Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda
Wg. 59
Dienstag. 21. Juni 1932
Nr. 141
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der Bezeichnung Verbindung ange- haben, eine f ö d e« in dem kommenden
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Mandatsverteilung:
Sozialdemokraten Zentrum . . .
Sozialist. Arbeiterpartei Kommunisten . . . Deutschnationale . . Nationalsozialisten Demokraten . . .
Nationale Einheitsliste
Die Genfer Abrüstungsbeiprechungen zwischen den Großmächten, die plötzlich in die Lausanner Reparationsverhandlungen eingeschaltet worden sind, hatten bereits am Samstagabend mit einer Unterredung zwischen dem amerikanischen Botschafter E l b s o n und dem englischen A u ß en- m r n i st e r begonnen und sind den ganzen Sonntag über ununterbrochen tn zahlreichen Einzelbesprechungen und sodann, wie oben berichtet, in einer bedeutsamen Besprechung der Fünfmächte am Nachmittag weitergeführt worden.
Die plötzliche Aufnahme der Abrüstungsfrage in Genf geht teils auf englische, teils auf 'amerikanische Wünsche zurück. Gibson soll, wie verlautet, aus Washington die Anweisung erhalten haben, unter allen Umständen bis zum 1. Juli, dem Beginn der Wahlkampagne für die Präsidentenwahlen, in den Abrüstungsfragen einen sachlichen Erfolg zu erzielen.
politischen Voraängen, innen- und außenpolitischen, fehlen wird, und wer wollte voraussagen, zu wessen Gunsten diese noch ungeschehenen Vorgänge sich dann wahlpolitisch auswirken werden. Katastrophal ist der Rückgang der Kommunist e n. Auf Enttäuschung und Fernbleiben fast des vierten Teiles ihrer bisherigen Wähler dürfte zum guten Teil die geringere Wahlbeteiligung zurückzuführen sein. Oder sollte abermals ein Teil, von ihnen dem Seerhausen Adolf Hitlers zugelaufen sein? Das wird erst eine nähere Prüfung der Einzelergebnisse zeigen können.
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Das „Darmstädter Tagblatt" schreibt: Die gestrige Wahl hat keine Ueberraschung ge
bracht. Das Einzige, was nur schwer im voraus mit einiger Sicherheit zu berechnen war, war das Abschneiden der „Nationalen Einheitsliste". Dis Nationale Einheitsliste, wie sie schließlich zustande- kam, hat die Skepsis weiter bürgerlicher Kreise nicht zu überwinden vermocht, und das ist zum großen Teil den Nationalsozialisten zugute gekommen, während andere Zehntausende ganz offenbar zu Hause geblieben sind. Der Zuwachs der Nationalsozialisten kommt besonders aus den ländlichen Bezirken, wo die Bauernschaft nahezu hundertprozentig ihre Stimmen der nationalsozialistischen Bewegung gegeben hat, während z. B. in der Stadt Darmstadt die Nationalsozialisten sogar einige hundert Stimmen verloren haben.
wtb. Genf, 20. Juni. (Eig. Meld.) Die Besprechungen zwischen den amerikanischen, englischen und französischen Delegationsführern auf der Abrüstungskonferenz find heute fortgesetzt worden.
Von italienischer Seite verlautet, daß die jetzige Zusammenkunft zwischen den Vertretern der amerikanischen, englischen und französischen Delegation hauptsächlich den Zweck hätte, Frankreich für ge
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Bon der Bayerischen Bottspartei.
Die politischen Ereignisse im Reich und ihre Rückwirkung auf Bayern.
Die Laudestagung der Bayerischen Volkspartei stand im Zeichen der politischen Ereignisse im Reich und ihrer Rückwirkung auf Bayern und den gesamten deutschen Süden. Die Darlegungen der Führer fanden ebenso wie die Maßnahmen der bayerischen Staatsregierung und die Haltung der Reichstags- und Landtagsfraktionen die Zustimmung der Versammlung.
In einer parteioffiziell veröffentlichten Zusammenfassung des Ergebnisses der Tagung heißt es u. a., die besorgniserregende Entwicklung der politischen Verhältnisse in Deutschland erfordere mehr denn je eine bewußte Sammlung aller staatstreuen und antireoolutionären Kräfte in Bayern. Um Deutschland vor einer Revolution zu schützen, die nationalistisch beginnen und bolschewistisch enden würde, habe gerade das bayerische Volk am 10. April 1932 sich mit überwältigender Mehrheit für die Wiederwahl des Reichspräsidenten o. Hindenburg eingesetzt. Die Umstände, unter denen einige Wochen nachher der Sturz der Regierung Brüning und die Entstehung der Regierung v. Papen—Schlei- cher erfolgt sei, müßten bei den Hindenburqwäh- lern die schwere Sorge aufkommen lassen, daß damit die Reichspolitik eine Rich, tung eingeschlagen habe, die dem Sinn des klaren Volksvotums vom 10. April 1932 nicht mehr entspreche. Das Merk- mal der neuen Regierung sei ihre bedenkliche Abhängigkeit von der Nationalsozial ist i scheu Partei. Ein solches Reichska. binett könne die Bayerische Volkspartei nicht, un- terstützen. Darum sei die Haltung der Partei zur Regierung Papen die der sachlichen Opposition. Die Bayerische Volkspartei wolle einen Staat, der das gesamte Volk über Parteischranken, Klassengegensätze und Konfessionsgegensätze hinweg innerlich erfasse und so das Bewußtsein der Na- tion zum vollen Erwachen bringe. Ins einer maßlosen Uebersteigeruna des Parteibegriffes lei der Nationalsozialismus der schwerste Feind der Idee wabrerVolksgemein- schäft und im vollsten Sinne des Wortes antisozial. Das deutsche Reich der Zukunft sei nur als ein föderalistisches Reich denkbar.
Der Landesausschuß stimmte dann einhellig meh- reren Entschließungen zu und betonte u. a., dis Verordnung des Reichspräsidenten zur Erhaltung der Arbeitslosenhilfe und, der Sozialversicherung vom 14. Sunt 1932 sei in ihrer jetzigen Form u ntra gba r. Die bayerische Regierung wird ersucht, beim Reich eine Milderung dieser Notverordnung zu erwirken.
Bor Parkeiverbindungen in Bayern.
ENB. München, 20 Juni. (Eig. Meld.). Zwi- scheu dem Bayerischen Bauern- und Mittelstands- bund und der Bayerischen Volkspartei wird für
die Reichstagswahlen unter „Bauernblock" eine enge strebt. Sie soll zur Aufgabe r a l i st i s ch e bayerische Front Reichstag zu stellen.
213, Dn. 2 857 (3 585), NSDAP. 90870 (83 215), Dem. 1781 (1340), Nat. Einh.-Liste 7219(18 861).
Provinz Starkenburg.
Soz. 87185 (82 834), Z. 47 000 (50647), SAP. 7713 (16 384), Komm. 49 266 (61929), Dn. 4331 (4155), NSDAP. 135133 (120 657), Dem. 2011 (2266), Nat. Einh.-Liste 12333 (27 382).
Mainz (Stadt). Soz. 19 208 (17 940), Z. 18 407 (18 516), Sap. 1067 (2254), Komm. 10830 (14311), Lg. 53 (0), Dn. 880 (1565), NS-24391 (24 000; 21 005), Dem. 396 (271), NE. 2879 (6447).
Kreis Lauterbach. Soz. 1676 (1963), Z. 734 (660), Sap. 434 (97), Komm. 255 (714), Lg. 41 (—), Du. 560 (452), NS. 12 205 (10062, 12869), Dem. 96 (47), NE. 1017 (1395).
Stadt Gießen. Soz. 15239 (16 390), Z. 1346 (1151), Sap. 476 (758), Komm. 3173 (4183), Lg. 185 (0-, Dn. 2230 (1324), NS. 28129 (25 410; 27 607), Dem. 284 (204), NE. 2111 (3905).
Stadt Darmstadt. Soz. 13 805 (12 465), Z. 4002 (3944), Sap. 276 (586), Komm. 4202(6579), Lg. 75 (0), Dn. 911 (1377), NS. 25 230; 25 832), Dem. 632 (849), NE. 4322 (5601).
Stadt Offenbach. Soz. 13 493, Z. 5448, Sap. 4270, Komm. 6064, Lg. 29, Dn. 603, NS. 13 422, Dem. 275, NE. 1863. Gültige Stimmen 45 477.
= Kreis Alsfeld. Soz. 3112 (3630), Z. 943 (935), SAP. 131 (143), Kom. 594 (873), Leuchtgens 102, Dn. 477 (160), NSDAP. 14 917 (12 809), Dem. 97 (72), Nat. Einh.-Liste 356 (2 110).
Bei der Wahl zum hessischen Landtag erhielten nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis an Stimmen:
Soz 172 545 (168101 am 15. Nov. 1931), Zentrum 108 603 (112 444), S. A. P. 11697 (11897), Kom. 82111, Liste Leuchtgens 2 079, Deutschnat. 11 267, NSDAP. 328 313 (291183), Hess. Dem. 4 925 (4613), Nationale Einheitsliste 25 175 (68 208).
Die Verteilung der Mandate.
wtb. Frankfurt a. HL, 20. Juni. (Eig. Meld.) Die hessischen Landtagswahlen ergeben folgende
Das Ergebnis der Hessenwahlen. Die parlamentarische Lage bleibk unverändert Das Zentrum hat seine Mandatszisfer behauptet. — Weiteres Anwachsen der Nationalsozialisten aus kosten der „nationalen Einheitsliste-. — $. P. D. gewinnt zwei Mandate.
bracht werden. In jedem Falle wird der Haupt- ausschuß der Abrüstungskonferenz spätestens in 8 bis 10 Tagen wieder zusammentreten.
In unterrichteten englischen Kreisen besteht der Eindruck, daß in der Dreimächteunterredung von französischer Seite versucht worden ist, die Zustimmung der englischen Regierung zu den französischen Abrüstungsvorschlügen zu erlangen. Die Aussprache soll im wesentlichen zwischen den englischen und französischen Ministern verlaufen sein. Die deutschen Abrüstungsforderungen find in diesen Besprechungen bisher noch nicht zum Ausdruck gekommen. In den nächsten Tagen werden somit auf Grund der Besprechungen neue außerordentlich bedeu- tungSvo Ile Verhandlungen über d i e Abrü st ungs frage in Zusammenhang mit der Reparationsfrage stattfinden.
wisse Abrüstungsmaßnahmen, die von England und Amerika vorgeschlagen werden, zu gewinnen. Man spricht davon, daß die Besprechungen in der Mitte der Woche auf die Delegierten Italiens, Japans, Deutschlands und eventuell Rußlands ausgedehnt werden.
Herriot ist zufrieden.
Herriot hat vor Vertretern der französischen Presse erklärt, daß er dem Mmisterrat über den Stand der Verhandlungen in Genf und Lausanne Bericht erstattet habe. Das Kabinett habe die Haltung der franZösischen Abordnung gebilligt, Er fei zufrieden, weil die Regelung der europäischen Probleme nunmehr in den Rahmen einer all» .gemeinen Regelung hineingestellt worden fei und weil die dornige Frage des Moratoriums eine logische Lösung gefunden habe. Herriot führte u. a. aus: „Wir haben der Konferenz volle Freiheit gelassen, ihre Aufgaben gründlich in Angriff zu nehmen,. und keinerlei Verpflichtungen übernommen, die geeignet fhtb, sie zu kompromittieren. Auf diese Weise ist es gelungen, grundsätzliche Aussprachen über widersprechende Thesen zu vermeiden, die einen sofortigen Mißerfolg der Konferenz zur Folge gehabt hätten. Die gründ- f ätzlich en Schwierigkeiten find nicht be- hoben, doch bedrohen sie nicht mehr die Zukunft der Konferenz. Ich möchte die Gelegenheit benutzen, um meinen englischen Kollegen zu danken, mit denen ich viel zufammengearbeiret habe, und ganz besonders auch dem Reichskanzler von Papen für den Geist der Offenheit, den er in die Aussprache gebracht hat. Jeder hat gesagt, was er zu sagen hatte, und die Tatsache, daß alle Teilnch- mer sich der bekannten Erklärung angeschlossen haben, P ein Beweis für den versöhnlichen Geist, der unsere Arbeiten leitete. Wenn die grundsätzliche Aussprache vor der Annahme der Erklärung ein- geleitet worden wäre, so hätten daraus die größten Schwierigkeiten entstehen können. Wir haben wohl Zeit gefunden, aber man darf diese nicht mit einer Aufschiebung verwechseln. Wir haben die Arbeitsmethoden festgelegt, die uns die _ nötige Ellenbogenfreiheit geben. Sowohl in Lausanne wie auch in Genf sehen wir uns einer Synthese gegenüber, auf die wir in Lausanne die analytische Methode anwandten. Dieselbe Methode müßte auch für Genf angenommen werden."
Neimachle-Besprechungen in Gens
Abrüstungsfrage und Reparationsproblem.
Provinz Oberhessen.
Soz. 41 951 (44 003), Z. 8965 .(8 537), S. A. P. 1 732 (2 684), Komm. 10 602 (14 716), Leuchtgens 1319, Dn. 5 070 (3117), NSDAP. .102 305 (87 311), Dem. 1132 (1007), Nat. Euch. Liste 5623 (22 055).
Provinz Rheinhessen.
Soz. 43 615 (41264), Z. 52 638 (53 260), SAP. 2 252 (4040), Komm. 22 243 (30 145), Leuchtgens
Die hessischen Wahlen. I
Die Wahlen zum Hessischen Landtag sind, von kleineren Reibereien abgesehen, ruhig verlaufen. Eine gewisse Wahlmüdigkeit, hervorgerufen durch ' die häufigen Wahlen der letzten Zeit, hatte, eine schwächere Wahlbeteiligung zur Folge als bei der Wahl am 15. November 1931. Sie Betrug diesmal etwa 78 Proz. gegen 82,4 Proz. bei der vor- , jährigen Landtagswahl, und gegenüber 86,2 Proz. bezw. 84,7 Proz. bei den beiden Präsidentschafts- Wahlgängen. Wie vorauszusehen war, brachte die Wahl auch diesmal wieder den Nationalso- z ial ist en nicht unerheblichen Stimmenzuwachs, besonders in der bäuerlichen Provinz Oberhessen. Bemerkenswert ist, daß in der hessischen Residenzstadt Darmstadt die Zahl der nationalsozialistischen Stimmen zurückging. Insgesamt erhielten die Nationalsozialisten in Hessen 44 Proz. der abgegebenen gültigen Stimmen gegenüber 37,1 Proz. am 15. Nov. 1931. Ihre Mandatszahl erhöhte sich von 27 auf 32. Günstig haben im Wahlkampf auch die Sozialdemokraten ab- gefchnitten, die einen Stimmenzuwachs von rund 4500 Stimmen zu verzeichnen haben. Die ^ahl khrer Abgeordneten erhöht fich infolge der feststehenden Mandatszahl und der geringen Wahlbeteiligung von 15 auf 17. Der Anteil an den insgesamt abgegebenen Stimmen stieg von 21,4 Proz. auf 23,1 Proz. Starke Einbußen haben ote Kommunist en erlitten. Sie verloren von ihren 10 Mandaten 3. Ihr Anteil an den abgegebenen Stimmen ging von 13,6 Proz. auf 11,0 Prozent zurück. Da die mit der S. A. P. zusammengehende kommunistische Opposition bei gleichzeitig starkem Stimmenverlust sich ihr bisheriges Mandat erhalten konnte, so haben die sozialistischen Parteien insgesamt jetzt 2 Sitze weniger als bisher (25 gegen 27). Einen leichten Stimmenrückgang, der auf die geringere Wahlbeteiligung zurückzuführen ist, hat auch das Zentrum erfahren, obwohl es feinen Anteil an den abgegebenen Stimmen von 14,3 Proz. auf 14,6 Proz. gegenüber der vorjährigen Wahl erhöhte. Die M a n d a t s z a h l des Z e nt r u m s b l e i b t mit 10 unverändert. Die Deutschnationa- ken konnten etwa ihre Stimmenzahl in der letzten Wahl behaupten. Sie ziehen wiederum mit einem Kandidaten in den Landtag ein. Eine vernichtende Niederlage hat die fogenannte I „nationale Einheitsliste" erlitten, in der Deutsche Volkspartei, Staatspartei, Landvolk, Christlich-sozialer Volksdienst, Wiltschaftspartei und Volksrechtspartei zusammengeschlossen waren. Die genannten Parteien verloren zusammen fast 2/s ihrer Wähler und konnten von chren beim letzten Wahlkampf getrennt errungenen 5 Mandaten, nur 2 betten. Ihre Stimmenzahl ging pon 187112 oder 25,1 Proz. der abgegebenen Stimmen int Jahre 1930 und von 68 208 oder 8,7 Proz. im Jahre 1931 auf 25175 oder 3,4 Proz. zurück. Die hessischen Wahlen haben also wiederum gezeigt, daß die bürgerlichen Mittelparteien mit Ausnahme des Zentrums den Abmarsch ihrer Wähler zu den Nationalsozialisten nicht aufhalten konnten. Die genannten Parteien haben gegenüber den Wahlen von November 1931 nicht weniger als 43 000 Stimmen eingebüßt.
Trotz eines Stimmenzuwachses von 37 000 bet den Nationalsozialisten, ist es der Rechten auch diesmal nicht gelungen, die absolute Mehrheit im Landtag zu erreichen. Von den 70 Mandaten des Hessischen Landtagsparlaments fallen den Nationalfozialisten 32 zu, gegen bisher 27. Wenn man außer dem deutschnationalen Mandat noch die beiden Mandate der Nationalen Einheitsliste hinzurechnen wollte, so erhielte yan für eine eventuelle Rechtsregierung erst 3o Sitze, während 36 Sitze nötig sind, um eine Mehrheit zu bilden. Dabei ist aber die Haltung ber beiden Vertreter der „Nationalen Einheitsliste" einer Rechtskoalition gegenüber sehr zweifelhaft, zumal der zweite Vertreter dieser Liste, der Abgeordnete Glaser, sich während des Wahlkampfes sehr scharf gegen ein Zusammengehen mit den Nationalfozialisten ausgesprochen hat.
Es bleibt also auch weiterhin als Tatsache be- stchen, daß man zur Bildung einer parlamentarischen Regierung auf das Zentrum angewiesen ist. Somit dürfte in Hessen wiederum die Frage einer Koalition mit dem Zentrum und Nationalsozialisten akut werden. Wie aber von maßgebenden hessischen Zentrumskreifen erklärt wird, wird sich an der bisherigen Haltung des Zentrums der N.S.D.A.P. gegenüber nichts ändern, d. h. allo, eine Regierungskoalition von den Nationalsozialisten bis zum Zentrum wird vorerst nicht in Frage kommen, so daß man weiterhin mit einer geschäftsführenden Regierung Adelung—Leuchner rechnen kann. Als Endergebnis der Hcffenwahl kann man also feststellen, daß sich an den bisherigen parlamentarischen Verhältnissen, abgesehen von einigen Verschiebungen, im Grunde nichts geändert hat.
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Die „Frankfurter Zeitung" schreibt zur Hessen- wahl u. a.: Ergibt sich aus dem Ergebnis der gestrigen hessischen Wahlen eine Vorschau auf die kommenden Reichstagswahlen? Das ist schwer zu sagen. Die Partei Hitlers wird einen neuen Fortschritt bejubeln, aber auch die Sozialdemokraten haben zugenommen, und das Zentrum hat seine Stellung gehalten. Die Sozialdemokraten dürfen ohne falschen Optimismus darauf rechnen, daß die Auswirkung ihrer Oppositionsstellung mit jeder neuen Woche der Regierung Papen, wenn es so fortgeht, wie bisher, sich verstärken wird. Gleichermaßen wird wohl auch das Zentrum damit rechnen daß die propagandistische Wirkung ' s e i n e r O p p o s i t i o n sich erst all- mählich ein stellt. Jedes Prophezeien auf den 31. Juli verbietet sich ja heute schon dadurch, daß in den Wochen bis dahin es voraussichtlich nicht an lebhaften und vielleicht tief eingreifenden
Die am Sonntag in Genf veranstaltete Besprechung zwischen den Vertretern Englands, Frankreichs und den Vereinigten Staaten zur Behandlung der A b r ü st u n g s f r a g e, die ursprünglich auf "17 Uhr angesetzt war, begann mit starker Verspätung, da Paul Boncour und de Iouvenel infolge der Entgleisung eines Güterzuges kurz vor Dijon gezwungen waren, den Schnell.zug zu verlassen und im Kraftwagen weiterzureifen. Die Besprechungen werden streng vertraulich behandelt. Die Tatsache, daß die deutsche Abrüstungsabordnunq zu diesen Besprechungen nicht zugezogen war, wird von französischer Seite damit begründet, daß zunächst eine Einigung zwischen den übrigen Mächten herbeigeführt werden soll. An den Besyreckmngen nahmen von englischer Seite Macdonald. Simon, Lord Londonderry und der Handelsminister Run- ciman teil, von französischer Seite Paul Bonconr. de Iouvenel und Massigli, von amerikanischer Seite Wilson, Senator Swanson und Normann Davis.
Die Besprechungen dauerten bis 21 Uhr. Ma^ donald und Simon begaben sich unmittelbar nach den Unterredungen nach Lausanne zurück.
Von französischer Seite wird mitgeteilt, daß in den Besprechungen eine Auseinandersetzung grundsätzlicher Art vermieden und eine T e. i llö - fung angestrebt worden sei. die fich aut den Beratungen der technischen Ausschüsse der Abrüstungskonferenz und den Abkvmmensentwurf des vorbereitenden Abrüstungsausschusses aufbaue.
Die Dreimächteunterredung am Sonntag soll auf unmittelbaren Wunsch Macdonalds zurückgehen, der die L ö s u n g der A b r ü st u n gs- frage mit allen Mitteln beschleunigen will. Die englische Regierung sieht das Abrüstungsproblem als ein Ganzes an, das nur gemeinsam gelöst werden könne. Von englischer Seite wird mitgeteilt, daß Macdonald und Simon nunmehr den Reichskanz- l e r und den Reichsaußenmini st er über diese Besprechungen unterrichten und mit ihnen gemeinsam die Abrüstungsfrage weiterbehandeln werden. Sollte sich in diesen Besprechungen der nächsten Wochen eine Uebereinftimmung "ergeben, so sollen neue Berhanblunoen im weiteren Rahmen unter Hinzuziehung der übrigen Mächte stattfinden und so dann die gesamten Fragen vor den Hauvtansskbutz der Abr'sit"ngskonferenz ge-
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