ber seit Morgengrauen den Tag be­schwert. Menschen hasten, stoßen sich und jagen taumeln­den Schrittes voran in bie Dämmerung, bis ihnen ber wilde Lärm von Schaubudenrednern, kreischenden Ver­gnügten und der ewig leiernden Karussellweisen tiefer in die Ohren bringt.

Im Schatten ber trüben Straßenlaternen sitzen Ge­stalten — Bettler, Krüppel. Ihr mübes, bebenbes Bit­ten bleibt unerhört.

„Brüber — Brüber, ihr — alle! Unb doch ist um unsere Seele gierig fressende Einsamkeit, an un­serem Körper grausame Not! — Unmenschlichkeit!"

Der düstere, regenschwere Kreis des Elends schließt sich hinter dir und mir.---

Wir wanderten weiter — weißt du noch? — gerade­aus und halb noch in heimlich tiefem Schuldgefühl an diesen Ausgestoßenen, von der Menschengemeinschaft achtlos Kaltgestellten, Verlassenen, die gleich uns den­kende und empfindende Wesen sind, gleich uns Men­schen unter Menschen. Unb wir zogen in leuchtenbe Helle, in Wärme. Der Dunst von Zigaretten lag in ber Luft, bie Gäste bewegten sich in einer matten, ver­schwommenen Wolke. Herren saßen um ihren Stamm­tisch unb polterten Erlebnisse unb Gebauten heraus. Kellner bienerten heran. Unb wir beibe setzten uns in bie bunte Menschenreihe unb verstauben uns — wortlos.

Dann rissen Töne durch die Schwüle, schrill und hetzend — von Liebe und schönen Frauen — und Geige unb Laute schrien mit.

Nun tarn das Weib und sammelte. Es war jung, schaukelte bei jedem Schritt Hüfte unb Oberkörper unb

warf Blicke, bie vor zuviel Unverschämtheit unb Raffi­nesse fast schielten. — Jahrmarktweib! — Die Herren am Nebentisch lachten unb kniffen bie Augen.

Ich schaute bich an. Du warst fo herrlich, so groß, so fein in beiner Frauenwürbe. Du gabst mir zu benten --auch bas Weib--auch bie Bettler.

Menschen--wir — sie — unb alle. Gr. Sch.

Draußen lacht die Sonne!

Unb auf ben Spielwiesen, den Sandplätzen, ist bes Lebens, Lachens unb Freuens kein Enbe mehr. Sie ge­hören ja nun einmal zusammen: Kinb unb Sonne. Unb man soll sie ihm nicht wehren. Ein kleines Opfer an Zeit, bas Zurückstellen einer Arbeit, bie vielleicht noch am Abend ober am nächsten Morgen vorgenomm-n werden kann — unb hinaus mit ben Kleinen ins licht- burchfoante Freie!

In den Sandkästen geht es lustig zu. Da flattern Fähnchen auf felbftgebauten Burgen neben kunstvollen Tunnels mit geheimnisvollen Ein- unb Ausgängen, sorgsam umzäunten Schrebergärten mit Grashalmen unb Gänseblümchen, unb im Winkel ber ganz Kleinen rei­hen sich die mehr ober minder gelungenen Kuchen- unb Tortenversuche. Aus ben umgrenzenben Bänken sitzen bie Erwachsenen unb freuen sich an bem kindlichen Treiben.

Eine alle weißhaarige Dame mit einer bunten Woll­arbeit schaut immer wieder über die Brille weg zu bem kleinen Enkel hinüber, ber einer ber eifrigsten un­ter ben kleinen Bauleuten ist. Nun kommt er ge­sprungen: „Oma, was soll ich jetzt bauen?" Die fleißi­gen Hände halten einen Augenblick mit der Arbeit inne, aber sie weiß gleich Rat, die gute Frau: „Nun baust bu mal eine große Luftschiffhalle für ben Zeppelin, ber in

ein paar Tagen kommen soll." Ein begeistertes Auf­leuchten dankt der so „zeitgemäß" fühlenden Großmut­ter und mit einem Freudensvrung mad-t sich ber kleine Mann an bie Arbeit. Das Wort „Luitschiffhalle" aber hat gezündet. Burgen werden abgerissen, Gärten aus« gerodet — alles will dem Zeppelin eine würdige Emp- sangsstätte bereiten. Bäckchen glühen, und die Oma lächelt bas gütige Lächeln des vorstehenden Alters.

Ein paar junge Frauen, bie auch ihre Kleinen be­treuen, unterhalten sich über bas bevorstehende große Stadtereignis. In bem bisher stumm gebliebenen Zu- schauerkreis ist auf einmal Lebenswärme und bas Be­dürfnis nach Mitteiluna. Selbst die müden Züge eines Arbeitslosen, ber an Stelle der arbeitenden Mutter bie beiden Mädelchen beaufsichtigt. Hellen sich auf unter dem Einfluß ber wohltuenben Atmosphäre, bie bie Ge­meinsamkeit dieser frohen Stunde schafft.

Wenige nur von ber kleinen GesellTchaft sind ohne Aufficht ba, und es ist merkwürdig: man kennt sie halb heraus. Es fehlt ihnen bie freie Sicherheit, bie bie Nähe vertrauter Bekannter vermittelt. Dieses Fehlen suchen einige durch Herausfordern der kleinen Mitspielenden zum Streit, durch kleine, unmerkliche Störungen ober aber durch scheues, ein wenig verlegenes Wesen zu ver­bergen. Tiefe, feine Beobachtungen lasten sich gerade in dieser Weise machen, die jeder Mutter zu denken ge­ben würden, die sie bestimmen würden, ihre Kleinen, auch wenn keine Autogefahr in der Nähe ist, nicht ganz ohne Aufsicht auf den Spielplatz ober gar auf bie Straße zu schicken. Man braucht nicht überängstlich zu sein, um offenen Auges bie Nachteile zu sehen, bie dem unbeaufsichtigten Treiben ber Kinder auf Straßen unb Spielpätzen für bie seelische Entwicklung erwachsen. Unb wenn man auch bem Geraufe ber Jungen unter sich keine allzu große Bedeutung beimessen mag, nir­

gendwo wie beim kindlichen Spiel offenbaren sich fo rück­haltlos bie Auswüchse bes Temperaments, Charakter- schwächen, die durch ein kluges Beobachten, durch ein gutes Wort leicht zurückgedämmt und in die rechte Bahn geleitet werden tonnen. Ist nidtt das Spiel des Kindes der eigentliche Ausdruck feines Wesens, seines Denkens unb Seins? —

Mein Kleiner hat brühen auf ber Spielwiese mit den Kameraden Ball gespielt. Nun kommen sie gelau­fen. „Mutter, Schule spielen!" Jeder will natürlich Lehrer sein. Da muß ich schon schlichten: hübsch der Reihe nach und ber bescheidenste fängt an. Die größte Rolle bei diesem Scbulespielen fällt dem Stock zu, bis ich einmal ganz ruhig unb still frage: „Was würdet ihr denn lagen, wenn der Lehrer immer auch gleich nach ber Rute greifen würde?" Da wird bie Behanb- (ung etwas humaner. Nachher raten wir Märchen. In ffummer Bantamine wird bie Begebenheit bramafifiert. Dann muß der Betreffende raten. Das Spiel lackt fo« gar die Kleinen aus ihrem Sandkasten. Sie wollen alle mittun — am liebsten möchte jedes der Wolf sein. Unb wie ist erst der Jubel groß, wenn bie Lösung einmal fchl ging unb statt „Brüderlein und Schwesterlein" „Hänsel und Gretel" geraten wurde!

Sie sind so unterhaltend unb zugleich auch wertvoll, gerade diese improvisierten Spiele, die von ber kind­lichen Phantasie angeregt bie Selbstbetätigung bes Ein- jelnen erfordern unb immer roieber neue Möglichkeiten schaffen. Unb bei denen der Erwachsene nur „Diener" dieser Phantasie sein darf. Denn das ist letzten Endes unsere Stellung gegenüber dem kindlichen Spiel: ein freudiger Dienst an dem Gestaltungs- und Betätigungs­willen bes kindlichen Geistes, in dem Bewußtsein, daß des Kindes Spiel seine eigentlichste „Arbeit" ist.

G. Eyermann.