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Es wird anders werden!
Gott, meine werd'
($f. ebb. 1—2.) Zu dir, o Herr, erheb' ich Seele, mein Gott, auf dich vertraue ich; des ich nicht erröten.
auch, daß fein Erlösungswerk ein Ringen um jede einzelne Menschenseele ist. So ringt er um den Selbstgerechten und den Sünder, um den Pharisäer und den Zöllner, auch um die, die noch in diesen Tagen leben. Er gießt nicht seinen göttlichen Zorn über die Heuchler aus, die ihre geheimen Sünden durch fromm« Aeußer- lichkeiten zudecken, nein er ringt auch um ihre Seelen, „denn im Himmel ist Freude über jeden Sünder, der Buße tut".
So ergeht Gottes Ruf auch an Dich und mich. Um unsere Seelen ringt Gott, daß sie sich lösen von der Eigenliebe, die all die eigenen Fehler so geschickt zu bemänteln weiß. Das möchte er von uns erreichen, daß wir so vor ihm stehen, wie wir wirklich sind, als arme kündige Menschen. Aber er möchte auch die andere Pharisäeruntugend in uns zum Absterben bringen, die ihm an uns ebenso wie an den Pharisäern verhaßt ist, das harte, lieb
lose und nur zu oft ungerechte Urteilen über die anderen Menschen.
Vielleicht aber verlangt Gott viel Größeres und Schwereres von uns. Vielleicht ringt er durch uns um eine andere Menschenseele, die durch unsere Glue, durch unsere helfende, führende Liebe zu ihm den Weg finden soll. Vielleicht ist es die Seele eines deiner Kinder, dessen Troß, dessen Lügenhaftigkeit dich nur immer zum Zorn reizt, daß du strafen mußt. Versuche es einmal nach dem Beispiel des Heilandes mit verstehender, verzeihender Liebe. Vielleicht auch ist es einer deiner Untergebenen, der durch deine Härte immer tiefer in feinen Troß, in feine Falschheit getrieben wird. Wer es auch immer sei, versuche einmal deine Erregung und Abneigung durch teilnehmende Liebe zu erseßen. Denn wie stände es um dich, wenn Gott nicht in verzeihender, nimmermüder,Liebe um deine Seele ringen würde?
Dritter Sonntag nach Pfingsten.
(Eingangslieb: Pf. 24, 16 u. 18.
Schau auf mich und erbarme dich meiner, Herr, denn einsam bin ich und arm. Sieh mich gebeugt und leidend, erlaß mir alle meine Sünden, mein
Epistel: 1 Petri 5, 6—11.
> Geliebteste! Beugt euch unter die starke Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur Zeit der Heimsuchung. All eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wachsam, denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlingen könne. Ihm widersteht standhaft im Glauben, wohl wissend, daß eure Brüder draußen in der Welt dasselbe zu leiden haben. Der Gott aller Gnaden ober, der uns zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat durch Christus Jesus, wird uns nach einer kurzen Zeit des Leidens vollenden stär-
uns abkommandiert wird zum Gebet, damit nach so und so vielen Rosenkränzen, Vaterunsern, Meß. ftipenbien, Prozessionen auf einmal der Morgen kommt, an dem wir im Schlaraffenland erwachen. Der großen Kinder, die so etwas glauben, gibt es viele. Es ist auch nicht so, als ob die erhoffte Wirkung eintreten würde, wenn wir nur in „ge. wattigen Kundgebungen", von denen die Presse berichtet, das Beten nach der Zahl der Teilnehmer nur so zu multiplizieren brauchten, um ein neues Paradies zu schaffen. Die dafür gebetet und gefastet hätten, wären ja dann die Dummen gegenüber denen, die mit Ruhe abgewartet hätten, daß ob des Betens der anderen ihnen vielleicht die gebratenen Tauben in den Mund fliegen.
Der Kreuzzug des büßenden Gebetes ist kein Zweckverband zu Ermöglichung erleichterter Lebensbedingungen. Diese Bewegung hat ihren Wert in sich, sofern sie eine (Erneuerung bedeutet. Nur Leben kann Leben, nur Liebe Liebe zeugen. Wenn dann Tausende und immer wieder Tausende Gläubige sich allerorten zusammenfinden zum Gebet und zur Buße, wenn sie als Brüder in un-
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Beilage zur Fuldaer Zeitung
ken und festigen. Ihm sei Ehre und Herrschaft ton Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Evangelium: Luk. 15, 1—10.
Er nimmt sich der Sünder an und ißt mit ihnen.
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Oer ringende Gott.
Betrachtung zum Sonntagsevangelium.
Hast du schon einmal nachgedacht, was alles in den wenigen Worten liegt: Dieser nimm't die Sünder auf? Es sind die Worte, mit denen di« Pharisäer und Schriftgelehrten die Schar der Zöllner und Sünder abtut, die zum Heiland hindrängt. Allein die große Verachtung, die in dem kleinen Wörtchen „d i e f e r" aufspringt, mit der sie den Herrn und Meister bezeichnen. Denn daß er sich mit Zöllnern und Sündern abgibt, ist für sie ein Beweis, daß er selbst nicht viel mehr ist als diese. Ueberhaupt Zöllner und Sünder, der Abschaum der Menschheit, wer möchte etwas mit ihnen zu tun haben? Ist es nicht, als ob man sich schon beschmutze, wenn man nur die gleiche Lust mit ihnen atmet. Und gar mit ihnen in ein Gespräch sich einlassen, ihre Fragen beachten, aus ihre Bitten achten, sie vielleicht sogar erhören. Das hieße ja sich selbst wegwerien.
Elattbst du, daß du und ich so kritiklos die Güte des Heilandes mitangesehen hätten? Daß wir geschwiegen hätten, wenn wir unter der Zuhörerschar des Heilandes gestanden hätten? Daß wir bei den Sündern gewesen wären, über die man hier so leicht den Stab bricht, der Gedanke ist uns doch wohl noch nicht gekommen. Denn wenn wir ganz ehrlich sind, rechn«, wir uns hier zu den Sündern, jetzt da wir leben? Finden wir nicht doch noch immer welche, die ou?I schlechter sind als wir? An deren Fehlern gemessen, unsere Untugenden und Schwächen verschwindend klein sind, so klein, daß es sich überhaupt nicht lohnt, von Fehlern oder gar Sünden zu sprechen. Da „ist es doch immer nicht so böse gemeint gewesen", oder ,chie andern haben uns so gereizt", daß wir gar nicht anders konnten, als ärgerlich zu werden und unserem Zorn in harten Worten Luft zu machen. Und gar die Fehler und Ungerechtigkeiten, die im Geheimen geschahen, die gehen doch überhaupt niemand etwas an. Die Hauptsache ist ja gerade, daß kein anderer darum weiß, daß unser Ansehen vor den Menschen dadurch nicht gelitten hat. Mit der Verantwortung vor unserem Gewissen werden wir dann schon fertig.
Du mußt mir zustimmen, daß das Bild des heutigen Evangeliums ein ganz alltägliches ist. Der Heiland in feiner göttlichen Allwissenheit wußte, daß die Zahl der Selbstgerechten nicht ausfterben wird, solange Menschen auf Erden leben. Er weiß
Ludwig Mathar.
Anläßlich seines 50. Geburtstages am 5. Juni.
Ludwig Mathar wurzelt als Dichter fest in seinem Heimatboden, dem rheinischen Venn an der Westgrenze des Reiches. Er ist verhältnismäßig spät der inneren Berufung zu künstlerischer Gestaltung gefolgt; im Schwabenalter, wie er selbst von sich erzählt. Im Gegensatz zu der Eilfertigkeit der Jungen, die sich kaum Zeit lassen, Gestalten und Gesichte ausreifen zu lassen, hat Mathar keineswegs den Ehrgeiz besessen, vorschnell nach dem Lorbeer zu greifen, er hat sich ehrlich und recht für einen Beruf, den des Philologen, entschieden und ihn bis vor einiger Zeit als Studienrat in Köln ausgeübt. Erst der Krieg, der den jungen Offizier aus den Pflichten des Alltags herausriß und in den Wirbel des großen Geschehens hineinzog, häufte Erlebnis um Erlebnis, bis die Fülle endlich zur Formung drängte. Auch dabei offenbarte Mathar die Gradlinigkeit seines dichterischen Wesens; er hielt sich bon schwärmend^. Ismen und literarischen Modeströmungen fern. Wofür er zum erstenmal die Feder ein« tauchte, war Monschau, war das Venn, war die Heimat. („Die Monschäuer". 2. Ausl. 580 Seiten. Eanzleinenband Mk. 6.50. Verlag I. Kösel und Fr. Pustet, München.) „Heimat ist alles," sagen die Monschäuer, des Dichters Landsleute. Im Chaos des Weltkrieges ist ihm der tief« Sinn dieses Spruches aufgegangen. Wenn er sich deshalb daran gemacht hat, in seinen ersten großen Prosawerken Monschau und die Monschäuer zu schildern, so tat er es nicht in der idyllfrohen Manier der Heimatschriftsteller, sondern er gab seinen Menschen Geist ihrer Vorväter, er sah Geschichte und Geschick der Landschaft vor sich, während er ihr ins Gesicht blickte. So lernte er die Heimat Und ihre Menschen ein zweites Mal kennen.
Es ist ein harter, wetterfester Stamm, der das un- lvirtliche Denn bewohnt, Leute, die nach dem eigenen Dolksmund erst am neunten Tag sehend werden, im dritten Jahr das Laufen lernen, dafür aber auch die Dummheiten der anderen durch ein siebenzölliges
Es gibt viele Leute, die „wollen, daß es anders wird". Ihnen fehlt zweierlei: Erstens beachten sie nicht, daß mit dem Wollen, wenn es erfolgreich fein soll, das Opfer notwendig verbunden fein muß, lind dann wissen sie auch gar nicht, wie es anders werden soll. Wir Katholiken wissen, daß es anders wird, von Stufe zu Stufe in dem Maße, wie es gelingt, das Reich Gottes auf dieser Erde zu verwirklichen. Daß wir in größter Not sind, sollten wir uns darum nicht immer wieder vorsagen lassen, ohne unseren Brüdern den Weg zum neuen Reich voranzugehen.
Wir halten das Ende des Fadens in der Hand, an dem wir aus dem Irrgarten unserer Zeit herausfinden können. Unser Heiliger Vater hat es in den zehn Jahren seiner Regierung immer wieder gesagt, und er wiederholt es jetzt mit aller Feierlichkeit in der neuen Enzyklika, daß nicht Menschenkraft uns retten tonn. Darum ruft er alle feine Kinder auf, am Herz-JesuFest zum euchari st ischen Heiland zu beten und zum Tische des Herrn zu gehen. Wir alle sollen beten für Volk und Vaterland, für die Kirche und den Papst, für die irrenden Brüder, für die Heiden und auch für die Feinde Christi. Alle sollen dann in der Herz-Jesu-Oktav durch persönliche Opfer undAlmoseir, durch Hebung der Geduld im Ertragen von Leid und Not die göttliche Barmherzigkeit bestürmen.
Der Heilige Vater setzt unentwegt fort, was er feit Jahren getan. Immer und immer wieder zeigt er den Völkern der Erde den einzigen Weg der Rettung durch den Kreuzzug des büßenden Gebetes. (Ergreifen sie die Hand nicht, die der Statthalter Christi ihnen entgegenftretft, dann sind sie verloren, Beugen sie aber ihre Knie, dann werden sie gerettet werden. Diese Verheißung hat der Heilige Vater nie so bestimmt ausgesprochen, wie diesem Mal: „Das göttliche Herz kann unmöglich unbewegt bleiben bei den Gebeten und Opfern seiner Kirche."
Wenn wir diese bestimmte Zusage vom Statt- hatter Christi erhalten, daß es anders werden wird, sobald wir nur seinen Mahnungen folgen, warum hören wir dann immer wieder auf die, die da rufen, daß es anders werden muß? Das Wort „Es muß anders werden!" hat eine nie gesehene parteipolitische Bewegung im verzweifelnden Deutschland hervorgebracht. Auch diese Bewegung wird ausgespielt haben, sobald sie an dem Punkte angelangt ist, wo es zu zeigen gilt, wie es anders werden kann. Unterdessen erfüllt sich langsam die Zeit, in der nach den Weisungen der Enzyklika Rerum novarum und Quadra- gefimo anno der ganze Menschheitskörper einer (Erneuerung von Grund auf unterworfen wird. Bereit sein, heißt da für die Katholiken alles.
Tannenbrett sehen. „Allerweltsschelme und We't'umm- let" nennt sie der Dichter, die, „kaum flügge geworden, dem Bändel der Mutter, dem Bakel des Schulmeisters entlaufen, mit Luchsaugen, Fuchsohren hinaus in die weite, bunte, lockende Welt ziehen. Waren sie früher, als der Meltruhm des weiland Tuchmacherstädtchens Monijoie, Monschau, der ,Bergau' noch erstrahlte bis nach Berlin, der Hauptstadt des alten Fritzen, der seine Schlachten in blauen und starken Monschäuer Monturen schlug, bis nach Kottbus in der Lausitz, bis nach Rußland und Polen, nach der Tuchstadt Lodz und Bjalystock, bis in den Harem des Großtürken, wo das ,Drap de Serail' farbenbunt die Schönen entzückte, auf allen Landstraßen von Monschau nach Petersburg und Konstantinopel, bis Antwerpen und Spanien als saugrobe, aber schalkhafte, welterfahrene Fuhrleute, als Kaufleute von Format, kurz: als Weltbummler mit festem kaufmännischem Zweck und Ziel, als Tuchkönige und Tilleugenspiegel allüberall zu ftn- den, so suchten sie später, als vor dem Glanze Aachens und Englands der Ruhm des ursoliden Monschäuer Tuches erbleichte, als Direktoren von Sparkassen, als Ordensbrüder und Siebte, als Bürgermeister und Oberlehrer, als Lumpenreisende und Ders'cherungs- beamte, als Prokuristen und Fabrikanten in der gastlichen Fremde ihren angesehenen Beruf, ihr bekömmliches Brot.
Ja, so ist es noch heute. In der ganzen Welt gibt'? Monschäuer. Und da proklamieren sie: Heimat ist alles? Ja, .lügen' tun sie wohl noch immer, daß sich die Balken biegen, daß die lieben Englein sich die Bäuchlein vor Lachen halten, diese Rimmerraster, diese Silier« weltsnarren. Und doch, es ist wie's Evangelium Wahr- Heimat ist diesen Weltbummlern alles. Je weiter sie wandern — das enge Tal, die verlorene Tuchmacherei stieß sie hinaus — um so heftiger sehnen sie sich heim, je eher, desto besser. Sie bleiben, weil sie heimkehrend denen zu Hause zeigen wollen, was sie für Kerle in der weiten, wilden Fremde geworden sind: Direktoren, Pr'oren, Siebte, Pfarrer, Lehrer, Prokuristen, Fabrikanten. Keiner sucht als Bettler, als Entgleister das alte Nest. Nein, ihr Ruhealter wollen sie
Programme allein werden es nicht tun; es muß Hand angelegt werden.
Beginnen wir also bei uns selbst, mit dem Werk des büßenden Gebetes! Es wird nichts helfen, wenn jetzt in den Zeitungen einiges über die neue Enzyklika geschrieben wird, wenn sich dann die Gelehrten ihrer bemächtigen und sie in gelehrten Zeitschriften begraben. Sondern der Ruf des Papstes: Bestürmt das liebende Herz des Erlösers! muß im katholischen Volke Leben wecken, damit es anders werde.
Es wird auch nichts helfen, wenn nun etwa Organisationen, und wären sie noch so machtvoll und umfassend, Entschließungen fassen, in denen der Papst ob feiner neuen Kundgebung gelobt wird. Der Ruf zum büßenden Gebete muß vielmehr im Herzen der Gläubigen klingen. Erst dann wird aus Einsicht Wollen und aus Begreifen opfernde Liebe. Die Organisation hat ihren Wert als Ausdruck des entschlossenen Wollens.
Gebet für den Bruder ist werktätige Liebe. Christentum ohne Liebe ist Lüge. Erst wenn wir alle d ie Not der Millionen arbeitsloser Brüder zur eigenen innersten Not gemacht haben, dann können wir richtig beten. Die Feinde des Christentums versuchen aus dem Kampf ums tägliche Brot einen Kampf gegen Gott zu machen. Die Geschöpfe sollen dem Schöpfer fluchen, dem sie zuschreiben, was nur ihre eigene Schuld ist. Blindwütig berennen sie das Bollwerk der Selbstsucht, den Kapitalismus, um an feine Stelle die Zwingburg ihres Egoismus aufzurichten.
Die aus dem Hunger noch Gold erwachsene W o l f g i e r der Menschen, ob sie nun K a - pitalismus oder Bolschewismus heißt, kann nie durch Gewalt, sondern nur durch Liebe überwunden werden. Die Menschen müssen es einsehen, daß die Lehre des Humanismus, daß sie selbst Herr ihrer Geschicke seien, eine Irrlehre ist. Christus steht im Anfang; wir wirken Leben gebend nur als feine Glieder. Nicht durch unser Wirken schaffen wir Christentum. Das wäre ein Christentum ohne Christus. Seit der Aufklärung waren wir oft im Begriffe, ein solches zu verkünden.
Fühlt ihr es nicht, meine Brüder, wie Christus heute durch die Welt geht, und daß er nach allen Seiten umfchaut, daß wir feine Hand ergreifen? Es ist eine wunderbare Tiefe christlichen Glaubens in der tätigen Liebe des Opfers, die mir die katholische Aktion nennen. Und nur das sollten wir Katholische Aktion nennen.
Freilich sagen so viele, auch unter uns Katholiken: „Was soll uns das Gebet? Hilf dir selbst, dann hilft d i r G o 11!" Wir sehen, wie weit wir mit dem Rezept gekommen sind. Ich weiß: Es wird nicht helfen, wenn eine Anzahl von n—sani mirmi im m ■miimiim
als Rentner, als Pensionierte in Monschau verleben, womöglich im eigenen Häuschen hoch oben an der Halde, wo man das alte Jülicher Schloß, die beiden Pfarrkirchen, die schlichte katholische von 1649, die stolze evangelische des Aachener Baumeisters Couven, das Rote Haus, diesen Prunkpalast der alten Fabrikanten aus zierlicher Rokokozeit, das malerische Gewirr absonderlicher Balkengiebel und Schieferdächer, die tau» sehende Rur, die zerklüfteten Wald- und Schieferberge, auch den Friedhof auf dem Berge, die „Plätt", ganz behaglich, die lange Pfeife im Munde, den Bierkrug auf dem Tisch, das Sonntagsblättchen in der Hand, von oben bis unten übersehen kann".
Aus diesem Boden sind auch die nun folgenden Werke entstanden, unter denen „Die ungleichen Zwillinge" (448 Seiten. Halbleinenband Mk. 4.50. Dünndruckausgabe in Seide Mk. 6.—. Verlag I. Kösel und Fr. Pustet, München) wiederum autobiographische Bedeutung haben. Mit dem großen historischen Roman „Unter der Geißel" (452 Seiten. 9.—12. Tausend, Ganzleinenband Mk. 5.80. Verlag I. Kösel und Fr. Pustet, München) wandte sich Mathar rheinabwärts, der Mosel zu. Das Trauerspiel eines Volkes heißt er sein Werk, in dem Land und Leute unter der Herrschaft Ludwig XIV. seufzen. Inmitten einer Welt aus Hatz und Knechtschaft predigen P. Martin von Kochern und die Heldin des Buches den Frieden und die Versöhnung. Der begeisterten Aufnahme, die das Werk in Deutschland fand, steht das Verbot der Interalliierten Rheinland-Kommission gegenüber, die eine Verbreitung im linksrheinischen Gebiet untersagte.
Nach einer längeren Auslandsreise, die den Dichter in das Land seiner Sehnsucht, Italien, führte, nach der Veröffentlichung eines Reisebuches und eines im Süden spielenden Romans ist Mathar mit dem Priesterroman „Herr Johannes" (447 Seiten. Volksausgabe Mk. 2.85. Verlag I. Kösel und Fr. Pustet, München) zu den wahren Quellen seines Künstlertums zurückgekehrt. Kein Geringerer als Franz Herwig schrieb zu diesem Meisterwerk der Menschengestaltung:
„Ueberragend im Mittelpunkt dieses Buches steht der alte Herr Johannes, Pastor im kleinen Denndorf
übersehbaren Scharen zum Tische des Herrn hintreten, dann bedeuten sie Leben und Liebe, nicht weil sie gezählt werden, sondern weil ihre Liebe gewogen wird. Solches Zusammenbeten und Zusammenbüßen, solche Liebesgemeinschaft ist von Demonstration so weit entfernt, wie das Aehren- feld von der sckxlfsenden Kraft der nahrungsspendenden Erde. Hnd doch muß das Aehrenseld da fein, und auch die Kundgebungen des katholischen Lebens müssen da sein. Aber nicht als Ziel und Zweck, sondern als Ausdruck des Seins. Christus ist; er kann nicht vordemonstriert werden.
Wird die katholische Welt es nun fertig bringen, in die Tat umzusetzen, was der Heilige Vater von ihr in her Herz-Jesu-Oktav erwartet? Angesichts der Verheißung, daß das göttliche Herz des Erlösers unmöglich bleiben, kann, sollt« kein Katholik zögern, dem Rufe zu folgen. Es hört sich allerdings nicht angenehm an, was der Heilige Vater verlangt: „Die Oktav soll für das ganze christliche Volk eine Oktav der Sühne und heiliger Trauer, Tage der Entsagung und des Fastens fein, wenn sie hört: „Die Armen und alle durch Mangel an Arbeit und Brot hart Geprüften mögen in Vußgesinnung die Entbehrungen aufopfern, die ihnen die Zeit und die sozial» Lage auferlegt haben." Aber mag die Welt die Achseln zucken! Katholiken, die der Kirche als lebendige Glieder angehören, werden verstehen, was der Heilige Vater von ihnen verlangt. Sie werden eine Bewegung schaffen, die lawinenartig anschwillt und die lebendig die überheblichie Menschenorganisation der in ihre Stücke zerfallenden, auf ihre eigene Kraft aufgebauten Gesellschaft mit neuem Leben erfüllt und wieder Organismus fein läßt.
Gott will es! So ruft das Papsttum wie- der, wie es in den Zeiten gerufen hat, als ein an» Ö»rer Feind von Osten her, der Halbmond, dem christlichen Abendlande mit Vernichtung drohte. Heute ist ein neuer, viel größerer Kreuzzug nötig, bei dem die Teilnehmer auch wieder unter der Devise „Gott will es" ihr ganzes (Eigen opfern für das Reich Gottes auf Erden. E s wird sich bald zeigen, ob die Katholiken die Mahnungen des Heiligen Vaters verstanden haben, und das Menschen, getriebe wiederum mit Sinn und In» halt zu erfüllen bereit sind. Ob diese Generation im Geiste des Stellvertreters Christi handelt, oder ob es die nächste tut; ob wir das Tal der Tränen zum größten Teil durchschritten haben, oder ob noch eine schlimmere, blutigere Zeit vor uns liegt, — das ist in unsere Hand gegeben. Ein Gedanke furchtbarer Verantwartung und jubelnder Opferbereitschaft zugleich! Die Generation, die ihn begreift und zu ihrem Lebensinhalt macht, darf sagen: Es ist anders geworden.
Joseph Kuckhoff.
Kalterscheidt, das Muster eines katholischen Pfarrers, das Übrigens kein Phantasiegebilde ist. sondern Wirklichkeit war. Alle Enttäuschungen, die die- ser Pastor erlebt, können ihn nicht entmutigen, son- dern verdoppeln nur sein liebevolles Mühen, das keine Vorwürfe kennt. Er ist unerschöpflich im Geben, sowohl seines Geldes und der übrigen Habe, als auch seiner geistlichen Güte: dieser katholische Priester wird in der Mathar'schen Darstellung ein lebendiges Vorbild, wie wir es in der Literatur noch nicht hatten. Das Buch hat etwas Mitreißendes und sehr Effekwolles, und überdies ist es in beispielhafter Weise katholisch und deutsch, denn es wird in diesem Roman auch unter leidenschaftlicher Anteilnahme des Verfassers die Abstimmungskomödie in Eupen und Malmedy geschildert, deren Erfolg den Belgiern erlaubte, die deutschen Landstriche ihrem Staat einzuverleiben. Gerade über diese Vorgänge ist die deutsche Oeffentlichkeit nur sehr mangel- hast unterrichtet."
Kalterscheidt, das in der Dichtung umbe- nannte Städtchen ist nicht weniger Heimat der Venn- bewohner als Monschau, in dem „Josef Carl Ludwig Mathar als Sohn eines lebensfrohen Vaters und einer starken, vennrauhen und doch gütigen Mutter, am 5. Juni 1882, just als die Fronleichnamsprozession vorüberzog, geboren wurde". Es ist ein weiter Weg von dem kleinen Schulknaben und seinen schlimmen Streichen am Rahmenberg bis zu dem ernsten, gütigen Fünfziger, der die Schwächen der Menschen so liebevoll zeichnet wie er ihre starken Seiten und Verdienste gebührend ins Licht zu rücken weiß. „Heimat ist alles!", sagen die Monschäuer. Die Gegenwart, in der das Reich in schwerstem Wirtschaftskampf an den Grenzen und im Innern steht, bestätigt den Spruch.
Möge es dem Dichter vergönnt sein, auch in seinem neuen Schaffensabschnitt, in den er nun eingetreten ist, dem deutschen Volk noch manches neue Werk der Feder zu schenken, in dem so viel an volkstümlicher Beseelung und Kraft beschlossen liegt wie in seinen bisher erschienenen Büchern!