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Beilage zur Fuldaer Zeitung
Nr. 124
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Trutzlied.
Feiger Gedanken bängliches Schwanken, weibisches Zagen, ängstliches Klagen wendet kein Elend, macht dich nicht frei!
Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten, nimmer sich beugen, kräftig sich zeigen rufet die Arme der Götter herbei.
I. W. von Goethe.
Wir stehen zusammen!
Zusammenkunft der Führer der windthorstbünde im Gau Fulda. — Die Zungmannschoft des Fuldaer Landes hat ihre Aufgabe erkannt. — Segen die Mächte der Reaktion.
— Für die Zukunft der jungen Generation.
Am Sonntag vormittag kamen die Führer der im Gau Fulda bestehenden Windthorstbünde zu ihrem erst e n T r e s f e n in der „Harmonie" zu Fulda zusammen. Die Vertreter von 20 Windthorstbünden waren anwesend. Dazu waren noch eine ganze Anzahl Einzelsassen gekommen. Viele waren mit dem Fahrrad erschienen. Es zeugt für einen guten, opferfreudigen Geist, wenn Bundesbrüder aus der hohen Rhön mit dem Rad nach Fulda kommen. Solche junge Männer sind in der Lage, die Volksfront gegen den Radikalismus und die Reaktion zu bilden.
Mit einem Lied wurden die Beratungen eingeleitet. Zunächst besprach man eingehend die Möglichkeiten, aus den neu gegründeten Bünden feste Kameradschaften zu bilden, die im Kampfe eingesetzt werden können. Die politische Schulungsarbeit soll planmäßig durchgeführt werden, getreu der Erkenntnis, daß „W i s s e n die st ä r k st e Macht" ist. Jeder einzelne Windthorstbünd- ler muß sich so durchbilden, daß er in der Lage ist, in den bestehenden Vereinen und Verbänden für das Erstarken der jungkatholischen Front zu wirken. Einzelheiten werden durch Rundschreiben der Gauleitung bekannt gegeben werden.
Der Zusammenhalt unter den Bünden muß durch geeignete Veranstaltungen gehoben werden. Auch für den Herbst dieses Jahres ist ein Schulungskursus in Vorbereitung.
Größeren Raum nahm die Herausarbeitung der geistigen Grundlagen der Windthorstbundbewegung ein. Sie hat besonders in unserem Fuldaer Land die Aufgabe; die
jungen Katholiken zu aktiven Gliedern der Volksstont zu machen und in der Zentrumspartei auf ein stärkeres Eingehen auf die Forderungen der jungen Generation hinzuarbeiten. Das „B l a t t d e r I u g e n d" soll noch mehr als bisher dazu dienen, den Austausch der Ideen herbeizuführen. Die Windthorstbündler sehen es als ihre Aufgabe an, ihr katholisches Fuldaer Heimatland gegen den Radikalismus zu verteidigen und dar katholische Jungvolk so zu formieren, daß es im Kampf der Interessen und Weltanschauungen als Machtfaktor angesehen werden muß. Sie wollen eine Haltung der politischen Katholizismus, der sich nicht darauf beschränkt, die klaffenden Gegensätze notdürftig zu überbrücken, sondern zur echten Volksgemeinschaft, zum sozialen V o l k s st a a t führt. Sie sind sich darüber einig, daß dieses Ziel nicht durch schöne Worte, sondern nur durch harten Kamps erreicht wird.
Zum Schluß der Tagung wurden die Forderungen der Windthorstbünde zu den aktuellen politischen Fragen in einigen Leitsätzen zusammengefaßt, in denen von den Führern des Volkes höchstes Verantwortungsgefühl und hartes Durchgreifen verlangt wird. In Zeiten der äußersten Rot müssen auch die besser gestellten Kreise große Opfer bringen. Wenn eine weitere Kürzung der geringen Einkommen der breiten Massen nicht zu umgehen ist, so verlangt die junge Generation, die auf Jahre hinaus von jeder Aufstiegsmöglichkeit ausgeschlossen ist, daß der Staat an niemanden mehr höhere Gehälter als 400 Mark im Monat auszahlt. Wenn man nicht den Mut zu diesen Maßnahmen hat, treibt man die Millionen einem immer brutaleren Radikalismus zu.
Don den Behörden wird Ausbau des Freiwilligen Arbeitsdienstes verlangt. Die Ju> genoerbände muffen bei der Zusammenstellung der Arbeitsdienstpflichtigen von den Behördenstellen herangezogen werden. Leider suchen die Bürokraten diese aber möglichst auszuschalten. Das Ziel, das man mit dem Freiwilligen Arbeitsdienst verfolgte, wird auf diese Weise aber nicht erreicht.
Mit aller Schärfe wandte man sich gegen di« B e - strebungen der o st elbischen Großgrundbesitzer, di« Siedlung unmöglich zu machen. Was soll mit den Hunderttaufenden junger Menschen werden, die heute arbeitslos in unseren Dörfern herumstehen? Sollen sie geopfert werden, damit einige Hundert Großagrarier leben können, oder will man st« einmal mit Hilfe der „A r b e i t s d i e n st p f l i ch t" zu billigen Arbeitern der Ostelbier erniedrigen!
Schließlich wendet sich di« Entschließung an die Jungmannschaft des Fuldaer Landes mit der Bitte, auszuharren und zusammenzustehen, was auch kommen möge. Mit offenen Augen möge st« di« Vorgänge im öffentlichen Leben beobachten und sich vorbereiten, einmal aktiv und verantwortlich die Führung im Heimatland zu übernehmen.
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ann bekommt die Zugeud Lebensraum?
Von Friedrich Uhde.
Seit Anfang des Jahres wird die Erweiterung der Bestimmungen über den freiwilligen Arbeitsdienst schon von der Regierung in Aussicht gestellt. Die wiederholten Ankündigungen, daß die Reichsregierung entscheidende Maßnahmen erwäge, um der Berufsnot der jungen Generation zu steuern, haben allenthalben frisches Zutrauen und neu erwachenden Selbsthilfewillen geweckt. Das beweist, daß auch die heutige Jugend trotz aller Ausstchtslosigkeit einsatzfteudig ist, wenn man ihr nur die bescheidensten Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten gibt. Leider ist es bisher immer noch bei den Worten geblieben, unö mit ihnen ist der ausgesperrten Jugend nicht geholsen.
Wochen über Wschen sind inzwischen vergangen, ohne daß die amtlichen Stellen inzwischen die Möglichkeiten für sinnvollen Einsatz geschaffen haben. Ahnt man denn nicht, wieviel Vertrauen und arbeitsfamer Zukunftswille mit dieser Untätigkeit sinnlos zerstört wird? Mit welchem Recht empört man sich denn noch über den unreifen Radikalismus der jungen Menschen, denen man Hoffnungen macht und die man immer wieder enttäuscht? Woher sollen ihre Führer noch den Mut nehmen, sie weiter mit Versprechungen hinzuhal- ten? Womit soll man die ernsthafte Absicht der Behörden glaubhaft machen, nachdem Monat über Monat verstreicht, ohne daß etwas geschieht? Wird man sich wundern dürfen, wenn selbst diese Arbeitswilligen sich eines Tages zusammenrotten, Arbeit verlangen und
sich von der Polizei auseinander treiben lassen werden?
Wir zweifeln nicht daran, daß die den Ausbau des freiwilligen Arbeitsdienst vorsehende Notverordnung früher oder später doch einmal veröffentlicht werden wird. Aber aus dem, was über ihren Inhalt schon jetzt in di« Oefsentlichkeit gedrungen ist, können wir bereits mit aller Bestimmtheit schließen, daß auch ihre Zugeständnisse völlig unzulänglich sind und weit hinter dem Zurückbleiben, was die junge Generation mit allem Ernst fordern muß: daß der freiwillige Arbeitsdienst ein Recht aller jungen Arbeitslosen wird, aurch der stellungslosen Akademiker und der aus- gesperrten Schulentlassenen.
Wir müssen von den amtlichen Stellen verlangen, daß sie auf die Warnungen der verantwortungsbewußten Jugendführer hören und nun endlich rasch und durchgreifend handeln, damit nicht durch unzulängliche und bürokratische Maßnahmen ohne jedes Verständnis und jede Rücksicht auf die geistige Haltung und äußere Sage der jungen Generation der gesamte Gedanke des freiwilligen Arbeitsdienstes in Verruf gerät! Seit Jahren — schon lange vor Inkrafttreten des Gesetzes über die Einrichtung des freiwilligen Arbeitsdienstes — hat d i e hündische Jugend und haben die großen konfessionellen Verbände auf dem Gebiete der Arbeitslager und Umschulungslehrgänge für Arbeitslose wichtige Erfahrungen gesammelt, die für die Ausweitung des freiwilligen
Arbeitsdienstes nutzbar gemacht werden könnten. Es geht einfach nicht an, daß man an diesen Erkenntnissen und dem großen Crfahrungsgut der in diesen Arbeitslagern geschulten Führer vorübergeht, ja, ihnen von fetten der Bürokraten sogar noch Hemmnisse in den Weg legt.
Man erkundige sich einmal bei den Verbandsvertre- t«rn, die sich um die Auffindung von Arbeit«- Möglichkeiten für den Einsatz ihrer Mitglieder im freiroilligen Arbeitsdienst bemühen. In der Regel haben alle amtlichen Stellen die Noigung, möglichst alle Arbeit auf die Träger des Dien st es abzuwälzen, ja, möglichst noch die Gelegenheit zu benutzen, für den eigenen Etat neue Geldmittel bei den übergeordneten Dienststellen durch die Vorschläge für freiwillige Arbeitsdienstunternehmungen herauszuschlagen. Da ist es denn fein Wunder, wenn die Verwirklichung der Arbeitsprojekte sich monatelang hinzieht und am Ende sich schließlich als unmöglich herausstellt. Indessen aber warten die Dienstwilligen und reifen die Beauftragten der verschiedenen Organisationen mit Gesuchen von einer Dienststelle zur andern. Und das heißt: die Bereitwilligkeit schwindet und die Dorbereitungskosten wachsen. Das heißt: von dem Kapital an jugendlichem Schwung und Vertrauen zur Staatsführung ist wieder ein großer Teil vertan! — Hat denn die Regierung soviel Kredit, daß sie zulassen kann, daß Bürokraten und Menschen, denen esnochzu gut geht, mit diesem kostbaren Gut so wirtschaften können? Sieht man denn nicht, daß diese Kreis« alles sabbotieren, um die Regierung bei der Jugend in Mißkredit zu bringen.
Es ist die Pflicht der behördlichen Stellen, durch Schaffung und Bereitstellung großer Arbeitsaufgaben den notwendigen Raum zum Einsatz der Jugend zu bieten, denn sonst ist das Recht zur Teilnahme am freimütigen Arbeitsdienst sinnlos, weil nicht aus übbar. Die junge Generation selbst kann solche Arbeitsprojekte nicht schaffen. Ihre Bünbe und Verbände können nur einsatzbereite und arbeitsfreudige Gruppen zur Verfügung stellen. Und das ist viel. Dies« Gruppen stehen bereit und warten, Tag um Tag. Woche um Woche. Die Führer haben sie irn Vertrauen auf die in Aussicht gestellte Initiative der Regierung gesammelt. Diese vorbildliche Haltung einer hoff- nungsarmen Jugend verpflichtet die Diener des Staates zu rasche st er und unbürokratischer Hilfe.
Die Reaktion marschiert.
Was man in vertrauteren Reifen schon feit einigen Wochen vermutet hat, ist eingetreten. Brüning ist zurückgetreten. Reichspräsident Hindenburg hat einige Wochen auf seinem Gut Neudeck in Ostpreußen geweilt. Dort haben die reaktionären Kreise aus dem Großgrundbesitz offenbar einen Generalangriff auf Brüning bei dem alten Herrn unternommen. Es ist bezeichnend, daß die sachlichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Hindenburg und Brüning gerade auf dem Gebiete der Siedlungspolitik lagen. Hindenburg hat sich aus Gründen, die man nach feiner Vergangenheit verstehen muß, schon immer auf die Seite der Großagrarier gestellt. Und bei der fog. „Osthilf e" mußte manches gemacht werden, was mehr als ein Schönheitsfehler war. Jetzt wollte die Regierung d i e großen Güter, die nicht mehr zu halten find, übernehmen und in größerem Maße als bisher zu Siedlungszwecken bereit stellen. An eine „Enteignung" der Großgrundbesitzer dachte kein Mensch. Aber eine sozial denkende Regierung kann auch nicht zulassen, daß in Güter, die „siedlungsreif" sind, immer wieder Steuergelder als „Osthilfe" hineingesteckt werden, während Hunderttausende von tüchtigen deutschen Bauern nach Land hungern.
Brüning konnte sich nicht dazu hergeben, dem Volk neue Opfer aufzuerlegen und die Verantwortung für die kommende Notverordnung zu übernehmen, wenn er sah, wie die Kreise, die 1918 gründlich abgewirtschaftet haben, den Volksstaat von innen her aushöhlen. Brüning konnte diese Entwicklung nicht mehr aufhalten, da die republikanischen Parteien, auch die alten Zentrumsleute, nicht aufgepaßt haben, als es noch Zeit war. Er war es feinem Namen und der Idee, die er verkörpert, schuldig, sich nicht mißbrauchen zu lassen. Um nach Lausanne gehen zu können, brauchte er stärkste Vollmachten, er durste sich aber nicht als „Adjutant" irgendwelcher machthungriger Generale dort hinschicken lassen. Er hat die Konsequenzen gezogen und ist ein ehrlicher Mann geblieben.
Ueber zwei Jahre hat Brüning eine Last getragen, die Menschenkräfte übersteigt. In heißem Kampfe mit dem Ausland um Deutschlands Freiheit und Gleichbe
rechtigung, im zermürbenden Ringen gegen die furchtbare Not der Wirtschaftskrise hat er sich immer wieder behauptet. Er hat die deutsche Währung und die Staatsfinanzen vor dem Zusammenbruch bis jetzt gerettet. Man dankte ihm seine Arbeit schlecht. Die Rechtskreise gingen, als sie ihn im offenen Kampfe nicht zu Fall brachten, getarnt vor. Man scheute vor heimtückischen Dolchstößen nicht zurück. Brüning ist ihnen zuvorgekommen. Wir grüßen unseren Führer und wollen stets so ehrlich wie er für unser Volk und Vaterland weiter kämpfen. Die Reaktion marschiert. Wir werden aufpassen. Wir müssen es doppelt, weil der Bolschewismus auf der Lauer liegt, um auf diesem Umwege zum Ziele zu kommen.
Katholische Jungmannschast, schließe die Reihen! Was auch kommen mag, wir vertrauen auf den Lenker uns«, rer Geschicke und lassen uns vom Schicksal nicht zerbrechen.
5m freiwilligen Arbeitsdienst.
Feier- unb Abschiedsstunden im Mufriedheim nach Köln.
Diözesansenior Ksiensick von Fulda hat 20 Wochen den vom Gesellenoerein eingerichteten Freiwilligen Arbeitsdienst in Bensberg bei Köln geleitet. Dieser Tage ist er wieder nach Fulda zurückgekehrt. Ueber die ihm bereitete Abschiedsfeier geht uns aus Bensberg folgender Bericht zu:
Am Sonntag sah das Winftiedheim aus Anlaß de» 6. Stiftungsfestes des kath. Geselenvereins in Bensberg viele Gäste, Freunde und Gönner der Kolpingsfamilie versammelt. Die wochenlange Mühe der Arbeitsfreiwilligen mit Proben und Vorbereitungen auf dieses Fest wurde durch ein ausverkauftes, überfülltes Haus reichlich belohnt. Ein Spiel von der Enfftehung des Gesellenvereins, „Adolf Kolping" (d. Sebastian Wieser), zeigte eine der Hauptaufgaben des Gesellenvereins, die Führung und Leitung der heimatlosen Wandergesellen. Dieser Hauptteil des Programms hatte von seinen Veranstaltern auch die größten Opfer verlangt. Der ständige Wechsel, das Kommen und Gehen, das eben im freiwilligen Arbeitsdienst mit feiner 20 W o- chenperiode begründet liegt, zwang zur mehrmaligen Neubesetzung einiger Rollen. Doch gute Regieführung und opferbereiter Wille ließen eiy Fest gelingen, das einfach und schlicht iebem Besucher einen Einblick gab in das harmonische Familienleben der Arbeitswilligen im Winsriedsheim.
Ein letzter Dankesgruß dem scheiden« den Führer des freiwilligen Arbeitsdienstes! Dies war der zweite Zweck, den das Familienfest zu erfüllen hatte. Führer unb Kamerad fein, ist schwer, unendlich schwierig in einer Gemeinschaft so verschiedener Charaktere, aus allen deutschen Gauen zusammen gewürfelt. Glänzend aber und mit viel Geduld und Liebe um der Gemeinschaft willen hat er feine Aufgabe gelöst, unser Bernhard Ksiensick, Diözesan- Ifenior des Kath. Gesellenvereins Fulda. „Zu gut meint er es mit uns", das war die allgemeine Ansicht der Freiwilligen, und weil dies jedermanns Ansicht war, fügte sich auch der Widerspenstigste. Drum war es auch eine Selbstverständlichkeit, daß sich der Abschied so herzlich als möglich gestaltete. Am SonntagnackMÜtag schon vor dem Feste mußte er im Freien in den Kreis seiner „Untergebenen" treten, Rede zu stehen für sein so stark ausgeprägtes Verantwortungsgefühl, dabei gab’s manchen humorvollen Gedankenaustausch. Gemeinsam ging’» nach dem Festausklang und dem Abendessen in die Kapelle, um dem Führer ein gutes Geleite vom Herrgott zu erflehen. Kräftig und mit rhythmischem Schwünge vollzogen sich am anderen Morgen nach der Gemeinschastsmefse die Freiübungen. Der „Kleine", (Bernhard) kommandierte. Kurz vollzog sich in der Mittagspause die Abschiedsseier. Es waren für dreißig Minuten aus den übermütigen Gesellen ernste zielstrebige Männer geworden, als ihr Führer zum letzten Male zu ihnen sprach und sie bat, diese so harmonische Seelengemeinschaft auftecht zu erhalten, auch wenn Länder und Jahre trennend dazwischen treten. Er forderte alle auf, das Rüstzeug, das sie sich hier gesammelt, in der Fremde und daheim in der Familie zu vermehren und dadurch sich und dem Staate zu nützen. Pünktlich um vier Uhr war alles zum Abmarsch gerüstet und „Nun ade, du mein lieb Winftiedheim." Mit dem Banner voraus ging’« nach Bensberg, ein Lied um das andere erscholl aus der Kehle, es sollte keine Wehmutsstim» mung aufkommen. Am Bahnhof ein kurzer Aufenthalt, „Stillgsftanden!" ein dreifach kräftiges „Zicki, Zacki, Heil, Heil, Heil!", ein letzter Händedruck, und fort ging die Fahrt neuen Aufgaben, neuen Zielen entgegen. Alle beherrschte der Gedanke „Unser Bester ist fort!"
Mr Christus mit Maria.
Bezirkslrefsen der 3ungfrauenfongregafionen des fireifes Hünfeld in Großenbach.
Dem „Blatt der Jugend" wird von einer Leserin geschrieben:
Regenschwer hängen die Walken am Himmel. Den ganzen Vormittag regnete es „Bindfäden". Sollten wir bei dem Wetter nach Großenbach gehen?
Da endlich gegen %2 Uhr hellte sich der Himmel auf. Rasch sind wir marschbereit. In Viererreihen mit frohen Wanderliedern ziehen wir aus unferm Heimatstädtchen hinaus. Bald sind wir an den ersten Häufern des Dorfes angekommen. Weht da nicht zwischen den blühenden Obstbäumen ein lachsroter Wimpel? Richtig, da kamen uns die Jungmädchen aus Großenbach entgegen und bieten uns einen frohen Willkommengruß, der unsererseits herzlich erroibert ipirb. Weiter geht's durch das Dorf. Unser srohee Lied gilt jetzt den Leuten, die in den Haustüren stehen und uns so freundlich zunicken. An der Kirche empfängt uns der hochw. Herr Pfarrer Trage- f e r und lädt uns ein, bis zum Beginn der Feier in feinem feinen Jugendheim zu bleiben. Unter scherzen und fingen vergeht die Zeit im Fluge.
Da rufen auch schon die Glocken zur Andacht. Unser Banner voran, ziehen wir in die festlich geschmückte Kirche ein. Pfarrer Trageser besteigt die Kanzel unb sagt uns zu Herzen gefjenbe Worte von unserer Mutter als Maienkönigin. Zwei Gebauten stehen im Vorher- gtunb ber Predigt, Maria, die Mutter neuerwachenden Sehens und Maria, die Mutter der sich aufschließenden Blüten in der Menschenseele. Maria hat uns das über- Natürliche Leben wiedergeschenkt durch ihren Sohn. Sie hat uns durch ihr demütiges Sichfügen in Gottes heiligen Willen die Quellen geöffnet, die uns durch die heiligen Sakramente zufließen. Maria ist auch die Schätzerin des Seelengartens. In der nachfolgenden Andacht weihten wir uns aufs Neue der Maienkönigin. Die Gesangsabteilung der Hünfelder Kongregation unter der
Leitung ihres tüchtigen Dirigenten verschönte die Andacht mit zwei mehrstimmigen Chören.
Während der Andacht hatten sick noch die Kongregationen aus Kirchhasel, Roßvach und Mackenzell eingefunden. Gemeinsam ziehen wir nun zum Saal. Von weither grüßen uns schon die uns zu Ehren errichteten Tannenbäume am Eingang des Saales. Der Saal selbst ist mit Tannengrün unb Fähnchen festlich geschmückt. Die Großenbacher Mädchen bewirten uns mit Kaffee und Kuchen. Pfarrer Trageser heißt uns in launigen Worten willkommen und bedauerte, uns nicht in den eigentlichen Festsaal führen zu können, droben am Berge bei unserer Lieben Frau, weil man bas Dach vergessen hätte. Es folgten ein Begrüßungsgedicht und heitere Vorträge von Jungmädchen aus der neu gegründeten Kongregation Großenbach. Uns vergeht die Zeit im Fluge.
Das Wetter ist beständig geworden. Frau Sonne guckte sogar durch die Wolken. Wir rüsten uns gerade, bei der Mzftter Gottes droben auf dem Berge einen Besuch zu machen. Das Banner und die Wimpel vorauf, kommen wir singend auf der Höhe an. Gruppenweise gehen wir in die Kapelle, die Schwesternhände in ein Schmuckkästlein verwandelt haben. Horch, da sendet das Ave Glöcklein einen Gruß hinaus zur Himmelsmutter. Es trägt mit sich viele Grüße von uns Mädchen, die wir Marienkinder fein wollen. Tief ergriffen lauschen wir dem Chor, der jetzt beim Glockenklang das Lied vom Aveglöcklein vorträgt. Es ist uns ganz feierlich zu Mute. Um uns die bewaldeten Rhönberge, dazwischen im Abendfrieden ruhend die Heimatstödtchen, wie ein Kin- derspielzeug. Die Großenbacher fingen ihr Heimatlied, das von dem Herrn Pfarrer gedichtet ist.
Unter dem Geläut des Glöckleins ziehen wir zur Grotte, die in einem kleinen Wäldchen steht. Dicht standen wir auf dem kleinen Platz. Wir waren nicht allein zur Grotte gekommen. Dörfler, junge und alte, standen im Hintergrund. Sogar der „Nazifuhrer" wollte sehen, was es jetzt gibt.
Zu Beginn der Feierstunde singen wir gemeinsam zwei Strophen des Liedes „Meerstern ich dich grüße".
Ein Prolog, der aus den Grundgedanken der Rede hin- weist. wurde fein und sinngemäß vorgetragen. Wieder schließen sich weitere Strophen des Liedes daran an. Darauf folgt die Rede, von einer Hünfelder Songregani- ftin gehalten. Unsere Schwester spricht über: „Unsere Losung im Zeitenkampf: Für Christus mit Maria". Ausgehend von der herrlichen Umgebung um uns. zeigte sie uns, daß wir Wanderer sind, deren Ziel die Ewiakeit ist. Wir grüßen von diesem Berge die Ewigkeit, den König der Ewigkeit unb unsere Mutter Maria. Alle Menschen finb für hie Ewigkeit da. aber die meisten (eben, als seien sie für die Erde geschaffen. Vielen ist der Blick in die Ewigkeit durch den steten Kampf um bas tägliche Brot verdunkelt. Es geht eine Bewegung durch die Welt, die aus der Erde ein Paradips — ohne Gott — schaffen will, der Bolschewismus. Mit allen Mittel kömvst man in Rußland um dieses Ziel. Man tötet Bischöfe und Priester, man schließt Kirchen und Erziehunosanstalten, dafür treibt in Zeitschriften, Flugblättern, Rundfunk, Kinos unb Volksmuseen gemeine Hetze gegen Gott, Kirche und Religion ihre Blüten. Auf die Gewinnung der Frau legt man besonderen Wert. Man denke es sich einmal aus, was es heißt, Frauen und Kinder sind gottlos. Wieviel Unheil kommt aus dieser Bewegung. Leider ist die Bewegung auch schon in das deutsche Volksleben eingedrungen. Dadurch, daß wir die Not lindern und Helsen, soweit es in unseren Kräften steht, bekämpfen wir den Bolschewismus am besten. Wir wollen uns bemühen als 100-proz. Katholiken zu leben, denn nur lOOprozentige Katholiken können das Leden meistern. Diese M-nich-n itiuu^u* bilden, ist Ausgabe der Kongregation. Noch ein klares Wort über den Nationalsozialismus. Wir katholischen Jungmädchen halten uns an die Vorschriften unserer Bischöfe'und halten uns fern von jener Bewegung. Verführte Menschen suchen wir wieder zur wirklich kathol. Haltung zurückzugewinnen.
Die Gründung einer Familie ist sehr erschwert. Ein kath. Mädchen aber, das auf Gott vertraut, das das Kind als Gottesgeschenk betrachtet unb bereit ist, einfach und fparfam zu leben, kann auch heute in der Ehe sein Glück finden. Wir wollen mit dem Schicksal nicht hadern.
Zeitennot ist Gottes Ruf. „Heitgern Kampf sind wir ge- weiht, Gott verbrennt in Zornesfeuern . . . eine Welt". Gottes Feuer brennen. Wir wollen nicht Opfer der Feuer werden, sondern die zerfallende Welt wieder aufbauen. Denn unsere Losung ist: Für Christus mit Maria. Maria ist uns Vorbild gewesen. Sie stand an einer Zeitenwende unb hat ihre Zeit Christus zugeführt. Wir wollen auch die Zeit formen aus Gotteskraft, nach Gottes heiligem Willen, denn unser Führer ist Christus, Christus der König. Unsere Losung soll sein, katholisch zu sein in Wort und in Werk. Hand in Hand, Brüder und Schwestern, ein einiges Heer, wollen wir schreiten zu lichtvollen Weiten, zu Gott, der unserer Jugend Freude ist.
Alle waren von den Worten hingerissen. In dieser Begeisterung hält uns auch der nun folgende Sprechchor, der in aller Namen den Treuschwur an die Königin erneuerte. Mit dem Ave Maria und dem Lied „Maria zu lieben" endete die Feier.
Stiller als wir tarnen ziehen wir zuM- Saal. Dort warteten uns wiederum die Großenbacher mit luftigen Spielen auf. Die Pausen füllten mir mit Singen von Scherzliedern aus. Ach, es war fo lustig, wie die schwäbische Musikkapelle ein Ständchen brachte unb uns ber Herr Pfarrer Trageser vom „Bruder Michel" vorsang. Bürgermeister B r ä b 1 e r, der uns mit seinem Besuch« beehrte, sagte uns Worte des Dantes und feuerte uns an, unserer Losung treu zu bleiben, denn, betonte er, wenn alle Mädchen ihren Kongregations-Ideen leben, fo ist • fcc-«<■ b»r Zukunft.
Schon war Oie Zen .
dem Dorf verabschiedeten mir flhs von den GaftFEMr und den Kongregationen Kirchhasel und Roßbach. An der Wegscheide unter dem Kreuz trennten wir uns von den Jungfrauen aus Mackenzell. Bald sahen wir Hünfeld vor uns liegen. Schwarzgraue Wolken hängen noch über den Dächern. Aber im Westen grüßt noch einmal die sinkende Abendsonne, ehe sie hinter den Bergen schlafen geht. Vor dem Pfarrhaus fingen wir das Abendlied, nicht ohne uns gegenseitig versichert zu haben: „5n Großenbach wars wunderschön!"