WMMinner IQ W. (mit WM- Benage 15 W)
Amtliches Kreisblatt
Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda
Wb- 59
Donnerstag, 2. Juni 1932
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Auf dem Platz des wirklich der Herr
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Das „Berliner Tageblatt" meint, daß auf dem Wege, der jetzt beschritten werde, dem Wohl des Landes und Volkes auf die Dauer nicht gedient werden könne. Deshalb müsse man diesenigen, die fetzt die Zeit für einen Kurswechsel für geeignet hielten, bei ihrem Vorhaben unter sich lassen. Sie möchten sich mit denen, die ihnen das Experiment erlaubt hätten, in die Verantwortung teilen.
hätte der Reichskanzler diese Frage nicht gestellt, I so hätte man ihm daraus einen schweren Vorwurf machen müssen.
Und jetzt versteht man auch, wie es kam, daß die Arbeit des Herrn Reichskanzlers immer und immer wieder gestört wurde durch Indiskretionen über Dinge, die nur einem ganz engen, vertrauten Kreise bekannt sein konnten, die aber immer wieder aus den verschiedenartigsten Wegen und mit verteilten Rollen in die Oesfentlichkeit lanciert wurden. So wurde Schritt sür Schritt in letzter Zeit die Arbeit des Kanzlers gehemmt, und nicht nur das, sondern auch in der Achtung und Respektierung vor der Oesfentlichkeit nicht nur des Inlandes, sondern srivoler Weise auch des Auslandes, herabgesetzt.
Nun verlangen wir aber auch volle Klarheit, nun verlangen wir ganze Arbeit. Für das Zentrum kommt eine aktive Beteiligung an einer sogenannten „U e b e r g a n g s r e g i e r u n g", die nun tipn allen Seiten, die allmählich einiehen, was sie angerichtet haben, propagiert wird, u n - ter keinen Umständen in Frage.
Wir wollen wissen, was gespielt wird, und wir wollen, daß das, was gespielt werden soll, in aller Oesfentlichkeit sich vollzieht. Dann soll man auch sagen, was dieses sogenannte „Uebergangskabinett" eigentlich bezweckt, nämlich
Sozialdemokraten in Opposition
D.D.Z. Berlin, 1. 3uni. (Lig. Meld.) Rach dem Verlauf der sozialdemokralischen Fraklions- sitzung im Reichstag muß man, wie das Rachrich- lenbüro des V.D.Z. hört, damit rechnen, daß die sozialdemokratische Partei dem neuen Kabinett von Papen gegenüber die fdjärffte Opposition mit allen parlamentarischen Mitteln anwendet.
nehmen. Dann sollen eben diejenigen mit ihrer Verantwortung dafür eintreten, die dem Volle vorgeipiegelt haben, sie brauchten nur an di« Macht zu kommen, und dann würde es „a n d e rs werden!
Man errichte also kein „Uebergangskabinett", sondern eine Regierung, in der diejenigen Kräfte, die seit Jahr und Tag das Kabinett Brüning in seiner Arbeit behindert und durch eine bei- spiellose Hetz- und Wählarbeit schließlich zu Fall gebracht haben, auch offen die Verantwortung für das, was sie nun tun müssen, übernehmen. Aber da hat sich ja sofort gezeigt, daß die Rational- soziatisten auf eine diesbezügliche Frage des Reichspräsidenten eine Mitarbeit rm jetzigen Augenblick abgelehnt haben, daß sie gar nicht daran denken, ihre Kräfte zur Ue-berwindung der gegenwärtigen politischen, wirtschaftlichen und reparationspo'.iti'chen Notlage einzusetzen, daß sie die ganze Macht beanspruchen und zu diesem Zweck alle ihre Hoffnungen auf Neuwahlen setzen. Und es mag für den Harrn Reichspriäsi- deuten eine große Enttäuschung gewesen sein, eine derartige Antwort von nationalsozialistischar Seite erhalten zu haben.
Wir warten die Dinge ab. Aber wir sind nur dabei, wenn absolute und volle Klarheit g esch af fen wird.
von Popen auf.
angehöriger bereit findet, das Erbe Brünings anzutreten. Es scheint aber, daß die Hintermänner der Krise in der Berufung des Herrn von Papen einen besonders sch lauen Schach zug sehen in dem Irrwahn, sie könnten die Zentrumspartei damit binden. Die „Kasseler Post" freilich weiß zu melden, daß v. Papen aus der Zentrumspartei ausscheide.
Das Zentrum hat, so schreibt die „Kölnische Volkszeitung", der ganzen Entwicklung gegenüber eine abwartende Haltung eingenommen und wird die Politik jeder neuen Regierung mit der demokratischen Tugend des Mißtrauens überwachen. Es wird zu ganz besonderer Vorsicht gezwungen fein gegenüber der Politik der ungeahnten Möglichkeiten, die sich nunmehr zu eröffnen scheinen.
Allerdings ist es mehr als fraglich, ob die Bemühungen des Herrn von Papen mehr fein werden als "eine Phase in der Entwicklung. Es ist nicht ersichtlich, auf welche Kräfte der Kanzlerkandidat sein Kabinett stützen will. Die Parteivertreter, die vom Reichspräsidenten empfangen wurden, haben wohl sämtlich Hindenburg den Wunsch nach einer Endlösung der Krise, ausgesprochen.
. Was jetzt unternommen wird, ist nichts Halbes und nichts" Ganzes. Es ist eine Verlegenheitslösung er ft en Ranges, die weitere Verlegenheiten zwangsläufig mit sich bringen muß. Das Zentrum lehnt die verantwortliche Zeichnung für dieses Unternehmen ab.
Es heißt weiter, Herr von Papen würde General Schleicher als Wehrminister in fein Kabinett berufen. Das wäre nur ein logischer Vorgang, da hier gewisse innere Entwicklungen äußerlich dokumentiert würden.
Im ganzen bstibt nur zu sagen, daß von allen Ueberraschungen diese die größte und leider auch die peinlichste ist. Die neue Aera fängt wirklich gut an, wenn an Stelle der bisherigen Politik der staatsmännischen Ueberlegenheit eine Politik der Verlegenheit und Unzulänglichkeit gesetzt werden sollte.
den Fußschemel zu schasfen, auf dem der Nationalsozialismus zur Macht kommen kann. Und es ist die Pflicht derer, die die folgenschwere Krisis hervorgerufen haben, nun den Nationalsozialismus zur Verantwortlichkeit zu zwingen. Und wenn das nicht gelingt, dann haben, alle Intrigen, alle Manöver, alle Quertreibereien ihren Sinn und Zweck verfehlt. Und dann wird aber auch die Verantwortung auf diejenigen kommen, die, ohne zu wissen, was nachsolgt, ein derartiges Durcheinander verschuldet haben.
Wenn man schon weite Schichten des Volkes, auch solche, von denen man e s nicht für möglich halten sollte, daß sie den läppisch st en Phrasen und den wahnwitzig st en Versprechungen Gehör schenken, in einen Rausch von Hoffnungen und Erwartungen hineingehetzt hat, dann soll man auch jetzt denBeweis erbringen dafür, wie man diese Versprechungen zu erfüllen gedenkt.
Wir billigen es, daß Brüning unter solchen Verhältnissen ablehnte, die Verantwortung für die unvermeidlichen neuen Notmaßnahmen in wirtschaftlicher und finanzieller Beziehung zu über-
Der mit der Kabinettsbildung beauftragte Herr Franz von Papen, wurde im Jahre 1921 im Wahlkreis Westfalen-Nord in den Preußischen Landtag aewählt. 1932 wurde er nickt mehr ausgestellt. Er wurde am 29. Okt. 1879 in Werl in Westfalen geboren und hatte ursprünglich die Offizierslaufbahn eingeschlagen. Während des Krieges war er Militärattachee bei der deutschen Botschaft in Washington. Nach seiner Abberufung von diesem Posten wurde er Oberstleutnant und Generalstabschef der 4. Türkischen Armee. Er ist Aufiichtsratsvorsitzender der „Germania" und außerdem Dorstiand zahlreicher landwirtschaftlicher Berufsorganisationen, sowie Mitglied des Deustch- Französilchen Studienkomitees.
Als Persönlichkeiten, die in erster Linie für das Kabinett von Papen in Frage kommen, werden genannt: Inneres: Freiherr von Gayl oder von der Osten; Auswärtiges: Botschafter von Neurath; Reichswehr: General von
gebende Instanz sich am Mittwoch mit Der neuen Laae beschäftigen wird. Sicher ist jedenfalls, daß der" Reichspräsident mit der Betrauung des Herrn von Papen nicht im entferntesten daran denkt, das Zentrum gegen das neue Kabinett voreinzuneh- men, sondern gerade die Absicht hat, auf diele Weise Brücken "zu schlagen, die schließlich auch, wenn auch nicht sofort, dem Zentrum die Annäherung an das neue Kabinett ermöglichen.
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Der „Vorwärts" sagt, dies Kabinett mit diesen Männern und diesen Tendenzen nenne sich nationales Konzentrations-Kabinett. Was hier konzentriert werde, sei nicht dis Nation, es seien vielmehr konservativ-reaktionäre Kräfte. Es seien kleine, aber mäcktige Gruppeninteressen, deren Ueberwiegen eine Gefahr für die Interessen des Volkes und feiner Wirtschaft bedeutet. Hier werde konzentriert der Wille zum Abbau der Sozialpolitik und mehr als das.
Aach dem Sprung ins Dunkle. „Nationales Konzentrations-Kabinett" als Aeberganaskabinett? Oder sofortige Heranziehung der Nationalsozialisten zur Verantwortung? — Reichstagswahlen in nächster Zeit oder erst im Herbst? — Hindenburgs Kanzler-Ersatz von Papen bemüht sich um Brünings Mitarbeit.
Papen bei Brüning.
V. D. Z- Berlin, 1. Juni. (Eig. Meld.) Der mit der Neubildung des Kabinetts beauftragte Herr von Popen hatte am Mittwochvormittag, wie das Nachrichtenbüro des V.D.Z. hört, eine Besprechung mit dem Reichskanzler Dr. Brüning. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß er Herrn Dr. Brüning die UebernahmedesPostens des Außenministers anbieten wollte.
Sckleicker; Wirtschaft: der frühere Reichswirtschaftsminister Warmbold; Arbeit: Dr. Goerdeler; Ernährung: Freiherr von Lüningk; Justiz: Reichsminister Joel; Post: Reichsminister Schätze!; Finanzen und Verkehr: steht noch nicht fest.
v. Paven und das Zentrum.
Von offiziöser Stelle wird folgende Notiz lanciert:
In politischen Kreisen ist auch schon vorher nicht unbekannt geblieben, daß das Zentrum einer Kandidatur von Papen keineswegs zustimmend gegenüberstand. Unter diesen Umständen ist wohl onzu- nehmen, daß von Popen sich zunächst formell von seiner Fraktion lösen wird, äbnlich wie ja auch Dr. Goerdler seinerzeit aus der DNVP ausgetreten ist, als er sich dem Rufe des Reichspräsidenten in das Amt des Preissenkungskommifsars nicht entziehen zu können glaubte. Die Entscheiduna darüber liegt aber naturgemäß heim Zentrum selbst, dessen maß-
Reichskanzler Dr. Brüning stattete dem Diplomatischen Korps seine Abschieds- b e s u ch e ab.
Auf der Suche nach Ministern.
Staatsrat Schaeffer in Berlin.
CNB. München, 1. Juni.. (Eig. Meld.). Staats- rat Schaeffer, der Leiter des bayerischen Finanz- Ministeriums, ist, wie die „Münchener Zeitung" meldet, am Mittwoch früh in Berlin eingetrof- fen. Er hat sich nach Rückfragen im Bayerischen Landtag bereits nach 9 Uhr in den Reichstag begeben, um mit der Fraktion der Bayerischen Volks- Partei und auch mit dem Zentrum Fühlung zu nehmen. In Berliner politischen Kreisen, so schreibt das Blatt weiter, vermutet man, daß Staatsrat Schaeffer für einen Ministerposten der neuen Reichsrcgierung, wohl als Iustizminister, vorgesehen sei. Es könne sich hierbei aber nur um Kombmationen handeln, denn Staatsrat Schaeffer selbst sei von solchen Absichten nichts bekannt. Auch Reichspostminister D r. Schaetzel sei in der veröffentlichen Ministerliste des Kabinetts von Papen ohne sein Wissen und ohne sei- n en Willen aufgeführt worden. Es hange erst von den Entschließungen der Bayerischen Volksp-artei ad, ob diese überhaupt an dem neuen Reichs!a b inett sich beteiligen werde
Von der Abrüstungs-Konferenz.
wtb. Genf, 1. Juni. (Eig. Meldg.). Der Zusammentritt des Hauptausschusses der Abrüstungskonferenz ist für den 10. Juni vorgesehen.
..Kanzler stürzen ist nicht schwer
Es ist aber offenbar für die Kanzler-Stürzer fast unmöglich, das Kabinett Brüning durch eine Reichs-Regierung zu ersetzen, die in der Lage ist, in diesen schwierigen Zetten Deutschland zu Staalsmannes Brünin^ raucht
Als wir gestern das Gerücht verzeichneten, jener isolierte Eigenbrödler aus dem katholischen Adel v. Papen werde als Nachfolger Brünings genannt, sprachen wir von einem verspäteten Aprilscherz. Auch in anderen Kreisen, die v. Papens Qualitäten kennen, hat man an einen schlechten Scherz gedacht. Aber die Sache ist bitterer Ernst. Die Leute, die Brünings Kabinett gestürzt haben, diese ostelbischen Rechtskreise, die von Illusionen und gesellschaftlichen Vorurteilen ihr Dasein fristen und der gefährlichsten Illusion ergeben sind, die N a- tionalsozialisten seien Truppen der deut- chen Rechten (während sie in sozialer und wirt- chaftlicher Hinsicht weiter links stehen als die Sozialdemokraten), haben keinen besseren Vorschlag, als den im In- und Ausland hochgeschätzten deutschen Staatsmann Dr. Heinrich Brüning durch den Herrn v. Papen abzulösen, der eigentlich seit der Affäre, die ihm als deutschem Militär-Attachee in Washington während des Krieges zustieß, nur genannt wurde, wenn es. sich um den Aktienbesitz der „Germania" handelte. Wobei man immer erfreut eftftellen konnte, daß Papens Aktienanteil zwar ehr erheblich, aber fein Einfluß auf die geistige Haltung der Schriftleiter der „Germania" sehr gering mar. Zum Vorteil für das katholische Deutschland!
Also Herr v. Papen soll, aus lauter Verlegenheit heraus, ein Kabinett bilden, das die schwierige Aufgabe, die Brüning und seine Mitarbeiter bisher unter unsäglichen Mühen meisterte, lösen soll. Es ist selbstverständlich, daß Herr von Papen nickt im Einverständnis oder gar im Auftrage der Leitung der Zentrumspartei handelt. In der Politik gibt es gewiß keine Sentimentalitäten, aber nack der Behandlung, die Brüning erfahre« hat, und nach dm Aufgaben, die der neuen Regierung zugewiesen werden sollen, hätte f ü r jeden Zentrumsmann die Antwort auf hie Frage, ob er die Neubildung der Regierung übernehmen wolle, in einem einfachen und unzweideutigen Nein bestehen müssen. In der Zentrumswählerschaft wird man kein Verständnis dafür aufbringen, daß sich ein Partei-
Erscheim sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- .. leitunq 3153 Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::
Bolle Klarheit!
Das Gebot der Stunde ist: eine absolut zwei- lelsfreie Klärung der Situation, damit volle Klarheit über den politischen Kurs der nächsten Zeit zu schaffen.
. Das war die Linie Brünings, hinter der nicht flUrin lückenloser Geschlossenheit die gesamte deutsche Zentrumspartei, sondern über ihre Grenzen hinaus große Schichten des deutschen Volkes aus allen Ständen und Lagern stehen.
Weil diese volle Klarheit nicht herbeigesührt werden konnte, — darum hat Reichskanzler Drü- jting verzichtet. Und er tat recht daran.
• Das hätte einigen Kreisen, die sich als unbe- plsene Berater an den Herrn Reichspräsidenten herangedrängt, die ihn auch zur Reise nach Ostpreußen veranlaßt haben, um ihn dort in eine bestimmte „Atmosphäre" zu bringen, in der ihnen das Arbeiten im Halbdunkel möglich wurde, — das hätte diesen Kreisen wohl so gepaßt, daß Krüning gerade noch gut genug gewesen wäre, „ach all dem, was er an unpopulären Maßnahmen mutig aus sich genommen hatte, um innenpolitisch, innerwirtschaftlich feste Verhältnisse zu, schaffen, nun auch noch außenpolitisch die letzten Hemmnisse für diejenigen aus dem Wege geschafft hätte, die über seine politische Leiche hinweg ihre Macht etablieren wollten!
Denn so war der Plan ausgeheckt: Brüning Md das Kabinett sollten durchaus nicht im gegenwärtigen Augenblick den Schauplatz ihrer Tätigkeit verlassen.
Sie sollten bleiben, sollten sich nur bereit finden, gewissen sehr kostspieligen und zu Lasten eines jeden deutschen Staatsbürgers gehenden Jnter- essentensorderungen des Großagrarier tum s und eines beftimmtein Teiles der Großindustrie in den als Notverordnung geplanten innerwirtschaftlichen und finanzpolitischen Maßnahmen entgegenzukommen, andererseits aber doch noch die Last der Verantwortung für Lausanne auf sich zu nehmen.
Dann, da man ja von vornherein weiß, daß Lausanne nicht zu einem Ergebnis führen kann, wie es gewisse Kreise fanatisch aufgehetzten Volksschichten vorgespiegelt haben, sollte dieses Kabinett als Prügelobjekt sich hergeben und in die Wüste geschickt werden.
Allen Ernstes hat man dieses Ansinnen an Brüning und das Kabinett gestellt: j Jetzt noch zu verbleiben, das Unangenehme innenpolitisch, innerwirtschaftlich und außenpolitisch auf sich zu nehmen und dann davongejagr zu werden!
Dieses mit den Lebensinteressen des Volkes frivol spielende Manöver ist an Brüning gescheitert, und eine spätere Geschichtsschreibung wird einmal seststellen, daß Brüning mit dieser Haltung dem ganzen deutschen Volke den größten Dienst erwiesen hat.
Denn nun muß wirklich polle.Klarheit geschaffen werden. Wir vom Zentrum denken gar nicht daran, uns an Halbheiten zu beteiligen. t
Der ganzen Welt ist vorgespiegelt worden, daß Brüning und das Kabinett nur zu gehen brauchten, und sofort stände fix und fertig hinter den Kulissen die neue Regierung da. Kein Wort davon ist wahr gewesen. Nichts ist übrig geblieben, als ein abstoßendes Spiel hinter den Kulissen und eine Fülle von Intrigen und Hinterhältigkeiten, hinter denen wiederum Wünsche und Interessen sich versteckten, die mit der Wahrnehmung des Allgemeinwohls des Volkes nicht im entferntesten mehr etwas zu tun hatten.
Mit Brüning ist nicht fair gespielt worden. Aber wohl glaubte man, an seine faire Gesinnung appellieren zu müssen, indem man ihm das Beispiel Macdonalds vorhielt. Die englischen Parteien haben Macdonald fair behandelt. Bei Brüning war das nicht der Fall.
Und wir müssen es mit aller Entschiedenheit ablehnen, daß an unsere nationale Gesinnung und nationale Opserbereitschast appelliert wird, nachdem wir vom Zentrum dreizehn Jahre lang, ost unter Opferung unserer eigenen Partei, nichts anderes getan haben, als daß wir unsere Kräfte einsetzten sür d ie gesamte Nation!
Diejenigen Berater, die den Herrn Reichspräsidenten auf die jetzige Bahn gedrängt haben, haben eine furchtbare Verantwortung vor dem ganzen Volke auf sich genommen, — und diese Berater sitzen in unmittelbare^ Umgebung des Herrn Reichspräsidenten. Sie sind krumme Wege gegangen, aber gescheitert an der Ehrlichkeit und'Ausrichtigkeit der Gesinnung des Kanzlers.
Für diesen Kanzler war es unerträglich, daß sich an seiner Seite mehr und mehr von Generälen, mit und ohne Uniform, eine Neben- tegierung austat, die mit Mitteln arbeitete, über die eines Tages noch in voller Oesfentlichkeit gesprochen werden muß. Es war ein unerhörter Dorgang, daß beispielsweise der Herr Reichskanzler über das, was der Herr Reichspräsident mit dem Staatssekretär Meißner besprochen hat, nicht durch diesen Staatssekretär, wie es auch dessen Pflicht ^wesen wäre, unmittelbar unterrichtet worden ist, wndern daß darüber zuerst eine Berliner sschtsstehende Zeitung in aller Au s - I? h r l i ch k e i t berichten konnte, so sind die Ausfassungen und Wünsche des Herrn Reichspräsidenten gar nicht einmal direkt zur Kenntnis des Henn Reichskanzlers und der Mitglieder des Kabinetts gekommen, sondern erst auf dem Um- toe9 über diese Zeitung.
Daß bei dieser Sachlage der Reichskanzler volle Klarheit darüber haben wollte, wer denn eigentlich regiert, versteht sich von selbst. Und