Einzelbild herunterladen
 

er

15. IUM.

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Ar. 136

Die Bezirksleitung.

T.

geistig zu überwinden.

auf diese Art der Führung doch

e n s

-ch.

deren . . .?

Adolf Schreiber.

will noch Kakao?

.Ja.

Er

ja, ich angelt

alte eine den noch

Städtchen, das uns so anheimelt. Wir besuchen Kirche, die alte Kunst birgt. Der Küster zeigt uns ältesten deutschen Kreuzweg, von dem aber nur drei Stationen vorhanden sind, die man im vo-

Sie es oder nicht?" fragen seine Augen, bin’s und bringe noch eine Kohorte mit.

pflichtigen „straffste Manneszucht" herrschen. Die Füh- rung steht — wen sollte das wundern? — verabschiede­ten Offizieren und Beamten zu, die die Disziplinargewalt haben. Wer ein Wort gegen den Arbeitsdienst sagt, wird streng bestraft, beim das Verbrechen der „ArbcitsdienÜ- lä't- rung" wirü von Hier! mit Gefängnis bedroht. (Man denke sich die Konsequenz aus: ein Arbeiter bemerkt, der Arbeitsdienst drücke die Löhne der Arbei­ter: er fliegt ins Loch, denn er hat den Arbeitsdienst „gelästert".) Sicher denkt der Oberst a. D. selbst gar nicht so schlimm; er mag ehrlich von der Güte seiner Vorschläge

überzeugt sein. Aber so viel wird jeder junge Deutsche, der aus der Geschichte gelernt hat und mit heißem Herzen und nüchterner Ueberlegung den Weg in die Zu­kunft unsere Volkes suchn möchte, sich klar machen können: Auf die von Oberst Hierl — und er hat nur ausgesprochen, was andere vielleicht weniger gutgläu­bige Herren berechnend oder gefühlsmäßig anstreben — vorgeschlagene Weise ist das deutsche Volk bald wieder der Willkür einer überheblichen Herrenkaste ausgeliefert. Statt vorwärts, gehen wir rückwärts und werden so nicht fähig gemacht, den Bolschewismus

Sache der Gestaltung, nicht eine Sache der Stimmung.

notwendig, als Bauwerks.

Politik ist eine

ollem beruhte Maß und Gesundheit ihres sozialen und politischen Lebens. Wir haben das Gefühl nicht mehr. Und zwar aus einem doppelten Grunde: jener Form­losigkeit, der sich überhaupt die natürlichen Gebun­denheiten verwischt haben — und: dem schlechten Gewissen der älteren Generation. Wenn sie jene Autorität, die, schlechthin unerschwinglich außer durch Aelterwerden, jene Autorität der Lebensmeisterschaft nicht mehr zu behaupten wagt, so ist es, weil etwas in i h r der Kritik der Jugend an dem gegen­wärtigen Lebenszuschnitt Recht gibt, weil sie, im Bewußtsein der Verschuldung, es ntfjt mehr wagt, eine höhere Einsicht zu beanspruchen. Der Trümmer­haufen der Kultur macht die Generation, über deren Lebenswerk er zusammenge- stürzt ist, unsicher als Führerin der Nach­kommenden.

Das ist verständlich. Aber es darf nicht dazu führen, die natürliche Begrenzung der Jugend zu verkennen. Gerade auch um der Jugend willen, der diese

„Einen besseren Tag hätten wir uns für die Fahrt nicht wünschen können," bemerkt einer und tritt mutig in

irren und fahren zu Tal und — Hurra, die Sonne kommt! Die ersten Strahlen tasten vorsichtig unsere nas­sen Kleider ab. Ich presse das Wasser aus meinem Mantel, damit er um so schneller in der Sonnenwärme trocknen kann. Jetzt erst zieht rechte Wandersreude bei uns ein, während sich in den Millionen Tropfen und Tröpflein an Bäumen und Gräsern die Sonne badet. Wir freuen uns auf den morgigen Tag. Und die an-

bestimmen als die älteren, daß sie „alles besser w e i h". So sieht es aber heute aus.

Ich möchte nicht dahin mißverstanden werden, als wollte ich eine Predigt über die verlorene „Ehrfurcht vor dem Alter" halten oder über die Verirrungen der Ju­gendbewegung. Ich will niemanden anklagen, am we­nigsten die Jugendbewegung. Ich will nur eine Begriffs­verwirrung feststellen, die darin liegt, daß man der Ju­gend, weil sie neue Impulse in sich trägt, weil sie „die Zukunft ist", vorzeitig Verantwortungen auferlegt, die sie nicht tragen kann. „Des Menschen Leben währet sieben- zig Jahre".

Zur Gestaltung des eigenen Lebens und erst recht der äußeren Welt kommt in dem auf dieses Maß ange­legten Rhythmus der Mensch nicht in den ersten zwei, ja auch nicht in den ersten drei Jahrzehnten. Dabei ist das Wort „Gestaltung" im strengen Sinne genommen: Form geb en, Ordnungenschaffen, Bleiben­des dem Strom der Stimmungen und Im­pulse entreißen, de festigen. 'Ganz abgesehen davon, daß die S a ch b e h e r r s ch u n g, die in unserer Zeit vielleicht am stärksten Voraussetzung aller politischen oder sozialen Schöpfung fein müßte, ein Stück Lebens­arbeit voraussetzt, daß die Schätzung für das Gewicht widerstreitender Kräfte Erfahrung fordert — ganz abge­sehen von diesen in der äußeren Welt liegenden Be­dingungen ist auch die natürliche, geistig-seelische Funk­tion des jungen Menschen nicht diese Art der geduldi­gen, umsichtigen, nüchternen, realistischen Arbeit, die der Bau gesellschaftlicher Ordnungen erfordert. Er füllt sich mit der Idee, und soll es, soll es tief und hingebend, ge­rade damit ihn die Periode der Lebensmeisterschaft nicht schwunglos findet. Vorzeitige Verantwortung bringt entweder vorzeitige, altkluge und darum sterile Bindung an die Wirkung s- weise einer höheren Altersstufe ober um- gekehrt: Unzulänglichkeit, Pfuschertum, Inangriffnahme von Fragen der Gestal­tung als Fragen bloßer seelischer Stel­lungnahme und Stimmung.

Es hängt mit der Formlosigkeit der Zeit zusammen, daß ihr das Gefühl für die Formen jugendlichen und rei­fen Lebens verloren gegangen ist — jenes Gefühl, bas z. B. im Wilhelm Meister so sicher unb beruhigt ben Altersaufbau ber Gesellschaft in ber Verschiebenheit sei­ner Funktionen überschaut. Die Antike wußte, wozu sie ihre Jünglinge unb wozu sie ihre Männer unb Greise zu brauchen hatte unb verwechselte das nicht. Darin vor

Unserer Leiber starke Regung Quillt in frühlingsfrischem Mut, Treibt in flutenber Bewegung Kraft unb Wille, Geist unb Blut.

Die gebänbigten Gewalten

Siegen im umgrenzten Feld. Kampfgestählte Kraftgestalten, Vor euch liegt die neue Welt.

Heinrich Lersch in der „Werkjugend".

fahre zum Schulgebäude. Die Türen stehen weit offen, der Lehrer kann also nicht in Ferien fein. Ich bringe ein, ba ich nicht gleich eine Klingel finden kann, unb stehe plötzlich vor ber Frau Lehrer, bie vor Erstaunen nicht gleich zu Worten kommt. Ihr Mann sei gerade in die Messe gegangen. „Dann gehen wir auch erst hin, wir kommen dann wieder hierher." Ich rufe die anderen, die auf der Straße indessen gewartet haben. Der Prie­ster reicht grabe Anbächtigen bie hl. Kommunion, als wir auf ber niebrigen Empore ber kleinen Dorfkapelle erscheinen. Der Lehrer lugt nach hinten zur Tür hin unb reißt vor Staunen Munb unb Augen auf. „Sinb

Der Wille allein bebeutet in ihr nicht s, wenn er sich nicht mit ber Staats tun ft oerbinbet. Heute wirb Poli­tik als Stimmungssache erfaßt. Das erklärt sich aus ber Erregung ber Bevölkerung, den Hemmungen, bie jeber gestaltenden Tätigkeit sich heute entgegentürmen, der Er­schlaffung der Tatkraft, die es bewirkt, daß man sich in die Gefühle flüchtet. Die Masse — ohne Unterschied der Parteien — bewundert die starke Gebärde, die dieser oder jener Leidenschaft genug tut und mißversteht sie als „Tat". Das ist die Verfassung des politischen Geistes, die zum Mißbrauch der Jugend führt. Und Miß­brauch der Jugend nenne ich nicht nur ihre vorzeitige Anwerbung für die Politik, sondern auch — und noch mehr! — bie Art, w i e ihr Feuer als Mittel zum Zweck gebraucht wirb.

Der ältere Politiker sieht in ihr eine ber Kräfte, die sich benutzen lassen und wendet — ohne pädagogische Verantwortung! — alle Mittel an, die sie seinem Zweck dienstbar machen. Er schmeichelt der Jugend, statt sie zu führen; er treibt genau das, was man im Handwerk „L e h r l i n g s z ü ch t e r e i" nennt, junge Kräfte sich zu Hilfen dressieren, statt aus ihnen etwas zu machen. Er bäckt sich das tägliche Brot aus dem Korn ihrer raschen Begeisterung, ihrer stimmungshaften Be­trachtungsweise, ihres Idealismus, statt es als Saat­gut zu schonen. Er bildet die Kunst jener tiel illoya­len Führung aus, die Menschen um den billigsten Preis a n s i ch bindet, statt sie — nach dem schönen Gleichnis, das Tolstoi einmal gebraucht — dem Strom zuzuleiten, der Führer und Geführte trägt, dem Strom der Wahr­heit, der vom Menschlichen befreiten und gereinigten Idee.

Und die Jugend fällt ja — trotz aller Kritikbereitschaft unb alles Mißtrau-

rigen Jahre in bie Hintermauer eingelassen hat, um sie • vor Verwitterung zu schützen. Wieviel Sehenswürdig­keiten birgt doch so ein kleines Städtchen? Alte Fach­werkhäuser, das Rathaus, das schwarze Kreuz, das bei dem Kirchenbrand unversehrt blieb und nur ganz verrußt aussieht. . . Die Jugendherberge ist schwer zu finden; aber noch schwerer können wir uns mit dem traurigen Innern abfinden. „Nein, hier bleiben wir nicht! Wir fahren los." Indessen trommelt ein heftiger Regenguß hart auf das Wellblechdach. Wir lassen uns nicht be­

unabhängige, zukunftsgläubige Deutsche zu ma­chen.

Man soll in den Kreisen, die der jetzigen Regierung nahe stehen, die merkwürdigsten Pläne erwögen. D i e S. A. Hitlers soll eine Art Miliz neben der Reichs­wehr werden. Die A r b e i t s d i e n st p f l i ch t ist als eine Art Vorschule für bie S. A. unb Reichswehr ge­bucht. Auf biefe Weise ist es ben Herren, bie sich einbil- ben, zum Befehlen geboren zu fein, ein Leichtes, bas beutfdje Volk roieber richtig einzubrillen. Wehe, wer bann nicht in Reih' unb Glied steht; wehe, wer bann noch wagt, einen felbftänbigen Gedanken zu haben ober sogar zu äußern. Der Mensch, d. h. bas mit Denkvermögen unb Urteilskraft ausgestattete Geschöpf fängt nach Mei­nung der „Herren" doch erst beim — früher sagte man — Offizier an.

Daß bie Entwicklung in biefe Richtung getrieben «er­ben soll, ist jebem klar, ber bie Geschehnisse ber letzten Zeit etwas zu burchschauen versucht unb sich nicht durch bie Phrasen ber Nationalsozialisten über ben Sinn ber sogenannten „Zeitenwenbe" täuschen läßt. Nur ein Beleg für unsere Meinung. Dor einiger Zeit — Brüning war noch Kanzler — tagte in Berlin bie „Reichsgemeinschaft für beutfdje Arbeitsdienstpflicht", kurz „R a d a" genannt. Der erste Rada-Redner war Oberst a. D. Hier l-Mün- chen, unseres Wissens Reichstagsabgeordneter und Reichs- organisationsleiter II ber Nationalsozialistischen „Arbei- ter"-Partei. Er forberte bie Einführung eines obligatori­schen Arbeitsbienstes. Zwei Jahre soll jeber junge Deut­sche bienen. Das wäre an unb für sich gar nicht so schlimm unb mürbe auch von uns vertreten, wenn wir nicht wüßten, wo bie Herren ihrer ganzen Veranlagun­gen nach hinaus wollen. Der Unterschieb gegen bie Militärbienstpslicht ber Vorkriegszeit ist nur, daß bei dem Arbeitsdienst vor allem auch Hacke und Schippe ge- braucht werden. Im übrigen ist es wie in der guten alten Zeit. Oberst a. D. Hier! empfiehlt sogar bie „Einfüh­rung einer fleibfamen Arbeitsuniform". Selbstverständlich muh in dem Heer der Arbeitsdienst-

schwache, unsichere, aufgeriebene Generation der großen Katastrophe nun das Werk überläßt, das trotz allem und trotz allem nun einmal nur von Männern und Frauen, nicht von Jünglingen unb Mädchen aufgebaut werden kann. Nirgend ist so viel Behutsamkeit und Vorsicht bei der Restauration eines zerstörten

Politische Morde aus jugendlichem Fanatismus. Der Mord an Rathenau und Erzberger war eine Tat von jugendlichem Fanatismus. Die Münchener Räte­revolution wurde im wesentlichen von ganz jungen Men­schen gemacht. Im mitteldeutschen Aufruhr waren junge Burschen bie Anführer. Alle politischen Verrücktheiten ber letzten Jahre sinb unter stärkster Beteiligung ber Ju­gend gemacht.

Schuld aber haben bie Alten. Unb zwar eine hoppelte Schulb: erstens ber Feigheit unb zwei­tens bes Mißdrauchs ihrer Macht.

Iebe Mutter weiß, baß ein Mensch von zwanzig Jah­ren eben — jung ist. Er kann unter Umstiinben sehr viel klüger sein als seine Eltern, aber seine Klugheit ist sozusagen noch nicht gebrauchsreif. Unb die Feigheit ber älteren Generation liegt darin, daß sie dies sehr gut weiß, aber nicht mehr bie Konsequen­zen baraus zu ziehen wagt.

In jeder jungen Generation tritt etwas 51 e u e s in bie Welt. Irgenbwie wächst in ihr bas Leben weiter — über bie Elterngeneration hinaus. Diese Tatsache gibt ber Jugenb einen Anspruch auf ihr Anderssein. Der Erzieher hat ihn zu respektieren, — es würde ihm auch nichts helfen, wenn er es nicht täte. Kein Vater kann feinen Sohn so formen, als gehöre er feiner Generation an. So gewiß dieses Weiterwachsen ist, so sicher ist aber anderer­seits, daß es meist nur ein Weiterrücken der Entwicklung um ein kleines Stück, nicht aber eine vollkom­mene Umwandlung ist. Denn glücklicherweise reicht der Hauptbestand unserer Ideen, Werte, Erkenntnisse unb Grundsätze weiter als nur von einer Generation zur anderen. Es steckt in ihm Zeitloses, schlechthin Wahres, schlechthin Wertvolles, bas Reihen von Genera­tionen unb Jahrhunderte der Geschichte unerschüttert be­herrscht. Vielleicht ist das, was sich wandelt, gar nicht das Wesentlichste unb gar nicht so bedeut­sam im Verhältnis zu dem, was bleibt. Aber außerdem sind die aufeinander folgenden Zeiten, auch sofern sie sich voneinander abbeben, doch innerlich miteinander ver­bunden, auseinander hervorgegangen und darum einan­der nie bis zur Unvergleichbarkeit fern. Ebensowenig be­steht eine absolute Kluft des Nichtoerstehenkönnens zwi­schen den Generationen.

2tber wichtiger noch scheint mir bas andere: daß dies Vorrücken des Zeigers der Geschichte mit der neuen Ge­neration doch nicht bedeutet, daß sie mit zwanzig Jahren schon fähiger und berechtigter sei, Lebensordnungen zu

ist es wohl das gleiche Bild. Wir fahren heim!" Sie machen tatsächlich Ernst. Nur drei Mann sind mir noch.

Um nicht auch dieser Trübwetterstimmung zu verfal­len, setzen wir uns kurz entschlossen auf bie Räber unb fahren weiter; naß sinb wir ja boch schon. Im Walbe ruft ber Kuckuck; es klingt so höhnisch. Auf der Berges­höhe blicken wir noch einmal zurück auf das Städtchen, das im Nebel einen unfreundlichen Eindruck macht.

Lauschige Plätzchen in dem Walde, der sich der Straße entlang zieht! Heute laden sie nicht zum Ruhen ein, denn dicke Regentropfen fallen von den hellgrünen Bu­chen und Birken schwerfällig ins Gras. Eine mächtige Fichte soll uns etwas vor dem strömenden Regen schützen. Da stehen wir nun unb fingen uns Mut zu. „Trum, Trum, Trum, bie Lanbsknechte ziehn im Land herum." Um uns herum ist Wald, auf den des Himmels nasser Regen prasselt. Wenn wir wüßten, daß es morgen . . .? Aber so ein Regen hat auch feine Reize. Im Walde drinnen schlagen Finken, zirpen Meisen. Dazwischen wieder der höhnische Kuckucksruf.

Der Regen will nicht aufhören. Wir fahren schließ­lich weiter und kommen am späten Nachmittag in das

3ungfttmen-fiongtegaflo«en

des Dekanates Nenhos!

Am Feste der Heiligen Peter unb Paul findet in 71 e u h o f an der schönen Courbesgrotfe unser erstes B e- zirkstressen statt. Richtet euch darauf ein! Rüstet seht schon dafür vor! Nähere Anweisungen und Einla­dungen ergehen noch.

Da gehr's hinaus.

Die namhafte Nationalsozialisten die Arbeitsdienstpflicht sehen.

I Jn nationalsozialistischen Köpfen spukt bekanntlich ber Gedanke, daß alle jungen Deutschen gezwungen werben müßten, mindestens ein Jahr Arbeitsdienst zu leisten. Diese Arbeitsdienstpflicht unterscheidet sich grundsätz­lich von dem sog. „Freiwilligen Arbeitsdienst" Während beim Arbeitsdienst sich Arbeitslose freiwillig zusammenschliehen, um irgend eine nützliche Arbeit zu leisten, ist die Arbeitsdienstpflicht praktisch dasselbe wie die Militärdienstpflicht.

Natürlich schwärmt der Herrenklub, ber bie Herrschaft im Reich an sich gerissen hat, währenb bie Nationalsozia- lozialistische „Arbeiterpartei bei bem Anschlag auf bas Kabinett Brüning Schmiere stanb, ebenfalls sehr für bie Arbeitsbienstpflicht. Wir können verstehen, baß es „Herrenmenschen" sympathischer ist, die durch Staatsgewalt zu Arbeitstrupps zusammengestellten jun­gen Menschen da einzusetzen, wo es ihnen dienlich er­scheint, (vielleicht als billige Arbeitskräfte auf den Gü­tern des Ostens), statt aus ihnen z. B. durch planmäßige Inangriffnahme der O st s i e d l u n g s e l b st ä n d i g e,

sich gleich einen Organisten, vielleicht war ihm etwas bange geworden.

Nach der Messe schleift uns der Lehrer mit in sein Heim, hält Lobreden auf Land und Bewohner. Es ge­fällt ihm ausgezeichnet hier, weil er fand, was er suchte.

Trotz aller guten Wünsche hat sich ber Himmel hin­ter bidjtem Gewölk verborgen, unb Nebel riefelt her» »lieber, als wir uns von ber gaftfreunblidjen Lehrers­familie verabschieden. Unsere Rast am Berge droben wir etwas länger ausbebnen, benn es regnet sich ein. Dicke Nebelfchwaden umarmen bie Berge unb kriechen ins Tal binab. Zaghafte Stimmen sprechen vom Um« kebren, finden aber kein Gehör. So schnell wollen wir denn doch nicht unsere Fahrt abbrechen, auf die wir uns tagelang gefreut haben.

Der Regen läßt nach unb wir sausen zu Tal, ber glatte Asphalt glänzt unb hinter jebem Rab zieht ein Wasserbogen her. Manchmal müssen wir bremsen, weil uns ber Regen in bie Augen schlägt. Naß kommen wir in B. an, stellen in ber Schmiebe unter. Was ist zu tun? „Es bat keinen Zweck, in biefen Regen hinaus zu fahren, heute hört es ja doch nicht mehr auf unb morgen

Junge Menschen Seit* an Seite

Aus ben werkumbauten Höfen Grobstadtstraßen, dumpf und schwer, Aus dem Qualm der Feueröfen Tönt ein helles Schreiten her.

In das Groll'n der Eisenbahnen Klingt der helle Marschgesang, Hände recken hoch die Fahnen, Vorwärts geht's im straffen Gang.

Alle Straßen gehn ins Weite, Unsere Sehnsucht eilt voran. Junge Menschen Seit' an Seite Bauernjunge, Arbeitsmann.

Gottes Licht um Stirn unb Leiber, Weltwinb um bie ©lieber weht.

Seib nicht länger bumpfe Bleiber, Wenn ber Kampf ums Weltall geht!

Regenfahrt.

Ein starkes Rauschen in ben Bäumen weckt mich aus tiefem Schlafe. Dicke Regentropfen klopfen eintönig auf die Fensterbank. Gut, daß es noch dunkle Nacht ist, fo kann sich das Wetter bis zum Morgen vielleicht än­dern; wenn wir heute unsere Fahrt antreten wollen, bann können wir Regen nicht gebrauchen. Langsam hämmert es, unb mit ber Nacht stehlen sich auch bie fin­steren Regenwolken bavon. Es naht sich einer schlürfenb meinem Zimmer: „Halle, aufstehen!" „Danke, ich bin schon auf."

Pünktlich besteigt bie Gruppe bas Stahlroß unb fährt frohgemut in ben buftenben Morgen hinein.

Das Morgengetränk.

Eben hat Frieder, der Küchenbonze im Zeltlager, ba» erste flüssige Morgenfrühstück verzapft. Heiner und Bal­tes sitzen auf Baumstümpfen, fchlürfen mit spitzen Mäu­lern an bampfenben Schalen.

„Teufel, schmeckt ber Kaffee heute bitter!"

„Bist bu bei Tröste, bas ist doch Tee!"

„Es ist Kaffee!"

„Tee!"

„Dein Geschmack ist wohl auf Urlaub?"

„Was bu nicht sagst!"

„Das ist hoch ausgesprochener Saffeebuft!"

„Ach nee, bann hat wohl ber Tee neben einem Kaftesack gelegen?"

„Mensch, ich bin boch nicht mit Limonade aufgepäp­pelt worden."

„Und ich nicht mit Bier!"

„Also es ist Kaffee!"

„Nein, es ist Ceylon-Tee!"

„Wetten?" — „Ja!" — „Ich setze ein Stück Plock­wurst!" — „Und ich mein Taschenmesser."

Da schreit aus der Ferne der Oberküchenbonze: „Wer

die Pedalen, daß ihm warm wird in der kühlen, regen» gebadeten Morgenluft. Die anderen sausen hinterdrein, fliegen durch die Lindenallee und baffen bie Stabt immer weiter hinter sich zurück.

In den Dörfer», die mir durchqueren, ist es noch still, nur ber Hahnenschrei unb Hundegebell sinb zu hö- i ren. Einzelne Arbeiter, bie zur Stabt fahren, sehen ber ; Radfahrergruppe nach und suchen deren Beruf zu ent» | rätseln, scheinen dabei aber zu keinem befriedigenden I Ergebnis zu kommen.

Nach einer Stunde Fahrt zeigt ber Wegweiser nach f D. Hier wollen wir ben Lehrer überraschen. Er bat sich aus meiner Heimat fortgemacht, um hier bie ein- i flaffige Schule nach eigenem Denken zu leiten. Ich l kannte D. noch nicht, war selbst angenehm überrascht von bem schönen Fleckchen Erde, das Herr L. nun seine i Heimat nennen kann. „Wo ist benn hier bie Schule?" „Da brühen bas neue Haus" gibt ber Gefragte zurück unb menbet sich schnell wieder seiner Arbeit zu. Ich

Um den freiwilligen Arbeitsdienst.

Der Geschäftsführer des Reichsausfchuffes der deut­schen Jugendverbände, Hermann Maaß, legt soeben eine Denkschrift vor, in ber er eine Umwandlung des freiwilligen Arbeitsdienstes in einen „Reichsnotdien ft" anregt. Die Denkschrift erörtert einleitend Idee und gegenwärtigen Umfang des freiwilli­gen Arbeitsdienstes unb bie bisher bamit gemachten Er­fahrungen unb fetzt sich bann mit ben Forderungen aus­einander, die unter der Bezeichnung Arbeitsdienst- pflicht, „vaterländischer Sportdienst" oder allgemeine wehrsportliche Erziehung der Jugend bekannt geworden sind. Diesen sehr gefährlichen Vorschlägen gegenüber entwickelt Hermann Maaß Aufgabe unb Organisation eines „Reichsnotbienstes", ber in Erweiterung ber Grunblagen des freiwilligen Arbeitsdienstes bie stillge­legten geistigen, physischen unb moralischen Kräfte ber jungen Generation roieber beleben unb einsetzen soll. Maaß hofft, mit feinen Anregungen auch Wege zu neuen Produktionsmöglichkeiten aufzeigen zu können. Als For­men des Reichsnotdienftes unterscheidet die Denkschrift einen Vorbereitungs- unb einen Hauptbienst, ber roieber» um zwei Organisationsformen („Frontdienst" und „Be­reitschaftsdienst") aufweist.

Die Schlußabschnitte ber Denkschrift enthalten Vor­schläge für ben Ausbau ber Verwalutng und für bie

^Finanzierung bes Planes. Auch wenn bi e neueste Brpolitifdje Entwicklung (Sturz bes Kabinetts F Brüning) bie Zukunft bes freiwilligen Arbeitsbienstes ; roieber völlig fragwürdig erscheinen läßt, muß doch bie : Tatsache begrüßt werden, daß immer weitere Kreise der jungen Generation mit feftumriffenen Vorschlägen für die Ausgestaltung bes freiwilligen Arbeitsbienstes — ber in biefer Notzeit ihr ganz besonderes Anliegen ist und fein muß — hervortreten.

immer wieder herein. Sie ist gegen sie schlecht­hin nicht zu schützen, denn niemand kann sie sich selbst entreißen, eben ihrer Jugend, die auch vom trügeri­schen Schein des Großen gepackt werde» kann, ja oft von ihm leichter gerade in der Politik, in der bie wahrhaft furchtbare Tat meist ber ausbrucksvollen Gebärde entbehrt. Es gibt nichts Empörenderes unb Illoyaleres als biefe Art bes Iugenbfanges, ber trotzdem fo allgemein ist, daß die meisten ihn guten Glaubens betreiben.

Jugend und Politik (Politik im strengsten unb eigent­lichen Sinn ber Staatsgeftaltung) gehört nicht zusammen. Die Jugenb wird unb soll ihren politischen Idealismus haben. Sie wird unb soll ihre Forberungen an bie Po­litik stellen, soll für bas Geschick ihres Lanbes erglühen unb aus unerbittlicher Kritik am Bestehenden unb feu­rigen Glauben an bie Kraft zum Besseren ihre Wege suchen. Aber man soll sie nicht zu srüh mit Verant­wortung belasten. Daß bie ältere Generation — letzten Endes zur Verstärkung ihrer Macht — die Jugend in bie parteipolitische Aktivität hetzte, nicht mehr ben Mut sand, sie zu zügeln, statt sie aufzuhetzen, und sich mit ihrer Demagogie das edle Gut ber Opferbereit- schäft unterm Preise erftanb, bas ist bie Ursache ber Wirrungen, bie wir erlebt haben. Die Politik wirb un­reif unb billettantifdj, unb bie Jugend wird aus der natür­lichen, organischen Form ihres Seins gerissen, auf die sie zu allererst, vor allen anderen Zielen, an die man sie bindet, einen Anspruch hat.

ßueie Leßnau.

Jugend und polifit

Unpolitische Betrachtungen einer jungen Frau

। t t

।

)