Einzelbild herunterladen
 

d 1 MremMmer N Vfg. M NM. vellase 15E

FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Wg. 59.

Mittwoch, 22. Juni 1932

Der Kampf um die Abrüstung

Schwierige englifch-amerikanisch-französische Verhandlungen

Eine amerikanische Erklärung.

wtb. Lausanne, 21. Juni. (Gig. Meld.) Ein gewisses Aufsehen erregte eine gestern in den spä­ten Abendstunden stattgefundene Zusammenkunft zwischen Herriot und dem amerikanischen Dele­gierten Swanfon unweit Lausannes.

Dabei hat dem Vernehmen nach Swanson dem frtwzösrschen Ministerpräsidenten erklärt, wenn

Kritische Zuspitzung in Lausanne.

Die aus Dienstag angesetzte Vollsitzung vMchoben. — Frankreich widersetzt sich einer völligen Streif-j der Tribute.

wtb. London, 21. Ium. (Eig. Meld.) „Times" schreibt, es bestehe Grund für die Annahme, daß die Franzosen ihren Vorschlag betreffend einer D ölker bund sarmee zurückzrehen wür­den.

Diese Erklärung ist insofern besonders bemer­kenswert, als sie zum erstenmale aus einem beru­fenen amerikanischen Munde in diesem Zusammen­hang eine Bezugnahme auf die Notwendigkeit oder die Möglichkeit einer Kriegsschuldenstreichung ent- hält. Es verlautet heute morgen, daß unter Um- ständen Herriot im Zusammenhänge mit diesen ge­strigen Unterhaltungen vorübergehend nach Gens fahren wird.

Amerikanisch-französische Unterredung in Morges.

cnb. Lausanne, 21. Ium. (Eig. Meld.) Zu dem Zusammentreffen, das auf Wunsch des ame­rikanischen Hauptdelegierten auf der Abruftungs- konferenz, Gibson, mit dem französischen Mimster- Präsidenten Herriot und dem französischen Kriegs- Minister Paul Boncour in der vergangenen Nacht in dem Städtchen Morges am Genfer See statt- gefunden hat, hört man hier folgende Einzelheiten:

Gibson soll den amerikanischen Standpunkt in der Abrüstungsfrage noch einmal dargelegt ha- ben. Darauf soll der französische Mini- st e r p r ä s i d e n t erklärt haben, die a m e r i k a - Nische These von der quantitativen Abrüstung sei für Frankreich völlig unannehmbar. Man könne vielleicht über qualitative Abrüstung redeiz, aber man müßte die quantitative Frage aus dem Spiel lassen. Dem gegenüber soll Gibson wiederholt haben, daß Ame­rika zu einem positiven Resultat kommen will. Wenn Frankreich in Oer Frage seiner Verpflich- tungen an Amerika etwas erreichen wolle, so müsse es seinerseits zu Opfern bereit sein.

Besonders bemerkenswert an dieser Zusammen- kunft ist die Tatsache, daß hier zum ersten Male die Frage der Abrüstung und der internationalen Schulden als eng zusammenhängend erwähnt wird.

Hoover erklärte m einem Telephongespräch mit Stimson, daß Europa auf keine Sympathie hoffen könne, solange es gewaltige Summen für Kriegsrüstungen ausgebe.

Frankreich die amerikanischen Wun­sche in Bezug auf die quantitativ« Abrüstung nicht erfülle, so könne es nicht erwarten, daß Amerika dl« Kriegsschulden streiche, denn die Lan dieser Schulden betrüge nur einen Bruch­teil der Rüstungen.

sachlichen und damit gleichzeitig zur K l a r st e t • lunq der Haltung des früheren Reichskanzlers Dr. Brüning, wie des Reichszentrums fest:

Vorschläge und Wünsche, auf die in dem ge­nannten Artikel kurz hingewiesen wurde, sind tat- sächlich von den verschiedensten Seiten an die da­malige Regierung herangetragen worden. Ebenso wurden in den verschiedensten Zeitungen diese An­sichten diskutiert und zustimmend behandelt. In der Zentrumspartei und -presse waren sie stets ab­gelehnt worden. Rur auf diese Tatsache wollte der Verfasser in gutem Glauben hinweiscn, mußt« sich aber nunmehr auch davon überzeugen, daß allesamt nur private Kreise, nicht aber re- gierungsamtliche sich mit solchen Plänen und Wünschen befaßten.

Der frühere Reichskanzler Dr. B r ü n i n g hat stets den Standpunkt vertreten, den er immer wie- der vor aller Welt deutlich und klar in seiner letz- tert Reichstagsrede vom 11. Mai 1932 darlegte, als er u. a. sagte:

„Nur eine völlige Streichung der politischen Schulden ist die Vor au s» seßung für die Rettung aus der set- zigen wirtschaftlichen und sozialen Not....." „Mir liegt daran, vor aller Welt

fc-ftzustellen, daß diese oder eine andere Regierung in der Reparationsfrage hinter das, was ich im Januar gesagt habe, aus sachlichen Gründen über­haupt nicht zurückweichen kann....." Wenn

diese Regierungen auch zugeben, daß Deutschland nach Ablauf des Hoover-Jahres keine Reparatio­nen zahlen kann, so sollen sie doch an der Hoffnüng fcsthalten, daß Deutschland später nach einer Reiho von Jahren Zahlungen wieder aufnehmen oder zum mindesten noch eine Restzahlung, eine Ab­schlagszahlung, aufbringen könnte. Mir scheint, daß diejenigen, die von solchen Er- Wartungen ausgehen, sich keine Re­chenschaft davon geben, daß die Vor- ausseßungen, von denen die künf­tigen Zahlungen abhängen würden, in Wahrheit gar nicht vorstellbar sind."

Von diesem „Nein" mit allen Konsequenzen für die Gsgenwart und Zukunft ist der frühere Reichskanzler in keiner Stunde abgewichen, und er hätte dieses Nein auch in Lausanne mit derselben Deutlichkeit und scharfen Beweisführung für dte Richtigkeit wiederholt.

Und hinter diesem „Nein", stand ebenso qeschlos- fen und entschlossen die Deutsche Zentrumspartei, deren Reichstagsfraktion am 10. Mai im Reichstag durch den Abgeordneten Dr. Bell, diesen Stand- punkt zweifels- und deutungsfrei Herausstellen Iie%as ist die notwendige Klärung und Festste!- lung gegenüber einer aus Zweckmäßigkeitsgrün­den gesuchten und verfolgten Kritik.

Am Montag vormittag fand in Lausanne eine dreieinhalbstündige Unterredung zwischen dem französischen Ministerpräsidenten Herriot und dem englischenMinisterpräsidenten Macdonald statt. Es verlautet, daß Herriot einen umfangrei­chen Plan zur Regelung aller politischen und wirtschaftlichen Fragen vorgelegt habe.

Nach Mittsilung von unterrichteter Seite sind 'm den privaten Besprechungen am Montag die Gegensätze in der Tributfrage in al­ler Schärfe zutage getreten. Die Verhandlungen sind völlig ergebnislos gewesen. Herriot hat Macdonald mitgeteilt, daß Frankreich auf einer Beibehaltung der Repa­rationen b estehen müsse, wenn es auch eine wesentliche Herabsetzung und Hinausschiebung der Reparationszahlungen ohne jede neue förmliche Anerkennung zuzugestehen bereit sei. Die englische Regierung vertritt dagegen wie bisher den Stand­punkt der unbedingten Notwendigkeit ei­ner vollständigen Streichung derRe- parationen als Voraussetzung für die lieber« Windung der Wirtschaftskrise und ersten Schritt für die Gesamtlösung der internationalen Schulden­frage. Es besteht somit jetzt auf der Tributkon­ferenz auf der 'einen Seite die völlig übereinstim­mende Haltung Englands, Italiens und Deutschlands, die sofortige und vollständige Streichung fordert, während Frankreich am Tri­butsystem festhält.

Vollsitzung vertagt.

Die auf Montag nachmittag angesetzte Sitzung der sechs einladenden Mächte im Chateau Ouchy dauerte kaum zehn Minuten. An der Besprechung nahmen die Chefs der sechs einladenden Mächte teil, lieber die Sitzung wurde eine kurze amtliche Verlautbarung veröffentlicht, in der mitgeteilt wird, daß der Präsident der Reparationskonferenz, Macdonald, seine Kollegen über die jetzt begonne­nen Besprechungen unterrichtet hat. Diese Be­sprechungen würden jetzt zwischen den einzelnen Abordnungen fortgesetzk wer­den. Um diesen Besprechungen die Möglichkeit der Entwicklung zu geben, sei beschlossen worden, die auf Dienstag vormittag einberufene Vollsit­zung der Reparationskonferenz auf unbestimmte Zeit zu verschieben.

Der unerwartete Beschluß, das Schwergewicht dsr Verhandlungen der Tributkonferenz jetzt völlig in die privaten Besprechungen zu verlegen und keine offiziellen Sitzungen mehr abzuhalten, er­klärt sich aus der durch die letzten Genfer Abrü­stungsbesprechungen und der Unterredung Herriot —Macdonald geschaffenen Lage. In leitenden englischen Kreisen hält man es für zweckmäßig, daß die französischen Vorschläge zur Reparations­und Abrüstungsfrage in direktem Gedankenaus­tausch mit den einzelnen Mächten erörtert werden.

Im unmittelbaren Anschluß an die Sitzung fand im Hotel „Beaurivage" eine Dreimächte­besprechung statt, an der deutscherseits der Reichskanzler und der Reichsaußenminister, von englischer Seite Macdonald und der englische Han­delsminister Runciman, von französischer Seite Herriot und der französische Finanzminister Ger­main-Martin teilnahmen.

Oie frauzösische These.

Ministerpräsident Herriot erklärte Montag- aibend der französischen Presse, daß vorläufig eine Ueberetnftimmung zwischen der deutschen und französischen Auffassung nicht bestände. Franzüsischerseits sanden jetzt in erster Linie Ver­handlungen mit der englischen Regierung statt, da der englische Ministerpräsident teilweise die deutsche Auffassung unterstütze und die französische Regie­rung die englische von der Richtigkeit der franzö­sischen Auffassung überzeugen wolle. Sobald eine Uebereinstimmung zwischen England und Frank­reich hergestellt sei, würden die Beratungen von französischer Seite mit der deutschen Regierung be­ginnen. Er, Herriot, wolle in den nächsten Tagen eme Unterredung mit dem Reichskanzler haben. Dis englische Regierung trete für eine völlige Streichung der Reparationen «in, der sich jedoch die französische Regie­rung widersetze, da sie auf Grund der inter­nationalen Schüldenregelung einen Anspruch auf einen Ueberschuß von Zahlungen von 359 Millio­nen Goldmark habe, während' England nur 66, JtMen 35, Belgien 68 Millionen Goldmark be- anspruchen könnten. Hieraus ergebe sich eindeutig, daß Frankreich an der endgültigen Schuldenrege­lung der weitem am meisten interessiert sei.

Bet einem anschließenden kurzen Empfang der mternationalen Presse beschränkte sich Herriot auf bie Erklärung, es bestände der Eindruck einer ge­wissen Entspannung in Europa.

*

Die amtlichen französischen Mitteilungen über den französischen Standpuntt in der Tributfrage werden von deutscher Seite aus das Nach­drücklichste a b g e l e h n t. Besonders wendet man sich deutscherseits grundsätzlich dagegen, die Tnbut- frage in der gegenwärtig außerordentlich ernsten Sage der Weltwirtschaft als eine reine finan­zielle Frage zu behandeln, wie d^s Herriot tn seiner Erklärung vor der franzöpjchen Presse getan hat Die deutsche Auffassung stützt sich aus dre sich immer breiter festsetzende Heberzeu- gung der gesamten Weltöffentlichkeit, daß ohne eine sofortige Streichung

Die »rtoatcm Besprechungen der Delegations­führer Großbritanniens, Amerikas und Frank­reichs in der Abrüstungsfrage dauerten Montag nachmittag etwa 214 Stunden. Gerüchtwelse ver­lautet, daß die Frage einer Abrüstungskontrolle, ferner Fragen, die sich auf eine Regelung der schwerenAnqriffswaffen beziehen, be­sprochen worden feien. Der amerikanische Plan einer Festsetzung der Hecresstärken nach einem be­stimmten Schlüssel soll ebenfalls behandelt wor­den sein.

Allgemein hört man, daß die drei Hauptdele­gierten in ihren privaten Besprechungen auf e r - hebliche Schwierigkeiten gestoßen seien, und es wird infolgedessen wieder als fraglich be­zeichnet, ob schon Mitte der Woche die anderen De­legationen zu den Besprechungen hinzugezogen werden. Dienstag nachmittag sollen die Bespre­chungen fortgeführt werden.

*

In den Unterredungen, die zwischen Macdonald und den deutschen Ministern am Montag in Lau­sanne stattfanden, sind von englischer Seite Mit­teilungen über die Abrüftungsbesprechungen in Genf am Sonntag gemacht worden, die danach zu keinem praktischen Ergebnis ge- fütjrt haben. In den am Montag wieder aufgenom- menen Besprechungen in Genf soll eine grundsätz­liche Vereinbarung über das Verbot der chemischen und bakteriologischen Kriegswaffen getroffen und «in« Einigung über das Verbot der Hauptangriffs­waffen in Vorbereitung sein.

*

Montag nachmittag fand in Genf eine Un­terredung zwischen dem italienischen Außenmini­ster G r a n d i und dem deutschen Abordnungsfüh­rer N a d o l n y statt, in der die von Deutsch'and und Italien zu den englisch-französisch-amerikcmi- schen Geheimverhandlungen einzunehmende Hal­tung besprochen worden sein dürfte. Der britische Außenminister und der italienische Außenminister sind am Abend wieder nach Lausanne zurückgefah- ren.

I Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt tm Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckeret In Fulda. Fernrufe: Schrift. :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerel 3151 und 3152. ::

Monatlich 1.65 einschlietzi. Postgebühr (48 Pfgy ohne ZusteUg Anzeigen-Preise: Kleinzeile rCol.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt. Postfcheckk Frankfurt a. M 4051

wtb. Paris, 21. Juni. (Eig. Meld.) Zur Lag« in Lausanne schreibt „Matin", wenn Frank­reich zur Liquidierung der Reparationen einen pauschalen Ueberschuß verlange, so ver­lange es ihn nicht allein für sich, sondern für alle europäischen Gläubiger und sogar für amerikanische Gläubiger. Dieser pauschale Ueberschuß müßte nach dem französischen Plan der internationalen Zahlungsbank ausgehändigt werden, die ihn nach dem Verhältnis des Hoovermoratoriums verteilen würde,, d. h. zwei Drittel an Amerika zur Liqui­dierung seiner Gläubigeransprüche an Europa und nur ein Drittel an Europa, in das sich Frank­reich, England, Italien, Belgien und Südslavien nach dem Spaer Verteilungsschlüssel zu teilen hät­ten. lieber die Modalitäten dieser Regelung über die Garantien usw. könne man diskutieren. Aber drefranzösischeDelegationscheinefest entschlossen zu fein, über den Grundsatz nicht mit s i ch reden zu lassen und nicht unter eine Mindestziffer Herunter­zug ehe n.

Der Sonderberichterstatter des Journal berich­tet über eine nächtliche Unterredung zwi­schen Herriot und Macdonald, die aller­dings von französischer Seite offiziell bementiert worden sei und schreibt, es unterliege keinem Zweifel, daß die Engländer von der Hal­tung Herriots überrascht worden seien, und daß sich ihrer eine gewisse Erregung be­mächtigt habe, weil die Franzosen die Reparations­frage wieder hervorholten, während die Engländer glaubten, daß sie durch die Erklärung der Mächte vom Freitag völlig begraben sei. Es werde so­gar behauptet, daß die englische Delegation da- mit gedroht habe, noch am Abend aus Lausanne abzureisen. Um die Fäden der Unterredung hier anzuknüpsen, habe Herriot eine nächtliche Unter­redung mit Macdonald gehabt.

„Echo de Paris" berichtet, Herriot entdecke, daß er mit seinem Freunde Macdonald in der Repara­tionsfrage nicht mehr einig sei. Herriottäte aber Unrecht, wenn er jetzt locker ließe.

Der Korrespondent des „Figaro" in Lausanne spricht von einem ernsten Zusammenstoß, es sei jedoch schwer, genaueres darüber zu erfahren.

Laykon gegen die französische Reparationsthese.

wtb. London, 21. Juni. (Eig. Meld.) 3m „New Chronicle" schreibt der Engländer Layton, der bekanntlich der- Vorsitzende des Komitees war, das den sogenannten Baseler Sachverständigenbe­richt ausarbeitete: Herriot hat zwei bo kannte Argumente gegen eine völlige Beseitigung der deutschen Reparationen vorgebracht. Das erste lautet, daß bei völliger Beseitigung aller Kriegs­schulden Deutschland ein starker industrieller Konkurrent sein wird. Das zweite Argument ist, daß eine solche Politik Frankreich ein grö­ßeres Opfer auferlegen würde, als irgend ei­ner anderen europäischen Macht.

Demgegenüber führt Layton aus, Herriot habe sein erstes Argument durch einen Hinweis auf den Baseler Sachverständigenbericht verstärkt. Er habe es aber unterlassen, auf den Punkt einzugehen, daß Reparationszahlungen au f Öie Dauer nur in Gütern geleistet werden können. Es fei damit klar, daß irgendwelche deut­schen Reparationen nur durch Erhöhung der deut­schen Ausfuhr über die Einfuhr zu bezahlen seien d. h. durch ein Größer- und nicht durch ein Gerin­gerwerden der deutschen Konkurrenz. Die Erfah­rung habe gezeigt daß die Länder solche Trans­fers in einem gewissen, enggeyigenen Rahmen ohne Gegenleistung erlauben wollen, und daß bei Bezahlung in Gold die Wirkung verhängnisvoll sei.

Das zweite Argument Herriots scheine an sich richtig. Der Poungplan gebe Frankreich einen wesentlichen Ueberschuß über seine Schuldenzahlun­gen an Amerika. Es sei jedoch zu bemerken, daß Frankreich einen sehr wesentlichen Betrag zur Wiederherstellung seiner zerstörten Gebiete bereits erhalten habe. Völlige Schuldenannullierung belasse auf Englands Schultern eine obensoschwere Last wie auf denen der Vereinigten Staaten.

Layton schließt: Die Berechnungen über die von jedem einzelnen gebrachten Opfer sind aber tat­sächlich von geringer Bedeutung. Vernünftige Er­wägung heißt, daß alle Beteiligten Vor­teile haben würden, wenn „der Schmutz der Kriegsschuldenzahlungen" beseitigt und das Ter­rain geebnet werden könnte für den Wiederaufbau des internationalen Handels.

Einzelbefprechungen der Delegalionsführer.

wtb. Lausanne. 21. Juni. (Eig. Meld.) Auch der heutige Tag wird im wesentlichen mit Einzel­besprechungen der Delegationsführer und Sachbe­rater ausgefüllt fein. Reichskanzler von P a p e n empfing heut« vormittag den belgischen Minister Franqüi; weiter dürfte der Reichskanzler eine Be­sprechung mit Grandi haben. Reichswirtschasts- minister Dr. Warmbold suchte heute Dormittag den französischen Handelsminister Durand auf, bei

der Irtbutre^e^: eine Wiederherstel­lung des von v-n L Seiten erforderten Vertrau­ens unb bet SBiebeT v. -L a '«tzichast nichtzu denken sei und die «e internatio­

nale Frage jetzt endgültig gto]t werden müsse.

Im Lause des Dienstags findet eine Unter­redung zwilchen dem Reichskanzler und dem sranzö si sch en Mini st erpräsi deuten statt.

dem auch Vertreter der österreichischen Delegation vorsprachen.

wtb. Lausanne, 21. Juni. (Eig. Meld.). Zwi- chen Herriot und Macdonald fand heute vormittag eine mehrstündige Unterredung statt, die um 4 Uhr nachmittags wieder aufgenommen wird. Die beiderseitigen Finanzminister sind an dieser Besprechung beteiligt.

Das Thema ergibt sich aus don gestrigen Dar­legungen Herriots in Bezug auf das Reparations­problem.

*

Der österreichische Bundeskanzler Dr. D o l l - u ß hat am Montag um 19.50 Uhr in Begleitung i)es Legationsrates Hornbostel die schon feit länge­rer Zeit geplante Reise nach Lausanne zu den Schlußverhandlungen über die Anleihe ange­treten.

wtb. Wien. 21. Juni. (Eig- Meld.) Dor der Abreise des Bundeskanzlers zu den Verhandlun­gen nach Lausanne bemerkt die „Reichspost": Die Tendenz der französischen Regierung geht dahin, eine Finanzaktion an gewisse Bedin­gungen zu knüpfen. Es handelt sich hierbei in erster Linie um die Neuregelung der wirtschaftli­chen Beziehungen der Donaustaaten untereinander und um die Forderung, daß Oesterreich die im Genfer Protokoll vom Jahre 1922 festgelegten Ab­machungen bestätige. Es ist eine heikle Mission, welche der Bundeskanzler übernommen hat und von dem Ergebnis seiner Reise wird die künftige Entwicklung unseres Landes erheblich bedingt fein. ——

Wir stellen fest.

Eine notwendige Klärung und Richtigstellung.

Am 16. Juni 1932 entnahm der „Tag" in Ber­lin in Nr. 144 aus einem Artikel des „Politischen und Parlamentarischen Pressedienstes" vom 15. Juni 1932 mit der Ueberschrift: „Welche Außen­politik? — Was wird aus Lausanne?" ganz aus dem Zusammenhang heraus eine Stelle, in der von Plänen in der früheren Vorbereitung auf Lau­sanne gesprochen war, bei denen auch auf den Ge­danken hingewiesen wurde mit der Aufnahme ei­ner Anleihe zur Abgeltung bestimmter Dif­ferenz- und Restsorderungen unter ebenso bestimm­ten Voraussetzungen.

Daran knüpfte der „Tag" einen ganz unmög­lichen und dem Sinn des Artikels widersprechen­den Kommentar, wollte darin eine gesuchte Schwä­chung der Position, der neuen Regierung in Lau­sanne sehen. Gleiche, in der Form jedoch hem- mungsfofe Kritik wollte anschließend der „Ber­liner Lokalanzciger". Nr. 288 vom 19. Juni 1932, an dem gleichen Artikel üben.

Da die Form jener Angriffe ein Eingehen auf Einzelheiten nicht zuläßt, stellen wir nur zum