Einzelbild herunterladen
 

zu verringern. Auch seine schärfsten Gegner müssen zugeben, daß dieser Mann Großes gewollt und sein Bestes gegeben bat, mit einer Opferbereitschaft, die keine Rücksicht kannte, weder auf die eigene Person, noch auf die Partei. Er diente nicht um Dank, er geht ohne Groll, ein ganzer Mann, ein guter Deutscher, ein Führer, den die Nation auch in Zukunft brauchen wird."

Das Brulgeschäfk unserer Vögel

Unsere Vögel beteiligten sich am Brutgeschäft in ver­schiedenem Umfange. Meist setzt sich das Männchen nur zur Mittagszeit auf die Eier, damit das Weibchen seine Nahrnung suchen kann. Das brütende Männchen ist hier nur bestrebt, die Eier warm zu halten. Es gibt aber auch Männchen, die sich vollständig in das Brutge­schäft mit dem Weibchen teilen. Schließlich gibt es auch Weibchen, die die Eier bis zur erfolgten Ausbrut nicht verlassen und sich in diesen ungefähr 14—16 Ta­gen Zeit von dem Ehegatten verpflegen lassen. Hierzu gehören u. a. Wiedehopf, Eisvogel und Mauersegler. Die kürzeste Brutzeit (die Grundbedeutung ist erwär­men) haben die in der Stadt lebenden Haus- oder Mehl­schwalben und die Rauchschwalben oder Bäuerinnen, die zur Ausbrütung der Eier nur 13 Tage brauchen und in dieser Zeit vollständig von ihrem Gatten mit Le­bensmitteln versorgt werden. Bei kaltem Wetter ist manchmal das Männchen hierzu nicht imstande, so daß das Weibchen genötigt ist, die Eier zu verlassen, wodurch die Brutzeit verlängert wird. Die Eier werden über diese Zeit vom Weibchen mit einigen Federn zugc- deckt, damit sie nicht erkalten. Auch die Zaunkönigin bringt in 13 Tagen Prinzen und Prinzessinnen zur Welt, macht aber wie auch die Gartengrasmücke im Jahre nur eine Brut, während der Spatz des öfteren vier Bruten in einem Jahre macht. Die erste Brut

erfolgt im März: auch bei der grauen Bachstelze mit dem Beinamen Wackelschwänzchen sind schon drei Bruten beobachtet worden. Mit der Zunahme der Größe der Vögel verlängert sich die Brutzeit; so brüten die Elstern ungefähr 20 Tage, die Wildenten 24—28 Tage und die Störche 28—31 Tage. Anhaltendes Brüten erzeugt bei nickst wenigen weiblichen Vögeln sogenannte Brutrlek- ken. Darunter versteht man die Bildung von einer bis zwei kahlen Stellen am Bauch, die durch den lang an­haltenden Druck aus die Dauer entstehen. Die Federn fallen manchmal aus und werden von den Vögeln viel­fach zur Auspolsterung des Nestes verwendet. Am be­quemsten macht sich die Frau Kuckuckin das Brutgefchäft, ttdem sie ihre Eier von anderen Vögeln ausbrüten läßt. Hierzu legt sie ihre Eier einzeln auf den Boden und trägt sie mit dem Schnabel in die Nester von Zaun­königen, Rotbrüftlern, Bachstelzen, Heckenbraunellchen und Grasmücken, Der Grund hierfür ist, daß das Kuckucksweibchen nur ungefähr alle acht Tage ein Ei legen kann, so daß die zuerst gelegten Eier schon faul sein würden, bis die Bebrütung nach Ablage des feuch­ten Eies beginnen würde. Die Vögelchen werden nicht erfreut sein, wenn die Kuckucksmutter mit einem Ei erscheint; außerdem macht die Auszucht des jungen Gauch, der ein großer Fresser ist, viel Arbeit.

Konkurse und Insolvenzen.

— Schlußtermin im Konkurs Mechanische Baum­wollweberei ®. m. b. H. in Fulda. In dem Konkurs­verfahren der Firma Mechanische Baumwollweberei G. m. b. H. in Fulda fand am Montag S ch l u h t e r- m i n statt. Zunächst wurde noch eine nachträglich an- gemeldete Forderung zum Teil anerkannt. Ferner er­folgte die Festsetzung der Gebühren und Auslagen für die Mitglieder des Gläubigerausschusses. Verfügbar sind 34 034 RM. Die bevorrechtigten Gläubiger find in­zwischen voll befriedigt worden. Die nicht bevorrechtig-

Der Sternhimmel im Juni.

Sonnenaufgang von 3.45 5 3.40 Uhr.

Sonnenuntergang von 20.10 bis 20.25 Uhr.

Lichtgestalten des Mondes: 1. Vier­tel am 11. um 23 Uhr, Vollmond am 18. um 14 Uhr, letztes Viertel am 25. um 22 Uhr.

mff. Der Uebergang der Venus vom Abend­stern zum Morgenstern erfolgt immer sehr schnell. Kaum hat die Dauer ihrer Sichtbarkeit abgenom­

will. Der ganze Monat steht sa unter dem Ein­druck des Höchststandes der Sonne, der sie auch um Mitternacht nicht tief unter den Horizont sin­ken läßt, so daß keine volle nächtliche Dunkelheit, sondern nur eine Art Dämmerung, die sogenannte „Mitternachtsdämmerung", eintritt. Je weiter wir nach Norden kommen, desto ausgeprägter ist diese Erscheinung.

Wir sehen infolgedessen nur die helleren Fir- sterne, wollen trotzdem aber einen Blick auf den

Sterne:

STERNBILDER;

'10,

STABEN

J^Mars (^Jupiter

Saturn

3 (Q

Mond: D1. Viertel @ Vollmond d letztes Viertel

Kleine Buch- < staben»

Der Sie 2T Stundenzahlen von Mittet* hecht bis Mitternacht eires Tages ent­haltende Kreis und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind fest- stehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem auf Mitternacht zeigenden geraden Pfeil — gewissermaßen dem Zei­ger der Himmelsuhr — in 23 Stunden und 56 Minuten im Sinne des gebogenen Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont umrahmt die zu der Stunde, auf die der gerade Pfeil zeigt, um die Monatsmitte sicht­baren Sterne. Unsere Karte zeigt also den Zustand um Mitternacht der Mo­natsmitte.. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den ■Sternhimmel samt dem geraden PfeU so gedreht, daß dieser auf die Be­obachtungsstunde zeigt; dadurch werden die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hin­eingedreht. Für je 5 Tage vor der Mo­nats mitte ist der gerade Pfeil 1/s Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monats­mitte Stunde später zu stellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellun­gen ein, wenn er die angedeutete Licht­gestalt zeigt.

men, so geht es immer weiter bergab, und wenn sie erst „rückläufig" wird, der Sonne entgegen» läuft, so ist es überraschend schnell mit ihrer Sicht­barkeit zu Ende. Der Wendepunkt fällt diesmal ziemlich genau mit dem Beginn des neuen Mo­nats zusammen: noch ein paar Tage steht die Venus scheinbar still, bann geht es „rückwärts, rückwärts" und bald ist der holde Abendstern ver­schwunden. Etwas, aber nicht sehr viel besser, hält der Jupiter stand; er bleibt den ganzen Monat über sichtbar, aber zuletzt ist er nur ein kümmerliches Lichtlein, das wenig von der alten Herrlichkeit gerettet hat. Wie in den Vorjahren, so gewährt auch diesmal der sonnenferne S a - turn eine Art Sommerersatz, er verschiebt sich, wie die Sternfreunde das gewöhnlich ausdrücken, vom Morgen- auf den Abendhimmel, und ist schließlich die ganze Nacht sichtbar, was freilich bei der Kürze der Sommernächte nicht viel besagen

Firsternhimmel werfen: Blicken wir nach Süden, so sehen wir eine recht merkwürdige Gegend. Die Alten zeichneten dort einen eine Schlange tragen­den Mann in den Sternhimmel hinein; das war der berühmte Schlangenträger; die Schlange, die er trug, ragte sowohl mit dem Kopf, als auch mit dem Schwanz über den Träger hinaus, und so zerfällt noch heute das Sternbild der „Schlange" in zwei ganz voneinander getrennte Teile, die eben durch das des Schlangenträgers voneinander geschieden sind. Man wird ja kaum behaupten können, daß diese Art der Himmelseinteilung sehr zweckmäßig ist: aber so ist nun einmal der Mensch: ,,Was grau für Alter ist, das ist ihm göttlich!" Und so wird es ja wohl auch bei dieser merkwür­digen Himmelseinteilunq noch eine Weile verblei­ben. Es gibt ja auch Schlimmeres, mit dem man sich abfinden muß. Sü ft ermann.

Die Gefandtln Gottes

Von Liane von Gentzkow.

Copyright 1932 by Prometheus-Verlag Dr. Eichacker, 421 Gröbenzell bei München.

Später schrieb Meister Konrad einen Brief an den heiligen Vater Gregor, der Elisabeth großen Beschützer, und erzählte darin:

„Am Karfreitag, als die Altäre ohne Schmuck waren, legte sie in einer Kapelle der Stadt Eisenach, die sie den Franziskanerbrüdern eingeräumt hatte, die Hände auf den Altar in Gegenwart einiger Brüder und ver­zichtete auf Eltern und Kinder, auf den eigenen Willen, auf den Glanz der Welt und auf alles, das der Heiland im Evangelium zurückzulaffen rät. Als sie aber auch auf ihren Besitz verzichten wollte, hielt ich sie zurück, einmal, damit sie für die Schulden ihres Mannes auf­kommen könne, dann aber wegen der Armen, denen sie, so wollte ich, aus dem, was ihr als Wittum zu- kam, Almosen spenden sollte."

Er hatte ihr genommen, was sie ersehnte, die äu­ßerste Armut. Der große Hospitaldienst, den er ihr dafür geben wollte, konnte erst nach langen und um­ständlichen Verhandlungen mit dem Landgrafen zur Wirklichkeit werden. Er beabsichtigte, daß sie in Eise­nach diesem Dienste lebte. Und eben das war es, was Elisabeth fürchtete. Sie ängstigte sich davor, für immer an demselben Ort weilen zu müssen, in dem sie einst im Sinn der Welt glücklich gewesen war. Eine Wunde brannte, wenn sie die Landgrafen Konrad ober Hein­rich in Eisenach einreiten sah, wie einst Ludwig gerit­ten war. Und es bäumte sich etwas in ihr auf, wenn sie merkte, wie sorgfältig ihr kleiner Sohn von ihr ferngehalten wurde. Von einer Rückkehr Sophies war überhaupt nicht mehr die Rede . . . Wie konnte man auch einer Irrsinnigen die Kinder anvertrauen? — — Einerseits von den Nächsten verlassen, wurde sie an­derseits immer häufiger von Neugierigen und selbst von Bewundrern ausgesucht und angestaunt. Dazu kamen vielsagende Botschaften aus Samberg, dringende, gebie- terische Rufe aus einer Welt, die sie doch endgültig auf- gegeben hatte. Dies brachte sie auf den Gedanken, nach

Marburg, wo ihr Liegenschaften zustanden, zu ziehen. Hier war sie so gut wie überhaupt nicht bekannt, hier würde sie in äußerster Zurückgezogenheit leben können.

St. Elisabeth zu Marburg.

Im Hochsommer des Jahres 1228 ging sie gegen den Willen Meister Konrads, der die Welt besser kannte und genau wußte, was gesagt werden wurde, nach Marburg. Jsentrud, Guda und die Magd Irmengard begleiteten sie, entschlossen, ihr Leben mit ihr zu teilen. Von den Kindern nahm sie die kleine Gertrud mit. Diese, zur Klosterfrau bestimmt, konnte nach Meinung der Verwandtschaft bei der sonderbaren Mutter keinen Schaden erleiden. Und so nahm sie in ein Dasein, das nach Meister Konrads Rat ohne irdischen Trost sein sollte, sich in diesem Kind eine letzte kleine HerMume mit, die sie mit ihrer ganzen zurückgedrängten Zärt­lichkeit einhüllen und überschütten durste.

Da ihr auf der Burg seitens der Burgleute mit je­nem Mißtrauen begegnet wurde, das allen denen ent­gegengebracht wird, die es wagen, neue Wege zu ge­hen, vornehmlich wenn es Frauen sind, und da sie hier ebenso wie einst auf der Wartburg gehindert wurde, ihre Regeln zu erfüllen, zog sie in bas Därflein Wehr- ba, eine halbe Stunbe auswärts an ber Lahn. Auf ei­nigem Lanb, bas zu ihrem Besitz gehörte unb bas sich am Flulle hinstreckte, fanb fich ein baufälliges Häuschen, bas früher von bem Pächter, ber bie angrenzenden Aecker unb Wiesen übernommen, bewohnt worben war, aber nun feit langem leerftanb. Ein Herb war vor- banben, unb bas Dach hielt wenigstens teilweise den Regen ab. Mit Scherzen ging Elisabeth baran, bie Hütte bewohnbar zu machen. Wenn ber Rauch, der keinen Abzug hatte, ihnen die Augen tränen ließ, so schilderte sie beredt die Vorzüge dieses Heims gegenüber der Schenke in Eisenach. Es war doch ihr Eigen, sie brauchten keine Herbergsmutter um Erlaubnis zu fra­gen, wann sie waschen ober kochen wollten. Mit grü­nen Zweigen, bie sie sich von ben umliegenden Höhen holte, verstellte sie Dehnungen und Luken in den Wän­den und die kleinen Fenster, deren Laden fehlten. Da faß sie in ber grüngoldenen Dämmerung im Flur auf der Untersten Stufe einer morschen Treppe, unter der sie sich ihr Lager aufgeschlagen hatte, und sang die Kleine in den Schlaf, die mit wundervoller Selbstver-

ten Gläubiger haben mit einer Quote von 4.88 Prozent -u rechnen. Einwendungen gegen bas Schlußverzeichnis erfolgten nicht. Nach Ausschüttung ber Masse wirb bas Verfahren ausgehoben.

- Konkurs Joseph Göller In Fulda. In dem Kon­kursverfahren des Kaufmanns Joseph Goller in Fuwa fanb am Montag Schlußtermin statt. Zunächst würben noch drei nachträglich angemeldete Forderungen und eine früher vorläufig bestrittene Forderung voll an- erkannt. Einwendungen gegen das Schlußverzeichms er­folgten nicht. Sowohl die bevorrechtigten ©laubiger mit 21.50 RM, sowie bie allgemeinen Konkursgläubiger mit ihren Ansprüchen von 12 056 RM.. von benen ai>er nur 1600 RM. anerkannt sinb, gehen leer aus, Da -Diane nicht vorhanben ist. Das Verfahren würbe aufgehoben.

-- Starker Rückgang des Aktivsaldos im 0 eder schuh- Außenhandel. Im April 1932 wurden 36 266 (t. V 54 152) Paar Leberschuhe einaesührt. Gegenüber dem Vormonat mit 23 993 Paar ist di- Einfuhr um 51 Proz. gestiegen. Die Ausfuhr von Lederschuhen im April 1932 "betrug 149 359 (370 699) Paar, sie ist gegenüber Mär, 1932 mit 166123 Paar um 10 Proz. zuruckge­gangen. Im April 1932 betrug der Wert der Leder- lchuheinsuhr 296 000 Rm, ber Ausfuhr 1 018 000 Rm. Sonach ergab sich im April 1932 ein Aktivlalbo von nur 722 000 Rm. gegenüber einem solchen von 2 416 060 Rm im April 1931 In den ersten vier Monaten der Jahres 1932 stellte sich der Wert der Leberschuheinfuhr aus 998 000 Rm., ber Leberlchuhausfuhr auf 3 736 000 Rm. gegenüber 2 611 000 Rm.bezw 11 641 000 Rm. in ber gleichen Dorjahreszeit. Der Aktivsalbo in ben ersten vier Monaten bes Jahres 1932 betrug mithin 2738000 R m. gegenüber 9 030 000 Rm. i. D.

Frankfurter Produktenbörse.

— Frankfurter Getreidebörse vom 30. Mai. Die Getreidebörse hatte heute nur sehr kleines Geschäft. Weizen war etwas billiger. Es wurden bezahlt für je eine Tonne: Weizen 280, Roggen 225, Gerste 200—204, Hafer 172.5—177.5, für je 100 Kilo Weizenmehl fübb. Spezial. 39—40.25, Niederrhein. 39—40, Roggenmehl 27.75—29, Weizenkleie 9.75—9.60, Roggenkleie 10, Erb- fen 26—35, Linsen 24—52, Heu fübb. 4.75—5, Weizen- unb Roggenstroh, gebünbelt ober brahtgepreßt 5, Treber 11. Tenbenz: ruhig. — Kartoffeln : für je 50 Kilo Industrie heimischer Ernte 2.90 Mk. Ruhig.

Die Enzyklika pius’ XL

vom 3. 2Rai 1932.

Dor zehn Tagen erging ein neues Weltrunü- schreiben des Papstes unter den Eingangsworten Earitate Christi compulsi in verschiedenen Spra- chen an die Völker der Erde, in erster Linie an die Gläubigen der katholischen Kirche. Dieses Schreiben des obersten Hirten der Kirche ist der Ausdruck seines tiefsten und innigsten Mitgefühls mit den Geschicken der Völker. Erst wenn wir die Wurzel der Nebel, von denen die Menschen der Gegenwart so schwer betroffen und so bitter heim- gesucht sind, erkannt haben, können mir hoffen, daß wir einmal einen Ausweg aus dieser Not und aus diesem Elend finden werden. Der Papst g'bt in seinem Schreiben verschiedene Ursachen für die Hebel der Zeit an: die immer mehr um sich greifende Gottlosigkeit, die Geheimverbände, die mit Haß gegen die Religion Christi erfüllt sink, die schreckliche Arbeitslosigkeit der breiten Schich­ten des Volkes, die seelische Qual und Verlassen­heit so vieler, die ganz ihrem Schicksal preis­gegeben sind.

Doch die schlimmste Wurzel all der Hebel, die die Menschheit bedrücken, das war und ist der „fluchwürdige Hunger nach Gold". Hierauf und auf die anderen Hrsachen richtet Pius XI. in sei­nem Rundschreiben von der höchsten Warte der Kirche aus seinen Blick; er untersucht die Bedin­gungen, unter denen die Menschen heute körper­lich und geistig ihr Dasein fristen, er bespricht und empfiehlt die Heilmittel, die auf die Dauer und in Wahrheit allein die Kraft haben, den Völkern und den Staaten Hilfe zu bringen. Diese Mittel müssen die Menschen erst wieder in ihrer über­irdischen Heilwirkung erkennen und spüren. Es sind vor allem Gebet und Buße, Bekehrung zu Gott dem Herrn, und Befolgung seiner Lehren und Gebote. Um die Gläubigen im Geiste des Gebetes und der Sühne zu vereinen, lädt der Hei. lige Vater die Kinder der Kirche ein, das bevor­stehende Fest des Heiligsten Herzens Jesu zu be­nutzen, um durch Andachten, öffentliche Gebete, Predigten unb Buß werke den Geist des Gebetes und der Sühne in allen Gläubigen möglichst leben­dig zu machen. Die väterlichen Worte Pius' XI. werden so zu einer aktuellen Angelegenheit der ganzen Kirche. In den verschiedenen Diözesen (auch in der Diözese Fulda) sind besondere Anordnun- I gen im Sinne des Heiligen Vaters inzwischen er­gangen.

Damit geht Hand in Hand der lebhafte Wunsch

6er Geistlichen unS Laien, den deutschen Worttaut der Enzyklika Pius' XI. kennenzulernen. Diesem Wunsch kommt der Katholische Tatverlag in Köln neben entgegen durch die Veröffentlichung des ge­nauen Tertes des päpstlichen Rundschreibens. (64 Seiten, Preis 30 Pfennig.) Damit ist verbunden eine Einführung aus der Feder p. Heinrich Hei­manns S. C. J. unter dem Titel Herz 3efu, Zuflucht ber Welt. Dieser Teil der Schrift enthält in edler Sprache Belehrungen und An- regungen zur Herz-Iesu-Andacht, verschiedene Ge­bete und Litaneien, die sich auf die Herz-Jesu- Verehrung, besonders in der Notzeit unsres Vat-r. landes, beziehen Das handliche Büchlein, das sich auch zum Gebrauch bei Reisen und Wallfahrten gut eignet trägt als äußeren Schmuck den „Mann der Schmerzen", der mit der Dornenkrone auf einem Felsstein sitzt und, ergriffen vorn bittersten Leid weint über die Sünden und die Sündenschuld der Menschen Dieses Bild Albrecht Dürers ist recht geeignet, durch betrachtende Gebete die Sühne- und Bußgesinnung in den Lesern zu wek- ken und zu vertiefen. Dr. Karl H o e b e r.

Briefkasten der Schriftleitnng.

6 m. Eine Bestätigung, daß ber fragliche Mitbür. qer mit ber Bildung bes Reichskabinetts betraut werben würbe, ist uns noch nicht zugegangen Er selbst bürste Überzeugt sein, baß er es tneientlidj bester machen würbe als Brüning. Das steht fest.

v. R. Gegen die schwere Phrasen-Krankheit.die über weite Streife hereingebrochen ber Wer-

muth-Tee ber Erfahrung in einiger Zett sich als heilsam erweisen.

Temveralur- und Barometerstand in Fulda.

Mitgetetlt von Diplom-Opiiker Sauerborn.

Barometerstand

(auf Meereshöde reduziert)

Thermo» meterftanb

30. 5. 6 Uhr abends

31. 5. 8 Uhr morgens

31. 5. 12 Uhr mittags

756,5 mm

756,5 mm

756,5 mm

4-15,0° C + 13,0* C + 14,0° C

Höchste Temperatur im Schatten am 30. 5. -4-15,5« C

Höchste Temperatur in ber Sonne am 30. 5. +15,5° C Niedrigste Temperatur feit 30. 5. +10.0" C

Niederschlag v. 30.5. morg. 8U. — 31.5. morg. 8 U. 7,5 mm Relative Feuwttakei« her Lust am 31 5. mitt. 12 Uhr 77,0 "/•

(L. S.)

Namens Ves Bezirksausschuß: Der Vorsitzende.

I. D. ge$.: Unterschrift.

Amtliche Vekanntmachtlugen Aulda.

Abschrift. Bescheid.

Auf den Antrag des Magistrats in Fulda vorn 14. März 1U32 — Nr 2673/31 — wird die Gültigkeitsdauer der Genehmigung ber Biersteuerorbnung für bie Stabt Fulda vom 31. Oktober 1930 auf Grunb von §§ 18, 77 bes Kommunalabgabengefetzes vom 14. Juli 1893 in ber Fassung ber Gesetze vom 26. August 1921 (G. S. S. 495) unb oom 8. August 1923 (G. S. S. 377) bis zum 31. Marz 1933 mit ber Maßgabe verlängert, daß in § 4, Abs. 1 hinter b) ein­gefügt wirb:

c) Bier bas von Brauereien an ihre Angestellten und Arbeiter an Ort unb Stelle als Haustrunk abgegeben wirb, soweit es auch von ber Reichsbiersteuer befreit ist."

Gleichzeitig wirb bestimmt, baß ber erneute Gemeinde, beschluß, sofern er ber Maßgabe beitritt, vom 1. April 1932 ab wirksam sein soll.

Kassel, den 24. März 1932.

B. A. St. 156/32.

Beschluß der Stadtverordnetenversammlung Nr. 30 St D. Pr.

Der Maßgabe wird zugestimmt.

Fulda, den 24. Mai 1932.

Der Skadtverordneken v orstehe*

gez. Schultheis.

Beschluß des Magistrats Nr. 195 R. Pr.

Zustimmung.

Fulda, den 25. Mai 1932.

Der Magistrat: gez. Dr. Danzebrink

Wird veröffentlicht.

Fulda, den 30. Mai 1932.

Der Magistrat:

Dr. Danzebrink

I ständlichkeit um so besser gedieh, je schlechter es ihnen I ging. Draußen aber auf ber Lanbstraße ftanben hier und ba ernsthafte hessische Bauern unb sahen kopfschüt- telrrb über bies neue Wesen nach ber Hütte herüber, in ber bie Gräfin von Hessen wie ein Bettelweib hauste.

Inzwischen betrieb Meister Konrad aus den Mit­teln, bie Landgraf Heinrich spärlich unb sehr allmäh­lich für feine Schwägerin an ihn absührte, ben Bau eines Hospitals unb eines kleinen aus Lehm unb Holz errichteten Häuschens für Elisabeth unterhalb bes Burg­berges in ber Ebene vor bem Städtchen. Er suchte und fanb bie geeigneten Persönlichkeiten zur Verwaltung bes Hospitals unb ber bazugehörenben Grunbstücke. Er oerftanb es Frauen unb Mädchen für den Dienst zu ge­winnen unb andere zu Gaben zu veranlaisen. Schon im Herbst würbe bas Krankenhaus bem im gleichen Jahr heilig gesprochenen Franziskus geweiht, unb in ber kleinen Kapelle ber Franziskanevbrüber nahmen Elisabeth. Jsentrub, Guba unb Jrmengarb bas graue Kleib ber Tertiarinnen aus ber Hanb bes Meisters an.

Es begann ein tätiges Leben wie «inst auf ber Wartbura. Meister Konrab, ber sich zu einer neuen Reise rüstete, erinnerte es 'oqar zu sehr baran. Denn er beobachtete wohl, wie Elisabeths Gefolge bemüht mar, ihr alles Schwere abzunehmen, wie man ihr ver- stöhlen biente, da sie es sonst verboten hätte. Er be- obachtete, wie immer ein weiches Kisten für sie bereit lag, wie bald Jsentrud, bald Guda eine Arbeit, die sie für sich selbst bestimmt hatte, vollendeten, damit sie ruhig in bem kleinen Schlafraum bei ihrem Kinde bleiben konnte. Unb er beobachtete, baß, wenn bunkle Stun- ben ber Trauer und der Erinnerung kamen, wenn eine schmerzhafte Sehnsucht nach bem toten Freund und ben fernen Kindern aufkam, Jsentrud sie zärtlich wie eine Mutter in die Arme schloß. Sie hatte noch vielen Trost in ihrem armen Leben, unb well sie nach ber Vollkom­menheit strebte, bie solchen Trostes entbehren muß, nahm Meister Konrad ihr die Gefährtinnen, die sie liebte. Sie empfing eine Wunde, aus die. sie nicht vorbereitet ge- wesen war, und schied sich weinend von Guda und Jfen- trub, bie ber Meister in anbere Gemeinschaften bes britten Ordens sandte. So streng hielt sie den Gehor­sam, den sie auf sich genommen hatte, als sie noch nicht wußte, was er bedeutete, daß sie auch spätere Besuche

der Freundinnen nicht empfing, ehe sie nicht die Erlaub­nis dafür eingeholt hatte.

An die Stelle der Scheidenden setzte Meister Konrab zwei Frauen, von benen er wußte, daß sie ihr nie etwas sein konnten. Die erste war eine ältliche, gänzlich taube und ständig übellaunige Witwe aus gutem Haus, Frau Hedwig von Seebach, bie ihre letzten Lebensjahre Gott unb feinen Armen weihen wollte, unb bie vor allem selbst Pflege unb Rücksichtnahme erwartete. Cs mochte wenig Freube in ihrem Leben gewesen sein, unb sie neibete heute noch ber jungen Sanbgräfin einst fo reiches unb glücklich erfülltes Dasein. Dazu war sie von jener unheimlichen unb zweideutigen Frömmigkeit, wie sie ein leeres Alter überfallen kann, und eifriger als jede andere in der Beobachtung aller äußerlichen Anordnungen. Fortan wurde sie die schärfste, unerbitt­lichste Anklägerin Elisabeths, wenn diese sich aus über­vollem Herzen heraus zu Ueberüfjreitungen von Meister Konrads Geboten hinreißen lieh. Denn bis zu körper- lieben Leiden konnte sich der Mitleidigen Schmerz dar- Über steigern, wenn sie Almosen nur in ganz beschränk- tem Maße geben durste, und wenn sie vergeblich Der* sucht hatte, die vorsichtigen Regeln Meister Konrads, der ihre Verschwendung kannte unb eisern bekämpfte, zu umgeben. Mit tiefer Besriebigung darüber, daß sie dieser jungen und in mancher Hinsicht leichtsinnigen Frau auf ihrem Wege zur Vollkommenheit nützlich fein konnte, ließ die Witwe Hedwig sie zu Bußen, Fasten unb Geißelungen verurteilen.

Die zweite Gefährtin war Elsbeth, ein Mädchen niedrigster Herkunft, häßlich unb verwachsen, beschränkt unb scheu, bie vor Meister Konrab grenzenlos ver­ängstigt, nie gewagt hätte, für bie Herrin eine Arbeit zu tun ober ihr eine Erleichterung zu verschaffen.

Zwischen biefen beiben, zwischen ber Witwe Hedwig unb ber Magb Elsbeth war Elisabeth zur Stummheit verurteilt, wenn sie mit ihnen bes Abenbs Wolle spann. Damit bestritt sie bamals ihren eignen Unterhalt, da alle ihre sonstigen Einkünfte bem Hospital zugute kom­men sollten. Unb inbem sie wehmütig baran buchte, wie sie noch vor wenigen Wochen zwischen ber Witwe Isen- trüb unb der Jungfrau Guda gesessen, schenkte sie ber schüchternen Magb unb ber »erbitterten alten Edelfrau ihr schönstes Lächeln.

Fortsetzung folgt.